Archiv:Die Schlacht auf den Schwarzen Marschen (BB 17)

Aus Liebliches-Feld.net

Wechseln zu: Navigation, Suche

Quelle: Bosparanisches Blatt Nr. 17, Seiten 1-2
Aventurisches Datum: Ingerimm 1021 BF



Die Schlacht auf den Schwarzen Marschen von Shumir

Zweiter Teil

von Tarin Salquirio von Salicum-Selzin


Vor wenigen Monden erfuhren wir aus der Hand des Comto Schatz-Canzlers von dem Aufeinandertreffen der Heere des Prinzen Ralman von Firdayon-Bethana, Erbprinz Horasias, und Baron Arianos von Treuffenau-Veliris, dem selbsternannten Regenten von Shumir. Der schwelende Konflikt um den Herrscherstuhl der reichen Baronie Shumir hatte sich in den Tagen des INGerimm immer weiter zugespitzt und fand schließlich seinen vorläufigen Höhepunkt in der Schlacht auf den Schwarzen Marschen von Shumir. Von eben dort berichtet Comto Tarin von Salicum-Selzin über den Fortgang der Geschehnisse.

"[...] Geradewegs schien der Ausgang der Schlacht für den Baron aus Veliris zu einem Fiasko zu werden, galt einer seiner Heerführer, zugleich Schwiegersohn des Barons, als gefallen und die eigenen Truppen ob dieser Nachricht demoralisiert. Doch noch bevor dieser Schock den Velirischen Truppen in die Glieder fahren konnte, um sich schwer wie Blei in ihnen festzusetzen, da tönte die Trompete des Clamethers über das Feld. Ulim Marciero selbst führte zwar die Kompanie schwerer Reiter nicht an - der Gransignor weilte wohl noch immer im fernen Weiden - aber dennoch verhalfen die Reiter unter Carinja Rodensen-Mersingen die Lage für Baron Ariano fürs erste zu retten.

Ich selbst befand mich zu diesem Zeitpunkt noch immer auf dem Feldherrenhügel des Barons und hatte einen guten Überblick auf das unter mir liegende Schlachtfeld. Als unliebsamer Gast war ich zwar zunächst aus dem direkten Umkreis des Barons verbannt worden, konnte mich aber in der allgemeinen Aufregung um den Tod des Connetabels ganz in die Nähe der kommandierenden Adligen begeben.

Natürlich hat man sich den militärischen Konflikt zwischen Baron Ariano und Prinz Ralman nicht wie eine der großen Schlachten der Geschichte vorzustellen, an denen Tausende von Soldaten beteiligt waren, aber alleine der Ehrgeiz der Lokaladligen war es, eine Schlacht mit gerade einmal etwas mehr als 1000 Kämpfenden wie eine Partie auf einem Spielfeld aufzubauen. So versuchte der Gonfaloniere des Barons immer wieder einen Zangenangriff gegen die Truppen des Prinzen zu führen, den diese jedoch mit kleineren Ausfällen an den Flanken schnell zum Erliegen bringen konnten.

Besonders ungeordnet kämpften jedoch die bewaffneten Bürger aus Shumir. Zuweilen erschien es mir, daß sie eher der Schlachtordnung des Barons entgegenwirkten, als das sie seinem Heer Stärke verliehen. Anscheinend ohne Kommandanten warfen sich die Bürger immer wieder ins Getümmel, ohne auch nur im mindesten auf ein kleines bißchen Taktik zu achten. So war es auch kaum verwunderlich, daß viele von ihnen unter dem Pfeilhagel der Pertakiser Bogner fielen.

Der Baron tobte vor Wut und befahl diverse Male die Bürger endlich von seinem Schlachtfeld holen, was aber kaum gelingen konnte, waren sie doch überall und nirgends.

So entschloß sich Baron Ariano den Kampf zunächst zu unterbrechen und die Truppen neu sammeln zu lassen. Das entsprechende Hornsignal erscholl über den Schwarzen Marschen und die Heerführer sammelten ihre Einheiten zum Rückzug.

Ein Nachsetzen der Kavallerie unter Signor Rendariell de Millenis konnte durch die Bogner aus Veliris und den wenigen Feldgeschützen verhindert werden, die ohne viel Mühe vom Hügelkamm aus die Reiter stoppten. So kam es, daß man zur Mittagszeit, eiligst wurden Boten hin und her getauscht, die Schlacht zunächst unterbrach. Der einstige Vorteil des Barons aus Veliris war vorübergegangen. Seine ansonsten ausgeglichene Laune ebenfalls.

Während die Toten und Verwundeten vom Schlachtfeld geholt wurden rief der Baron seine Heerführer zusammen.

Ich selbst hatte mich einfach Signor Romualdo ya Cantarra angeschlossen und konnte so der Lagebesprechnung beiwohnen. Baron Ariano schien ohnehin andere Sorgen zu haben, als mich von der Sitzung auszuschließen.

So stand ich dann zusammen mit Tarim Ciras von Veliris-Carinto, dem Gonfaloniere von Veliris, Baronet Ariano Sal, dem jüngsten Sohn des Barons, Signor Leomar von Tokram und Carinja Rodensen-Mersingen, Capitanya in Diensten Gransignor Ulim Marcieros, Esquirio Ralhion Trebesco, Capitanwachtmeister der Grangorer Garde, sowie einigen weiteren Boten und Adjutanten um einen Tisch herum, auf dem eine Karte der Region ausgebreitet war.

Der Baron übertrug seinem Sohn die Führung der verblieben Shumirer Bürger, mit der Auflage sie nur an den Flanken angreifen zu lassen, auf daß sie nur nicht wieder die Attacken der Ritter behinderten. Signor Romualdo wies darauf hin, daß das Wetter zunehmend umschlüge und bei einsetzendem Regen der Boden des Schlachtfeldes für die schweren Reiter zur tückischen Falle werden könnte. Baron Ariano quittierte dies mit der Frage, warum er denn überhaupt auf seine Ritter gesetzt habe, wo doch erst eine Meute aufgescheuchter Pfeffersäcke und dann der Herr EFFerd seine schlagkräftigste Einheit außer Gefecht setze.

Auch galt es den Esquirio Ralhion Trebesco davon zu überzeugen, ohne seinen Herrn den Connetabel von Grangoria weiterzukämpfen, was nach einem Wortwechsel unter vier Augen gelang.

Ansonsten konnte Gonfaloniere Tarim Ciras vermelden, daß es bislang vergleichsweise wenig Gefallene gegeben habe, in erster Linie die Bürger der Stadt Shumir - das hätten sie sich aber schließlich selbst zuzuschreiben, bemerkte der Gonfaloniere nicht ohne Grimm. Unter den Gefallenen sei der Leichnam Horasios jedoch nicht gefunden worden. Vielleicht hätten ihn die Pertakiser als Trophäe eingesammelt.

Das würde aber gegen jegliche Konventionen der Rondrakirche verstoßen, warf ich daraufhin ein und vermutete, daß der Connetabel von Grangoria vielleicht noch am Leben sei. Diesen Einwand hätte ich lieber unterlassen, beglückwünschte mich der Baron zu meiner Unverfrorenheit und ließ mich durch zwei eilig herbeigerufene Wachen aus dem Zelt hinausbegleiten. Alter schütze anscheinend auch vor Torheit nicht, hörte ich jemanden mir nachrufen. Welch Unverschämtheit und allein der Umstand, daß ich nicht wußte, wer es gerufen hatte und sich in meiner Begleitung zwei Soldaten in den Farben Veliris befanden, verhinderten meine Satisfaktionsforderung. Noch nie hatte sich jemand über mein Alter beschwert.

Draußen angekommen, schien sich die Vermutung Signor Romualdos zu bewahrheiten im Osten braute sich kein gutes Wetter zusammen. Und in diesen Tagen war man schon froh, wenn es nur die Göttin RONdra war, die hier die Trommeln schlug. Viel Zeit würde dem Baron nicht mehr bleiben seine Ritter einzusetzen. Das schien dieser auch bemerkt zu haben und verließ kurz nach mir, zusammen mit seinen Heerführern das Feldherrenzelt. Letzte Vorbereitungen wurden getroffen und am späten Nachmittag erschollen erneut die Posaunen über das Schlachtfeld. Beide Heere standen sich zum zweiten Male an diesem Tage gegenüber.

Der Baron gab das Zeichen zum Angriff und die Veliriser Bogner schossen mehrere Salven in die feindlichen Stellungen. Aber nur wenige fanden ihr Ziel. Die meisten steckten in provisorischen Schilden, die der Prinz wohl in der mittäglichen Pause hatte schnell anfertigen lassen. Alleine die Feldgeschütze rissen Lücken in die Stellungen der Pertakiser. Daraufhin setzte der Prinz seine Truppen in Bewegung. Und etwa zur siebten Stunde der zweiten Tageshälfte trafen die Heere erneut aufeinander.

Hin und her wogten die Schlachtreihen und keiner Seite schien der entscheidende Durchbruch zu gelingen. Doch die Zeit drängte, denn das Wetter verschlechterte sich zusehends. Trotz der Jahreszeit begann es allmählich düsterer zu werden und die Worte Signor Romualdos noch im Ohr, spürte ich bereits die ersten Tropfen fallen.

Die Schlacht nahm nun an Heftigkeit zu und die Ordnung der Reihen ging bei beiden Seiten zusehends verloren. Die dunkle Wolkenwand schob sich nun immer schneller von Osten her kommend über die Marschen und zur zweiten Tsastunde ging dann ein wahrer Sturzbach vom Himmel hernieder. Begleitet von dumpfen Donnergrollen lösten sich die Ritter aus dem Gefecht und verließen das Schlachtfeld.

Signor Romualdo galoppierte auf den Hügel zu und forderte den Baron zum Rückzug auch der noch verbliebenen Truppen auf. Zudem werde Capitanwachtmeister Ralhion Trebesco seine Garde auch nicht mehr lange auf dem Schlachtfeld halten. Die Schlacht sei verloren, waren die letzten Worte des Signors, die ich hören konnte, bis eine heftige Windböhe den Ritter dazu zwang sein Pferd ins Gleichgewicht zu bringen.

Der Baron Ariano schien die Lage aber trotz Verbitterung richtig einzuschätzen, gab er doch seinen Trompetern das Signal zum Rückzug.

Während ich die Feldgeschütze des Barons brennen sah und sich die Einheiten zur Flucht wandten, ließ sich Ariano von Treuffenau-Veliris seinen prächtigen Fuchs geben und ritt auf mich zu.

Ob ich denn nun auch mit in die Stadt Shumir kommen wollte, er könnte für eine längere Zeit eine erheiternde Unterhaltung brauchen, fragte er mich. In der Stunde der Niederlage noch fähig zu einem Scherz.

Um die nun zwangsläufig folgende Belagerung wissend, bedankte ich mich artig für die Einladung mit der Bemerkung, es gälte den zweiten Teil des Schlachtberichtes schleunigst zu veröffentlichen. Was der Baron mit einem gequälten Lächeln quittierte. Dann ritt er davon.

Ich verweilte noch einige Zeit im sturmumtosten zurückgelassenem Feldherrenzelt des Barons und beobachtete die sich zurückziehenden Truppen der Veliriser. Ein Glück wenigstens, daß auch die Kerntruppe des Prinzen, eine vortrefflich ausgerüstete Ritterschar, unter dem morastigen Boden litt und so den fliehenden Truppen des Barons nicht nachsetzen konnte.

Doch insgesamt war das nicht der Tag des Barons, erst die Nachricht von dem gefallenen Schwiegersohn, dessen Schicksal bislang noch immer ungeklärt ist, dann die Vereitlung der Strategiepläne durch die eigenen Truppen und nun das wenig ruhmreiche Ende in Dreck und Schlamm, hervorgerufen durch ein plötzliches Gewitter.

Doch wer hätte zu Beginn dieses strahlenden Tages ahnen können, daß im fernen Osten ein anderer ehemaliger Liebfelder eine noch herbere Niederlage erleiden würde.

Die Schlacht auf den Schwarzen Marschen von Shumir fand am 23. ING des Jahres 2513 Horas statt, dem Tag, an dem Borbarad den vereinten Heeren des Kontinents unterlag.

Andree Hachmann
Persönliche Werkzeuge