Briefspiel:Consigliowahl 1035 BF/Im Fechtsaal

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Praios 1035 BF Schauplatz: Stadt Urbasi, vor allem der Magistratspalast Entstehungszeitraum: April bis Juni 2013
Protagonisten: alle Mitglieder der Signoria Urbasis Autoren/Beteiligte: Aspoldo, Brahl, Dellapena, Di onerdi, Flaviora, Gonfaloniere, Horasio, Luntfeld, Macrin, Marakain, Novacasa, Ranfaran, Rondrastein, Storai, Toshy, Turani, ZarinaWinterkalt
Zyklus: Übersicht · Im Palazzo Broinho · Im Garten des Gonfaloniere · In dunklen Gewölben · Von Treppen und Pavillons · Im Fechtsaal · Im Palazzo Zorgazo · Im Studiolo · Turani-Reaktionen · Im Palazzo Zorgazo II · Bei den Dalidions · Darions Besuche


Im Fechtsaal

28. Praios 1035 BF, im Fechtsaal des Palazzo Casciano

Autor: Gonfaloniere

Das Klirren sich kreuzender Klingen erfüllte den Fechtsaal. Und das Schnaufen derer, die sie gegeneinander aufs Parkett führten.
Thion de Falcona, der Marschall des Lutisaner-Ordens und Kommandeur der Basiliskengarde, gehörte nicht zu ihnen. Er saß als Schiedsrichter des geschwisterlichen Kräftemessens auf einer kargen Bank an der Seite.
Auricanius von Urbet, der Praiot, überließ das kräftezehrende Treiben – ‘gefochten’ wurde im Haus Urbet noch meist traditionell mit dem schlachtfelderprobten Schwert – ebenfalls anderen und saß dem Marschall gegenüber auf einem ebensolchen Sitzmöbel.
Zwischen ihnen teilten aber Yandriga und Rondralio Hiebe, Stiche und manch spitze Bemerkung aus. Die ältere Schwester schien dabei die Oberhand zu haben, zumal der jüngere Bruder viel zu impulsiv agierte.
„Du bist mir eine rechte Brava*“, spottete Yandriga, während sie einen bewusst provozierten Angriff mit Leichtigkeit parierte, „erkennst die Covernade auch dann nicht …“ Sie machte einen Ausfall nach vorn. „… wenn man sie dir so präsentiert, wie du sie selbst gelernt haben solltest …“
Rondralio war es nun, der parierte.
„Schau sie dir an, Auricanius“, wandte er sich schnaufend an den Bruder, „einmal das Turnier gewonnen, und schon so hochnäsig wie Traviano …“
„Das nimmst du zurück!“ Für Yandriga war ihr ältester Bruder noch immer niemand, mit dem sie verglichen werden wollte.
Auricanius musste schmunzeln und sah sich das Gefecht eher beiläufig weiter an. Seine Gedanken kreisten immer wieder um andere Dinge: seine schwangere Frau, die Quanione im Hof und die Wahl in der Signoria.

„Attenzione!“
Thions Kommando riss den Geweihten ins Hier und Jetzt zurück, auch wenn es eigentlich den beiden wieder Aufstellung nehmenden Fechtern galt.
„Warum so grüblerisch“, nutzte Yandriga die kurze Pause, um sich nach dem Befinden des älteren ihrer beiden jüngeren Brüder zu erkundigen. „Was geht dir durch den Kopf?“
„Die Wahl zuletzt“, wich Auricanius den anderen Themen lieber aus.
„Stimmt es, dass Panthino sogar Gonfaloniere werden könnte?“ Diesmal hakte Rondralio nach.
„Es sieht so aus, als wäre er einer von dreien, denen diese Bürde am Ende zufallen könnte, ja. Neben dem amtierenden Salsavûr und überraschenderweise sogar Tarquinio della Pena.“
Rondralios Gesichtszüge verdunkelten sich beim letzten Satz seines Bruders merklich, und zwar beim zweiten genannten Namen stärker als beim ersten. Dass seine Liebschaft mit Pira Rahjalina zuletzt ein so rasches und schmerzhaftes Ende gefunden hatte, dafür machte er vor allem ihren Vetter als ‘Verkuppler’ verantwortlich …
„Attenzione“, forderte ihn nun seine Schwester zum Aufstellung nehmen auf. Und an Auricanius gerichtet: „Wie stehen wir dazu? Also zu dieser unerwarteten … ähm … Konkurrenz?“
Auricanius sog einmal tief Luft ein, als drehte er vor seiner Antwort jedes Wort zweimal im Mund herum: „Es ist eine … interessante Ausgangslage. Lieber Tarquinio als erneut Romualdo als Gonfaloniere …“
Das kaum merkliche Kopfschütteln Rondralios ließ erkennen, dass er sich damit schwer abzufinden vermochte.
„Doch wenn man etwa an die Teilhaberversammlung vor drei Jahren zurückdenkt, hat Tarquinio bei allem jugendlichen Elan auch nicht immer die weisesten Entscheidungen getroffen. Die damals aufgerissenen Gräben hat Panthino nun gerade erst geschlossen – und dabei manche Leiche einfach nur zugeschüttet.“
„Also halten wir Tarquinio letztlich für keine gute Wahl?“ Yandriga wollte es genau wissen.
„Für eine bessere als Romualdo, soviel ist sicher. Und durch seine Loyalität hat er unser Vertrauen und unsere Unterstützung auch weiter verdient“, wich Auricanius aus, „aber ja, Panthino wäre wohl die sicherere Alternative, gerade in der so herausgehobenen und für Kritik anfälligen Position des Stadtoberhaupts.“
„Will er das denn wirklich werden?“ Yandrigas Frage verriet die Skepsis, mit der sie selbst diesem politischen Ämtergeschacher gegenüberstand.
„Solange ein Halbregiment salsavûr’scher Söldner nur wenige Meilen vor der Stadt sitzt und sich zunehmend einen Kontrakt auf Lebenszeit verdient: Ja, absolut! Der Ämterwechsel in der Fürstlichen Gemeinde ist wichtig, um eine Etablierung von Machtbasen, die uns zum Nachteil gereichen könnten, zu verhindern. Der hat bei der letzten Wahl aber leider kaum stattgefunden, weswegen die Initiative diesmal bei uns liegen muss. Im Idealfall bei Panthino, doch lieber auch bei Tarquinio als wieder bei Romualdo. Dies ist ein Kampf, der keinem wirklich gefällt, der aber geführt werden muss …“
Auricanius‘ Ausführungen, so ‘politisch’ sie waren, hatten die Aufmerksamkeit seiner beiden Geschwister nun völlig von ihrem eigenen Gefecht abgelenkt. Eine Tatsache mit Seltenheitswert.
Der Geweihte musste grinsen: „A propos Initiative – Attenzione!“


*) weibliche Form von Bravo, d.h. Draufgänger oder Heißsporn

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