Briefspiel:Consigliowahl 1035 BF/Im Palazzo Zorgazo II

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Praios 1035 BF Schauplatz: Stadt Urbasi, vor allem der Magistratspalast Entstehungszeitraum: April bis Juni 2013
Protagonisten: alle Mitglieder der Signoria Urbasis Autoren/Beteiligte: Aspoldo, Brahl, Dellapena, Di onerdi, Flaviora, Gonfaloniere, Horasio, Luntfeld, Macrin, Marakain, Novacasa, Ranfaran, Rondrastein, Storai, Toshy, Turani, ZarinaWinterkalt
Zyklus: Übersicht · Im Palazzo Broinho · Im Garten des Gonfaloniere · In dunklen Gewölben · Von Treppen und Pavillons · Im Fechtsaal · Im Palazzo Zorgazo · Im Studiolo · Turani-Reaktionen · Im Palazzo Zorgazo II · Bei den Dalidions · Darions Besuche


Im Palazzo Zorgazo am Abend der Wahl

Autor: Toshy

Duridanya war in Gedanken versunken im grünen Salon, als hinter ihr plötzlich eine Tür knallte.
"Ich hoffe du bist zufrieden?"
Sie erkannte die Stimme ihres Cousins Abelmir, nur in dieser Lautstärke sonst eher nicht. Wurde jedoch von ihm aus ihren Gedanken gerissen.
"Wenn meine Mutter sich nicht so für dich eingesetzt hätte", drohte Abelmir, "dann hätt' ich bestimmt nicht einen meiner Freunde für DEINE politischen Interessen verraten."
"Hab ich aber", sagte eine krächzende Stimme, die Abelmir aus seiner aufgebauschten Wut riss.
"Mutter, ich wusste nicht ..."
Er stockte, als sich seine Mutter schwerfällig aus einem der großen Sessel hochquälte und zittrig auf ihrem Stock stand. Der Sessel hatte mit dem Rücken zur Tür gestanden undAbelmir war es in seiner aufbrausenden Wut entgangen, dass noch jemand im Raum war. Zumal er seine Mutter die letzten Jahre nie ohne Begleitung ihrer Zofen gesehen hatte. Und schon gar nicht hier unten im zweiten Stockwerk des Geschlechterturms, wo ihre Schlafgemächer doch eigentlich ganz oben waren. Es musste für die alte, schwerkranke Frau ein zeitaufwendiges Mühsal gewesen sein, all die Treppen herab zu steigen.
Abelmir wollte gerade nach einer der Zofen seiner Mutter rufen, als diese ihm ins Wort fiel.
"Das was ich euch zu sagen habe, ist nicht für ihre Ohren bestimmt!", sagte sie mit ihrer krächzenden Stimme, als hätte sie vorhergesehen, was ihr ältester Sohn vorgehabt hatte. Er nickte und kam näher, drehte einen Sessel und half seiner Mutter sich wieder zu setzen.
"Ich weiß, du schäumst vor Wut, und das kann ich verstehen. Aber wisse, dass das, was deine Cousine getan hat, von mir gebilligt wird."
Abelmir verzog kein Gesicht und ließ sich seine Wut nicht anmerken. Seine Mutter schaute ihn mit sanften Augen an.
"Du hättest gern Tarquinio unterstützt, verständlich, immerhin habt ihr Seite an Seite euer Blut vergossen."
Abelmirs Augen flatterten auf, als seine Mutter das Vergießen von Blut erwähnte, war ihm doch mitlerweile jegliche Art der Kriegsführung zuwider.
"Ich hätte ihn dich auch gern unterstützen lassen, aber als abzusehen war, dass er Gonfaloniere Urbasis werden wird, mussten wir handeln. Sicherlich ist es eine schwere Bürde, die wir dir hier aufbürden. Abzustimmen, wie es für die Familie zum Besten ist und die persönlichen Interessen hintenanzustellen, das vermögen nur die ganz Großen."
Abelmirs finstere Miene schien sich ein wenig aufzuhellen. Duridanya schwieg gegen ihre Gewohnheiten lieber und überließ ihrer Tante das Reden. Er wollte etwas sagen, aber seine Mutter hob unterbrechend ihre faltige Hand.
"Versuch dich einmal als Kaufmann", sagte sie mit einem gewinnbringenden Lächeln. "Deine Unterstützung für Tarquinio hat dir was genau eingebracht?"
"Er hat uns auch seine Unterstützung zugesichtert", antwortete Varosja Zorgazo für ihren Ältesten und konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. "Würdest du unsere Geschäfte führen mein lieber Sohn, ich fürchtete um unser Vermögen."
Abelmirs Wut stieg wieder in ihm hoch – so von seiner Mutter brüskiert zu werden.
"Ja sicher ist das ein Geschäft auf Augenhöhe, aber danach? Wir hätten von Gonfaloniere Tarquinio Siberian Geron della Pena aus dem jüngeren Haus die nächsten zwei Götterläufe nicht viel gehört. Ist sein Ohr etwa offen für die Wünsche der Zorgazo? Für deine vielleicht. Aber deine Cousine ist das Oberhaupt, und um die schert sich dieser Emporkömmling nicht das geringste."
Wie um ihren Worte mehr Ausdruck zu verleihen, stampfte sie ihren Gehstock auf den holzverkleideten Boden des grünen Salons.
"Was Panthino von den Urbet-Marvinkos betrifft, so hätte ich ihm sehr gern meine Unterstüzung zukommen lassen. Aber sein Angebot war einfach zu schlecht." Sie schüttelte mit dem Kopf und richtete ihren Blick auf Duridanya. "Dein Versagen, Mädchen, aber ich mach dir keine Vorwürfe. Die Urbet-Marvinko fliegen schon so lange wie ein Falter ums Licht, das sie ganz blind geworden sind von Dingen wie Macht. Sie haben verlernt, dass es Macht nicht Umsonst gibt. In ihrer Arroganz stellten sie sich hin und dachten Sie könnten Geschäftsleute wie die Zorgazo mit einem mageren Angebot zu sich ziehen. Ihre Unterstützung haben sie uns zugesagt. Ja aber zu welchem Preis? Wir mussten auch sie unterstützen und zum Dank sollten wir dann abstimmen, wie es ihnen passt. Und danach? Nun ich mag nicht abschätzen ob die Ohren des Herrn Panthino genauso verschlossen gewesen wären wie die von Tarquinio della Pena, aber eines weiß ich: Wir hätten uns mit diesem Geschäft zu Vasallen gemacht."
Wieder schlug die Spitze Varosjas Gehstock auf den Holzboden.
"Panthino wollte auf zwei Stühlen sitzen und ist am Ende auf dem Boden gelandet. Die Schuld dafür tragen wir. Das wird er uns so schnell auch nicht vergeben, dessen seid euch bewusst. Aber es musste sein! Beim nächsten Mal sehen euch sowohl die della Pena j.H. als auch die Urbet-Marvinko als gleichberechtigte Geschäftspartner an."
Die ehemalige Patriarchin der Famile erhob sich schwerfällig aus dem Sessel, und Abelmir und Duridanya griffen sich je einen Arm, um sie zu stützen.
"Wir gehen als Sieger aus dieser Wahl hervor. Das ist alles, was zählt! Leonore Dalidion wird sich für unsere unverhoffte Unterstützung dankbarer zeigen als die anderen beiden, denen wir unsere Unterstützung zugesichert hatten. Was wir erreichen wollten, haben wir erreicht. Duridanya wird Priora ruris und mit Romualdo di Salsavûr haben wir einen mächtigen Verbündeten gewonnen. Mehr als das, sollte Romualdo sein Versprechen halten, wird ganz Urbasi bald zu den Zorgazo aufsehen. Und Romualdo ist niemand, der sein Versprechen bricht. Zumal er ja auch noch Vorteile davon hat."
Varosja setzte zittrig einen Fuß vor den anderen in Richtung der Tür, die zur Treppe führte.
"Panthino wird sich beruhigen. Ihr werden sehen. Die Handelsverträge die wir mit ihm haben sind gültig. Ein Aussetzen wird auch zu seinem Schaden sein. Und sollte er doch so ein Dickkopf sein, ist es auch nicht weiter schlimm, da die neuen Handelsverträge mit den Salsavûr die zu erwartenden Verluste mehr als aufwiegen. Tarquinio wird einsehen, dass er die Zorgazo noch braucht, und deshalb uns auch nicht lange nachgramen. Immerhin gibt es in Urbasi nicht so viele Fürsprecher der della Pena j.H., und nur wegen verletztem Stolz einen von diesen die offnene Fehde zu erklären, wäre politisch keine kluge Entscheidung. Soviel Politiksinn trau ich unserem Fast-Gonfaloniere Tarquinio dann doch zu."
Varosja erreichte die Tür und Abelmir öffnete sie.
"Ihr könnt stolz auf euch sein. Weil ihr geschlossen als Familie in dieser Wahl abgestimmt habt, sind wir als einer der Sieger hervor gegangen. Streitet euch nicht wie diese della Turanis, die sich nur gegenseitig schaden wollen, und wo ein Außenstehender gar nicht mehr weiß, weswegen die sich eigentlich streiten und wer nun grade wieder wen unterstützt. Nun weiß jeder in Urbasi, dass man an den Zorgazo nicht vorbeikommt."
Als die Tür sich öffnete, griffen die dahinter wartenden Zofen geübt nach den Armen des alternden, ehemaligen Familienoberhauptes und halfen ihr in Richtung Treppe.

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