Briefspiel:Feuernacht (6)

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: ab 7. Rondra 1035 BF, abends Schauplatz: Stadt Urbasi, besonders Palazzo Casciano Entstehungszeitraum: Juni bis Dezember 2013
Protagonisten: Haus Urbet und viele zum Fest geladene Patrizier Urbasis Autoren/Beteiligte: Aspoldo, Dellapena, Di onerdi, Dorén, Gonfaloniere, Horasio, Ranfaran, Rondrastein, Storai, Tamarasco, Toshy, Turani, ZarinaWinterkalt



Zwischen Mühlsteinen

Autoren: Gonfaloniere, Rondrastein und Toshy

Timor vernahm den „Feuer“-Schrei, schlagartig spannte er sich an und seine Linke wanderte zum Heft seiner Klinge, um diese in der Scheide zu lockern. In den Menschentrauben suchte er seine Verwandte, hatte auch sie die Rufe gehört?
Dann entdeckte er sie und bewegte sich schnell, aber möglichst unauffällig zu ihr. Dieses selbstverliebte Weibsbild aus der Familie Zorgazo, das ihn schon den ganzen Abend über mit irgendwelchen Geschichten gelangweilt hatte, ließ er einfach stehen.
„Larissa, wir sollten hier schnellstmöglich weg! Die Urbets wollen uns als Sündenböcke!“
Die Schwester des Barons von Montarena schaute ihn fragend an: „Was ist denn los?“
„Es wurde wohl Feuer gelegt und diese Bastarde wollen es uns anhängen!“
Er musste sofort auch daran denken, wie ihn dieser arrogante Praiot aus dem Gastgeberhaus vor wenigen Augenblicken erst angerempelt hatte.
Dann war schon wieder Duridanya an seiner Seite und stellte dieselbe Frage wie Larissa.
„Was los ist, kann ich euch nicht genau sagen, aber es …“, fing er mit einer Antwort an, unterbrach sich aber selbst, als er im Augenwinkel sah, wie der Baron von Cindano und Auricanius mit zwei Gardisten auf sie zu kamen. Ihre Waffen waren gezogen. „Entschuldigt mich …“ Mit diesen Worten würgte er jegliche weitere Unterhaltung mit Duridanya ab.
Er wechselte ins Thorwalsch, als er weiter mit Larissa sprach: „Hinter dir kommen dieser Praiospfaffe und zwei seiner Gardisten auf uns zu … Alle bewaffnet.“
Larissa nickte kaum merklich, dass sie verstanden hatte und stellte sich hinter Timor, der sich zu voller Größe aufbaute und seinserseits die Klinge zog, während er auf die drei Männer wartete. Hinter ihm hatte Larissa vom einen Augenblick auf den nächsten zwei längliche Stilette in ihren Händen und stellte sich mit dem Rücken zu ihrem Verwandten, so dass dieser gedeckt wurde.
„Hochgeboren, Ehrwürden, wollt ihr“, er betonte das letzte Wort besonders, „das Gastrecht mit Füßen treten?“

„Niemand wird hier getreten!“ Duridanyas schrille Stimme klang angesichts der Situation nur bedingt aufgeregt. „Und ich entschuldige nicht“, wandte sie sich an Timor Sâl. Dessen angespannter und kampfbereiter Körper vernahm einen ungewöhnlichen Ruck von einer Seite, von der aus er keinen Angriff erwartete.
‘Hat sie mich grade geschlagen?’, ging ihm durch den Kopf, genau in dem Moment, wo sie seinen Waffenarm zur Seite drückte um zwischen den beiden Salsavûrs hindurch zu gleiten. Duridanya hatte dem Heißsporn im Vorbeigehen mit ihren zarten Fingern einen leichten Schlag in die Seite versetzt.
„Steckt im Namen der Zwölfe dieses Ding ein,“ bluffte sie ihn mit einem wütenden Funkeln aus ihren Augen an. „Wir sind hier nicht in einem dieser nördlichen Flohlöcher, indem ihr offensichtlich eure guten Manieren und eure Herkunft vergessen habt.“
Sie stand nun zwischen den Salsavûrs und den sich nähernden Urbet-Marvinko, blicke aber immer noch den verdutzten Timor Sâl an, der es offensichtlich nicht gewohnt war, auf diese Weise von einer Frau behandelt zu werden. Duridanyas Blick huschte kurz von Timor Sâl zu Larissa und wieder zurück.
Dann drehte sie sich um und schritt schnaufend mit ausgebreiteten Armen auf die Heranstürmenden zu. Dabei heftete sie ihren Blick an Auricanius, den sie aufgrund ihrer persönlichen Unterhaltung vor wenigen Tagen von den Angreifern am besten zu kennen glaubte.
„Haltet ein,“ rief sie ihnen entgegen. „Im Namen aller Zwölf, haltet ein.“
Sie hob ihre Arme noch höher, in der Hoffnung, die vier Männer damit dazu zu bringen, dass sie inne hielten.
„Ihr begeht einen schrecklichen Fehler. Die beiden Salsavûr hier hinter mir waren den ganzen Abend in meiner Begleitung. Ich verbürge mich dafür, dass sie nichts mit einem ‘Feuer’ zu tun haben.“
Ihre Augen flatterten nervös zwischen den vier Männern hin und her, verharrten dann wieder auf denen von Auricanius. „Ihr seid ein kluger Mann, denkt nach, welcher Brandstifter würde sich danach zu seinen Opfern auf den Scheiterhaufen stellen?“
Jetzt merkte man auch Duridanya ihre Nervosität ein wenig an, umzingelt von Bewaffneten, die sich an die Kehle wollten.

„Einer, der danach noch persönlich den Tod seiner Feinde sicherstellen will“, beantwortete Auricanius mit finsterem Blick Duridanyas letzte Frage, und sah sich dann selbst im Saal um.
Seine Schwester Yandriga, sein Bruder Rondralio, sein Freund Tarquinio und dessen Vetter Alvaro strebten alle dem Tumult entgegen. Das Haus Urbet, daran gab es keinen Zweifel, war in der Überzahl, auch wenn seine Kämpfer nicht alle bereits bewaffnet waren. Yandriga stand ihm am nächsten, so dass er ihr sein eigenes Schwert zuwarf.
„Tretet zur Seite, Signora“, forderte der Geweihte Duridanya ultimativ auf, „oder teilt das Schicksal derer, die ihr hinter eurem falschen Gesicht zu beschützen trachtet.“
„Und ihr“, wandte sich Auricanius an die beiden Salsavûrs, „legt sofort eure Waffen nieder, oder ihr verlasst dieses Haus nicht mehr lebend! Das Gastrecht zählt hier für Brandstifter nichts! Schon gar nicht für solche, die danach ihre Gastgeber noch mit scharfen Klingen bedrohen …“
Die Worte des Geweihten, so ernst sie gemeint waren, schienen jedoch eher das Gegenteil dessen zu bewirken, was sie beabsichtigten: Timor Sâl und Larissa spannten sich noch weiter an, darauf harrend, aus welcher Richtung der erste Vorstoß auf sie erfolgen würde.

Duridanya hingegen versuchte die verfahrene Situation verzweifelt aufzulösen: „Bewahrt Vernunft. Geleitet mich und die Salsavûr aus einem Hinterausgang ins Freie, um ein Blutvergießen zu verhindern und dann rettet mit kühlem Kopf das, was euch lieb und teuer ist.“ Sie stand wie angewurzelt da, die Kleinste von allen und doch die Einzige, die sich einem drohenden Unheil entgegen stemmte.
Was sie nicht bemerkte: Panthino, der Hausherr, ließ seinen Blick längst zum Balkon schweifen, wo immer dickere schwarze Rauchfäden an der Brüstung empor strebten, und fällte daraufhin eine Entscheidung …
„Dafür haben wir keine Zeit“, hörte sie ihn von der Seite sagen, als sie sich mit flehentlichem Blick gerade wieder zu Timor Sâl umdrehen wollte. Dann folgte ein Klacken, wie sie es etwa beim Palio schon dutzendfach gehört hatte. Eine abgefeuerte Armbrust! Der Schreck hierüber hielt nur für den Bruchteil eines Wimpernschlags an, und wurde sofort danach vom brutalen Schmerz des Bolzens in ihrem Bein in den Schatten gestellt. Der Baron hatte auf sie geschossen! Sie taumelte unter der Wucht des Geschosses und fiel …

Panthinos Bolzen, der aufs Bein Timor Sâls gezielt worden war, durch Duridanyas unvermittelte Bewegung aber sie traf, wertete den Tumult sofort zum Gefecht auf.
Alvaro della Pena drang als erster auf den ‘thorwalschen’ Cavalliere ein, hieb mit dem eigenen Schwert auf das des Salsavûrs ein. Der wehrte den Schlag geübt ab. Larissa hingegen stieß ohne zu Zögern in die Blöße, die sich der Angreifer gegeben hatte: Blut quoll aus seinem Oberschenkel kurz oberhalb des Knies, als sie ihr Stilett wieder herauszog. Alvaro knickte ein.
Dann war Tarquinio heran und brachte die Cavalliera in Bedrängnis, die sich schnaufend mit ihren beiden kurzen Klingen der schnellen Schläge des schlachtfelderfahrenen Turniersiegers erwehren musste. Timor Sâl sah sich hingegen gleich zwei Gegnern gegenüber. Yandriga von rechts und Rondralio von links hieben fast gleichzeitig auf ihn ein. Ihren Schlag konnte er abwehren, seinen nicht mehr – und ging kurz darauf neben der angeschossenen Duridanya selbst zu Boden.
Larissa stolperte über den eigenen Vetter, dessen schützenden Rücken sie noch aufrecht hinter sich wähnte, fing sich aber über den beiden zu Boden gegangenen Schicksalsgenossen.
Tarquinio, Yandriga und Rondralio hielten für einen Augenblick inne, ohne ihre bedrohliche Haltung ihr gegenüber dabei freilich aufzugeben.
„Dies ist eure letzte Chance“, war es diesmal Panthino, der sie aufforderte, „ergebt euch … oder sterbt!“
Larissa ließ eines ihrer Stilette fallen. „Dieser Bruch des Gastrechts wird euch teuer zu stehen kommen!“ Mit der freien Hand nestelte sie an einem Anhänger oder Amulett herum … und war dann von einem Moment zum nächsten vor aller Augen aus dem Saal verschwunden!

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