Briefspiel:Königsturnier/Helmschau

Aus Liebliches-Feld.net

Wechseln zu: Navigation, Suche
Geschichten am Rande des Königsturniers
Datiert auf: 23. Rahja 1038 BF Schauplatz: Arivor, Schwerterfeld Entstehungszeitraum: Juni 2015
Protagonisten: Khadan II. Firdayon, Nepolemo ya Torese, Turnierstreiter der Finalrunde Autoren/Beteiligte: Amarinto, Athanasius, Calven, Cordur, Dellatrezzi, Di matienna, di Onerdi, Erlan, Gishtan re Kust, Horasio, Imirandi, OrsinoCarson, Rondrastein, Schatzkanzler



Inhaltsverzeichnis

Arivor, 23. Rahja, Tag der Helmschau

Arivor brummte und lärmte. Zu den letzten drei Turniertagen waren noch einmal mehr, vielleicht Hunderte oder gar Tausende in die Stadt am Goldenhelm gekommen, um sich die letzten, entscheidenden Tjoste anzusehen. Mancher hatte ohnehin noch Geschäft oder Götterdienst vor dem Jahresende zu erledigen, andere hatten von den ersten großen Kämpfen der Hauptrunde gehört und wollten nun selbst einmal, durch zahllose Wimpel, schwitzende Haarschöpfe und Holzbarrikaden hindurch einen Blick auf gepanzerte Recken und galoppierende Rösser erhaschen.
Überall in der Stadt waren nun kleine Fahnen und Bänder in den Farben der Favoriten zu kaufen, besonders beliebt war das Schwarz-Silber Adalriks von Schreyen, aber auch – besonders unter den Anhängern Rondras – rot-silberne Bänder für einen der Anhänger Rondras, in Saladania flatterten sogar mehrere Dutzend Panzerarme, die der Bosparanjerbaron Gaspare seiner Nichte Nevinia zu Ehren aufgehängt haben wird. Gut verkaufte sich auch das Rot-Gold der Amarinto – immerhin waren noch drei Mitglieder dieses turnierbegeisterten Hauses im Teilnehmerfeld, die Investition war also sicherer als manch andere. Schließlich hatte sich auch eine nicht große, aber wachsende Gruppe von Besuchern gefunden, die sich schwarze Bänder um Arm und Köpfe band und dadurch die Unterstützung für einen der drei „Schwarzen Ritter“ verkündete. Darunter waren nicht nur Söldner der Bestia Negra, sondern vor allem viele Kampfbegeisterte, die den Schwarzen Turm beobachtet hatten, wie vor einigen Monden in Westfar oder in den letzten Tagen in Arivor selbst, einen Gegner nach dem anderen gnadenlos niedergeritten hatte. Schließlich war auch das güldene Band mit schwarzem Saum recht weit verbreitet, das dem Baron von Aldyra galt – dieser hatte es vermocht, die Sympathien für den Horas und seine Verlobte Udora zusätzlich zu seiner eigenen Kampfeskunst auf sich zu vereinen – und das obwohl sein Vater, der Comto Protector, in Arivor nicht zu den beliebtesten Hochadligen des Reiches gehörte.
Die Turnierbegeisterung hatte natürlich auch ihre Schattenseiten, so hatte die Ardariten alle Hände voll mit den weinbedingten Exzessen der Morgunorier, bzw. vor allem mit den Gästen der dortigen Kellerlokale zu tun und besonders für die ärmsten der Armen der Stadt, die verelendeten Saladanier, war das Turnier das Ereignis des Jahres – obwohl die wenigsten selbst auch nur einen Kampf zu sehen bekommen hatten. Man behalf sich durch das Nachspielen der Kämpfe mit Kastanienrittern oder Holzschwertern und Metallplatten, die man aus den örtlichen Schmieden „entnommen“ hatte. Besonders weit hatten es zwei Gesellen getrieben, der eine ein Schmiedelehrling, der andere ein Rattenfänger, die einander, auf einer Sau und einem räudigen Köter reitend, mit langen Hölzern durch die Nacht verfolgt hatten. Angeblich hatten sie das Aufeinandertreffen des Schwarzen Turms mit Cavalliere Adalrik um die „Krone von Westfar“ nachspielen wollen, dessen Neuauflage noch immer möglich ist. Von der kindischen Imitation einer Heldentat blieb allerdings nur das Schicksal zweier Briganten: Der eine schmorte jetzt im Gewahrsam der Ordnungswächter, der andere wird gerade zum Kloster der letzten Ruhe verbracht...

Die Helmschau beginnt

Heute war es Zeit für die Helmschau: Die verbliebenen 32 Streiter, die um den Turniersieg im Lanzenreiten – und damit um die Gunst des Horas! – gegeneinander antraten, würden zuerst ihrem Rang gemäß auf die Hauptbahn des Königsturniers reiten, um ihre Helme prüfen und zu teilen und dann die 16 Forderungen auszusprechen, die die erste von fünf Finalforderungen ausmachen würden.
Am westlichen Ende der Geronsbahn liefen drei etwa spannbreite Bretter um die Bahn, auf denen die 32 Helme Platz finden sollten. Erst dann würden, nach der Prüfung der Helme – und der bisherigen Erfolge der Turnierreiter – die beiden Persevanten Niam von Weilenschein und Grimjan von Irberod unter der Aufsicht der Turniermarschallin die Helme in 16 Reizer und 16 Trutzer teilen, aus denen sich dann nach der Wahl der Reizer die 16 Paarungen ergeben würden.
Erzherrscher Nepolemo ya Torese trat nun auf eine leicht vorspringende Planke der Tribüne. Sein reinweißer Wappenrock schimmerte in der Sonne, ein mächtiger, güldener Löwenkopf hielt den schweren, roten Mantel. Er blickte hinüber wo ein von Vorhängen verhüllter Podest den Thron des Horas erahnen ließ. Ein Herold des Kaisers nickte sich und verbeugte sich anschließend. Da gab der Erzherrscher den Persevanten das Zeichen und die hölzerne Stange, die Zuschauerränge, Bahn und Tjosterlager voneinander trennte, wurde gehoben.
Der Jubel war ohrenbetäubend, als der erste Tjoster zwischen den Zelten erschien und die hölzerne Barrikade durchquerte. Den Anfang machte natürlich der Prinz von Geblüt, der junge Folnor von Firdayon-Bethana, Baron von Aldyra. Der Sohn des Comto Protector Ralman ritt forsch auf die Bahn, seine Rüstung blankpoliert, aber nicht überbordend verziert. Allerdings zog sein Helm, gefertigt aus schwarzem Stahl und mit gold tauschiert, die Blicke auf sich, hatte er doch ein rechteckiges Visier, dessen goldene Verstrebungen stark an das Banner seines Vaters, das Fallgatter der Firdayon-Bethana erinnerte.
Nur zu Anfang wie sein Spiegelbild wirkte da der junge Graf von Thegûn, Tilfur von Eskenderun: Das dunkle Metall der Rüstung des Grafen war blank poliert, die in gold gehaltene Tauschierung zeigte jedoch fein gearbeitete Pfauenaugen. Auf dem Helm Tilfurs thronten grün schimmernde Pfauenfedern, fächerförmig längst zum Helmkamm angeordnet. Mindestens ebenso prunkvoll war der Einritt der almadanischen Gräfin der Südpforte, Gerone vom Berg, die der Hitze mit einem schwarzen Wappenrock trotzte und den roten Löwen ihres Hauses nicht nur auf der Brust trug: Über einer hölzernen Grafenkrone bestand die Helmzier aus einem ebenfalls aus holz gefertigten, aber rot bemalten Löwen, der sich zum Sprung aufrichtete.

Exkurs – Der Einritt Erlan Sirensteens

Nicolo Tolman di Onerdi, der Kämpe Refano, Erlan und Bellatrix Sirensteen
Nach dem Signal der Persevanten gab Erlan Sirensteen seinem getreuen Pferd Dschinni die Order sich langsam in Richtung Turnierbahn fortzubewegen. An Dschinnis Seite war - wie auch bei den Kämpfen zuvor - sein Page Nicolo Tolman di Onerdi. An der anderen Seite trug die Person nicht die Lilie Irendors als Wappen - sondern Seejungfrau und Nixe. Auch wenn das rote Haar überraschend gebändigt aussah, erkannte das Publikum sie doch sofort und die Rufe "Bellariccia, Bellariccia" ertönten.

Völlig überraschend begleitete Bellatrix Sirensteen, die am Tag zuvor - trotz ihres Sieges gegen die Wagenlenkmeisterin Luca di Onerdi - ausgeschieden war, ihren Anverwandten auf die Turnierbahn. Und so begeistert die Rufe auf der Tribüne waren, so entrüstet war das eine oder andere Gesicht der Ardariten, die Vorbehalte gegen die "schöne Igelin" hatten.

Als Erlan mitsamt Dschinni auf Höhe der Ehrentribüne war, nestelte er kurz an seinem Helm - und nicht wenige fragten sich, was das sollte, wo doch so ein Helm nicht so leicht ist. Es gelang ihm aber recht fix ihn abzunehmen, seinen Kopf mit den langen weißblonden Haaren, die in einem schönen Kontrast zu Dschinnis Fell standen, kurz zu schütteln und sich vor der Ehrenloge mitsamt dem Erzherrscher, dem Horas, dem Comto Protector usw. zu verbeugen - was im selben Moment auch Dschinni machte, in dem sich das Pferd auf die Vorderbeine stützte und somit durch dieses Kunststück auch den hohen Gästen die Referenz erwies. Als Erlan danach im Publikum seine Gemahlin Shahane erblickte, winkte er ihr kurz huldvoll zu, bevor er sich wieder den Helm aufsetzte und dabei drauf achtete, keinen Fehler zu machen.

Ihnen schloss sich der Niederadel des Reiches an, deren vorderster der zugleich Herzogssohn war. Der Baron Merkan von Farsid trug eine silberne Plattenrüstung und einen Stechhelm, dessen Helmdecke mit schwarz-weißem Lilienmuster verziert war.
Lorian di Salsavûr, der Baron von Montarena, preschte, wie auch an den vorangegangenen Turniertagen, in schwarzer Plattenrüstung auf seinem Rappen auf die Geronsbahn. Darüber trug er einen Wappenrock mit dem Wappen seines Hauses und seinem persönlichen Wappen, dem Wolfskopf, auf der linken Brust Wappen. Auch seine Helmwahl blieb diesem Muster treu: Der Helm war dem Kopf eines Wolfs nachempfunden und bleckte gierig – oder kampfbereit – die Zähne.

Ihm folgten zwei Geschwister aus dem Hause Veliris, die sich bisher beide als meisterliche Tjoster erwiesen hatten: In einer komplett silbernen Rüstung, deren Scharniere mit Lilien verziert waren, ritt zuerst Rondrajane von Veliris voran, einen goldenen Schild mit zwei roten, laufenden Löwen über den drei Lilien ihres Hauses auf die Turnierbahn. Die Farben rot und gelb bzw. gold nahm auch die Schabracke ihres schwarzen Hengstes wieder auf, genauso der Federbusch ihres kunstvoll verzierten Stechhelms, der von zwei goldenen Löwen gekrönt wurde, die aufsteigend eine rote Lilie hielten – eine wahrhaft kunstfertige Helmzier!
Ihr Bruder, Ariano Sal von Veliris, hatte eine weniger elegante, wenn auch nicht minder eindrucksvolle Rüstung angelegt: Über einem Schuppenpanzer mit Rüstungsteilen zur Vollrüstung ergänzt, trug er einen Helm mit Drachenmaul, darüber eine gelbe Helmdecke und einen blauen Federbusch. Der Dracorin von Veliris, der Erbbaronet des alten Baronshauses, trug den Drachen – neben den unweigerlichen Lilien – auch auf seinem Schild. Rot war dagegen die stilisierte Lilie an der Spitze seiner schwarzen Lanze, die er aber später würde durch eine harmlosere Krönig ersetzen müssen. „Heissa, Rondrajane!“ rief der Veliris da, als er sein Streitross, eine rostrote Stute mit weißer Blesse und weiß gestiefelten Fesseln, in die Nähe seiner Schwester lenkte. Was alle zuerst für einen popolanisch anmutenden Gruß gehalten hatten, entpuppte sich bald als brüderlicher Scherz – so erzählte man uns später, dass Signor Ariano seiner Stute wahrlich den Namen seiner Schwester gegeben hatte.
Selbstsicher ritt Cavalliere Kalman von Schelfing auf seiner Vollblut-Falbenstute auf den Turnierplatz. Im Vorüberreiten grüßte er seine auf der Seitentribüne sitzenden Verwandten, ehe er Gastgeber und Ehrengästen auf der Haupttribüne seine Ehrerbietung bezeugte. Diese Verwandtschaft – bzw. deren Baronsrang – hatte ihm auch einen Platz unter den ersten verschafft, die zur Helmschau afu die Turnierbahn ritten. Kalmans Rüstung zeugte vom Selbstvertrauen und Selbstverständnis eines Aufsteigers – seine Gestechrüstung war erkennbar neu, kein Familienerbstück, sondern eine neue Schmiedearbeit, die auch über die nötigen Rüsthaken zum Einlegen von Lanze und Schild verfügte. Wappenrock und Schild waren in seinen Farben, Rot und Silber, gehalten, die silberne Muschel des Hauses Schelf schmückte nicht nur den Schild, sondern auch die Helmzier des mit einem festen Sehschlitz versehenen Kopfschutzes: Auf einem stabilen Stahlkamm zeigte diese eine längs zur Laufrichtung auf der Spitze aufgerichtete Muschel. Seine Knappin, eine junge Pertakiserin aus dem Hause ya Lerdis, trug Reiter- und Anderthalbhändersäbel hinter ihm, mit denen er angeblich vortrefflich zu fechten wusste.
Goldene Pfeilbündel ragten aus der Helmdecke Baronet Darion Amarintos, der manchen Jubel erntete, als er auf die Turnierbahn ritt.

Exkurs – Einritt von Batiste d’Imirandi

"Batiste, Batiste! Beeilt euch!", rief die junge Knappin von draußen durch die Zeltbahnen des Einganges. Doch Batiste d'Imirandi hörte sie nicht.
Wie ein Krieger aus fernen Tagen stand er in der Mitte des schlicht eingerichteten Zeltes.
Seine unscheinbare, matt schimmernde Gestechrüstung hatte er schon angelegt, doch hatte er sie nach seinem letzten Sieg mit einer eingravierten Kirsche auf der rechten Brust schmücken lassen.
Dies sollte heute auch bis auf seinen Helm, den er als Überraschung für seine Familie verändert hatte, das einzig Schmuckhafte an ihm sein.
Dieses Turnier war der letzte Teil eines langen Weges des Neuanfangs seines Hauses.
Er hat nicht vor sich wieder von der Welt abzuwenden, auch wenn er verletzt werden sollte.
Alle Mitglieder seines Hauses sollten heute anwesend sein: Torvon d'Imirandi, der kürzlich von Batiste nach Oltretorr geschickt war und dem es nun sichtlich besser ging – er hatte sich sogar einen Pagen genommen, den Sohn des Dorfschulzen - und natürlich Caron, der mit seiner neuen Frau gekommen war und mittlerweile die Vorbereitungen für den Umzug in die alte Villa di Selshed abgeschlossen hatte.
Langsam machte sich Batiste auf den Weg zum Turnierplatz.
Sein Schwert gegürtet schwang er sich mit Hilfe seiner Knappin auf sein Pferd, das ihm bis jetzt so gute Dienste geleistet hatte und begab sich in Richtung der Geronsbahn.

Den Helm unter den rechten Arm geklemmt ritt er an der Tribüne entlang, um den Anwesenden seine Ehrerbietung zu zeigen. Nur bei zwei Personen hielt er kurz inne.
Korisande di Lionessa, die ihm bei seiner Zeit im Kloster Rondrisfels so viel Beistand gegeben hatte und deren Nichte Xeila er mittlerweile als Knappin aufgenommen hatte.
Und natürlich dem Horas selbst.
Lange senkte er seinen Blick, der Horas sollte stolz sein auf seine Ritter, so wie Batiste stolz war auf seinen Herrscher und das, was er bis jetzt erreicht hatte.
Erst jetzt setzte er sich seinen Helm auf und alle konnten nun die rot-weiße Helmzier sehen, die er hinzugefügt hatte und die nun bei seiner Rückkehr zu den anderen Streitern auf der Bahn im Wind flatterte.

Gedenksymbole und Huldigungsgesten

In der Mitte der Bahn wartete der Herr von Imirandi eine Weile, bis sich Luca di Onerdi, die berühmte Wagenlenkerin, näherte. Ihr Helm war mit einem steigenden Ross in gold verziert, ansonsten war die Signora wie Batiste in die Farben der Rondra-Kirche gewandet. Beim Vorbeiritt grüßte Luca die Tribüne und ritt dann an die Seite des Imirandi, der noch immer gerade aufgerichtet im Sattel verharrte, ohne seinen Platz einzunehmen.
Als sich bereits alle Zuschauer zu fragen begannen, was es mit diesem gemeinsamen Warten der beiden einstigen Duellgegner auf sich haben mochte, ritten zum ersten Male zwei Reiter gleichzeitig auf die Bahn – eine Ungereimtheit im Regularium, das die Züge der Turniermarschallin versteifen ließ. Schon war Niam von Weilenschein zur Bahn geeilt, als die beiden Frauen an ihren weißen Wappenröcken mit den roten Schwertern und dem Löwinnenkopf über dem Herzen ausgemacht erkannt wurden: Es waren die letzten beiden Rondrianer des Turniers – die beiden eben genannten ausgenommen – die junge Ardaritin Oljana von Tomrath und die Neethaner Akademieleiterin und Löwenritterin Bardica della Cordaio. Sie flankierten nun auf ihren Rössern die Signora di Onerdi und den Löwenritter Batiste, dann bildeten die vier Reiter, als hätten sie sich abgesprochen, einen Kreis – oder besser, ein Viereck, aus Pferdeleibern. Nun zogen alle vier ihre Schwerter, kreuzten sie in der Luft und gaben ihren Pferden die Sporen. Die letzten Schritte bis zum Ende der Bahn, wo die anderen Streiter warteten, bewiesen so jene vier Tjoster nicht nur ihre Meisterschaft im Umgang mit ihren Streitrössern, sondern vor allem ihre Verbundenheit zur vor mehr als neun Jahren im nahegelegenen Westfar gefallenen Heldenkönigin Salkya Firdayon, deren Emblem bekanntlich die vier gekreuzten Schwerter gewesen sind!
Der Favorit des Landadels, Adalrik von Schreyen, sorgte ebenfalls für einiges Staunen, ritt er doch mit einem erst auf den zweiten Blick als Helm erkennbaren Greifenkopf auf die Geronsbahn! Über dem stählernen Helm war eine Stoffbahn gezogen, die mit Handarbeit, die unzweifelhaft Stunden oder Tage angedauert haben mochte, mit großen Federn benäht worden war. Sein Helm, der ohnehin stets einen metallenen Schnabel trug, war mit goldenen Plättchen belegt, sodass auch der Vogelmund im Sonnenlicht schimmerte, als sei er wahrhaft Teil eines Götterboten.
Ungemein bescheiden wirkte gegen diese beeindruckende Symbol der vier Rondrianer die Helmzier des Cavalliere Reo di Valese: Der einstige Turniersieger hatte sich wiederum mit dem goldenen Helmkreuz als einzige Zierde seines massiven Topfhelms geschmückt – es schien, als wolle er unterstreichen, dass er seinen Ruhm nicht durch Schmuck noch Brünne, sondern nur im Kampf erstreiten mochte. Wenig wundert es da, wenn neiderfüllte Gemüter am Bahnenrande murrten, der Cavalliere habe sich eine opulentere Rüstung nur nicht leisten können – ein Spott, der den Spötter entlarvt und den meisterlichen Tjoster nicht kümmern sollte!
Die „schwarzen Ritter“, hatten einige die drei nun folgenden Tjoster bald scherzhaft – oder schaudernd? – benannt. Den Anfang machte der Cavalliere des Grafen vom Sikram, der hünenhafte Torreon de Torri, der seinem Beinamen alle Ehre machte. Denn ein Schwarzer Turm war es, der, ganz eine geschwärzte Gestechrüstung gehüllt, dort eher mit brachialer Macht, denn mit reiterischer Eleganz, durch den Sand ritt. Der grobe Zinnenkranz seines Vollhelms, der sowohl für sein Wappenbild, als auch für die gerade errungene Krone von Westfar stehen mochte, war seine einzige Helmzier.
Dicht hinter dem Schwarzen Turm kam Mondino von Calven, der Schwarzfisch, auf die Geronsbahn geritten. Er trug ebenfalls eine geschwärzte Rüstung, hatte sich allerdings wenigstens eine auffällige Helmzier ausgesucht: Ein schwarz lackierter Delfin, der von Nacken Richtung Stirn über den Helmkamm sprang. Dieser wirkte eher schlicht und flach ausgeführt und sollte daher vermutlich auch beim Gestech getragen werden können. Als Mantel trug der Anführer der Bestia negra deren Wappen, die aufgerichtete, schwarze Bestie, während sein Schildwappen das schwarz-weiße Calvenwappen zeigte. Als seine Knappin, angeblich ein Mitglied aus dem Söldnertross des Calveners, ihm den Delphinhelm abnahm, um ihn auf das Gestell zu bringen, konnte man einen kurzen Blick auf die Züge des Calveners erhaschen: Er grüßte nicht, winkte nicht seinen Anhängern und bedachte auch die anderen Turnierstreiter kaum eines Blickes, sondern wirkte in Gedanken versunken und in gewisser Weise...müde.
Tarquinio della Pena lenkte sein Ross dagegen mit gewohnter Zielstrebigkeit und Heißblütigkeit auf die Bahn, legte seinen Helm ab, der als Zier zwei mächtige, geschwärzte Schwanenfedern zeigte und reihte sich unter die anderen Wartenden ein.
Nun kamen in schneller Folge auch die anderen Cavallieri auf die Geronsbahn geritten, die dem schwarz der vorangegangenen die Farbe rot entgegenhielten: Dareius und sein Onkel Horasio Amarinto, der eine ganz in rot-gold, den Farben seines Hauses, der andere im blutrot des Schwert-und-Stab-Ordens. Die ebenfalls, allerdings purpurrot gewandete Cesara della Carenio, mit der goldenen Glyphe der Heiligblutritter auf dem Wappenrock, der einzige Zierde ihrer Gestechrüstung war. Und auch Thalion Gabellano war wieder in rot und weiß gewandet und trug als Zeichen seiner Geburts- und seiner Ehefamilie das Pentagramm auf der Brust und die Gabel auf dem Schild. Sein rot lackierter Helm war mit einer wuchtigen, nach außen gebogenen Gabel verziert, der ihn hochgeschossen wirken ließ – und manchen an den Stierhelm des Woiwoden aus Nostria denken ließ. Und diesen folgte endlich, in eine Rüstung, die vor allem durch ihre rot gefärbten Panzerarme auffiel, Nevinia ya Stellona, die berühmte Turnierstreiterin und Favoritin der Arivorer.

Auf einem Kaltblüter sitzend, den er nach Therengar, dem Urgroßvater unseres geliebten Herrschers benannt haben soll, ritt Prasbert Torrem auf die Bahn. Der rote Turm des Hauses Torrem schmückte nur seinen Wappenrock, auf seinen Schild hatte er die güldene Lanze geprägt, jenes Siegessymbol seines Triumphes von Bomed anno 1032, den er damals dem Horas zum Geschenk gemacht hatte. Er wollte sich offenbar erneut um die Gunst – und den Befehl – des Horas bemühen, und sein bisheriger Erfolg ließen diesen Plan nicht abwegig erscheinen.
Ein Raunen ging über die Reihen als nun ein Reittier auf die Bahn trabte, dessen Reiter vom Wappentier des Reiches selbst begünstigt zu sein schien: Über dem Haupt von Leutnant Gianbaldo Carson aus der Ponterra schwebte ein großer, goldener Adler mit ausgebreiteten Schwingen und aufgerissenem Schnabel. Erst auf den zweiten Blick – oder mit guten Augengläsern – erkannte man nun, dass das Tier der Horaslegionen und der alten Bosparanischen Legionen in Wahrheit mithilfe einer ungewöhnlichen Vorrichtung auf dem Helm des Signore Carson nistete. Doch das Staunen über diese opulente Helmzier wurde bald schon von einer eigentümlichen, ja, erschreckenden Szene unterbrochen, die ich hier aus der Feder eines Beobachters einfügen will.

Exkurs – Einritt Gianbaldo Carsons

Gianbaldo Carson schritt über den sandigen Turnierplatz, als sich aus der Menge der Zuschauer eine Gestalt löste und über die Absperrung der Tjostbahn sprang. Mit wehenden Haaren lief die ältere Frau auf den jungen Leutnant zu, der sich zu ihr umwandte und die vermeindliche Verehrerin mit einem würdevollen Lächeln zu erwarten. Dann jedoch sah er den Gesichtsausdruck der Frau, der Zorn und Trauer vereinte.
Unwillkürlich wich er ratlos blickend eine Schritt zurück, als die Frau ihn erreichte, einen Schritt vor ihm stehen blieb. Einen Moment herrschte Schweigen und Regungslosigkeit, dann kreischte die schwarzhaarige Frau: "Ihr habt meinen Sohn, als er sein gutes Recht, den Mächtigen Shenilos bei der Ausübung ihrer Ämter ein wenig auf die Finger zu sehen und das Wort zu erheben, wo Unrecht offenkundig ist,..."
Sie stockte, holte Luft und setzte, bevor Gianbaldo, den Mund bereits zur Erwiderung leicht geöffnet, antworten konnte, ihre Tirade fort: "... ihr habt ihn zum Krüppel geritten. In der Uniform der Drachenreiter, die Shenilo beschützen sollen, habt ihr ihn, einen Sohn Shenilos, versehrt!" Schon waren Wachen fast herangekommen, als sie ein kurzes Messer aus eurer Tasche zog. Gianbaldo stutzte, eine geeignete Waffe, um sich zur Wehr zu setzen hatte er nicht bei sich. Doch die Frau nahm das Messer, schnitt sich damit über die gesamte handfläche, presste die geschnittene Hand zusammen und legte sie mit einer raschen Bewegung dem zu spöät zurückweichenden Krieger auf die Brust. Auf dem Wappenrock zeichnete sich deutlich die blutige Hand ab. "An euch klebt Blut, das soll ein jeder hier sehen!"
Dann hatten die Wachen sie erreicht und zogen die nun schweigend starrende Frau grob weg..

Soldaten und Söldner

Nach dieser Aufregung war der Einritt Sirlans di Matienna geradezu erholsam unaufgeregt. Einen Stechhelm mit hohem Kamm tragend, dessen Sehschlitz diesmal keiner Lanze Einlass gewähren würde, ritt der Feldhauptmann der Phalaxana von Toricum auf die Geronsbahn. Mancher Beobachter will jenes gülden-rote Tuch am Panzerarm Sirlans erneut entdeckt haben, dass ihm zu seinem Einzug in die Finalforderungen verholfen haben soll.

Exkurs – Einritt Usvina Cordurs

Dank ihrers Sieges im Stichkampf war Usvina Cordur in die Riege der 32 Besten Streiter vorgestoßen. Am Tag der Finalkämpfe ritt sie im hinteren Viertel der qualifizierten Lanzenreiter auf die Tunierbahn ein um dem Horas, weiteren Edlen des Landes sowie dem gemeinen Volk die Ehre zu geben. Zu diesem Anlass hatte sie sich von ihrem Ardaritenknappen den Wappenrock der Sheniloer Drachenreiter ausbürsten lassen. Ihren schwarzen Helm hing am Sattel ihres Rosses, das die Farben sowie Wappen ihrer Familie trug. Der Staub der Tunierbaum wirbelte unter den Hufen des Pferdes auf, als sie gemächlich einritt. Die langen blonden Haare der geharnischten Löwin wehten im leichten Luftzug der herrschte und die Reiterin saß gerade im Sattel und genoß den Jubel und Trubel der rings um sie herrschte. Der Knappe ging mit dem Wappen der Familie Cordur voraus und war stolz einer so rondrianisch gesinnten Frau zur Seite gestellt worden zu sein.
Ganz in rote-schwarze Rauten gewappnet, die auch die Schabracke seines Pferdes schmückten, ritt sodann ein Reiter auf die Geronsbahn, der sogleich beträchtlichen Unmut unter den Zuschauern auslöste: Travian di Faffarallo, der Befehlshaber der Brüder des Blutes, der noch heute vielen als Verantwortlicher, ja, Mörder, der geliebten Königin Salkya Firdayon gilt. Entsprechend laut waren die Rufe und entsprechend unziemlich ihr Inhalt. Äußerlich ungerührt nahms der Condottiere hin, ließ sich den Helm abnehmen, und reihte sich unter den anderen ein.
Fidorion von Wulfenbein, jener weitgehend unbekannte Ritter aus dem Wilden Süden, war in eine schmucklose Rüstung gehüllt, die ganz offenbar auch schon bessere Tage gesehen hatte. Auf seinem Haupt trug er einen einfachen, ebenfalls unverzierten Topfhelm, den er erst direkt vor dem Helmgestell abzog. Einzig auffällig war sein Markenzeichen, der Schädelschild.
Den Abschluss machte ein Reiter mit ungleich opulenterer Helmzier: Leonato der Rote, jener ehemalige Donnerer, der nunmehr für den urtümlichen Drachenkult streitet, hatte mit seinem Helmschmuck schon zuvor von sich reden gemacht: Ganz in Rot war der mächtige Federschweif gehalten, der von seinem bronzierten Helm in die Luft und am Nackenschutz hinabfiel. Angeblich soll aus den Federn von einem halben Dutzend Greifvögeln gewonnen sein. Nicht minder blutfarben war der Drachenschmuck, der auf dem Helm des Roten thronte, und jedem Gegner seine stählernen Zähne entgegenbleckte.

Die ersten Forderungen

Nun ritten die Tjoster wieder zurück auf die Bahn, zumindest diejenigen, die von Niam von Weilenschein und Grimjan von Irberod als Reizer bestimmt worden waren: Der erste war, ob seines hochadligen Geblüts, Tilfur von Eskenderun. Er ritt eine Weile mit seiner Stute das Helmregal entlang, bis er vor Pokal und Ardaritenschwert Bardicas della Cordaio verharrte und seine Lanze dort absenkte.
Nachdem der Graf von Eskenderun als erster Reizer seine Forderung aussprach, war nun aufgrund der protokollarischen Rangfolge Erlan Sirensteen an der Reihe. Erst schien es noch so, als würde er etwas überlegen - aber dann schritt er zielstrebig und mutig vor und entschied sich für niemand geringeres als Mondino von Calven. Die Wahl war überraschend - hatte man doch eher mit einem anderen Gegner gerechnet. War es der Wunsch der Vergeltung - nachdem der schwarze Calven vor einigen Monden sich äußerst abfällig über den Comto geäußert hatte? Oder war es die Herrin Rondra, die den Yaquirbrucher antrieb, der sich damit wahrlich eine Herausforderung suchte und nicht einen der Trutzer aussuchte, wo er unter Umständen höhere Siegeschancen gehabt hätte.
Diesen beiden folgten die 14 restlichen Reizer bevor zur Praiosstunde die 16 Begegnungen feststanden. Ein Stundenglas später, würden das erste Mal die Lanzen sprechen.

Persönliche Werkzeuge