Briefspiel:Nach dem Manufakturbrand

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: 30. Praios 1033 BF, im Zuge der Marudreter Fehde Schauplatz: Stadtpalast in Urbasi Entstehungszeitraum: Herbst 2010
Protagonisten: Alessandero dell'Arbiato u.w. Autoren/Beteiligte: Dellarbiato


Die vorliegende Briefspiel-Geschichte Nach dem Manufakturbrand schildert die Reaktion im Haus dell'Arbiato auf den Brand der Manufaktur der Familie Balestriano Ende Praios 1033 BF in Urbasi. Dieses Ereignis fällt zudem in die Zeit der Marudreter Fehde.


30. Praios, Urbasi, Palazzo d'Argento:

Alessandero dell'Arbiato

"Wie ist denn also die Lage", fragte Alessandero dell'Arbiato mit ernster Miene die Maestra Ignivigilum Nerona Incendizia, zuständig für den Brandschutz der Stadt. Ihr Gesicht war noch von Ruß bedeckt, Zeugnis des Brandes auf dem Gelände der Manufactura Balestriano. Die nur noch ein schwelender Aschehaufen war.

"Padrone, die Lage ist im Arsch", antwortete Incendizia und stürzte einen Becher Wein herunter. Als Nordländerin bevorzugte sie eine direkte Aussprache. "Die Manufactura ist Geschichte, da ist nichts mehr zu machen. Ingerimm sei Dank, wir konnten ein Übergreifen des Brandes auf die angrenzenden Häuser verhindern. Ich habe noch keinen Überblick, aber die Arbeiter der Manufactura scheinen sich alle frühzeitig gerettet zu haben."

"Ich bin überzeugt, dass Ingerimm in dieser Nacht mit Euch war, Maestra", erwiderte Alessandero. Brandschutz von Urbasi war Aufgabe des Priore structuris, also die seine. Vor Jahren hatte er geäußert, dass nur ein Großbrand ihm das Missfallen der Bevölkerung einbringen konnte, aber nie an diesen Fall geglaubt. Nunmehr hingegen bedrohte dieses Feuer seine politische Zukunft. Und er war nicht gewillt, dieses hinzunehmen, wenn es einen anderen Schuldigen zu finden gab. "Gibt es denn schon Hinweise auf die Ursache? Eine umgefallene Kerze oder ähnliches?"

"Einige Leute fanden Flugblätter und Pamphlete, Padrone", Incendizia kramte in ihrer Tasche und zog ein verrußtes und eingerissenes Pergament hervor. "Dieses hier fand sich in der Nähe. Lauter Geschwafel, dass Ingerimm die Manufacturen hasst, dass ehrliche Handwerker sich wehren sollten etc." Incendizia reichte Alessandero das Blatt, der schweigsam zu lesen begann.

"Nun, es ist völlig klar", meinte Alessandero schließlich, "dies ist der Beweis, dass diese Syndokraten aus Silas für das Feuer verantwortlich waren." Er nickte nachdenklich. "Natürlich, es waren die Schnitter. Es kann gar nicht anders sein. Ohne Zweifel gekauft von dem Marvinko oder dessen unwissende Handlanger. Maestra Incendizia, verbreitet die Kunde, dass die Schnitter aus Silas, zweifellos beeinflusst durch die Intrigen des Marvinko und unterstützt durch Verräter innerhalb Urbasis, für diesen Brand verantwortlich waren. Unterstreicht, wie tapfer Ihr und Eure Leute gegen das Feuer gefochten habt. Ich sorge für ein Dankopfer im Ingerimm-Tempel Sant'Agreppo, Ihr und Eure Helfer werdet dort erscheinen und gemeinsam werden wir Ingerimm und dem Heiligen Agreppo für ihren Schutz und ihre Hilfe im Kampf gegen diese feige Brandstiftung danken. Die Meisterin der Esse, Cinzia Silbertaler, ist mir noch einen Gefallen schuldig."

"Verzeiht, Padrone, aber es gibt bis auf diese Pamphlete keine Hinweise, dass es Brandstiftung war oder dass die Silaser hierfür verantwortlich waren."

"Man wird Beweise finden", meinte Alessandero achselzuckend, "ich verlasse mich da voll auf Euch, Maestra. Und da Ihr für das Feuer nicht verantwortlich seid, genießt Ihr auch weiterhin als Maestra Ignivigilum mein Vertrauen. Seid gewiss, dass ich Eure Dienste nicht vergessen werden, Maestra, wenn es gilt, nach der nächsten Wahl des Consiglio della Priori dieses Amt zu besetzen." Die Maestra verneigte sich schweigend.


Aliena dell'Arbiato

Als die Maestra gegangen war, öffnete sich eine Seitentür. Aliena dell'Arbiato hatte in einem Nebengemach dem Gespräch zugehört. "Eine gute Strategie, Alessandero", gratulierte sie ihrem Gemahl.

"Ja, aber reicht es aus?" fragte dieser zweifelnd. "Nach der Niederlage der Arbalettieri und diesem Feuer wird das Volk einen Schuldigen suchen. Die della Pena hassen mich, die Urbet-Marvinko haben mir nie meine Rolle in der Verschwörung gegen den Tyrannen Traviano verziehen und selbst die di Salsavûr stehen nicht mehr hinter mir. Seit sie das Amt des Gonfaloniere besetzen, sind sie geradezu unerträglich selbstgefällig geworden." Alessandero's Miene hellte sich plötzlich auf, als ihm eine Idee kam. "Oh, meine liebe Aliena, das ist die Lösung."
Aliena blickte ihn verwirrt an. "Ein wahrer Staatsmann zeigt sich in den Zeiten der Krise, Aliena. Statt meinen Feinden die Gelegenheit zu einem Angriff auf mich zu geben, werde ich ihnen zuvorkommen."

"Willst Du ihnen die Schuld an dem Brand geben? Ich dachte, du wolltest die Schnitter aus Silas hierfür verantwortlich machen?"

"Viel besser. Also, da Brasi ist tot und die Arbalettieri vernichtend geschlagen. Dann hat entweder Rondra zu unseren Ungunsten entschieden, was nicht sein kann, denn Urbasi ist das Opfer der Machenschaften des Marvinko."

"Ich dachte, das sei nur der Marudreter, der verschollen ..."

"Unwichtig. Rondra ist auf der Seite Urbasis, punktum. Dann kann es diese Niederlage aber nur gegeben haben, weil da Brasi im Kriege ein völliger Versager ist, was wiederum nicht sein darf. Denn hat er nicht erfolgreich Schlachten geschlagen, habe ich ihm nicht in Anerkennung seiner Verdienste ein juwelenbesetzes Schwert überreichen lassen? Und, was viel wichtiger ist, hat nicht unser derzeitiger Gonfaloniere, Romualdo di Salsavûr, da Brasi mit der Führung der Arbalettieri betraut?
Nein, Aliena, dieser Schlag gegen Urbasi muss das Werk von Verrätern sein. Denn gegen Verrat ist man machtlos. Der Salsavûr wird mir zustimmen, denn sonst wird man auch ihn für diese Niederlage verantwortlich machen."

"Du willst also die Niederlage gegen den Marvinko, den Tod da Brasi's und die Vernichtung der Arbalettieri jemand anderem in die Schuhe schieben!", langsam begriff Aliena den Gedankengang ihres Gatten.

"Nicht irgendjemanden. Ich werde zwar keine Namen nennen, aber wer hat schon einmal während der Torremund-Affäre Urbasi verkauft? Die della Pena!", grinste Alessandero vergnügt. "Als Mitglied in diesem merkwürdigen Ritterbund waren sie mit verantwortlich für den Verlust Torremunds. Was ich selbstverständlich immer erwähnen werde.
Zweifelsohne, sollte sich Urbasi auf die Jagd nach noch nicht bekannten Verrätern machen, welche Urbasi dieses Debakel beschert haben, dann wird der Name della Pena genannt werden. Und dann hätten wir noch einen Verdächtigen: Die Urbet-Marvinko! Ein Marvinko auf der anderen Sikramseite, Marvinkos hier, zweifelsohne machen sie gemeinsame Sache! Das Volk vertraut dieser Sippe sowieso nicht und für feine Unterschiede wie Familienzweige hat es auch kein Ohr. Marvinko, Marvinko, Marvinko, wird man auf den Piazzi tuscheln. Und die Salsavûr werden in den Chor einstimmen, denn sonst wird man sie fragen, warum sie ausgerechnet da Brasi mit der Führung dieses Feldzuges beauftragt haben. Und genau diese Verräter haben natürlich auch den Brandstiftern aus Silas die Fackel für ihre Tat gereicht."

"Aber Du kannst sie nicht direkt beschuldigen, Du hast nicht den Hauch eines Beweises, Alessandero", erinnerte ihn Aliena, während sie überlegte. "Sprich einfach von ungenannten Verrätern, die Urbasis Herrschaft untergraben wollen. Präsentiere Dich als Verteidiger der Stadt und rufe auch auf zur Denunziation. Vielleicht findest Du auch eine Möglichkeit, bei der jeder urbasische Sohn und jede Tochter unserer Stadt verdächtige Personen anonym anzeigen kann. "Aliena fand Gefallen an der Idee." Und sollte jemand mit dem Finger auf Dich zeigen, so verteidige Dich mit dem Hinweis, dass Du Dich aufopfernd um Urbasi sorgst und beschuldige denjenigen, nur seinem Verrat ablenken zu wollen."

Alessandero dell'Arbiato lachte leise: "Und das Beste an der Situation: Der Marudreter ist weg und kann in der Signoria der Stadt nicht mehr mitstimmen. Und Korrago da Brasi habe ich noch nie gemocht. Bei der Wahl der Priori hat er noch nie für mich gestimmt. Bin nur gespannt, wer demnächst seinen Sitz in der Signoria einnimmt."

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