Briefspiel:Urbasi nach dem Verrat (8)

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Gylduria Deraccini, 23. Praios:

"Verzeiht bitte, daß ich das Wort ergreife", meldete sich Gylduria Deraccini, "doch bevor Ihr fortfahrt, darf ich die Versammlung daran erinnern, daß die anteiligen Einkünfte des Torremunder Brückenzolls nach den vertraglichen Bestimmungen der Übereinkunft des Efferd 1029 nach Bosparans Fall zwar insgesamt gesehen unbeträchtlich, jedoch von ihrer Relevanz..."

"Kommt endlich zum Punkt", kam ein ungehaltener Zwischenruf.

"... von ihrer Relevanz her von großem symbolischen Wert sind", fuhr Gylduria ungerührt fort und bedachte den Zwischenrufer mit einem eiskalten Blick. "Ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag und die Verpflichtungen hieraus sind bindend. Wenn die Fürstliche Gemeinde das Verhalten des sogenannten Pontorriats Torremund sanktioniert, werden weitere Vertrags- und Handelspartner der Fürstlichen Gemeinde bald ebenfalls unilaterale Änderungen durchführen. Und beim nächsten Vorkommnis könnte es sich nicht nur um eine relativ unbedeutende Summe aus anteiligem Brückenzoll handeln, sondern um einen bedeutenden Anteil des urbasischen Steueraufkommens."

Signora Deraccini lächelte ein schmales Bürokratenlächeln: "Und seit wann ist es einem Schuldner erlaubt, selbst über Art und Weise der Rückzahlung zu bestimmen?"


Auricanius von Urbet-Marvinko, 23. Praios:

„Recht gesprochen, Signora“, schloss sich Auricanius dieser Argumentation vollumfänglich an. „Da mein Beharren auf exakt diesem Standpunkt aber ja konsequent als Angriff gegen ausgewählte Priori missverstanden wird, schweige ich dazu nun auch. Mich nimmt es nur Wunder, wie wenig Respekt eben diese durch ihr – nun ja, an meinen Bruder erinnerndes – Auftreten der Versammlung zollen, gleich welcher Polemik sie sich auch gegenüber sehen mögen …“

Mit Blick auf die bemitleidenswerte Protocollaria Selina fuhr er fort: „Bevor es nun noch wie einst direkt vor den Toren des Kronkonvents zum Schlagabtausch kommt, sollten wir aber wirklich zur Abstimmung schreiten. Und falls dies noch nicht deutlich geworden sein sollte: Die Stimme des Hauses Urbet-Marvinko, die ja auch eine des Landadels ist, wie wir soeben lernten, entfällt auf die Verlängerung der Amtszeit des Consiglios um ein Jahr bis zum letzten Praiostag im Praiosmond des Jahres 1033 BF!“


Alessandero dell'Arbiato, 23. Praios:

Alessandero dell'Arbiato

Alessandero dell'Arbiato stand mit dem Rest des Consiglios in der großen Loggia des Palazzo Magistrale und blickte auf die Niederhöllen. Ineinander verschmolzene Leiber, ein Meer aus Armen, Fäusten und Häuptern sowie ein auf- und abschwellender Lärm, der mehr an einen Sturmwind gemahnte. Vereinzelt ließen sich Rufe ausmachen, Rufe nach Rache, nach Blut, nach Krieg. Es fehlte nur noch ein auslösender Funke - und der Pöbel würde Hylailer Feuer gleich alles in Reichweite verbrennen und zerstören.

'Wahrlich, der Pöbel im allgemeinen ist undankbar, wankelmütig, verlogen, heuchlerisch, ängstlich und raffgierig. Solange Du ihnen Vorteile verschaffst, sind sie Dir ergeben und bieten Dir Blut, Habe, Leben und Kinder an, aber nur, solange die Not ferne ist' dachte Alessandero und beobachtete die Menge unter ihm. Gonfarras Schreier hatten wirklich gute Arbeit geleistet. Welche geringe Intelligenz der Pöbel auch besessen hatte, nunmehr war alles in einem Rausch nach "Gerechtigkeit" untergegangen. Dabei war selbst Alessandero nicht einmal sicher, was das Volk damit bezweckte. Nicht daß es ihn besonders interessierte - genauso wie die gesamte Causa. Sicher, er hatte in der Versammlung große Reden von Ehre und Rache gehalten, aber im wesentlichen sah er in diesem "Torremundzwist", wie die ganze Angelegenheit mittlerweile genannt wurde, nur einen nützlichen Anlaß, seine politischen Gegner vor der Signoria vorzuführen.

Besonders natürlich Leomar della Pena, beschloss Alessandero. Nach der Herausforderung hatte Alessandero diese namens seines Hauses angenommen und seine jüngere Schwester Camilla als Vertreterin benannt. Mit ein bißchen Glück würde Rondra den guten Leomar zu sich rufen und Alessandero hätte endlich Ruhe vor den naiven politischen Ansichten dieses starrsinnigen Adeligen. 'Republikanischer Geist', so hatte sich Leomar ausgedrückt. Und gleich darauf angedeutet, Alessandero würde seine Ansichten teilen! Alessandero fragte sich immer noch, wie eigentlich Leomar zu dieser Meinung gelangt war. Aber vielleicht konnte man diese irrige Ansicht des della Pena zum eigenen Vorteil nutzen.

Mit unbewegter Miene sah Alessandero hinüber zum Gonfaloniere. Nach der Abstimmung war die Frage aufgekommen, wem die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, die Beschlüsse der Signoria dem Volke mitzuteilen. Schließlich war nicht auszuschließen, daß der aufgehetzte Pöbel sein Missfallen mit Steinwürfen kundtat. Schließlich war man übereingekommen, dass das Consiglio in seiner Gesamtheit vor die Menge treten und das Ergebnis der Beratung verkünden solle. Genauer gesagt, der Gonfaloniere, welcher schließlich der Bannerträger der Fürstlichen Gemeinde war. Alessandero dachte einen Augenblick darüber nach, ob Gonfarra wohl seine Leute im Griff hatte, sollte er doch dafür sorgen, daß es zu keinen Übergriffen kam. Nunja, wenn es jemanden traf, dann wohl denjenigen, welcher nunmehr an die Brüstung trat, beschwörend seine Hand hob und auf Ruhe wartete.

"Urbasier", begann der Gonfaloniere, "die Signoria der Fürstlichen Gemeinde hat beschlossen ..."



Michael Ballocco, David Bauer, Armin Bundt, Franz Janson und Florian Rosenthal


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