Sprezzatura

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Sprezzatura ist eine der vier Eigenschaften, derer sich die vornehme Gesellschaft des Horasreichs zu rühmen versucht. Sie steht für die Eleganz und Anmut, mit der wahre Meister des gesellschaftlichen Umgangs ihr Wissen und Können gelassen und unaufdringlich unter Beweis stellen. In der Lehre der vier aufeinander aufbauenden Stufen der gehobenen Gesellschaftskunst ist sie die letzte – im Grunde also die Krönung.

Begriff

Die Sprezzatura enthält, außer dass sie die wahre Quelle darstellt, aus der Anmut fließt, noch einen anderen Wert, der, jegliche menschliche Handlung begleitend, so geringfügig sie auch sei, nicht nur sofort das Wissen des Ausführenden enthüllt, sondern ihn oft als sehr viel bedeutender geschätzt werden lässt, als er in Wirklichkeit ist. Denn er erweckt im Geist der Anwesenden den Eindruck, dass, wer derart leicht gut handelt, viel mehr versteht, als was er tut, und es noch viel besser machen könnte, wenn er auf das, was er tut, Fleiß und Mühe verwenden würde.
–Avessar Castiglione, Vademecum Cortegiani (Handbuch für den Höfling)

Sprezzatura (wörtlich etwa "abwertende Haltung" aus vulgärbosparanisch dis-pretia-tura, in der Bedeutung aber eher Lässigkeit, Ungezwungenheit, Lebenskunst) ist ein schwer zu übersetzender Begriff des modernen Horathi. Er beschreibt ein Ideal des Adels und der höfischen Gesellschaft, das in allen Handlungen und Tätigkeiten vorherrschen sollte, sei es im Kampf, in einer Unterhaltung, beim Musizieren, Tanzen, Malen oder in der Ausübung anderer schöner Künste. Man möchte dabei den Anschein erwecken, als gehe einem die Tätigkeit mühelos und mit größter Leichtigkeit von der Hand. Dadurch beweist man, dass man über den Dingen steht und bei Bedarf zu noch wesentlich größeren Leistungen in der Lage ist. Zentral ist in jeder Hinsicht die Vorstellung, der Mittelweg zwischen Extremen sei stets vorzuziehen. Demgemäß ist der Begriff auch von der "Affektiertheit" (affettazione) zu trennen, die als Übertreibung gilt.

Siehe auch


Quellen

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