Urbet

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Urbet
Krone
Stadtwappen
Stadt Urbet
Horasreich
Stadtwappen
Lage der Stadt im Horasreich

Wappen: roter Helm (symbolisch: Eiserner Hut) vor silbern und grün achtfach geständertem Grund
Region: Gerondrata (Kernlande)
Einwohner: um 2600 (vor der Katastrophe von Arivor, danach deutlich mehr)
Tempel: Rondra (zweimal), Phex (mit Nandus-Schrein), Tsa-, Peraine- und Rahja-Schrein
Stadtheilige: Hl. Lutisana
Status: Landstadt mit Stapelrecht
Herrschaft: Rondralio von Urbet als von der Signoria gewählter Valvassor von Urbet
Garnisonen: Lutisanerorden, Basiliskengarde des Hauses Urbet, einige Ardariten, diverse bewaffnete Parteigänger des Erzkastellans
Weg & Steg: Seneb-Horas-Straße, Efferdstraße
Wichtige Gewerbe: Devotionalienhändler, Rüstungs- und Waffenschmiede, Fuhrkutscherei, Käserei
Besonderheiten: Grab der Hl. Lutisana von Kullbach, deutlich im Schatten der auf dem Tafelberg über der Stadt errichteten Festung liegend

Urbet, das man die Lutisanastadt – und nach drei Massakern an Söldnerregimentern jüngst auch das Söldnergrab – nennt, ist seit der Katastrophe von Arivor 1039 BF die größte Festungs- und Pilgerstadt der Gerondrata im Herzen des Horasreichs. Sie liegt oberhalb des unteren Silbertals, am sich später in den Sikram ergießenden Argentale-Bach. Einst als Wegstation an der stark frequentierten Seneb-Horas-Straße zwischen dem nahen südöstlichen Silas und ferneren nordwestlichen Arivor zu Bedeutung gelangt, avanciert sie seit 1040 BF zum 'Ersatz-Machtzentrum' für die zerstörte Metropole im Norden. Das Stadtbild wird völlig vom sich über das ansonsten flache Umland erhebenden Urbeter Tafelberg beherrscht, auf dem die vieltürmige Festung und der wichtige Grabtempel der Heiligen Lutisana von Kullbach liegen. Am Geronsweg nach Neetha ist sie nun wichtigster Pilgerhalt der Gerondrata.

Da sie erst nach dem Unabhängigkeitskrieg als Hauptort der Domäne Urbet zu Bedeutung gelangte, gilt sie als eine der jüngeren Städte des Lieblichen Feldes und stand über Jahrhunderte unter der autokratischen Herrschaft des Hauses Urbet. Erst im Zuge des Thronfolgekriegs erhielt sie – als letzte der 20 größten Städte des Horasreichs – den Status einer Landstadt. Unter dem Condottiere Uolbo Valpoza zählte sie zwischenzeitlich zu den Söldnerherrschaften der Kernlande, ehe das Haus Urbet sich im Zweiten Massaker von Urbet 1036 BF blutig wieder an die Macht brachte. Durch den Zuzug vieler Flüchtlinge, darunter auch mancher nobilitierter Familien, nach der Katastrophe von Arivor erodiert die Machtposition des herrschenden Geschlechts allerdings zugunsten eines allmählich selbstbewusster werdenden Patriziats.

Inhaltsverzeichnis

Stadtgeschichte

Siehe auch: Geschichte der Tafelbergfestung

Aventurische Quelle

»Sie wird die im Schatten liegende genannt, die Stadt Urbet an der Seneb-Horas-Straße zwischen Arivor und Silas. Weil sie im Schatten der großen benachbarten Städte liegt, sagen manche. Andere leiten die Bezeichnung vom Stadtbild selber ab: Die engen Gassen Urbets schmiegen sich in einem Halbkreis um den beherrschenden Tafelberg, der zur Gänze vom mächtigen Castello della Torres eingenommen wird, und gerade in den Nachmittagsstunden einen Großteil der vor allem im Osten liegenden Stadt in Schatten hüllt.
Die alte Festung der Urbet-Marvinko – erbaut in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit des Lieblichen Feldes – erhebt sich dagegen beinahe selbstherrlich nicht nur über die Stadt sondern auch über das Umland zwischen Sikram und Ranafandelwald. Die Rampe, die von der Stadt ins Castello führt, wurde in den Tafelberg selbst geschlagen und verbirgt sich hinter einem gewaltigen schmiedeeisernen Tor am Fuß des Felsens.
Wie abhängig die Stadt von der Politik des beherrschenden Adelsgeschlechts ist, macht nicht allein die Lage des Magistratsgebäudes direkt vor dem Tor, sondern auch die Bedeutung des Pilgergeschäfts deutlich. Viele Rondragläubige finden – oft vor oder nach einem Aufenthalt in der Ardaritenhochburg Arivor – alljährlich ihren Weg nach Urbet, um das Grab der Heiligen Lutisana von Kullbach zu besuchen. Dieses liegt aber in einem Gewölbe unterhalb des Castello della Torres und ist nur von der Festung aus zu erreichen. Viele Pilger werden deshalb zunächst im innerhalb der Stadt gelegenen Pilgertempel empfangen und müssen sich meist einer mehrtägigen 'Reifeprüfung' durch den Tempelvorsteher unterziehen, bevor sie – vielleicht – nach Tagen des Wartens tatsächlich in die Festung und den dort gelegenen Grabtempel vorgelassen werden. Dass dieser Brauch indes auch die Geschäftsleute der Stadt kräftig an den lange verweilenden Pilgern verdienen lässt, sei an dieser Stelle nicht verschwiegen. Die Jünger des Phex-Tempels, des einzigen Gotteshauses neben den beiden Tempeln der Rondra, wird's freuen.«

Aus »Wege und Orte im Königreich«, Geographisches Werk über das Liebliche Feld, Hesinde-Tempel Vinsalt, 1000 BF

Gebäude und Örtlichkeiten

Der Tafelberg – die Oberstadt

Der zentrale Tafelberg wird ganz von der auch Castello della Torres genannten, geschichtsträchtigen Valvassorenfestung Urbets eingenommen. Errichtet 760-779 BF, diente sie allen außer dem ersten Valvassoren von Urbet (Casciano von Cindano, der in seiner Heimatstadt residierte) als Residenz. Acht mächtige Türme schirmen sie zu allen Seiten, werden aber selbst noch vom neunten in der Mitte überragt, dem Turm des Grabtempels der Hl. Lutisana. Die Gebeine der heiligen Märtyrerin, die Urbet zu einem wichtigen Wallfahrtsort am Geronsweg gemacht haben, sind in einer Kaverne unter dem Tempel aufgebahrt. Daneben bietet der kreuzförmige Bau auch Schreinen weiterer Gründer des Theaterordens Platz, vor allem Salim al'Thona, Pakhizal al'Marfun und Niam von Eskenderun.

Die Paläste auf dem Tafelberg

Nördlich des Tempels liegt der Palast des Erzkastellans, in dem bis zum Thronfolgekrieg die Valvassoren residierten. Panthino von Urbet schenkte ihn 1031 BF zum ‘Fest der Heiligen’ dem Rondra-Kult und verlegte seinen Amtssitz in den alten Grafenpalast. Seit 1040 steht er dem Erzkastellan zur Verfügung. Dass er nach dem Willen der Häuser Marvinko und Urbet zum neuen Palazzo Acano, zum politischen Machtzentrum der Erzherrschaft Arivor also werden soll, gilt als offenes Geheimnis.
Der alte Grafenpalast, heute Valvassorenpalast, liegt im Westen. Zu Zeiten der Domäne Urbet fanden hier die Ratsversammlungen der Signori statt, nun residiert hier der vom lokalen Patriziat gewählte Stadtherr, derzeit Rondralio von Urbet.
Im Süden liegt der Rahjadanspalast, benannt nach dem Erbauer und zweiten Valvassor Urbets. Er dient seit jeher dem Haus Urbet als Residenz, das seinen Hauptsitz im Thronfolgekrieg aber nach Urbasi verlegte und erst nach der Feuernacht 1035 BF zurückkehrte. Die entstellte Fürstenwitwe Preciosa zieht hier maßgeblich ihre Fäden.
Östlich des Tempels liegt schließlich das eher zweckmäßige Donner-Dormitorium, ehedem und seit 1040 wieder Wohnstatt der Geweihten des Tempels, unter Ghiranus III. Praetorin, einem erklärten Widersacher des Hauses Urbet. Zwischenzeitlich diente es den Offizieren des Donnererordens als Residenz, was sich im Namen erhalten hat.

Weitere Gebäude und Örtlichkeiten

Nördlich des Valvassorenpalasts liegt der Marstall der gerühmten Schlachtrösser aus Urbeter Zucht, südlich die Speicher mit den Kornvorräten. Mit dem Rahjadanspalast ist der separate Mythraelsschrein des Erzalveraniars der himmlischen Heerscharen verbunden. Östlich davon liegt das Theater des Heiligen Ordens mit weiteren Statuen der Theaterordensgründer. Hin und wieder finden hier ausgesucht rondrianische Theateraufführungen statt, zu denen dann ausnahmsweise jeder Urbeter Zugang zur Oberstadt erhält. Das Dormitorium wird von zwei weiteren Schreinen flankiert, dem Schrein der Hl. Salkya (die Urbet im Thronfolgekrieg von den Lutisanen-Söldnern befreite) im Süden und dem Schrein des Hl. Geron (als Heiliger der Lindwurmfelder verehrt) im Norden. Sie dienen über Galerien und die Pilgertreppe im Osten zugleich als Pilgerzugänge zum Tafelberg. Nördlich davon liegt noch der Geronsgarten über der durch den Felsen zu den stadtseitigen Tafelberg-Portalen führenden Rampe. Eine zweite Rampe unterhalb der Speicher führt zum Parkportal im Westen.

Die Unterstadt

Die eigentliche Stadt liegt unterhalb des Tafelbergs – und je nach Tageszeit teils deutlich in dessen Sonnenschatten. Sie wird von fünf wichtigen Straßen reihum in sechs Stadtteile bzw. einfach ‘Sechstel’ zerschnitten, die am zentralen Valvassorenplatz unterhalb des Tafelbergs alle aufeinander treffen. Der Platz hat seinen Namen von mehreren Statuen urbetischer Valvassoren, aus denen die Reiterstandbilder Travianos des Prächtigen (auch 'des Wahnsinnigen', nach Urbasi gewandt) und Rahjadans des Prächtigen (nach Silas gewandt) herausragen. Ansonsten wäre die Bezeichnung Pilgerplatz, unter der er auch geläufig ist, wohl zutreffender, denn tatsächlich treffen sich hier nicht nur die Rondra-Pilger des Geronswegs, sondern auch jene Hesindes, Tsas (beide Gruppen auf dem Weg nach Silas), Rahjas (gen Belhanka) und noch manche Efferds (über die Efferdstraße nach Efferdas unterwegs). Dass sich hier Herbergen und Devotionalienhändler aneinanderreihen, verwundert daher wenig.
Keinem der Stadtsechstel zugehörig ist der zweite Rondra-Tempel Urbets, der Pilgertempel der Hl. Lutisana. Nur dieser ist jedem Besucher ohne Weiteres zugänglich, da der Zugang zum Tafelberg reglementiert ist. Pilger, die das Grab Lutisanas aufsuchen wollen, müssen dies erst hier den Geweihten mitteilen und sich in aller Regel einigen Prüfungen unterziehen, bevor sie Zugang zum Tafelberg erhalten. Dieser erfolgt neuerdings über die erst nach dem Thronfolgekrieg errichtete Pilgertreppe, ein monumentales, viaduktartiges Bauwerk, das bis zu den beiden östlichsten Türmen des Castellos emporführt und das zu betreten allein den geprüften Pilgern vorbehalten ist. Zwei Ardariten bewachen deshalb das untere Ende der Treppe.
Die schweren, schmiedeeisernen Tafelberg-Portale führen hingegen jeden anderen Besucher der Festung über Rampen durchs Felsgestein in die Oberstadt – und stellen im Verteidigungsfall ein kaum zu überwindendes Hindernis dar. Überhaupt fällt Urbet selbst in der kriegerischen Gerondrata durch seine massive, obgleich nicht zwingend hochmoderne Festungsarchitektur auf. Der äußere Mythraelswall umfasst bereits seit der Amtszeit der Valvassorin Mythraela (nach der er benannt ist, nicht nach dem Erzalveraniar) eine Fläche, die den eigentlichen Bedarf der Stadt weit übertrifft.

Allgemeines zu den Stadtsechsteln

Urbet ist, wie bereits beschrieben, in sechs Stadtteile unterteilt. Diese ‘Sechstel’ treffen am Valvassorenplatz alle aufeinander und weisen jeweils eigene in Ehren gehaltene Traditionen auf. Sie sind einfach nach einem Wappentier oder -gegenstand benannt. Und sie werden jeweils von einem einzelnen Patriziergeschlecht beherrscht, das seinen Palazzo im betreffenden Sechstel selbst hat. Diese Palazzi gleichen in mancher Hinsicht eher Burgen oder Landgütern als den Palästen anderer Städte, weil sie im wenig gedrängten Urbet kaum Platzproblemen ausgesetzt sind.

Das Sechstel des Fuchses

Nördlich des Tafelbergs liegt der verkürzend einfach ‘Fuchstel’ genannte Stadtteil. Seine Bewohner gelten als die geschäftstüchtigsten und gerissensten Urbeter, woran wohl auch der hier gelegene Phex-Tempel ‘Schuld’ ist. Im Palazzo Foscorzi hat die gleichnamige Familie von Devotionalien- und Fuhrhändlern ihren Sitz. Noch weiter nördlich liegt der Fuchswald, ein kleiner innerstädtischer Forst, in dem es tatsächlich noch einen Fuchs geben soll, der nächtens Wanderungen zum Tempel unternimmt. Am Valvassorenplatz liegt hingegen das städtische Arsenal, in dem die Waffen der Miliz lagern.

Das Sechstel des Einhorns

Östlich der Seneb-Horas-Straße schließt sich das Einhornsechstel an, die Heimat der Pferdehändler, Zureiter und sogar privater Lehrmeister, die ihre Zöglinge im Kriegshandwerk auf dem Schlachtross schulen. Das geschäftige Zentrum dieses Sechstels liegt am Rossmarkt, auf dem die vielversprechendsten Fohlen der Warunker-Zuchten des Umlands verkauft werden, ehe sie überhaupt eine der Metropolen erreichen. In der östlichen Ecke des Markts steht der Semaphor Urbets, ein durch sein hohes, festungsartiges Fundament markantes Bauwerk. Nahebei liegt das Freudenhaus Levthansliebchen, in das sich im Thronfolgekrieg während der Schlacht um Urbet der spätere Comto Protector höchstselbst flüchten musste – worauf hier gerne mit manch andeutungsvollem Blick verwiesen wird. Dass an der Efferdstraße nach Urbasi auf mehreren Ruinen der damaligen Straßenschlacht bald ein Rahja-Tempel errichtet werden soll, ist bislang wenig mehr als ein Gerücht.
Beherrscht wird das Sechstel vom dreiteiligen Palazzo Trevisio, dessen einzelne Teile über eine Dreiecksbrücke hoch über der Straße miteinander verbunden sind. Das gleichnamige Adelsgeschlecht ist erst vor wenigen Jahrzehnten in Urbet ansässig geworden, verfügt aber im Umland über einigen Grundbesitz. Seine Position als Patron des Sechstels neidet ihm besonders die Familie des Donnerer-Condottieres Pakhizal Dothreki, deren wenige Mitglieder in der Villa Dothreki wohnen. Patriarch Salim Dothreki ist einer der besten Kavallerie-Ausbilder des Landes, unterbricht seinen Ruhestand aber nur noch für besondere (Privat-)Schüler.

Das Sechstel des Lindwurms

Nordöstlich des Pilgertempels liegt im Lindwurmsechstel etwas versteckt der Peraine-Schrein, dessen Einfluss auch unter den Bewohnern spürbar ist: Die Pflege des städtischen Ölbaumhains im Zentrum des Sechstels ist gemeinschaftliche Aufgabe, Bescheidenheit mehr als bei allen anderen Urbetern ein hohes Gut. Die ‘Lindwurmer’ gelten als relativ unkriegerisch (in einer so sehr vom Rondra-Kult dominierten Stadt muss das nicht viel heißen!) und sind eher als Heiler und freundliche Pilgerwirte angesehen. Kurioserweise behauptet allerdings gerade die im Palazzo Praetorin residierende, das Sechstel beherrschende Familie, von einem weniger bekannten der Theaterordensgründer abzustammen. Ihrem Herbergsgeschäft tut dies keinen Abbruch.

Das Sechstel des Harnischs

Südlich des Pilgertempels schließt sich direkt die Große Loggia, die städtische Ruhmeshalle an. In deren Rücken ragen seit der großen Schlacht um Urbet im Thronfolgekrieg und den magischen Angriffen des Hexagons damals aber etliche Ruinen auf. Zentrum des Harnischsechstels ist jedoch ohnehin die etwas abgelegene Schmiedegasse, in der das Hämmern, Schlagen und Zischen der Metallwerker allgegenwärtig ist. Ob Huf-, Waffen- oder Rüstungsschmiede – sie haben alle ihren Absatz in der kriegerischen Stadt. Der Palazzo Ysena der beherrschenden Familie liegt bezeichnenderweise ebenfalls hier. Die Ysena verdienen neben allen gewöhnlicheren Schmiedewaren auch an verschiedenen metallenen Devotionalien.
Gleich hinter Schmiedegasse und Palazzo liegt das große Turnierfeld Urbets, das von der selbst turniererfahrenen Valvassorin Mythraela parallel zum Mythraelswall parzelliert und bei dessen Fertigstellung mit dem gut besuchten Turnier der Einhornlande eingeweiht wurde. Seither hat hier jedoch nur ein halbes Dutzend weiterer Turniere stattgefunden, so dass das großzügige Areal eher zum Üben oder für private Lanzengänge genutzt wird.

Das Sechstel des Basilisken

Das flächengrößte Sechstel erstreckt sich zwischen den Straßen nach Silas und Cindano im Süden der Stadt. Beherrscht vom Palazzo Terlákon des gleichnamigen Geschlechts, gilt es als Heimat der Ackerbürger und Kleinviehzüchter. Die zugewanderten Terlákons leben vor allem von der Käserei ihres speziellen Parsekan-Käses, dem auch der Parsekerplatz ursprünglich seinen Namen verdankt. Nach der Zerstörung und Massakrierung Parseks im Thronfolgekrieg ist er gleichwohl neue Heimat auch mancher rechtzeitig geflohener Parseker geworden. Ein Stück weiter südlich liegt noch das kleine Spital der Stadt.

Das Sechstel der Sturmleiter

Südlich des Tafelbergs liegt der vornehmste Stadtteil Urbets. Zum Valvassorenplatz hin wird er vom Magistrat dominiert, dessen politische Bedeutung auch nach der Verleihung des Landstadt-Status‘ noch eher gering ist. Dass man den Valvassor selten hier erblickt, ist kein Zufall. Umso mehr ist die durch mehrere Herbergen zu Wohlstand und durch verschiedene Stadtämter zu Einfluss gelangte Familie ya Paredo hier präsent. Ihr Palazzo ya Paredo ist vom Magistratsgebäude baulich kaum zu unterscheiden und verfügt sogar über eine direkte Verbindung, die die Nutzung der öffentlichen Zugänge unnötig macht.
Weiter westlich führt die überdachte, hölzerne Theaterstiege an der Flanke des Tafelbergs bis zur Festung hoch. Ihr Name enthüllt dabei zugleich ihren Zweck: Bei Theateraufführungen auf dem Tafelberg erhalten die Urbeter nicht etwa Zugang zum gesamten Tafelberg, sondern werden rückwärtig ins Theater geführt und dürfen dieses dann auch nicht verlassen. Ganz im Westen der Unterstadt liegt schließlich der Boronanger Urbets.

Die Kohorten- oder Veteranenstadt

Ein von der Unterstadt durch zusätzliche Mauern abgetrenntes Areal im Westen diente dem Haus Urbet lange Zeit als prachtvoller Schlosspark, ist nach dem Thronfolgekrieg allerdings der Nutzung durch die Cohorta Collaribianci überlassen worden, bis sie im Zweiten Massaker von Urbet ebenhier blutig vertrieben wurde. Der dabei in Mitleidenschaft gezogene Palazzo Fusco (nach dem ersten Valvassor seines Namens benannt), ein ehemaliges Lustschloss am aufgestauten Argentale-See, und die teils ausgebrannten Kasematten weiter nördlich sollen seither verflucht sein. Tatsächlich sind Teile des Areals und der Gebäude erst nach der Katastrophe von Arivor wieder bezogen worden. Waren es bis 1036 BF die Veteranen der Collaribianci, die hier auch Äcker bewirtschafteten, sind es heute geflüchtete Bewohner der Arivorer Vorstadt Königsgrund, die den alten Schlosspark zur Veteranenstadt machen.

Umland

Im Umland der Stadt schließt sich nördlich die sagenumwobene Ebene der Lindwurmfelder an. Dass der Heilige Geron hier einst gewirkt haben soll, lässt sich noch heute erahnen – zumal die Ebene kaum parzelliert ist und überwiegend als Weidefläche für Pferde-, Rinder- oder Ziegenherden dient. Der sich westlich an der Stadt vorbei schlängelnde Argentale, ein Zufluss des Sikram im Silbertal, wird lokal auch als Lutisana-Bach bezeichnet.
Im Osten reihen sich hingegen an der Efferdstraße nach Urbasi mehrere Schlachtschreine auf, in denen verschiedene Familien aus dem ganzen Reich gefallener Teilnehmer einer der größten Schlachten des Thronfolgekriegs gedenken: der Schlacht um Urbet. Die bei Söldnern bekannten Schreine der Neun Schlachten von Urbet liegen hingegen verstreut im weiteren Umland.

Machtverhältnisse

Die urbetische Curia
Hochgeweihter des Grabtempels Ysildur von Trevisio
Hochgeweihter des Pilgertempels ...
Schwertbewahrer (Zeugmeister) Oswynna Ysena
Schlüsselbewahrer (Kastellan) Ghescarda Praetorin
Siegelbewahrer (Kanzler) Hesindiego ya Paredo
Schatzbewahrer (Kämmerer) Lorimo Foscorzi
Hoher Torwächter Ardarete Terlákon
Hoher Treppenwächter Nevinia ya Stellona

In Urbet setzen sich nach jahrhundertelanger Feudalherrschaft erst in jüngerer Zeit aristokratischere Machtverhältnisse durch. Seit 1030 BF ist der Valvassor 'nur noch' Stadtherr, traditionell von der Signoria auf zwölf Jahre gewählt. Seine Befugnisse sind theoretisch allumfassend, auch wenn er praktisch nicht gegen die Curia regieren kann, die acht teils zeremonielle, teils mit relevanter Zuständigkeit und eigenem Amtsgefolge ausgestattete Amtsträger vereint. Ihr rondrianischer, auf die Verteidigung der Stadt und der Tafelbergfestung ausgerichteter Bezug ist ihnen gemein. Feste Mitglieder der Curia sind dabei zunächst die beiden Hochgeweihten der Rondra-Tempel der Stadt, auch wenn sie in der eigentlichen Verwaltung der Stadt nur zeremonielle Bedeutung haben. Sie können durch den Valvassor allerdings auch nicht abberufen werden.

Die übrigen sechs Amtsträger werden ihrerseits von der Signoria gewählt, können durch den Valvassor allerdings jederzeit entlassen werden (wobei die Signoria sie dann theoretisch in einem fortwährenden Kreislauf wieder ins Amt wählen könnte). Ihre Wahl ist meist Resultat vorheriger Absprachen und nicht selten auch expliziter Empfehlungen seitens des Valvassors oder des Hauses Urbet. Der Schwertbewahrer ist der Zeugmeister der Stadt und Herr des Arsenals am Pilgerplatz. Der Schlüsselbewahrer ist der formelle Kastellan der Tafelbergfestung, dessen tatsächliche Befugnisse darin allerdings häufig mit dem Haus Urbet ausgehandelt werden müssen. Der Siegelbewahrer ist als Kanzler der Chef des größten Teils der Stadtverwaltung – und dadurch informell 'primus inter pares' in der Curia, vor allem im Fall eines Konflikts mit dem Valvassor. Der Schatzbewahrer ist der Kämmerer Urbets, dem in finanzieller Hinsicht gelegentlich eine Schlüsselstellung zukommt. Die letzten beiden Amtsträger, der Hohe Torwächter und der Hohe Treppenwächter, haben wiederum eher zeremonielle Aufgaben, die sich weitgehend in der Überprüfung der Verteidigungsfähigkeit der Stadt erschöpfen. Ein wichtiges Privileg der Mitglieder der Curia ist, dass sie stets "in angemessener Zeit" vom Valvassor angehört werden müssen.

In der unregelmäßig tagenden Signoria sitzen alle Familienoberhäupter der in Urbet ansässigen Adelsgeschlechter, dazu ggf. weitere Titelträger (Cavallieri und Esquirii) und höherrangige Geweihte. Nicht alle von ihnen haben aber auch ein Stimmrecht bei Abstimmungen über die höheren Amtsträger oder den seltenen, für den Valvassor häufig gar nicht verbindlichen Generalabstimmungen über wichtige städtische Belange.

Unter den Adelsfamilien sticht das Haus Urbet als altes Stadtherrengeschlecht heraus. Sein informeller Einfluss ist groß, schon weil es als einziges seinen Familienpalast in der Tafelbergfestung hat. Andererseits bleibt es Signoriasitzungen häufig fern und gilt manchen als zu distanziert gegenüber den städtischen Belangen. Die Familie ya Paredo kontrolliert seit vielen Jahren die meisten Amtsstuben der Stadt. Sie galt einst als dem Haus Urbet gegenüber loyal, was sich seit der angeblich erhofften, trotz Schwangerschaft aber nicht eingetretenen Verbindung Rahjinas mit Traviano von Urbet allerdings relativiert hat. Die ya Paredo vermeiden bislang den offenen Bruch mit dem Haus Urbet, beteiligen sich zum Teil jedoch heimlich an Vorhaben, die dessen Macht einschränken. Deutlicher Widersacher war zuletzt die Familie Praetorin, die sich vor dem Sturz Uolbo Valpozas 1036 BF an diesen anlehnte und dem Haus Urbet 1041 BF gar die Festung abzunehmen versuchte. Das Desaster des Dritten Massakers hat sie danach – jedenfalls nach außen hin – in neuer Besetzung den Schulterschluss suchen lassen. Die Familie Foscorzi hat – im Geschäftsinteresse in Richtung Aldan und weiter nach Norden – beim "Verrat von Urbet", der Öffnung der Tore der Stadt für den Schwertzug Ancuiras', eine Schlüsselrolle gespielt; ihr Familienoberhaupt gilt seither als neuester Intimfeind des Valvassors. Der Familie Terlákon werden ähnliche Interessen nachgesagt, auch wenn sie diese noch nicht so offen gezeigt hat. Die Familie Ysena ist um Neutralität bemüht, das Haus Trevisio hingegen durch mehrere Ämter, die es für das Haus Urbet ausübt (im Lutisanerorden, in Leucano), diesem noch am stärksten ergeben. Unter den weiteren Familien, die nicht als "Sechstel-Herrscher" gelten können, haben sich einige erst nach der Katastrophe von Arivor in Urbet angesiedelt und versuchen nun, das bestehende Machtgeflecht zu durchbrechen. Der Familie ya Stellona, bei der Katastrophe beinahe ausgestorben, ist es als erster gar gelungen, in die Curia 'aufzusteigen.'

Siehe auch

Quellen

Persönliche Werkzeuge