Politik Urbasis: Unterschied zwischen den Versionen
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{{Halboffiziell}} | {{Halboffiziell}}{{RegPolitikUrbasis}}{{TOCright}} | ||
{{RegPolitikUrbasis}} | Die '''Politik [[Urbasi]]s''' wird vom historischen Anspruch einer Führungsrolle im [[Aurelat]] – auch in Rivalität zu den anderen [[Silberstadt|Silberstädten]] [[Silas]] und [[Sibur]] –, von teilweise über Jahrhunderte gewachsenen Traditionen gerade des Volkes, von einer komplizierten Struktur städtischer Gremien und Ämter und der tatsächlich errungenen Vorherrschaft über weite Teile des [[Urbasiglia|Umlands]] bestimmt. [[Urbasi]] gilt nicht ganz zu Unrecht als eine der Städte, in der der [[Campanilismo]] (engstirniger Lokalpatriotismus) gegenwärtig am stärksten ausgeprägt ist. | ||
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Die '''Politik | |||
==Die | ==Die Fürstliche Gemeinde des Heiligen Agreppo== | ||
[[Bild:Fuerstliche Gemeinde des Heiligen Agreppo.png|300px|left]] | |||
Wer von der Politik Urbasis spricht, meint heute in der Regel die [[Fürstliche Gemeinde des Heiligen Agreppo]] ('Civita Principesca di Sant'Agreppo'). Diese Bezeichnung ist seit [[1030 BF]] geläufig und war zunächst ein Synonym der Silberstadt, hat durch die Stadtgründung [[Agreppara]]s [[1046 BF]] aber eigene Bedeutung bekommen. Die nach dem Stadtheiligen [[Agreppo von Urbasi]] benannte Gemeinde ist inzwischen eine Städteallianz zwischen der bedeutenderen [[Landstadt]] Urbasi und ihrer ehemaligen Vorstadt, die über [[Provinz]]grenzen hinaus besteht. Für die Politik Urbasis ist sie dabei auch deshalb von überragender Bedeutung, weil sich die Landstadt abseits der Gemeinde gar keine separaten städtischen Polit- oder Verwaltungsstrukturen leistet, während das kleinere Agreppara immerhin noch einen [[Primar Agrepparas|eigenen Primar]] hat, der ihm (inner-/unterhalb der Gemeinde) formell vorsteht. | |||
Schon die Bezeichnung als 'Fürstliche Gemeinde' verweist dabei auf die [[Geschichte Urbasis|gesamte Geschichte]] seit dem [[Horasischer Thronfolgekrieg|horasischen Thronfolgekrieg]], weil sie zunächst den Nachfolgeanspruch fürs kurzlebige [[Fürstentum Urbasi]] unterstrich – und nach einem [[Marudreter Fehde|verlorenen Machtkampf]] gegen den [[Hochadel]], vor allem das [[Haus Marvinko]], dessen Herrschaft sich die Stadt nicht mehr beugen wollte, trotzig die bis zum [[Frieden von Westfar]] [[1041 BF]] noch bestehende Grenzlage zwischen gleich drei zum Teil gegeneinander ausgespielten Provinzen – dem [[Fürstentum Vinsalt]], der [[Erzherrschaft Arivor]] und der [[Grafschaft Sikram]] – betonte. Inzwischen ist Urbasi die südlichste dem [[Fürst von Vinsalt|Fürsten von Vinsalt]] unterstehende Stadt, jedoch an drei Seiten von der Grafschaft Sikram umschlossen, in der auch Agreppara liegt. Der offiziellen Lesart folgend bezieht sich das 'fürstlich' dennoch auf die Beziehung zum Vinsalter Fürsten hin, der formell als Schutzherr der Gemeinde gilt – obschon die [[Graf vom Sikram|näheren Grafen]] in dieser weitergehende Rechte haben. | |||
===Privilegien und Verpflichtungen=== | |||
{{:Fürstliche Gemeinde des Heiligen Agreppo}} | |||
==Gewachsene Strukturen== | ==Gewachsene Strukturen== | ||
Epochen relativer Stadtfreiheit förderten in der [[Geschichte Urbasis]] immer wieder die Entwicklung von politischen und gesellschaftlichen Strukturen, die meist bis in die Gegenwart überdauert haben. Stärker als für Gremien und Ämter (s.u.) trifft dies noch für die Untergliederungen der Volksmasse zu. Das – typisch [[Aurelat|aurelassische]] – Traditionsbewusstsein der Popoli ist dabei längst selbst zu einer politischen Größe geworden, die sich auch das herrschende [[Patriziat]] kaum zu missachten traut. | Epochen relativer Stadtfreiheit förderten in der [[Geschichte Urbasis]] immer wieder die Entwicklung von politischen und gesellschaftlichen Strukturen, die meist bis in die Gegenwart überdauert haben. Stärker als für Gremien und Ämter (s.u.) trifft dies noch für die Untergliederungen der Volksmasse zu. Das – typisch [[Aurelat|aurelassische]] – Traditionsbewusstsein der [[Popolo|Popoli]] ist dabei längst selbst zu einer politischen Größe geworden, die sich auch das herrschende [[Patriziat]] kaum zu missachten traut. | ||
===Nachbarschaften und Stadtteile=== | ===Nachbarschaften und Stadtteile=== | ||
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:''Siehe auch:'' [[Nachbarschaften Urbasis]] | :''Siehe auch:'' [[Nachbarschaften Urbasis]] | ||
In | In neun Nachbarschaften und vier Stadtteile ist Urbasi gegenwärtig unterteilt, Agreppara in zwei zweitere Nachbarschaften. Die Nachbarschaften sind dabei älteren Datums, nämlich bereits in der Rohals- oder [[Treponti]]-Zeit ab 533 BF zu administrativen Zwecken geschaffen worden, auch wenn sich ihre Anzahl und Zusammensetzung später – dem Stadtwachstum Rechnung tragend – immer wieder änderte. Die Stadtteile sind erst 400 Jahre danach, in der [[Geschichte Urbasis seit dem Unabhängigkeitskrieg#Die 'Regentschaft der Berater' (933-968 BF)|Regentschaft der Berater]], entstanden – zunächst durchaus mit dem Ziel, die Bedeutung der eigensinnigen Nachbarschaften zu beschneiden. | ||
Die Nachbarschaften (auch ''Contraden'' genannt) tragen traditionell ein Tier oder anderweitiges Symbol im Namen (z.B. ''Nachbarschaft der Eidechse'' oder ''Nachbarschaft des Brunnens''), stellen nominell eine [[Bandiera]] Armbrustschützen (tatsächlich eher die Hälfte) für die städtische Miliz und messen sich alljährlich im wichtigsten Wettkampf der Stadt, dem [[Palio della Balestra]]. Die Zugehörigkeit zur Nachbarschaft grenzt die Popoli am stärksten voneinander ab. | Die Nachbarschaften (auch ''Contraden'' genannt) tragen traditionell ein Tier oder anderweitiges Symbol im Namen (z.B. ''Nachbarschaft der Eidechse'' oder ''Nachbarschaft des Brunnens''), stellen nominell eine [[Bandiera]] Armbrustschützen (tatsächlich eher die Hälfte) für die [[Militär Urbasis#Miliz|städtische Miliz]] und messen sich alljährlich im wichtigsten Wettkampf der Stadt, dem [[Palio della Balestra]]. Die Zugehörigkeit zur Nachbarschaft grenzt die Popoli am stärksten voneinander ab. | ||
Den formell übergeordneten Stadtteilen kommt im Collegio (s.u.) die höchste Bedeutung zu, ihre Bewohner wählen seit 1030 BF jeweils einen um Unabhängigkeit von den übrigen Gremien bedachten Censore. Die | Den formell übergeordneten Stadtteilen kommt im Collegio (s.u.) die höchste Bedeutung zu, ihre Bewohner wählen seit 1030 BF jeweils einen um Unabhängigkeit von den übrigen Gremien bedachten Censore. Die vier anerkannten Stadtteile Urbasis sind [[Magistralia]] (die Alt- oder Oberstadt, bis 819 BF einzig ummauerter Teil der Stadt, in der Regentschaft der Berater durch Neuentwurf stark entvölkert) sowie [[Figurenza]], [[Sikramargino]] und [[Torneocampo]] (die zusammen die Unterstadt bilden). [[Agreppara]] am anderen [[Sikram]]ufer war ein Jahrhundert lang ein weiterer Stadtteil, bis es [[1046 BF]] selbst Stadtrecht erhielt – und ist im Collegio weiterhin mit einem einzelnen Censore vertreten. Die im Thronfolgekrieg entstandene Vorstadt [[Camponuovo]] im Westen ist bislang kein Stadtteil, dafür allerdings als ''Nachbarschaft des Stiers'' direkt Urbasi unterstellt. | ||
===Die Zünfte=== | ===Die Zünfte=== | ||
:''Hauptartikel:'' [[Zünfte Urbasis]] | :''Hauptartikel:'' [[Zünfte Urbasis]] | ||
In der [[Silberstadt]] Urbasi ist – wie im benachbarten [[Silas]] – auch die Bedeutung der Zünfte ungebrochen hoch. Neun Zünfte teilen dabei die überwiegende Mehrheit aller Wirtschaftszweige und Professionen unter sich auf. Als Vorsteher erwählen sie sich jeweils Patrone, die sie auch in der Signoria und damit auf Augenhöhe mit den Patriziern der Stadt vertreten. Durch [[Klientel]]beziehungen sind sie gleichwohl vielfach mit diesen verbunden – und küren mehrheitlich eben diese zu den Vertretern ihrer Interessen. Die althergebrachten Pfründen und Privilegien der Zünfte sind eine weitere Machtgrundlage. So ist etwa das Geldverleihen in der Stadt nur Mitgliedern der [[ | In der [[Silberstadt]] Urbasi und in Agreppara ist – wie im benachbarten [[Silas]] – auch die Bedeutung der Zünfte ungebrochen hoch. Neun Zünfte teilen dabei die überwiegende Mehrheit aller Wirtschaftszweige und Professionen unter sich auf. Als Vorsteher erwählen sie sich jeweils Patrone, die sie auch in der Signoria und damit auf Augenhöhe mit den Patriziern der Stadt vertreten. Durch [[Klientel]]beziehungen sind sie gleichwohl vielfach mit diesen verbunden – und küren mehrheitlich eben diese zu den Vertretern ihrer Interessen. Die althergebrachten Pfründen und Privilegien der Zünfte sind eine weitere Machtgrundlage. So ist etwa das Geldverleihen in der Stadt nur Mitgliedern der [[Silberzunft Urbasis|Silberzunft]] erlaubt. | ||
===Die Tempelgemeinschaften=== | ===Die Tempelgemeinschaften=== | ||
Sechs Tempel der Zwölfgötter – von [[Ingerimm]], [[Rahja]], [[Tsa]], [[Hesinde]], [[Travia]] und [[Rondra]] – stehen in Urbasi selbst, dazu drei weitere bedeutende – von [[Praios]] (Kloster vor der Stadt), [[Boron]] ([[Nekropole Nerano]]) und [[Perain]]e (in [[Tamarasco]]) – im näheren städtischen Umland. Ihre Vorsteher (im Fall des Tsa-Tempels ein wechselnder Geweihter) sind wie die Patrone der Zünfte in der Signoria vertreten. Unter dem Klerus teilen sie aber auch die Popoli als Gläubige unter sich auf. Während die Patrizier innerhalb einer Familie nicht selten verschiedene Götter favorisieren, bleibt das einfache Volk einer Tempelgemeinschaft häufig über Generationen hinweg treu – und sieht es dann als höchste Ehre an, wenn ein Familienmitglied innerhalb des Kultes zu ([[Akoluth]]en- oder [[Priester|Geweihten]]-)Würden gelangt. Alle minder bedeutsamen Feste eines Kultes werden meist nur von der eigenen Gläubigenschar begangen. | Sechs Tempel der Zwölfgötter – von [[Ingerimm]], [[Rahja]], [[Tsa]], [[Hesinde]], [[Travia]] und [[Rondra]] – stehen in Urbasi und Agreppara selbst, dazu drei weitere bedeutende – von [[Praios]] (Kloster vor der Stadt), [[Boron]] ([[Nekropole Nerano]]) und [[Perain]]e (in [[Tamarasco]]) – im näheren städtischen Umland. Ihre Vorsteher (im Fall des Tsa-Tempels ein wechselnder Geweihter) sind wie die Patrone der Zünfte in der Signoria vertreten. Unter dem Klerus teilen sie aber auch die Popoli als Gläubige unter sich auf. Während die Patrizier innerhalb einer Familie nicht selten verschiedene Götter favorisieren, bleibt das einfache Volk einer Tempelgemeinschaft häufig über Generationen hinweg treu – und sieht es dann als höchste Ehre an, wenn ein Familienmitglied innerhalb des Kultes zu ([[Akoluth]]en- oder [[Priester|Geweihten]]-)Würden gelangt. Alle minder bedeutsamen Feste eines Kultes werden meist nur von der eigenen Gläubigenschar begangen. | ||
==Städtische Gremien und Ämter== | ==Städtische Gremien und Ämter== | ||
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:''Hauptartikel:'' [[Signoria Urbasis]] | :''Hauptartikel:'' [[Signoria Urbasis]] | ||
Die Signoria ist die ständige Vertretung der Machthaber und wichtigstes Gesetzgebungsorgan | Die Signoria ist die ständige Vertretung der Machthaber und wichtigstes Gesetzgebungsorgan der Gemeinde. Sie tagt allwöchentlich am Praiostag und umfasst die Oberhäupter der Patrizierfamilien (bisweilen unterteilt in ''Case Nobili ruris'', wenn sie dem Landadel entstammen, und ''Case Nobili urbis'', wenn es Stadtadlige sind), die Tempelvorsteher der hiesigen Zwölfkulte und die Patrone der Zünfte. Durch Wahl kürt sie die meisten der übrigen Amtsträger der Stadt. | ||
===Consiglio und Priori=== | ===Consiglio und Priori=== | ||
:''Hauptartikel:'' [[Consiglio della Priori]] | :''Hauptartikel:'' [[Consiglio della Priori]] | ||
Das Consiglio ist die Regierung, das gewählte Gremium der sieben höchsten Amtsträger Urbasis. Diese, ''Priori'' (Ez. ''Priore'') genannt, teilen die zentralen Aufgabenbereiche wie Jurisprudenz, Finanzen oder Architektur und die zugehörigen Ressorts der städtischen Verwaltung unter sich auf – gleichwohl nicht ganz ohne Zuständigkeitskonflikte. Jeder Priore trägt einen Zusatz im Titel, der seinen Aufgabenbereich umreißt, z.B. ''Priore militaris'' für den für das städtische Militär zuständigen Amtsträger. Sie werden für jeweils zwei Jahre von der Signoria gewählt ( | Das Consiglio (auch Priorium) ist die Regierung, das gewählte Gremium der sieben höchsten Amtsträger Urbasis und Agrepparas. Diese, ''Priori'' (Ez. ''Priore'') genannt, teilen die zentralen Aufgabenbereiche wie Jurisprudenz, Finanzen oder Architektur und die zugehörigen Ressorts der städtischen Verwaltung unter sich auf – gleichwohl nicht ganz ohne Zuständigkeitskonflikte. Jeder Priore trägt einen Zusatz im Titel, der seinen Aufgabenbereich umreißt, z.B. ''Priore militaris'' für den für das städtische Militär zuständigen Amtsträger. Sie werden für jeweils zwei Jahre von der Signoria gewählt (in ungeraden Götterläufen am letzten Praiostag des Praiosmonds). | ||
===Der Gonfaloniere=== | ===Der Gonfaloniere=== | ||
:''Hauptartikel:'' [[Gonfaloniere Urbasis]] | :''Hauptartikel:'' [[Gonfaloniere Urbasis]] | ||
Der Gonfaloniere ist das | Der Gonfaloniere ist das Oberhaupt der Fürstlichen Gemeinde und zugleich einer der gewählten Priori im Consiglio – nämlich jener, der bei der gleichzeitigen Wahl aller Priori die meisten Stimmen erhält. Ihm obliegt zusätzlich zu seinen Aufgaben als Priore die Repräsentation der Städteallianz gegenüber Auswärtigen, die Durchführung wichtiger administrativer Zeremonien und die Leitung aller Zusammenkünfte von Signoria und Consiglio. Das Amt blickt bereits auf eine längere, wiederholt unterbrochene Tradition zurück – der erste Gonfaloniere wurde im ausklingenden [[Unabhängigkeitskrieg]] gewählt. | ||
===Collegio und Censori=== | ===Collegio und Censori=== | ||
:''Hauptartikel:'' [[Collegio della Censori]] | :''Hauptartikel:'' [[Collegio della Censori]] | ||
Das Collegio ist das Kontrollorgan, dem die Überwachung der anderen Gremien und Amtsträger zum Schutz vor Machtmissbrauch und Korruption obliegt. Die fünf darin vertretenen ''Censori'' werden von den Stadtteilen (s.o.) gewählt, führen in ihrer dreijährigen Amtszeit zudem eine Volkszählung (''Census'') durch und fungieren auch allgemein in Fragen der Wahrung von Sitte und Moral (''Censura'') als Friedensrichter in ihrem jeweiligen | Das Collegio ist das Kontrollorgan, dem die Überwachung der anderen Gremien und Amtsträger zum Schutz vor Machtmissbrauch und Korruption obliegt. Die fünf darin vertretenen ''Censori'' werden von den vier Stadtteilen Urbasis und von Agreppara (s.o.) gewählt, führen in ihrer dreijährigen Amtszeit zudem eine Volkszählung (''Census'') durch und fungieren auch allgemein in Fragen der Wahrung von Sitte und Moral (''Censura'') als Friedensrichter in ihrem jeweiligen Wahlbereich. Zum Anstoß festgelegter Amtsenthebungsverfahren ist jeweils eine Mehrheit im Collegio vonnöten. | ||
===Uffizien und Affiliari=== | ===Uffizien und Affiliari=== | ||
:''Hauptartikel:'' [[Uffizien und Affiliari Urbasis]] | :''Hauptartikel:'' [[Uffizien und Affiliari Urbasis]] | ||
Die Verwaltungsstuben der | Die Verwaltungsstuben der Gemeinde mit ihren den Priori zur Seite gestellten (minderen) Amtsträgern werden Uffizien genannt, die Amtsträger selbst ''Affiliari'' (Affiliierte, Beigestellte). Ihre Ämter bestehen teils schon seit Jahrhunderten, sind aber erst in den Jahren nach dem [[Thronfolgekrieg]] unter diesem Begriff zusammengefasst worden. Seit [[1034 BF]] sind sie fest jeweils einem der sieben Priori oder dem Amtsbereich des Gonfaloniere zugeordnet. Die Bezeichnungen wie ''Ufficio gonfalonis'' oder ''Ufficio militaris'' lehnen sich an die Titelbildung der Priori (s.o.) an. | ||
==Der Contado== | ==Der Contado== | ||
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{| width="310px" style="float:right; background:white; border:#B0B0B0 solid 1px; margin-left:8px; margin-bottom:5px;" cellpadding="3" | {| width="310px" style="float:right; background:white; border:#B0B0B0 solid 1px; margin-left:8px; margin-bottom:5px;" cellpadding="3" | ||
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[[Bild: | [[Bild:Urbasi Politische Grenzen 1046.jpg|center|300px]] | ||
<div style="font-size:80%;"><center>[[Sikram]] und [[Argenna]] zerschneiden als | <div style="font-size:80%;"><center>[[Sikram]] und [[Argenna]] zerschneiden als politische Grenzen seit langem das unmittelbare Umland Urbasis. Mit der Stadtgründung Agrepparas [[1046 BF]] kam "hundert Schritte" vor der Stadtmauer eine weitere dazu.</center></div> | ||
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Der Einfluss Urbasis auf die benachbarten Landstriche im [[Aurelat]] und der [[Gerondrata]] war infolge des [[Thronfolgekrieg]]s und des Zuzugs wichtiger Baronsgeschlechter unter dem [[Traviano von Urbet-Marvinko|Fürsten Traviano]] zeitweise sehr groß. Der eigene Nachfolgeanspruch ist zwar mittlerweile aufgegeben worden, informelle Machtbeziehungen bestehen jedoch fort. Die Lage im Grenzbereich dreier | Der Einfluss Urbasis auf die benachbarten Landstriche im [[Aurelat]] und der [[Gerondrata]] war infolge des [[Thronfolgekrieg]]s und des Zuzugs wichtiger Baronsgeschlechter unter dem [[Traviano von Urbet-Marvinko|Fürsten Traviano]] zeitweise sehr groß. Der eigene Nachfolgeanspruch ist zwar mittlerweile aufgegeben worden, informelle Machtbeziehungen bestehen jedoch fort. Die Lage im Grenzbereich dreier [[Provinz]]en – vor allem des [[Fürstentum Vinsalt|Fürstentums Vinsalt]] und der [[Grafschaft Sikram]], daneben aber auch noch der [[Erzherrschaft Arivor]] – hat dabei zum Entstehen eines im [[Horasreich]] recht einzigartigen Machtgeflechts beigetragen. Mit den [[Baron]]en von [[Baron von Cindano|Cindano]] <small>(Arivor)</small>, [[Baron von Montarena|Montarena]] und [[Baron von Sibur|Sibur]] <small>(beide Vinsalt)</small> residieren wichtige Vasallen von zwei der drei benachbarten [[Comto|Comti]] in der Stadt oder unterhalten wichtige Beziehungen dorthin. Der [[Baron vom Mardilo]] <small>(Sikram)</small>, dessen Territorium am nächsten an die Stadt heranreicht, ist spätestens seit der gemeinsam gefochtenen [[Marudreter Fehde]] ein traditioneller Verbündeter. Die beinahe ebenso große Nachbarstadt [[Urbet]] unter ihrem selbstgewählten [[Valvassor von Urbet|Valvassor]] ist teils über familiäre Beziehungen verbunden, in mancher Hinsicht allerdings auch eine Konkurrentin. Gegenüber der rivalisierenden [[Syndikokratie Silas]] kommt der Fürstlichen Gemeinde die politische Beteiligung der landbesitzenden Geschlechter zugute. | ||
Insgesamt umfasst die [[Urbasiglia]], wie der (sehr) weit gefasste [[Contado]] | Insgesamt umfasst die [[Urbasiglia]], wie der (sehr) weit gefasste [[Contado]] der Gemeinde genannt wird, ein Territorium mit etwa 50.000 Einwohnern, darin <small>(neben Urbasi und Agreppara)</small> die Landstadt Urbet, die Städte [[Cindano]], [[Montarena]] und [[Sikramara]] sowie Dutzende Ortschaften zwischen [[Gerons-See]] und [[Ranafandelwald]] im Westen, [[Wald von Persenciello|Persenciello-Wald]] im Norden, [[Ovriola]] am [[Sikram]] im Süden und den Vorgebirgssiedlungen wie [[Vendina]] zu Füßen der [[Goldfelsen]] im Osten. Der eng gefasste Contado, in dem die Abhängigkeitsbeziehungen alleine oder hauptsächlich auf Urbasi ausgerichtet sind, ist weit kleiner und umfasst vor allem die Marken Urbasi und Silbertal. | ||
===Die Marken und Seneschalle=== | ===Die Marken und Seneschalle=== | ||
Die [[Mark Urbasi]] im [[Fürstentum Vinsalt]] und die [[Mark Silbertal]] in der [[Erzherrschaft Arivor]] sind [[1033 BF]] im [[Albornsburgfrieden]] geschaffen worden und unterstehen beide direkt der | Die [[Mark Urbasi]] <small>(im [[Fürstentum Vinsalt]])</small> und die [[Mark Silbertal]] <small>(ursprünglich in der [[Erzherrschaft Arivor]], seit Ende [[1041 BF]] in der [[Grafschaft Sikram]])</small> sind [[1033 BF]] im [[Albornsburgfrieden]] geschaffen worden und unterstehen beide direkt der Gemeinde. Deren Einfluss ist hier auch formal festgeschrieben, bis hin zur Gewährung von Befestigungsrecht und Gnadenvollmacht (s.o.). Dass die Gemeinde dadurch Vasallin zweier Hochadliger ist, verschafft ihr in der Praxis einige Freiheiten, birgt aber auch zeremonielle Probleme, derer sie sich durch die Ernennung rein symbolischer ''Seneschalle'' zu entledigen versucht. Der ''Seneschall der Mark Urbasi'' vertritt sie teils vor dem Fürsten, der ''Seneschall der Mark Silbertal'' vor dem Grafen. Beides sind jedoch reine Ehrenämter, denn die eigentliche Verwaltung der Marken erfolgt zentral durch das Consiglio und vor allem den [[Consiglio della Priori#Priore ruris|Priore ruris]] sowie lokal durch den Podestat von Sikramara und die Präfekte. | ||
===Podestat und Präfekte=== | ===Podestat und Präfekte=== | ||
Die Stadt [[Sikramara]] untersteht direkt | Die Stadt [[Sikramara]] untersteht direkt der Gemeinde und wird deshalb von einem in der urbasisch-agrepparischen Signoria gekürten Statthalter, dem [[Podestat]]en, regiert und verwaltet. Ihm unterstehen alle Behörden der abhängigen Gemeinde, dazu die hier stationierten Büttel. Obwohl es auch in Sikramara eine kleine Signoria gibt, sichern die Weisungsbefugnisse des Podestaten die Vorherrschaft der Fürstlichen Gemeinde ab. Tatsächlich greift diese gerne auf in Sikramara einheimische, jedoch treu ergebene oder zumindest leicht beeinflussbare Amtsträger zurück. | ||
Die ''Präfekten'' sind analog Statthalter wichtiger Ortschaften sowohl im eng als auch im weit gefassten Contado und sollen die Interessen der Gemeinde in unsicher erscheinenden Grenzorten, in traditionell aufrührerischen Dörfern oder in Orten mit wichtigen städtischen Besitzungen im Umland durchsetzen. Hierzu zählen derzeit [[Cassiena]] (viele Silberminen, bisweilen aufsässig), [[Ovriola]] (entfernter Grenzort, kontrolliert den Sikram), [[ | Die ''Präfekten'' sind analog Statthalter wichtiger Ortschaften sowohl im eng als auch im weit gefassten Contado und sollen die Interessen der Gemeinde in unsicher erscheinenden Grenzorten, in traditionell aufrührerischen Dörfern oder in Orten mit wichtigen städtischen Besitzungen im Umland durchsetzen. Hierzu zählen derzeit [[Cassiena]] (viele Silberminen, bisweilen aufsässig), [[Ovriola]] (entfernter Grenzort, kontrolliert den Sikram), [[Torrini]] und [[Acciaiola]] (Exklaven städtischen Grundbesitzes). Bisweilen wird die tatsächliche Macht der Präfekten durch einflussreiche lokale Grundbesitzer aber auch stark beschnitten. | ||
== | ==Politische Unterthemen== | ||
=== | ===Rechtsprechung in der Fürstlichen Gemeinde=== | ||
Urbasi | Urbasi als [[Landstadt]] und Agreppara als (Klein-)[[Stadt]] haben 'reichsformell' abweichende Privilegien haben, weshalb die Gemeinde nur in Urbasi und den beiden Marken ein weitgehend einheitliches Recht ausüben kann. Sie richtet im Zuge der [[Freigerichtsbarkeit|Frei-]] und [[Friedensgerichtsbarkeit]] überwiegend über Bagatellen und mindere Verbrechen, verfügt nach Verhandlungen mit dem Hochadel aber auch über ausgesuchte Sonderrechte in Fällen der [[Blutgerichtsbarkeit]]. Wichtigster städtischer Amtsträger im Rechtswesen ist der [[Consiglio della Priori#Priore iuris|Priore iuris]], der bei der Stadt vorgebrachte Klagen an die Gerichte weiterreicht. | ||
Im Bereich der Friedensgerichtsbarkeit überschneiden sich dabei die Zuständigkeiten der städtischen ''Iudici minori'' (Niederrichter, verhandeln einen Fall alleine) mit denen des ''Mercatorio'' (Friedensrichter in Markt- und Eichbelangen) und der ''Censori'' (für ihren jeweiligen | Im Bereich der Friedensgerichtsbarkeit überschneiden sich dabei die Zuständigkeiten der städtischen ''Iudici minori'' <small>(Niederrichter, verhandeln einen Fall alleine)</small> mit denen des ''Mercatorio'' <small>(Friedensrichter in Markt- und Eichbelangen)</small> und der ''Censori'' <small>(für ihren jeweiligen Wahlbereich Friedensrichter in Fragen von ‘Sitte und Moral’)</small>. Die Freigerichtsbarkeit wird von allen ''Iudici'' <small>(''maior'' als Richter, ''minori'' als Schöffen)</small> ausgeübt. Nur in Fällen allerhöchster Bedeutung fungiert das siebenköpfige Consiglio selbst als außerordentliches Gericht <small>(Gonfaloniere als Richter, Priori als Schöffen)</small>. Als Ankläger der Gemeinde in Fällen, in denen sie selbst geschädigt ist, tritt der ''Generaladvocat'' auf. Die Verfolgung von Verbrechen obliegt dem ''Bargello'' und seinen unterstellten Bütteln, die auch die Kerker ‘verwalten’: den als Schuldturm dienenden ''Torre di Bargello'' in [[Magistralia]] und das den wenigen länger Weggesperrten vorbehaltene unterirdische Gefängnis im ''Castello Ferrantesco'' in [[Agreppara]]. Der ''Executor'' vollstreckt traditionell <small>(die extrem seltenen)</small> Todesurteile. Ehrenstrafen werden üblicherweise an den Schandsäulen auf dem stark frequentierten ''Platz des Heiligen Agreppo'' in [[Figurenza]] oder dem ''Phraiora-Platz'' in [[Agreppara]] abgeleistet. | ||
Seit der Stadtgründung Agrepparas [[1046 BF]] gibt es dort ein eigenes ''Gräfliches Gericht'', das für den Bereich der Stadt selbst sowie die "transsikramischen Teile" der Grafschaft <small>([[Mark Silbertal]], Landstadt [[Urbet]])</small> in allen Fällen der [[Blutgerichtsbarkeit]], speziell für Agreppara auch in den meisten Fällen der [[Freigerichtsbarkeit]] zuständig ist. Nur im Bereich der [[Friedensgerichtsbarkeit]] gelten in Agreppara sicher die vorgenannten Zuständigkeiten der Fürstlichen Gemeinde. | |||
===Militär | ===Militär der Fürstlichen Gemeinde=== | ||
:''Hauptartikel:'' [[Militär Urbasis]] | :''Hauptartikel:'' [[Militär Urbasis]] | ||
Die militärische Stärke | Die militärische Stärke der Fürstlichen Gemeinde baut im Wesentlichen auf vier Säulen auf: den zum Kriegsdienst verpflichteten [[Cavalliere|Cavallieri]] und [[Cavalleristo|Cavalleristi]] aus dem [[Patriziat]], den als Garden dienenden [[Bandiera]]s [[Bandiera Varia|Varia]] <small>(für Urbasi, mit weiterer Gefolgschaftspflicht dem Fürsten gegenüber)</small> und [[Bandiera Ferrantesca|Ferrantesca]] <small>(Agreppara, analog darüber dem Grafen verpflichtet)</small>, der sich aus den Nachbarschaften rekrutierenden Miliz <small>(elf Bandieras Sollstärke, Iststärke im Ernstfall eher die Hälfte)</small> und im Bedarfsfall den angeworbenen [[Söldner]]n <small>(deren höchster [[Condottiere]] dann formell zum ''Mandatorio'' wird)</small>. Letzteren ist es dabei nur Ausnahmefällen gestattet, sich in der Stadt selbst aufzuhalten. Dieses städtische Aufgebot wird vom [[Consiglio della Priori#Priore militaris|Priore militaris]] koordiniert, steht aber nur teilweise dauerhaft unter Waffen. | ||
Ergänzt wird es um die Hausgarden der Patriziergeschlechter, vor allem der landbesitzenden Kriegeradligen und Barone, um einige im weit gefassten Contado stationierte Ordenskrieger und theoretisch um weitere Söldnerkontingente, die in der Urbasiglia ihr Winterquartier haben (bis zum [[Zweites Massaker von Urbet|Zweiten Massaker]] [[1036 BF]] vor allem in [[Urbet]]). Tatsächlich führt die Gemeinde Konflikte, die nicht unmittelbar bis an die eigenen Stadtmauern heranreichen, lieber mit nach Bedarf angeheuerten Söldnern als dem städtischen Aufgebot. | Ergänzt wird es um die Hausgarden der Patriziergeschlechter, vor allem der landbesitzenden [[Kriegeradel|Kriegeradligen]] und Barone, um einige im weit gefassten Contado stationierte Ordenskrieger und theoretisch um weitere Söldnerkontingente, die in der Urbasiglia ihr Winterquartier haben <small>(wie bis zum [[Zweites Massaker von Urbet|Zweiten Massaker]] [[1036 BF]] vor allem in [[Urbet]])</small>. Tatsächlich führt die Gemeinde Konflikte, die nicht unmittelbar bis an die eigenen Stadtmauern heranreichen, lieber mit nach Bedarf angeheuerten Söldnern als dem städtischen Aufgebot. | ||
=== | ===Die Fürstliche Gemeinde im Kronkonvent=== | ||
:''Hauptartikel:'' [[Urbasi im Kronkonvent]] | :''Hauptartikel:'' [[Urbasi im Kronkonvent]] | ||
Urbasi | Urbasi hat als [[Landstadt]] im [[Baron]]srang ein Recht auf Sitz, Wort und Stimme im [[Haus der Edlen]] des [[Kronkonvent]]s – das ''de facto'' auf die Fürstliche Gemeinde übertragen wurde. Ihr Delegierter wird vom Gonfaloniere ernannt. Darüber hinaus sind die assoziierten Barone (von eigenem Recht) ebenso vertreten wie Delegierte der Landstädte [[Urbet]] und [[Marudret]], die allerdings weitgehend unabhängig agieren und abstimmen. Sitz und Wort hat der Abt des nahe gelegenen [[Turaniter]]klosters in [[Turani]]. Weitere Würdenträger (Delegierte der anderen Städte, Träger des [[Baronet]]-Titels, mehrere Hochgeweihte) haben nur einen Sitz im Haus der Edlen. | ||
[[Bild:Gonfalonierehut.png|framed|Symbol und [[Rangkrone]] einer stolzen Gemeinde: der Gonfalonierehut]] | |||
===Symbole und Insignien=== | ===Symbole und Insignien=== | ||
Unter den | Unter den Symbolen und Insignien der Fürstlichen Gemeinde sticht zunächst das prunkvolle ''Gemeindebanner'' heraus, dessen Träger formell der Gonfaloniere ('Bannerträger') selbst ist, tatsächlich aber der von diesem zum Stellvertreter ernannte ''Signifer''. Der [[Carroccio (Urbasi)|Carroccio]] trägt als Fahnenwagen der Gemeinde dem militärischen Aufgebot in Kriegszeiten eben dieses Banner voran – und wird vom zweiten zeremoniellen Stellvertreter des Gonfaloniere, dem ''Praeses'', verwahrt. | ||
Die [[Rumorella]] ist die hellste Glocke im Geläut des | Die [[Rumorella]] ist die hellste Glocke im Geläut des [[Campanile]]s des Magistrats in [[Magistralia]]. Ihr Klang dient als deutlichstes Alarmzeichen, im Krieg wird auch sie auf einem eigenen Wagen montiert und in die Schlacht getragen. An offiziellen ''Siegeln'' sind das persönliche des Gonfaloniere (von ihm selbst als Siegelring getragen) und das vom ''Sigillar'' verwahrte ‘große städtische’ bekannt. Die ‘Krone’ des Gonfaloniere ist eher eine Haube, greift aber immer noch Hermelin- und roten Filzhut der alten [[Fürst]]enkrone [[Traviano von Urbet-Marvinko|Travianos von Urbet]] auf, ergänzt um einen Kranz gewaltiger aufragender Federn. | ||
===Calendarium | ===Calendarium der Fürstlichen Gemeinde=== | ||
:''Siehe:'' [[Calendarium Urbasis]] | :''Siehe:'' [[Calendarium Urbasis]] | ||