Briefspiel:Kaiserjagd/Bosparanische Träume V: Unterschied zwischen den Versionen
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::''„Du solltest dich vorher etwas stärken, ist noch ein gutes Stück Weg!“'' | ::''„Du solltest dich vorher etwas stärken, ist noch ein gutes Stück Weg!“'' | ||
::Sie ergriff das Horn und trank es in gierigen Zügen leer, fast wie eine Verdurstende, der man nach Tagen des Darbens das erste Wasser reichte. Der starke Duft von Moschus stieg in ihre Nase und gemeinsam mit dem Inhalt des Trinkhorns schien eine stärkende, aber auch aphrodisierende Wirkung einherzugehen. | ::Sie ergriff das Horn und trank es in gierigen Zügen leer, fast wie eine Verdurstende, der man nach Tagen des Darbens das erste Wasser reichte. Der starke Duft von Moschus stieg in ihre Nase und gemeinsam mit dem Inhalt des Trinkhorns schien eine stärkende, aber auch aphrodisierende Wirkung einherzugehen. | ||
::Wieder begannen tausend Farben die Welt um sie herum zu verhüllen. Langsam begann sich alles zu drehen und sie wurde in einen Strudel aus Farben, Klängen und Düften gesogen, der ihr Bewusstsein, ihren Verstand an den äußersten Rand des Universums drängte. Das Gefühl zu schweben wurde von einem Gefühl wie dem einer rasanten Kutschfahrt über grobes Pflaster verdrängt. Immer wieder tauchten kurz schemenhaft Gesichter auf, Baron dil Cordori, Arbas, [[Cariana Amarinto|Cariana]], [[Dalia Ollantur|Baronessa Ollantur]], der Levschy, [[Dareius Amarinto|Dareius]], [[Orleane ya Pirras|Orleane]], das strenge, vernarbte, aber nicht unattraktive Gesicht der Leibwächterin des Barons und dazwischen auch immer Gesichter ihr unbekannter, namenloser Männer und Frauen. Was allerdings dominierte, war das Gefühl ungekannter Wärme und Geborgenheit, ein nicht enden wollender Zustand von höchster Erregung und Unverletzbarkeit. | ::Wieder begannen tausend Farben die Welt um sie herum zu verhüllen. Langsam begann sich alles zu drehen und sie wurde in einen Strudel aus Farben, Klängen und Düften gesogen, der ihr Bewusstsein, ihren Verstand an den äußersten Rand des Universums drängte. Das Gefühl zu schweben wurde von einem Gefühl wie dem einer rasanten Kutschfahrt über grobes Pflaster verdrängt. Immer wieder tauchten kurz schemenhaft Gesichter auf, Baron dil Cordori, Arbas, [[Cariana Amarinto|Cariana]], [[Dalia Ollantur|Baronessa Ollantur]], der Levschy, [[Dareius Amarinto|Dareius]], [[Orleane ya Pirras|Orleane]], das strenge, vernarbte, aber nicht unattraktive Gesicht der Leibwächterin des Barons [[Xelena ya Corsi]] und dazwischen auch immer Gesichter ihr unbekannter, namenloser Männer und Frauen. Was allerdings dominierte, war das Gefühl ungekannter Wärme und Geborgenheit, ein nicht enden wollender Zustand von höchster Erregung und Unverletzbarkeit. | ||
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Amalia Gerber öffnete blinzelnd die Augen, ihr Kopf schwer von der rauschhaften Nacht, während sich ein dicker, süßer Duft nach Wein und exotischen Räuchermischungen in ihre Sinne schlich. Das Licht, das durch die schweren, seidigen Vorhänge sickerte, war gedämpft, doch schmerzte es dennoch in ihren Augen. Ihr Körper war von einem weichen Meer aus Seide und Samt umgeben. Die Kissen und Decken des verschwenderisch ausgestatteten Bettes fühlten sich unter ihren Händen wie die flauschigen Wolken eines Traums an.<br> | Amalia Gerber öffnete blinzelnd die Augen, ihr Kopf schwer von der rauschhaften Nacht, während sich ein dicker, süßer Duft nach Wein und exotischen Räuchermischungen in ihre Sinne schlich. Das Licht, das durch die schweren, seidigen Vorhänge sickerte, war gedämpft, doch schmerzte es dennoch in ihren Augen. Ihr Körper war von einem weichen Meer aus Seide und Samt umgeben. Die Kissen und Decken des verschwenderisch ausgestatteten Bettes fühlten sich unter ihren Händen wie die flauschigen Wolken eines Traums an.<br> | ||
Es dauerte einen Moment, bis sie sich daran erinnerte, wo sie war – oder besser gesagt, dass sie es nicht wusste und erst recht nicht, wie sie hierher gekommen war. Ein flüchtiger Blick in den Raum offenbarte das prächtige Chaos der vergangenen Nacht. Überall lagen zerknitterte Kleidungsstücke, halb leere Weingläser und teure, vergoldete Gefäße, in denen Reste von süßlichem Rauch aufstiegen. Ein Spiegel an der Wand zeigte ihr schwach verzerrtes Abbild, ihre Haare wirr, ihre Lippen verschmiert, ihre Haut noch rosig von den Erlebnissen der Nacht.<br> | Es dauerte einen Moment, bis sie sich daran erinnerte, wo sie war – oder besser gesagt, dass sie es nicht wusste und erst recht nicht, wie sie hierher gekommen war. Ein flüchtiger Blick in den Raum offenbarte das prächtige Chaos der vergangenen Nacht. Überall lagen zerknitterte Kleidungsstücke, halb leere Weingläser und teure, vergoldete Gefäße, in denen Reste von süßlichem Rauch aufstiegen. Ein Spiegel an der Wand zeigte ihr schwach verzerrtes Abbild, ihre Haare wirr, ihre Lippen verschmiert, ihre Haut noch rosig von den Erlebnissen der Nacht.<br> | ||
Neben ihr lag der Baron Mathesio dil Cordori, der, obwohl sein Gesicht mit müder Befriedigung zur Seite geneigt war, immer noch die Aura dekadenter Macht ausstrahlte. Sein Atem ging schwer und ruhig, seine rosige Haut schimmerte im Zwielicht. Auf der anderen Seite des Bettes lag seine Leibwächterin, die rothaarige Fechterin, deren kantiges, narbenübersätes Gesicht selbst im Schlaf wachsam wirkte. Ihre nackte Haut zeigte die Spuren vieler Kämpfe, doch es war die wilde Leidenschaft der vergangenen Nacht, die sich in den frischen Striemen und Kratzern auf ihrer hellen Haut abzeichnete.<br> | Neben ihr lag der Baron Mathesio dil Cordori, der, obwohl sein Gesicht mit müder Befriedigung zur Seite geneigt war, immer noch die Aura dekadenter Macht ausstrahlte. Sein Atem ging schwer und ruhig, seine rosige Haut schimmerte im Zwielicht. Auf der anderen Seite des Bettes lag seine Leibwächterin, die rothaarige Fechterin Xelena ya Corsi, deren kantiges, narbenübersätes Gesicht selbst im Schlaf wachsam wirkte. Ihre nackte Haut zeigte die Spuren vieler Kämpfe, doch es war die wilde Leidenschaft der vergangenen Nacht, die sich in den frischen Striemen und Kratzern auf ihrer hellen Haut abzeichnete.<br> | ||
Amalia konnte sich nur bruchstückhaft an das erinnern, was geschehen war. Flimmernde Bilder von Wein, der ihre Lippen berührte, von zärtlichen Berührungen und lodernden Blicken, und von der verführerischen Mischung aus Dekadenz und Rausch, die sie in den Mauern [[Alt-Bosparan]]s erlebt hatte. Es war ein Spiel gewesen, ein gefährliches, sinnliches Spiel, bei dem Grenzen überschritten und Hemmungen fallen gelassen worden waren. Und sie hatte mitgespielt – mit Leidenschaft, mit Rausch und mit einer Hingabe, die sie nun schwindeln ließ.<br> | Amalia konnte sich nur bruchstückhaft an das erinnern, was geschehen war. Flimmernde Bilder von Wein, der ihre Lippen berührte, von zärtlichen Berührungen und lodernden Blicken, und von der verführerischen Mischung aus Dekadenz und Rausch, die sie in den Mauern [[Alt-Bosparan]]s erlebt hatte. Es war ein Spiel gewesen, ein gefährliches, sinnliches Spiel, bei dem Grenzen überschritten und Hemmungen fallen gelassen worden waren. Und sie hatte mitgespielt – mit Leidenschaft, mit Rausch und mit einer Hingabe, die sie nun schwindeln ließ.<br> | ||
Die zwei anderen Gestalten im Raum, deren Gesichter sich kaum aus dem Nebel ihrer Erinnerungen schälten, lagen auf den seidenen Diwanen, die über den Raum verstreut waren. Einer von ihnen war ein sehr attraktiver junger Mann, vielleicht ein Freund des Barons, oder nur ein weiterer Mitspieler in dieser verhängnisvollen Nacht, die andere eine schlanke junge Frau, deren fragiler nackter Körper unter einem luxuriösen, durchscheinenden Seidentuch ruhelos schlief. | Die zwei anderen Gestalten im Raum, deren Gesichter sich kaum aus dem Nebel ihrer Erinnerungen schälten, lagen auf den seidenen Diwanen, die über den Raum verstreut waren. Einer von ihnen war ein sehr attraktiver junger Mann, vielleicht ein Freund des Barons, oder nur ein weiterer Mitspieler in dieser verhängnisvollen Nacht, die andere eine schlanke junge Frau, deren fragiler nackter Körper unter einem luxuriösen, durchscheinenden Seidentuch ruhelos schlief. | ||