Briefspiel:Im Auge des Chaos/Rahastes: Unterschied zwischen den Versionen

 
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„Soll ich den hohen Gästen ein paar Decken besorgen?“ fragte der Diener freundlich. Adaon nickte. „Ja bitte. Und wenn es geht, ruft doch meinen Großonkel [[Nepolemo di Malavista|Nepolemo]], sollte er da sein.“ „Er ist da, aber wie das so mit Personen Mitte 90 ist, es könnte etwas dauern, bis sein Geist an solchen Tagen klar genug für ein Gespräch ist. Gibt es sonst jemanden, der euer frühmorgendliches Anliegen bedienen kann?“
„Soll ich den hohen Gästen ein paar Decken besorgen?“ fragte der Diener freundlich. Adaon nickte. „Ja bitte. Und wenn es geht, ruft doch meinen Großonkel [[Nepolemo di Malavista|Nepolemo]], sollte er da sein.“ „Er ist da, aber wie das so mit Personen Mitte 90 ist, es könnte etwas dauern, bis sein Geist an solchen Tagen klar genug für ein Gespräch ist. Gibt es sonst jemanden, der euer frühmorgendliches Anliegen bedienen kann?“
„Uns wurde [[Madolina ya Pirras]] nahegelegt.“ Fror nun auch Daria sichtbar. „Die Fachfrau für die Fachrichtung Familienhistorie, sehr wohl…“ Der Diener trat ab, während sich die drei in Richtung eines Kamins machten. Er war aus, denn schließlich war es Hochsommer. Aber es gab zumindest ein paar Sitzgelegenheiten und Bücher, in denen man schmökern konnte, bis Madolina oder Nepolemo eintrafen.
„Uns wurde [[Madolina ya Pirras]] nahegelegt.“ Fror nun auch Daria sichtbar. „Die Fachfrau für die Fachrichtung Familienhistorie, sehr wohl…“ Der Diener trat ab, während sich die drei in Richtung eines Kamins machten. Er war aus, denn schließlich war es Hochsommer. Aber es gab zumindest ein paar Sitzgelegenheiten und Bücher, in denen man schmökern konnte, bis Madolina oder Nepolemo eintrafen.
Nevinia hörte langsam auf zu zittern als ihre völlig durchnässte weiße Robe sich langsam wieder erwärmte, woraufhin sich ihre Gedanken von eisiger Kälte und einem mit zerplatzen Leichenteilen gepflasterten Weg wieder anderen Dingen zuwandten. Wie hatte Praiodan von Weißfels einmal gesagt: “Es wird nie wieder einen besseren Moment geben das Werk Praios zu tun als diesen.” Also begann sie, da sie immer noch Horasierin war, die Einladungen zum Praiosdienst zum ersten seines Monats zu entwerfen. Es würde ja eh noch einige Zeit dauern, bis sie den anderen würde helfen können und bis dahin würde sie die Einladungen schreiben, die vielleicht dafür sorgen würden das so etwas nie wieder geschehen würde. <br>
Daria glitt leise zu der jüngeren, recht angespannten Frau und warf einen Blick über ihre Schulter. Ihr Alter hatte sie nicht weniger neugierig gemacht. Ein leises Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Das war etwas mit dem sie sich auskannte und es schadet nie, mit einer Priesterin auf gutem Fuß zu stehen. Bei Praioten ergab sich da nur selten eine Gelegenheit. “Möchtet ihr etwas Gesellschaft Donata Lumini?” <br>


=== Erste Risse ===
=== Erste Risse ===
   
   
„Was soll das heißen, Verstümmelt und Tot?“ fluchte Serafanos. „Das heißt genau, was es heißen soll.“ blieb [[Giacomo D’Oro]] kühl. „Irgendjemand oder irgendetwas bringt gezielt meine Soldaten um. Und das auf niederhöllisch grausame Art und Weise.“
„Was soll das heißen, Verstümmelt und Tot?“ fluchte Serafanos. „Das heißt genau, was es heißen soll.“ blieb [[Giacomo d'Oro]] kühl. „Irgendjemand oder irgendetwas bringt gezielt meine Soldaten um. Und das auf niederhöllisch grausame Art und Weise.“
Der Thirindar wanderte im Raum herum. „Das… passt doch nicht. Seitdem ich hier wohne, habe ich nur eine Stadt voller verweichlichter Sesselfurzer vorgefunden, nicht einer wäre im Stande, solche Gräueltaten in solch einer Qualität durchzuführen. Niemand hätte zu so etwas das Format. Und von wie vielen ermordeten Soldaten reden wir hier? Giacomo blickte zu Boden. „Aktuell Siebzehn.“ „SIEBZEHN?“ <br>
Der Thirindar wanderte im Raum herum. „Das… passt doch nicht. Seitdem ich hier wohne, habe ich nur eine Stadt voller verweichlichter Sesselfurzer vorgefunden, nicht einer wäre im Stande, solche Gräueltaten in solch einer Qualität durchzuführen. Niemand hätte zu so etwas das Format. Und von wie vielen ermordeten Soldaten reden wir hier? Giacomo blickte zu Boden. „Aktuell Siebzehn.“ „SIEBZEHN?“ <br>
Der Zyklopäer war fassungslos und griff sich mit der Hand an die Schläfe. „Keine Macht der Welt sollte in der Lage sein, siebzehn eurer Söldlinge in einer Nacht zu töten! Welche Bestie haben die Efferdasier denn da aus den Niederhöllen frei gelassen?“ „Das fragen sich viele unserer Soldaten auch. Das Gerücht einer fliegenden, menschenfressenden Prostituierten macht die Runde. Viele haben sich in Verstecke zurückgezogen und trauen sich nun nicht mehr heraus. Sie sprechen allerdings von einer Strafe der Götter, weil wir den Rahjatempel niedergebrannt haben.“ <br>
Der Zyklopäer war fassungslos und griff sich mit der Hand an die Schläfe. „Keine Macht der Welt sollte in der Lage sein, siebzehn eurer Söldlinge in einer Nacht zu töten! Welche Bestie haben die Efferdasier denn da aus den Niederhöllen frei gelassen?“ „Das fragen sich viele unserer Soldaten auch. Das Gerücht einer fliegenden, menschenfressenden Prostituierten macht die Runde. Viele haben sich in Verstecke zurückgezogen und trauen sich nun nicht mehr heraus. Sie sprechen allerdings von einer Strafe der Götter, weil wir den Rahjatempel niedergebrannt haben.“ <br>
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„Nein, deine Leute müssen raus auf die Straße. Es steht zu viel auf dem Spiel. Lass dir was einfallen.“ <br>
„Nein, deine Leute müssen raus auf die Straße. Es steht zu viel auf dem Spiel. Lass dir was einfallen.“ <br>
Zögerlich nickte Giacomo, dann schlug er die Hacken militärisch zusammen. „Ich werde ihnen zeigen, dass Pflichtvergessenheit schlimmer ist, als lebendig verspeist zu werden.“ Dann drehte er auf dem Absatz und verließ das Gebäude in den Nebel.<br>
Zögerlich nickte Giacomo, dann schlug er die Hacken militärisch zusammen. „Ich werde ihnen zeigen, dass Pflichtvergessenheit schlimmer ist, als lebendig verspeist zu werden.“ Dann drehte er auf dem Absatz und verließ das Gebäude in den Nebel.<br>
=== Geister aus der Vergangenheit ===
Der Regen hatte zum Glück schnell wieder nachgelassen, dennoch waren an Erdano, Isida und Liaiell kein Körperteil und kein Kleidungsstück mehr trocken, als sie in dem so heiß ersehnten Dunst die Vorlande erreichten. Sie konnten sich aber so tatsächlich recht unbemerkt fortbewegen. Schemenhaft erkannten sie bereits die ersten Gebäude rund um das grüne Tor und suchten sich eine Deckung. Immer wieder hörten sie Stimmen, die militärische Befehle bellten, ganz so, wie man es rund um eine Kaserne erwarten würde. Gleichzeitig wurde es auch immer heller. Es würde nicht lange dauern und der Dunst wäre soweit emporgestiegen, dass er keinen Schutz mehr bieten würde. <br>
Während ihr Blick hauptsächlich Richtung Porta Viridis ging, fiel Liaiell etwas auf der Wiese gegenüber dem Waffenarsenal auf. Etwas schien sich dort im Dunst zu bewegen. Sie knuffte Isida mit dem Ellenbogen und deutete auf die Stelle. „Ist da etwas?“
Auch die Knappin schürzte ihre Augen. Es dauerte ein wenig, sie konnten nichts ausmachen, doch dann offenbarte der weiter sinkende Dunst kleine rote Punkte. Sie leuchteten wie Rubine, ihr Schein schnitt sich durch das sonst diffuse, schummrige und graue Bild wie der Schein des Leuchtturms von Sylla durch eine dunkle Neumondnacht.  Erst zwei… dann vier… dann acht… dann vielleicht vierzig. Und sie schienen sich zu bewegen. Und es wurden immer mehr. „Was… ist das?“ <br>
Ein kalter Windzug umfuhr die nasse Spionstruppe. Mit dem Wind bewegte sich auch der Dunst etwas weiter und schnell wurde klar, dass zu den roten Punkten in der Dunkelheit jeweils eine schemenhafte Geistergestalt dazu gehörte, die sich langsam durch die Stadtmauer waberte. Wie eine Armee marschierten sie langsam weiter und kamen als solche auch genau auf die Gruppe zu. „Schnell, verstecken wir uns!“ kam ein Impuls der Knappin und deutete auf eine kleine Mauer im Vorgarten von Arnax Silberfingers alter Schule. <br>
Die Geister bewegten sich mühelos durch Stein und Fels, zielstrebig Richtung Altstadt. Natürlich waren diese Wesen auch den Stadtgardisten nicht verborgen geblieben, aus einiger Entfernung sahen sie, wie ein Gardist sich genau vor einen der Geister stellte und den Eindruck hinterließ, als wolle er ihn aufhalten. Der Geist blieb stehen, er wirkte… Menschenähnlich. Durchscheinend, aber immer noch menschenähnlich. Als würde er in seiner Geistergestalt gar eine Kleidung tragen. Das, was wohl die Arme des Geistes darstellten, fasste sich an den Kopf und es wirkte, als würde er eine Kapuze zurück ziehen. Was auch immer der Gardist gesehen hatte, es versetzte ihn in schiere Panik und laut schreiend rannte er auf einmal davon. Auch die anderen Gardisten um das grüne Tor herum waren sichtlich nervös und wussten nicht mit der Situation umzugehen. <br>
Auch die von Erdano geführte Bande blickte wie gebannt auf die Szenerie vor sich. Schließlich kam auch auf sie ein Geist zu. Schnell duckten sie sich ganz hinter das Mäuerchen in der Hoffnung, die Schreckgestalt könnte sie dort nicht sehen, doch der Geist wanderte einfach durch die Mauer hindurch und kam auf die Gruppe zu. Einem jeden stellten sich die Nackenhaare hoch. Doch wenn sie jetzt einfach aufspringen und wegrennen würden, würden die Wachen am grünen Tor sie auch sofort entdecken. So blieben sie mutig und blickten den Geist an, der nun auch stehen geblieben war und die Menschen vor sich musterte. Langsam erkannte man die Schemen um die beiden rubinfarbenen Augen herum. Ja, er war menschlich. Durchscheinend, aber menschlich. Er trug eine Toga, dazu einen Lorbeerkranz auf dem Haupt. Alles wirkte, als sei er ein Relikt der dunklen Zeiten. Hätte das Wesen Beine gehabt, sie hätte geschnürte Sandalen getragen, um den Anblick eines alten Senatoren perfekt zu machen. Die Gestalt streckte nun den linken Arm aus, als wolle er die Gruppe grüßen. Dabei wurden seine roten Augen heller und kräftiger. Die Gruppe spürte die Angst in ihrer Brust wachsen. <br>
Doch Isida nahm ihren Mut zusammen, stand auf und stellte sich mit ausgestreckter Brust vor den Geist, fasste sich mit der Faust der rechten Hand auf die linke Brust und nickte dem Geist zu. Dies schien zu funktionieren, der Geist senkte den Arm wieder und das glimmen in den roten Augen nahm wieder ab. Als wäre nichts gewesen, waberte die Spukgestalt weiter, durch die Knappin durch und weiter Richtung Altstadt. Isida lief ein Schauer über den Rücken, sie zog entsprechend die Schultern zusammen und steckte kurz den Kopf in den Nacken, bis das Adrenalin ihren Körper wieder verlassen hatte. Die anderen blickten irritiert auf sie. <br>
“Was auch immer du getan habt, es scheint funktioniert zu haben.” lobte Erdano.  “Aber… WAS hast du getan?” setzte Liaiell die Frage fort. “Das war ein alter Senator aus dunkler Vorzeit. Ich habe in Studien über die Stadt mal gelesen, dass die aktuelle Republik in Efferdas nicht die erste ihrer Art war. In der chaotischen Zeit rund um [[Halmar Horas]] gab es wohl schon einmal einen Senat hier, welcher erst viele Göterläufe später unter Soldatenkaiser [[Jel Horas]] zerschlagen wurde. Die Geister scheinen sich alle Richtung Altstadt zu bewegen, wo der heutige Senat zu finden ist. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, diese Geister ruft der Glaube an eine freie Republik…” <br>
“Jetzt spekulierst du aber ein wenig sehr viel herein.", runzelte Erdano die Stirn. “Wie auch immer: Danke, es hat funktioniert.” Er blickte auf die Szenerie vor sich an der Porta Viridis, in der immer mehr Gardisten das Weite suchten. <br>
“Diese alten Geister scheinen zumindest für viel Unruhe zu sorgen.” bemerkte Isida ganz richtig, während ein weiterer Geist langsam die Mauer entlang waberte. Dieses Mal in einer alten Legionsrüstung und glücklicherweise ignorierte er die Gruppe nun gänzlich. “Korrekt. Schnell, lasst uns zur Kaserne gehen. Dort werden sicher auch Geister sein, die für einiges an Unruhe sorgen. Vielleicht haben wir ja Glück und wir können etwas mehr tun, als nur uns ein Bild der Lage zu machen. Wenn es uns jetzt gelingt, die Senatoren zu befreien, dann ist dieser Putsch so gut wie gescheitert!” fasste Erdano eine ungeahnte Hoffnung.
“Na dann… für die Freiheit und die Republik.” schmunzelte Liaiell und sprang über das Mäuerchen und auf die Straße, immernoch geduckt und vorsichtig, aber zielsicher richtung Kaserne. <br>
=== Im Lager vor dem Tor ===
Eine Etage tiefer hatten Nita, Rahjabella und Vigo inzwischen Rhymeo erreicht umd ln der Gerberstadt Avedane und Tharinda zusammengeführt. Auch sie waren nicht trocken geblieben, da der Sturzregen natürlich auch in die Höhle geflossen war und so die ein oder andere Stelle so hoch mit Wasser flutete, dass man durchwaten musste. Das Wasser war ihnen dabei teilweise bis zur Brust geschlossen. Nun aber waren sie nahe der Stadtmauer in der Gerberstadt. Und aus den Kanälen dieses Ortes roch es nach dem täglichen Handwerk der Bewohner. Ammoniak. Die fünf hielten sich parfümierte Tücher vor den Mund, doch den Geruch des steten Unrats konnte es kaum überdecken. Die Frage kam auf, ob [[Tarquinio della Pena|Tarquinio]] die Leute überhaupt empfangen würde, wenn sie rochen wie frisch gegerbtes Leder, aber Rhymeo versicherte ihnen, dass er seinem Vetter die Tür nicht verschließen würde. <br>
Zum Glück hatte sich der Rahjageweihte auch bereit erklärt, das Gespräch mit Tarquinio zu suchen und sah die Chancen in der Tat nicht als Hoffnungslos an. Er war sich sicher, wenn man ihm nur erzählen würden, was hinter den Mauern, die er bewachte geschehen würde, dann würde er die Seiten wechseln. Und wenn das geschähe, dann wäre dieser Putsch endlich beendet. Doch bis dahin musste man erst einmal ankommen. Möglichst, ohne sich zu übergeben. Angesicht des Gestanks eine wahre Geronsaufgabe. “Los gehts…” ging Nita nach vorne. Der Rest folgte ihr…zögerlich.
Noch bevor der Ausgang in Sicht kam, kündigte er sich durch einen leichten Windhauch an. Kurz darauf stolperten sie ins Freie. "Du hast es geschafft!" Rahjabella umarmte die Verwandte ihres Stiefvaters überschwänglich. Die Leidensgenossen seufzten kollektiv erleichtert auf und gönnten sich ein, zwei Augenblicke, um in das ungewohnt helle Licht zu blinzeln und die frische, reine Luft zu inhalieren. Instinktiv griff Rahjabella in ihre Tasche, um ihr Parfümfläschchen hervorzukramen und den ekelerregenden Gestank, der überall an ihr klebte, etwas zu überdecken, doch sie musste es irgendwo verloren haben. "Dahinten ist das Lager.", bemerkte derweil Vigo Tarquinio della Penas Heer als erster. Die vier Adligen mussten nicht lange laufen, da kam ihnen eine gelangweilte Zweierpatroullie entgegen. Die Söldner zogen ihre Schwerter, als sie auf fünf Schritt herangekommen waren. "Halt! Wer seid ihr und was wollt ihr hier?" Der andere rümpfte die Nase. "Aus welchem Loch sind die denn gekrochen?" <br>
Rhymeo trat nach vorne. "Das sind Signora [[Nita Origan]], Signor [[Vigo di Camaro]], Signora [[Rahjabella Solivino]] und ich bin Signor [[Rhymeo della Pena]], Vetter des Befehlshabers dieses Heeres. Ich verlange sofortigen Einlass ins Lager und eine Audienz bei meinem Vetter [[Tarquinio della Pena|Tarquinio]]. Die Audienz muss nicht sofort sein, in der Zwischenzeit würden meine Gefährten und ich ein Bad in Anspruch nehmen und uns etwas stärken. Ein Becher Wein wäre auch nicht schlecht." Die beiden lachten schallend los. "Ihr erwartet doch nicht im Ernst, dass wir euch das abnehmen.", rief der eine. "Ich glaube, der will uns sagen, dass sie aus der Stadt sind und einen ganz dringenden Todeswunsch hegen." Er kam mit gezücktem Schwert näher, da hielt ihn sein Kumpane am Arm fest. "He, warte mal, irgendwie... irgendwie sieht er Signor Tarquinio ähnlich." "Das liegt nur an dem Schnurrbart! Wenn ich mir so einen wachsen lassen würde, sähe ich ihm auch ähnlich."
"Nein, der könnte wirklich verwandt mit ihm sein. Guck doch mal hin..." "Meine Herren", schaltete Rhymeo sich ein. "Lasst das doch meinen geschätzten Vetter entscheiden. Wenn ich gelogen habe, könnt ihr immer noch mit uns verfahren, wie ihr wünscht. Aber wenn nicht, wollt Ihr dann wirklich diejenigen sein, die den Verwandten Eures Anführers umgebracht haben?" Rahjabella hielt den Atem an. Man konnte beinahe zusehen, wie sich die Rädchen drehten, als die Söldner nachdachten. "Na gut, mitkommen.”, knurrte der erste “Und nur dass das klar ist: Wenn einer zu fliehen versucht, dann seid ihr tot, auch wenn Ihr der Vetter des Horas wärt." Natürlich kam keiner auf die Idee, auszutesten, wie ernst der Söldner es meinte. <br>
Rahjabella fühlte sich nach einem Bad gleich viel besser. Man hatte ihr ein kleines Zelt, etwas Zeit für sich, eine Wanne, ein Stück Seife und schlichte neue Kleidung zur Verfügung gestellt, weil keiner der Söldner Lust hatte, sie mit ihrem jetzigen Gestank vor ihren Anführer zu schleifen. Der dunkelrote Stoff kratzte ein bisschen und hatte einen Alptraum von einem Schnitt, doch sie war froh, ihr zum Himmel stinkendes Kleid los zu sein. Als sie ihr Rahja-Amulett wieder umgelegt hatte, verließ sie das Zelt.
"Folgt mir zu Signor della Pena, Signora.", sagte die Söldnerin, die vor ihrem Zeot postiert war. Dass sie es in freundlichem Tonfall sagte, machte es nicht weniger zu einem Befehl, der keinen Widerspruch duldete. Doch immerhin wusste diese Söldnerin sich deutlich besser zu benehmen als die Söldner, denen sie eben gerade oder zuvor in Efferdas begegnet war. Sie nickte und folgte ihr. <br>
Tarquinios Zelt war von Weitem durch die Größe im Vergleich zu den umstehenden Zelten zu erkennen. Vor dem Eingang steckte eine Standarte mit dem Wappen seiner Familie in der Erde. Zwei Söldner standen Wache und hielten Rahjabella nach einem knappen Nicken der begleitenden Söldnerin die Zeltplane auf. Sie war die letzte von ihnen. Nita, Vigo und Rhymeo hatten schon Tarquinio gegenüber Platz genommen. Alle Blicke folgten ihr, als sie sich vor dem Heerführer verneigte, 'Rahja zum Gruße' murmelte und sich dann auf dem letzten freien Stuhl niederließ. Tarquinio studierte sie einen Wimpernschlag lang von Kopf bis Fuß und blieb dabei an dem noch gut sichtbaren Bluterguss auf ihrer Wange hängen. <br>
"Nun, da wir vollzählig sind, fahre doch fort, mein geschätzter Vetter.", sagte er dann an Rhymeo gewandt. "Und, Signora Solivino, bedient Euch gerne am Obst und am Wein, wie ich es auch Euren Freunden bereits angeboten habe." Er wies auf einen kleinen Tisch, auf dem eine Obstschale mit Äpfeln, Birnen, Pfirsichen und Trauben sowie eine Weinkaraffe und vier Becher bereitstanden. Erst jetzt merkte Rahjabella, wie hungrig und durstig sie war, also ließ sie sich das nicht zweimal sagen. Sie schenkte sich Wein ein und als sie den ersten Schluck kostete, hätte sie vor Entzücken beinahe aufschluchzen können. Es war Cassianti, der süßlich herbe Geschmack nach Heimat und Geborgenheit, der Wein ihrer Familie. Völlig überwältigt suchte sie Tarquinios Blick. Hätte sie doch nur aufmerksamer zugehört, als ihr Onkel Rahdrigo vor langer Zeit einmal erklärt hatte, dass jedes scheinbar zufällige Detail, jedes freundliche Wort, jede Höflichkeit einen Zweck für den Urheber hatte. Dann könnte sie jetzt vielleicht herausfinden, was für einen Zweck Tarquinio mit diesem Detail verfolgte. Doch sein Lächeln war unergründlich. <br>
"Liebster Vetter, du kannst dir nicht vorstellen, was innerhalb der Stadtmauern passiert.", begann derweil Rhymeo. "Die [[Rondrikan-Löwen]] haben den Rahja-Tempel niedergebrannt!" Für einen Herzschlag hielten alle den Atem an. Von Tarquinios Reaktion hing jetzt alles ab.
=== Irgendwo im Quarto Novo ===
[[Hoberto Gerber|Hoberto]] war unzufrieden, er fühlte sich von [[Serafanos Thirindar|Serafanos]] zunehmend ausgeschlossen und ignoriert. Das [[Giacomo d'Oro|Giacomo]] ihn nicht sonderlich mochte, wusste er längst. Der athletische und durchaus muskulöse Endvierziger musste dringend sein aufbrausendes Naturell etwas besänftigen und so zog er mit seinen Schlagetods los einige Einwohner der Stadt zu drangsalieren. <br>
Es dauerte auch gar nicht lange bis sie auf eine Gruppe von drei Männer und einer Frau trafen. „Halt! Was wagt ihr euch den Anweisungen der Herren der Stadt zu widersetzen?“ Gerade wollte ein etwa 30 Götterläufe zählender Kerl antworten, da traf ihn auch schon unvermittelt die Faust Hobertos mitten auf die Nase. Ein Knirschen und dann der Schmerzensschrei des Gepeinigten waren zu vernehmen. Der älteste Sohn von [[Dettmar Gerber]] und [[Nita Origan]] war jedoch noch lange nicht fertig mit seinem Opfer. <br>
Als nun die Begleiter des Geprügelten eingreifen wollten, sahen auch Hobertos Schläger ihre Zeit als gekommen an und stürzten sich auf die anderen drei.<br>
Mitten in die Geräusche der Prügelei mischte sich plötzlich ein merkwürdiges Gewisper, welches durch die Schmerzensschreie der Opfer und die Verhöhnungen der Täter nicht recht zu verstehen war. Hoberto vermeinte etwas von Fackel, Tempel, gerechten Lohn und Belikhelais Liebe  gehört zu haben ehe erst ein, dann wenige Augenblicke ein zweiter, markerschütternder Schrei, voller Schrecken und Schmerz die ansonsten angespannte Stille, welche über der Stadt lag, durchbrach. Was Hoberto allerdings wirklich einen kalten Schauer über den Rücken jagte, war ein schrilles, hysterisches Gelächter, welches den untrüglichen Todesschreien folgte. Hoberto fasste in diesem Moment einen Entschluss!
=== Arkanes Gerede ===
Nachdem.sich [[Avedane Gerber|Avedane saba Festina]] und [[Tharinda della Pena]] von der Gruppe verabschiedet und ihnen viel Glück bei den Verhandlungen mit dem [[Tarquinio della Pena|della Pena]] gewünscht hatten, begaben sich die beiden Magas in die Räumlichkeiten der Tulamidin. <br>
Die feingliedrige Wahlefferdierin hatte Tharinda in ein geräumiges Arbeitszimmer geführt. Die fensterlose Längswand bestand aus einem einzigen Regal, welches bis zur Decke reichte und gefüllt war mit Folianten, Pergamentrollen und allerlei Kisten.<br>
„Bitte nehmt Platz Signora della Pena!“ Avedane deutete mit einer einladenden Geste auf ein ledernes Sofa, vor dem ein Tisch mit einem Tablett voller bunter Glasbecher und drei Karaffen mit einer dunkelroten, ja fast schwarzen, einer hellroten und einer hellgelben Flüssigkeit stand. “Darf ich euch ein Glas Wein anbieten? Oder etwas anderes? Verzeiht, dies ist nur eines meiner Studierzimmer in der Stadt. Das Haus gehört der [[Efferdane Fuxfell|Frau]] des missratenen, ältesten [[Hoberto Gerber|Sohnes]] meines Onkels, [[Dettmar Gerber]]. Mein bescheidenes Domizil befindet sich außerhalb der Stadt in dem beschaulichen Marktort [[Callaneo]]. Wenn das hier alles überstanden ist, würde ich mich sehr freuen, euch dort einmal begrüßen zu dürfen!“ Die schwarzhaarige Frau, die trotz ihrer 41 Götterläufe noch immer ihrem Ruf als exotische Schönheit gerecht wurde, blickte ihr Gegenüber prüfend an: “Euer Gebiet ist die Magica Contraia?“ <br>
“Ich würde gerne etwas Saft nehmen, wenn es beliebt und habt Dank für Eure Einladung. Diese werde ich beizeiten gerne wahrnehmen.”, antwortete Thrainda della Pena. “Als Leibmaga ist die Magica Mutanda und auch die Contraria schon mein Gebiet, aber nicht unbedingt aus dem  Bereich Dämonologie. Mein [[Valeran Menaris|Lehrmeister]] brachte mir die Thesis des Dämonenbanns bei, aber die Ausarbeitung dessen habe ich bisher anscheinend sträflich vernachlässigt.” Sie warf einen Blick über das Regal. “Sagt, unter diesen Schriftstücken und Folianten, habt ihr auch etwas wider der Dämonenbrut und wie ist euer Wissensstand in diesem Bereich?” <br>
Die Illusionsmagierin nickte und zog an einer Kordel, welche von der Zimmerdecke hing.
Wenige Augenblicke später trat eine junge Frau ein und die Gastgeberin orderte wie gewünscht Saft für ihren Gast dann setzte sie sich auf das Sofa und füllte sich ein Glas mit dem dunklen Wein. Aufmerksam war sie den Worten der etwa halb so alten Leibmagierin. Etwas resignierend folgte sie dem Blick der anderen Graumagierin und fast entschuldigend zuckte sie mit den Schultern: “Ich fürchte auf diesem Gebiet sind meine Fähigkeiten arg überschaubar. Bis auf die Erschaffung, glücklicherweise sehr überzeugenden Illusionen mehrerer Croborim oder Darkhahim, sowie einmal die Illusion Kah-Thurak-Arfai’s, habe ich mich ehrlicherweise mit Dämonen bislang nicht großartig beschäftigt. Ob das Erschaffen von Illusionen anderer Dämonen allerdings hilfreich ist, um ein dämonisches Wesen in irgendeiner Form zu beeinflussen oder wenigstens für einige Zeit abzulenken, kann ich nicht wirklich sagen.” <br>
Es klopfte und nach Aufforderung trat die Dienstmagd ein, brachte eine Karaffe mit kühlem Birnensaft und goss Tharinda ein Glas ein. Kurz blickte sie zu Avedane und zog sich daraufhin wieder zurück. <br>
“Zugang zur arkanen Bibliothek des [[Haus di Onerdi]] wäre jetzt nützlich oder der Wissensschatz meines guten alten Freundes Magus [[Niothon Espharion]], aber Träumereien helfen uns nicht weiter!” <br>
Die Tulamidin ergriff ihr Glas und prostete der Urbasierin zu: “Auf euer Wohl, Signora Tharinda und darauf, dass uns die Mutter der Weisheit beistehen möge, bei unserer Suche nach einer Lösung für das Dämonenproblem!” <br>
“Nun die Magica Phantasmagoeica ist meines Wissens nach recht nutzlos gegen Daimoniden.” Beschwichtigend hob sie die Hände. “Wobei ich mit dieser Aussage nicht eure Kunst schmälern wollte.” Tharinda della Pena horchte auf. “In der Bibliothek der di Onerdi melnt ihr.” Sie nahm einen Schluck von dem Saft.  “Es war niemand des Hauses di Onerdi bei unserem Treffen anwesend. Auch sonst haben wir nichts von einem ihrer Mitglieder etwas gehört oder gesehen. [[Alara Firya di Onerdi|Alara di Onerdi]] ist eine Gefährtin von Wind und Wogen im hiesigen Tempel des Herrn Efferd. Vielleicht ergibt sich dort elne Möglichkeit Zugang zur Bibliothek zu erhalten. Sagt Kollega, ist hier noch jemand anwesend, der uns durch die unteren Gänge zum Tempel begleiten kann?” <br>
Die Tulamidin lächelte milde und winkte mit der Rechten ab: “Keine Sorge, auch wenn Menschen in denen tulamidisches Blut fließt als äußerst emotional und hitzköpfig gelten, ich weiß um meine Fähigkeiten und um meine Grenzen.”  Sie zwinkerte Tharinda süffisant lächelnd zu.  “Ich brachte meine eigene Skepsis, ob sich ein Dämon von derlei auch nur ablenken lassen würde, ja bereits zum Ausdruck.” Während die Kollega ihre Überlegungen zu den di Onerdi in Worte fasste, trank die Schwarzhaarige noch einen Schluck Wein. Avendane nickte anerkennend: “Ein sehr guter Gedanke! Jaja, natürlich, wir sind in der Gerberstadt. Hier gibt es reichlich Menschen, die sich in der Unterwelt dieser Stadt auskennen.” Sie erhob sich.
“Wollen wir gleich aufbrechen, geschätzte Kollega?” <br>
Tharinda trank den letzten Schluck Saft und stand danach auf. “Natürlich. Wir haben keine Zeit zu verlieren.” <br>
Wenig später befand man sich im Haus der Kanal- und Stadtreinigung. Die Maga sprach kurz mit einem alten Mann, der Tharinda kurz nachdenklich musterte, dann mit den Schultern zuckte und meinte: “Wird schon im Sinne eurer Tante sein Signora saba Festina.” Damit winkte er zwei Frauen heran.
“Canyzeth, Usvinya! Geleitet die beiden Signoras sicher und schnell in den Tempel des Unbändigen! Ihr bleibt bei Signora saba Festina, bis sie sicher in der Gerberstadt zurück ist!” Dann blickte er zuerst Avedane und dann Tharinda an, ehe er sagte: “Möge der Unbändige euch behüten, <br>
Die vier Frauen verließen den Raum, folgten einem Flur, an dessen Ende sie eine Wendeltreppe hinabstiegen. Die beiden Kanalarbeiterinnen waren mit Dolch, Beil, Säbel, Speer und Fackel bewaffnet und trugen Kleidung aus schwerem, festem Stoff, der schwarz gefärbt war, sowie Stiefel mit dicken Sohlen. Damit war es mit der Ähnlichkeit der beiden Frauen auch schon vorbei. Usvinya mochte 18, höchstens 20 Götterläufe alt sein, hatte jedoch bereits graues Haar, welches sie in zwölf dicke Zöpfe geflochten hatte und in Mitten jedes Zopfes war ein beinernes Täfelchen eingeflochten. Ein jedes Täfelchen trug ein Symbol eines der zwölf Götter. Usvinya war das, was man wohl als Vollweib bezeichnete und gut 1,8 Schritt groß. Canyzeth hingegen war von eher zierlicher Gestalt, kaum 1,6 Schritt groß und hatte kurzes rotes Haar. Auf ihrer linken Gesichtshälfte prangte eine dicke, fleischige Narbe, die dicht neben dem Auge begann und in einem Bogen bis fast zum Kehlkopf reichte. Sie mochte mindestens 45 Male den Neubeginn eines Götterlaufes erlebt haben, dennoch bewegte sie sich leicht und grazil wie eine Tänzerin, wohingegen ihre deutlich jüngere Kameradin eher den Gang eines Bauern hatte. Es wurde auf dem Weg bis zu ihrem Ziel nicht viel gesprochen. Unweit des Tempels verließ das ungleiche Quartett die Kanalisation und vor dem Betreten des Tempels legten die beiden Kanalarbeiterinnen ihre Waffen ab und übergaben sie einem Tempeldiener. <br>
Während die beiden Magas ein bestimmtes Ziel zu haben schienen, setzten sich ihre beiden Begleiterinnen auf eine der Bänke und schienen allem Anschein nach zu beten. In der Tempelhalle war reges Treiben. Nicht nur Gläubige, sondern auch viele Bewohner der Stadt waren hier, um Schutz vor dem Treiben innerhalb Efferdas zu suchen. Über der Statue des Efferd schien ein dunkler Schatten zu liegen, sei es aufgrund der Namenlosen Tage oder der Abwesenheit des Bewahrers von Wind und Wogen. Ein Schauer durchfuhr Tharinda. <br>
Ein Novize kam auf die beiden Frauen zu und sie baten um ein Gespräch mit Alara di Onerdi. Nach kurzer Zeit erschienen die Geweihte in ihrem Ornat. Die Endzwanzigerin trug ihre braunen Haare offen und schaute die Magas misstrauisch an. Nachdem beide mit einigem guten Zureden von der Notwendigkeit ihrer Nachforschungen überzeugen konnten, erfuhren sie, dass die Mitglieder des Hauses di Onerdi  traditonell die Namenlosen Tage auf Palazzo Ayala in Ankram verbringen. <br>
Avedane musterte die Geweihte die ganze Zeit über aufmerksam. Sie schien ihr sehr offen und aufrichtig an einer Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in der Stadt interessiert. „Nun einerlei, ob Ankram oder Angbar.  Sie können uns dann den Zutritt zu der Bibliothek nicht ermöglichen.“ Sie blickte die Geweihte eindringlich an. „Euer Gnaden  könnt ihr uns in die arkanen Bibliothek eurer Familie einlassen? Die Zeit ist knapp und wer weiß wie viele Leben dieser Dämon noch nimmt, wenn wir keinen Weg finden, ihm Einhalt zu gebieten. Was ich bislang vernommen habe, sind wohl nur Anhänger unseres Gegners Opfer dieser Wesenheit geworden, aber wir sollten uns besser nicht darauf verlassen, dass das so bleibt. Bitte euer Gnaden Alara, helft uns!” <br>
Es brauchte nicht viel Überredungskünste, um die Geweihte zu überzeugen. Einlass in den Palazzo konnte sie nicht gewähren, da ihr Leben sich hier im Tempel abspielte, aber ein entsprechendes Schreiben an die Familie vor Ort konnte sie anfertigen, um die Dringlichkeit mit göttlichem Eifer zu unterstützen.
Was auch immer in diesem Schreiben stand, öffnete es bei den di Onerdi Tür und Tor. <br>
Außer einer Handvoll Bediensteter war nur noch [[Thalio di Onerdi]] als Repräsentant während der Abwesenheit der Oberen anwesend. Er führte die beiden Magas in die Bibliothek des Palazzo und wünschte Ihnen viel Glück bei der Suche. <br[
Avedane bedankte sich bei Thalio und sah dann zu Tharinda: “Ist schon ein bisschen her. Damals war ich mit Niothon hier.” Sie blickte sich suchend um, dann lächelte sie zufrieden.
Die Tulamidin deutete auf einen Abschnitt der, zugegebenermaßen sehr umfangreichen Sammlung an Folianten und sonstigen Schriftstücken: “Nicht viel, aber immerhin, diese beiden Regale können wir auslassen, da sind ausschließlich Werke aus meinem Fachgebiet und da sind wir uns ja beide einig, dass uns das in dieser Sache kein Stück weiterbringen wird.” Sie lächelte und wies nach links: “Wollt ihr von dieser Seite beginnen, Kollega, dann fange ich auf der anderen Seite an. Vorteil, alle möglichen Themenbereiche sind sortiert, allerdings wohl nach den Interessen des Sortierenden. Findet ihr ein Schriftstück zum Thema Dämonen, dann finden sich alle Werke zu diesem Thema dort. Es reicht also fürs Erste nur die Einbände zu überfliegen, bis wir auf einen entsprechenden Titel stoßen, dann können wir dort gezielt gemeinsam weitersuchen.” <br>
Tharinda begann sich einen Überblick über die Einbände zu verschaffen. Bis ihr Blick auf einen besonders großen Folianten. “Kollega, ich glaube hier haben wir etwas. Das Große Buch der Abschwörungen. Das Standardwerk der Magica Contraia. Lasst uns sehen, ob wir hier etwas finden. Macht doch bitte etwas Platz auf dem Tisch dort drüben. Oder räumt lhn besser kompleltt ab. <br>
Avedane nickte und tat wie ihr geheißen.
Wenig später standen die beiden Magas über den dicken Folianten gebeugt und studierten das Werk in der Hoffnung, etwas Hilfreiches zu finden. Tharinda bemerkte aus dem Augenwinkel, dass Avedane mit ihrer linken Hand ungewöhnliche Bewegungen in Höhe ihres Ausschnittes machte. Als sie flüchtig hinsah gewahr sie eine graugelb gebänderte Schlange, welche knapp einen Spann aus dem Ausschnitt aus Avedane’s Kleid ragte und von der Tulamidin sanft gestreichelt wurde, während diese konzentriert in dem Folianten las. Die Nesselviper schien recht entspannt, zumindest hatte sie die Augen geschlossen und züngelte nur gelegentlich.
Die Tulamidin bemerkte die Blicke der jüngeren Kollega nicht.  Diese warf einen kurzen Blick auf die Handrücken Avedanes und erkannte auf einem  ein Siegel. Dies beruhigte sie etwas und sie konzentrierte sich wieder auf den Folianten. “Schaut hier Kollega, in diesen Kapiteln über Bannkreis. Geister, Ungeziefer und Daimoniden. Jetzt beginnt der interessante Teil.”




[[Kategorie:Briefspiel in Efferdas|Im Auge des Chaos]]
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