Briefspiel:Der Tod des Patriarchen/Leichenschmaus: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
|||
| (9 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 79: | Zeile 79: | ||
Der junge Bolburri verbeugte sich. “Vielen herzlichen Dank, Signori. Nun, ich sehe meinem Abschluss in diesem Jahr entgegen! Die Prüfungsvorbereitungen nehmen schon einen großen Raum ein, aber ich bin guten Mutes, dass sie erfolgreich verlaufen werden. Ich möchte möglichst schnell nach Sewamund kommen und Euch zu Diensten stehen. Besonders freue ich mich darauf, das Gelernte in Eurem Handelshaus einzubringen. Wie ergeht es Euch denn zurzeit in dem Konflikt mit dem Baron?” | Der junge Bolburri verbeugte sich. “Vielen herzlichen Dank, Signori. Nun, ich sehe meinem Abschluss in diesem Jahr entgegen! Die Prüfungsvorbereitungen nehmen schon einen großen Raum ein, aber ich bin guten Mutes, dass sie erfolgreich verlaufen werden. Ich möchte möglichst schnell nach Sewamund kommen und Euch zu Diensten stehen. Besonders freue ich mich darauf, das Gelernte in Eurem Handelshaus einzubringen. Wie ergeht es Euch denn zurzeit in dem Konflikt mit dem Baron?” | ||
==Zwischen Trauer und Trost== | ==Zwischen Trauer und Trost== | ||
| Zeile 101: | Zeile 99: | ||
´Hm´, dachte Traviana bei sich, ´eigentlich keine schlechte Idee´. “Das ist eine sehr gute Idee, Signor”, pflichtete die alternde Frau ihm bei. “Aber nur wenn Ihr mir die Ehre zusteht, dass ich die Familie Rizzi die Hälfte der Kosten übernimmt.” | ´Hm´, dachte Traviana bei sich, ´eigentlich keine schlechte Idee´. “Das ist eine sehr gute Idee, Signor”, pflichtete die alternde Frau ihm bei. “Aber nur wenn Ihr mir die Ehre zusteht, dass ich die Familie Rizzi die Hälfte der Kosten übernimmt.” | ||
'' | Targuin zwinkerte ihr zu. "Natürlich lasst Ihr Euch so eine Gelegenheit nicht entgehen. Das hätte mich auch enttäuscht. Aber ich bin einverstanden. Unter einer Bedingung: es wird ausschließlich ''Cassianti'' ausgeschenkt, der Lieblingswein meines Freundes! Abgemacht?" Er streckte ihr die offene Hand zum Einschlagen entgegen. | ||
==Inkognito - und doch erkannt== | ==Inkognito - und doch erkannt== | ||
| Zeile 115: | Zeile 113: | ||
Die Dame, vermutlich nicht einmal 30 Götterläufe alt, trug ein schlichtes, aber geschmackvolles Kleid in einem gedeckten Farbton – dem Anlass angemessen, doch mit feinen goldenen Stickereien am Saum, die ihre Herkunft nicht leugneten. Ein Strahlen lag auf ihrem Gesicht, offen, ungekünstelt, von warmer Wiedersehensfreude durchdrungen. Neben ihr ging ein freundlich schauender Mann mit offenem Lächeln, das aufrichtige Sympathie verriet. Amando trat einen Schritt vor, sein Ausdruck hellte sich sichtbar auf. Ohne Zögern umarmte er die junge Frau – fest, aber mit der kultivierten Zurückhaltung höfischen Anstands. | Die Dame, vermutlich nicht einmal 30 Götterläufe alt, trug ein schlichtes, aber geschmackvolles Kleid in einem gedeckten Farbton – dem Anlass angemessen, doch mit feinen goldenen Stickereien am Saum, die ihre Herkunft nicht leugneten. Ein Strahlen lag auf ihrem Gesicht, offen, ungekünstelt, von warmer Wiedersehensfreude durchdrungen. Neben ihr ging ein freundlich schauender Mann mit offenem Lächeln, das aufrichtige Sympathie verriet. Amando trat einen Schritt vor, sein Ausdruck hellte sich sichtbar auf. Ohne Zögern umarmte er die junge Frau – fest, aber mit der kultivierten Zurückhaltung höfischen Anstands. | ||
„[[Bellatrix Sirensteen|Bellariccia]]…“, sagte er leise, beinahe wie ein Aufatmen. | |||
Dann löste er sich von ihr, nickte dem jungen Mann mit einem leisen „Ihr müsst Riccardo sein“ auf den Lippen. Keine Frage, eher eine Feststellung. Er warf einen raschen Blick über die Schultern der beiden in Richtung der Gäste. „Kommt“, fügte er ebenso leise hinzu, „lasst uns ein paar Schritte abseits gehen.“ Mit einer feinen Handbewegung deutete er auf einen kleinen, halb abgeschirmten Bereich nahe einer der hinteren Türen, wo sich die Stimmen der Menge nur wie gedämpftes Flüstern sammelten. | Dann löste er sich von ihr, nickte dem jungen Mann mit einem leisen „Ihr müsst [[Riccardo Bolburri|Riccardo]] sein“ auf den Lippen. Keine Frage, eher eine Feststellung. Er warf einen raschen Blick über die Schultern der beiden in Richtung der Gäste. „Kommt“, fügte er ebenso leise hinzu, „lasst uns ein paar Schritte abseits gehen.“ Mit einer feinen Handbewegung deutete er auf einen kleinen, halb abgeschirmten Bereich nahe einer der hinteren Türen, wo sich die Stimmen der Menge nur wie gedämpftes Flüstern sammelten. | ||
In seinen Augen funkelte ein Moment stiller Erleichterung – endlich vertraute Gesichter inmitten der vielen, die ihn nicht kannten. | In seinen Augen funkelte ein Moment stiller Erleichterung – endlich vertraute Gesichter inmitten der vielen, die ihn nicht kannten. | ||
==Stab, Schwert und Sonnenszepter== | |||
Im Laufe des Nachmittags war aus der anfänglich zurückhaltenden Zusammenkunft ein durchaus geselliges Treffen geworden, nicht zuletzt dank derjenigen Mitglieder der Familie Bolburri, welche nur unregelmäßig in Unterfels weilten und somit die Chance für den familiären Austausch nutzten. Viele Gespräche kreisten allerdings auch um die Neuigkeiten, die man aus Phecadien hörte. | |||
Der Dienst im Tempel ging vor, so dass der [[Cerdon aus Veliris|Custos Lumini]] und die Luminifer etwas später im Palazzo eintrafen. Noch immer trugen sie eher schlichtes Ornat, welches durch Qualität statt Prunk auffiel. Der Weg vom Aldigon-Tempel war nicht weit, so dass sie auf eine Kutsche verzichtet hatten. Seit der Rückkehr von seiner Pilgerreise gen Beilunk, nahm Cerdon die Kutsche als Privileg seines Ranges ohnehin nur zu ausgewählten Anlässen in Anspruch. Sie sahen sich kurz um, nickten bekannten Gesichtern zu. Anstand und Höflichkeit geboten es, der Familie des Toten noch einmal die Aufwartung zu machen und zu kondolieren. Als sie mit Cassius Bolburri das neue Oberhaupt der Familie ausgemacht hatten, gingen sie langsam in seine Richtung. | |||
Der neue Patriarch saß gerade an einem der Tische und gönnte sich einige Leckerbissen vom Buffet. Er sah zwar müde aus, schien aber unter all den Patriziern in seinem Element zu sein. Gerade sprach er mit Horasio Amarinto, der neben ihm am Tisch saß. “Es ist kaum zu glauben, dass der [[Irion von Streitebeck|Baron von Streitebeck]] sich auf diese Weise durchzusetzen versucht. Dass die meisten Signori im [[Lilienrat]] darüber nicht erfreut sind, versteht sich!” | |||
Der Ordenskomtur saß steif wie eine Säule des Horastempels zu [[Oberfels]] auf seinem Platz. Seine Stirn lag in Falten und nach einer kurzen Pause folgte seine Antwort, die er aufgrund seiner selbst auferlegten politischen Neutralität als Ordensvertreter sehr vorsichtig formulierte: “Baron von Streitebeck sieht offenbar das Recht auf seiner Seite, er besteht darauf dass es schriftliche Absprachen der herzoglichen Kanzlei unter Comto [[Chiranor della Tegalliani]] und dem Lilienrat gab, welche nun wieder aufgetaucht seien und von der Stadt Sewamund eingelöst werden müssten. Er hat daher die Rückendeckung der herzoglichen Kanzlei. Die Position des Lilienrates ist jedoch, dass viele dieser Vereinbarungen aufgrund der umwälzenden Ereignisse des Thronfolgekriegs und der chaotischen Zeit danach am Lilienrat vorbei verhandelt wurden und es daher fraglich ist ob diese überhaupt je Gültigkeit erlangt haben. Ihr müsst entschuldigen, dass ich die Details nicht kenne, für einen Advokaten wie Euch ist dies sicherlich ein interessanter Fall.” | |||
Der Advokat lächelte wohlwollend. “Sicherlich. Wobei bei manchem Konflikt der neutrale Blick auch hilfreich ist. Ich danke Euch jedenfalls für Eure Einschätzungen.” Beide widmeten sich schweigend ihrem Essen. Dann erblickte Cassius den sich nähernden Cerdon und erhob sich. “Custos Lumini, wie schön dass es Ihr es noch einrichten konntet. Willkommen! Nach dem langen Tempeldienst habt Ihr sicherlich Hunger.” Seine einladende Geste ging von den Tellern auf dem Tisch bis zum reich gedeckten Buffet. | |||
“Praios zum Gruße”, grüßte der Prätor freundlich, während seine [Iluminada Eslebon|Gemahlin]] dem neuen Oberhaupt der Familie zunickte. Den Ordenskomtur ignorierten beide bis auf ein äußerst dezentes Nicken, welches der Etikette gegenüber dem Cavalliere gerade ausreichend genüge tat. Die Kirche des Götterfürsten und sein Orden waren nicht gerade in inniger Freundschaft verbunden. | |||
Der Komtur erwiderte das Nicken des Praiospriesters mit stoischer Miene. Es war bekannt, dass er unabhängig von den theologischen Vorbehalten seines Ordens gegenüber der horasischen Praioskirche zudem an religiösen Themen wenig Interesse zeigte und sich eher als horastreuer Ritter und Wächter der Grenze zu den Novadis betrachtete. | |||
“In Travias Namen, die Einladung nehmen wir gerne an. Doch lasst mich auch persönlich noch einmal meine tiefe Anteilnahme zum Ausdruck bringen. Ein erfülltes Leben, ganz im Sinne der Familie und des Dienstes, fand sein Ende. Ich bin überzeugt, dereinst werdet ihr in den Paradiesen der Zwölfe wieder vereint sein.” | |||
Cassius schüttelte die ihm gereichte Hand. “Ich danke Euch herzlich für Eure Anteilnahme! Ich bin mir sicher, dass mein Vater, gemeinsam mit seinen Brüdern, im Heiligen Hain auf uns wartet. Heute wollen wir seiner gedenken und ich freue mich, dass Ihr diese Zusammenkunft mit Eurer Anwesenheit ehrt!” | |||
==Familienbande Teil II== | |||
Nach dem Gespräch mit Targuin Cirrention machte sich Traviana Rizzi wieder auf und mischte sich unter die weiteren Festgäste. Sie versuchte, bei diesen Anlässen stets präsent zu sein und sich viel zu bewegen, witterte die alternde Matriarchin doch ständig interessante Möglichkeiten für Geschäfte, Arrangements oder einfach nur anregende Gespräche. Dass ihr Schwager Cassius sich gerade von den Praiosgeweihten entfernte, kam Traviana sehr zupass und sie näherte sich dem neuen Patriarchen der Familie Bolburri. “Die gütige Mutter mit dir, Cassius”, begrüßte sie den Mann ihrer jüngsten [[Julara Rizzi|Schwester]]. “Dein Vater wäre bestimmt stolz, wenn er sähe, wie viele ihm liebe Menschen sich heute hier eingefunden haben”, begann sie mit einer Floskel. “Mein herzliches Beileid zu deinem Verlust.” | |||
Cassius ergriff ihre Hände und schaute sie dankbar an. “Ich danke Dir herzlich, liebe Schwägerin. Du hast Recht, die Verbindungen hier in Unterfels waren ihm immer sehr wichtig. Ich freue mich auch, dass Du und Deine Familie sich immer um ein gutes Verhältnis zu den Bolburris bemüht haben. Danke dafür! In diesem Sinne möchte ich Dich herzlich in den Palazzo Bolburri einladen, in Kürze, wenn es Dir passt, und in Ruhe nach dem ganzen Trubel. Wir sollten besprechen, wie wir unsere geschäftlichen und familiären Verbindungen in Zukunft ausgestalten und intensivieren.” | |||
Die alternde Matriarchin der Familie Rizzi nickte ihrem Schwager zu. “Das wäre auch sehr in meinem Sinne, Cassius”, meinte sie im vertrauten Ton. Sie sah die Änderung an der Spitze der Bolburris tatsächlich als eine Chance, die Beziehungen der beiden Häusern weiter zu intensivieren. “Aber bitte nimm dir die Zeit, die du und deine Familie brauchen. Ich werde deiner Einladung sehr gerne nachkommen und dich und Julara in weiterer Folge auch gerne in den [[Palazzo Rizzi]] einladen. Es ist schon etwas her, dass meine kleine Schwester bei uns zu Besuch war.” | |||
"Vielen Dank, Verehrteste. Aber sagt -" Cassius sah sie überrascht an. "seht Ihr meine Gemahlin nicht häufiger? Ich hatte gedacht, Ihr tauscht Euch häufiger über Wichtiges und Unwichtiges in Unterfels aus!" | |||
==Von den Sternen und ihrer Bedeutung== | |||
Auch [[Daria Bolburri]] hatte sich am Buffet versorgt und sich an einen der Tische gesetzt, gemeinsam mit ihrer Nichte [[Jesabella Bolburri|Jesabella]]. Eben trat [[Ella Bolburri]] mit ihrem Gemahl [[Rondrigo Curameo]] hinzu, beide setzten sich nach einer kurzen, aber herzlichen Begrüßung ebenfalls. Die meisten Familienmitglieder hatten sich an den letzten Tagen schon mehrfach gesehen, Daria war allerdings erst gestern Nachmittag aus [[Methumis]] eingetroffen. | |||
Sie musterte ihre Cousine. Ella hatte ein gutes Verhältnis zu ihrem Großvater gehabt, ihre Trauer über seinen Tod konnte sie nicht verbergen. “Wie geht es Dir?” Ella seufzte schwer. “Ich bin froh, dass das Begräbnis überstanden ist. Es ist wirklich ein trauriger Tag heute… Also reden wir lieber über etwas anderes.” Sie blickte zu Daria. “Wie geht es in Methumis? Was machen Deine ” - sie lächelte kurz entschuldigend zu Jesabella - “oh Verzeihung - Eure Studien?” | |||
Die Adepta nickte ihrer Nichte zu und sagte: “Jesabella ist inzwischen eine wirkliche großartige Unterstützung! Aber nach vielen arbeitsreichen Tagen freue ich mich, dass wir ein paar Tage in Unterfels sein können. Wir sind immer noch dabei, die Veränderungen der letzten Monde zu dokumentieren und zu interpretieren.” Ellas Interesse verdrängte die Trauer um ihren Großvater. “Du meinst die Veränderungen am Sternenhimmel?” -”Auch! Aber es gibt seit einiger Zeit auch Veränderungen in den astralen Mustern um uns herum. Man könnte sagen, das magische Potential unserer Umwelt hat sich verstärkt, also die astrale Kraft. Die Tulamiden sprechen sogar von einem neuen Chal’ashtarra, einem magischen Zeitalter. Das alles, so ist eine verbreitete These bei uns an der Fakultät, scheint mit dem Ausrufen des Karmakorthäon vom Allvogel zusammenzuhängen.” - “Davon hattest Du mir schon mal erzählt. Da wurde eine neue Zeitenwende ausgerufen, richtig? Aber warum sollte es damit etwas zu tun haben?” Die Magierin unterstrich ihre Antwort mit offenen Händen, als Zeichen ihrer Unwissenheit. “Die Wege der Götter sind nun mal unergründlich. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Veränderungen, die wir sehen, so tiefgreifend sind, dass sie mit dem Karmakorthäon zu tun haben müssen!” | |||
Ella beobachtete einen Bediensteten, der das Geschirr wegräumte und dachte kurz über das Gehörte nach. “Das klingt plausibel. Wie werden denn die Veränderungen am Sternenhimmel an der Universität konkret gedeutet?” Daria machte eine weg wischende Handbewegung. “Das kommt ganz darauf an, wen Du fragst. Von den zwölfgöttlichen Kirchen bekommst Du zwölf Interpretationen. Die Rondrianer trauern dem Sarstern nach, der Schwertspitze in ihrem Sternbild, und sehen das Erlischen als böses Omen. Die Praioten sehen die Neuerungen als Warnung des Götterfürsten und die Phexjünger als göttliches Rätsel. Du kannst Dir also eine Interpretation aussuchen.” Sie zwinkerte ihrer Cousine zu. Ella schaute unschlüssig und Rondrigo nutzte die Gelegenheit, um sich am Gespräch zu beteiligen. “Und was sagt die Hesindekirche? Das Sternbild der Schlange hat sich ja auch verändert.” Daria nickte. “In der Tat. Die Schlange beißt sich in den Schwanz, so wird das Sternbild interpretiert. Weißt Du, was ein Ouroboros ist?” Rondrigo schaute fragend zwischen Daria und Ella hin und her und überlegte kurz. “Das ist doch ein Symbol aus der Alchemie, oder?” Daria nickte anerkennend. “Ja, das stimmt. Einige Alchemisten tragen es gerne, so wie auch die Schwesternschaft der Mada. Das Symbol der Hesinde konnte jedoch sogar in bosparanische Zeiten zurückverfolgt werden. Aber, um ehrlich zu sein, weiß ich um die weitere Bedeutung nicht. Wir sollten mal [[Cyrano Bolburri|Cyrano]] fragen, der kann uns da sicherlich genaueres zu sagen. Vielleicht weiß [[Gandolfo Bolburri|Gandolfo]] auch etwas durch seine Studien.” Sie sah sich um, konnte aber keinen der beiden entdecken. "In den kommenden Tagen ist dazu sicherlich noch Zeit. Apropos!” sie sah Jesabella an. “Jesabella und ich wollen in den kommenden Tagen das Bolburrische Archiv prüfen. Vielleicht finden wir ja Hinweise in den astronomischen oder historischen Aufzeichnungen.” Sie schaute Ella fragend an. “Hast Du Lust, uns zu unterstützen?” Die Angesprochene schaute nicht sehr begeistert aus, nickte aber. “Du weißt ja, das Studieren von Büchern und Schriften überlasse ich lieber anderen. Aber vielleicht finden wir ja wirklich etwas heraus. Ich helfe Euch!” Daria freute sich. “Danke! Mit Cyrano und Gandolfo sprechen wir auch noch. Ich freu mich schon auf die Diskussionen.” Ella nickte und hob ihren Pokal. “Auf Hesinde! Möge sie uns bei der Suche nach Antworten leiten.” | |||
==Nachtgedanken== | |||
Als Amando sich auf den Heimweg machte, überlegte er, wie er seinem Vater berichten würde. Da er ahnte, dass sich ein persönliches Gespräch noch eine Weile hinziehen könnte, begann er, sich zu überlegen, was er seinem Vater berichten wollte. Da er nicht schlafen konnte, nutzte er im Palazzo Arindello die Bibliothek um sich dort in aller Stille einige Notizen zu machen. Er hatte diese nun ausformuliert vor sich liegen, während er dann versuchte anhand der Notizen die Sätze zu bilden, die er dann wohl demnächst sagen würde: „Vater, Ihr hättet Euch über die Zusammensetzung gefreut – nicht wegen der Vielfalt, sondern wegen der Transparenz, die sich zeigte, wo Worte flossen, ohne dass sie sich beobachtet fühlten. Die offiziellen Reden: würdig, fast alle. Signore Targuin sprach mit echtem Schmerz, und selbst Euer ganz besonderer Freund – Ihr wisst, wen ich meine – zeigte Respekt. Mehr, als ich erwartet hätte. Ihr selbst wart mehrfach Gesprächsstoff, stets hinter vorgehaltener Hand: Euer Name fiel oft – mit Anerkennung, mit Argwohn, aber fast nie gleichgültig. Ich halte das für ein gutes Zeichen. | |||
Cassius… macht sich gut. Etwas steif noch, ja – aber klug. Er hört zu. Und er beginnt zu erkennen, wer ihm tatsächlich verbunden ist… und wer einfach nur mittrinkt. Ich denke, er wird nicht ewig nur „der Sohn“ bleiben. | |||
Bellariccia – so glücklich habe ich sie lange nicht gesehen. Scheint an diesem Riccardo zu liegen. Wenn ich ehrlich bin: Ich gönne es ihr. Er wirkt… aufrichtig. Wenngleich ich ihn weiter im Blick behalten werde. | |||
Ich war still. Ihr hättet gelächelt – niemand erkannte mich. Und das war von Vorteil. Ich habe gelernt, was Menschen sagen, wenn sie glauben, dass keiner mitlauscht, der wirklich zuhört. Die Rizzis – wachsamer, als ihr Ruf es vermuten lässt. | |||
Der junge Amarinto – seine Haltung ist stolz, sein Blick aber… mysteriös. Und dann war da noch Dom Hasrolf. Er spricht viel – zu viel. Aber zwischen den Zeilen war etwas Echtes. Er nimmt Verantwortung ernst, auf seine Weise. Man kann mit ihm reden, wenn man bereit ist, Geduld mitzubringen. Vielleicht sogar mehr. Ich bin froh, geblieben zu sein. Ihr habt recht behalten: Wer nicht sieht, wie andere trauern, versteht nicht, wie sie kämpfen.“ | |||
Amando ließ den Blick über die Notizen schweifen, faltete sie langsam zusammen und legte sie in ein kleines Fach des Lesepultes. Er lächelte leise – und blies die Kerze aus, bevor er sein Schlafgemach aufsuchte. | |||
[[Kategorie:Briefspiel in Unterfels|Der Tod des Patriarchen]] | [[Kategorie:Briefspiel in Unterfels|Der Tod des Patriarchen]] | ||