Briefspiel:Im Auge des Chaos/Madaraestra: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Geister verschwanden und ließen zitternde Soldaten zurück, die ihren Kommandanten in seinem Blut auf dem Boden liegen sahen. Isida stellte sich vor Erdano, der immer noch schwer auf sein Schwert gestützt dort stand. Sie deutete mit gezogener Klinge auf die Soldaten  und erhob ihre Stimme. “Verschwindet und erzählt jedem, den ihr seht, dass Giacomo d’Oro seine gerechte Strafe erhalten hat und jeder Verräter diese auch ereilen wird. Im Namen des Himmlischen Richters und seiner göttlichen Geschwister. “
Die Geister verschwanden und ließen zitternde Soldaten zurück, die ihren Kommandanten in seinem Blut auf dem Boden liegen sahen. Isida stellte sich vor Erdano, der immer noch schwer auf sein Schwert gestützt dort stand. Sie deutete mit gezogener Klinge auf die Soldaten  und erhob ihre Stimme. “Verschwindet und erzählt jedem, den ihr seht, dass Giacomo d’Oro seine gerechte Strafe erhalten hat und jeder Verräter diese auch ereilen wird. Im Namen des Himmlischen Richters und seiner göttlichen Geschwister. “
===In der Gerberstadt===
Es war erstaunlich schnell gegangen. Viele Männer und Frauen aus der Arbeiterschaft der [[Familie Gerber]] und sogar einer ansehnlichen Zahl von Gerberstädtern, welche früher für die [[Familie Changbari]] gearbeitet hatte und nun darauf hoffte die Gerber würden die ein oder andere Manufaktur der Bankrotteure übernehmen und ihnen ihre alten Arbeitsplätze wiedergeben, versammelten sich. Die Bewaffnung war nicht besonders gut und über Kampferfahrung wollte [[Kilian Gerber|Kilian]] gar nicht nachdenken. Ja, wenn sie sich verkalkuliert hatten und die Moral der Truppen des [[Giacomo d'Oro|d’Oro]] und des [[Serafanos Thirindar|Thirindar]] noch stabil war und sie zu einem massiven Gegenschlag ansetzten, würden viele der Männer und Frauen von ihm sterben. Aber so war es wohl, wenn man um seine Freiheit und Unabhängigkeit kämpfte. Ihr Vorteil war es, dass sie für ein sehr konkretes und elementares Ziel stritten, für eine Zukunft ihrer Familien, ohne Terror und Angst.
So gingen sie los. <br>
Kilian führte einen Teil des Gerberstadt-Widerstandes zum Gerbertor, dem Außenstadttor, welches von einem Turm überragt wurde, der mit einer großen Turmuhr versehen ist. Rabagasch, Sohn des Radebrum, der Turm- und Uhrwächter, ein Zwerg in Diensten der Familie Gerber, würde mit seiner schweren Armbrust den Vormarsch decken und etwaige Schützen auf der Stadtmauer ausschalten bevor sie größeren Schaden anrichten konnten. Sandro Albatre würde den anderen Teil der Widerständler zum Firunstor, dem alten Stadttor, welches nun Tag und Nacht geöffnet, zwischen der Gerberstadt und dem Schmiedewinkel von Sanct Parvenus auf der einen und dem Quarto Novo auf der anderen Seite stand. Ihre Aufgabe war etwas einfacher, da dort nur gelegentlich eine Patrouille der [[Rondrikan-Löwen]] vorbei kam. <br>
Sie würden das Tor schließen und die Mauer besetzen um zu verhindern, dass ihre Gegner von Seiten der Stadt ungehindert in die Gerberstadt eindringen konnten. Die Hoffnung war tatsächlich, so die Feinde der Stadt und Republik Efferdas, nun vom Handeln ins Reagieren zu zwingen. Wenn die Rondrikan-Löwen nun geschickt wurden um wieder Kontrolle über die Gerberstadt zu erlangen würde dies die Truppenpräsenz in den anderen Stadtteilen merklich verringern, so dass auch dort Widerständler ermutigt wurden den Kampf aufzunehmen. So zumindest die Hoffnung! Kilian hoffte sehr, dass der Optimismus seiner Mutter gerechtfertigt war. Sie hatten sich jedenfalls an den Zeitplan Nitas gehalten. <br>
Der Kampf um das Gerbertor und den dazugehörigen Abschnitt der Stadtmauer hatte, den Göttern sie Dank, keine zwei Stunden gedauert, aber dennoch hatten sie neun Freunde verloren und zwölf Verletzte zu versorgen. Auch auf der anderen Seite hatte alles nach Plan geklappt, wie erwartet war das Firunstor nicht besetzt gewesen und eine Patrouille war erst aufgetaucht, als das Tor bereits fest verschlossen und die Mauer besetzt war. Zwei Löwen konnten die Bogenschützen ausschalten, die Übrigen flohen, aber das war ja durchaus beabsichtigt, schließlich mussten Serafanos und Giacomo erfahren das in der Gerberstadt etwas vor sich ging. Jetzt hieß es abwarten.
=== Von der Mär einen Dämon zu bannen ===
Es war eine anstrengende Nacht gewesen. [[Avedane Gerber|Avedane saba Festina]] und [[Tharinda della Pena]] gönnten sich kaum eine Pause. Immer wieder stießen sie auf interessante Passagen und beratschlagten, wie man diese nutzen könnte.
“Egal wie wir es drehen und wenden, wir müssen zum [[Rahja-Tempel (Efferdas)|Rahjatempel]] und an den Ort, wo diese daimonide Wesenheit aus ihrem Gefängnis fliehen konnte. Vielleicht können wir dort die fehlenden Rückschlüsse ziehen, um es wieder zu bannen.”, sagte Tharinda bestimmt und schlug mit der Faust auf den Tisch. “Und vorher sollten wir nachsehen, ob es neue Erkenntnisse im [[Hesinde-Tempel Efferdas|Tempel der Hesinde]] gab. Je mehr Ansatzpunkte desto besser.” <br>
Avedane nickte: „Ihr habt Recht, geschätzte Kollega, hier werden wir nicht mehr viel Nützliches finden können. Heilig Brigon über den Wogen ist eine gute Idee, vielleicht lassen sich dort unsere bisherigen Fundstücke zu einem brauchbaren Ganzen verbinden!” Sie erhob sich: „Auch ein Blick auf den Ort des Geschehens kann nur hilfreich sein.“  Die Tulamidin rollte die Pergamentbögen mit ihren Notizen zusammen, verstaute sie in einem der weiten Ärmel ihres Kleides und nickte Tharinda zu: „Dann lässt uns keine Zeit verlieren, wer weiß schon was dieses dämonische Unwesen noch alles anstellt.“ <br>
Während die beiden Magas sich wieder durch die unterirdischen Gänge der Stadt bewegten, brachte ein Akoluth der Hesindekirche ein Tablett mit mehreren Bechern heißem Tee in einen der Lesesäle der Bibliothek. Dort saßen zwei Geweihte der Hesinde, ein elegant gekleideter Mann mittleren Alters und eine nicht minder elegant gekleidete ältere Signora an einem aus mehreren einzelnen zusammengestellten Tisch mit einer großen Anzahl an offenen Büchern und Schriftrollen. Sie hatten fast die ganze Nacht im Saal verbracht. gelesen und dokumentiert. Nur auf Rücksicht auf den über neunzigjährigen [[Nepolemo di Malavista]], hatte man sich zur Ruhe begeben, um nach einer kurzen Zeit in Borons Armen wieder hier zusammenzukommen. <br>
“Die Bücher, Junge, achte auf die Bücher.”, sprach die graue Eminenz des Tempels leise und deutete auf einen Platz, weit entfernt von den Schriftstücken. “Natürlich, Euer Gnaden.” Vorsichtig stellte der junge Mann das Tablett ab und verließ den Saal. “Seht her…..”, sprach der Geweihte, öffnete vorsichtig eine Lederrolle und nahm fast andächtig ein Schriftstück daraus hervor und breitete dieses vorsichtig aus. “Eine Abschrift der Schenkungsurkunde von Baron Leobrois von Efferdas über den fertiggestellten Hesindetempel im Jahre 890 BF an die Kirche der Allweisen. Ein kluger und belesener Mann, ließ erdiese Hallen erbauen zu Zeiten von König [[Barjed Firdayon|Barjed]] aus dem Hause Firdayon. Ein Zeltalter der Kunst und…..” [[Madolina ya Pirras]] legte sanft eine Hand auf die Schulter des Geweihten. “Euer Gnaden, ihr schweift wieder ab.”, sprach sie leise. “Verzeiht, Schwester Madolina. Nun ja, im Zuge dessen wurde der Rahjatempel mit Unterstützung einiger Patrizier, besonders der [[Familie Raloff]], erbaut.” <br>
Madolina ya Pirras ergriff das Wort. “Ich habe in den Schriften der Bibliothek den Stammbaum der Familie Raloff bis zu jener Zeit verfolgen können, aber nur Hinweise auf politische Ränkespiele finden können, warum diese Familie so erpicht darauf war, den Bau des Tempels zu unterstützen.  Aber vielleicht habe ich etwas anderes gefunden. Es war wohl nicht so einfach diesen Tempel zu errichten, denn die Dienerinnen der Herrin Rahja waren zu dieser Zeit in Efferdas nicht gut angesehen. Eine Akoluthin, [[Rina Gravelli]] mit Namen, hielt eine Rede an der Stelle, wo heute die rauchenden Trümmer stehen. Genau dort wuchs am nächsten Tag ein prächtiger Rosenstrauch. Es wurde als Zeichen der Liebholden gedeutet, dass dies der richtige Platz ist. Ich frage mich, ob dies ein Zeichen war, das dort etwas verborgen ist,
was auch verborgen bleiben sollte und der Tempel zum Schutz dafür angedacht war.”
Der junge Akoluth betrat den. Raum. Euer Gnaden, Schwester…unten in der Halle stehen zwei Magas, die auf der Suche nach euren Gästen sind.” <br>
Nachdem man die Ergebnisse der Nachforschungen untereinander ausgetauscht hatte, stand der Entschluss fest. Beide Magas in Begleitung der beiden Kämpfer in Diensten der Familie Gerber und die [[Nevinia Ventargento|Praiosgeweihte]] begaben sich vorsichtig zum alten Markt. Das erste was der kleinen Gruppe auffiel, war das die Präsenz der Rondrikan-Löwen auf den Straßen abgenommen hatte. Selbst der Residenz des Barons war nicht mehr so streng bewacht, wirkte gar verlassen. <br>
Die Illusionsmagierin hatte einen erweiterten Ignoratia-Zauber auf eine Gruppe von vier [[Rondrikan-Löwen]], die sich in der unmittelbaren Nähe der Ruine des Rahja-Tempels befanden, gewirkt. Die beiden Magas, die Geweihte und auch die beiden Kämpfer würden den Blicken der Wächter verborgen bleiben, allerdings würde ihnen jedes Geräusch auffallen oder sollte beispielsweise jemand einen Stein aufheben und einer der vier Soldaten an die Stelle blicken, würde er den schwebenden Stein bemerken können, ohne jedoch zu erkennen was die Ursache dafür ist. Auch Gespräche untereinander würden gehört werden, eine direkte Interaktion oder ein Angriff auf die Verzauberten würde den Zauber sofort beenden. <br>
So betraten die Praiotin und die Magas die Ruinen, während die beiden Kämpfer Pfeile auf die Sehnen ihrer Kurzbögen legten und sich bereit machten, im Falle der Entdeckung die Wächter anzugreifen. Dazu hatten sie sich hinter einen Mauerrest geduckt, um vor den Blicken anderer verborgen zu bleiben. <br>
Der einst prachtvolle Bau war vollständig ausgebrannt. Die Kuppel über der Vorhalle war teilweise eingestürzt. Die kunstvollen Mosaike waren allesamt durch die Hitze geplatzt oder zur Unkenntlichkeit geschmolzen. Die einst farbigen Wände waren rußgeschwärzt und das heilige Wasser des Fußbads zur Reinigung war verdunstet. Am Traurigsten wirkte der Rosenstrauch, der in vergangenen Zeiten als Zeichen der Rahja zur Erbauung des Tempels gedeutet wurde. Er war total verbrannt und Asche verteilte sich auf dem Boden. Der Schrein des Tempels vor dem Busch lag in Trümmern, aber dies lag nicht an dem Feuer. Es sah so aus, als ob etwas von unten den Boden aufgewühlt hatte. Linker und rechter Hand lagen Bruchstücke aus Eternenmarmor. <br>
Vorsichtig näherte sich die Gruppe dem Loch. Ein fauliger Gestank schlug den Frauen entgegen und sie mussten würgen. Ein Schacht in die Tiefe war zu sehen, als ob sich etwas aus der Dunkelheit nach oben gegraben hatte. Tharinda nickte. “Hier ist das Übel aus der Erde gekrochen. Der Schrein hat dieses Wesen gebannt.” Ihre Augen zeigten einen leicht bläulichen Schein. “Schaut dort.” Sie deutete auf einige Bruchstücke. “Dort in der Ornamentik waren Runen eingearbeitet, welche erst bei genauerer Betrachtung auffallen. Zeichen der Magica Contraria. Und es scheint hierhin zurückzukehren.” Sie näherte sich dem Loch im Boden und nahm einen Klumpen Dreck in die Hand. Er war seltsam verfärbt. Eine Flüssigkeit war dort eingetrocknet. Mit einem angewiderten Gesichtsausdruck zerrieb sie den Klumpen zwischen ihren Fingern. “Ich befürchte es ist Blut.” Mit einer kurzen Bewegung bewegte sie ihren Stab und im nächsten Augenblick hielt sie eine Fackel in der Hand. Mit dieser leuchtete sie in die Öffnung. “Und hier geht es weiter.” Sie bewegte die Fackel so, dass auch die anderen einen Blick in den erhellten Tunnel werfen konnten. Man konnte nicht weit schauen, aber man konnte weitere Spuren in die Dunkelheit sehen. Genauso schnell, wie sie die Fackel erschaffen hatte, wurde sie wieder zu einem Stab. <br>
Die Praiotin, welche bis eben etwas der Asche des Rosenbusches in einen weißen Beutel gefüllt hatte, ließ selbst einen Stab erscheinen. Dieser war zwar nur einen halben Schritt lang und wurde einer Falte ihres Gewandes entnommen, die golden glänzende Metallspitze machte ihn nicht weniger beeindruckend. “Die Damen, mögen Praios Blicke eure Blicke sein, aber ich sehe hier zwei Wege einmal den Ort von dem dieses Wesen kam und den zu dem es anscheinend ging, beide könnten sich als nutzlos herausstellen da es aus der Erde kam, in die wir es vielleicht wieder zurück verfolgen können oder den Ort zu dem es ging, für den dasselbe gilt, da diese Abscheulichkeit, wie mir die Leichen auf und vor dem Hesindetempel verraten haben, anscheinend Fliegen kann. Ich schlage vor, zuerst die Ausbruchstelle dieses Unwesens zu untersuchen. Denn wie sagte schon [[avwik:Helus Praiodan I.|Helus Praiodan der Erste]]? “Wer ein solches Übel ausbrennen will, muss nicht nur es auslöschen, sondern auch seinen Ursprung und dessen Ursprung verbrennen", meint ihr nicht auch?” <br>
“Wollt ihr dort hinab steigen, Euer Gnaden? Der Gang steht doch etwas instabil aus. Auch reicht unser Licht nicht aus, um alles bis zum Ende auszuleuchten. Aber er könnte Platz für eine von uns bieten.” Tharinda blickte Avedane an. “Es sollte elne von uns sein. Ich würde Ihro Gnaden ungern ohne Schutz lassen, sollte die Wesenheit wieder hier erscheinen.” “Das lässt einen offensichtlichen Weg offen” Nevinia trat auf den Tunnel zu. <br>
Avedane empfand tiefe Trauer beim Anblick des fatalen Ausmaßes der Zerstörung. Was hatten die Feinde Efferdas’ mit dieser Schandtat für ein Ziel verfolgt? Wussten sie am Ende gar um dieses Geheimnis, dass unter dem Tempel eine dämonische Wesenheit gebannt war und hatten diesen Weg gewählt sie zu befreien? <br>
“Nun, Euer Gnaden. Dann lasst Euch helfen.” Tharinda trat neben Nevinia und strich über ihren Magierstab. Dieser verlor seine Festigkeit und wurde länger, bis ein Seil daraus wurde. Misstrauisch beäugte Nevinia die Maga. Arkanes Wirken war ihr suspekt, aber unter solchen Situationen heiligt der Zweck die Mittel. “Ich gehöre zum Bund des Weißen Pentagramms, Euer Gnaden. Vertraut mir.”  Die Geweihte nickte stumm und band sich das Seil um ihr Handgelenk. Vorsichtig bewegte sie sich auf den Rand des Tunnels zu und kroch mit den Füßen zuerst hinein. “Es reichte nur zehn Schritt, Euer Gnaden, Danach seid ihr auf Euch allein gestellt.” <br>
Langsam bewegte sie sich abwärts. Den Blick nach oben gerichtet, dem Licht entgegen. Es war eng und ein Gefühl der Beklommenheit stellte sich ein, je tiefer Nevinia hinabstieg. Tharinda hatte sich am Rand des Tunnels auf den Boden gelegt und sich das Ende des Seiles um ihr Handgelenk gewickelt, um die Geweihte zu unterstützen.
Auf den letzten Spann spürte Nevinia keinen Widerstand mehr unter ihren Füßen.  Eine Höhle? Ein Hohlraum? Sie konnte es nicht ausmachen. Ein Gebet an den Goldenen auf ihren Lippen, öffnete sie den Knoten und ließ sich fallen. Es war auch nur ein kurzer Fall. Sie landete auf den Füßen, fing sich ab und kam zum Stehen. <br>
Kaum begann sie sich vorzutasten, schlug der Sinn Alarm, der sich in jedem Wesen befand, das eine Seele besaß. Ein Sinn, der davor warnte, dass etwas, das unbeschreiblich viel größer war, sich in der Nähe befand. “Praios, lass mich dein Auge sein, dein Blick, der alles durchdringt. Ob Dunkelheit, ob Schatten, ob Böswillen du siehst klar darum lass auch deine Treue Dienerin klar sehen, auf das ich diese Verdorbenheit in deinen strahlenden Glanz zerren und in deinem Namen richten kann...” da verstummte das unbewusst gesprochene Gebet von Nevinias Lippen als sie Gold spürte das sich in sie ergoss. Ein Gefühl, das jedesmal neu erschien und jedesmal Herrlichkeit war und sie sah. Es wurde nicht heller, wie sie es in ihrer kleingeistigen Art gehofft hatte, sondern ihr Blick erweiterte sich um das Göttliche und, wie sie mit Abscheu feststellte, dass Verdorbene und Böse. In der Dunkelheit nahm sie nun in lieblichem rot schmeichelnde Ranken oder Wurzeln war, welche sich aus der Decke bis zum Boden erstreckten und eine Art Käfig bildeten. Sie versprachen jauchzen, wohltuende Ausritte im Sommer, wenn die Rosen blühen und Wein, während man eine spektakuläre Aussicht in Farben einfängt. Dann sah sie die Säule, oben abgeschrägt und etwa brusthoch Um sie herum liefen zwölf gleich hohe Zeilen aus Reliefs und Runen, die den Blick gleichzeitig abstießen und anzogen. Sie verhießen ebenfalls Jauchzen und Freude, aber nicht so viel bis die anderen zufrieden waren, sondern so viel wie sie wollte. So viel Wein wie sie wollte, unendliche Schönheit, wenn sie wollte. Niemals endende Orgien, auf denen ebenfalls Pferde geritten wurden… In diesem Moment riss sie sich von dem Anblick los und erbrach. Noch währenddessen bemerkte sie etwas, der oberste Ring aus Zeichen war leer. Ein brennender, feuchter Schein aus Blut und Wein, der niemals innehaltend und chaotisch durch die Zeichen in den unteren Zeilen floss, schien sich unaufhaltsam einen Weg nach oben zu bahnen. <br>
Nachdem die Praiotin ihren Magen entleert hatte, kämpfte sie sich wieder auf die Beine und lenkte ihren Blick auf die Fäden der Göttlichkeit, die die Säule umgaben. An der höchsten sichtbaren Stelle war das rosa Glühen fast schon erloschen und als sie, auf dem offenbar gekachelten Boden, um das Wurzelgitter herum schritt, pulsierte etwas aus der Säule heraus und das Netz erlosch noch etwas mehr. Dann sah sie es. Einen Knoten aus Wurzelgeflecht, Durst, lüsternen Stöhnen und Schmerzen, die man anderen zugefügte ausstrahlend. “Ihr Zwölfe, die ihr über Dere wacht führt meine Hände, denn eure Dienerin ist unwissend über euren Plan.” Dieses Mal erschien kein Licht, kein Gold floss durch ihre Adern und kein göttliches Zeichen brannte das Unechte fort, das Gegenteil geschah: eine Stelle im Gefecht aus Rosenduft und dem Funkeln eines Sonnenuntergangs auf Wein erlosch. Ein Wesen schoss aus dieser Lücke direkt auf Nevinia zu und wurde, noch bevor es sich verfestigen konnte, von einem goldenen Lichtschein getroffen, dass es durch die Stille im Hufgeklapper wieder in die Säule schmetterte. Ohne einen klaren Gedanken fassen zu können, griff Nevinia durch das Loch und riss den Knoten heraus. <br>
Die zwei Magas hörten einen Schrei, kurz darauf zog jemand am Seil. “Holt mich hoch”, kam ein Flüstern aus dem Loch. Kaum lag die Praiotin auf dem rosa Marmor des Bodens, begann sie ohne ein weiteres Wort zu verlieren, auf zwei Pergamentbögen zu kitzeln und faltete sie jeweils in der Mitte. Erst dann hob sie ihren Kopf. “Magas, ich habe eine Bitte an euch, da ihr die einzigen seid, die hiervon wissen. Sollte ich irgendwann in der Zukunft Zeichen der Korruption tragen, egal wie unbedeutend, schickt diese Briefe nach Gareth und Belhanka.” Nevinia strich sich über den Kopf und ein kleines Büschel Haare fiel zu Boden, dann betrachtete sie ihre linke Hand, sie war zu einer Faust verkrampft und gerötet. Sie wischte das das Blut unter ihrer Nase weg und schob ihre Hand in eine Tasche. “Es sollte nichts mehr aus diesem Loch kommen oder zumindest in der nächsten Zeit nicht", Nevinia  schwieg kurz “die Priester dieses Tempels müssen ihre Liturgien wieder durchführen können.” <br>
Avedane und Tharinda waren sichtlich erschrocken, als sie die Geweihte mit vereinten Kräften aus der Dunkelheit zogen. Die ehemals weiße Robe war mit Erde verdreckt, Asche lag auf ihrem Gesicht und ein dünner Faden Blut rann aus der Nase. Ihr Blick war schreckgeweitet und ihr Herz schlug schnell. Trotzdem gewann sie ihre Fassung wieder und begann eilig etwas niederzuschreiben, die Fragen beider Magas ignorierend, und erst nachdem sie ihnen die Schreiben ausgehändigt hatte, baten sie um elne ausführliche Erzählung des Erlebten. Nevinia zeigte sich aber wieder wortkarg wie bisher. <br>
Avedane musterte die Praiotin, dann nahm sie die gefalteten Pergamentbögen entgegen und nickte: “Ich werde euch im Auge behalten und sollte sich eure Befürchtung bewahrheiten, werde ich eurem Wunsch entsprechend handeln.” Sie blickte von der Geweihten zu der Maga “Wir sollten diesen Ort jetzt verlassen. Wollen wir zum Hesinde-Tempel zurückkehren?” “Ordnung ist gründlich und Gründlichkeit Ordnung", keuchte Nevinia als sie sich auf raffte. “Lasst uns noch sehen, wohin es gegangen ist.” “Dieses Ding ist in der Stadt und jagt seine Befreier, um sie zu belohnen”, warf Tharinda ein. “Wie wollt ihr es finden?” Es wurde kurz still. "Vielleicht sollten wir warten. Ich bin davon überzeugt, dass es zurückkehren wird.”
=== Eine Ratte verlässt das sinkende Schiff ===
[[Hoberto Gerber|Hoberto]] war mit seinen Schlägern in sein Haus zurückgekehrt. Er hieß seine vier Handlanger ihre Sachen packen und sich schlafen legen. Auch Hoberto packte rasch alle Münzen und Wertsachen in einen großen Lederbeutel, stopfte noch ein paar saubere Kleidungsstücke hinein und legte sich dann zur Ruhe. Zu Beginn der frühen Rondrastunde weckte er die drei Männern aus der, [Coverna]] und den Zyklopäer und trieb sie zur Eile an.
Hoberto hatte Fackeln bereitgelegt, von denen sich jetzt jeder drei Stück nahm und in seinem Gepäck verstaute und eine vierte am Feuer im Kamin entzündete.  Danach folgten sie ihrem Anführer in den Keller.  In einem der hinteren Räume ging Hoberto schnurstracks auf eine zwar relativ große aber unscheinbare, alte Truhe zu. Mit einem Schlüssel, den er um den Hals trug sperrte er die Truhe auf, öffnete den Deckel, Griff hinein und klappte den Boden hoch. Nun war ein Schacht zu sehen in dem eine Leiter in die Tiefe führte. Einer nach dem anderen stieg nun in die Truhe und verschwand in dem Schacht. Hoberto reichte seinen Lederbeutel und die Fackel hinunter und stieg ebenfalls in die Truhe. Halb auf der Leiter stehend schloss er den Deckel und sperrte ihn mit dem Schlüssel nun von innen wieder ab, im Hinabsteigen klappte er den Boden der Truhe wieder herunter. Mit etwas Glück würde so schnell niemand herausfinden wo Hoberto geblieben war und lange genug in der Stadt nach ihm suchen, dass sie genügend Zeit haben würden sich aus dem Staub zu machen und sich nach [[Grangor]] oder eventuell auch nach [[Almada]] abzusetzen. Der älteste Gerbersproß hasste die Kanalisation und eigentlich war es gänzlich unter seiner Würde diesen Weg zu nutzen, aber wenn es ums Überleben ging musste man über seinen Schatten springen. Gut kannte er sich nicht aus, aber den Weg von seinem Haus aus der Stadt hatte er sich gut eingeprägt, auch wenn er immer gehofft hatte diesen Weg niemals nutzen zu müssen. Sie hatten fast den Abzweig in den Gang erreicht, der aus der Stadt und in die Freiheit führte, da gab der hellblonde Athlet das Zeichen anzuhalten. Nun konnten auch seine Begleiter hören was ihren Anführer zum Anhalten verleitet hatte, Stimmen! In einiger Entfernung unterhielten sich mindestens drei Männer. Sie schienen Recht unbekümmert und hatten die Fünf bislang nicht entdeckt. Hoberto überlegte kurz, aus früherer Zeit wusste er, dass bei jedem Trupp mindestens ein Bogenschütze dabei war und jeder einen Speer mit sich führte. Er blickte zu dem Zyklopäer:  „Kalchas, du musst schnell sein. Mindestens einer unserer Gegner hat ebenfalls einen Bogen. Ich gehe vor und lenke die Aufmerksamkeit auf mich. Barjedo, Haldur und Piro ihr geht hinter mir und gebt Kalchas Sichtschutz, damit er den Bogenschützen identifizieren und ausschalten kann. Kalchas, warte so lange wie möglich, damit wir nahe genug heran kommen um nach deinem Schuss die anderen direkt angreifen und ausschalten zu können. Und ihr seid auf der Hut, die Typen haben alle Speere und wissen sehr gut damit umzugehen.“ Dann straffte er sich, gab den anderen das Zeichen sich aufzustellen und dann marschierten sie los. Hoberto begann über dieses elende Tunnelsystem zu schimpfen und marschierte auf den Trupp der Kanalarbeiter zu. Als sie nach etwa zehn Schritten um die Ecke bogen waren die vier Bediensteten der Familie Gerber erwartungsgemäß verteidigungsbereit.  Als Hoberto die Männer sah hielt er kurz an, hob die Arme und lächelte das Quartett erleichtert an. Langsam ging er mit erhoben Händen auf die Männer zu: „Euch schicken die Zwölfe! Ich bin auf dem Weg zu meinem Bruder [[Kilian Gerber]], aber ich fürchte ich habe den richtigen Abzweig in die [[Gerberstadt]] verpasst. Ob ihr wohl so freundlich sein könntet mir den richtigen Weg zu beschreiben oder vielleicht könntet ihr uns auch führen?“
Hoberto lächelte freundlich und Schritt für Schritt näherten sie sich dem Trupp der Kanalinstandhaltung.
„Signor Hoberto? Was führt euch in die Kanalisation? Und warum sollten wir euch zu Signor Kilian führen? Ihr steht auf Seiten der Verräter!“
Wieder stoppte der Grauäugige kurz: „Alrigo? Bist du das?“ Oh ja, es war Alrigo Paraco, der Sohn eines Gerbermeisters und Hoberto und seine Geschwister waren als Kinder oft von ihrem Vater genötigt worden mit den Kindern des Klientels zu spielen. Wie er es gehasst hatte, es waren Bedienstete und er sollte sie behandeln wie seinesgleichen. Schon als Kind hatte er es gehasst und er hasste seinen Vater dafür, dass er wieder und wieder verlangt hatte diesen Abschaum als ebenbürtig zu betrachten. Endlich war die Zeit der Rache gekommen. Seinen Vater hatte der d’Oro mit etwas Glück bereits beseitigt, genau wie die übrigen Senatoren und diesen Kerl, der sich anmaßte ihn des Verrats zu bezichtigen würde er gleich selbst in Borons Hallen schicken. „Alrigo, du kennst mich doch schon seit der Kindheit! Ich war fehlgeleitet, aber als diese Verrückten, die ich zugegebenermaßen für meine Freunde hielt, den Rahja-Tempel niedergebrannt haben, hat es mir die Augen geöffnet.“ Nur noch knapp zehn Schritt. Langsam zog Hoberto Dolch und Rapier und hielt beides jeweils mit dem Griffstück nach vorn den Männern der Familie Gerber entgegen. Neun Schritt. „Alrigo, ich habe wichtige Informationen…“ Acht Schritt. „…über den Aufenthaltsort meines Vaters und die Pläne der Verräter.“ Sieben Schritt. „Bitte, es ist wichtig. Wir übergeben euch unsere Waffen…“ Sechs Schritt. „…als Zeichen unseres guten…“ Ein Pfeil surrte an Hobertos linkem Ohr vorbei und durchbohrte die Kehle des Bogenschützen. Ehe die übrigen Kanalarbeiter begriffen was geschehen war sank Alrigo mit Hobertos Dolch in der Brust zu Boden. Haldur stürmte nach vorn, jedoch traf ihn der Speer, der eigentlich für Hoberto bestimmt war. Der zweite Pfeil des Zyklopäers fällte den vierten Speerträger und Piros Säbel beendete das Leben von Haldurs Mörder. Rasch wurden alle Leichen ihrer brauchbaren Habseligkeiten entledigt, auch Haldur, dann eilte das Mörderquartett weiter Richtung Ausgang in die Freiheit.
Eine gute Stunde nach ihrem Aufbruch verließ Hoberto mit seinen verbleibenden drei Getreuen ein gutes Stück außerhalb der Sichtweite der Stadtmauern Efferdas‘ die Kanalisation. Nach guten dreihundert Schritt wurde eine unvorsichtige, dreiköpfige Patrouille des Heeres des Cavalliere [[Tarquinio della Pena]], welches vor den Toren der Stadt lag und ein Entkommen aus der Stadt verhindern sollte, das nächste Opfer der Flüchtenden. Hoberto fragte sich wie es [[Serafanos Thirindar|Serafanos]] gelungen war den Cavalliere auf seine Seite zu ziehen. Ja, der Zyklopäer hatte eine sehr charakteristische Art und gewann schnell das Vertrauen anderer. Aber dass war nun nicht mehr die Sorge Hobertos, sie würden ihn und seine Helfershelfer ohnehin nie wieder sehen.
Querfeldein ging es Richtung [[Sorbik]].




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