Briefspiel:Im Auge des Chaos/Shihayazad: Unterschied zwischen den Versionen
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Serafanos wendete sein Pferd und gab ihm die Sporen. Als er die ersten verblüfften Soldaten erreichte, keifte er schnell erste Befehle. “Rückzug! Wir müssen zurück in die Stadt! Und haltet mir den Rücken frei!” Irritiert blickten sie zunächst auf den dann einfach weiter reitenden Stadtherren, dann wieder nach vorne, von wo die Pikeniere auch schon herangestürmt kamen. Eilig zogen sie die vorhin schon eingesteckten Schwerter wieder aus, aber die erste Reihe bereits war den Piken der Pena’schen Söldlinge hoffnungslos ausgeliefert. Die hintere Reihe der Rondrikanlöwen hatte aber schon erkannt, dass es galt, wieder in die Stadt hinein zu marschieren. Sie drehten sich um und mussten erkennen, dass das Stadttor sich von ganz alleine öffnete. Dahinter Kilian Gerber und eine Meute wirklich schlecht gelaunter efferdischer Milizen. | Serafanos wendete sein Pferd und gab ihm die Sporen. Als er die ersten verblüfften Soldaten erreichte, keifte er schnell erste Befehle. “Rückzug! Wir müssen zurück in die Stadt! Und haltet mir den Rücken frei!” Irritiert blickten sie zunächst auf den dann einfach weiter reitenden Stadtherren, dann wieder nach vorne, von wo die Pikeniere auch schon herangestürmt kamen. Eilig zogen sie die vorhin schon eingesteckten Schwerter wieder aus, aber die erste Reihe bereits war den Piken der Pena’schen Söldlinge hoffnungslos ausgeliefert. Die hintere Reihe der Rondrikanlöwen hatte aber schon erkannt, dass es galt, wieder in die Stadt hinein zu marschieren. Sie drehten sich um und mussten erkennen, dass das Stadttor sich von ganz alleine öffnete. Dahinter Kilian Gerber und eine Meute wirklich schlecht gelaunter efferdischer Milizen. | ||
Der Kampf um das Gerbertor war neu entbrannt. Den Widerständlern war klar, sie mussten schnellstens das Tor öffnen, wenn sie auch nur den Hauch einer Chance haben wollten Serafanos Thirindar und Rondrigo | Der Kampf um das Gerbertor war neu entbrannt. Den Widerständlern war klar, sie mussten schnellstens das Tor öffnen, wenn sie auch nur den Hauch einer Chance haben wollten [[Serafanos Thirindar]] und [[Rondrigo d'Oro]] noch zu erwischen und einer gerechten Strafe zuzuführen. | ||
Den Rondrikan-Löwen, welche in der Stadt verblieben waren, war klar, dass sie nur eine Chance zu überleben hatten, ihre Angreifer schnellstens erschlagen und dann raus aus der Stadt. Der Vorsprung musste Serafanos und den anderen reichen. | Den Rondrikan-Löwen, welche in der Stadt verblieben waren, war klar, dass sie nur eine Chance zu überleben hatten, ihre Angreifer schnellstens erschlagen und dann raus aus der Stadt. Der Vorsprung musste Serafanos und den anderen reichen. | ||
So war dieser Kampf noch einmal um einiges härter und gnadenloser als die bisherigen Kämpfe des Tages. | So war dieser Kampf noch einmal um einiges härter und gnadenloser als die bisherigen Kämpfe des Tages. | ||
Kilian Gerber war sich sicher, die Rondrikan-Löwen hätten ihnen den Garaus gemacht, wenn nicht Rahjácomo Gravelli mit dem Widerstand des [[Hafen (Efferdas)|Hafenviertels]] und wenig später [[Alrik Binder]] mit den Widerständlern von [[Sanct Parvenus]] aufgetaucht wären und sich mit in den Kampf geworfen hätten. Vor allem das Erscheinen Alriks, dem Helden des [[Delphinocco]], dem besten Delphinoccospieler seiner Zeit, dem Wühler, dem als einem der wenigen das Kunststück gelang, in einem Spiel vier Renze zu erzielen. Mit solch einem Helden an der Seite wuchsen die Widerstandskämpfer über sich hinaus und rasch waren die letzten Rondrikan-Löwen niedergemacht und das Tor frei. | Kilian Gerber war sich sicher, die Rondrikan-Löwen hätten ihnen den Garaus gemacht, wenn nicht [[Rahjácomo Zastrodayon|Rahjácomo Gravelli]] mit dem Widerstand des [[Hafen (Efferdas)|Hafenviertels]] und wenig später [[Alrik Binder]] mit den Widerständlern von [[Sanct Parvenus]] aufgetaucht wären und sich mit in den Kampf geworfen hätten. Vor allem das Erscheinen Alriks, dem Helden des [[Delphinocco]], dem besten Delphinoccospieler seiner Zeit, dem Wühler, dem als einem der wenigen das Kunststück gelang, in einem Spiel vier Renze zu erzielen. Mit solch einem Helden an der Seite wuchsen die Widerstandskämpfer über sich hinaus und rasch waren die letzten Rondrikan-Löwen niedergemacht und das Tor frei. | ||
Noch weitere Bewaffnete aus [[Miseria]] und anderen Stadtteilen kamen immer noch hinzu. Sie würden die Verantwortlichen für dieses Blutvergießen holen und die Söldner vor der Stadt taten Wohl daran, sich ihnen nicht in den Weg zu stellen. | Noch weitere Bewaffnete aus [[Miseria]] und anderen Stadtteilen kamen immer noch hinzu. Sie würden die Verantwortlichen für dieses Blutvergießen holen und die Söldner vor der Stadt taten Wohl daran, sich ihnen nicht in den Weg zu stellen. | ||
Als sich das Tor öffnete, bot sich jedoch ein überraschendes Szenario. Alrik und Kilian tauschten verwunderte Blicke ehe sie sich rasch auf die Situation einstellten. Dort war Serafanos Thirindar und wie es schien, war es ihm gelungen, sich bei den Söldnern, welche vor der Stadt gelagert hatten, ebenso unbeliebt zu machen wie bei der Bevölkerung innerhalb der Stadtmauern. Alrik und Kilian formierten in Windeseile die Leute und traten Serafanos und seinen in die Enge getriebenen Rondrikan-Löwen entgegen. | Als sich das Tor öffnete, bot sich jedoch ein überraschendes Szenario. Alrik und Kilian tauschten verwunderte Blicke ehe sie sich rasch auf die Situation einstellten. Dort war Serafanos Thirindar und wie es schien, war es ihm gelungen, sich bei den Söldnern, welche vor der Stadt gelagert hatten, ebenso unbeliebt zu machen wie bei der Bevölkerung innerhalb der Stadtmauern. Alrik und Kilian formierten in Windeseile die Leute und traten Serafanos und seinen in die Enge getriebenen Rondrikan-Löwen entgegen. | ||
Serafanos musste sich nun gut überlegen wo seine Überlebenschancen besser standen, bei den Söldnern aus Urbasi unter dem Befehl Tarquinio della Penas oder bei dem aufgebrachten Mob aus Efferdas? Kilian Gerber und Alrik Binder würden ihn am liebsten vor Gericht stellen, aber wären sie auch in der Lage, ihre Leute von dem Wunsch, Freunde und Verwandte selbst zu rächen, abzuhalten? | Serafanos musste sich nun gut überlegen wo seine Überlebenschancen besser standen, bei den Söldnern aus Urbasi unter dem Befehl Tarquinio della Penas oder bei dem aufgebrachten Mob aus Efferdas? Kilian Gerber und Alrik Binder würden ihn am liebsten vor Gericht stellen, aber wären sie auch in der Lage, ihre Leute von dem Wunsch, Freunde und Verwandte selbst zu rächen, abzuhalten? | ||
Einige der Rondrikan-Löwen stürzten sich auf die Efferdier, rechneten sie sich doch größere Chancen aus, gegen die ungeübten Handwerker und Tagelöhner zu bestehen als gegen die Pikeniere des della Penas. Noch einmal wurde am heutigen Tag Blut vergossen, dann war es ausgestanden. Urbasi und Efferdi standen sich gegenüber. Kilian und Alrik traten auf die berittene Offizierin der Pikeniere zu, die abwartend vor ihrer Truppe auf ihrem Pferd saß. | Einige der [[Rondrikan-Löwen]] stürzten sich auf die Efferdier, rechneten sie sich doch größere Chancen aus, gegen die ungeübten Handwerker und Tagelöhner zu bestehen als gegen die Pikeniere des della Penas. Noch einmal wurde am heutigen Tag Blut vergossen, dann war es ausgestanden. Urbasi und Efferdi standen sich gegenüber. Kilian und Alrik traten auf die berittene Offizierin der Pikeniere zu, die abwartend vor ihrer Truppe auf ihrem Pferd saß. | ||
“Ich bin Signor Kilian Gerber und das Signor Alrik Binder, wie es aussieht, sind wir die Anführer der Schar Widerstandskämpfer. Ich habe nicht die Absicht Forderungen zu stellen.” Er blickte an der Offizierin vorbei zu einem Pulk Pikeniere die Serafanos im wahrsten Sinne des Wortes von seinem hohen Ross gezerrt hatten und ihm gerade Fesseln anlegten. “Aber dieser Mann dort…” Kilian zeigte auf den Zyklopäer “...ist Serafanos Thirindar und hat sich zahlreicher Verbrechen gegen Republik und Stadt Efferdas und seiner Bewohner schuldig gemacht und er gehört hier in Efferdas vor ein offizielles Gericht gestellt. Daher ersuche ich euch ihn in Gewahrsam zu nehmen, bis sich die Gemüter wieder etwas beruhigt haben und er ohne Gefahr für sein eigenes Leben nach [[Efferdossa]] gebracht werden kann, wo er in einer Zelle auf seine Verhandlung warten kann.” | “Ich bin Signor [[Kilian Gerber]] und das Signor [[Alrik Binder]], wie es aussieht, sind wir die Anführer der Schar Widerstandskämpfer. Ich habe nicht die Absicht Forderungen zu stellen.” Er blickte an der Offizierin vorbei zu einem Pulk Pikeniere die Serafanos im wahrsten Sinne des Wortes von seinem hohen Ross gezerrt hatten und ihm gerade Fesseln anlegten. “Aber dieser Mann dort…” Kilian zeigte auf den Zyklopäer “...ist Serafanos Thirindar und hat sich zahlreicher Verbrechen gegen Republik und Stadt Efferdas und seiner Bewohner schuldig gemacht und er gehört hier in Efferdas vor ein offizielles Gericht gestellt. Daher ersuche ich euch ihn in Gewahrsam zu nehmen, bis sich die Gemüter wieder etwas beruhigt haben und er ohne Gefahr für sein eigenes Leben nach [[Efferdossa]] gebracht werden kann, wo er in einer Zelle auf seine Verhandlung warten kann.” | ||
===Neuanfang aus der Asche=== | |||
Rahjageweite sind von Berufswegen sehr emotionale und leidenschaftliche Menschen. In fröhlichen, ausgelassenen Festen aber auch in ihrer Wut und in diesem Moment konnte [[Rahjalin Legari|Rahjalin]] die Haltung der tulamidischen Rahjapriester absolut nachvollziehen, die gerne mit Krummsäbeln auf Dinge einschlugen. Seine [[Rheia von Pailos|Tempelschwester]] hockte wie schon die ganze Nacht zitternd und schluchzend auf dem Boden und er konnte nichts weiter tun, als sie fest in die Arme zu nehmen. Dabei ballten sich Angst und Wut in seinem Magen zu einem festen Knoten zusammen. „Oh [[Rahja]], Vertraute des glücklichen Zufalls, segne [[Beleno Brahl]] dafür, dass er die Ernte seiner Familie, als er dein Geliebter war, so großzügig eingesegnet hat und verfluche diese dämonische Reblaus.“ Er wusste nicht wie lange sie beide so da gekniet hatten, aber irgendwann durchbrachen Geräusche die Stille. Ein junger Mann klopfte aufgeregt an das Fenster zum Garten. Er hatte die beiden Priester entdeckt und versuchte ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen. Langsam löste sich Rahjalin aus der Umarmung und näherte sich dem Fenster. „Euer Gnaden.’, erklang es gedämpft. “Ihr müsst dringend mitkommen am Tempel ist ein irres Vieh aus den Niederhöllen aufgetaucht. Die Herschafften dort brauchen dringend Unterstützung.“ Rahjalin sah seine Gefährtin an, die sich wieder etwas beruhigt hatte. „Ich sollte gehen, sag du der Gastgeberin der Leidenschaft Bescheid. Vielleicht schickt sie mir noch jemanden nach.“ Sie nickte und griff in die Falten ihres Gewandes. „Hier, das ist Tarf. Ich habe es eben nicht gegen den Dämon einsetzen können, aber dir hilft es vielleicht. Die Flasche, die du ihm über den Schädel gezogen hast, scheint ihm ja nicht so gefallen zu haben“, meinte sie und versucht sich an einem verkraften Lächeln. Dankbar nahm Rahjalin das Fläschchen entgegen. „Dank dir, ich habe noch etwas geweihtes Rosenöl, irgendetwas davon sollte doch helfen.“ Dann folgte er dem Soldaten in Richtung abgebrannten Rahjatempel. <br> | |||
„Was bei allen Zwölfen ist denn hier los?“ Er sah eine [[Nevinia Ventargento|Praiotin]] und zwei Magierinnen in trauter Gemeinschaft um ein Loch im Boden stehen, während eine von ihnen mit gelber Kreide darum herum malte. <br> | |||
[[Avedane Gerber|Avedane]] blickte den Bewaffneten, der den Rahjani zu ihnen geführt hatte strafend an, war es doch eigentlich seine Aufgabe gewesen den Geweihten auf dem Weg über die Geschehnisse zu informieren um keine Zeit zu verlieren, aber was nützte es, dem Mann zu grollen half nun auch niemandem, also brachte die Maga Rahjalin in kurzen Sätzen auf den aktuellen Stand der Ereignisse. “War euch bekannt, dass unter eurem Tempel eine dämonische Wesenheit gebannt war?” <br> | |||
Der Priester schüttelte so heftig den Kopf, dass seine Locken in alle Richtungen flogen. „Bei der Herrin der Morgenröte nein! Wir wussten, dass diese Säulen existieren“, er deutete auf die Überreste der Säulen mit den erotischen Kapitellen, „aber wir wären nie darauf gekommen, dass sie von einem Unheiligtum stammen. Hätten wir davon gewusst, hätten wir längst in Aranien oder zumindest in [[Belhanka]] um Hilfe gebeten.“ <br> | |||
Tharinda della Pena konzentrierte sich aufs Äußerste, wollte sie, nein, durfte sie keinen Fehler machen. Nicht beim geringsten Strich. Sie warf einen letzten Blick auf die Zeichen. Mit einem dankbaren Nicken gab sie der Geweihten den Rest der Kreide zurück. Verwundert schaute sie den Rahjageweihten an. “Nur ihr? Wo sind eure Glaubensbrüder und Schwestern? Glaubt ihr, ihr allein schafft es die Wesenheit zu bannen?” <br| | |||
“Das wissen wir nicht, ich habe das Artefakt geschwächt, die Maga diese unheilige Bestie mit astraler Kraft bekämpft und etwas, das wahrscheinlich mit eurer Herrin in Zusammenhang steht, sie in den Boden gezerrt. Seitdem haben wir Schutzrunen angebracht.” Nun näherte sich die Praiotin Rahjadin mit zusammengekniffenen Augen. “Aber ich höre gerade, dass ihr keine Ahnung von diesem Ding unter eurem Tempel gehabt haben wollt. Als ich in diesem Loch stand um eure Inkompetenz zu kompensieren hat Praios mich noch elf weitere Scheusale erkennen lassen. ELF!, mit dem, das zu dem Zeitpunkt noch IN DIESER STADT herum lief, flog und sich von mehr oder weniger unschuldigen Menschen ERNÄHRTE, sind das 12 DÄMONEN DIE IHR NICHT BEMERKT HABEN WOLLT?” Zusätzlich zu dem stechenden Blick der sich in Rahjalins Seele zu bohren scheinen wollte, kam jetzt noch ein eben so bohrender Finger in seiner Brust. “Niemandem ist in den Sinn gekommen das die schöne aber bestimmt auch kluge Rahja in der bestimmt ebenfalls, aber in keinem Fall so, schönen Stadt EFFERDas vielleicht aus einem Grund ein WUNDER VOLLBRACHT HAT? Im Fischerviertel? Nicht allein deswegen? Nicht in den 130 JAHREN seit dieser riesige Phallus gebaut wurde? Nichtmal als hier vor wenigen wenigen Jahren SOLCHE SZENEN an den Säulen entdeckt wurden? Welche man AUF DIESEM GELÄNDE GEFUNDEN HAT?” Sie warf ihre Hände in die Luft und entfernten sich einige Schritte. “Schütze mich Praios, Sankt Emeran mit der Rute und alle anderen Heiligen vor solcher Faulheit, Unfähigkeit oder was auch immer eine solche Verblendung hervorgerufen hat.” <br> | |||
Rahjalin hatte gerade einen Beweis gefunden, dass die Maraskaner recht hatten. Es gab die Wiedergeburt. Gerade jetzt stand er einem zweimetergroßen sehr bulligem Bannstrahlerhauptmann der Priesterkaiserzeit gegenüber, der mit feurigem Eifer und noch feurigeren Scheiterhaufen gegen Praiosfeinde vorging. Leider hatte er sich nun in einen 1,63 großen, zierlichen Körper einer horasischen Edeldame verirrt. Sie hatte schon irgendwo recht. Aber Rahjalins Tag war bis hier her auch nicht gerade erfreulich gewesen und er hatte gerade wirklich keine Lust sich von einer neunmalklugen Praioten runter machen zu lassen. Also musste die Harmonie sich jetzt einmal kurz hintenanstellen. „Das namensgebenden Wunder unseres Tempels ist geschehen nachdem man den Bauort ausgewählt hatte und wurde als ausschlaggebend für die Ausrichtung des Tempels akzeptiert. Abgesehen davon wurden die Säulen von den Historikern auf die dunkle Zeit datiert und hinzugefügt, dass man solche Kapitelle bei jeder drittklassigen Landvilla gefunden hat. Abgesehen davon haben wir im Gegensatz zu anderen Leuten zu viel zu tun, um ohne triftigen Grund unseren Fußboden aufzustemmen. In Zukunft werden wir mehr darauf achten, da schließlich meine Tempelschwester gerade fast von besagten Dämon verspeist wurde.“ <br> | |||
Avedane blickte die Praiotin ebenfalls etwas irritiert an. Was war in diese Frau gefahren? “Ich denke es ist gerade jetzt wichtig zusammenzuhalten und einig gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen, unsere Kräfte zu bündeln und uns nicht in Schuldzuweisungen zu ergehen und Zwietracht zu sähen, denkt ihr nicht auch euer Gnaden?” Die Maga musterte die Praiotin, war es möglich, dass sich die Befürchtungen Nevinias nun erfüllten, sie tastete nach den beiden Briefen, welche ihr die Praiotin gegeben hatte. <br> | |||
Die Praiotin sackte zusammen und blickte kurz ins leere "Ja", sagte Nevinia, “wir sollten zusammen stehen, Schluss damit. Also, habt ihr einen Vorschlag? Irgendein Ritual, das ihr durchführen könnt? Oder bleibt uns keine Wahl, als bis zum 1. Praios hier Wache zu stehen?” <br> | |||
Der Rahjani hob die Schultern „Also kurzfristig? Ich bin kein Exorzist und ich will euch nicht zu nahe treten“,meinte er mit einem Blick zur Praiospriesterin, „Ihr seid glaube ich auch keine. Wir könnten eine Platte drüber legen und einen Schutzsegen drüber sprechen. Dann wäre diese geweiht und es käme zumindest für eine Weile nichts mehr raus. Das Unheiligtum zu exorzieren und dann die ganze Höhle mit dem heiligen Tempelschutt aufzufüllen bekommen wir wahrscheinlich zeitlich nicht hin.“ <br> | |||
Mühsam schleppte sich Tharinda auf die beiden Geweihten zu. “Es ist nicht an der Zeit zu diskutieren, wer was wie und warum kann. Wie ich schon sagte, sollten wir nach dem gemeinsamen Weg von arkaner Kraft und göttlichen Glauben suchen. Das wir dieses Wesen nicht austreiben können, sollte jedem von uns klar sein. Ich habe das Möglichste getan und nun seid ihr an der Reihe. Sammelt die zwölfgöttlichen Glaubensbrüder hier in Efferdas. Der Rahja, der [[Hesinde]] und des [[Efferd]]. Geweihte Eurer Häuser oder Familien und dann lasst uns gemeinsam beten in diesen dunklen Stunden, bis die Zeit des Unaussprechlichen vorbei ist und die ersten Strahlen der Praiosscheibe den Himmel erhellen. Wenn dies überstanden ist, sollten wir einen Boten nach Kuslik senden, in die dortige Akademie und um Beistand bitten.” <br> | |||
Avedane nickte zustimmend. “Das klingt gut. Keine endgültige Lösung, aber ein guter Plan, um die übrige namenlose Zeit zu überleben.” Sie überlegte kurz: “Außer Mentorin [[Efferdane Flava Gerber|Flava]], die sich im Hesinde-Tempel aufhält, befinden sich leider keine Geweihten meiner Familie in der Stadt.” Rahjalin schürzte die Lippen. „Meine Familie hält sich leider nicht in der Stadt auf, abgesehen von einer Cousine und meiner Tante und von denen ist keiner geweiht. Aber da das hier ein Problem mit rahjanischem Schwerpunkt ist, könnten vielleicht ein paar andere Herren und Damen helfen. Die Bordelle der Stadt sind zwar wegen der Namenlosen Tage geschlossen, aber zumindest, die die keine Verwandtschaft in der näheren Umgebung haben sollten trotzdem in den Häusern sein. Mit den Bordellieren vom Bockshorn und der Rose am Siebenwind komme ich gut zurecht.“ Die Maga hob skeptisch die linke Augenbraue. “Ihr denkt nicht wirklich, dass uns eine Orgie mit einer Handvoll Huren wirklich weiterhilft, oder doch?” Hilfesuchend blickte sie zu Tharinda della Pena. Irgendwie erschien ihr der Vorschlag Rahjalins als hätte ihr eine Rondra-Geweihte gerade gesagt, in Ermangelung anderer Rondra-Geweihter könne man auch auf Mörder und Räuber zurückgreifen. Andererseits kannte sie sich weder mit der Rahja-Kirche noch mit Bordellen aus. Konnte es sein, dass Prostituierte so eine Art Rahja-Akoluthinnen waren? <br> | |||
Auch Tharinda glaubte ihren Ohren nicht zu trauen und schob es auf die Einflüsterungen in den Tagen da die Göttern fern sind. “Euer Gnaden, Eure Vorlieben sind zu anderer Zeit und an anderer Stelle bestimmt ein interessantes Thema, aber hier und jetzt recht unpassend, wenn ich dies so äußern darf. Aber wenn ihr denkt, das die Bannung dieser Wesenheit allein Eurer Kirche obliegt, solltet ihr Eure Brüdern und Schwestern im Glauben holen.” In Tharindas Worten waren Zweifel zu hören. Sie warf einen Blick auf die Praiotin und sah, dass diese sich nur mühsam zurückhielt. <br> | |||
Etwas Erleichterung machte sich auf Avedanes Gesicht breit. Nicht dass sie keinen Gefallen an Rahjas Freuden hatte, im Gegenteil, sie hatte großen Spaß daran und war keineswegs auf Männer beschränkt, aber zum Einen hatte sie dafür noch niemals bezahlen müssen und zum Anderen war nun wirklich nicht der Zeitpunkt dafür, auch wenn Tharinda eine wirklich schöne Frau war und…. Verdammt, was waren denn das für Gedanken? <br> | |||
Der Rahjageweite lächelte „Sie würden keine Orgie feiern sondern beten, tanzen singen und musizieren - voll bekleidet. Meiner Erfahrung nach ist eine gläubige Gemeinde bei einer Liturgie sehr hilfreich. Eine Rondragreweihte, würde sich über eine Gruppe gläubiger Ritter freuen wenn sie einen Waffensegen sprechen will. In meiner Kirche nimmt das verbreiten von Freude einen sehr hohen Stellenwert ein. Deshalb kümmert sich unser Tempel auch um die Bordelle der Stadt. Sie brauchen Seelsorger, Schlichter und vor allem Verhütungsmittel. Es ist zwar umstritten, ob man für das Verbreiten von Freude´ Geld nehmen darf und wir bekämpfen natürlich Armuts- und Zwangsprostitution, aber vor allem dem Bochshorn kann man das nicht vorwerfen. Einige Kurtisanen werden auch später Akolythen meiner Kirche, vor allem die aus den Höfen der Abendröte in Belhanka. Die Herren und Damen der käuflichen Liebe waren auch nur ein Vorschlag. Wir könnten auch bei den Reitern, Zuckerbäckern, Rosenzüchtern und Musikern der Stadt nachfragen, aber die wären deutlich schwerer zu versammel. Wir können natürlich auch nur auf Priester setzten, dass hätte den Vorteil, dass wir nicht noch auf eine zusätzliche Gruppe aufpassen müssen.“ Er blinzelte einmal verwirrt hatte Avedane gerade wirklich auf Tharindas Mund gestarrt? Nichts gegen die beiden, sie würden wirklich ein hüpsches Paar abgeben, aber das hier war irgendwie ein seltsamer Zeitpunkt. | |||
“Wenn ihr das meint, Euer Gnaden, dann lasst uns die….”, Tharinda räusperte sich kurz “Akoluthen dazu holen. Und ihr zwei…”, damit sprach sie die beiden Bewaffneten der Gerber an “...ihr geht zu den Tempeln des Efferd und der Hesinde. Holt so viele Gläubige wie möglich ist. Ich habe ein ungutes Gefühl.” Mit einem Schaudern blickte sie zum Loch im Boden und danach zu Rahjalin. Wäre es nicht schön, ihn hier und jetzt zu küssen und ihm mit den Fingernägeln den Rücken zu malträtieren? Nevinia hatte wieder dieses Gefühl. Ein Pochen. SIe griff in den Beutel, berührte den Knoten und ja, er pulsierte wieder. | |||
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Ein Gesang aus vielen Kehlen erfüllte die Ruine des Tempels. Es waren einige Geweihte dem Ruf gefolgt. Aus dem Tempel [[Hesinde-Tempel Efferdas|Heilig Brigon über den Wogen]] erschien der Tempelvorsteher [[Nandorian Villestano]] in Begleitung von [[Barindo Barini]], [[Madolina ya Pirras]] und [[Efferdane Flava Gerber|Mentorin Flava]]. Ebenfalls begaben sich die beiden Nandus-Geweihten [[Elsa Zastoni]] und [[Gryphino d’Antelli]] an den einstigen Ort der Freude. <br> | |||
Im Choral eingestimmt hatten auch [[Efferdobal di Camaro]], seine Tochter [[Liaiell di Camaro|Liaiell]] sowie die Geweihten aus dem [[Tempel vom güldenen Dreizack]]. <br> | |||
Die größte Gemeinschaft stellte aber die Rahja-Kirche, die ausnahmslos mit allen Geweihten und Akoluthen zugegen waren. Selbst die so geschundene [[Rheia von Pailos]] sang mit voller Inbrunst und auch die Flüchtlinge aus dem brennenden Inferno, waren, soweit es von der gesundheitlichen Verfassung möglich war, mit ganzem Herzen dabei. Und Rahjalin hatte Ernst gemacht. Auch die Kurtisanen aus dem Bockshorn und der Rose waren dabei. <br> | |||
Als die Gläubigen einen Choral zu Ehren des Heiligen Khabla abstimmen, begann es in der Höhle zu rumoren. Ein Keuchen, ein Hecheln unterbrochen von schmerzhaften Schreien war zu vernehmen. Danach spürte man Bewegung im Erdreich. [[Tharinda della Pena]] begab sich, auf das Schlimmste gefasst, zu der Öffnung im Boden und konnte sehen, wie Wurzelwerk begann die Öffnung zu verschließen. Immer neue Verzweigungen bildeten sich und dämpfen die Geräusche aus dem Boden ab. Dort wo einst der Rosenstrauch am Altar stand, brach der Boden auf und der Spross einer Pflanze erschien. Er begann zu wachsen und je lauter die Stimmen der Gläubigen erschallten, umso schneller wuchs er. Es bildeten sich erste Blätter, ein Stamm und ein Baum begann zu wachsen. <br> | |||
Dann brach die dunkle Wolkendecke auf. Das zaghafte Licht der Praiosscheibe erschien und als die ersten Strahlen die Öffnung im Boden trafen, hörte man einen infernalischen Schrei voller Schmerz und Lust. Dünne Rauchschwaden suchten sich einen Weg durch das Wurzelwerk und dies war das Letzte, was man von der Wesenheit gehört hat.<br> | |||
Eine stattliche Linde stand nun dort inmitten der Ruine und zum ersten Mal seit Tagen, trat eine ruhige und erholsame Stille ein. <br> | |||
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