Briefspiel:Kaiserjagd/Efferd und Ingerimm: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Bild:Auricanius von Urbet.jpg|thumb|200px|Gastgeber seiner dritten Dualismus-Betrachtung: Baron Auricanius]] | [[Bild:Auricanius von Urbet.jpg|thumb|200px|Gastgeber seiner dritten Dualismus-Betrachtung: Baron Auricanius]] | ||
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Von der Sturheit der Aurelassen, der Urbasier vorneweg, musste ihn niemand mehr überzeugen … | Von der Sturheit der Aurelassen, der Urbasier vorneweg, musste ihn niemand mehr überzeugen … | ||
Timor | [[Bild:Timor d Antara bei der Kaiserjagd.jpg|thumb|180px|Inzwischen Stammgast: Timor d'Antara]] | ||
[[Timor d'Antara]] hatte sich an diesem Abend zunächst eher im Hintergrund gehalten. Höflich hörte er den Vorrednern zu und wechselte kurze Worte in kleinen Pausen mit den Anwesenden, doch langsam wollte er wieder aktiver Teil der Diskussion werden. Als Marra von Selzin und Niccolo Flaviora ihre Standpunkte austauschten, hob Timor schließlich langsam den Blick. Er wartete, bis sich das leise Lachen über den Vergleich mit dem urbasischen Esel gelegt hatte. Dann räusperte er sich.<br> | |||
„Wenn ich mir erlauben darf …“ | ''„Wenn ich mir erlauben darf …“''<br> | ||
Seine Stimme war zunächst vorsichtig, aber doch selbstbewusst. Er sah kurz zu Auricanius, dann zu den Symbolen Efferds — einer kleinen Muschel, einem fein gearbeiteten Dreizack — und schließlich zu den rauchgeschwärzten Ingerimm-Devotionalien.<br> | |||
Seine Stimme war zunächst vorsichtig, aber doch selbstbewusst. Er sah kurz zu Auricanius, dann zu den Symbolen Efferds — einer kleinen Muschel, einem fein gearbeiteten Dreizack — und schließlich zu den rauchgeschwärzten Ingerimm-Devotionalien. | ''„Als Sohn einer Schiffbauerfamilie fällt es mir schwer, mich eindeutig auf eine Seite zu schlagen.“''<br> | ||
Einige Zuhörer schmunzelten.<br> | |||
„Als Sohn einer Schiffbauerfamilie fällt es mir schwer, mich eindeutig auf eine Seite zu schlagen.“ | ''„Denn wer ein Schiff baut, dient Ingerimm. Wer mit ihm fährt, dient Efferd.“''<br> | ||
Ein zustimmendes Murmeln ging durch die Runde.<br> | |||
Einige Zuhörer schmunzelten. | Timor fuhr fort, nun etwas sicherer: ''„Ingerimm steht für Form. Für Maß. Für das, was Bestand haben soll. Holz wird gehobelt, Eisen geschmiedet, Planken gefügt — alles folgt einem Plan.“''<br> | ||
Er machte eine kleine, ruhige Geste mit der Hand, als zeichne er Linien in die Luft.<br> | |||
„Denn wer ein Schiff baut, dient Ingerimm. Wer mit ihm fährt, dient Efferd.“ | ''„Efferd hingegen … kennt keinen Plan, den wir verstehen könnten. Er prüft, ob das Geschaffene wirklich trägt.“''<br> | ||
Seine Stimme gewann an Kraft.<br> | |||
Ein zustimmendes Murmeln ging durch die Runde. Timor fuhr fort, nun etwas sicherer: | ''„Ein Schiff, das nur im Hafen bewundert wird, ist kein gutes Schiff. Erst im Sturm zeigt sich, ob Ingerimms Werk gelungen ist.“''<br> | ||
Jetzt sprach er deutlich freier.<br> | |||
„Ingerimm steht für Form. Für Maß. Für das, was Bestand haben soll. Holz wird gehobelt, Eisen geschmiedet, Planken gefügt — alles folgt einem Plan.“ | ''„Vielleicht sind die beiden daher weniger Gegensätze als ein notwendiges Wechselspiel. Ingerimm schafft Ordnung. Efferd bringt Unordnung. Doch gerade diese Unordnung verhindert, dass wir glauben, unsere Werke seien vollkommen.“''<br> | ||
Er blickte kurz in Richtung der Herzogin und ihrer Tochter — nicht suchend, sondern fast, als wolle er seine Worte auch vor höchsten Ohren verantworten.<br> | |||
Er machte eine kleine, ruhige Geste mit der Hand, als zeichne er Linien in die Luft. | ''„Ohne Efferd würden wir uns in Sicherheit wiegen. Ohne Ingerimm aber hätten wir nichts, das geprüft werden könnte.“''<br> | ||
Ein leiser Atemzug.<br> | |||
„Efferd hingegen … kennt keinen Plan, den wir verstehen könnten. Er prüft, ob das Geschaffene wirklich trägt.“ | ''„Ich habe Seeleute erlebt, die Ingerimm anriefen, wenn sie ein neues Schiff tauften — und Efferd, wenn sie ausliefen. Und beide Götter, wenn sie heimkehrten. Und wie es in meiner Familie Tradition ist, wird [[Travia]] gedankt, zum heimeligen Herdfeuer zurück gekommen sein. “''<br> | ||
Der kleine Abweichler zur Gütigen Göttin wurde mit warmen Lächeln kommentiert. Nun lag ebenfalls warmes Lächeln auf seinem Gesicht.<br> | |||
Seine Stimme gewann an Kraft. | ''„Vielleicht ist das die tiefere Wahrheit ihres Dualismus: Dass der Mensch erschafft … und die Welt antwortet.“''<br> | ||
Er senkte respektvoll den Kopf.<br> | |||
„Ein Schiff, das nur im Hafen bewundert wird, ist kein gutes Schiff. Erst im Sturm zeigt sich, ob Ingerimms Werk gelungen ist.“ | ''„Und dass wir nur dann wachsen, wenn wir bereit sind, beides anzunehmen — die Hitze der Esse … und die Kälte der Wellen.“'' | ||
Jetzt sprach er deutlich freier. | |||
„Vielleicht sind die beiden daher weniger Gegensätze als ein notwendiges Wechselspiel. Ingerimm schafft Ordnung. Efferd bringt Unordnung. Doch gerade diese Unordnung verhindert, dass wir glauben, unsere Werke seien vollkommen.“ | |||
Er blickte kurz in Richtung der Herzogin und ihrer Tochter — nicht suchend, sondern fast, als wolle er seine Worte auch vor höchsten Ohren verantworten. | |||
„Ohne Efferd würden wir uns in Sicherheit wiegen. Ohne Ingerimm aber hätten wir nichts, das geprüft werden könnte.“ | |||
Ein leiser Atemzug. | |||
„Ich habe Seeleute erlebt, die Ingerimm anriefen, wenn sie ein neues Schiff tauften — und Efferd, wenn sie ausliefen. Und beide Götter, wenn sie heimkehrten. Und wie es in meiner Familie Tradition ist, wird Travia gedankt, zum heimeligen Herdfeuer zurück gekommen sein. “ Der kleine Abweichler zur Gütigen Göttin wurde mit warmen Lächeln kommentiert. | |||
Nun lag ebenfalls | |||
„Vielleicht ist das die tiefere Wahrheit ihres Dualismus: Dass der Mensch erschafft … und die Welt antwortet.“ | |||
Er senkte respektvoll den Kopf. | |||
„Und dass wir nur dann wachsen, wenn wir bereit sind, beides anzunehmen — die Hitze der Esse … und die Kälte der Wellen.“ | |||
[[Kategorie:Kaiserjagd 1046 BF|Efferd und Ingerimm]] | [[Kategorie:Kaiserjagd 1046 BF|Efferd und Ingerimm]] | ||