Briefspiel:Der Tod des Patriarchen/Leichenschmaus: Unterschied zwischen den Versionen
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Cassius trat nun ganz an ihn heran, nahm Amandos Hand mit ruhiger Würde und hielt sie einen Moment lang fest. Dann sprach er leise: „Ich danke Euch. Und Eurem Vater. Seine Worte – durch Euch – bedeuten mir sehr viel. Und auch seine Geste, am Sarge meines Vaters zu stehen, wird mir unvergessen bleiben.“ Er beugte sich ein wenig vor, senkte die Stimme noch weiter – fast ein Flüstern: „Ich muss gestehen… ich hatte Euch erst nicht erkannt. Doch das grüne Feuer in den Augen – ganz der Vater. Und Eure Worte… ganz der Sohn des Diplomaten.“ Cassius ließ die Hand los, aber nicht die Wertschätzung, die in seinem Blick lag. „Habt Dank, Amando Rahjin.“ Letztgenannter ging ein paar Schritte zurück und nahm das Angebot eines livrierten Dieners ein Getränk zu sich zu nehmen gerne an. Mit dem Weinkelch ging er in dem großen Saal zum Rand hin, wo das Büffet aufgebaut war und einige Leute beisammen standen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie schon weitere Gäste dem neuen Familienoberhaupt ihre Aufwartung machten. | Cassius trat nun ganz an ihn heran, nahm Amandos Hand mit ruhiger Würde und hielt sie einen Moment lang fest. Dann sprach er leise: „Ich danke Euch. Und Eurem Vater. Seine Worte – durch Euch – bedeuten mir sehr viel. Und auch seine Geste, am Sarge meines Vaters zu stehen, wird mir unvergessen bleiben.“ Er beugte sich ein wenig vor, senkte die Stimme noch weiter – fast ein Flüstern: „Ich muss gestehen… ich hatte Euch erst nicht erkannt. Doch das grüne Feuer in den Augen – ganz der Vater. Und Eure Worte… ganz der Sohn des Diplomaten.“ Cassius ließ die Hand los, aber nicht die Wertschätzung, die in seinem Blick lag. „Habt Dank, Amando Rahjin.“ Letztgenannter ging ein paar Schritte zurück und nahm das Angebot eines livrierten Dieners ein Getränk zu sich zu nehmen gerne an. Mit dem Weinkelch ging er in dem großen Saal zum Rand hin, wo das Büffet aufgebaut war und einige Leute beisammen standen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie schon weitere Gäste dem neuen Familienoberhaupt ihre Aufwartung machten. | ||
==Familienbande Teil I== | |||
[[Aurelio van Kacheleen]] war bereits am Vortag nach Unterfels gereist. Hier traf er sich mit seinem Sohn [[Effario van Kacheleen|Effario]], der die Geschäfte der Familie in [[Urbasi]] verantwortete. Lange hatten sich Vater und Sohn nicht mehr gesehen und so gab es herzliches Wiedersehen in einem der Gasthäuser der Stadt, das sich im Quartieri Tuffino befand, der Altstadt von Unterfels. Effario hatte es zudem arrangieren können, dass ein Meister aus dem Hause der Brillenwerkstatt Sfagiano anwesend war, um die nachlassende Sehkraft von Aurelio genauer zu untersuchen. Auf dem Zimmer führte dieser seine Untersuchungen durch. Einige gute Weine später, war sich Aurelio durchaus sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben und gab eine schlichte Brille in Auftrag. | |||
Vor der weit geöffneten, schweren Eichentür des großen Bankettsaals erspähte Aurelio am nächsten Tag die Vertreter der Amarinto. “Es ist der Bruder von [[Darion Amarinto]]” raunte er Effario leise zu. “Du weißt schon, der Vater von Drugon, dem Gemahl Deiner Schwester [[Svelinya Amarinto|Svelinya]].” Effario nickte nur stumm. Die Familienbanden waren schließlich mittlerweile sehr mannigfaltig, wofür das [[Haus van Kacheleen]] vielleicht bald einen eigenen Herold einstellen sollte. | |||
“Horasio Amarinto” sprach er den ihm bekannten Vertreter des Hauses höflich an “Es freut mich wirklich sehr, Euch hier zu treffen.” gedanklich musste er an Sewamund denken und an die Wirren, die dort ihren Lauf nahmen. “Wie war die Anreise?” gekleidet war Aurelio im traditionellen Grangorer Gewand. Schlicht und in dunklen Farben. Sein Sohn Effario hatte wohl denselben Schneider beauftragt und nur in der etwas helleren Farbe unterschieden sich ihre Gewänder. | |||
Der Ordenskomtur zögerte einen Moment, dann erinnerte er sich. Er hatte Aurelio van Kacheleen in [[Sewamund]] bei einem Ball des Barons im Schloss Corello getroffen. Er verabscheute diese gesellschaftlichen Anlässe, aber sie ließen sich häufig nicht umgehen. Glücklicherweise hatte er ein gutes Gedächntnis. “Signor van Kacheleen, es ist mir eine Ehre.” Er verneigte sich steif. “Nun, dank der unermüdlichen Bemühungen meines Ordens sind die Wege in den [[Goldfelsen]] frei von Novadiräubern und anderem Gesindel. Derzeit jedenfalls. Daher hatten wir eine ereignisarme Anreise. Ich hoffe das gilt auch für Euch?” | |||
Aurelios Blicke wanderten kurz umher, um Vertreter der Familie Bolburri zu erspähen. Effario half seinem Vater und deutete in eine andere Richtung. [[Bonifacio Bolburri]] kam den Beiden entgegen. “Signori, wie schön Euch zu sehen. Nach dem langen Tag habt Ihr Euch eine Stärkung verdient. Wir wollen gemeinsam meinem verstorbenen Urgroßvater gedenken! Es ist für unsere Familie eine große Ehre, dass Ihr den weiten Weg auf Euch genommen habt und nach Unterfels gekommen seid.” Der angehende Advokatus winkte einen der Diener herbei. “Bitte versorge Signor Aurelio und Signor Effario mit allem, was sie sich wünschen.” | |||
Aurelio war hocherfreut, dem jungen Bolburri Sproß zu begegnen. Er war der älteste Sohn von [[Selina Bolburri]], einer Tochter seiner Tante [[Myria van Kacheleen]] mit dem verstorbenen Bassiano Bolburri. Der Kreis schloss sich. An Tante Myria konnte sich Aurelio noch gut erinnern, eine starke und lebensfrohe Persönlichkeit. Meist suchte er bei den Bolburris nach Wesenszügen in ihren Gesichtern, die ihn an seine Tante erinnerten. “Werter Bonifacio, bitte nehmt mein tiefstes Mitgefühl entgegen.” Effario ergänzte “auch von meiner Frau Mutter und meinen Geschwistern darf ich Euch und der Euren Familie kondolieren.” Beide wirkten betroffen. “Zu selten kommt die Familie zusammen und meist sind es diese traurigen Anlässe, wie dem heutigen Anlaß, aber erzählt mir beizeiten von Eurem Studium und Euren Zielen.” | |||
Der junge Bolburri verbeugte sich. “Vielen herzlichen Dank, Signori. Nun, ich sehe meinem Abschluss in diesem Jahr entgegen! Die Prüfungsvorbereitungen nehmen schon einen großen Raum ein, aber ich bin guten Mutes, dass sie erfolgreich verlaufen werden. Ich möchte möglichst schnell nach Sewamund kommen und Euch zu Diensten stehen. Besonders freue ich mich darauf, das Gelernte in Eurem Handelshaus einzubringen. Wie ergeht es Euch denn zurzeit in dem Konflikt mit dem Baron?” | |||
''(wird noch fortgesetzt)'' | |||
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