Briefspiel:Der Tod des Patriarchen/Leichenschmaus: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
|||
| Zeile 79: | Zeile 79: | ||
Der junge Bolburri verbeugte sich. “Vielen herzlichen Dank, Signori. Nun, ich sehe meinem Abschluss in diesem Jahr entgegen! Die Prüfungsvorbereitungen nehmen schon einen großen Raum ein, aber ich bin guten Mutes, dass sie erfolgreich verlaufen werden. Ich möchte möglichst schnell nach Sewamund kommen und Euch zu Diensten stehen. Besonders freue ich mich darauf, das Gelernte in Eurem Handelshaus einzubringen. Wie ergeht es Euch denn zurzeit in dem Konflikt mit dem Baron?” | Der junge Bolburri verbeugte sich. “Vielen herzlichen Dank, Signori. Nun, ich sehe meinem Abschluss in diesem Jahr entgegen! Die Prüfungsvorbereitungen nehmen schon einen großen Raum ein, aber ich bin guten Mutes, dass sie erfolgreich verlaufen werden. Ich möchte möglichst schnell nach Sewamund kommen und Euch zu Diensten stehen. Besonders freue ich mich darauf, das Gelernte in Eurem Handelshaus einzubringen. Wie ergeht es Euch denn zurzeit in dem Konflikt mit dem Baron?” | ||
''(wird noch fortgesetzt)'' | |||
==Zwischen Trauer und Trost== | |||
Auch die [[Familie Rizzi]] machte der Trauerfeier ihre Aufwartung. Vertreten wurde die alteingesessene Familie, die enge familiäre Bande zu den Bolburris unterhielt, durch ihre Matriarchin und ihren Sohn, den Hochgeweihten der Unterfelser Travia-Tempel. | |||
[[Traviana Rizzi]] hatte sich bei ihrem großgewachsenen Sohn eingehakt und betrat würdevoll den Saal. Wie bereits bei der Trauerfeier selbst war sie immer noch in ein hochgeschlossenes, dunkelbraunes Kleid mit Stehkragen gewandet. Das inzwischen dunkelgraue Haar der betagten Dame war hochgesteckt und die Ohrringe regelrechte Blickfänge. Freundlich lächelte sie den bereits anwesenden Persönlichkeiten zu, während sie immer wieder kurze Worte mit ihrem Sohn wechselte. | |||
[[Ansvino Tamano Rizzi]], der Hochgeweihte der gütigen Mutter [[Travia]], war bei der Trauerfeier selbst verhindert gewesen, da es ihm aufgrund seiner Verpflichtungen im Tempel nicht möglich war, persönlich teilzunehmen. Dennoch wollte er mit einem Besuch auf dem Totenmahl der Familie seine Anteilnahme ausdrücken. Der großgewachsene, außerordentlich charismatische Tempelvater war in seinen Ornat gekleidet und der Blick aus seinen milden, braunen Augen war aufmerksam. | |||
Den Rizzi sagte man nach, dass sie unpolitisch seien. Eine Rolle, die Angehörige der Familie sehr gerne spielten, auch wenn sie nicht immer der Realität entsprach. Fakt war jedoch, dass die Rizzi sich in der Wahrnehmung bei ihnen handele es sich um unpolitische, selbstlose Gönner sehr wohl fühlte und es ihnen sehr zupass kam, grundsätzlich unterschätzt zu werden. | |||
Da sich viele der interessanten, anwesenden Personen bereits in Gesprächen befanden, die Traviana nicht stören wollte, ließ sie sich von ihrem Sohn zum Familienoberhaupt der [[Familie Cirrention]] führen. | |||
“Signor [[Targuin Hal Cirrention|Targuin]]”, grüßte sie ihn mit charmanter Freundlichkeit in der Stimme. “Es freut mich Euch zu sehen, auch wenn die Umstände selbstverständlich erfreulichere sein könnten …”, kurz huschte ein beinahe schüchternes Lächeln über die Lippen der alternden Frau, “... wie geht es Euch und den Euren? Und was machen die Geschäfte?” | |||
Der gute Freund des Verstorbenen war gerade im Begriff, sich mit seiner Gemahlin [[Flavia Bolburri|Flavia]] sowie den Kindern Tiro und Valesca an einen der Tische zu setzen. Bei den Worten der Matriarchin hielt er inne und drehte sich um. “Signora Traviana, es mir eine Freude, Euch an diesem traurigen Tag zu sehen. Wir wollten gerade essen, setzt Euch doch zu uns. Der Bursche hier”, er deutete auf den Diener der Bolburris, “wird Euch sicherlich mit einer guten Auswahl der erlesenen Speisen überzeugen.” | |||
Nachdem sich alle begrüßt und gesetzt hatten, nahm Targuin die Frage von Traviana wieder auf. Traviana merkte schnell, dass ihm seine sonst übliche Fröhlichkeit heute fehlte. “Wie soll es mir an diesem Tag gehen? Ich bin traurig und betrübt, dass Bassiano nicht mehr unter uns weilt. Aber ich fasse Eure Frage als Versuch auf, mich auf andere Gedanken zu bringen und danke Euch dafür. Nun… die beunruhigenden Nachrichten aus [[Phecadien]] von den Kämpfen um das Castell della Leonis erfüllen viele mit Sorge und Angst - vor allem entlang des Yaquirs und damit bei vielen meiner Geschäftspartnern. Unsichere Zeiten bedeuten schlechte Geschäfte, das wisst Ihr. Wie läuft es dahingehend bei Euch? Und was denkt Ihr über die Nachrichten aus dem Westen?” | |||
Es war kein Geheimnis, dass Traviana nicht jene nahe Bindung zum Verstorbenen hatte, wie es bei Targuin der Fall war. Das wusste auch ihr Gesprächspartner. Dennoch empfand sie Totenfeiern nicht als Orte, an welchen man generell Tränen vergießen sollte. Die Matriarchin der Familie Rizzi kam der Einladung nach und setzte sich an den Tisch. “Ich wollte Euch nicht zu nahe treten, Signor", versuchte sie sich an einer Erklärung, hatte sie die Irritation Targuins doch deutlich gespürt. “In unserer Familie sehen wir das Totenmahl als eine Feier, bei der wir den Verstorbenen hochleben lassen und gemeinsame Erinnerungen teilen. Ich hoffe Ihr nehmt keinen Anstoß an meinen Worten.” | |||
Traviana ließ sich vom nahen Diener Wein einschenken. “Wie ihr es selbst auch sagtet, Signor. Die Kämpfe schlagen sich aufs Geschäft, wiewohl Krieg einem auch die eine oder andere Geschäftsmöglichkeit eröffnen kann”, die alternde Frau nippte an ihrem Kelch. Ihre Familie machte mit der Ankunft der Söldner in und um Unterfels einst ein kleines Vermögen. “Ruhige Zeiten wären mir jedoch auch deutlich lieber … Unruhe ist unplanbar und Unplanbarkeit ist immer ein Risiko. In vielerlei Hinsicht.” Wieder nahm die Rizzi einen Schluck aus ihrem Kelch und drehte diesen in ihren schlanken Fingern. “Aber genug der Politik und vom Geschäft, Signor. Wir sind hier, um dem Verstorbenen zu gedenken. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Vater mir Bassiano vorgestellt hat. Die beiden Männer waren eng befreundet und ich war eine junge Frau, gerade fertig mit meinem Studium in Kuslik … er war meinem Vater sehr ähnlich …”, erzählte sie. | |||
“Das würde ich auch sagen, Signora.” Targuin versuchte sich zu erinnern. “Ich lernte Bassiano einst kennen, als wir nach Unterfels zogen. Als Schwiegeronkel von [[Ceras Pheccanio Cirrention|Ceras Pheccanio]] beriet er uns dabei rechtlich und wir verstanden uns auf Anhieb. Er hat uns damals sehr bei dem Neustart hier in Unterfels unterstützt. Ich habe immer seine geradlinige Art bewundert. Über die Jahre haben wir viel erlebt und einige Abende zusammengesessen. ” Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und er schaute zu seiner Gemahlin Flavia. “Er wurde dann ja auch mein Schwiegeronkel. Auf Bassiano!” Sie erhoben ihre Kelche und auch Traviana tat es den beiden gleich. “Noch vor ein paar Tagen saß ich mit ihm zusammen… sein Tod war unausweichlich - trotzdem schmerzt es mich sehr! Er wird uns fehlen.” Targuin dachte einen Augenblick nach. “Signora, ich habe eine Idee. Wie wäre es, wenn jedes Jahr an seinem Todestag in allen Gasthäusern eine Runde auf sein Wohl ausgegeben wird? Natürlich übernehme ich die Kosten und auch die Versorgung mit den Getränken. Ihr könnt dies sicherlich über die Gilde organisieren, oder?” Erwartungsvoll sah er Traviana an. | |||
´Hm´, dachte Traviana bei sich, ´eigentlich keine schlechte Idee´. “Das ist eine sehr gute Idee, Signor”, pflichtete die alternde Frau ihm bei. “Aber nur wenn Ihr mir die Ehre zusteht, dass ich die Familie Rizzi die Hälfte der Kosten übernimmt.” | |||
''(wird noch fortgesetzt)'' | ''(wird noch fortgesetzt)'' | ||