Briefspiel:Im Auge des Chaos/Rahastes: Unterschied zwischen den Versionen

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„Nein, deine Leute müssen raus auf die Straße. Es steht zu viel auf dem Spiel. Lass dir was einfallen.“ <br>
„Nein, deine Leute müssen raus auf die Straße. Es steht zu viel auf dem Spiel. Lass dir was einfallen.“ <br>
Zögerlich nickte Giacomo, dann schlug er die Hacken militärisch zusammen. „Ich werde ihnen zeigen, dass Pflichtvergessenheit schlimmer ist, als lebendig verspeist zu werden.“ Dann drehte er auf dem Absatz und verließ das Gebäude in den Nebel.<br>
Zögerlich nickte Giacomo, dann schlug er die Hacken militärisch zusammen. „Ich werde ihnen zeigen, dass Pflichtvergessenheit schlimmer ist, als lebendig verspeist zu werden.“ Dann drehte er auf dem Absatz und verließ das Gebäude in den Nebel.<br>
=== Geister aus der Vergangenheit ===
Der Regen hatte zum Glück schnell wieder nachgelassen, dennoch waren an Erdano, Isida und Liaiell kein Körperteil und kein Kleidungsstück mehr trocken, als sie in dem so heiß ersehnten Dunst die Vorlande erreichten. Sie konnten sich aber so tatsächlich recht unbemerkt fortbewegen. Schemenhaft erkannten sie bereits die ersten Gebäude rund um das grüne Tor und suchten sich eine Deckung. Immer wieder hörten sie Stimmen, die militärische Befehle bellten, ganz so, wie man es rund um eine Kaserne erwarten würde. Gleichzeitig wurde es auch immer heller. Es würde nicht lange dauern und der Dunst wäre soweit emporgestiegen, dass er keinen Schutz mehr bieten würde. <br>
Während ihr Blick hauptsächlich Richtung Porta Viridis ging, fiel Liaiell etwas auf der Wiese gegenüber dem Waffenarsenal auf. Etwas schien sich dort im Dunst zu bewegen. Sie knuffte Isida mit dem Ellenbogen und deutete auf die Stelle. „Ist da etwas?“
Auch die Knappin schürzte ihre Augen. Es dauerte ein wenig, sie konnten nichts ausmachen, doch dann offenbarte der weiter sinkende Dunst kleine rote Punkte. Sie leuchteten wie Rubine, ihr Schein schnitt sich durch das sonst diffuse, schummrige und graue Bild wie der Schein des Leuchtturms von Sylla durch eine dunkle Neumondnacht.  Erst zwei… dann vier… dann acht… dann vielleicht vierzig. Und sie schienen sich zu bewegen. Und es wurden immer mehr. „Was… ist das?“ <br>
Ein kalter Windzug umfuhr die nasse Spionstruppe. Mit dem Wind bewegte sich auch der Dunst etwas weiter und schnell wurde klar, dass zu den roten Punkten in der Dunkelheit jeweils eine schemenhafte Geistergestalt dazu gehörte, die sich langsam durch die Stadtmauer waberte. Wie eine Armee marschierten sie langsam weiter und kamen als solche auch genau auf die Gruppe zu. „Schnell, verstecken wir uns!“ kam ein Impuls der Knappin und deutete auf eine kleine Mauer im Vorgarten von Arnax Silberfingers alter Schule. <br>
Die Geister bewegten sich mühelos durch Stein und Fels, zielstrebig Richtung Altstadt. Natürlich waren diese Wesen auch den Stadtgardisten nicht verborgen geblieben, aus einiger Entfernung sahen sie, wie ein Gardist sich genau vor einen der Geister stellte und den Eindruck hinterließ, als wolle er ihn aufhalten. Der Geist blieb stehen, er wirkte… Menschenähnlich. Durchscheinend, aber immer noch menschenähnlich. Als würde er in seiner Geistergestalt gar eine Kleidung tragen. Das, was wohl die Arme des Geistes darstellten, fasste sich an den Kopf und es wirkte, als würde er eine Kapuze zurück ziehen. Was auch immer der Gardist gesehen hatte, es versetzte ihn in schiere Panik und laut schreiend rannte er auf einmal davon. Auch die anderen Gardisten um das grüne Tor herum waren sichtlich nervös und wussten nicht mit der Situation umzugehen. <br>
Auch die von Erdano geführte Bande blickte wie gebannt auf die Szenerie vor sich. Schließlich kam auch auf sie ein Geist zu. Schnell duckten sie sich ganz hinter das Mäuerchen in der Hoffnung, die Schreckgestalt könnte sie dort nicht sehen, doch der Geist wanderte einfach durch die Mauer hindurch und kam auf die Gruppe zu. Einem jeden stellten sich die Nackenhaare hoch. Doch wenn sie jetzt einfach aufspringen und wegrennen würden, würden die Wachen am grünen Tor sie auch sofort entdecken. So blieben sie mutig und blickten den Geist an, der nun auch stehen geblieben war und die Menschen vor sich musterte. Langsam erkannte man die Schemen um die beiden rubinfarbenen Augen herum. Ja, er war menschlich. Durchscheinend, aber menschlich. Er trug eine Toga, dazu einen Lorbeerkranz auf dem Haupt. Alles wirkte, als sei er ein Relikt der dunklen Zeiten. Hätte das Wesen Beine gehabt, sie hätte geschnürte Sandalen getragen, um den Anblick eines alten Senatoren perfekt zu machen. Die Gestalt streckte nun den linken Arm aus, als wolle er die Gruppe grüßen. Dabei wurden seine roten Augen heller und kräftiger. Die Gruppe spürte die Angst in ihrer Brust wachsen. <br>
Doch Isida nahm ihren Mut zusammen, stand auf und stellte sich mit ausgestreckter Brust vor den Geist, fasste sich mit der Faust der rechten Hand auf die linke Brust und nickte dem Geist zu. Dies schien zu funktionieren, der Geist senkte den Arm wieder und das glimmen in den roten Augen nahm wieder ab. Als wäre nichts gewesen, waberte die Spukgestalt weiter, durch die Knappin durch und weiter Richtung Altstadt. Isida lief ein Schauer über den Rücken, sie zog entsprechend die Schultern zusammen und steckte kurz den Kopf in den Nacken, bis das Adrenalin ihren Körper wieder verlassen hatte. Die anderen blickten irritiert auf sie. <br>
“Was auch immer du getan habt, es scheint funktioniert zu haben.” lobte Erdano.  “Aber… WAS hast du getan?” setzte Liaiell die Frage fort. “Das war ein alter Senator aus dunkler Vorzeit. Ich habe in Studien über die Stadt mal gelesen, dass die aktuelle Republik in Efferdas nicht die erste ihrer Art war. In der chaotischen Zeit rund um [[Halmar Horas]] gab es wohl schon einmal einen Senat hier, welcher erst viele Göterläufe später unter Soldatenkaiser [[Jel Horas]] zerschlagen wurde. Die Geister scheinen sich alle Richtung Altstadt zu bewegen, wo der heutige Senat zu finden ist. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, diese Geister ruft der Glaube an eine freie Republik…” <br>
“Jetzt spekulierst du aber ein wenig sehr viel herein.", runzelte Erdano die Stirn. “Wie auch immer: Danke, es hat funktioniert.” Er blickte auf die Szenerie vor sich an der Porta Viridis, in der immer mehr Gardisten das Weite suchten. <br>
“Diese alten Geister scheinen zumindest für viel Unruhe zu sorgen.” bemerkte Isida ganz richtig, während ein weiterer Geist langsam die Mauer entlang waberte. Dieses Mal in einer alten Legionsrüstung und glücklicherweise ignorierte er die Gruppe nun gänzlich. “Korrekt. Schnell, lasst uns zur Kaserne gehen. Dort werden sicher auch Geister sein, die für einiges an Unruhe sorgen. Vielleicht haben wir ja Glück und wir können etwas mehr tun, als nur uns ein Bild der Lage zu machen. Wenn es uns jetzt gelingt, die Senatoren zu befreien, dann ist dieser Putsch so gut wie gescheitert!” fasste Erdano eine ungeahnte Hoffnung.
“Na dann… für die Freiheit und die Republik.” schmunzelte Liaiell und sprang über das Mäuerchen und auf die Straße, immernoch geduckt und vorsichtig, aber zielsicher richtung Kaserne. <br>




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