Briefspiel:Silberschiffe: Unterschied zwischen den Versionen
Die Seite wurde neu angelegt: „{{Halboffiziell}}<onlyinclude>{{Briefspielheader |Oberseite={{KW|Efferdas}} Briefspiel in Efferdas und Urbasi {{KW|Urbasi}} |Av. Datum=Hesinde 1046 BF, Frühling 1047 BF |Schauplatz=v.a. Hotel Silbertaler in Urbasi |Ird. Datum=2026 |Protagonisten=Phelizzio und Timor d'Antara, Giulia Silbertaler, Efferdita Pechstein |Autoren={{Bn|Fürst Federkiel}}, {{Bn|Rhutkles}} |Zyklus= }}</onl…“ |
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==Kapitel 1 – Eine Aufwartung== | ==Kapitel 1 – Eine Aufwartung== | ||
[[Bild:Phelizzio d Antara.jpg|thumb| | [[Bild:Phelizzio d Antara.jpg|thumb|150px|right|Auf Geschäftsreise in Urbasi: Signor [[Phelizzio d'Antara]]]] | ||
[[Phelizzio d'Antara]] sowie sein Sohn [[Timor d'Antara|Timor]] weilten bereits seit einer Weile in [[Urbasi]], da sie dort mehrere geschäftliche wie private Angelegenheiten zu tätigen hatten. Daher war der alte Schiffsbauer hoch erfreut, dass die Signoras [[Giulia Silbertaler]] und [[Efferdita Pechstein]] ihm eine Audienz genau in dem Zeitraum gewährten, in dem sie bereits in der Stadt zugegen waren.<br> | [[Phelizzio d'Antara]] sowie sein Sohn [[Timor d'Antara|Timor]] weilten bereits seit einer Weile in [[Urbasi]], da sie dort mehrere geschäftliche wie private Angelegenheiten zu tätigen hatten. Daher war der alte Schiffsbauer hoch erfreut, dass die Signoras [[Giulia Silbertaler]] und [[Efferdita Pechstein]] ihm eine Audienz genau in dem Zeitraum gewährten, in dem sie bereits in der Stadt zugegen waren.<br> | ||
Die Korrespondenz hatte Phelizzio bereits seit ein paar Monaten mit der [[Familie Silbertaler|ältesten Patrizierfamilie]] der Stadt geführt und vorrangig wollte er sich gerne als Partner hinsichtlich der Verschiffung des [[Silbertal]]er Silbers anbieten, doch zunächst würde er anderen Vorschlag vortragen, bevor er weiter dachte. Die efferdischen Männer hatten sich unabhängig vom Treffen im Hotel Silbertaler einquartiert, solange sie in der Stadt weilten. | Die Korrespondenz hatte Phelizzio bereits seit ein paar Monaten mit der [[Familie Silbertaler|ältesten Patrizierfamilie]] der Stadt geführt und vorrangig wollte er sich gerne als Partner hinsichtlich der Verschiffung des [[Silbertal]]er Silbers anbieten, doch zunächst würde er anderen Vorschlag vortragen, bevor er weiter dachte. Die efferdischen Männer hatten sich unabhängig vom Treffen im Hotel Silbertaler einquartiert, solange sie in der Stadt weilten. | ||
Urbasi lag im blauen Licht des winterlichen Nachmittags.<br> | Urbasi lag im blauen Licht des winterlichen Nachmittags.<br> | ||
Unten im Empfangssaal funkelten Silberintarsien in dunklem Nussholz und spiegelte sich das Licht der Kerzen und des gewaltigen Kaminfeuers im polierten Marmorboden. An den Wänden hingen Landkarten des [[Aurelat]]s sowie Porträts horasischer Edelleute und Handelsdynastien. Ein angenehmer Duft aus der großen Küche zog durch die hohe Halle mit der umlaufenden Balustrade.<br> | Unten im Empfangssaal funkelten Silberintarsien in dunklem Nussholz und spiegelte sich das Licht der Kerzen und des gewaltigen Kaminfeuers im polierten Marmorboden. An den Wänden hingen Landkarten des [[Aurelat]]s sowie Porträts horasischer Edelleute und Handelsdynastien. Ein angenehmer Duft aus der großen Küche zog durch die hohe Halle mit der umlaufenden Balustrade.<br> | ||
Ein Bediensteter führte die Gäste aus ihren Gemächern in einen privaten Salon ebenfalls im ''piano nobile''. Durch ein sehr schmales, hohes Rundbogenfenster fiel das letzte scharfe Licht PRAios’ auf den fein gelegten Holzboden, während aus der Ferne das geschäftige Treiben der Stadt zu hören war. Draußen liefen noch bis in die kalte Nacht die Vorbereitungen auf den Tag der Volkskunst. Giulia Silbertaler blickte hinaus auf die Piazza Palio. Als der Lakai die Gäste namentlich ankündigte und die Gastgeberin benannte, ließ sie den schweren Brokatbehang los, der die Kühle und nun aus das Licht aussperrte, als er zurück vor das Glas fiel.<br> | |||
Ein Bediensteter führte die Gäste aus ihren Gemächern in einen privaten Salon ebenfalls im ''piano nobile''. Durch ein sehr schmales, hohes Rundbogenfenster fiel das letzte scharfe Licht PRAios’ auf den fein gelegten Holzboden, während aus der Ferne das geschäftige Treiben der Stadt zu hören war. Draußen liefen noch bis in die kalte Nacht die Vorbereitungen auf den Tag der Volkskunst. [[Giulia Silbertaler]] blickte hinaus auf die Piazza Palio. Als der Lakai die Gäste namentlich ankündigte und die Gastgeberin benannte, ließ sie den schweren Brokatbehang los, der die Kühle und nun aus das Licht aussperrte, als er zurück vor das Glas fiel.<br> | |||
In dem kleinen, holzgetäfelten Raum befanden sich vier stoffbezogene Kreuzklappstühle an einem runden, mit Intarsien belegten Tisch, ein Kanapee mit Ablage in der Ecke und ein langes Serviermöbel an der Wand. Licht spendeten zwei darauf stehende Kerzenleuchter.<br> | In dem kleinen, holzgetäfelten Raum befanden sich vier stoffbezogene Kreuzklappstühle an einem runden, mit Intarsien belegten Tisch, ein Kanapee mit Ablage in der Ecke und ein langes Serviermöbel an der Wand. Licht spendeten zwei darauf stehende Kerzenleuchter.<br> | ||
[[Datei:Giulia Silbertaler.jpg|thumb|150px|left|[[Giulia Silbertaler]] empfängt die Gäste.]] | |||
Als die beiden Herren eintraten, erblickten sie eine Frau mittleren Alters, deren flockenblumenblaue Augen im Licht der Kerzen wie der heilige Stein TRAviens funkelten. Das Gesicht war sanft, die Haltung etwas unsicher, die grüne Robe einfach geschnitten, der Silberschmuck dezent.<br> | Als die beiden Herren eintraten, erblickten sie eine Frau mittleren Alters, deren flockenblumenblaue Augen im Licht der Kerzen wie der heilige Stein TRAviens funkelten. Das Gesicht war sanft, die Haltung etwas unsicher, die grüne Robe einfach geschnitten, der Silberschmuck dezent.<br> | ||
Sie neigte leicht das Haupt.<br> | Sie neigte leicht das Haupt.<br> | ||
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Phelizzio blieb einen Moment stehen, als wollte er den Raum bewusst auf sich wirken lassen — eine kleine, fast theatrale Pause, wie sie im [[Horasreich]] geschätzt wird.<br> | Phelizzio blieb einen Moment stehen, als wollte er den Raum bewusst auf sich wirken lassen — eine kleine, fast theatrale Pause, wie sie im [[Horasreich]] geschätzt wird.<br> | ||
Dann verneigte er sich mit ruhiger Würde.<br> | Dann verneigte er sich mit ruhiger Würde.<br> | ||
''„Signora Silbertaler, die Freude ist ganz auf unserer Seite. Urbasi empfängt uns mit mehr Anmut, als wir zu hoffen gewagt haben und Eure Gastfreundschaft krönt diesen Eindruck.“''<br> | ''„Signora Silbertaler, die Freude ist ganz auf unserer Seite. Urbasi empfängt uns mit mehr Anmut, als wir zu hoffen gewagt haben und Eure Gastfreundschaft krönt diesen Eindruck.“''<br> | ||
Er legte eine Hand kurz auf die Schulter Timors.<br> | Er legte eine Hand kurz auf die Schulter Timors.<br> | ||
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''“Gerne übermittle ich die Grüße der ehren- und tugendhaften [[Familie d'Antara]], die der [[Silberstadt]] Glanz verleiht. Ebenso halten wir die Korrespondenz aufrecht und erwidern bei nächster Gelegenheit den Besuch.”''<br> | ''“Gerne übermittle ich die Grüße der ehren- und tugendhaften [[Familie d'Antara]], die der [[Silberstadt]] Glanz verleiht. Ebenso halten wir die Korrespondenz aufrecht und erwidern bei nächster Gelegenheit den Besuch.”''<br> | ||
Ihre Hand wies einladend zu den Sitzmöbeln, während der Lakai weiterhin die Tür aufhielt, durch die nun kleine Silberschalen und -platten gebracht wurden - mit regionalem Bergkäse, Pastetchen aus erst getrocknetem und wieder eingeweichtem Fisch, sauer eingelegten Bergbirnenperlen und winzigen Brotschiffchen mit hauchdünnen [[Sikrami]]scheiben. Während die Speisen den von Frische verwöhnten Gästen aus [[Efferdas]] vielleicht nicht das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen, tat es die letzte Silberplatte sicherlich, trug diese doch neben kleinen “einfachen” Silberbechern eine Karaffe des besten Rotweines der Region.<br> | Ihre Hand wies einladend zu den Sitzmöbeln, während der Lakai weiterhin die Tür aufhielt, durch die nun kleine Silberschalen und -platten gebracht wurden - mit regionalem Bergkäse, Pastetchen aus erst getrocknetem und wieder eingeweichtem Fisch, sauer eingelegten Bergbirnenperlen und winzigen Brotschiffchen mit hauchdünnen [[Sikrami]]scheiben. Während die Speisen den von Frische verwöhnten Gästen aus [[Efferdas]] vielleicht nicht das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen, tat es die letzte Silberplatte sicherlich, trug diese doch neben kleinen “einfachen” Silberbechern eine Karaffe des besten Rotweines der Region.<br> | ||
Die Bediensteten eilten hinaus. Nur eine kleine, rundliche Frau blieb im Raum zurück; ein matronenhaftes, graues, pelzverbrämtes Kleid, das eigentümlich rötlich schimmernde, aber eigentlich schwarze Haar, die tiefschwarzen, pupillenlos wirkenden Augen und das irgendwie zerdellt wirkende Gesicht ließen sie älter wirken, als sie war.<br> | Die Bediensteten eilten hinaus. Nur eine kleine, rundliche Frau blieb im Raum zurück; ein matronenhaftes, graues, pelzverbrämtes Kleid, das eigentümlich rötlich schimmernde, aber eigentlich schwarze Haar, die tiefschwarzen, pupillenlos wirkenden Augen und das irgendwie zerdellt wirkende Gesicht ließen sie älter wirken, als sie war.<br> | ||
Giulia hatte ihre Präsenz noch nicht bemerkt, schenkte sie doch am Serviermöbel Wein ein. | Giulia hatte ihre Präsenz noch nicht bemerkt, schenkte sie doch am Serviermöbel Wein ein. | ||
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Er sprach noch immer ruhig, fast beiläufig.<br> | Er sprach noch immer ruhig, fast beiläufig.<br> | ||
''„Ich gestehe, dass ich mich fragte, ob ein Haus von solcher Bedeutung wie das Eure gelegentlich Gefallen an einer Bauweise finden könnte, die speziell auf den Transport wertvoller Erze zugeschnitten ist. Nicht heute, nicht übereilt — nur als Gedanke, der mit der Zeit reifen darf.“''<br> | ''„Ich gestehe, dass ich mich fragte, ob ein Haus von solcher Bedeutung wie das Eure gelegentlich Gefallen an einer Bauweise finden könnte, die speziell auf den Transport wertvoller Erze zugeschnitten ist. Nicht heute, nicht übereilt — nur als Gedanke, der mit der Zeit reifen darf.“''<br> | ||
Er hob leicht den Becher in Giulias Richtung.<br> | Er hob leicht den Becher in Giulias Richtung.<br> | ||
''„Denn gute Partnerschaften beginnen selten mit Verträgen. Meist beginnen sie mit Gesprächen und mit Wein.“'' | ''„Denn gute Partnerschaften beginnen selten mit Verträgen. Meist beginnen sie mit Gesprächen und mit Wein.“'' | ||
Währenddessen hatte Timor beiläufig den Raum weiter betrachtet und bemerkte nun die rundliche Frau, die zurückgeblieben war. Er zögerte einen Augenblick, dann neigte er höflich das Haupt in ihre Richtung.<br> | Währenddessen hatte Timor beiläufig den Raum weiter betrachtet und bemerkte nun die rundliche Frau, die zurückgeblieben war. Er zögerte einen Augenblick, dann neigte er höflich das Haupt in ihre Richtung.<br> | ||
''„Verzeiht, Signora … wir wurden Euch noch nicht vorgestellt.“''<br> | ''„Verzeiht, Signora … wir wurden Euch noch nicht vorgestellt.“''<br> | ||
Eine respektvolle Einbindung ohne Alarm, ohne Misstrauen.<br> | Eine respektvolle Einbindung ohne Alarm, ohne Misstrauen.<br> | ||
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Die zarten langen Finger umfassten spitz den Silberbecher, ein Lächeln erschien auf dem Antlitz, als das Aroma in die prüfende Nase der Silbertalerin stieg.<br> | Die zarten langen Finger umfassten spitz den Silberbecher, ein Lächeln erschien auf dem Antlitz, als das Aroma in die prüfende Nase der Silbertalerin stieg.<br> | ||
‘Warum wohl nun die Sprache auf die langweiligen Lastkähne kommt? Plaudereien sind es wohl kaum. Verstehe, Höflichkeiten zur Anbahnung eines Geschäfts. So früh im Gespräch … Es zeugt von Zielstrebigkeit, aber etwas direkt ist es schon. Ach, bliebe es doch nur ein einziges Mal ohne Konditionen und Kommissionen. Ich hoffe nur, ... Ah, endlich. Sie wird es richten’, dachte Giulia sich und schritt auf die Eingetretene zu.<br> | ‘Warum wohl nun die Sprache auf die langweiligen Lastkähne kommt? Plaudereien sind es wohl kaum. Verstehe, Höflichkeiten zur Anbahnung eines Geschäfts. So früh im Gespräch … Es zeugt von Zielstrebigkeit, aber etwas direkt ist es schon. Ach, bliebe es doch nur ein einziges Mal ohne Konditionen und Kommissionen. Ich hoffe nur, ... Ah, endlich. Sie wird es richten’, dachte Giulia sich und schritt auf die Eingetretene zu.<br> | ||
[[Datei:Efferdita Pechstein.jpg|thumb|150px|left|Voll Höflichkeit: [[Efferdita Pechstein]].]] | |||
Es war ein ungleiches Paar, doch die Begrüßung war bei aller Formalität herzlich. Sie griffen sich bei den Händen und neigten leicht das Haupt.<br> | Es war ein ungleiches Paar, doch die Begrüßung war bei aller Formalität herzlich. Sie griffen sich bei den Händen und neigten leicht das Haupt.<br> | ||
Die elegante Giulia trat neben die Eingetretene, die ihrerseits auf die beiden Männer zuging. Wahrlich keine Schönheit, aber dies verblasste angesichts des Namens, der in einer überraschend warmen Stimme und in der [[Kuslik]]er Aussprache reinen [[Horathi]]s über ihre etwas schiefen Lippen kam.<br> | Die elegante Giulia trat neben die Eingetretene, die ihrerseits auf die beiden Männer zuging. Wahrlich keine Schönheit, aber dies verblasste angesichts des Namens, der in einer überraschend warmen Stimme und in der [[Kuslik]]er Aussprache reinen [[Horathi]]s über ihre etwas schiefen Lippen kam.<br> | ||
''“Signores d'Antara, willkommen im Hotel Silbertaler. Möge [[Travia]] Euch behüten. Mein Bedauern, Euch bei Eurer Ankunft nicht persönlich begrüßt haben zu können. Efferdita Pechstein.”<br> | ''“Signores d'Antara, willkommen im [[Hotel Silbertaler]]. Möge [[Travia]] Euch behüten. Mein Bedauern, Euch bei Eurer Ankunft nicht persönlich begrüßt haben zu können. Efferdita Pechstein.”<br> | ||
Sie streckte die schwer beringte Hand aus. | Sie streckte die schwer beringte Hand aus.<br> | ||
Phelizzio erhob sich sofort wieder, diesmal ohne jede berechnete Verzögerung, fast instinktiv. Der Name Travia hat etwas in ihm berührt, das tiefer lag als Handel oder höfische Gewandtheit. Sein Gesicht hellte sich sichtbar auf, feine Fältchen um die Augen vertieften sich, als er warm lächelte. Er nahm die dargebotene Hand mit beiden Händen, nicht nur mit den Fingerspitzen — eine bodenständige, beinahe handwerkliche Geste.<br> | Phelizzio erhob sich sofort wieder, diesmal ohne jede berechnete Verzögerung, fast instinktiv. Der Name Travia hat etwas in ihm berührt, das tiefer lag als Handel oder höfische Gewandtheit. Sein Gesicht hellte sich sichtbar auf, feine Fältchen um die Augen vertieften sich, als er warm lächelte. Er nahm die dargebotene Hand mit beiden Händen, nicht nur mit den Fingerspitzen — eine bodenständige, beinahe handwerkliche Geste.<br> | ||
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''„Wer mit Travia grüßt, kann kein schlechter Mensch sein. Ihr müsst verzeihen — ich bin mehr auf Werften und in Hafenstuben zu Hause als in Salons. In meiner Familie hört man nichtdestotrotz den Namen der Herdmutter oft lieber als den von Münzen.“''<br> | ''„Wer mit Travia grüßt, kann kein schlechter Mensch sein. Ihr müsst verzeihen — ich bin mehr auf Werften und in Hafenstuben zu Hause als in Salons. In meiner Familie hört man nichtdestotrotz den Namen der Herdmutter oft lieber als den von Münzen.“''<br> | ||
Ein leises, herzliches Schmunzeln. Er ließ ihre Hand erst los, als es nicht mehr unhöflich wäre.<br> | Ein leises, herzliches Schmunzeln. Er ließ ihre Hand erst los, als es nicht mehr unhöflich wäre.<br> | ||
''„Wir fühlen uns sehr willkommen hier. Urbasi hat uns bereits viele freundliche Gesichter gezeigt … doch eines, das uns im Namen Travias empfängt, ist ein besonders gutes Zeichen.“''<br> | ''„Wir fühlen uns sehr willkommen hier. Urbasi hat uns bereits viele freundliche Gesichter gezeigt … doch eines, das uns im Namen Travias empfängt, ist ein besonders gutes Zeichen.“''<br> | ||
Timor verneigte sich ebenfalls, etwas weniger steif als zuvor.<br> | Timor verneigte sich ebenfalls, etwas weniger steif als zuvor.<br> | ||
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Er setzte sich nun wieder, lud mit einer kleinen Handbewegung auch die beiden Damen ein.<br> | Er setzte sich nun wieder, lud mit einer kleinen Handbewegung auch die beiden Damen ein.<br> | ||
''„Bitte, lasst uns diesen Wein nicht warten lassen. Erz und Schiffe laufen uns nicht davon … aber ein guter Moment am Tisch ist schneller verloren, als man denkt.“''<br> | ''„Bitte, lasst uns diesen Wein nicht warten lassen. Erz und Schiffe laufen uns nicht davon … aber ein guter Moment am Tisch ist schneller verloren, als man denkt.“''<br> | ||
Damit nahm er bewusst Tempo aus dem Gespräch. Nicht aus Desinteresse, sondern aus dem Wunsch, Gemeinschaft vor Geschäft zu stellen. Seine Augen funkelten noch immer ein wenig, als hätte die Erwähnung Travias ihm vorgehalten, was wichtiger war als jede Ladung Silber. | Damit nahm er bewusst Tempo aus dem Gespräch. Nicht aus Desinteresse, sondern aus dem Wunsch, Gemeinschaft vor Geschäft zu stellen. Seine Augen funkelten noch immer ein wenig, als hätte die Erwähnung Travias ihm vorgehalten, was wichtiger war als jede Ladung Silber.<br> | ||
Efferditas Augen zuckten kurz, als nicht nur kein Handkuss kam, sondern ihre Hand auch gleich in einen kräftigen Klammergriff genommen wurde, dann lachte sie leise und herzlich, ihre warme Stimme erfüllte den Raum.<br> | Efferditas Augen zuckten kurz, als nicht nur kein Handkuss kam, sondern ihre Hand auch gleich in einen kräftigen Klammergriff genommen wurde, dann lachte sie leise und herzlich, ihre warme Stimme erfüllte den Raum.<br> | ||
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Dass dieses Heim erkleckliche Teile Urbasis, ja halbe Stadtviertel umfasste, ließ sie geflissentlich ebenso unerwähnt wie die immensen kulturellen Unterschiede zwischen der [[Metropole]] und der Bergstadt. Und an Timor gerichtet, fuhr sie warmherzig fort: ''“Euer Herr Vater hat Euch Weisheit mit dieser Einstellung vermacht. Bewahrt sie.”''<br> | Dass dieses Heim erkleckliche Teile Urbasis, ja halbe Stadtviertel umfasste, ließ sie geflissentlich ebenso unerwähnt wie die immensen kulturellen Unterschiede zwischen der [[Metropole]] und der Bergstadt. Und an Timor gerichtet, fuhr sie warmherzig fort: ''“Euer Herr Vater hat Euch Weisheit mit dieser Einstellung vermacht. Bewahrt sie.”''<br> | ||
Beide Damen platzierten sich. Esquiria Giulia ergriff das Wort, erleichtert, dass sich die weltgewandte Jüngere so trefflich mit den Herren verstand und das Eis gebrochen war.<br> | Beide Damen platzierten sich. Esquiria Giulia ergriff das Wort, erleichtert, dass sich die weltgewandte Jüngere so trefflich mit den Herren verstand und das Eis gebrochen war.<br> | ||
''“Berichtet doch bitte: was gibt es aus Eurer Heimatstadt zu berichten. Wie lebt es sich dort? Was muss man unbedingt gesehen haben, wenn man Efferdas besucht?”'' | ''“Berichtet doch bitte: was gibt es aus Eurer Heimatstadt zu berichten. Wie lebt es sich dort? Was muss man unbedingt gesehen haben, wenn man Efferdas besucht?”''<br> | ||
[[Bild:Timor d Antara.jpg|thumb| | [[Bild:Timor d Antara.jpg|thumb|150px|right|Begleitet seinen Vater: [[Timor d'Antara]]]] | ||
Phelizzio lehnte sich ein wenig vor, als hätte man ihm eine besonders angenehme Erinnerung geöffnet. Seine Haltung wurde lockerer, fast heiter, ganz anders als noch zu Beginn der Unterredung.<br> | Phelizzio lehnte sich ein wenig vor, als hätte man ihm eine besonders angenehme Erinnerung geöffnet. Seine Haltung wurde lockerer, fast heiter, ganz anders als noch zu Beginn der Unterredung.<br> | ||
''„Ah … Efferdas.“''<br> | ''„Ah … Efferdas.“''<br> | ||
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''„Für Städte, die fleißig, strebsam und stolz sind”'', sagte er anerkennend. | ''„Für Städte, die fleißig, strebsam und stolz sind”'', sagte er anerkennend. | ||
So floß der Wein und der Abend dahin. Das beständige Werben der beiden geadelten Schiffbauer hielten die beiden Damen zwar auf freundlicher Distanz, weil die wenigen trägen Frachtkähne der Silbertaler und der [[Zünfte Urbasis#Silberzunft|Silberzunft]] seit Angedenken in der Hand der hiesigen [[Zünfte Urbasis#Holzzunft|Holzzunft]] | So floß der Wein und der Abend dahin. Das beständige Werben der beiden geadelten Schiffbauer hielten die beiden Damen zwar auf freundlicher Distanz, weil die wenigen trägen Frachtkähne der Silbertaler und der [[Zünfte Urbasis#Silberzunft|Silberzunft]] seit Angedenken in der Hand der hiesigen [[Zünfte Urbasis#Holzzunft|Holzzunft]] lagen, behielten aber die Erzählungen von der Kraft der Innovation in sehr guter Erinnerung.<br> | ||
Viele Monate später traf daher ein Brief in Efferdas ein. | Viele Monate später traf daher ein Brief in Efferdas ein. | ||