Briefspiel:Plötzlich Delegierte/Treffen in Vinsalt VIII: Unterschied zwischen den Versionen

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Dann sah er aufs inzwischen bis fast an den großen Tisch herangezogene Beistelltischchen, die darauf abgestellte, halbleere Weinkaraffe und danach aufs erschreckend leere Kristallglas Rahjalins … und besann sich der Gastfreundschaft, einer weiteren Tugend, die zu erringen ihm auch im Verlauf des Spiels an diesem Abend schon vergönnt gewesen war.<br>
Dann sah er aufs inzwischen bis fast an den großen Tisch herangezogene Beistelltischchen, die darauf abgestellte, halbleere Weinkaraffe und danach aufs erschreckend leere Kristallglas Rahjalins … und besann sich der Gastfreundschaft, einer weiteren Tugend, die zu erringen ihm auch im Verlauf des Spiels an diesem Abend schon vergönnt gewesen war.<br>
''„Darf ich euch noch nachschenken, Monsignore?“'', fragte er ihn mit einem herzlichen Lächeln.
''„Darf ich euch noch nachschenken, Monsignore?“'', fragte er ihn mit einem herzlichen Lächeln.
''„Ja, danke.“''<br>
Rahjalin lächelte leicht, als Auricanius ihm nachschenkte.<br>
''„In einem Punkt jedoch muss ich Euch widersprechen“'', mischte der Rahjani sich dann zur Verwunderung aller Anwesenden erstmals aktiv ins Gespräch ein. Seine Stimme war ruhig, kontrolliert, irgendwie erhaben und doch gleichzeitig schwer durch das Gewicht des Lebens.<br>
''„Wir wiegen sehr wohl Tugenden gegeneinander auf. Das tun wir jeden Tag. Und es ist auch richtig so, denn nicht alles ist gleichwertig.“''<br>
Jetzt blickte er nicht mehr seinen Nachbarn an, nein, er sah direkt zu seiner Tochter.<br>
''„Und manchmal … da entscheiden wir uns für das Falsche. Viel zu oft. Dann haben wir verloren. Auch wenn wir anderes gewinnen durch unsere Entscheidung, ist dies doch ein bitterer Sieg. Und wir können unserem jüngeren Ich nie verzeihen.“''<br>
Es war still geworden. Rahjalin war an der Reihe, deckte wie nebenbei die nächste Tugend auf. Es war die Königstugend des Boron: Vergebung. Er starrte die Karte mit großen Augen an, unfähig zu sprechen oder auch nur den Blick von diesem einen verschnörkelten Wort zu nehmen. Das war Rahjadas Handschrift, nun, ihre Kalligraphie-Handschrift, aber doch unverkennbar ihre.<br>
Rahjadas heftiges Ausatmen zog die Aufmerksamkeit auf sie. Während ihr Vater noch immer auf die Karte starrte, als wäre ein Alveraniar vom Himmel herabgestiegen und hätte sie ihm persönlich überreicht, erhob sie sich wortlos und verließ den Salon.<br>
Rahjalin brauchte einige Herzschläge, dann nahm er die Karte langsam und ohne zu fragen an sich, stand auf und folgte seiner Tochter.
Auricanius musste sich zunächst zurückhalten, als Rahjalin ihm bezüglich des Aufwiegens von Tugenden widersprach. Im Prinzip vertrat er ja die Ansicht, dass die Tugenden nicht miteinander konkurrieren müssten. Er erkannte dann aber, dass es Rahjalin gerade um etwas anderes ging, und beobachtete aufmerksam, wohin der Vorstoß führte.<br>
Nachdem Tochter und Vater den Salon verlassen hatten, räusperte er sich und fragte trocken in die Runde: ''„Was haltet ihr davon, wenn wir an dieser Stelle eine kurze Pause machen?“''<br>
Die übrigen Anwesenden wirkten unentschlossen.<br>
''„Grazioso“'', wandte er sich direkt an Rohalion, ''„wollt ihr vielleicht noch einen Blick in die kleine Bibliothek werfen, die [[Panthino von Urbet|mein Vetter]] angelegt hat? Und würdet ihr, Signora ...“'' Er sprach dabei Elissa an. ''„… mir die Ehre eurer Gesellschaft erweisen. Womöglich mag euer Kunstverstand in der Galerie uns erneut neue Erkenntnisse eröffnen …“''


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