Briefspiel:Kaiserjagd/Travia und Rahja I: Unterschied zwischen den Versionen
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==Travia und Rahja== | ==Travia und Rahja== | ||
''4. Firun [[1046 BF]] abends, im Schlosshof [[Mortecervi]]s'' | ''4. Firun [[1046 BF]] abends, im Schlosshof [[Mortecervi]]s'' | ||
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Als [[Erlan Sirensteen]] von dem philosophischen Salon zu | ===Erlans Ankunft=== | ||
Als [[Erlan Sirensteen]] von dem philosophischen Salon zu Travia und Rahja vernommen hatte, war sein Interesse geweckt. Besonders reizte ihn die Sichtweise des Auricanius von Urbet. Und auch die Perspektive der [[Aldigonenser]] schien ihm von Gewicht. Vielleicht, so ging es ihm durch den Sinn, sollte er dies bei Gelegenheit im Orden selbst zur Sprache bringen.<br> | |||
'' | 'Ein schönes Schloss', dachte er bei sich, als er in den Innenhof zurückkehrte.<br> | ||
Für einen Moment hatte er sich dem Trubel entzogen – ohne Knappen, ohne Verwandte, ohne Verpflichtung. Solche Augenblicke waren selten genug.<br> | |||
Für einen Moment hatte er sich dem Trubel entzogen – ohne Knappen, ohne Verwandte, ohne Verpflichtung. Solche Augenblicke waren selten genug. | Vor ihm erhob sich das Zelt, in welchem der Salon stattfinden sollte. Gedämpfte Stimmen drangen bereits nach außen, vermischt mit leisem Lachen. Als er eintrat, sah er, dass sich die meisten Gäste noch an der Rückseite sammelten, wo Getränke und kleine Speisen gereicht wurden. Einzelne hatten sich bereits in Gespräche vertieft. Noch hatte die eigentliche Veranstaltung nicht begonnen, er war auch etwas zu früh vor Ort.<br> | ||
Erlan suchte sich einen Platz abseits, von dem aus er den noch freien vorderen Bereich des Zeltes überblicken konnte. Er suchte nicht das Gespräch – doch wer ihm begegnete, wurde mit einem höflichen Nicken bedacht.<br> | |||
Vor ihm erhob sich das Zelt, in welchem der Salon stattfinden sollte. Gedämpfte Stimmen drangen bereits nach außen, vermischt mit leisem Lachen. Als er eintrat, sah er, dass sich die meisten Gäste noch an der Rückseite sammelten, wo Getränke und kleine Speisen gereicht wurden. Einzelne hatten sich bereits in Gespräche vertieft. Noch hatte die eigentliche Veranstaltung nicht begonnen, er war auch etwas zu früh vor Ort. | Ein Diener reichte ihm Wein, den er mit einem leichten Neigen des Kopfes entgegennahm. Rahja war bei solchen Anlässen selten fern.<br> | ||
Ein Diener reichte ihm Wein, den er mit einem leichten Neigen des Kopfes entgegennahm. | |||
Langsam öffnete er sein [[Vinsalter Ei]]. Zweimal ließ er den Mechanismus einrasten, ehe er es erneut aufklappte. Die kunstvolle Mechanik trat zurück – und machte der Illusion Platz, die eine kundige Magierin in das Werk gebannt hatte. | Langsam öffnete er sein [[Vinsalter Ei]]. Zweimal ließ er den Mechanismus einrasten, ehe er es erneut aufklappte. Die kunstvolle Mechanik trat zurück – und machte der Illusion Platz, die eine kundige Magierin in das Werk gebannt hatte. | ||
[[Bild:Erlan_Sirensteen_Kaiserjagd_Vinsalter_Ei.jpg|thumb|300px|left|[[Erlan Sirensteen]] im philosophischen Salon beim Blick auf das (magische) [[Vinsalter Ei]]]] | |||
Das Ziffernblatt verschwand.<br> | |||
Stattdessen sah er [[Shahane Sirensteen|Shahane]]. Und sich selbst. Jünger. Unbeschwerter.<br> | |||
Er wusste sofort, wann dies gewesen war. Nicht ihre erste Begegnung – nicht jener vorsichtige Anfang. Nein. Es war die Reise auf die [[Zyklopeninseln]]. Ein Augenblick, der mehr gewesen war als bloße Erinnerung.<br> | |||
Ein Lächeln.<br> | |||
Ein Blick.<br> | |||
[[Bild:Erlan_Sirensteen_Kaiserjagd_Vinsalter_Ei.jpg|thumb| | Und die Entscheidung, diesem nachzugeben.<br> | ||
Was dort begonnen hatte, war nicht aus Kalkül geboren worden. Kein Bündnis, kein wohlüberlegter Schritt im Geflecht von Erwartungen und Verpflichtungen.<br> | |||
Er wusste sofort, wann dies gewesen war. Nicht ihre erste Begegnung – nicht jener vorsichtige Anfang. Nein. Es war die Reise auf die [[Zyklopeninseln]]. Ein Augenblick, der mehr gewesen war als bloße Erinnerung. | Es war gewachsen. Und später – [[Briefspiel:Rahjenbund beider Yaquirien|unter den Augen der Götter]] – besiegelt worden. Rahja hatte den Anfang geschenkt. Travia hatte ihm Bestand verliehen.<br> | ||
Erlan ließ den Blick noch einen Moment auf der kleinen Darstellung ruhen, ehe er das Vinsalter Ei wieder schloss.<br> | |||
Ein Lächeln. | Als er sich umwandte, hatten sich weitere Gäste eingefunden. Die Stimmen im Zelt waren zahlreicher geworden, die Gespräche lebhafter.<br> | ||
Während er wartete, verweilte sein Gedanke noch einen Augenblick bei den beiden Göttinnen.<br> | |||
Ein Blick. | |||
Und die Entscheidung, diesem nachzugeben. | |||
Was dort begonnen hatte, war nicht aus Kalkül geboren worden. Kein Bündnis, kein wohlüberlegter Schritt im Geflecht von Erwartungen und Verpflichtungen. | |||
Es war gewachsen. | |||
Und später – [[Briefspiel:Rahjenbund beider Yaquirien|unter den Augen der Götter]] – besiegelt worden. | |||
Erlan ließ den Blick noch einen Moment auf der kleinen Darstellung ruhen, ehe er das Vinsalter Ei wieder schloss. | |||
Als er sich umwandte, hatten sich weitere Gäste eingefunden. Die Stimmen im Zelt waren zahlreicher geworden, die Gespräche lebhafter. | |||
Während er wartete, verweilte sein Gedanke noch einen Augenblick bei den beiden Göttinnen. | |||
''„Rahja mag den Funken schenken. Doch was bleiben soll, gehört Travia.“'' | ''„Rahja mag den Funken schenken. Doch was bleiben soll, gehört Travia.“'' | ||
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===Eine Unterbrechung=== | |||
''Eine ganze Weile später:'' | ''Eine ganze Weile später:'' | ||
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===Der Baron und die Herzogin=== | |||
''Währenddessen im Urbeter Zelt:'' | ''Währenddessen im Urbeter Zelt:'' | ||
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''„… eure Nichte hat das Schloss verschenkt.“'' | ''„… eure Nichte hat das Schloss verschenkt.“'' | ||
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===Nach dem Bankett=== | |||
Der Schnee knirschte unter seinen Stiefeln, als er zum Zelt zurückkehrte. Stimmen drangen ihm entgegen, gedämpfter als zuvor, doch nicht minder lebendig. Hier sammelten sich jene, die gehört werden wollten — oder lernen mussten, wie man es wurde. Als er eintrat, ließ er den Blick kurz durch den Raum schweifen. Und blieb hängen. Etwas abseits, nicht isoliert, aber bewusst zurückgenommen, saß ein Mann mit Haltung. Kein Suchender — eher ein Beobachter. Der Wein in seiner Hand war unberührt genug, um nicht bloß Zierde zu sein. Und die Art, wie er den Raum musterte, verriet: Dieser Mann war es gewohnt, sich nicht treiben zu lassen. Timor trat näher. | Der Schnee knirschte unter seinen Stiefeln, als er zum Zelt zurückkehrte. Stimmen drangen ihm entgegen, gedämpfter als zuvor, doch nicht minder lebendig. Hier sammelten sich jene, die gehört werden wollten — oder lernen mussten, wie man es wurde.<br> | ||
Als er eintrat, ließ er den Blick kurz durch den Raum schweifen. Und blieb hängen. Etwas abseits, nicht isoliert, aber bewusst zurückgenommen, saß ein Mann mit Haltung. Kein Suchender — eher ein Beobachter. Der Wein in seiner Hand war unberührt genug, um nicht bloß Zierde zu sein. Und die Art, wie er den Raum musterte, verriet: Dieser Mann war es gewohnt, sich nicht treiben zu lassen. [[Timor d'Antara|Timor]] trat näher.<br> | |||
„Ein ruhiger Platz für einen so lebhaften Abend“, bemerkte er mit höflicher Zurückhaltung. | ''„Ein ruhiger Platz für einen so lebhaften Abend“'', bemerkte er mit höflicher Zurückhaltung.<br> | ||
Der Angesprochene wandte sich ihm zu.<br> | |||
Der Angesprochene wandte sich ihm zu. | [[Erlan Sirensteen|Erlan]] musterte ihn kurz — nicht prüfend im engeren Sinne, sondern einordnend. Dann neigte er leicht den Kopf.<br> | ||
''„Man sieht mehr von hier“'', erwiderte er ruhig.<br> | |||
[[Erlan Sirensteen]] musterte ihn kurz — nicht prüfend im engeren Sinne, sondern einordnend. Dann neigte er leicht den Kopf. | Timor lächelte.<br> | ||
''„Und wird selbst weniger gesehen.“''<br> | |||
„Man sieht mehr von hier“, erwiderte er ruhig. | ''„Es ist doch von Vorteil, wenn man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann“'', sagte Erlan.<br> | ||
Ein kurzer Moment entstand — nicht unangenehm, eher … abwägend.<br> | |||
Timor lächelte. | Dann sprach Timor erneut: ''„Timor d'Antara.“''<br> | ||
Erlan nickte.<br> | |||
„Und wird selbst weniger gesehen.“ | ''„Erlan Sirensteen.“''<br> | ||
Keine Titel. Kein Zusatz. Doch genug Gewicht in der bloßen Nennung. Zudem reichte man sich zur Begrüßung die Hand, was absolut nicht dem Standesprotokoll entsprach.<br> | |||
„Es ist doch von Vorteil, wenn man das | Timors Blick wurde einen Hauch aufmerksamer.<br> | ||
''„Darf ich mich setzten, wenn Ihr es erlaubt?"'', fragte der junge Efferdier.<br> | |||
Ein kurzer Moment entstand — nicht unangenehm, | |||
Dann sprach Timor erneut: | |||
„Timor | |||
Erlan nickte. | |||
„Erlan Sirensteen.“ | |||
Keine Titel. Kein Zusatz. Doch genug Gewicht in der bloßen Nennung. Zudem reichte man sich zur Begrüßung die Hand, was absolut nicht dem Standesprotokoll entsprach. | |||
Timors Blick wurde einen Hauch aufmerksamer. | |||
„Darf ich mich setzten, wenn Ihr es erlaubt?", fragte der junge Efferdier. | |||
Während er den kleinen Schluck trank, überlegte sich Erlan, ob sein Gesprächspartner noch mitbekommen hatte, wie er das Vinsalter Ei geöffnet hatte, kam aber zu dem Schluss, dass das wohl nicht der Fall war. Und dann überlegte er sich, ob er diesem Mann bereits mal begegnet war, doch nach allem was er jetzt so wusste, war das nicht der Fall. | Der [[Comto]] wies mit der Hand auf einen freien Sitzplatz hin, auf den sich Timor dann setzte. In dem Moment kam auch gerade ein Diener und auf Erlans Bitte hin, wurde ihm nachgeschenkt und seinem Gast auch Wein gereicht.<br> | ||
Danach sprach dann Erlan: ''„Nun, alles andere wäre ja nicht wirklich im Sinne Travias. Und gerade das wäre bei diesem philosophischen Salon heute eher merkwürdig, nicht wahr?“''<br> | |||
Er nippte noch etwas am Wein.<br> | |||
Während er den kleinen Schluck trank, überlegte sich Erlan, ob sein Gesprächspartner noch mitbekommen hatte, wie er das Vinsalter Ei geöffnet hatte, kam aber zu dem Schluss, dass das wohl nicht der Fall war. Und dann überlegte er sich, ob er diesem Mann bereits mal begegnet war, doch nach allem, was er jetzt so wusste, war das nicht der Fall. | |||
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