Briefspiel:Die Vistelli-Drillinge: Unterschied zwischen den Versionen
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Diesmal zögerte sie nicht. | Diesmal zögerte sie nicht. | ||
===[[Iridanië II. Vistelli]] an [[Rahjane Vistelli]]=== | |||
An meine Mutter, die sogar den Ernst noch mit Haltung trägt<br> | |||
[[Farsid]], eine Woche nach Erhalt deines Briefes | |||
Mutter,<br> | |||
dein Schreiben war kürzer als gewohnt, und gerade deshalb schwerer als manche Abhandlung, die hier unter Goldschnitt und falscher Bescheidenheit zirkuliert.<br> | |||
Du schreibst, die Stadt stehe. Das ist ein Satz, der in [[Farsid]] bereits als Heldenerzählung weitergegeben wird, geschniegelt, geschniegelt falsch und geschniegelt rührend. Aber ich kenne deinen Stil. Wenn du schreibst, [[Sewamund]] stehe, dann höre ich das Knirschen der Mauern, das Schweigen nach dem Lärm, die Listen, die nicht nur Namen, sondern auch Verluste ordnen.<br> | |||
Du verlangst meinen Blick vor Ort. Das ehrt mich mehr, als ich schreiben kann, und beunruhigt mich gleichermaßen. Hier wird mir beigebracht, man müsse Wahrheit wie Glas tragen: ruhiger Hand und in dem Wissen, dass sie splittert, wenn man zu fest zupackt. In Sewamund aber, so scheint mir, liegen die Splitter bereits auf dem Boden, und jemand muss den Mut haben, nicht wegzusehen.<br> | |||
Ich werde kommen.<br> | |||
Nicht als Zier eines Hauses oder als Tochter, die artig Betroffenheit vorführt, sondern als jemand, der zuhört, notiert und benennt. Du forderst mein Unbehagen, du sollst es haben. Es reist ohnehin immer mit, nur meist gar besser gekleidet.<br> | |||
Ich werde Aufzeichnungen mitbringen, auch aus hiesigen Gesprächszirkeln. Man spricht bereits über Sewamund, wie man in Farsid über ferne Brände spricht: fasziniert, vorsichtig, mit diskreter Hoffnung, Feuer sei lehrreich, solange es nicht den eigenen Salon erreiche. Ich habe zugehört, habe Namen behalten, vielleicht wird etwas davon nützlich sein.<br> | |||
Sag [[Orban Vistelli|Vater]], dass ich diesmal nicht nur Beobachtungen mitbringe, sondern auch Fragen. Und richte Oma [[Tsaida Tribêc|Tsaida]] aus, ich habe ihre Stimme nicht vergessen. Manche ihrer Sätze klingen selbst dann in mir weiter, wenn der Raum längst leer ist.<br> | |||
Und du, Mutter, achte auf deinen Arm. Du neigst dazu, Verwundungen wie unpassende Gäste zu behandeln: mit Charme, Ungeduld und dem stillen Wunsch, sie mögen sich von selbst entfernen.<br> | |||
Bis bald in Sewamund.<br> | |||
Deine Iridanië | |||
[[Bild:Familie Vistelli 1048_2.jpg|thumb|300px|Die Vistellis 1048 BF]] | [[Bild:Familie Vistelli 1048_2.jpg|thumb|300px|Die Vistellis 1048 BF]] | ||
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