Briefspiel:Der Tod des Patriarchen/Leichenschmaus: Unterschied zwischen den Versionen
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Bassiano ließ den Blick durch den Raum schweifen und konnte kurz seinen [[Cassius Bolburri|Vater]] beobachten, der sich natürlich vor allem um die Gäste kümmerte. Nun würde die Verantwortung auf seinen Schultern liegen, und Bassiano ahnte, dass sein Vater als Familienoberhaupt einiges anderes machen würde als sein Großvater. Dem blickte er mit gemischten Gefühlen entgegen. Bevor er sich jedoch weiter darüber Gedanken machen konnte, musste er sich schon wieder erheben, um die nächste Beileidsbekundung entgegenzunehmen. | Bassiano ließ den Blick durch den Raum schweifen und konnte kurz seinen [[Cassius Bolburri|Vater]] beobachten, der sich natürlich vor allem um die Gäste kümmerte. Nun würde die Verantwortung auf seinen Schultern liegen, und Bassiano ahnte, dass sein Vater als Familienoberhaupt einiges anderes machen würde als sein Großvater. Dem blickte er mit gemischten Gefühlen entgegen. Bevor er sich jedoch weiter darüber Gedanken machen konnte, musste er sich schon wieder erheben, um die nächste Beileidsbekundung entgegenzunehmen. | ||
==Politische Plauderei== | ==Politische Plauderei== | ||
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Auch der Almadaner hob das Glas zum Trost. “Genau, auf dass auch auf uns eines Tages solche Reden gehalten werden.” | Auch der Almadaner hob das Glas zum Trost. “Genau, auf dass auch auf uns eines Tages solche Reden gehalten werden.” | ||
==Väter und ihre Söhne== | ==Väter und ihre Söhne== | ||
[[Horasio Amarinto]] stand vor der weit geöffneten, schweren Eichentür des großen Bankettsaals des Palazzo Bolburri. Der Geruch von Speisen und Getränken wehte ihm entgegen. Es war ein seltsames Gefühl, wieder in Unterfels zu sein, bei seinem letzten Besuch hatte er noch mit dem verstorbenen Bassiano Bolburri über die Verlobung seines Sohnes [[Hesindiago Amarinto|Hesindiago]] mit Bassianos Urenkelin [[Bellatrice Bolburri|Bellatrice]] verhandelt. Neben ihm scharrte sein Sohn schon ungeduldig mit den Füßen, die Hände lässig auf dem Gürtel. Der junge Mann trug die Farben der [[Familie Amarinto]], doch sein Auftreten war alles andere als ritterlich. | [[Horasio Amarinto]] stand vor der weit geöffneten, schweren Eichentür des großen Bankettsaals des Palazzo Bolburri. Der Geruch von Speisen und Getränken wehte ihm entgegen. Es war ein seltsames Gefühl, wieder in Unterfels zu sein, bei seinem letzten Besuch hatte er noch mit dem verstorbenen Bassiano Bolburri über die Verlobung seines Sohnes [[Hesindiago Amarinto|Hesindiago]] mit Bassianos Urenkelin [[Bellatrice Bolburri|Bellatrice]] verhandelt. Neben ihm scharrte sein Sohn schon ungeduldig mit den Füßen, die Hände lässig auf dem Gürtel. Der junge Mann trug die Farben der [[Haus Amarinto|Familie Amarinto]], doch sein Auftreten war alles andere als ritterlich. | ||
„Vater, wie lange willst du hier noch stehen? Wenn ich noch einen Moment länger auf das Essen warten muss, werde ich noch verhungern,“ murrte Hesindiago leise, während er seine frisch gebügelte Weste zurechtrückte. Horasio warf seinem Sohn einen tadelnden Blick zu. „Beherrschung, Hesindiago. Das ist ein Leichenschmaus, kein Gelage. Du bist hier, um der Familie deiner Verlobten Mitgefühl auszudrücken.“ Hesindiago zuckte mit den Schultern und ließ den Blick durch den reich geschmückten Flur schweifen. Bellatrice, die junge Urenkelin des verstorbenen Bassiano und seine Verlobte, stand in einer Ecke und sprach leise mit einer Cousine. Hesindiago musterte sie mit einem Lächeln, das eher selbstzufrieden als zärtlich wirkte. | „Vater, wie lange willst du hier noch stehen? Wenn ich noch einen Moment länger auf das Essen warten muss, werde ich noch verhungern,“ murrte Hesindiago leise, während er seine frisch gebügelte Weste zurechtrückte. Horasio warf seinem Sohn einen tadelnden Blick zu. „Beherrschung, Hesindiago. Das ist ein Leichenschmaus, kein Gelage. Du bist hier, um der Familie deiner Verlobten Mitgefühl auszudrücken.“ Hesindiago zuckte mit den Schultern und ließ den Blick durch den reich geschmückten Flur schweifen. Bellatrice, die junge Urenkelin des verstorbenen Bassiano und seine Verlobte, stand in einer Ecke und sprach leise mit einer Cousine. Hesindiago musterte sie mit einem Lächeln, das eher selbstzufrieden als zärtlich wirkte. | ||