Briefspiel:Der Tod des Patriarchen/Leichenschmaus: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Gespräche setzten langsam wieder ein, den meisten sah man die Missbilligung über das Verhalten des jungen Bolburris an. Malvolio trat kurz zu Horasio und lächelte ihn freudlos an. “Soviel also da zu. Bitte entschuldigt mich. Ich brauche frische Luft” Horasio Amarinto blickte ihn verständnisvoll an. “Natürlich.” Malvolio schaute kurz zu seiner [[Telora Rinaldo|Gemahlin Telora]] und ging aus dem Raum.
Die Gespräche setzten langsam wieder ein, den meisten sah man die Missbilligung über das Verhalten des jungen Bolburris an. Malvolio trat kurz zu Horasio und lächelte ihn freudlos an. “Soviel also da zu. Bitte entschuldigt mich. Ich brauche frische Luft” Horasio Amarinto blickte ihn verständnisvoll an. “Natürlich.” Malvolio schaute kurz zu seiner [[Telora Rinaldo|Gemahlin Telora]] und ging aus dem Raum.
==Ein unerwarteter Gast==
Cassius Bolburri hatte einen seltenen Moment der Ruhe gefunden. Zwischen Danksagungen, kurzen Gesprächen und stillen Gesten gönnte er sich einen Schluck Wein, als ein ihm unbekannter junger Mann auf ihn zutrat – zurückhaltend, aber mit selbstverständlicher Höflichkeit. Die dunkle, edle Gewandung war borongefällig schlicht, kein Wappen zierte die Brust, keine Farben wiesen auf ein Haus. Und doch – etwas in Haltung und Blick sprach von Herkunft und Bildung. Cassius musterte ihn einen Herzschlag lang, in dem Gefühl, ihn kennen zu müssen, doch ohne Gewissheit.
Der junge Mann verneigte sich tief. „Signore Cassius Bolburri. Auf ein Wort.“ Seine Stimme war ruhig, klar, und trug jenen Tonfall, den man in den Sälen von [[Vinsalt]] ebenso wie in dem Palazzo della Signoria von Unterfels kannte. „Mein Name ist [[Amando Sirensteen|Amando Rahjin Sirensteen]], Sohn von [[Erlan Sirensteen|Erlan]] und Shahane Sirensteen.“
Cassius konnte seine große Überraschung gekonnt verbergen und hob nur dezent die Brauen. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Die Augen. Die kannte er. Wenn auch bei wem anders. Er deutete ein leichtes Lächeln an. Amando hatte die Situation beobachtet, niemand schien diesem Zwiegespräch jetzt die Aufmerksamkeit zu schenken. Das war auch in seinem Interesse - wobei er gar nicht wusste, warum eigentlich, denn natürlich hätte er auch unter vollster Aufmerksamkeit des gesamten Hauses das selbe gesagt.
„Ich bin in Vertretung meines Vaters anwesend – und ich bitte Euch, seinen ausdrücklichen Gruß und seine tief empfundene Anteilnahme noch einmal entgegenzunehmen. Jetzt durch mich. Denn eigentlich hätte mein Vater bereits gestern im Palast zu Vinsalt erscheinen müssen. Doch er ließ es sich nicht nehmen, noch an der öffentlichen Trauerfeier für Euren Vater teilzunehmen – als Zeichen des Respekts, der Verbundenheit und der aufrichtigen Wertschätzung. Erst unmittelbar nach der Zeremonie bestieg er einen Schnellsegler und reiste yaquirabwärts und bat mich daher ihn zu vertreten.“
Amando machte eine kurze Pause, ehe er weitersprach: „Im Namen meiner Eltern – und in meinem eigenen – spreche ich Euch, Eurer Familie und dem ganzen Hause Bolburri unser tief empfundenes Beileid aus. Mein Vater sprach oft mit großem Respekt von Eurem Vater – als Mitstreiter für ein starkes Unterfels, als ruhenden Pol, als verlässlichen Partner und als Mann, dem man zuhören konnte, weil seine Worte wogen.“ Er senkte kurz den Blick, dann hob er ihn wieder. „Mein Vater bat mich ausdrücklich, Euch zu versichern, dass sämtliche Vereinbarungen und Verständigungen zwischen unseren Häusern selbstverständlich fortgelten – und auf Euren Wunsch hin gerne vertieft oder erweitert werden können. In bewegten Zeiten ist es umso wichtiger, auf vertraute Bande zu bauen. Und Verlässlichkeit habt Ihr beim [[Haus Sirensteen|Hause Sirensteen]].“ Er trat einen halben Schritt zurück – eine höfische Geste des Respekts. „Zugleich darf ich Euch – im Namen meines Vaters und meiner Mutter – in den [[Palazzo Arindello]] einladen. Wann immer es Euch beliebt. Für ein Gespräch, für einen ruhigen Abend, für den Beginn dessen, was wir künftig miteinander teilen wollen.“
Cassius trat nun ganz an ihn heran, nahm Amandos Hand mit ruhiger Würde und hielt sie einen Moment lang fest. Dann sprach er leise: „Ich danke Euch. Und Eurem Vater. Seine Worte – durch Euch – bedeuten mir sehr viel. Und auch seine Geste, am Sarge meines Vaters zu stehen, wird mir unvergessen bleiben.“ Er beugte sich ein wenig vor, senkte die Stimme noch weiter – fast ein Flüstern: „Ich muss gestehen… ich hatte Euch erst nicht erkannt. Doch das grüne Feuer in den Augen – ganz der Vater. Und Eure Worte… ganz der Sohn des Diplomaten.“ Cassius ließ die Hand los, aber nicht die Wertschätzung, die in seinem Blick lag. „Habt Dank, Amando Rahjin.“ Letztgenannter ging ein paar Schritte zurück und nahm das Angebot eines livrierten Dieners ein Getränk zu sich zu nehmen gerne an. Mit dem Weinkelch ging er in dem großen Saal zum Rand hin, wo das Büffet aufgebaut war und einige Leute beisammen standen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie schon weitere Gäste dem neuen Familienoberhaupt ihre Aufwartung machten.




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