Briefspiel:Eine ungewöhnliche Verhandlung: Unterschied zwischen den Versionen
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==Ankunft== | ==Ankunft== | ||
Für [[Methelessa Gerber]] war die ganze Reise ein einziges großes Abenteuer. Schon die Seereise hatte sie fasziniert. Bisher hatte sie die Schiffe nur von Land aus betrachtet und nun war sie auf einer [[Karavelle]] von [[Efferdas]] nach [[Sewamund]] gereist. Dass nicht jede Reise auf den Meeren derart beschaulich vonstatten ging, darüber machte sich die junge Frau keine Gedanken. Stattdessen hatte sie ihrem Onkel einen ordentlichen Schreck beschert, als sie in einem Anfall von Übermut und Neugier die Wanten empor gestiegen war, um zu sehen, was für einen Ausblick man vom Krähennest wohl hatte. Was hatte ihm seine Frau nur aufgebürdet, als sie beschloss, ihn mit dieser Mission zu betrauen. Eigentlich hatte er gedacht, sein Part sei mit der Vermittlung des Kontaktes erledigt und [[Quenia Gerber|Quenia]] würde sich selbst der Sache annehmen, aber nein, das Familienoberhaupt hatte dringende Angelegenheiten in [[Efferdas]] zu erledigen.<br> | |||
Nach der Ankunft in Sewamund war man im renommierten [[Hotel Sewakblick]] für die Nacht untergekommen. Noch am Nachmittag hatte [[Gwyn Cynwal|Gwyn Gerber]] drei Pferde, zwei Reit-und ein Packpferd im Mietstall der [[Familie Degano]] für den nächsten Tag organisiert. | |||
Nach einer erholsamen Nacht und einem stärkenden Morgenmahl waren sie am frühen Morgen aufgebrochen. Während für Gwyn alles bekannt und vertraut war, kam die junge Frau nicht aus dem Staunen und wurde nicht müde ihm ihre Entdeckungen zu zeigen.<br> | |||
So machte der 52-jährige gute Miene und freute sich mit seinem Schützling über die Schönheiten der Umgebung.<br> | |||
Sie hatten Sewamund durch das Garlischgrötzer Tor Richtung Norden verlassen und waren der [[König-Khadan-Straße]] gefolgt. Zu ihrer Linken stets die [[Grangorer Bucht]], von der stets ein angenehmer Wind ins Land hinein blies, zu ihrer Rechten das Land, welches die [[Phecadien|Phecadier]] mit Hilfe von beeindruckenden Deichkonstruktionen dem Herrn Efferd abgerungen hatten. Dazu überall die typischen phecadischen Windmühlen. Schließlich erreichten sie das Dorf [[Amarinto]], welches offensichtlich von wohlhabenden Bauern und Handwerkern bewohnt war. Die Häuser waren blumengeschmückt und sauber. Die Menschen gesund und von kräftigem Wuchs, oft mit jedoch erheblich nüchterner und ernsthafterer Miene als die beiden aus der lebenslustigen [[Coverna]] gewohnt waren.<br> | |||
Nach einer erholsamen Nacht und einem stärkenden Morgenmahl waren sie am frühen Morgen aufgebrochen. Während für Gwyn alles bekannt und vertraut war, kam die junge Frau nicht aus dem Staunen und wurde nicht müde ihm ihre Entdeckungen zu zeigen. | Endlich erreichte man die zwar nicht sehr große, aber dennoch beeindruckende Wehranlage. Die [[Feste Amardûn]], auch Gwyn war nun etwas aufgeregt.<br> | ||
So machte der 52-jährige gute Miene und freute sich mit seinem Schützling über die Schönheiten der Umgebung. | Die Feste thronte auf einem kleinen Felsvorsprung oberhalb des Dorfes, am Zusammenfluss zweier Kanäle. Es war keine große Festung, aber strategisch gut gelegen. Auf dem Burgfried flatterte ein rotes Banner mit dem Wappen der [[Haus Amarinto|Amarinto]]. Sie ritten über die Brücke hinauf zum Tor, an dem zwei Waffenknechte in rot-gelben Waffenröcken Wache hielten und die beiden Reiter neugierig beobachteten. Nachdem sie das Tor passiert hatten und sich nun im Inneren der Feste befanden, schwang sich der Kaufmann aus dem Sattel und forderte die fasziniert umher blickende Methelessa auf ebenfalls abzusteigen.<br> | ||
Sie hatten Sewamund durch das Garlischgrötzer Tor Richtung Norden verlassen und waren der [[König-Khadan-Straße]] gefolgt. Zu ihrer Linken stets die [[Grangorer Bucht]], von der stets ein angenehmer Wind ins Land hinein blies, zu ihrer Rechten das Land, welches die [[Phecadien|Phecadier]] mit Hilfe von beeindruckenden Deichkonstruktionen dem | Im Hof der Festung konnte sie einen exotischen Krieger ausmachen. Ein Hüne von mehr als zwei Schritt, mit langem rotblondem Haar und Bart, der eine seltsame Mischung aus horasischer Rüstung und kariertem Rock in Braun- und Grüntönen, sowie das Fell eines Bären als Umhang trug. Er stützte sich auf eine mächtige zweihändige Axt, während er mit einer fast ebenso groß gewachsenen jungen Frau, mit blondem Zopf und in edler horasischer Kleidung nach Grangorer Schnitt redete. Die gutturale Sprache der beiden war vollkommen unverständlich und fremdartig.<br> | ||
Endlich erreichte man die zwar nicht sehr große, aber dennoch beeindruckende Wehranlage. Die [[Feste Amardûn]], auch Gwyn war nun etwas aufgeregt. | |||
Die Feste thronte auf einem kleinen Felsvorsprung oberhalb des Dorfes, am Zusammenfluss zweier Kanäle. Es war keine große Festung, aber strategisch gut gelegen. Auf dem Burgfried flatterte ein rotes Banner mit dem Wappen der [[Haus Amarinto|Amarinto]]. Sie ritten über die Brücke hinauf zum Tor, an dem zwei Waffenknechte in rot-gelben Waffenröcken Wache hielten und die beiden Reiter neugierig beobachteten. Nachdem sie das Tor passiert hatten und sich nun im Inneren der Feste befanden, schwang sich der Kaufmann aus dem Sattel und forderte die fasziniert umher blickende Methelessa auf ebenfalls abzusteigen. | |||
Im Hof der Festung konnte sie einen exotischen Krieger ausmachen. Ein Hüne von mehr als zwei Schritt, mit langem rotblondem Haar und Bart, der eine seltsame Mischung aus horasischer Rüstung und kariertem Rock in Braun- und Grüntönen, sowie das Fell eines Bären als Umhang trug. Er stützte sich auf eine mächtige zweihändige Axt, während er mit einer fast ebenso groß gewachsenen jungen Frau, mit blondem Zopf und in edler horasischer Kleidung nach Grangorer Schnitt redete. Die gutturale Sprache der beiden war vollkommen unverständlich und fremdartig. | |||
Gwyn erblickte ebenfalls das hünenhafte und gerüstete Paar, welches sich in einer ihm nicht geläufigen Sprache unterhielt. Etwas verwundert blickte er zu seiner Nichte. Ihr erstaunter Blick traf den seinen und noch ehe er in der Lage war etwas zu sagen hielt er einen zweiten Zügel in der Hand und konnte mit nun drei Pferden im Schlepptau nur zusehen, wie die junge Frau schnellen Schrittes zu den beiden Kriegern eilte. ''"Verzeiht hohe Herrschaften, ich heiße Methelessa Gerber und bin auf der Suche nach der Castellanin, Esquiria [[Cariana Amarinto]]. Ob mir die hohen Herrschaften wohl sagen können wo ich sie finde?"'' mit freundlichem Lächeln blickte sie von der groß gewachsenen jungen Frau zu dem bärtigen Hünen. | Gwyn erblickte ebenfalls das hünenhafte und gerüstete Paar, welches sich in einer ihm nicht geläufigen Sprache unterhielt. Etwas verwundert blickte er zu seiner Nichte. Ihr erstaunter Blick traf den seinen und noch ehe er in der Lage war etwas zu sagen hielt er einen zweiten Zügel in der Hand und konnte mit nun drei Pferden im Schlepptau nur zusehen, wie die junge Frau schnellen Schrittes zu den beiden Kriegern eilte. ''"Verzeiht hohe Herrschaften, ich heiße Methelessa Gerber und bin auf der Suche nach der Castellanin, Esquiria [[Cariana Amarinto]]. Ob mir die hohen Herrschaften wohl sagen können wo ich sie finde?"'' mit freundlichem Lächeln blickte sie von der groß gewachsenen jungen Frau zu dem bärtigen Hünen. | ||
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Methelessa mochte die warme, etwas tiefere Stimme Skrayanas und sie störte sich weder an dem festen Griff, mit dem sie die Blonde in Richtung Bergfried schob, noch an ihren Äußerungen. Mit festem Unterton entgegnete sie: ''"Ich werde mir euren Rat zu Herzen nehmen. Ein bisschen mehr Fleisch auf den Rippen würde mir sicher nicht schaden!"'' Sie blickte an sich hinab und hatte arge Zweifel dass sich an ihrer Figur arg viel ändern würde, wenn sie noch mehr essen würde, aber das musste sie der Riesentochter nicht auf die Nase binden, stattdessen wechselte sie das Thema und fragte mit nun sehr interessierter Stimme: ''"Sagt was ist das für eine interessante Sprache in der ihr euch mit Mhorginach unterhalten habt? Ob ihr mich wohl darin unterrichten würdet?"'' mit einem Blick, den ein kleines Mädchen wohl ihrer Mutter schenken würde, die sie gerade um ein Stück Zuckerkuchen angefleht hatte, sah sie zu der Knappin hoch. | Methelessa mochte die warme, etwas tiefere Stimme Skrayanas und sie störte sich weder an dem festen Griff, mit dem sie die Blonde in Richtung Bergfried schob, noch an ihren Äußerungen. Mit festem Unterton entgegnete sie: ''"Ich werde mir euren Rat zu Herzen nehmen. Ein bisschen mehr Fleisch auf den Rippen würde mir sicher nicht schaden!"'' Sie blickte an sich hinab und hatte arge Zweifel dass sich an ihrer Figur arg viel ändern würde, wenn sie noch mehr essen würde, aber das musste sie der Riesentochter nicht auf die Nase binden, stattdessen wechselte sie das Thema und fragte mit nun sehr interessierter Stimme: ''"Sagt was ist das für eine interessante Sprache in der ihr euch mit Mhorginach unterhalten habt? Ob ihr mich wohl darin unterrichten würdet?"'' mit einem Blick, den ein kleines Mädchen wohl ihrer Mutter schenken würde, die sie gerade um ein Stück Zuckerkuchen angefleht hatte, sah sie zu der Knappin hoch. | ||
Skrayana zog eine Augenbraue hoch und lachte dann herzlich. ''"Gjalskisch, wie man es in der Heimat meines Vaters nördlich des Orklandes und Thorwals spricht. Ich bringe es dir bei...wenn du in einem Ringkampf länger als eine Minute gegen mich durchhalten kannst."'' Sie grinste herausfordernd. | Skrayana zog eine Augenbraue hoch und lachte dann herzlich. ''"Gjalskisch, wie man es in der Heimat meines Vaters nördlich des Orklandes und Thorwals spricht. Ich bringe es dir bei...wenn du in einem Ringkampf länger als eine Minute gegen mich durchhalten kannst."'' Sie grinste herausfordernd.<br> | ||
Methelessa lächelte zurück und streckte Skrayana ihre Rechte entgegen ''"Das klingt mir nach einem phexgefälligen Handel. Schlag ein, auf das er Gültigkeit hat!"'' Die Blonde schlug ein und die Schwarzhaarige musste kurz die Zähne zusammenbeißen, um ein schmerzvolles Stöhnen zu unterdrücken. Bei Rondra hatte Skrayana einen Händedruck! | Methelessa lächelte zurück und streckte Skrayana ihre Rechte entgegen ''"Das klingt mir nach einem phexgefälligen Handel. Schlag ein, auf das er Gültigkeit hat!"'' Die Blonde schlug ein und die Schwarzhaarige musste kurz die Zähne zusammenbeißen, um ein schmerzvolles Stöhnen zu unterdrücken. Bei Rondra hatte Skrayana einen Händedruck! | ||
Gwyn verfolgte das Geschehen gleichermaßen interessiert wie pikiert. | Gwyn verfolgte das Geschehen gleichermaßen interessiert wie pikiert.<br> | ||
Gerade schlenderte der respekteinflößende Hüne mit der nicht weniger respekteinflößenden Axt an ihm vorbei und warf ihm einen kurzen, musternden Blick zu. Ihm schien es, als habe er ein kurzes, amüsiertes Lächeln auf dem Gesicht des riesenhaften Kriegers gesehen, als dessen Blick auf das Rapier an Gwyns Seite gefallen war. Er mochte es ihm nicht verdenken, hoffte er doch sehr niemals gegen eine solche Urgewalt antreten zu müssen. | Gerade schlenderte der respekteinflößende Hüne mit der nicht weniger respekteinflößenden Axt an ihm vorbei und warf ihm einen kurzen, musternden Blick zu. Ihm schien es, als habe er ein kurzes, amüsiertes Lächeln auf dem Gesicht des riesenhaften Kriegers gesehen, als dessen Blick auf das Rapier an Gwyns Seite gefallen war. Er mochte es ihm nicht verdenken, hoffte er doch sehr niemals gegen eine solche Urgewalt antreten zu müssen.<br> | ||
Als er seinen Blick wieder nach vorn richtete waren die beiden Frauen gerade im Begriff in Richtung des Bergfrieds davonzugehen. ''"Ja bin ich hier der Stallbursche?"'' polterte er los. | Als er seinen Blick wieder nach vorn richtete waren die beiden Frauen gerade im Begriff in Richtung des Bergfrieds davonzugehen. ''"Ja bin ich hier der Stallbursche?"'' polterte er los.<br> | ||
Seine Nichte blieb abrupt stehen und wirbelte mit schuldbewusster Miene zu ihm herum. ''"Verzeih Onkel, ich habe dich ganz vergessen!"'' innerhalb eines Wimpernschlages hatte sich ihr Gesicht knallrot gefärbt. Gwyn schüttelte den Kopf, ja das war Methelessa, kaum hatte sie etwas Interessantes entdeckt, vergaß sie die ganze übrige Welt. Ob sich das jemals ändern würde? ''"Ähmm...Ach ja, das ist Skrayana"'' hektisch deutete sie auf das hünenhafte Mädchen ''"Sie ist die Knappin des Gemahls meiner künftigen Schwertmutter! Skrayana, das ist mein Onkel der ehrenwerte Signor Gwyn Gerber."'' Nervös blickte sie zwischen ihrem Onkel und Skrayana hin und her. Es war ihr ausgesprochen peinlich, dass sie ihren Onkel komplett vergessen hatte, zu sehr war sie von der fremdartigen Sprache und der imposanten Erscheinung von Skrayana und Mhorginach fasziniert gewesen. | Seine Nichte blieb abrupt stehen und wirbelte mit schuldbewusster Miene zu ihm herum. ''"Verzeih Onkel, ich habe dich ganz vergessen!"'' innerhalb eines Wimpernschlages hatte sich ihr Gesicht knallrot gefärbt. Gwyn schüttelte den Kopf, ja das war Methelessa, kaum hatte sie etwas Interessantes entdeckt, vergaß sie die ganze übrige Welt. Ob sich das jemals ändern würde? ''"Ähmm...Ach ja, das ist Skrayana"'' hektisch deutete sie auf das hünenhafte Mädchen ''"Sie ist die Knappin des Gemahls meiner künftigen Schwertmutter! Skrayana, das ist mein Onkel der ehrenwerte Signor Gwyn Gerber."'' Nervös blickte sie zwischen ihrem Onkel und Skrayana hin und her. Es war ihr ausgesprochen peinlich, dass sie ihren Onkel komplett vergessen hatte, zu sehr war sie von der fremdartigen Sprache und der imposanten Erscheinung von Skrayana und Mhorginach fasziniert gewesen. | ||
Skrayana registrierte erst jetzt den Begleiter ihrer neuen ‘Freundin’, sofort veränderte sich ihre Haltung und sie verbeugte sich der Etikette angemessen. ''"Entschuldigt Signor, willkommen in der Feste Amardûn. Esquiria Cariana Amarinto erwartet Euch bereits im großen Saal. Wenn Ihr mir folgen möchtet."'' Innerhalb von Sekundenbruchteilen war aus der jovialen Hünin eine höfliche horasische Adlige geworden. ''"Ah und Signora Methelessa hat das Verhältnis von Cavalliere Dareius und Signora Cariana missverstanden, mein Schwertvater ist der ältere Bruder Signora Carianas und das Oberhaupt des Hauses Amarinto, sowie einer der bekanntesten [[Turnierstreiter]] des Reiches.” Ein gewisser Stolz zeigte sich in ihrem Gesichtsausdruck. | Skrayana registrierte erst jetzt den Begleiter ihrer neuen ‘Freundin’, sofort veränderte sich ihre Haltung und sie verbeugte sich der Etikette angemessen. ''"Entschuldigt Signor, willkommen in der Feste Amardûn. Esquiria Cariana Amarinto erwartet Euch bereits im großen Saal. Wenn Ihr mir folgen möchtet."'' Innerhalb von Sekundenbruchteilen war aus der jovialen Hünin eine höfliche horasische Adlige geworden. ''"Ah und Signora Methelessa hat das Verhältnis von Cavalliere Dareius und Signora Cariana missverstanden, mein Schwertvater ist der ältere Bruder Signora Carianas und das Oberhaupt des Hauses Amarinto, sowie einer der bekanntesten [[Turnierstreiter]] des Reiches.” Ein gewisser Stolz zeigte sich in ihrem Gesichtsausdruck. | ||
Gwyn war überrascht und beeindruckt von Skrayanas Wandlung, ob Methelessa auch einmal so werden könnte? | Gwyn war überrascht und beeindruckt von Skrayanas Wandlung, ob Methelessa auch einmal so werden könnte?<br> | ||
Er neigte leicht sein Haupt ''"Praios zum Gruß Signora Skrayana. Habt bitte keinen falschen Eindruck von uns. Selbstverständlich ist uns der Stammbaum des Hauses Amarinto geläufig und auch der Umstand, dass Signora Cariana den Traviabund noch nicht geschlossen hat. Auch meine Nichte weiß dies mit Sicherheit, nur neigt sie dazu, nicht auf ihr Wissen zurückzugreifen und stattdessen auf ihre...spontanen Eingebungen zu vertrauen und diese leider auch zu äußern."'' Mit einem Kopfschütteln blickte er zu der betreten dreinblickenden Vierzehnjährigen. Mit immer noch hochrotem Kopf starrte sie auf ihre braunen Reitstiefel und wäre am liebsten im Boden versunken. Warum konnte sie sich nicht ein einziges Mal so verhalten, dass sie nicht unangenehm auffiel? Ob man ihr wirklich erzählt hatte, dass ihre künftige Schwertmutter gar keinen Gemahl hatte? Wahrscheinlich, aber diese Sachen waren immer so langweilig und es fiel ihr sehr schwer, den langatmigen Ausführungen zu folgen. | Er neigte leicht sein Haupt ''"Praios zum Gruß Signora Skrayana. Habt bitte keinen falschen Eindruck von uns. Selbstverständlich ist uns der Stammbaum des Hauses Amarinto geläufig und auch der Umstand, dass Signora Cariana den Traviabund noch nicht geschlossen hat. Auch meine Nichte weiß dies mit Sicherheit, nur neigt sie dazu, nicht auf ihr Wissen zurückzugreifen und stattdessen auf ihre...spontanen Eingebungen zu vertrauen und diese leider auch zu äußern."'' Mit einem Kopfschütteln blickte er zu der betreten dreinblickenden Vierzehnjährigen. Mit immer noch hochrotem Kopf starrte sie auf ihre braunen Reitstiefel und wäre am liebsten im Boden versunken. Warum konnte sie sich nicht ein einziges Mal so verhalten, dass sie nicht unangenehm auffiel? Ob man ihr wirklich erzählt hatte, dass ihre künftige Schwertmutter gar keinen Gemahl hatte? Wahrscheinlich, aber diese Sachen waren immer so langweilig und es fiel ihr sehr schwer, den langatmigen Ausführungen zu folgen. <br> | ||
Auf ein Zeichen der blonden Knappin waren inzwischen zwei Bedienstete herangekommen, die den Efferdier von den drei Pferden befreiten. Mit einem zufriedenen Lächeln wandte er sich wieder Skrayana zu: ''"Sehr aufmerksam, euer Schwertvater ist sicher sehr stolz auf euch. Habt nun bitte die Freundlichkeit uns zu geleiten, wir wollen die Herrschaften nicht ungebührlich lange warten lassen!"'' | Auf ein Zeichen der blonden Knappin waren inzwischen zwei Bedienstete herangekommen, die den Efferdier von den drei Pferden befreiten. Mit einem zufriedenen Lächeln wandte er sich wieder Skrayana zu: ''"Sehr aufmerksam, euer Schwertvater ist sicher sehr stolz auf euch. Habt nun bitte die Freundlichkeit uns zu geleiten, wir wollen die Herrschaften nicht ungebührlich lange warten lassen!"'' | ||
Sie betraten die Festung und auf dem Weg zum großen Saal konnten die beiden Gerbers ausgiebig die Ahnengalerie des Hauses Amarinto betrachten, angefangen beim ersten [[Herrschaft Amarinto| | Sie betraten die Festung und auf dem Weg zum großen Saal konnten die beiden Gerbers ausgiebig die Ahnengalerie des Hauses Amarinto betrachten, angefangen beim ersten [[Herrschaft Amarinto|Herrn von Amarinto]], [[Rondrician I. Amarinto]], einem Offizier [[Khadan Firdayon|König Khadans]]. Das letzte Gemälde zeigte dann auch Dareius Amarinto, das aktuelle Oberhaupt des phecadischen Rittergeschlechts. Zur Überraschung der beiden Efferdier war die Festung durchaus modern eingerichtet und erstrahlte in einem hellen Licht, offenbar waren die Räumlichkeiten vor nicht allzu langer Zeit im Stil der [[Renascentia]] nach der neuesten Mode umgestaltet worden. Keine Spur von einer düsteren, feuchten Burg, wie sie so viele mittelreichische Adlige bewohnten. | ||
Gwyn Gerber blickte sich beeindruckt um und musste mehrfach seine Nichte an stupsen, weil sie stehen bleiben wollte, um das ein oder andere Bild genauer zu betrachten. ''"Dafür wirst du noch genügend Zeit haben!"'' raunte er ihr etwas unwillig zu. | Gwyn Gerber blickte sich beeindruckt um und musste mehrfach seine Nichte an stupsen, weil sie stehen bleiben wollte, um das ein oder andere Bild genauer zu betrachten. ''"Dafür wirst du noch genügend Zeit haben!"'' raunte er ihr etwas unwillig zu. | ||
==Prüfung und Verhandlung== | ==Prüfung und Verhandlung== | ||
Der große Saal wurde von einer langen Bankett-Tafel dominiert, die Wände waren mit Fresken verziert, die Schlachtszenen und wichtige Ereignisse aus der Familiengeschichte zeigten. [[Cariana Amarinto]] trug eine schwarze Reithose, polierte Reitstiefel und ein dunkelrotes Wams im Vinsalter Stil, an ihrer Seite baumelten ein Langschwert und ein Panzerstecher. Ihre lockigen schwarzen Haare hatte sie zu einem Zopf geflochten. Sie war in ein Gespräch vertieft mit einem athletischen Mann mit langen schwarzen Haaren und Vollbart, er trug die schwarz-rote Ordenstracht der [[Famerlorianer]], schwarze Reitstiefel und ebenso ein Schwert an seiner Seite. Die Gesichtszüge der beiden ähneln sich auffallend, ganz offensichtlich waren sie Bruder und Schwester. Sie unterbrachen ihr Gespräch, als Gwyn, Methelessa und Skrayana den Raum betraten.<br> | |||
Der große Saal wurde von einer langen Bankett-Tafel dominiert, die Wände waren mit Fresken verziert, die Schlachtszenen und wichtige Ereignisse aus der Familiengeschichte zeigten. Cariana Amarinto trug eine schwarze Reithose, polierte Reitstiefel und ein dunkelrotes Wams im Vinsalter Stil, an ihrer Seite baumelten ein Langschwert und ein Panzerstecher. Ihre lockigen schwarzen Haare hatte sie zu einem Zopf geflochten. Sie war in ein Gespräch vertieft mit einem athletischen Mann mit langen schwarzen Haaren und Vollbart, er trug die schwarz-rote Ordenstracht der [[Famerlorianer]], schwarze Reitstiefel und ebenso ein Schwert an seiner Seite. Die Gesichtszüge der beiden ähneln sich auffallend, ganz offensichtlich waren sie Bruder und Schwester. Sie unterbrachen ihr Gespräch, als Gwyn, Methelessa und Skrayana den Raum betraten. | |||
Skrayana verbeugte sich knapp. ''"Signora Methelessa Gerber und Signor Gwyn Gerber aus der efferdischen [[Familie Gerber|Senatorenfamilie Gerber]] sind eingetroffen."'' Sie wandte sich an die beiden Gäste und deutete zuerst auf den Mann. ''"Cavalliere Dareius Rondraion Amarinto, Herr von Amarinto und [[Herrschaft Sudermark|Sudermark]], Stadtvogt von [[Serillio]], Constabler von [[Ruthor]] und Ritter des Roten Drachen” Danach deute sie auf die Frau. “Esquiria Cariana Amarinto, Kastellanin von Amardûn und Vögtin von Amarinto”. Dareius und Cariana verneigen sich und Dareius ergriff das Wort: ''"Willkommen geschätzte Gäste, Signor und Signora Gerber! Ich hoffe Eure Anreise war angenehm?"'' Cariana rief derweil einen Diener mit vorbereiteten Erfrischungen herbei. Dareius bedeutete den beiden Gerbers, sich zu setzen. | Skrayana verbeugte sich knapp. ''"Signora Methelessa Gerber und Signor Gwyn Gerber aus der efferdischen [[Familie Gerber|Senatorenfamilie Gerber]] sind eingetroffen."'' Sie wandte sich an die beiden Gäste und deutete zuerst auf den Mann. ''"Cavalliere Dareius Rondraion Amarinto, Herr von Amarinto und [[Herrschaft Sudermark|Sudermark]], Stadtvogt von [[Serillio]], Constabler von [[Ruthor]] und Ritter des Roten Drachen” Danach deute sie auf die Frau. “Esquiria Cariana Amarinto, Kastellanin von Amardûn und Vögtin von Amarinto”. Dareius und Cariana verneigen sich und Dareius ergriff das Wort: ''"Willkommen geschätzte Gäste, Signor und Signora Gerber! Ich hoffe Eure Anreise war angenehm?"'' Cariana rief derweil einen Diener mit vorbereiteten Erfrischungen herbei. Dareius bedeutete den beiden Gerbers, sich zu setzen. | ||
Die beiden Efferdier verneigten sich ebenfalls und Methelessas Gesichtsfarbe hatte sich inzwischen auch wieder normalisiert. Die junge Frau hatte sich fest vorgenommen, sich und vor allem ihren Onkel und damit ihre gesamte Familie heute nicht noch einmal und schon gar nicht vor den hohen Herrschaften zu blamieren. Der Kaufmann fühlte sich etwas unwohl, nicht wegen der Rüstungen und Waffen ihrer Gastgeber, es war vielmehr die beeindruckende Aneinanderreihung von Titeln vor allem bei Dareius. Es würde heutzutage schon zwei oder drei hochrangige Familienmitglieder der Gerbers benötigen, um da mitzuhalten. Lediglich Dettmar Gerber hätte bis vor einigen Jahren da gleichziehen können. Gwyn und Methelessa trugen beide schlichte, weiße Leinenhemden, darüber Brokatwams in berühmtem Gerbergrün, ein von der Familie Gerber entwickelter, exklusiver dunkelgrüner Farbton, mit dezenten Stickereien aus Goldfaden, schlichte braune Reithosen aus festem Leder und schwere, braune Reitstiefel. Lediglich Gwyn war bewaffnet, er trug sein Rapier und einen Scheibendolch am Gürtel. | Die beiden Efferdier verneigten sich ebenfalls und Methelessas Gesichtsfarbe hatte sich inzwischen auch wieder normalisiert. Die junge Frau hatte sich fest vorgenommen, sich und vor allem ihren Onkel und damit ihre gesamte Familie heute nicht noch einmal und schon gar nicht vor den hohen Herrschaften zu blamieren. Der Kaufmann fühlte sich etwas unwohl, nicht wegen der Rüstungen und Waffen ihrer Gastgeber, es war vielmehr die beeindruckende Aneinanderreihung von Titeln vor allem bei Dareius. Es würde heutzutage schon zwei oder drei hochrangige Familienmitglieder der Gerbers benötigen, um da mitzuhalten. Lediglich Dettmar Gerber hätte bis vor einigen Jahren da gleichziehen können. Gwyn und Methelessa trugen beide schlichte, weiße Leinenhemden, darüber Brokatwams in berühmtem Gerbergrün, ein von der [[Familie Gerber]] entwickelter, exklusiver dunkelgrüner Farbton, mit dezenten Stickereien aus Goldfaden, schlichte braune Reithosen aus festem Leder und schwere, braune Reitstiefel. Lediglich Gwyn war bewaffnet, er trug sein Rapier und einen Scheibendolch am Gürtel.<br> | ||
Während die beiden Gerbers der Aufforderung Platz zu nehmen folgten beantworte Gwyn Dareius' Frage: ''"Ja, habt Dank für die Nachfrage Cavalliere Amarinto, die Anreise nach Sewamund stand unter Efferds Wohlwollen und Dank des herausragenden Rufes eures Hauses exzellente Streiter hervorzubringen muss man als Reisender, Praios‘ sei gelobt, keine Räuber oder ähnliches Gesindel auf den Wegen fürchten. Eine große Ehre, dass ihr uns persönlich empfangt, Cavalliere Amarinto!"'' Gwyn neigte noch einmal sein Haupt. | Während die beiden Gerbers der Aufforderung Platz zu nehmen folgten beantworte Gwyn Dareius' Frage: ''"Ja, habt Dank für die Nachfrage Cavalliere Amarinto, die Anreise nach Sewamund stand unter Efferds Wohlwollen und Dank des herausragenden Rufes eures Hauses exzellente Streiter hervorzubringen muss man als Reisender, Praios‘ sei gelobt, keine Räuber oder ähnliches Gesindel auf den Wegen fürchten. Eine große Ehre, dass ihr uns persönlich empfangt, Cavalliere Amarinto!"'' Gwyn neigte noch einmal sein Haupt. | ||
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Dareius und Cariana blickten einander wortlos an, in ihren Gesichtern spiegelte sich Wohlwollen. Die Geschwister brauchten nichts zu sagen, um sich zu verstehen. Cariana erhob sich, sie lächelte in Methelessas Richtung. Als sie den Tisch umrundete, zog Dareius sein Schwert aus der Scheide und reichte es ihr im vorbeigehen. Sie blieb vor Methelessa stehen und hielt ihr den Griff von Dareius’ Schwert hin. ''"Euer Herz ist bereit, Signora. Jetzt müsst ihr mir nur noch beweisen, dass es euer Körper auch ist."'' Sie nahm in einigen Schritt Entfernung Aufstellung und zog ihr Schwert. Methelessa hielt Dareius’ Schwert in der Hand, es war schlicht, überraschend leicht und perfekt ausgewogen. Die einzige Verzierung war eine kunstfertige Seenixe im Knauf. Dareius nickte ermunternd: ''"Das ist [[Chu’la’thar]], eine Zyklopenklinge. Mein Onkel [[Alwîn di Bellafoldi]] erhielt sie von [[Amene-Horas]] für seine treuen Dienste. Vielleicht werdet Ihr auch irgendwann eine solche Klinge führen. Nur zu, probiert sie aus..."'' | Dareius und Cariana blickten einander wortlos an, in ihren Gesichtern spiegelte sich Wohlwollen. Die Geschwister brauchten nichts zu sagen, um sich zu verstehen. Cariana erhob sich, sie lächelte in Methelessas Richtung. Als sie den Tisch umrundete, zog Dareius sein Schwert aus der Scheide und reichte es ihr im vorbeigehen. Sie blieb vor Methelessa stehen und hielt ihr den Griff von Dareius’ Schwert hin. ''"Euer Herz ist bereit, Signora. Jetzt müsst ihr mir nur noch beweisen, dass es euer Körper auch ist."'' Sie nahm in einigen Schritt Entfernung Aufstellung und zog ihr Schwert. Methelessa hielt Dareius’ Schwert in der Hand, es war schlicht, überraschend leicht und perfekt ausgewogen. Die einzige Verzierung war eine kunstfertige Seenixe im Knauf. Dareius nickte ermunternd: ''"Das ist [[Chu’la’thar]], eine Zyklopenklinge. Mein Onkel [[Alwîn di Bellafoldi]] erhielt sie von [[Amene-Horas]] für seine treuen Dienste. Vielleicht werdet Ihr auch irgendwann eine solche Klinge führen. Nur zu, probiert sie aus..."'' | ||
Methelessa war etwas überrascht, zwar hatte sie erwartet dass man sie prüfen würde, aber hier und jetzt? | Methelessa war etwas überrascht, zwar hatte sie erwartet dass man sie prüfen würde, aber hier und jetzt?<br> | ||
‚Rechne stets und überall mit allem. Ein Kämpfer wird meist nur ein einziges Mal überrascht!‘ | ‚Rechne stets und überall mit allem. Ein Kämpfer wird meist nur ein einziges Mal überrascht!‘<br> | ||
Kam ihr einer der Lehrsätze von Henando ya Baltari in den Sinn. Rasch fing sie sich, begutachtete die edle, wenn auch schlicht wirkende Klinge wog sie in ihrer Hand und sah beeindruckt zu Dareius als er von diesem kostbaren Schwert erzählte. | Kam ihr einer der Lehrsätze von Henando ya Baltari in den Sinn. Rasch fing sie sich, begutachtete die edle, wenn auch schlicht wirkende Klinge wog sie in ihrer Hand und sah beeindruckt zu Dareius als er von diesem kostbaren Schwert erzählte.<br> | ||
Sie trat langsam zwei Schritte zurück und folgte der Aufforderung, das Verhalten der fremden Waffe zu testen. | Sie trat langsam zwei Schritte zurück und folgte der Aufforderung, das Verhalten der fremden Waffe zu testen.<br> | ||
Kurz hatte sie überlegt, was sie tun sollte und entschied, keine Kunststückchen zu vollführen. Mit drei einfachen Manövern, die zum Grundrepertoire des Schwertkampfes zählten, gewöhnte sie sich an die Klinge. Es war erstaunlich, wie gut ihr diese fremde Waffe in der Hand lag. Ihr Kalkül ging auf, es waren zwar simple Techniken, die sie zur Schau stellte, aber es gelang ihr mühelos, sie wie aus dem Lehrbuch auszuführen. | Kurz hatte sie überlegt, was sie tun sollte und entschied, keine Kunststückchen zu vollführen. Mit drei einfachen Manövern, die zum Grundrepertoire des Schwertkampfes zählten, gewöhnte sie sich an die Klinge. Es war erstaunlich, wie gut ihr diese fremde Waffe in der Hand lag. Ihr Kalkül ging auf, es waren zwar simple Techniken, die sie zur Schau stellte, aber es gelang ihr mühelos, sie wie aus dem Lehrbuch auszuführen.<br> | ||
Noch einmal betrachtete sie respektvoll die Klinge, trat wieder vor, verneigte sich gegenüber ihrer Duellgegnerin und nahm eine Grundstellung ein, bei der die Schwertspitze auf den Boden zeigte. ''"Möge die Göttliche Leuin fügen, dass ich mich euch als würde Schülerin erweise!"'' | Noch einmal betrachtete sie respektvoll die Klinge, trat wieder vor, verneigte sich gegenüber ihrer Duellgegnerin und nahm eine Grundstellung ein, bei der die Schwertspitze auf den Boden zeigte. ''"Möge die Göttliche Leuin fügen, dass ich mich euch als würde Schülerin erweise!"'' | ||
Cariana nahm eine klassische Fechtposition ein. ''"Dann wollen wir mal sehen, was Euch dieser Signor ya Baltari so beigebracht hat."'' | Cariana nahm eine klassische Fechtposition ein. ''"Dann wollen wir mal sehen, was Euch dieser Signor ya Baltari so beigebracht hat."'' | ||
Die Vierzehnjährige nickte kurz zur Antwort, dann machte sie einen schnellen Schritt nach vorn, hob dabei die Schwertspitze auf die Höhe von Carianas Brust, ehe sie sich abrupt zur Seite drehte und einen Streich gegen die unbewaffnete Seite der Esquiria führte. Eine gut ausgeführte Finte, aber um einer erfahrenen Streiterin wie Cariana gefährlich zu werden oder sie gar zu überraschen, reichte es bei weitem nicht. | Die Vierzehnjährige nickte kurz zur Antwort, dann machte sie einen schnellen Schritt nach vorn, hob dabei die Schwertspitze auf die Höhe von Carianas Brust, ehe sie sich abrupt zur Seite drehte und einen Streich gegen die unbewaffnete Seite der Esquiria führte. Eine gut ausgeführte Finte, aber um einer erfahrenen Streiterin wie Cariana gefährlich zu werden oder sie gar zu überraschen, reichte es bei weitem nicht.<br> | ||
Die Castellanin parierte den Streich mit einer Lässigkeit, als wäre es ein lang eingeübter Ablauf. Methelessa gelang es noch die ersten beiden, schnell ausgeführten Attacken abzuwehren und einer Dritten auszuweichen, aber dann spürte sie kurz den kalten Stahl an ihrer Kehle ehe die erfahrene Turnierkämpferin fast tänzerisch zwei Schritte zurückwich. | Die Castellanin parierte den Streich mit einer Lässigkeit, als wäre es ein lang eingeübter Ablauf. Methelessa gelang es noch die ersten beiden, schnell ausgeführten Attacken abzuwehren und einer Dritten auszuweichen, aber dann spürte sie kurz den kalten Stahl an ihrer Kehle ehe die erfahrene Turnierkämpferin fast tänzerisch zwei Schritte zurückwich.<br> | ||
Demütig senkte die Efferdierin Schwert und Blick, sie wusste, wenn sie verloren hatte und bei einem Kampf auf Leben und Tod hätte sie eben ihren Kopf verloren. | Demütig senkte die Efferdierin Schwert und Blick, sie wusste, wenn sie verloren hatte und bei einem Kampf auf Leben und Tod hätte sie eben ihren Kopf verloren.<br> | ||
Methelessa ging auf's Knie, beugte das Haupt und hielt der Siegerin Chu’la’thar mit der stilisierten Seenixe voran entgegen. Mit einer nicht zu verkennenden Enttäuschung sagte sie mit dennoch fester Stimme: ''"Rondra hat entschieden und mich für unwürdig befunden. Verzeiht das ich euch enttäuscht und eure Zeit verschwendet habe!"'' Noch immer war ihr Blick fest auf den Boden gerichtet. Natürlich war Cariana eine weitaus erfahrenere Kämpferin und genauso wie sie noch niemals Henando ya Baltari besiegt oder auch nur in echte Bedrängnis gebracht hatte war sie zu keinem Augenblick davon ausgegangen gegen die Ritterin erfolgreich sein zu können, aber sie hätte ihr doch länger widerstehen müssen, ihr wenigstens eine Schweißperle abtrotzen müssen. Doch sie war sang- und klanglos untergegangen, keine Minute konnte sie sich verteidigen. Sie hatte versagt. | Methelessa ging auf's Knie, beugte das Haupt und hielt der Siegerin Chu’la’thar mit der stilisierten Seenixe voran entgegen. Mit einer nicht zu verkennenden Enttäuschung sagte sie mit dennoch fester Stimme: ''"Rondra hat entschieden und mich für unwürdig befunden. Verzeiht das ich euch enttäuscht und eure Zeit verschwendet habe!"'' Noch immer war ihr Blick fest auf den Boden gerichtet. Natürlich war Cariana eine weitaus erfahrenere Kämpferin und genauso wie sie noch niemals Henando ya Baltari besiegt oder auch nur in echte Bedrängnis gebracht hatte war sie zu keinem Augenblick davon ausgegangen gegen die Ritterin erfolgreich sein zu können, aber sie hätte ihr doch länger widerstehen müssen, ihr wenigstens eine Schweißperle abtrotzen müssen. Doch sie war sang- und klanglos untergegangen, keine Minute konnte sie sich verteidigen. Sie hatte versagt. | ||
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Gwyn lächelte. ''"Ich mag Geschäftspartner wie euch Signor Amarinto! Wirklich! Klare Ansagen ohne große Umschweife und seid versichert, ihr habt mit mir keine Krämerseele vor euch die zu kleinlichem Feilschen neigt."'' | Gwyn lächelte. ''"Ich mag Geschäftspartner wie euch Signor Amarinto! Wirklich! Klare Ansagen ohne große Umschweife und seid versichert, ihr habt mit mir keine Krämerseele vor euch die zu kleinlichem Feilschen neigt."'' | ||
Sein Blick ging auf das Meer hinaus, ein wirklich schöner Ausblick und er konnte schon [[Kilian Gerber|Kilians]] Gesicht vor sich sehen, wenn er ihm Dareius' Preis nannte. Doch der Alchemist würde die Herausforderung auch sehr schätzen und in angemessener Zeit ein Resultat liefern mit dem das Haus Amarinto mehr als nur zufrieden war. ''"Amarinto-Rot! Ein wirklich angemessener Preis und wie ich sagen darf, ich habe erwartet dass ihr keine profane Summe in den Raum stellen würdet."'' Gwyn freute sich wirklich sehr über dieses Geschäft, denn es würde auch dem Ruf des Hauses Gerber dienen. ''"Ich liebe es Geschäfte abzuschließen die beiden Seiten ein Lächeln der Zufriedenheit schenken und auf eine langfristige Beziehung hinauslaufen. Ihr werdet euer Amarinto-Rot bekommen."'' Seinen Blick wieder Dareius zu gewandt. ''"Dennoch werden wir noch kurz über Münzen sprechen müssen. Es scheint mir wenig zielführend Ross, Klinge und derlei Dinge aus Efferdas heranzuschaffen. Sicher finden sich diese Dinge hier. Dass das Haus Gerber für die Kosten aufkommt, muss ich nicht erwähnen und da ich in euch den Mann von Ehre und Moral sehe den ich erwartet habe seid versichert auch ich werde nicht versuchen zu feilschen. Einige Kleider und etwas Schmuck für Methelessa habe ich bereits mitgebracht, so dass sie auch bei offiziellen Anlässen repräsentabel erscheinen kann."'' Der Wahlefferdier richtete sich zu voller Größe auf. ''"Ich denke wir haben eine Einigung erzielt! Signora Cariana Amarinto nimmt Signora Methelessa Gerber als Knappin an und bildet sie zur Ritterin aus. Ihr nennt mir die Summe, die für die Ausstattung Methelessa’s benötigt wird und ich werde sie erstatten. Das Amarinto-Rot erhält euer Haus natürlich ebenfalls, ich bin da sehr zuversichtlich dass dies nicht so langwierig sein wird wie die Ausbildung einer Ritterin!"'' Mit einer zufrieden Miene streckte Dareius die Rechte entgegen ''"Schlagt ein auf das unsere Vereinbarung Gültigkeit erlangt!"'' Gwyn Gerber hatte einen nahezu feierlichen Gesichtsausdruck. Einen schriftlichen Vertrag konnten sie später noch aufsetzen, solche Dinge waren für Gerichte von Belang, ein Handschlag jedoch besiegelte ein Geschäft vor den Zwölfen. | Sein Blick ging auf das Meer hinaus, ein wirklich schöner Ausblick und er konnte schon [[Kilian Gerber|Kilians]] Gesicht vor sich sehen, wenn er ihm Dareius' Preis nannte. Doch der Alchemist würde die Herausforderung auch sehr schätzen und in angemessener Zeit ein Resultat liefern mit dem das [[Haus Amarinto]] mehr als nur zufrieden war. ''"Amarinto-Rot! Ein wirklich angemessener Preis und wie ich sagen darf, ich habe erwartet dass ihr keine profane Summe in den Raum stellen würdet."'' Gwyn freute sich wirklich sehr über dieses Geschäft, denn es würde auch dem Ruf des Hauses Gerber dienen. ''"Ich liebe es Geschäfte abzuschließen die beiden Seiten ein Lächeln der Zufriedenheit schenken und auf eine langfristige Beziehung hinauslaufen. Ihr werdet euer Amarinto-Rot bekommen."'' Seinen Blick wieder Dareius zu gewandt. ''"Dennoch werden wir noch kurz über Münzen sprechen müssen. Es scheint mir wenig zielführend Ross, Klinge und derlei Dinge aus Efferdas heranzuschaffen. Sicher finden sich diese Dinge hier. Dass das Haus Gerber für die Kosten aufkommt, muss ich nicht erwähnen und da ich in euch den Mann von Ehre und Moral sehe den ich erwartet habe seid versichert auch ich werde nicht versuchen zu feilschen. Einige Kleider und etwas Schmuck für Methelessa habe ich bereits mitgebracht, so dass sie auch bei offiziellen Anlässen repräsentabel erscheinen kann."'' Der Wahlefferdier richtete sich zu voller Größe auf. ''"Ich denke wir haben eine Einigung erzielt! Signora Cariana Amarinto nimmt Signora Methelessa Gerber als Knappin an und bildet sie zur Ritterin aus. Ihr nennt mir die Summe, die für die Ausstattung Methelessa’s benötigt wird und ich werde sie erstatten. Das Amarinto-Rot erhält euer Haus natürlich ebenfalls, ich bin da sehr zuversichtlich dass dies nicht so langwierig sein wird wie die Ausbildung einer Ritterin!"'' Mit einer zufrieden Miene streckte Dareius die Rechte entgegen ''"Schlagt ein auf das unsere Vereinbarung Gültigkeit erlangt!"'' Gwyn Gerber hatte einen nahezu feierlichen Gesichtsausdruck. Einen schriftlichen Vertrag konnten sie später noch aufsetzen, solche Dinge waren für Gerichte von Belang, ein Handschlag jedoch besiegelte ein Geschäft vor den Zwölfen. | ||
Dareius ergriff Gwyns Hand und sie besiegelten die Vereinbarung mit einem Handschlag. ''"Gut, es freut mich, dass wir uns so schnell einig werden konnten. Dann wollen wir Signora Methelessa die freudige Nachricht überbringen, sobald die beiden zurückgekehrt sind. Bis dahin kann ich Euch vielleicht die Stallungen und die Rüstkammer zeigen?” | Dareius ergriff Gwyns Hand und sie besiegelten die Vereinbarung mit einem Handschlag. ''"Gut, es freut mich, dass wir uns so schnell einig werden konnten. Dann wollen wir Signora Methelessa die freudige Nachricht überbringen, sobald die beiden zurückgekehrt sind. Bis dahin kann ich Euch vielleicht die Stallungen und die Rüstkammer zeigen?” | ||