Briefspiel:Traviabund mit Hindernissen/Eine phexgewollte Begegnung: Unterschied zwischen den Versionen

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Dettmar nickte zustimmend: „Wollen ja nicht bei der Allweisen in Ungnade fallen! Mit Freuden nehmen wir eure großzügige Einladung im Anschluss an den Götterdienst zu Ehren der Hesinde an, Signora Brahl! Freue mich schon von dem Cassianti kosten zu dürfen!“ Dettmar verbeugte sich und ließ mit einer freundlichen Geste dem Ehepaar aus Urbasi den Vortritt.<br>
Dettmar nickte zustimmend: „Wollen ja nicht bei der Allweisen in Ungnade fallen! Mit Freuden nehmen wir eure großzügige Einladung im Anschluss an den Götterdienst zu Ehren der Hesinde an, Signora Brahl! Freue mich schon von dem Cassianti kosten zu dürfen!“ Dettmar verbeugte sich und ließ mit einer freundlichen Geste dem Ehepaar aus Urbasi den Vortritt.<br>
Nacheinander betrat man den gut besuchten Tempel und fand glücklich noch freie Plätze so dass die fünf Neuankömmlinge beieinander sitzen könnten. Rahdrigo war der Erste in der Bank, dann folgte seine Gemahlin, neben ihr nahm Phejanka Platz, daneben ihr Bruder und den Abschluss bildete der Zyklopäer Theosfinus.<br>
Nacheinander betrat man den gut besuchten Tempel und fand glücklich noch freie Plätze so dass die fünf Neuankömmlinge beieinander sitzen könnten. Rahdrigo war der Erste in der Bank, dann folgte seine Gemahlin, neben ihr nahm Phejanka Platz, daneben ihr Bruder und den Abschluss bildete der Zyklopäer Theosfinus.<br>
Wenig später erklang der Gong ein weiteres Mal und die Messe begann.
Wenig später erklang der Gong ein weiteres Mal und die Messe begann.<br>
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„So eine gelungene Messe ist doch stets ein herrlicher Beginn für einen Tag, findet ihr nicht Signor Solivino?“ es war die stämmige Efferdierin, unter deren langes, gewelltes braunes Haar sich vereinzelt bereits weiße Haare geschlichen hatten, die das Wort an Traviane gerichtet hatte. Hinter ihnen gingen die beiden Patrizier, denen in zwei Schritten Abstand der Secretarius folgte.<br>
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“Das kann man wohl sagen. Ich muss zugeben, dass ich länger nicht mehr im Tempel der Allweisen war. Nach dieser wirklich sehr schönen Messe werde ich mit meinem nächsten Besuch nicht mehr so lange warten.” <br>
Die gebürtige Sheniloerin lächelte Phejanka an. “Verzeiht meine Neugier, doch ich habe mich schon immer gefragt wie es sich so lebt in einer Republik. Hier bei uns in der Gerondrata kommen immer nur die schlechten Neuigkeiten an, dass wieder einmal ein Adliger hingerichtet wurde oder so, aber eigentlich ist die Coverna ja eine wunderschöne Gegend. Ich war leider noch nicht in Efferdas, doch bereits in Belhanka.” Sie verstummte etwas verschämt, als sie merkte, dass sie ins Plaudern gekommen war und ihre Frage von einer Efferdierin eventuell als Beleidigung verstanden werden könnte.<br>
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Phejanka lächelte die Sheniloerin freundlich an, ganz offensichtlich fand sie gefallen an der, für sie zwanglosen Plauderei. „Nun, ich lebe schon sehr, sehr lange nicht mehr in der Stadt Efferdas. Mein Jüngster verlor durch einen Unfall mit nicht ganz sechs vollendeten Götterläufen sein Leben, danach hielt ich es in der Stadt einfach nicht mehr aus. Die Erinnerungen, aber auch ein Gefühl von…“ sie zögerte kurz „Ja, ein Gefühl von Zuviel. Zu viel Lärm, zu viel Menschen, zu viel Hektik, zu viel von einfach allem. Ich musste raus aus Efferdas und so habe ich nach der Totenzeremonie für Verion die Stadt verlassen und bin seither nicht mehr dort gewesen. Das war Ende 1011 BF. Mein Gemahl, Darion hat dann ein kleines Haus in Hilmaras für uns, naja…“ Sie lächelte verschmitzt: „Eigentlich hauptsächlich für mich gekauft. So bin ich dann nach fünf Götternamen von Planûr, wo ich mich nach meiner fluchtartigen Abreise aus Efferdas in der Herberge „Heilig Rahjalina“ eingemietet hatte, umgezogen. Seither lebe ich in dem ruhigen und sehr freundlichen Dorf, fern von dem Trubel und den Ereignissen der Stadt. Die meiste Zeit verbringe ich in meinem Garten. In meinem Garten habe ich neben zahlreichen Blumen und Beerensträuchern auch eine Ecke, in der ich Kräuter anbaue und dann die Heilerin des Dorfes mit einigen simplen Salben und Tinkturen versorge. Gelegentlich bekomme ich vom Hesinde-Tempel Schriften oder sogar ganze Bücher, die ich dann gegen ein gewisses Honorar kopiere. Ihr seht, was mich betrifft, ist es ein sehr beschauliches und friedvolles Leben und kaum ein Unterschied zur Zeit vor der Republik. Mein lieber Bruder dürfte da aber eine andere Sicht auf die Dinge haben. Wenn ihr einmal in die Gegend reisen solltet, seid ihr und euer Gemahl selbstverständlich auf das Herzlichste eingeladen, mich in Hilmaras zu besuchen.“ Nun war es an Phejanka Gerber etwas verlegen zu lächeln, da sie die arme Traviane mit ihrer Vergangenheit und ihrem jetzigen Leben so überfahren hatte, wahrscheinlich wollte die dunkelblonde Frau mit ihren strahlendgrünen Augen gar nicht so ausführlich über Phejanka’s Leben informiert werden. Aber in Momenten wie diesen merkte sie, wie sehr sie es vermisste, Jemanden zu haben mit dem sie sich austauschen konnte. Hoffentlich hatte sie ihre neue Bekanntschaft nicht gleich verschreckt!<br>
Währenddessen waren die beiden Männer, völlig emotionsfrei in ein Gespräch über die jeweiligen Probleme und Herausforderungen in den beiden Städten und deren Umland vertieft.<br>
Theosfinus hingegen spazierte entspannt hinter den Herrschaften her, immer ein Auge auf die Passanten, auch wenn er nicht unbedingt ein Leibwächter war, betrachtete er es durchaus auch als seine Aufgabe ebenfalls auf die Sicherheit seines Arbeitgebers zu achten. <br>
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Traviane lauschte Phejankas Erzählung mit voller Anteilnahme. Als sie von dem Tod ihres jüngsten Sohnes erzählte, hatte sie das Bedürfnis, die braunhaarige Frau tröstend in den Arm zu nehmen. Doch sie kannten sich noch nicht einmal einen Tag lang, daher ließ sie es bleiben. Natürlich musste sie sofort an ihre eigenen vier Kinder denken und eine Welle von Dankbarkeit an die Götter überschwemmte sie, da alle ihr sechstes Lebensjahr gesund überstanden hatten und wohlauf waren. Sie wünschte sich so sehr, ihre Lieblinge aufwachsen zu sehen, vielleicht irgendwann Enkelkinder in den Armen halten zu können und schließlich vor ihnen zu Boron zu gehen.
Gleichzeitig bewunderte sie die Efferdierin, da sie so offen darüber sprechen konnte, es geschafft hatte, sich ein neues Leben aufzubauen und anscheinend auch sehr glücklich war.
“Vielen Dank für diese herzliche Einladung. Wir werden sie natürlich gerne annehmen, falls sich die Gelegenheit ergibt.”<br>
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Phejanka nickte freundlich, nichts zu danken. „Es wäre mir wirklich eine Freude mich bei euch und eurem Gemahl für die Einladung in euer Zuhause revanchieren zu dürfen, auch wenn mein Heim um ein Vielfaches bescheidener ist! Für repräsentative Bauten in Hilmaras war die Familie Kanbassa zuständig und vor allem für ihre Plantagen und die Gärten!“ Phejanka bekam einen verträumten Blick „Die Gärten…“ mit schwärmerischer Stimme sprach sie weiter „…meine liebe Signora Traviane, die müsst ihr unbedingt besuchen, wenn ihr mich einmal besuchen kommt. Diese Gärten lassen sich mit Worten kaum beschreiben, die muss man gesehen und erlebt haben! Signor Rahid Kanbassa führt zwar das Weinlesefest nicht mehr fort aber die Tradition, horastags die Gärten für interessierte Besucher zu öffnen hat er von seinem Onkel und seiner Tante, die Götter mögen ihren Seelen Frieden schenken, beibehalten. Er und seine Frau…“ Urplötzlich verstummte die Gerberin und die Röte stieg in ihr Gesicht.<br>
„Oh, bei den Zwölfen! Wie dumm von mir!“ sie schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn „Brahl, natürlich Esquirio  Rahid Kanbassas, der Herr der Magion Paltaia ist mit Signora Geronita Brahl vermählt.“ Sie blickte die Brahlerin verlegen an. Im nächsten Augenblick wich die Röte langsam wieder und das Lächeln kehrte zurück auf ihr Gesicht „Aber dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit dass wir uns doch in Hilmaras begegnen. Dank der Familienbande habt ihr ja durchaus Anlass für einen Besuch dort. Und ihr ward noch nie auf Landschlösschen Paltaia nahe Hilmaras?“ interessiert blickte sie die jüngere Frau an.<br>
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“Ach, jetzt weiß ich, wo ich Hilmaras schon einmal gehört habe. Mein liebes Schwesterchen Geronita und mein Schwager Rashid Kanbassa wohnen dort seit einiger Zeit. Geronita spielte uns damals immer Streiche mit den Bauernjungen, die ihr alle verfallen waren. Sie war schon immer ein Wildfang.” Ein verträumten Lächeln schlich sich auf Travianes Gesicht, als sie an ihre Kindheit auf dem malerischen Weingut nahe Shenilo zurückdachte.
“Ihr habt Recht, Signora Phejanka, ich muss sie dort einmal besuchen. Es ist schön viel zu lange her, dass wir uns bei einem Familientreffen in Shenilo gesehen haben. Was für ein ausgezeichneter Zufall, dass Ihr ebenfalls dort lebt! Der Herr Phex muss uns gewogen sein, dass wir uns begegnet sind.<br>
Und nein, das Landschlösschen Paltaia kenne ich nicht. Das klingt ja alles nach einer wundervollen Gegend. Ich freue mich schon darauf, die Gärten kennenzulernen.”<br>
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Traviane hatte ihre Schritte unbewusst in Richtung Piazza d’Agendayo gelenkt. Ein quadratischer Platz, der deutlich kleiner als die Piazza di Renascentia war, und dessen Mitte ein Springbrunnen zierte. Die Seite gen Firun wurde von einem Stadtpalazzo im klassischen Stil eingenommen. Im Praios und Efferd war der Platz offen und ermöglichte eine fabelhafte Aussicht über die tiefer gelegenen Stadtteile Urbasis und auf den Sikram. Traviane steuerte jedoch auf die Rahjaseite zu, an der ein weiterer Palazzo mit einem runden Geschlechterturm stand. Die prunkvolle Fassade war stuckverziert und mit Wandgemälden bemalt, die durch regelmäßige Restauration in einem guten Zustand waren.<br>
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„Ja, wahrhaftig. Es muss schon eine phexsche Fügung sein, dass wir uns hier und heute begegnet sind. Die Familien Kanbassa und Gerber sind schon einige Jahrzehnte geschäftlich miteinander verbunden. Doch da weiß mein Bruder besser bescheid. Wie gesagt ich lebe seit Mitte 1012 BF in Hilmaras und war seither nicht mehr in Efferdas. Mit dem Onkel von eurem Schwager, Gorcan Kanbassa und seiner zweiten Gemahlin Linoë war ich gut befreundet, doch dann würden die beiden gemeinsam mit ihrem Sohn Rûmar vor bald zehn Götterläufen auf schändlichste Weise in Efferdas ermordet.“ Die Efferdierin seufzte kurz, schüttelte den Kopf und sagte leise: Möge der Dunkle Vater ihren Seelen Frieden geschenkt haben!“ dabei zeichnete sie das Boronrad vor ihrer Brust in die Luft „Ein schreckliches, wie sinnloses Verbrechen, dass mich nur darin bestärkt hat, keinen Fuß mehr hinter eines der  Stadttore von Efferdas zu setzen. Linoë besuche ich regelmäßig an ihrem Grabmal im Garten der Magion Paltaia.“ Wieder hielt sie kurz inne und blickte dann entschuldigend zu Traviane „Verzeiht, erneut habe ich ein so düsteres Thema angesprochen. Lasst uns von erfreulichen Dingen sprechen. Habt ihr Kinder meine geschätzte Signora Traviane?“<br>
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Während sie auf den Palazzo zugingen, nickte die Sheniloerin. “Oh ja, drei Töchter und einen Sohn. Sie sind alle gesund und munter und wahrhaftig ein Geschenk Tsas. Meine Älteste, Doriana, ist zwölf und studiert schon in Methumis. Ach, sie werden so schnell erwachsen.” Traviane stutzte und musste über ihre eigene Äußerung schmunzeln. Vor einigen Götterläufen hätte sie so eine Äußerung eher von ihren Eltern als von ihr selbst erwartet. Die Zeit verging so unglaublich schnell!<br>
“Heute sind die drei Kleinen – sie sind deutlich aufgedrehter als Doriana – mit den Kindern meiner Schwägerin ins Bestiarium gegangen, eine Tierausstellung hier in Urbasi. Wir werden also zuerst einmal unsere Ruhe haben, später könnt Ihr sie vielleicht kennenlernen.”<br>
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„Vier Kinder!“ Phejanka nickte anerkennend „Die Götter sind euch gewogen, wie es scheint. Nach vier Schwangerschaften noch immer eine so makellose Figur, beneidenswert!“
Ihr eigener Körper hatte nach keiner der drei Schwangerschaften wieder zur alten Form zurückgefunden und das Alter hatte sein Übriges getan. Aber sie hatte inzwischen ihren Frieden damit gemacht. Sie war gesund, konnte den ganzen Tag im Garten zugange sein, ohne Schmerzen zu haben oder gar konditionell Probleme zu bekommen, in ihrem Alter keine Selbstverständlichkeit mehr und um die Aufmerksamkeit der Männerwelt musste sie sich in ihrem Alter ebenfalls keine Gedanken mehr machen!<br>


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