Briefspiel:Im Auge des Chaos/Madaraestra: Unterschied zwischen den Versionen
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Avedane und Tharinda waren sichtlich erschrocken, als sie die Geweihte mit vereinten Kräften aus der Dunkelheit zogen. Die ehemals weiße Robe war mit Erde verdreckt, Asche lag auf ihrem Gesicht und ein dünner Faden Blut rann aus der Nase. Ihr Blick war schreckgeweitet und ihr Herz schlug schnell. Trotzdem gewann sie ihre Fassung wieder und begann eilig etwas niederzuschreiben, die Fragen beider Magas ignorierend, und erst nachdem sie ihnen die Schreiben ausgehändigt hatte, baten sie um elne ausführliche Erzählung des Erlebten. Nevinia zeigte sich aber wieder wortkarg wie bisher. <br> | Avedane und Tharinda waren sichtlich erschrocken, als sie die Geweihte mit vereinten Kräften aus der Dunkelheit zogen. Die ehemals weiße Robe war mit Erde verdreckt, Asche lag auf ihrem Gesicht und ein dünner Faden Blut rann aus der Nase. Ihr Blick war schreckgeweitet und ihr Herz schlug schnell. Trotzdem gewann sie ihre Fassung wieder und begann eilig etwas niederzuschreiben, die Fragen beider Magas ignorierend, und erst nachdem sie ihnen die Schreiben ausgehändigt hatte, baten sie um elne ausführliche Erzählung des Erlebten. Nevinia zeigte sich aber wieder wortkarg wie bisher. <br> | ||
Avedane musterte die Praiotin, dann nahm sie die gefalteten Pergamentbögen entgegen und nickte: “Ich werde euch im Auge behalten und sollte sich eure Befürchtung bewahrheiten, werde ich eurem Wunsch entsprechend handeln.” Sie blickte von der Geweihten zu der Maga “Wir sollten diesen Ort jetzt verlassen. Wollen wir zum Hesinde-Tempel zurückkehren?” “Ordnung ist gründlich und Gründlichkeit Ordnung", keuchte Nevinia als sie sich auf raffte. “Lasst uns noch sehen, wohin es gegangen ist.” “Dieses Ding ist in der Stadt und jagt seine Befreier, um sie zu belohnen”, warf Tharinda ein. “Wie wollt ihr es finden?” Es wurde kurz still. "Vielleicht sollten wir warten. Ich bin davon überzeugt, dass es zurückkehren wird.” | Avedane musterte die Praiotin, dann nahm sie die gefalteten Pergamentbögen entgegen und nickte: “Ich werde euch im Auge behalten und sollte sich eure Befürchtung bewahrheiten, werde ich eurem Wunsch entsprechend handeln.” Sie blickte von der Geweihten zu der Maga “Wir sollten diesen Ort jetzt verlassen. Wollen wir zum Hesinde-Tempel zurückkehren?” “Ordnung ist gründlich und Gründlichkeit Ordnung", keuchte Nevinia als sie sich auf raffte. “Lasst uns noch sehen, wohin es gegangen ist.” “Dieses Ding ist in der Stadt und jagt seine Befreier, um sie zu belohnen”, warf Tharinda ein. “Wie wollt ihr es finden?” Es wurde kurz still. "Vielleicht sollten wir warten. Ich bin davon überzeugt, dass es zurückkehren wird.” | ||
=== Eine Ratte verlässt das sinkende Schiff === | |||
[[Hoberto Gerber|Hoberto]] war mit seinen Schlägern in sein Haus zurückgekehrt. Er hieß seine vier Handlanger ihre Sachen packen und sich schlafen legen. Auch Hoberto packte rasch alle Münzen und Wertsachen in einen großen Lederbeutel, stopfte noch ein paar saubere Kleidungsstücke hinein und legte sich dann zur Ruhe. Zu Beginn der frühen Rondrastunde weckte er die drei Männern aus der, [Coverna]] und den Zyklopäer und trieb sie zur Eile an. | |||
Hoberto hatte Fackeln bereitgelegt, von denen sich jetzt jeder drei Stück nahm und in seinem Gepäck verstaute und eine vierte am Feuer im Kamin entzündete. Danach folgten sie ihrem Anführer in den Keller. In einem der hinteren Räume ging Hoberto schnurstracks auf eine zwar relativ große aber unscheinbare, alte Truhe zu. Mit einem Schlüssel, den er um den Hals trug sperrte er die Truhe auf, öffnete den Deckel, Griff hinein und klappte den Boden hoch. Nun war ein Schacht zu sehen in dem eine Leiter in die Tiefe führte. Einer nach dem anderen stieg nun in die Truhe und verschwand in dem Schacht. Hoberto reichte seinen Lederbeutel und die Fackel hinunter und stieg ebenfalls in die Truhe. Halb auf der Leiter stehend schloss er den Deckel und sperrte ihn mit dem Schlüssel nun von innen wieder ab, im Hinabsteigen klappte er den Boden der Truhe wieder herunter. Mit etwas Glück würde so schnell niemand herausfinden wo Hoberto geblieben war und lange genug in der Stadt nach ihm suchen, dass sie genügend Zeit haben würden sich aus dem Staub zu machen und sich nach [[Grangor]] oder eventuell auch nach [[Almada]] abzusetzen. Der älteste Gerbersproß hasste die Kanalisation und eigentlich war es gänzlich unter seiner Würde diesen Weg zu nutzen, aber wenn es ums Überleben ging musste man über seinen Schatten springen. Gut kannte er sich nicht aus, aber den Weg von seinem Haus aus der Stadt hatte er sich gut eingeprägt, auch wenn er immer gehofft hatte diesen Weg niemals nutzen zu müssen. Sie hatten fast den Abzweig in den Gang erreicht, der aus der Stadt und in die Freiheit führte, da gab der hellblonde Athlet das Zeichen anzuhalten. Nun konnten auch seine Begleiter hören was ihren Anführer zum Anhalten verleitet hatte, Stimmen! In einiger Entfernung unterhielten sich mindestens drei Männer. Sie schienen Recht unbekümmert und hatten die Fünf bislang nicht entdeckt. Hoberto überlegte kurz, aus früherer Zeit wusste er, dass bei jedem Trupp mindestens ein Bogenschütze dabei war und jeder einen Speer mit sich führte. Er blickte zu dem Zyklopäer: „Kalchas, du musst schnell sein. Mindestens einer unserer Gegner hat ebenfalls einen Bogen. Ich gehe vor und lenke die Aufmerksamkeit auf mich. Barjedo, Haldur und Piro ihr geht hinter mir und gebt Kalchas Sichtschutz, damit er den Bogenschützen identifizieren und ausschalten kann. Kalchas, warte so lange wie möglich, damit wir nahe genug heran kommen um nach deinem Schuss die anderen direkt angreifen und ausschalten zu können. Und ihr seid auf der Hut, die Typen haben alle Speere und wissen sehr gut damit umzugehen.“ Dann straffte er sich, gab den anderen das Zeichen sich aufzustellen und dann marschierten sie los. Hoberto begann über dieses elende Tunnelsystem zu schimpfen und marschierte auf den Trupp der Kanalarbeiter zu. Als sie nach etwa zehn Schritten um die Ecke bogen waren die vier Bediensteten der Familie Gerber erwartungsgemäß verteidigungsbereit. Als Hoberto die Männer sah hielt er kurz an, hob die Arme und lächelte das Quartett erleichtert an. Langsam ging er mit erhoben Händen auf die Männer zu: „Euch schicken die Zwölfe! Ich bin auf dem Weg zu meinem Bruder [[Kilian Gerber]], aber ich fürchte ich habe den richtigen Abzweig in die [[Gerberstadt]] verpasst. Ob ihr wohl so freundlich sein könntet mir den richtigen Weg zu beschreiben oder vielleicht könntet ihr uns auch führen?“ | |||
Hoberto lächelte freundlich und Schritt für Schritt näherten sie sich dem Trupp der Kanalinstandhaltung. | |||
„Signor Hoberto? Was führt euch in die Kanalisation? Und warum sollten wir euch zu Signor Kilian führen? Ihr steht auf Seiten der Verräter!“ | |||
Wieder stoppte der Grauäugige kurz: „Alrigo? Bist du das?“ Oh ja, es war Alrigo Paraco, der Sohn eines Gerbermeisters und Hoberto und seine Geschwister waren als Kinder oft von ihrem Vater genötigt worden mit den Kindern des Klientels zu spielen. Wie er es gehasst hatte, es waren Bedienstete und er sollte sie behandeln wie seinesgleichen. Schon als Kind hatte er es gehasst und er hasste seinen Vater dafür, dass er wieder und wieder verlangt hatte diesen Abschaum als ebenbürtig zu betrachten. Endlich war die Zeit der Rache gekommen. Seinen Vater hatte der d’Oro mit etwas Glück bereits beseitigt, genau wie die übrigen Senatoren und diesen Kerl, der sich anmaßte ihn des Verrats zu bezichtigen würde er gleich selbst in Borons Hallen schicken. „Alrigo, du kennst mich doch schon seit der Kindheit! Ich war fehlgeleitet, aber als diese Verrückten, die ich zugegebenermaßen für meine Freunde hielt, den Rahja-Tempel niedergebrannt haben, hat es mir die Augen geöffnet.“ Nur noch knapp zehn Schritt. Langsam zog Hoberto Dolch und Rapier und hielt beides jeweils mit dem Griffstück nach vorn den Männern der Familie Gerber entgegen. Neun Schritt. „Alrigo, ich habe wichtige Informationen…“ Acht Schritt. „…über den Aufenthaltsort meines Vaters und die Pläne der Verräter.“ Sieben Schritt. „Bitte, es ist wichtig. Wir übergeben euch unsere Waffen…“ Sechs Schritt. „…als Zeichen unseres guten…“ Ein Pfeil surrte an Hobertos linkem Ohr vorbei und durchbohrte die Kehle des Bogenschützen. Ehe die übrigen Kanalarbeiter begriffen was geschehen war sank Alrigo mit Hobertos Dolch in der Brust zu Boden. Haldur stürmte nach vorn, jedoch traf ihn der Speer, der eigentlich für Hoberto bestimmt war. Der zweite Pfeil des Zyklopäers fällte den vierten Speerträger und Piros Säbel beendete das Leben von Haldurs Mörder. Rasch wurden alle Leichen ihrer brauchbaren Habseligkeiten entledigt, auch Haldur, dann eilte das Mörderquartett weiter Richtung Ausgang in die Freiheit. | |||
Eine gute Stunde nach ihrem Aufbruch verließ Hoberto mit seinen verbleibenden drei Getreuen ein gutes Stück außerhalb der Sichtweite der Stadtmauern Efferdas‘ die Kanalisation. Nach guten dreihundert Schritt wurde eine unvorsichtige, dreiköpfige Patrouille des Heeres des Cavalliere [[Tarquinio della Pena]], welches vor den Toren der Stadt lag und ein Entkommen aus der Stadt verhindern sollte, das nächste Opfer der Flüchtenden. Hoberto fragte sich wie es [[Serafanos Thirindar|Serafanos]] gelungen war den Cavalliere auf seine Seite zu ziehen. Ja, der Zyklopäer hatte eine sehr charakteristische Art und gewann schnell das Vertrauen anderer. Aber dass war nun nicht mehr die Sorge Hobertos, sie würden ihn und seine Helfershelfer ohnehin nie wieder sehen. | |||
Querfeldein ging es Richtung [[Sorbik]]. | |||
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