Briefspiel:Ritterlichkeit und Minnesang: Unterschied zwischen den Versionen
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==Larona und Dareius== | ==Larona und Dareius== | ||
Nach dem Tanz und dem Gespräch mit [[Tairena Carson]] erblickte Dareius [[Larona ya Scarpone]] unter den Anwesenden. Er griff sich zwei Gläser fein perlenden [[Bosparanjer]] und näherte sich ihr unbemerkt von hinten. Auf dem Weg wollte ihn ''Commodore'' [[Valeran ter Verosen]] in ein Gespräch verwickeln, doch Dareius entwand sich geschickt seinem rethorischen Zugriff. ''"Signora Larona, ich wusste ihr würdet kommen."'' Er hielt ihr lächelnd ein Glas Bosparanjer entgegen. Sein Blick blieb einen Moment zu lange an ihren weiblichen Formen hägen, als er ihr Kostüm "bewunderte". Schnell rief er sich jedoch selbst zu Ordnung und sein Lächeln nahm eine zugleich beschämte und entschuldigende Form an. Ohne eine Antwort abzuwarten drückte er ihr das glas in die Hand und führte sie mit einem Arm in eine andere Richtung. ''"Kommt, ich möchte Euch etwas zeigen"!"'' Er führte sie zu einer Plattform am höchsten Punkt der Alten Arena, von der aus man in der Dämmerung sowohl die Lichter des Ruthorer Hafens, als auch auf der anderen Seite die dunklen Schemen der aus dem Wasser ragenden Ruinen des Ozeanidenpalastes bestaunen konnte. ''"Eine wunderbare Aussicht, findet Ihr nicht auch?"'' | Nach dem Tanz und dem Gespräch mit [[Tairena Carson]] erblickte Dareius [[Larona ya Scarpone]] unter den Anwesenden. Er griff sich zwei Gläser fein perlenden [[Bosparanjer]] und näherte sich ihr unbemerkt von hinten. Auf dem Weg wollte ihn ''Commodore'' [[Valeran ter Verosen]] in ein Gespräch verwickeln, doch Dareius entwand sich geschickt seinem rethorischen Zugriff. ''"Signora Larona, ich wusste ihr würdet kommen."'' Er hielt ihr lächelnd ein Glas Bosparanjer entgegen. Sein Blick blieb einen Moment zu lange an ihren weiblichen Formen hägen, als er ihr Kostüm "bewunderte". Schnell rief er sich jedoch selbst zu Ordnung und sein Lächeln nahm eine zugleich beschämte und entschuldigende Form an. Ohne eine Antwort abzuwarten drückte er ihr das glas in die Hand und führte sie mit einem Arm in eine andere Richtung. ''"Kommt, ich möchte Euch etwas zeigen"!"'' Er führte sie zu einer Plattform am höchsten Punkt der Alten Arena, von der aus man in der Dämmerung sowohl die Lichter des Ruthorer Hafens, als auch auf der anderen Seite die dunklen Schemen der aus dem Wasser ragenden Ruinen des Ozeanidenpalastes bestaunen konnte. ''"Eine wunderbare Aussicht, findet Ihr nicht auch?"'' | ||
Larona wandte sich um, als sie seine Stimme hörte – und beim Anblick des gutaussehenden Ritters fuhr ihr ein leiser Schauer über den Rücken. ''"Signor Dareius..."'', sagte sie leise. Sie nahm das Glas entgegen, ihre Finger berührten flüchtig die seinen. | |||
Er führte sie hinauf, und sie folgte, ohne zu fragen, wohin. Der Wind trug den Duft des Meeres herauf und vermischte sich mit dem süßen Parfum der Feiernden unten in der Arena. Als sie schließlich oben standen, stockte ihr der Atem. Die Lichter Ruthors glitzerten wie funkelnde Splitter eines Rahjakusses auf dem Wasser. Sie ließ den Blick über den Hafen und die fernen Ruinen schweifen, doch ihr Herz war längst bei ihm. ''"Ja...es ist wunderschön!"'', sagte sie schließlich, während ihr Blick über die glitzernden Lichter glitt. ''"Eine Aussicht, die selbst eine Löwin für einen Moment zähmen könnte."'' Dann wandte sie sich ihm zu, der Wind spielte mit einer Strähne ihres Haares. ''"Ihr habt ein Händchen dafür, Orte zu finden, an denen man den Atem verliert."'' Keck sah sie ihn an. ''"Aber sagt, Signor, führt Ihr alle Damen, die Ihr beim Fest trefft, an solch bezaubernde Orte – oder bin ich die erste, die in diesen Genuss kommt?"'' | |||
Dareius lächelte bei ihren Worten – dieses halb herausfordernde, halb spielerische Lächeln, das so typisch für ihn war, wenn er ertappt wurde und sich doch nicht ganz schuldig fühlte. Der Wind fuhr durch sein Haar, und in der Dämmerung flackerte das Licht der Fackeln unten in der Arena wie ferne Glut in seinen Augen. | |||
''"Wenn ich sagen würde, dass Ihr die Erste seid, Signora,"'' begann er mit gespielter Nachdenklichkeit, ''"würde ich lügen – und Ihr würdet es mir auch ohnehin nicht glauben."'' | |||
Er trat einen Schritt näher an sie heran, so dass sie den Wein in seinem Glas riechen konnte, fein und herb zugleich. ''"Ja,"'' fuhr er fort, ''"ich war schon einmal hier. Mit einer Dame. Wir sprachen über die Sterne, über den Krieg, über Dinge, die damals wichtig schienen."'' Er hielt kurz inne, sah sie an – offen, ehrlich, ohne Maske. ''"Aber seht, das ist das Schöne an solchen Orten: Sie verlieren ihren Zauber nicht. Jede Stunde, jeder Abend schenkt ihnen einen neuen Glanz, so wie jede Begegnung ihren eigenen Sinn hat. Heute sind wir beide hier – und das ist, was zählt."'' | |||
Er hob sein Glas, leicht, beinahe wie eine Verneigung vor ihr. ''"Auf das Hier und Jetzt, Signora Larona ya Scarpone. Auf die Aussicht – und auf die Gesellschaft, die sie erst wahrhaft lebendig macht."'' | |||
Einen Moment lang war nur das Rauschen des Windes und das entfernte Klirren der Musik zu hören. Dann, ganz leise, fast scheu, berührte er mit seinem Glas das ihre, als wäre es ein geheimes Versprechen. | |||
''"Und wenn Ihr mögt,"'' fügte er mit einem leisen Schmunzeln hinzu, ''"zeige ich Euch später noch einen Ort, der ebenso aufregend ist wie dieser – und ich sage Euch gleich, auch dort war ich bereits mit anderen Damen."'' Er lachte sanft. ''"Aber das alles wisst Ihr bereits und seid dennoch hier, weil Ihr wisst was ihr wollt und auch weil ihr...neugierig seid."'' | |||
Einen Moment lang wandte sich Larona ab und ließ den Blick zum Hafen schweifen. Das Licht der Fackeln glitzerte auf dem Wasser, und sie atmete tief durch. Sie kämpfte mit der aufkommenden Eifersucht – sie hätte nicht fragen sollen. Was hatte sie denn erwartet? | |||
Als sie sich wieder zu Dareius umdrehte, lag ein warmes, gefasstes Lächeln auf ihren Lippen. Die romantische Stimmung des Abends hatte sie erneut in ihren Bann gezogen. Sie trat dicht an ihn heran, der Wind spielte mit einer Strähne ihres Haares. | |||
''"Neugierig, sagt Ihr?"'' fragte sie leise. ''"Ja, das bin ich wohl. Aber nicht auf jene Orte, die Ihr anderen Damen gezeigt habt."'' Sie hielt seinem Blick stand. ''"Mich interessiert vielmehr, was Ihr in mir seht – heute, hier, unter diesem Himmel."'' | |||
Einen Augenblick schwieg sie, dann hob sie ihr Glas, als wolle sie die Spannung zwischen ihnen in ein feineres Gleichgewicht bringen. ''"Ihr habt recht, Signor,"'' sagte sie sanft. ''"Heute zählt das Jetzt und Hier. Das will ich genießen."'' | |||
Sie stellte ihr Glas beiseite und nahm vorsichtig seine Hand. ''"Erzählt mir,"'' fuhr sie fort, ''"wie ist es Euch in den letzten Wochen ergangen?"'' | |||
Dareius ließ den Blick einen Moment über das Meer schweifen, als müsse er seine Gedanken ordnen, bevor er antwortete. Dann hob er langsam das Glas und sprach, mit einer Mischung aus Offenheit und elegant gesetzten Worten. | |||
''"Die letzten Wochen..."'' Er schnaubte leise, fast belustigt, aber mit Müdigkeit in den Augen. ''"Ich würde Euch lieber von Turnieren, Rittern und Heldenliedern berichten, Signora Larona. Doch stattdessen saß ich in Ruthor – bis tief in die Nächte – zwischen Akten, Siegeln, Beschwerden von Händlern, Anträgen der Gilden und endlosen Ratssitzungen."'' Er schüttelte den Kopf und seufzte. ''"Man versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen. Diplomatie statt Schlachtross, Feder statt Klinge. Notwendig, aber es gibt erfüllendere Tage im Leben eines Ritters."'' | |||
Er wandte sich nun ganz zu ihr, und die Müdigkeit wich etwas Warmem, Persönlicherem. | |||
''"Darum ist dieser Abend, dieses Fest, mir willkommener als Ihr vielleicht ahnt. Er erinnert mich daran, dass es im Leben mehr gibt als Ratssäle, Intrigen und Missgunst."'' Seine Stimme wurde weicher. ''"Und wenn Ihr fragt, was ich in Euch sehe..."'' Er hielt kurz inne, so als wolle er die Worte sorgsam wählen – nicht, um zu schmeicheln, sondern um wahr zu bleiben. | |||
''"Ich habe Euch in [[Mortêc]] gesehen, Signora Larona. Ihr seid eine Kriegerin. Nicht nur für das Publikum, sondern im Herzen. Ihr seid im Turnier wie im Zweikampf entschlossen, geradlinig, mutig – kein Zierstück für den Hof, sondern jemand, der bestehen kann."'' | |||
Dann, fast unmerklich, veränderte sich sein Ton – wurde wärmer, privater. | |||
''"Und doch"'', fuhr er fort, ''"seid Ihr nicht nur eine Löwin. In [[Unterfels]] habt Ihr gelacht und getanzt – ohne Dünkel, ohne diesen Übermut, den so viele Ritter und solche die es gerne wären, pflegen. Ihr könnt den Helm absetzen und ein Mensch sein. Das ist selten. Das ist...schön."'' | |||
Er trat näher, nur eine Handbreit zwischen ihnen. Sein Blick senkte sich für einen Atemzug, und als er wieder zu ihr aufsah, klang seine Stimme tiefer. | |||
''"Und natürlich, Larona...ich denke an jene Nacht. Nicht, weil sie leicht war oder flüchtig – solche Nächte vergisst man rasch. Sondern weil Ihr sie mit Leben gefüllt habt. Sie war nicht bloß ein Rahjenkuss im Dunkel, sondern Wärme. Nähe. Ein Augenblick, in dem Dere stillstand."'' | |||
Er hob ihre Hand, ohne die Berührung zu erzwingen, nur wie eine Einladung, und sein Lächeln wurde sanft und aufrichtig zugleich. | |||
''"Was ich in Euch sehe? Eine Frau, die ich bewundere. Eine Kriegerin, die ich ernst nehme. Und eine Erinnerung, die ich nicht missen möchte."'' | |||
==Tairena und Dareius (Fortsetzung)== | ==Tairena und Dareius (Fortsetzung)== | ||
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Dareius nickte höflich. ''"In dem Fall seid Ihr natürlich herzlich eingeladen ein Gästezimmer im [[Palazzo Amarinto]] zu beziehen und das [[Haus Amarinto]] mit Eurer Anwesenheit zu beehren. Die Seebadsaison beginnt in wenigen Wochen, wenn das Wetter stabil bleibt vielleicht sogar im schon im Rahja."'' Sie stießen darauf an. | Dareius nickte höflich. ''"In dem Fall seid Ihr natürlich herzlich eingeladen ein Gästezimmer im [[Palazzo Amarinto]] zu beziehen und das [[Haus Amarinto]] mit Eurer Anwesenheit zu beehren. Die Seebadsaison beginnt in wenigen Wochen, wenn das Wetter stabil bleibt vielleicht sogar im schon im Rahja."'' Sie stießen darauf an. | ||
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