Briefspiel:Plötzlich Delegierte/Treffen in Vinsalt VIII: Unterschied zwischen den Versionen

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Die übrigen Anwesenden wirkten unentschlossen.<br>
Die übrigen Anwesenden wirkten unentschlossen.<br>
''„Grazioso“'', wandte er sich direkt an Rohalion, ''„wollt ihr vielleicht noch einen Blick in die kleine Bibliothek werfen, die [[Panthino von Urbet|mein Vetter]] angelegt hat? Und würdet ihr, Signora ...“'' Er sprach dabei Elissa an. ''„… mir die Ehre eurer Gesellschaft erweisen. Womöglich mag euer Kunstverstand in der Galerie uns erneut neue Erkenntnisse eröffnen …“''
''„Grazioso“'', wandte er sich direkt an Rohalion, ''„wollt ihr vielleicht noch einen Blick in die kleine Bibliothek werfen, die [[Panthino von Urbet|mein Vetter]] angelegt hat? Und würdet ihr, Signora ...“'' Er sprach dabei Elissa an. ''„… mir die Ehre eurer Gesellschaft erweisen. Womöglich mag euer Kunstverstand in der Galerie uns erneut neue Erkenntnisse eröffnen …“''
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Sie stützte die Arme auf die Brüstung des Balkons und schaute hinaus auf die nächtliche Stadt. [[Vinsalt]] schlief niemals völlig, es war hier nachts auf dem Boronanger mehr los als in mancher Kleinstadt, wie die Bewohner scherzten. Aus verschiedenen Richtungen drang Musik und Lachen, direkt unter ihr kicherte ein angetrunkenes Pärchen, entferntes Weinen eines Säuglings, splitterndes Glas, gefolgt von einem lautstarken Streit in einem benachbarten Straßenzug. Nahezu still also. Ein kühler Wind blies Rahjada das dunkle Haar aus dem Gesicht, das in der Sonne manchmal diesen Rotstich bekam.<br>
Sanfte Schritte hinter ihr.<br>
''„Sie hatte rote Haare“'', sagte sie, ohne sich umzudrehen. Sie wollte nicht, dass es wie eine Frage klang und doch tat es das.<br>
''„Ja, sie hatte wunderschöne, dunkle rote Haare“'', antwortete Rahjalin. ''„Sie war ebenso schön wie du.“''<br>
Er kam zu ihr an die Brüstung, stützte sich ebenfalls darauf ab. Das heftig knutschende Pärchen unten auf der Straße hatte es eilig, in einem der gegenüberliegenden Hauseingänge zu verschwinden. Er lächelte bei diesem Anblick, wandte dann den Blick zu ihr.<br>
Sie schwieg eine ganze Weile, aber er sagte auch nichts. Dann wandte sie sich ihm zu.<br>
''„Am Morgen, bevor sie … bevor sie … an dem Morgen hat sie über dich gesprochen.“''<br>
''„W– wirklich?“''<br>
''„Sie hat sehr oft von dir gesprochen. Dass du uns lieben würdest. Eines Tages nach uns sehen würdest, weil du von mir wüsstest. Ich wünschte es mir. Sie erzählte, dass du ein Adliger warst, der Sohn einer [[Haus Schreyen|von Schreyen]], aber kein Ritter, sondern ein Geweihter der Rahja. Sie hat dich oft beschrieben. Und oft gesagt, dass du die große Liebe ihres Lebens warst. An dem Morgen hat sie mir einen Kuss gegeben und versprochen, in ein paar Stunden vom Einkaufen zurück zu sein. Aber sie kam nicht zurück. Ich redete mir doch tatsächlich für eine Zeit lang ein, du wärst zurückgekommen und hättest sie getroffen und sie hätte sich deswegen verspätet. Erst am nächsten Morgen hat mir jemand erzählt, dass Boron sie zu sich geholt hat. Ich habe ihn eine Weile gehasst. Boron. Aber noch mehr habe ich dich gehasst, nachdem du kamst und mich holtest. Nachdem mein Wunsch endlich in Erfüllung gegangen war.“''<br>
''„Darum habe ich verloren“'', sagte Rahjalin. Sein Gesicht war geplagt von Schmerz und er sah mit einem Mal alt aus. Er reichte Rahjada die Karte. ''„Es ist deine Handschrift.“''<br>
Versonnen strich sie mit einem Finger darüber. ''„Ja, und?“''<br>
''„Nicht alle Karten hatten deine Handschrift. Aber diese.“''<br>
''„Ich habe Boron nur eine Weile gehasst, dann fand ich zum Glauben zurück.“''<br>
Sie verfiel erneut in Schweigen. Rohalions Worte kamen ihr in den Sinn. Auricanius, der ihr so viel beigebracht hatte. Besonders im Hinblick auf den Glauben. Sie irrte nicht mehr ziellos durch die Gegend. Sie dachte an die unzähligen Male, in denen ihr Vater versucht hatte, diese Karte von ihr zu bekommen.<br>
''„Wir können ein Portrait von ihr malen lassen. Damit wir sie nicht vergessen. Ich … ich glaube, dass ich nicht mehr genau weiß … ich weiß noch wie ihr Lachen klang.“''<br>
Rahjadas Stimme brach. Ihre Lippe zitterte.<br>
Rahjalin war da, um sie aufzufangen, bevor sie in sich zusammensackte und hemmungslos schluchzte. Ganz fest drückte er sie an sich, als würde er sie nie wieder loslassen. Er sank langsam mit ihr im Arm zu Boden, lehnte sich mit dem Rücken an die Brüstung.<br>
''„Es wird alles gut“'', wisperte er mit erstickter Stimme. ''„Du musst nicht weinen, ich werde immer auf dich aufpassen und für dich da sein.“''<br>
Gänsehaut bildete sich bei diesen fern vertrauten Worten auf ihren Armen. ''„Das … das hast du schonmal …“''<br>
Er küsste ihre Stirn. ''„Wir werden sie zeichnen lassen. Wir werden sie nicht vergessen. Ich schwöre es dir.“''<br>
''„Mhm“'', schniefte sie. So verharrten sie noch eine Zeit lang, sie wussten beide nicht, wie lange, bis Rahjada mit dem Schluchzen aufhören konnte, bis sie nicht länger zitterte.<br>
Auch Rahjalins Gesicht war tränenüberströmt, als er schließlich aufstand und seiner Tochter aufhalf.<br>
Als sie beide standen, blickten sie sich einen unendlichen Moment in die Augen.<br>
''„Nepolemo, der Neffe Auricanius‘ … er hat mir gesagt, dass ich dir ähnlich sehe“'', sagte sie schließlich zögernd. ''„Ich glaube, er hat Recht.“''<br>
''„Lutisana auch. Du siehst ihr sogar sehr ähnlich.“''<br>
Das Ausmaß von Rahjalins Freude über ihre Feststellung ließ sich allerhöchstens erahnen. Es war, als hielt er sich zurück, um sein Glück nicht überzustrapazieren.<br>
Rahjada lächelte zaghaft, unsicher. Er lächelte ebenso unsicher zurück.<br>
Sie hielt ihm die Spielkarte hin.<br>
''„Du solltest die hier Auricanius zurückgeben. Er mag es gar nicht, wenn etwas von seinem Spiel verloren geht.“''


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