Briefspiel:Die Vistelli-Drillinge: Unterschied zwischen den Versionen

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Auch ihre [[Tsaida Tribêc|Mutter]] hatte sich für den Kampf bereit gemacht. Rahjane hätte nie gedacht, sie einmal so erleben zu müssen. Mutter bevorzugte die Armbrust auf der Jagd oder den Bogen, aber das würde ihr nun wenig helfen. Adlige ritten zu Pferd und zu Pferd nutzte man als Person vom Stand das Schwert oder die Lanze, nicht den Bogen. Onkel [[Leomar Tribêc|Leomar]] sah das genauso. Wo war er eigentlich? Ach, da drüben. Er war am Bein verletzt, seit dem Treffen von [[Tovac]]. Insgeheim fragte sich Rahjane, wie Leomar jemals so alt hätte werden können. Er achtete selten auf seine Gesundheit, immer mutig voran, kein Blick zurück, ein Lachen auf den Lippen und früher oder später verletzt. Rondra-Geweihte mussten wohl nicht vorsichtig und bedacht sein.<br>
Auch ihre [[Tsaida Tribêc|Mutter]] hatte sich für den Kampf bereit gemacht. Rahjane hätte nie gedacht, sie einmal so erleben zu müssen. Mutter bevorzugte die Armbrust auf der Jagd oder den Bogen, aber das würde ihr nun wenig helfen. Adlige ritten zu Pferd und zu Pferd nutzte man als Person vom Stand das Schwert oder die Lanze, nicht den Bogen. Onkel [[Leomar Tribêc|Leomar]] sah das genauso. Wo war er eigentlich? Ach, da drüben. Er war am Bein verletzt, seit dem Treffen von [[Tovac]]. Insgeheim fragte sich Rahjane, wie Leomar jemals so alt hätte werden können. Er achtete selten auf seine Gesundheit, immer mutig voran, kein Blick zurück, ein Lachen auf den Lippen und früher oder später verletzt. Rondra-Geweihte mussten wohl nicht vorsichtig und bedacht sein.<br>
Und dann war da [[Gerodan Vistelli|Gerodan]]. Man sagte, er sei verheiratet, aber davon erzählte er nicht viel. Generell schien es ihr, als erzähle er nur dann etwas, wenn er einen Plan verfolgte. Und seine Pläne dienten in erster Linie ihm, selten der Familie oder anderen. Kaum zu glauben, dass er aus derselben Familie stammte wie Orban. Oder [[Rondrian Vistelli|Rondrian]]. Der hätte gut mit Leomar verwandt sein können, war es aber nicht. Das Leben als Gardekommandant in [[Shenilo]] musste aufregend sein. [[Lorion IV. Vistelli|Lorion]] hatte Glück, sich in seiner Obhut zu befinden.
Und dann war da [[Gerodan Vistelli|Gerodan]]. Man sagte, er sei verheiratet, aber davon erzählte er nicht viel. Generell schien es ihr, als erzähle er nur dann etwas, wenn er einen Plan verfolgte. Und seine Pläne dienten in erster Linie ihm, selten der Familie oder anderen. Kaum zu glauben, dass er aus derselben Familie stammte wie Orban. Oder [[Rondrian Vistelli|Rondrian]]. Der hätte gut mit Leomar verwandt sein können, war es aber nicht. Das Leben als Gardekommandant in [[Shenilo]] musste aufregend sein. [[Lorion IV. Vistelli|Lorion]] hatte Glück, sich in seiner Obhut zu befinden.
Es war der Wind, der zuerst auffiel. Er trug den Salzgeruch der See heran und mischte ihn mit dem beißenden Gestank von Rauch und Eisen. Der Boden unter Rahjanes Stiefeln war durchweicht, das Gras vom Tau der Nacht schwer. Der Himmel über dem Norderkoog war nicht grau, sondern eisblau, so unwirklich klar, als hätte die Götterhand selbst ihn von den Schlieren des Zweifels gereinigt, für das Urteil, das heute gesprochen werden sollte.<br>
Rahjane blickte auf die eigene Hand. Sie zitterte leicht. Der Griff um das Rapier war fest, zu fest, das wusste sie. Ihre rechte Schulter schmerzte bereits, noch ehe die Schlacht begonnen hatte. War es eine Vorahnung?<br>
Da, ein Hornruf. Die Reihen setzten sich in Bewegung.<br>
„Nur ein Spiel“, flüsterte sie sich selbst zu, „nur ein Spiel wie damals auf dem Tribêcer Hof.“<br>
Aber dies war kein Spiel. Niemand lachte. Niemand trug Holzschwerter. Und niemand wartete auf den warmen Birnenkuchen danach.<br>
Sie hörte Orbans Stimme hinter sich, ruhig, klug und mit jener kühlen Distanziertheit, die selbst in der Hitze des Gefechts wie ein schützender Schild wirkte. Er erteilte einem Trupp Schildträger Anweisungen, ehe er selbst seine Einheit führte. Sein Pferd tänzelte, sein Blick war scharf. Dann hob er die Hand zum Abschied, nur kurz. Rahjane erwiderte die Geste wortlos.


[[Kategorie:Briefspiel in Sewamund|Briefspiel in Sewamund]]
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