Briefspiel:Die Vistelli-Drillinge: Unterschied zwischen den Versionen
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Rahjane blickte auf die eigene Hand. Sie zitterte leicht. Der Griff um das Rapier war fest, zu fest, das wusste sie. Ihre rechte Schulter schmerzte bereits, noch ehe die Schlacht begonnen hatte. War es eine Vorahnung?<br> | Rahjane blickte auf die eigene Hand. Sie zitterte leicht. Der Griff um das Rapier war fest, zu fest, das wusste sie. Ihre rechte Schulter schmerzte bereits, noch ehe die Schlacht begonnen hatte. War es eine Vorahnung?<br> | ||
Da, ein Hornruf. Die Reihen setzten sich in Bewegung.<br> | Da, ein Hornruf. Die Reihen setzten sich in Bewegung.<br> | ||
„Nur ein Spiel“, flüsterte sie sich selbst zu, „nur ein Spiel wie damals auf dem | „Nur ein Spiel“, flüsterte sie sich selbst zu, „nur ein Spiel wie damals auf dem [[Tribêc]]er Hof.“<br> | ||
Aber dies war kein Spiel. Niemand lachte. Niemand trug Holzschwerter. Und niemand wartete auf den warmen Birnenkuchen danach.<br> | Aber dies war kein Spiel. Niemand lachte. Niemand trug Holzschwerter. Und niemand wartete auf den warmen Birnenkuchen danach.<br> | ||
Sie hörte Orbans Stimme hinter sich, ruhig, klug und mit jener kühlen Distanziertheit, die selbst in der Hitze des Gefechts wie ein schützender Schild wirkte. Er erteilte einem Trupp Schildträger Anweisungen, ehe er selbst seine Einheit führte. Sein Pferd tänzelte, sein Blick war scharf. Dann hob er die Hand zum Abschied, nur kurz. Rahjane erwiderte die Geste wortlos. | Sie hörte Orbans Stimme hinter sich, ruhig, klug und mit jener kühlen Distanziertheit, die selbst in der Hitze des Gefechts wie ein schützender Schild wirkte. Er erteilte einem Trupp Schildträger Anweisungen, ehe er selbst seine Einheit führte. Sein Pferd tänzelte, sein Blick war scharf. Dann hob er die Hand zum Abschied, nur kurz. Rahjane erwiderte die Geste wortlos. | ||
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„Er ist wirklich wie Leomar“, murmelte sie und sah im selben Moment jenen Onkel an der gegenüberliegenden Linie. [[Leomar Tribêc]], der mit blutiger Schläfe eine halb zerstörte Kanalbrücke verteidigte. Seine Lanze ragte aus einem Haufen gefallener Gegner, sein Gesicht war zerschunden, aber seine Stimme trug: „Niemand kommt hier durch!“<br> | „Er ist wirklich wie Leomar“, murmelte sie und sah im selben Moment jenen Onkel an der gegenüberliegenden Linie. [[Leomar Tribêc]], der mit blutiger Schläfe eine halb zerstörte Kanalbrücke verteidigte. Seine Lanze ragte aus einem Haufen gefallener Gegner, sein Gesicht war zerschunden, aber seine Stimme trug: „Niemand kommt hier durch!“<br> | ||
Dann, ein Schlag, ein Krachen, das Pferd stieg, Leomar fiel nicht. Er lachte. Wie immer. | Dann, ein Schlag, ein Krachen, das Pferd stieg, Leomar fiel nicht. Er lachte. Wie immer. | ||
Später fand der Kampf auch auf den Straßen [[Sewamund]]s statt. Gassenkämpfe, Häuserbrände, Hufgetrappel über nassen Pflasterstein. Rahjane war verwundet worden, der rechte Arm war fast taub. Die Barriere, die sie mit zwei verbliebenen Söldnern in einem engen Straßenzug errichtet hatte, brannte noch immer hinter ihr.<br> | |||
Sie lehnte sich schwer atmend gegen eine Mauer. Und dann stand mit einem Mal [[Tsaida Tribêc]] neben ihr. Das Gesicht blass, aber entschlossen. Ihr Mantel war zerrissen, ihr Blick war scharf.<br> | |||
„Noch einmal“, sagte sie nur. Und gemeinsam drängten sie einen weiteren Vorstoß der Feinde zurück, Schulter an Schulter. Tsaida mit dem Langschwert, Rahjane mit dem Rapier in der schwachen linken Hand.<br> | |||
Als der Feind wich, sagte Tsaida: „Ich dachte, du wärst fort.“<br> | |||
Rahjane antwortete nicht. Stattdessen nickte sie nur und sah zum Himmel, wo ein letzter Sonnenstrahl durch den Rauch stach. | |||
Und irgendwo, verborgen hinter einem Lagerzelt, hockte [[Gerodan Vistelli]], das Schwert unbefleckt, der Blick wachsam. Er hatte keinen Kratzer. Aber es war sein Flüstern, das später einen Umsturz vorbereiten sollte. Gerodans Schlacht war nicht die mit dem Stahl, sondern mit Informationen, mit Einfluss. Und mit einem Blick, der immer drei Schritte weiter war als der Rest der Welt. | |||
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