Briefspiel:Die Vistelli-Drillinge: Unterschied zwischen den Versionen

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„Nur, wenn es ehrlich ist.“<br>
„Nur, wenn es ehrlich ist.“<br>
Er lachte leise.
Er lachte leise.
===Die Begegnung===
Später, als die Gespräche dichter wurden und die Musik sich wie ein Vorhang über die Worte legte, trat jemand an ihre Seite. Nicht Continio, der war schon fort. Bevor ihn seine Frau vermisse. Es war ein Mann, den sie nicht kannte. Oder vielleicht doch? Sein Gesicht war unscheinbar, fast zu unscheinbar, aber seine Präsenz war es nicht.<br>
„Ihr habt schnell gelernt“, sagte er leise.<br>
Iridanië erstarrte nicht. „Oder Ihr habt lange gewartet.“<br>
Ein Hauch eines Lächelns.<br>
„Der Freund der Wahrheit“, murmelte sie.<br>
„Ein Titel, der mir inzwischen zu klein ist.“<br>
Sie wandte sich ihm zu. Nähe, nicht zufällig, nicht ganz höfisch. Seine Stimme war ruhig.<br>
„Ihr habt das Buch gelesen.“<br>
„Ich habe es verstanden.“<br>
„Nein“, sagte er leise. „Ihr habt begonnen.“<br>
Ein Moment. Die Musik schwoll an, eine Laute, ein tiefer Ton, der im Raum vibrierte. Er trat einen Schritt näher. Zu nah für Zufall, zu nah für Unwissen. Iridanië wich nicht zurück.<br>
„Sewamund ist jetzt ein offenes Spiel“, sagte er. „Masken fallen, Neue werden gemacht. Und Ihr …“<br>
Sein Blick ruhte auf ihr, nicht weich, nicht hart, nur wissend. „… Ihr seid noch nicht entschieden.“<br>
„Ich entscheide mich selbst“, sagte sie.<br>
Ein Atemzug, seine Hand streifte ihre rechte Hand, den Unterarm. Kaum mehr als eine Berührung, aber bewusst und prüfend. Ein Moment, der nicht höfisch war, sondern gefährlich persönlich.<br>
„Dann entscheidet gut.“<br>
Sie sah ihn an. Für einen Augenblick war da etwas anderes als die übliche Analyse: Neugier? Anziehung? Die Ahnung, dass Wissen nicht das Einzige war, was zwischen ihnen stand oder möglich war.