Archiv:Die Brautschau zu Sewamund (BB 30): Unterschied zwischen den Versionen
Tribec (Diskussion | Beiträge) KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
Tribec (Diskussion | Beiträge) KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 6: | Zeile 6: | ||
<div align=center>'''<big>Die Brautschau zu Sewamund</big>'''</div> | <div align=center>'''<big>Die Brautschau zu Sewamund</big>'''</div> | ||
''Tsaida Tribêc war außer sich vor Freude. Nie hätte sie erwartet, dass die große Brautschau in Sewamund so ausgehen würde, wie sie ausgegangen war. Hatten doch beide ihre Kandidaten das große Los gezogen, waren doch zwei Tribêcs an jenem 2. Rondra des Jahres 1030 BF verheiratet worden. War doch nun die Familie Vistelli eng an die eigene Familie gebunden. Während sie Rahjanes Erfolg kaum verwunderte – Rahjane galt schließlich in Familienkreisen als zu nichts anderem fähig als verheiratet zu werden, erfolgreich verheiratet, versteht sich – war sie von Bernardos Gelingen mehr als nur überrascht. Hatte es dieser nutzlose Herumtreiber doch geschafft, das Herz Alissa | ''[[Tsaida Tribêc]] war außer sich vor Freude. Nie hätte sie erwartet, dass die große Brautschau in [[Sewamund]] so ausgehen würde, wie sie ausgegangen war. Hatten doch beide ihre Kandidaten das große Los gezogen, waren doch zwei Tribêcs an jenem 2. Rondra des Jahres [[1030 BF]] verheiratet worden. War doch nun die [[Haus Vistelli|Familie Vistelli]] eng an die eigene Familie gebunden. Während sie Rahjanes Erfolg kaum verwunderte – Rahjane galt schließlich in Familienkreisen als zu nichts anderem fähig als verheiratet zu werden, erfolgreich verheiratet, versteht sich – war sie von Bernardos Gelingen mehr als nur überrascht. Hatte es dieser nutzlose Herumtreiber doch geschafft, das Herz [[Alissa Vistelli]]s zu erobern, wer hätte das gedacht? Und hatte er es wirklich erobert? Denn wie war es zu erklären, dass er nur wenige Tage nach der Hochzeit, die ihm von ihr versprochene Belohnung in der Tasche, bereits wieder verschwunden war, um per Schiff in die Ferne zu ziehen?'' | ||
Ja, wie war es überhaupt zu diesem Ausgang gekommen? Zumindest die tribêc'sche Sichtweise kann hier geschildert werden. | Ja, wie war es überhaupt zu diesem Ausgang gekommen? Zumindest die tribêc'sche Sichtweise kann hier geschildert werden. | ||
| Zeile 25: | Zeile 25: | ||
Teil des ersten Abends war zuvörderst die Vorstellung der Bewerber. Missmutig musste Bernardo von Rahjane vom Stuhl gezogen werden, um sich ebenfalls vorzustellen.<br> | Teil des ersten Abends war zuvörderst die Vorstellung der Bewerber. Missmutig musste Bernardo von Rahjane vom Stuhl gezogen werden, um sich ebenfalls vorzustellen.<br> | ||
Der auf die Vorstellung folgende Tanz zeigte, dass Bernardo selten einmal wie die übrigen Adligen mit höfischem Tanz und vornehmen Gepflogenheiten Umgang hatte. Rahjane hingegen war gerade bei den anwesenden Maraskanern eine hoch begehrte Tanzpartnerin.<br> | Der auf die Vorstellung folgende Tanz zeigte, dass Bernardo selten einmal wie die übrigen Adligen mit höfischem Tanz und vornehmen Gepflogenheiten Umgang hatte. Rahjane hingegen war gerade bei den anwesenden Maraskanern eine hoch begehrte Tanzpartnerin.<br> | ||
Am nächsten Tag trat Rahjane an Bernardo mit dem Wunsch heran, ihm zu zeigen, wie man besser tanzen könne. Und so verbrachte der Tierkundler den Vormittag damit, mit seiner Großcousine zu tanzen und sich wieder und wieder anhören zu müssen, wie ungeschickt er sich anstellte. Er ersparte sich jeden Kommentar über Rahjane, dieses naive, junge Täubchen, das kaum etwas von der Faszination der Welt außerhalb Grangoriens zu wissen schien und sich nicht im Mindesten für die exotischen Tiere der Gedankenwelt eines Bernardo Tribêc interessierte. Einmal mehr kam er sich nicht wie ein Mitglied der Familie Tribêc vor.<br> | Am nächsten Tag trat Rahjane an Bernardo mit dem Wunsch heran, ihm zu zeigen, wie man besser tanzen könne. Und so verbrachte der Tierkundler den Vormittag damit, mit seiner Großcousine zu tanzen und sich wieder und wieder anhören zu müssen, wie ungeschickt er sich anstellte. Er ersparte sich jeden Kommentar über Rahjane, dieses naive, junge Täubchen, das kaum etwas von der Faszination der Welt außerhalb Grangoriens zu wissen schien und sich nicht im Mindesten für die exotischen Tiere der Gedankenwelt eines [[Bernardo Tribêc]] interessierte. Einmal mehr kam er sich nicht wie ein Mitglied der Familie Tribêc vor.<br> | ||
Zum Glück kam nach einiger Zeit ein Bote, um den sich Bernardo kümmerte. Allerdings war das, was er überbrachte, nicht so erfreulich, es war ein Drohbrief unbekannter Herkunft. Scheinbar unbekannter Herkunft, denn soviel wusste Bernardo bereits über die Sewamunder Gepflogenheiten, nämlich dass es kaum eine Schandtat gegen seine Familie gab, hinter der nicht die Familie Amarinto stand! Und so packte er das Schriftstück und machte sich geschwind auf in die Turmstraße, wo der [[Palazzo Amarinto]] stand. Wie sich dort aber nach einem kurzen und heftigen Wortwechsel herausstellte, waren die Amarinto ebenfalls Empfänger eines Drohschreibens geworden.<br> | Zum Glück kam nach einiger Zeit ein Bote, um den sich Bernardo kümmerte. Allerdings war das, was er überbrachte, nicht so erfreulich, es war ein Drohbrief unbekannter Herkunft. Scheinbar unbekannter Herkunft, denn soviel wusste Bernardo bereits über die Sewamunder Gepflogenheiten, nämlich dass es kaum eine Schandtat gegen seine Familie gab, hinter der nicht die [[Haus Amarinto|Familie Amarinto]] stand! Und so packte er das Schriftstück und machte sich geschwind auf in die Turmstraße, wo der [[Palazzo Amarinto]] stand. Wie sich dort aber nach einem kurzen und heftigen Wortwechsel herausstellte, waren die Amarinto ebenfalls Empfänger eines Drohschreibens geworden.<br> | ||
Woher diese Drohschreiben allerdings stammten, konnten weder die [[Haus Amarinto|Amarinto]], noch die [[Haus Tribêc|Tribêc]] und auch keineswegs die [[Haus Wiesen-Osthzweyg|Wiesen-Osthzweyg]] und [[Haus di Piastinza|di Piastinza]], von denen man im Laufe des Tages ebenfalls erfuhr, dass sie entsprechende Schreiben erhalten hatten, herausfinden. Mit etwas flauem Gefühl in der Magengegend befanden sich also die beiden Tribêc-Kandidaten am Abend erneut im Schloss Corello ein. | Woher diese Drohschreiben allerdings stammten, konnten weder die [[Haus Amarinto|Amarinto]], noch die [[Haus Tribêc|Tribêc]] und auch keineswegs die [[Haus Wiesen-Osthzweyg|Wiesen-Osthzweyg]] und [[Haus di Piastinza|di Piastinza]], von denen man im Laufe des Tages ebenfalls erfuhr, dass sie entsprechende Schreiben erhalten hatten, herausfinden. Mit etwas flauem Gefühl in der Magengegend befanden sich also die beiden Tribêc-Kandidaten am Abend erneut im Schloss Corello ein. | ||
| Zeile 34: | Zeile 34: | ||
Hernach wurden die Bewerber aus dem Raum gebeten, um daraufhin einzeln getestet zu werden. Nach und nach gingen sie hinein. Die draußen Verbliebenen rätselten darüber, welche Art Test man sich würde unterziehen müssen.<br> | Hernach wurden die Bewerber aus dem Raum gebeten, um daraufhin einzeln getestet zu werden. Nach und nach gingen sie hinein. Die draußen Verbliebenen rätselten darüber, welche Art Test man sich würde unterziehen müssen.<br> | ||
Bernardo wurde auf seinen Umgang mit Lobhudelei getestet. Die Fragen und Zurufe an ihn kamen ihm dabei mitunter seltsam vor. Er musste richtig stellen, nicht der Kapitän, sondern nur der erste Offizier der Cusimo zu sein. Auch aufregende Schlachten zur See habe er noch nicht erlebt und trachte auch nicht danach.<br> | Bernardo wurde auf seinen Umgang mit Lobhudelei getestet. Die Fragen und Zurufe an ihn kamen ihm dabei mitunter seltsam vor. Er musste richtig stellen, nicht der Kapitän, sondern nur der erste Offizier der Cusimo zu sein. Auch aufregende Schlachten zur See habe er noch nicht erlebt und trachte auch nicht danach.<br> | ||
Nachdem schon viele Bewerber im Laufe des Abends einzeln hereingerufen worden waren, nahm Horasio della Pena Rahjane mit an das Fenster des Ganges und deutete mit imposanter Geste hinaus ins trübe Regenwetter: "Seht ihr da drüben, den Lichtstrahl? Da liegt Bomed. Dorthin kann ich euch mitnehmen." – Rahjane konnte weder einen Lichtstrahl noch Bomed sehen: "Oh, das ist aber weit weg."<br> | Nachdem schon viele Bewerber im Laufe des Abends einzeln hereingerufen worden waren, nahm [[Horasio della Pena]] Rahjane mit an das Fenster des Ganges und deutete mit imposanter Geste hinaus ins trübe Regenwetter: "Seht ihr da drüben, den Lichtstrahl? Da liegt Bomed. Dorthin kann ich euch mitnehmen." – Rahjane konnte weder einen Lichtstrahl noch Bomed sehen: "Oh, das ist aber weit weg."<br> | ||
Bald standen nur noch drei Kandidaten im Flur. Der Baron von Bethana fragte nach den Armbinden. [[Tilfur Sâl della Trezzi|Tilfur della Trezzi]] wich der Frage aus und erklärte, es sei eine Metapher, woraufhin Ralhion Croenar spöttisch bemerkte: "Wohl etwas aus der Lilienzucht?" Darauf antwortete Tilfur schlagfertig: "Man kann es durchaus mit der Lilienzucht vergleichen, da es darum geht, die beste Lilie zum Erblühen zu bringen."<br> | Bald standen nur noch drei Kandidaten im Flur. Der Baron von Bethana fragte nach den Armbinden. [[Tilfur Sâl della Trezzi|Tilfur della Trezzi]] wich der Frage aus und erklärte, es sei eine Metapher, woraufhin Ralhion Croenar spöttisch bemerkte: "Wohl etwas aus der Lilienzucht?" Darauf antwortete Tilfur schlagfertig: "Man kann es durchaus mit der Lilienzucht vergleichen, da es darum geht, die beste Lilie zum Erblühen zu bringen."<br> | ||
Als Tsaida später von den Prüfungen erfuhr, war sie erschüttert aber wenig überrascht, dass Rahjane, als sie nach der Armbinde gefragt wurde, jenes Gespräch zu ernst genommen hatte und allen Anwesenden erklärte, dass eine Metapher ein Begriff aus der Lilienzucht sei.<br> | Als Tsaida später von den Prüfungen erfuhr, war sie erschüttert aber wenig überrascht, dass Rahjane, als sie nach der Armbinde gefragt wurde, jenes Gespräch zu ernst genommen hatte und allen Anwesenden erklärte, dass eine Metapher ein Begriff aus der Lilienzucht sei.<br> | ||
| Zeile 41: | Zeile 41: | ||
Doch waren es nach diesem Spielchen noch nicht genug der Fragen. So wurden alle Bewerber abschließend nacheinander in die Mitte des Saales gebeten und das Publikum wurde aufgefordert, ihnen Fragen aller Arten zu stellen. Fasste sich Bernardo hier in wenige präzise Worte, so ließen die tändelnden Antworten Rahjanes ohne weiteres auf ihr vielmehr heiteres Gemüt schließen.<br> | Doch waren es nach diesem Spielchen noch nicht genug der Fragen. So wurden alle Bewerber abschließend nacheinander in die Mitte des Saales gebeten und das Publikum wurde aufgefordert, ihnen Fragen aller Arten zu stellen. Fasste sich Bernardo hier in wenige präzise Worte, so ließen die tändelnden Antworten Rahjanes ohne weiteres auf ihr vielmehr heiteres Gemüt schließen.<br> | ||
Zu letzt waren die Kandidaten, welche durch eine Präsentation ihrer Künste noch einmal versuchen wollten, die Zwillinge für sich zu begeistern, angehalten, ihr Können zu präsentieren. | Zu letzt waren die Kandidaten, welche durch eine Präsentation ihrer Künste noch einmal versuchen wollten, die Zwillinge für sich zu begeistern, angehalten, ihr Können zu präsentieren. | ||
[[Bild:Brautschau Gruppenbild Seeblick.jpg|right]] | |||
'''Die Wahl der Zwillinge und die Entscheidung des Gremiums''' | '''Die Wahl der Zwillinge und die Entscheidung des Gremiums''' | ||
| Zeile 57: | Zeile 57: | ||
Der jungen Dame bereiteten die ganzen Festlichkeiten viel Vergnügen, gehört Tanz doch zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Bernardo hingegen schlug seiner Angetrauten, die ganz enttäuscht darüber schien, nicht die Titel geerbt zu haben, vor, sie doch mit auf seine nächste Fahrt gen Süden zu nehmen. | Der jungen Dame bereiteten die ganzen Festlichkeiten viel Vergnügen, gehört Tanz doch zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Bernardo hingegen schlug seiner Angetrauten, die ganz enttäuscht darüber schien, nicht die Titel geerbt zu haben, vor, sie doch mit auf seine nächste Fahrt gen Süden zu nehmen. | ||
Die Brautschau war vorbei, die Grafenfrage zu Bomed aber noch nicht lange geklärt. Der Landtag musste noch die Entscheidung darüber fällen. Weiterhin gab es immer noch einen gewissen Horasio della Pena und eine gewisse Josmina von Bregelsaum, die nach der Brautschau nicht von der Bühne verschwunden waren. Und war es nicht eine Vistelli gewesen, die vor [[Alwene von Oberfels-Phecadien]] Gräfin zu Bomed war? | Die Brautschau war vorbei, die Grafenfrage zu Bomed aber noch nicht lange geklärt. Der Landtag musste noch die Entscheidung darüber fällen. Weiterhin gab es immer noch einen gewissen [[Horasio della Pena]] und eine gewisse Josmina von Bregelsaum, die nach der Brautschau nicht von der Bühne verschwunden waren. Und war es nicht eine Vistelli gewesen, die vor [[Alwene von Oberfels-Phecadien]] Gräfin zu Bomed war? | ||
<div align=right>'' | <div align=right>''GE mit Dank an PS für eifrige Schreibarbeit und an FF und AB für Hintergrundinformationen.''</div> | ||
[[Kategorie:Bosparanisches Blatt Nr. 30]] | [[Kategorie:Bosparanisches Blatt Nr. 30]] | ||