Briefspiel:Ein Hausbesuch der schönen Art
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In der Villa der Familie d’Antara
Phelizzio d'Antara saß am Küchentisch über eine Zeitung gebeugt. Eine alte Angewohnheit, die er auch mit der Nobilisierung nicht abzulegen gedenkt. Sollen doch standesgleiche Männer und Frauen ihre Nase rümpfen, wenn sie ihn in der Küche sitzen sehen würden, doch in seinem Haus lebt er nach seinen Regeln. Er sah auf, als sein Sohn Timor sich zu ihm an den Tisch setzte und ihm einen geöffneten Briefumschlag reichte. ,,Hier Vater. Der wurde gerade an der Tür abgegeben. Ich hab ihn bereits geöffnet, denn ich dachte mir, dass du in deine Zeitung vertiefst bist. ,,Jetzt aber nicht mehr, mein überaus pflichtbewusster Sohn”, Phelizzio lachte, legte die Zeitung beiseite und nahm den Brief entgegen. Während Phelizzio las, stand Timor auf und stellte zwei leere Tassen auf den Tisch. Anschließend nahm er die Teekanne vom Herd und goss frischen Tee ein. ,,Familie di Solano lädt uns zu einem Familientreffen ein”, begann Phelizzio. ,,Hast du nicht die Einladung deinerseits auf der Eröffnung ausgesprochen?”, fragte Timor und führte die Tasse zu Mund und pustete. ,,Eigentlich ja, aber das empfinde als nicht schlimm. Ich freue mich, wenn wir einen guten Eindruck gemacht haben. Ich lasse selbstverständlich eine Zusage übermitteln”, sagte er und formulierte bereits in Gedanken die passenden Sätze. ,,Vater. Ich werde mitkommen. Tante Viana hat ja auch bereits ihr Interesse mitgeteilt, du erinnerst dich?” ,,Stimmt! Jetzt fällt es mir wieder ein. Ach wenn ich dich nicht hätte mein Sohn!”, er lachte herzlich und Timor schmunzelte daraufhin. ,,Dein Leben würde sehr sehr umständlicher werden, mein geliebter Vater. Wie hätte sich sonst von alleine deine Tasse mit Tee füllen können?”, dann lachten beide auf. ,,Sei doch bitte so gut und überbringe die Antwort dann persönlich in meinem Namen. Du weißt ich muss den Bauplan für die Karavelle für die Familie di Asuriol noch fertig skizzieren”. Timor nickte bestätigend und beide sprachen dann noch ausführlich über einige Neuerungen, die der junge Schiffbauer gerne umsetzen möchte.
Im Palazzo Salveri
Es war ein schöner Nachmittag, wärmer als die vorherigen und Wolkenfrei. Der Palazzo Salveri stand in seiner selbst da, die Renovierungsarbeiten erst seit kurzem abgeschlossen, jedoch ist der alte Glanz noch nicht wiederhergestellt. So stand er da, die Praiosstrahlen an seiner Wand empfangend, still. Im Palazzo wuselte es aber, in der Küche züngelten die Flammen und das Speisezimmer wird hergerichtet. Das Gedeck mit Ouroborus Motiv zu den Plätzen der di Solanos und das Gedeck mit Getreidemotiv an den Plätzen der Gäste. So wurde sich an diesem Tag sehr angestrengt, ist es doch das erste mal, dass man eine Familie vom selben Rang in seinem Haus begrüßen durfte. So arbeiteten die Angestellten, sodass sie rechtzeitig gegen Abend fertig wurden und die Familie d‘Antara Patriziarwürdig in empfang nehmen konnten.
Ankunft der Gäste
Die Praiem, stand gerade auserhalb des Palazzos, an einem Beet arbeitend, als die d‘Antaras eintrafen.
Die Familie d’Antara fuhr mit einer offenen Kutsche vor. Eskortiert wurden sie von vier Gardisten der Palmyramischen Wache, der eigenen Hausgarde. Aus dem Pferdegespann stiegen Phelizzio d’Antara, seine Frau Sybilla sowie ihr Sohn und Erbe Timor aus. Begleitet wurden sie von Viana d’Antara, Geweihte der Gütigen Göttin Travia und Schwester Phelizzios. Die Gäste bemerkten den Mann, der fleißig in einem Beet nahe der Eingangstür arbeiteten und steuerten auf ihn zu. Wachsam beobachteten die Hausgardisten das Geschehen, bereit sofort eingreifen. Es war Sybilla, die das Wort an den Mann richtete. ,,Travia und offensichtlich Peraine zum Gruße, werter Freund der fleißigen Arbeit. Man erwartet uns bereits. Bittet seid doch so gut und richtet der Familie di Solano unsere Ankunft aus”. Der Schiffsbauer beugte sich etwas über dem Rand des Beetes vor, und die Arbeit des Arbeiters in Augenschein zu nehmen. Er nickte, als er die gute Arbeitsstruktur erkannte und lächelte dem Mann warmherzig zu. Praiem sah verwundert auf, als er die Familie entdeckte lächelte er „Verehrte Dame, gerne werde ich meiner Schwester die Nachricht eurer Ankunft überbringen.“ Als die d’Antara ,,Schwester” hörten neigten sie höflich den Kopf vor Praiem Als er das nicken Phelizzios sah, lachte er kurz auf. „Ich sehe euch gefällt die Arbeit, die große Ewigjunge Göttin schenkte mir diese Vision.“ Nun kam auch die Geweihte und Timor ans Beet getreten. Großmütterlich lächelte Viana und schaute über das Beet. ,,Die Gemeinschaft der Zwölf ist groß und facettenreich. Die Gütige Göttin hat mir ebenfalls die ein oder andere Vision geschenkt. Solche Eingebungen darf man niemals unterschätzen, Signor”. Praiem sah verwundert zu Viana. „Ich bin mir sicher, die euren Visionen, sind groß, doch mir offenbart sich Tsa, ein Beet nach Beet und Verband um Verband.“ Praiem wurde kurz still nur um aus voller Kehle zu rufen, „Schwesterchen, die d‘Antaras sind vorgefahren, du willst doch nicht unhöflich sein.“ In seiner Stimme eine unverkennbare kindlichen Häme, wie so oft bei den Priestern der Tsa. Familie d’Antara quittierte diese Art der Ankündigung mit einem gemeinsamen Schmunzeln und nahmen keinen Anstoß daran. Ein Besuch ohne Pauken und Trompeten waren allen Mitgliedern so am liebsten. Aus dem Haus kam eine Frau marschiert, hinter ihr ein ganzer Aufmarsch der Familie di Solano. „Verehrte Familie d‘Antara, wir heißen euch in unserem Palazzo willkommen, meinen Bruder habt ihr ja schon kennengelernt, er scheint wie ein Elf zu altern, besonders im Geiste.“ ,,Werte Signora. Es ist uns eine große Freude Eure Gastfreundschaft genießen zu dürfen. Bitte sofern Eurer Familie, wir noch nicht bekannt sind: Gestatten meine liebreizende Frau Sybilla. Meine Schwester und Geweihte der Travia, Viana sowie mein Sohn und Erbe Timor. Zuletzt noch meine Wenigkeit, Phelizzio d’Antara. Alle Vorgestellten verbeugen sich höflich. „Eine Freude, die verehrten Signores kennenzulernen. Mich meinen Sohn Vullo, meinen Neffen Laure und meinen Bruder habt ihr schon kennengelernt, mein anderer Bruder Villar, er lässt sich mitsamt dem Sohn meines Cousin Fran entschuldigen, beide sind im Labor und bereiten einen Besuch einer anderen Familie in jenem vor.“ Nicandras stimme nahm nun Schwung auf. „Aber kommt nun rein, niemand solle behaupten können, wir würden Travia nicht ehren. Wenn sie wollen, können eure Wachen mit den anderen Angestellten im Bediensteten Zimmer mitessen, keine Sorge, wir stammen aus Harodien, nicht Mengbilla, wir werden euch nicht vergiften.“ Phelizzio lachte. ,,Umso beruhigter werden wir nun essen können, doch jegliche Vorurteile hätte wir außer Acht gelassen”, erklärte der Schiffsbauer ,,Habt Dank, werte Signora Nicandra. Travia möge Euch für die Gastfreundschaft danken”, erklärte die Geweihte. Mit diesen Worten gingen den Gästen ihren Gastgebern folgend hinein. Drinne wurden Ihnen ihre leichten Mäntel abgenommen und man folgte weiter den di Solanos in das Speisezimmer. Ein Raum, welchen man sofort als den di Solanos zuordnen konnte, jede Wand war mit Schlangenmotiven bemalt während in den Tisch ein Serpentinen Muster eingeschnitten und mit getrocknetem Harz aufgefüllt war. Das Gedeck war klar den Familien zugeteilt, so saßen die d‘Antaras prominent zusammen am Tisch, umringt von den di Solanos. „Verzeiht, wenn wir euch gleich mit dem Essen überrumpeln, jedoch es ist brauch, zu essen und danach bei Scherbet und Gebäck das Geschäftliche zu regeln.“ Diese Worte, stammten aus dem Mund eines etwas kleineren Mannes, mit Pferdeschwanz. „Oh verzeiht, mein Name ist Silem, Senator der Republik und Repräsentant meiner Familie.“ Sofort nahmen die d’Antaras in Anwesenheit eines Senators der Republik Haltung an. ,,Signor Senator. Aber nicht doch. Es Eure wunderbare Gastfreundschaft, die wir genießen dürfen, so pflegen wir uns Euren Bräuchen anzupassen!”, erklärte Phelizzio im Namen seiner Familie. „Ihr scheint, sehr gute Manieren zu haben. Signor d‘Antara.“ die kratzige Stimme der alten Frau neben Silem verklang. „Meine Mutter, Irfinia.“ warf Silem ein, sodass man wenigstens wusste, wer die Dame war. Eine junge Frau meldete sich zu Wort, als sich von ihren Armen die Armschienen lößten und aus dem Raum krabbelten. „Du musst nicht jeden Vorstellen, wenn jemand etwas sagen will, kann er sich unseren Gästen doch kurz vorstellen. Nebenbei, mein Name ist Khadana, mein Bruder lässt grüße ausrichten, er ist leider nicht in der Lage, hier zu erscheinen.“
Jeder der Gäste neigte höflich den Kopf und folgten der Einladung sich zu setzen.
,,Zuerst möchten, wir Euch, Signor Senator, unser aller Glückwünsche zur Senatswahl persönlich aussprechen. Die letzten Monate in Efferdas waren recht turbulent, wenn ich das höflich so bezeichnen darf, daher freuen wir nun einen Beitrag zur Stabilität geben zu können, sowie auch die Eure Familie mit exzellenten Kenntnissen in der Alchemie!”, sprach Phelizzio feierlich und durch seine warmherzige Art, schien es so als wären seine Gastgeber etwas offener geworden.
„Ich danke für die Glückwünsche und hoffe auf ein stabiles Efferdas.“ Silems Miene nahm das für ihn natürliche überangestrengte Lächeln an. „Ich entschuldige mich vielmals, nicht bei eurer Eröffnung erschienen zu sein, jedoch verlangten wichtige Angelegenheiten meine Aufmerksamkeit.“ ,,Aber, aber, Signor. Ihr braucht Euch gewiss nicht zu entschuldigen. Die Pflichten um die Stadt und Republik werden immer Vorrang genießen!”, erklärte der Schiffsbauer, ehe Sybilla fortfuhr: ,,Wir genossen die Anwesenheit der werten Signora Nicandra wie auch die der werten Signori Praiem, Laure und Vullo. Wir hoffen natürlich auch unsererseits, dass Euch die Feier gefallen hat. Zudem wurde auf der Eröffnung ein Angebot unsererseits gemacht. Dass wir gerne hierzu noch einmal erneuern möchten. Eine Lehrstelle in Kontorwirtschaft- und Organisation werden wir sehr gerne für Eure Tochter (Sybilla schaute in Richtung Nicandras) vergeben. Doch wir erwarten selbstredend wie bereits erwähnt ein hohes Maß an Fleiß und Verlässlichkeit. „Signora Sybilla, ich würde mich freuen.“ das Wort von einer jungen Frau ergriffen, die Tochter Nicandras Velena. „Schon in Vinsalt, war ich Fleißig und meine Familie kann meine Zuverlässigkeit sicher bestätigen. In mir, werden sie eine eifrige Schülerin und wenn von ihnen anvertraut eine zuverlässige Gehilfin.“ Die Lobrede abbrechend ergriff Nicandra das Wort. „Meine Tochter wie ihr seht, besitzt ein gesundes Maß an selbstvertrauen. Lasst euch nicht von jenem Verhalten verunsichern, sie war in unserer Familie immer verlässlich und ihr Fleiß wird, wenn man ihr eine Aufgabe gibt nur von wenigen übertroffen. Und vielleicht, wäre Erfahrung wie sie bei der Lehrstelle eurerseits genau die richtige Möglichkeit ihre Selbstsicherheit ihren Fähigkeiten anzupassen.“ Die Aranierin ließ die Worte auf sich wirken und musterte kurz ihren baldigen Lehrling. Mit einem zufriedenen Lächeln, nickte sie nun. ,,Mein Eindruck und Eure Worte, werte Signora, stimmen mich zufrieden. Wir freuen uns hiermit Euch herzlich willkommen zu heißen in unserer Werftfamilie, werte Velena! Sofern es passt, wäre der Ausbildungsbeginn in zwei Monaten. In der Zeit würden alle Verträge wie Formalien fertig ausgetauscht sein und Ihr erhaltet selbstredend eine beglaubigte Kopie aller Schriftstücke von der Canzlei Gezetti hier in Efferdas zugeschickt. “ Nun ergriff ihr Mann Phelizzio das Wort. ,,Wohlan!”, er klatschte freudig in die Hände. Im selben Moment wurde das Essen aufgetischt und währenddessen tauschte man sich freundlich über die beider Familiengeschichten wie Alltägliches aus. Beim Servieren des Nachtisches war es nun die Travia-Geweihte Viana, die sich an ihre Gastgeber wandte. ,,Wir danken Euch für das traumhafte Essen und für Eure Gastfreundschaft. Travia schätzt dies sehr! Doch nicht alle in Efferdas genießen diese Annehmlichkeiten. Ich wirke seit einiger Zeit im Viertel Miseria, um dort zu helfen und Not zu lindern. Dazu habe ich der Stadtverwaltung abringen können, am Therbunitenspital jeden Travia in der Woche Brot wie Suppe verteilen zu dürfen. Natürlich ist es diplomatisch gewagt, Euch direkt zu fragen, doch könnte sich Eure Familie vorstellen dort mitzuwirken?”, sie blickte alle di Solanos beim reden an und letztendlich ruhte ihr Blick auf den Senator. Silem wich dem Blick der Geweihten aus, er wanderte zuerst zu seiner Mutter, wonach sich sein Blick auf Nicandra ruhte. Eine Reaktion abwartend, vorsichtig, keine Regung bis sie gesprochen hatte zu zeigen. Nicandra fing gerade an ihren Mund zu öffnen, als sie von Praiem unterbrochen wurde. „Verehrte Viana, sicherlich werden wir für euer Unterfangen etwas bereitstellen können. So können Efferdas Bürger die Familie eines ihrer Repräsentanten sehen, wie sie den Bedürftigen helfen.“ Der letzte Satz schien an Nicandra gerichtet, sodass sie dem Vorschlag besser gesonnen entgegentrat. „Ich nehme an, es lassen sich einige Arzneien und Familienmitglieder entbehren, alles für die Republik.“ Nicandras Blick, während ihrer Worte, war auf ihren jüngeren Bruder Praiem gerichtet, wenig nett. Es lag auf der Hand, dass Nicandra eigentlich ablehnen wollte, was sie jedoch, nun da Praiem schon die Hilfe zugesichert hatte nicht mehr möglich war. Praiem mit einem Lächeln von Häme „Ich denke, meine Präsenz bei diesem unterfangen wäre genehm, am besten wäre es wohl, wenn auch Silem dabei wäre, immerhin muss er den Rückhalt unserer Familie in der Bevölkerung verantworten. Wäre dies akzeptabel, Signora Viana.“ Viana strahlte dankend und ließ die formell falsche Anrede zu einer Geweihten durchgehen. ,,Werte Familie di Solano”, die alte Dienerin der Gütigen Göttin erhob sich. ,,Hiermit möchte ich Euch im Sinne der Bürger von Miseria danken! Möge Travia Eurem Haus und Eurer Familie stets ihren Schutz zuTeil werden lassen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr Eure Unterstützung gebraucht wird. Sie blickte zu ihrem Bruder Phelizzio, der ihr anerkennend zu lächelte und seinem Becher zu einem Trinkspruch erhob, doch sein Sohn Timor war schneller. Verblüfft von dem Einsatz des jungen Mannes, ließ er nun den Dank der Familie nun offiziell verkünden. ,,Verehrte Familia di Solano. Wir danken für Speis und Trank unter Eurem Dach. Ihr seid hervorragende Gastgeber und Ihr bereichert die Stadt wie die Republik mit Eurer Hilfsbereitschaft. Zudem sind auch Eure helfenden Arzneien wie exquisiten alchemistischen Erzeugnissen ein wahrer Segen für alle Bürger. Familie d'Antara trinkt auf Eure Gesundheit und auf weitere gemeinsame Ziele! Salute!”, damit endete er und alle Gäste erhoben die Becher. „Salute“ Laure ergriff das Wort. „Wir danken für diesen Trinkspruch, Verehrte Familie d‘Antara, wir danken für die Stelle, in der sich meine Cousine beweisen kann, auch ihr tragt eine große Last, immerhin, ihr seid Schiffsbauer, in der Stadt der Delfine, wohl eine Aufgabe, welche mit viel Herzblut und Ehrverständniss verbunden ist. Deshalb, danke ich für euer erscheinen, so seid ihr doch wohl gut beschäftigt, in einer Maritimen Stadt gibt es doch immer die Not nach einem Schiff.“ Phelizzio lachte und gab Laure Recht. Beide Familien genossen nun den Ausklang des Abends, bei dem eine weitere Einladung nur diesmal in die Villa d’Antara ausgesprochen wurde. Da die Familie d’Antara keine Absage annehmen wollte, erlagen die di Solano dem Charme der Einladung.