Briefspiel:Unter Nattern

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Briefspiel in Efferdas
Datiert auf: Jahresende 13. Firun 1046 BF Schauplatz: [[]] Entstehungszeitraum: 2026
Protagonisten: Isaura di Camaro und Khadano di Solano Autoren/Beteiligte: Dajin, Vritra


Der Briefverkehr


Verehrteste Signora Isaura di Camaro,

mein Name ist Khadano di Solano, Abgänger der Accademia Magica Curativa. Mir ist zu Ohren gekommen, dass ihr, wie ich selbst, der Kunst von Lotus und Tollkirsche erlegen seid. Es wäre mir eine ausgesprochene Freude, eure Bekanntschaft zu machen, um mich davon zu überzeugen, ob ihr wirklich die Genia seid, von der man munkelt.

Mit Neugierigen Grüßen und Hoffnung auf Antwort,
Adeptus Khadano di Solano


Das Treffen

Die Reise Khadanos führte ihn ins nördliche Umland von Efferdas. Durch die Herrschaft Callaneo hindurch ging es weiter bis Saliceria. Die Region wurde deutlich waldiger, die Herrschaft war bereits ein Ausläufer des Ranafandelwaldes, welcher für seine dichten, urigen Robinienhaine bekannt war. Und auch für seine schuppigen Erben, die seit vielen Generationen dafür sorgten, dass die lokalen Holzfäller den Wald mieden wie Efferdgeweihte Vulkane. Und doch führte der Weg irgendwann Ostwärts bergauf ins Nichts, wo sich mitten in einem Wald mit äußerst ungepflegtem Schotterpfad dann irgendwann doch auch eine kleine Villa erkennen ließ. Sie war sicher einige hundert Jahre alt, doch wurde erst vor kurzem erst frisch hergerichtet. Sie lag auf einer kleinen Anhöhe und kaum, dass man am Tor der äußeren Mauer angekommen war, sah man auch über die Baumkronen der niedriger liegenden Bäume hinweg und sah bis weit in das Land hinein. Ein Wächter an diesem Tor schien über den Besuch informiert zu sein und öffnete das Tor ohne große Fragen. Der Weg war nun aus weißem Kies und führte in leichten Schlangenlinien durch einen eher wild gehaltene Wiese hin zur eigentlichen Villa, vor dessen Eingang eine riesige Ginster gewachsen war.

Die Villa ging über zwei Etagen, auffällig war ein großer Balkon auf der Westseite, von dem man aus noch besser bis weit ins Land hinein blicken konnte. Dort hatten einige Bedienstete auch schon Teetassen und ähnliches auf einen Tisch rund um eine gemütlich wirkende Rattan-Sitzgarnitur aufgestellt. Es wirkte, als würde hier jemand erwartet. Das Wetter ermöglichte auch einen guten Blick über das, was alles an Land unter ihnen lag.

Um zum Balkon zu gelangen, vermutete Khadano, dass man wohl durch eine doppelflügelige Tür nach innen gehen musste und irgendwie erwartete er auch ein Foyer mit zwei Flügeltreppen, aber als ein Diener ihn dann vor dem Tor willkommen hieß, führte dieser ihn zu seiner Überraschung zunächst am Haus entlang, vorbei um eine Ecke zu einer art Terrasse, auf der in einer kleinen weiteren, halboffenen Lehmhütte ein Grill eingebaut wurde und vor dem sicher auch schon einige Sitzgelegenheiten für größere Gartenfeste platziert wurden. Hier gab es eine weitere Tür ins innere, aber auch eine Steintreppe, die auf einen Vorbau der Villa führte und von wo man ebenfalls den Balkon zu Fuß erreichen konnte.

Der Livrierte hielt den Gast an, kurz zu warten und ging ins Innere. Khadano nahm einen tiefen Atem. Er war so lange zuerst in Vinsalt und dann in Efferdas gewesen, die Gerüche, das war das Schlimmste, aber hier, die Weite des Waldes, die Luft ohne Gestank, der Geruch der Blumen, alles hier, erschlug fast seine Sinne. Khadano konnte fast seine Schwäche vergessen. Auf dem Weg hierher, hatte er sogar ein Paar Kräuter erblickt, deren Studium sich für ihn sicher lohnen würden. Der Wachmann kehrte aber nicht aus der Villa zurück, sondern stattdessen kam eine Frau zwischen 60 und 70 aus der gläsernen Balkontür. Sie hatte dünne, schwarze Haare, deutliches Übergewicht über die Jahre gesammelt und trug edle, schwarze Kleidung, ihr Gesicht wirkte freundlich, aber irgendwie lag eine eigenartige Form von Bedrohung in ihren Zügen. So sehr sie auch lächeln mochte. Eine recht tiefe Stimme begrüßte den Gast. “Senhor Khadano! Welche freude, dass ihr den Weg in die Casa las Gayumbas gefunden habt.” „Signora, es ist mir eine Freude, ich war gerade am bewundern eures Domizils. Wenn ich es sagen darf, von jemandem wie euch in eurer Residenz eingeladen und empfangen zu werden, euch sei vielmals Gedankt.“ Khadanos Ton war ganz verträumt, doch schnell wieder in der Gegenwart. Erst jetzt wendete er den Blick von der Szenerie ab und drehte sich mit einer Verbeugung zu der älteren Dame um.

Isaura winkte mit einem weiter freundlichen Lächeln ab. “Ach, ihr schmeichelt. Sie ist ja noch gar nicht fertig. Der Vorgarten braucht immer noch viel Arbeit. Und ihr Prunkstück ist tatsächlich der Blick von der Villa weg. Genau an dieser Stelle.” Sie deutete auf die Sitzecke, an der die Diener zuvor die Teeservice schon platziert hatten. Darin versteckt war auch die Aufforderung, sich auf die Rattansessel zu setzen. In der Tat sah man von hier wirklich weit ins Land hinein und der Blick hatte seine ganz eigene Magie. “Aber lasst euch vom Blick nicht täuschen, sobald der Mond aufgeht, hört man hier sehr deutlich, wie viele Hunde Saliceria beherbergt. So viel sei verraten… es sind viele. Und sie sind laut.”

Froh über die Aufforderung, folgte der Adept jener und nahm platz, neben sich einen Reisetornister platzierend. „Ich bin mir sicher, es gibt Lösungen auch für dieses Problem, nicht vorzustellen, in welche Schönheit der Mond dieses wohl zwölf gesegnete Land taucht. Da wird sich sicherlich etwas ergeben.“ Khadanos Mundwinkel verzogen sich, ein unerkennbarer Ausdruck. Mit einem Mal änderte sich sein Gesichtsausdruck wieder und wandelte sich in ein Grinsen. „Ein Gast, bringt immer ein Geschenk, ist es nicht so?“ Khadano griff in den Tornister, mit einem Schwung holte er einen Beutel heraus und stellte jenen auf den Tisch.

Isaura reagierte etwas vorsichtig - oder gar zynisch auf das Geschenk, als sie es mit einem “Ein Lederbeutel.” kommentierte. Sie schien nicht motiviert zu sein, es selbst aufzumachen. “Wollt ihr mir verraten, was darin ist?” „Verehrteste, es sind Samen, für eine Kennerin, ein Kennergeschenk. Meine Schwester müsst ihr wissen, studierte in Mirham. Sie brachte mir Samen für Orchideen mit.“ Khadano lehnte sich zurück, studierend, ob die Dame wusste, was vor ihr genau in dem Beutel lag.

Die Mengbillanerin zog kurz die Augenbrauen hoch, ohne dabei ihr Lächeln zu verlieren. “Ein Kennergeschenk…” sie setzte sich in den Sessel und griff zu einer der parat gestellten Tassen Tee. Khadano hatte vielleicht ein wenig mehr Freude erwartet, aber Isaura schien ein gewisses Boltangesicht zu pflegen. “Dieses Treffen verspricht zu halten, womit es angekündigt wurde. In Mirham lernt man in dieser Angelegenheit sicher sehr theoretische Dinge, aber in meiner Heimat lernt man vor allem, dass man vorsichtig sein muss. In jedem Geschenk liegt auch immer eine Erwartung, wisst ihr? Ein Politikum. Und ein Brief, in dem jemand dem noch fremden Empfänger eine Expertise im Umgang mit der Tollkirche unterstellt, wirft in falschen Händen ähnliche Fragen auf wie ein Säckchen mit solchen Dingen, die im Schatten des Ranafandelwaldes eigentlich besser nicht den Besitzer wechseln sollten. So will ich euch an dieser Stelle gleich sagen, dass eure Annahmen eventuell auf ein Missverständnis ruhen könnten. Ich habe natürlich nur einen grünen Daumen. Und schätze den Lotus wegen ihrer anmutigen Blüten als Erinnerung an meine Heimat, wo solche Pflanzen ganz normal waren. Und offen bin ich natürlich schockiert darüber, dass ihr mit eurer Kenntnis in so hohen Kreisen offen hausieren geht.”

Es klang wie völlig emotionslos Vorgetragene Ironie. Oder meinte sie das wirklich ernst? Nein, es musste Ironie sein. Isaura di Camaro hatte einen eindeutigen Ruf in dieser Hinsicht. In der ganzen Stadt war die Angst der Bevölkerung vor ihr und ihren Einladungen zum Fischessen inzwischen Sprichwörtlich. Diese Frau hatte laut Volksmund mehr Menschen verschwinden lassen als die tiefen Keller von Efferdossa. “Daher, erzählt mir doch lieber etwas von eurer offiziellen Ausbildung eurer Schwester in Mirham. Oder gerne auch, was man in der Stadt von eurer offiziellen Profession sich so erzählt?”

„Verehrte Signora, ich kann euch versichern, ich habe keine Absichten, welche mich, noch euch in Verruf bringen könnten.“ Khadano, welcher sonst so gut lügte, konnte bei diesem Satz das Schmunzeln nur schwer unterdrücken. „Aber falls es euch beruhigt, meine Ausbildungsstelle nannte ich ja schon in meinem Brief. Mein Mentor, wenn ich ihn so nennen kann, war Alessandro Tarini, ein Meister seines Faches. Ich bin von Herzen Forscher. Die Samen, ich brachte sie, wie ihr es sagtet, da der Vorgarten noch nicht Fertig ist.“ Wieder eine glatte Lüge, vor seiner Ankunft wusste er nicht mal, dass dieses Gut einen Garten hatte, dieses mal ohne Verräterisches Schmunzeln konnte er aber seine gespaltene Zunge zischen lassen. „Meine Schwester ist Adeptin der Golemantie von Mirham. Unsere Großtante Nicandra erlaubte es, sie wünscht ein gutes Handelsverhältnis, mit der Region, welche die potentesten Pflanzen beherbergt. Eine Maga aus der Region kam da ganz recht. Zurzeit jedoch, langweile ich mich in Efferdas, mein Vater will mich im Hospital-Kapitanat und meine Forschung, wenn ihr versteht, wird in dem jetzigen Klima Efferdas nicht gebraucht. Zu instabil für meine ‘Forschung‘, ist die Republik sagt Nicandra.“ Jetzt hatte sich Khadano doch von diesem lächeln und der Atmosphäre zu einer kleinen Beichte verleiten lassen, wenigstens hatte er nicht sein Interesse an Chimärologie heraus posaunt. Eine unerfahrene Laie hätte das Synonymenspiel des Adepten vielleicht verwirrt, aber Isaura wusste genau, welche Forschung der Mann wohl treibt.

Sie lehnte sich in ihrem Rattansessel zurück. “Warum habe ich das Gefühl, dass man von einem “vergifteten Geschenk” sprechen müsste, würde ich euer Geschenk tatsächlich im Vorgarten anpflanzen. Der Anblick würde euch sicher gegen eure jugendlich getriebene Langweile helfen. Aber wenn ich hier etwas in den letzten knapp 50 Jahren gelernt habe, dass auch die Bewohner dieser Region ein ungemein ausgeprägtes Interesse daran haben, ihren Ruf makellos zu halten und sie deswegen um so kritischer werden, je südlicher sie geboren sind. Ich befürchte also, dass eure Samen den Weg nicht in unseren Vorgarten finden. Und die Menschen von Efferdas würden auch nicht sonderlich positiv auf Familienmitglieder reagieren, die Golems ins Leben rufen oder andere Heimische zur grenzwertigen Kräuterzucht einladen. Wenn ihr also im efferdischen Magistrat tatsächlich eine Einstellung erhaltet, wäre diese so offen gezeigte Unabhängigkeit eine wahrlich rasante Fahrkarte heraus aus eurer Langeweile. Ich wäre nur nicht sicher, ob sich diese in die von euch auch bevorzugte Richtung bewegen würde.” ihr Gesicht wurde durchaus etwas ernster, hatte aber auch etwas… mütterliches. “Wenn ihr also ein paar Ratschläge oder eine Empfehlung für das Matrikel-Kapitanat wollt, sprecht es ruhig frei heraus. Aber vertraut niemandem. Und das soll jetzt bitte nicht als Drohung verstanden werden, aber der Unterschied zwischen Mengbilla und dem Horasreich ist manchmal nur die Art und Weise, wie jemand Unliebsames verschwindet.”

Khadano saß nun da, er fühlte sich wieder wie in Vinsalt als unwissender kleiner Junge auf der Bank sitzend, nachdem er wieder ein Experiment angestellt hatte. Er war etwas beschämt, hatte er doch nur ein schönes Geschenk mitbringen wollen, hatte er doch versucht ein guter Gast zu sein. Er war aber auch froh, diese Frau die vor ihm sitzt, sie war in seinen Augen keine Giftmörderin, sie war eine nette Dame. „Eure Größe ehrt euch verehrte Signora, ich danke für den Rat, nun umso mehr wünsche ich, dass ihr die Samen nehmt. Nicht zum Pflanzen, aber zum aufbewahren, um sie in Not zu gebrauchen. Seid versichert, das Geschenk ist nicht vergiftet, nach eurem Rat, wieso sollte ich euch da hintergehen.“ Khadano nahm seine Tasse und nippte an ihr, um die Wärme zu testen. „Ich hielt euch, als ich durch Efferdas strich und von euch hörte, für einen Geist der Freude an der selben Sache hat, deshalb schrieb ich euch, darum bin ich so offen.“ Khadano nun davon überzeugt, dass der Tee nun perfekt temperiert war, nahm einen Schluck.

“Keine Sorge, das “vergiftete” Geschenk wäre so auf eine eher metaphorische Art und Weise zu verstehen. Ich weiß, dass ihr aus gutem Herzen hier seid. Und gerade, weil ich das erkenne, hielt ich es für angemessen, euch einen warmen Rat mit an die Seite zu geben. Ihr habt eine Passion für ein Thema mit vielen Schatten und dies in einer Position, welche Praios Sonne automatisch anzieht. Natürlich nehme ich euer Geschenk an und ich weiß auch, was damit zu tun ist. Aber wie das genau aussehen wird, das ist, genau wie die Gabe, eure Passion erfolgreich im Schatten zu halten, eine Kunst für sich. Und wenn ich das so empfehlen darf, sowas kann man nicht früh genug lernen. Wir Südländer haben da sicher einen kleinen Vorsprung, wir haben den Schatten in der Muttermilch, wo andere mit Naivität genährt werden. Aber nichts kommt von alleine.”

„Das ist eine ganz gute Überleitung. In der Tat bin ich nicht nur hier, um mit euch über Trivialitäten zu sprechen. Nein, ich bin auch hier, um über euren grünen Daumen zu sprechen. Meine Tante, wie ich schon erwähnte, wünscht meine Forschung nicht. Ihr Kritikpunkt, der Vertrieb meiner Forschung, da diese Offiziell nicht existiert, ist schwer zu regulieren und kann irreversible Schäden anrichten. Was auch stimmt, wie alles was ist schaden verursachen kann. Euer Grüner Daumen ist aber legendär. Unter der Anleitung von euch, könnte aber meine Forschung erblühen.“

Isauras Gesicht wuchs ein Lächeln, zudem verschränkte sie die Arme. “Ihr sucht also eine Lehrmeisterin. Sieh an. Nun, zunächst sei gesagt, eure Tante hat völlig recht. Südländische Kräuterkunde ist schwer zu regulieren und kann irreversible Schäden anrichten. An Konsument wie auch am Züchter. Sei es auf physische Art oder … na gut, ein Richtschwert ist auch eine physische Bestrafung… aber dann erzählt doch einmal genauer. Was wollt ihr denn erlernen und studieren? Theoretische Pflanzenkunde? Anwendungsfelder? Wirtschaftsinteressen? Oder die Kunst, sich all dem im Schatten zu bewegen?”

„Bin ich damit dann recht in der Annahme, dass ihr interessiert seid. Mein Wunsch, ist eine Möglichkeit meine Forschung wirtschaftlich zu machen und die Schäden, welche sie doch auch verantworten kann zu minimieren. Tantchen, ist vorsichtig, aber auf eine Einnahme Quelle zu verzichten, nur weil die Situation nicht ideal ist, erscheint torhaft. Wenn ihr es zulasst, mich lehrt, wie man in den Schatten wandelt, sodass, natürlich gegen Geld, einen Kontrollierten Verkauf meiner Forschung an den Patrizier und Popolo. Wärt ihr damit einverstanden? Als bezahlung, würde ich euch eine Beteiligung am Preis zusichern. Ein Teil an Euch, ein Teil an mich.“ Khadano schien ziemlich stolz, auf die Idee, welche er gerade vorgetragen hatte. Sein Gesicht war ein breites Grinsen, seine Augen funkelten vor Erwartung, was die Isaura wohl antworten würde.

“Interessiert… oder höflich genug, euch nach eurer langen Reise zuzuhören, wer weiß das schon.” Sie lehnte sich wieder zurück in ihren Sessel. “Ihr klingt ein wenig wie diese D’Antaras, wusstet ihr das? Ihr werft mit Beteiligungen und Preisen und Golddukaten um euch, die ihr mit euren Träumen und Visionen erreichen wollt, noch bevor eine erste Dukate über den Ladentisch gegangen ist. Aber ich bin alt, Senhor Khadano. weise genug, um ein noch so gut klingendes Angebot genauer zu hinterfragen und mit genügend Geduld ausgestattet, um sich auf unerwartete Eventualitäten vorzubereiten. Von daher… ich gebe euch recht. Euer Handwerk kann eine lohnende Geldquelle sein. Viele in der Stadt, ja in allen Ländern arbeiten mit der Sucht ihrer Kunden. Die Bierbrauer, die Weinhändler, die Tabakpflanzer mit ihren Mohacca-Röllchen. Wie viele arme Schlucker da draußen haben sich etwas wirklich teures als Laster angelegt und werden es jetzt nicht mehr los, wenngleich sie schon Haus und Hof dafür verkaufen mussten. Wie viele haben sich von ihrer Moral verabschiedet und griffen zu Stock und Stein, um sich ihr heiß begehrtes Laster finanzieren zu können? Oder verkauften Geist und Körper? Und ach, was wäre das nur für eine feine Welt, in der man sich nach dem Konsum solcher bösen Geister keine Gedanken machen müsste, dass sie einen langsam und stetig töten? Wie eigenartig, dass eure Tante nicht will, dass ihr in diese Richtung eurer Buchhaltung entsprechend lukrative Belege zukommen lasst, oder?” Ihre Gesichtszüge wurden auf einmal unmerklich härter. Sie blickte Khadano fest in die Augen. “Bevor ich also auf euer Angebot genauer zu sprechen komme, erlaubt mir zwei drei Fragen. Zunächst… was glaubt ihr, in einer so erhabenen, reichen Stadt wie Efferdas, in der es auf der einen Seite unzählige, unerreichbare Sehnsüchte gibt und auf der anderen Seite angebliche Koryphäen wie mich, die diesen armen Schluckern geben könnte, was sie wollen, wie kommt es wohl, dass es trotzdem niemanden gibt, der damit offensichtlich ein gutes Geschäft gemacht hat?” Sie beugte sich nach vorne, den Blick zu Khadano nicht brechend. “Und ist euch aufgefallen, dass ich noch gar nichts von diesem Tee hatte? Ernsthafte Frage, denkt ihr, das ist Tee, was ihr da trinkt?”

„Um von hinten anzufangen.“ Khadanos Lippen bebten, er hatte es nicht für möglich gehalten, dass diese nette Dame nach ihren Worten irgendwas mit dem Getränk angestellt hätte. „Nun, ich muss gestehen, ich weiß es nicht, ich genieße die Hitze bei diesen Getränken so sehr, dass ich keinen Geschmack erkenne. Zur zweiten Frage, es kam mir nicht sonderbar vor, so schient ihr mir doch wie eine große hohe Dame, die es besser weis, einen Herren, der nichts außer Nettichkeit euch entgegen brachte, etwas zu servieren, was er womöglich nicht verträgt. Nun zu eurer ersten Frage. Nun Sehnsucht und Angebot gehen nicht immer Hand in Hand. Es mag Koryphäen in Efferdas geben, doch verstreut, ihr hier, wahrscheinlich noch höchstens eine Person in Efferdas, ohne Infrastruktur zum Schaffen und Vertrieb. So kann niemals Geld entstehen. Oder ihr besitzt schon so ein Unterfangen und ich habe einfach nur noch nichts davon gehört.“ Beim letzten Satz versuchte er zu lachen, aber die Angst, vergiftet worden zu sein, ließ nur ein bemitleidenswürdige Krächzen heraus. Zum Glück zu leise, als dass man es hören konnte. Khadanos Hand ging nun wieder zu der Tasse, diesmal um einen demonstrativ großen Schluck zu nehmen, wenn er sich irgendwas zuziehen würde, sollte es wenigstens stark und schnell sein, nicht so wie sein Körper. „ Wenn ihr mir erlaubt noch anzuführen, meine Art, ist nicht so wie die der Fasane. Es erscheint nur besser, die euren Vorteile zu betonen, wenn man etwas Aufbauen will.“

Sie begann zu grinsen. “Ihr habt völlig recht, was wäre dies für ein götterloses Unterfangen, würde ich einfach Travias Gesetze strafen und meine Gäste vergiften. Und euer Anliegen soll doch Travia und vor allem Peraine dienen, nicht wahr?” Irgendwie war da ein Unterton in ihrer Stimme, gepaart mit diesem Lächeln, dass diesen letzten Moment des Zweifels einfach nicht mehr verschwinden lassen konnte. “Und ja, ich bin eurer Meinung. Wenn es in Efferdas tatsächlich jemanden geben sollte, der all dieses so götterungefällige Treiben in einer solchen Perfektion betreibt, dass es sich sogar trotz eurer Studien der öffentlichen Wahrnehmung entzieht, dann ist das meist kein Werk von Zufall, sondern ein Zeichen dafür, dass da jemand sehr gut darin ist, dieses götterungefällige Treiben zu verschleiern. Ein wahrer Meister der Verhüllung. Oder eine Meisterin, wer weiß das schon. Ich persönlich will aber gerne glauben, dass es nur ein Zufall ist, dass sich dieser Geschäftsidee noch keiner gewidmet hat. Immerhin wird solch eine Perfektion meist eher im Süden des Kontinentes gelehrt. Also Städte wie Al’Anfa, Mirham, Brabak… Mengbilla… Aber ich bin neugierig geworden. Nehmen wir also an, es gäbe eine solche graue Eminenz der Suchtkranken in der Stadt… wie würdet ihr reagieren, wenn ihr mit eurer Idee erfolg hättet und euch auf einmal mit einer Konkurrenz auseinandersetzen müsstet, die ihrem Handwerk erstaunlich gut im Geheimen nachgeht?”

„Nun, ich bin Neu, in diesem Domizil der Grünen Daumen, somit wäre wohl die beste Verhaltensweise, das Aufsuchen der Konkurrenz und die Zusammenlegung der Unternehmungen vorschlagen. Konkurrenz ist schlecht für das Geschäft und wenn sich diese Graue Eminenz so gut im Schatten halten kann, wieso nicht dazu stellen, anstatt sie in die Sonne zu ziehen, um vielleicht selbst mit ihr dort zu stehen.“ Man konnte in den Worten des Adepten, dass aufatmen hören, nicht vergiftet worden zu sein.

Isauras Lächeln entspannte sich hin zu einem zufriedenen Lächeln. Zum ersten mal griff auch sie zum Tee und nippte daran. “Ihr seid vielleicht jung, aber schon sehr Weise. Und ich hätte genau so gehandelt an eurer Stelle. Ich hätte genau gewusst, welche Rolle ich in solch einem Alter spielen müsste. Und daraus den Profit geschlagen. Ich hätte gelernt und mich loyal gezeigt. Damit ich nicht eines Tages einen Tee trinke, der mir nicht sonderlich schmeckt.” sie setzte ihren Tee samt Untertasse ab. “Dann erzählt mir doch einmal, woran forscht ihr da genau? Braucht ihr ein Labor? Oder sind es eher Behördensachen, die euch an euren Plänen stören?”

„Nun, über Laboratorien verfügt meine Familie bereits, hinter den Türen jener Labore kann man ungestört arbeiten. Mein Problem liegt eher in den Pflanzen. Es ist zwar klar was gebraucht wird, wie beispielsweise Orchideen.“ Khadano deutete auf den Lederbeutel. „Aber meine Reserven sind knapp. In Efferdas können diese Pflanzen nicht angebaut werden. Zu groß das Risiko. Dabei würde ich eher Hilfe benötigen. Zu meiner Forschung übrigens, sagen wir so, eure Heimat ist mit ihr gut vertraut, es sind die Pflanzen von Meridiana.“ Khadano nahm einen kleinen Tiegel aus seinem Tornister und öffnete ihn. Darin, eine leicht violette Creme. „Meine eigene Rezeptur, eine Creme, welche jeden Schmerz verschwinden lässt.“

“Also violettes Wirselkraut zerstoßen und in Schweineschmalz oder Gänsefett, eventuell Bienenwachs, dazu Arnika, Weidenrinde und etwas Tollkirsche. Dazu dann vermutlich euer “Mittelchen X” nehme ich an. Es muss ein Süchtigmacher sein, sonst hättet ihr ja nicht mich aufgesucht, sondern einen Apothekarius. Es muss ein Südkraut sein. Chuchas oder Taru. Eventuell schwach dosiertes Kukris? Da könnte ich verstehen, warum nicht nur der Anbau kompliziert wäre. Man sollte die teilweise recht torfigen Böden der Coverna aber nicht unterschätzen. Wir haben hier Tee - und Tabakplantagen. Und - so munkelt man - soll es vor ein paar Jahren unweit dieses Ortes ja sogar eine Seidenlianen-Zieherei gegeben haben. Schändlicher Gedanke, nicht wahr? Euch geht es dann also tatsächlich darum, dass ihr aus Medizin Profit schlagen wollt?”

„Ihr seid eine Meisterin eures Faches, ihr erkennt was andere nur als Creme bezeichnet hättet. Tatsächlich ist es Kukris. Aber nein, Medizin ist die Domäne meines Bruders und meines Onkels, dies ist nur ein Beispiel, was getan werden kann. Sollte aber die Graue Eminenz diese Art der Medizin benötigen, sieht man das beherrsche ich auch. Ihr habt aber recht. Es ist schändlich, nur der Gedanke.“ Die Lippen des Mannes wichen einem Grinsen.

“Zudem entbehrt es jeglicher Klasse. Kukris. Ein Gift, das so populär ist, dass es sogar Händlerpreise im Gjaslkerland dafür gibt. Nur ein Narr würde sich auf so etwas nicht vorbereiten. Wisst ihr, in meiner Heimat gab es da so einen Spruch. Der Weg zur Niederlage ist Wahnsinn. Wenn aus Disput Furcht geworden ist und aus Furcht ein nervöser Blick nach hinten, dann hat man sein Ziel erreicht ohne dass nur ein Blatt vom Stengel gezupft wurde. Wenn ihr Wohlstand und Reichtum mit der Gabe der Suchtmacher erreichen wollt, benötigt ihr eine Reputation. Ihr könnt bestens davon leben, wenn ein jeder nur glaubt, dass ihr so etwas habt. Was für euch im Moment auch eine Entscheidung fordert. Wollt ihr wirklich forschen? Oder wollt ihr Vermögen? So euphorisch ihr das auch seht, in diesem Gewerbe geht langfristig nur eins. Dessen müsst ihr euch im klaren sein.”

“Mir war nicht bewusst, dass sich Kukris so weit verbreitet hat. Dennoch, mein Wunsch wäre es, Vermögen aufzubauen. Wie euch vielleicht aufgefallen ist, bin ich etwas schwächlich, mit genug Vermögen könnte ich anstatt zu Forschen, mehr Forscher anstellen, die ein Mittel gegen meine Schwäche entwickeln.“ Khadanos Grinsen wich einem genervten Blick, wohl seiner Gebrechlichkeit bedenkend.

“Das Pulver selbst nicht. Sein Ruf hingegen…” sie machte eine winkende Handbewegung, woraufhin sofort ein Diener hinein kam. “Tholian, den Kuchen bitte…” und damit war der nickende und auf dem Absatz kehrt machende Tholian auch schon wieder aus der Wahrnehmung Isauras verschwunden. “Wisst ihr, ich glaube, ihr denkt noch viel zu profan. Zu verbissen. Was ihr nämlich völlig verkennt… ihr seid schon reich. Ihr klingt ein wenig wie ein armer Schlucker, der davon träumt, in einem Meer von Dukaten zu schwimmen. Und irgendwie klingt es auch nicht, als wäre euer Handwerk eure Passion, sondern nur das Mittel zum Zweck, eure Passion zu erreichen. Mit Forschern, die für einen arbeiten und die für euch eure Träume erfüllen sollen, ist es wie mit Kindern. Man ist für diese Verantwortlich. In den guten Momenten erfüllen sie einen mit Stolz, doch man lässt die Momente, in denen sie einem Kummer bereiten gerne unter den Tisch fallen. Und irgendwann kann man noch so reich sein, sie werden irgendwann flügge und finden sich ein eigenes Leben, so wie ihr jetzt. Und dann hättet ihr sie, eure Dukaten. Und das Haus, dass die Dukaten euch finanziert hätten, dass Anwesen, die Diener… oder was immer ihr euch von eurem Reichtum erhoffen würdet, wäre leer und bedeutungslos. Schaut euch um. Mein Mann und ich, wir wohnen nicht hier, weil wir so reich wären. Würde es darum gehen, dann hätten wir eine ganz andere Villa irgendwo in einer Großstadt. Aber das hier ist unser Alterssitz, der Ort, an dem wir uns gemeinsam zufrieden zurücklehnen können und stolz sein können auf das, was wir erreicht haben. Und dann denken wir nicht an die Münzen, sondern an unsere Passion. Von daher mein Rat - überlegt sehr gut, was ihr wirklich tun wollt. Ihr könnt ein glücklicher Forscher sein oder ein Geldsack. Und ich sage es offen heraus, nur bei einer der beiden Dinge könnte ich eine Hilfe sein.”

Khadano hob die Hände. „Bitte, bitte, versteht mich nicht falsch. Meine Freude am Forschen ist groß, meine Liebe zur Erkenntnis größer, aber ihr werdet es sicher verstehen. Man muss auch realistisch sein. Forschung braucht Finanzen. Es war ohnehin mein Ziel, zuerst meine Krankheit zu heilen. Danach kann ich forschen, ohne die Ketten meines Leibes. Einundzwanzig Götterläufe bin ich jetzt alt, dabei krümmt sich mein Leib manchmal als wäre ich ein Greis, ich verliere Kraft. Das will ich überwinden. So bitte ich darum, mich zu unterweisen, nicht für das morgen, sondern für den Übermorgen. Doch ich kann mich auch umschwenken, wenn ihr nur helft. Wenn man die Forschung priorisiert, so werde ich eben jene priorisieren. Zudem ist meine Familie wohlhabend, aber nicht ich. Aber für was verprassen sie es, für Maismehl aus Harodien und anderem Luxus. Nicht für meine Genesung.“

Isaura blickte kurz auf den jungen Mann ihr gegenüber. Diese Verletzlichkeit, die er gerade offenbarte, wirkte absolut ehrlich. Dieser Mann wäre niemand gewesen, den sie einfach so hätte vergiften können, um damit ein Exempel zu statuieren oder etwas zu beweisen. Er starb wohlmöglich längst in einem Kampf mit dem eigenen Körper, der genau das Gleiche mit ihm tun wollte. Dass er mit ihr nun über Gifte und Arznei reden wollte, ihren Rat wollte, wurde auf einmal zu einer Verzweiflungstat. Und wenn seine eigene Familie kein Interesse daran hatte, dass eins ihrer eigenen Mitglieder bei guter Gesundheit war, so lag das vermutlich daran, dass er beim Erlangen seines Herzenswunsches sich längst über die Moralvorstellungen seiner Familie hinweg gesetzt hatte. Ihren Stirnfalten konnte man erkennen, dass sie ins Grübeln geraten wäre. Kurz wich der Blick von ihm ab, doch dann schien sie einen Gedanken gefasst zu haben und blickte ihn wieder fest an. “Giulia Sabatino…” erwähnte sie einen Namen, der bisher noch gar keinen Kontext zum bisherigen Gespräch ergab. Khadano blickte entsprechend irritiert. “Ist das… eine Heilerin? Eine Kräuterhexe, die ihr kennt?” Isaura kicherte fast, was bei einer solch bedrohlichen, morbiden Frau automatisch für ein ungutes Gefühl sorgte. “Aber nein. Das ist die Ehefrau von Bassanio Changbari. Der Mann, der nach dem Herzinfakt seines Vaters durch seine schlechte Art Geschäfte zu machen für die Pleite seines ganzen Hauses sorgte und gewissermaßen den Taten des Serafanos Thirindar Tür und Tor öffnete. Etwa mein Alter meine ich, aber kein Format, eine fürchterliche Duckmäuser, die inzwischen mit ihrem nichtsnutzigen Gemahl in Toricum lebt. Aber das ist auch gar nicht weiter von Belang, es geht um das, was sie tat, während sie noch in Efferdas weilte. Sie war Hospital-Capitana.” “Ich verstehe noch nicht ganz…” war Khadanos Verwirrung schwach und daher nicht ausreichend gelindert. “Nun, es scheint doch so. Ihr seid hier, weil ihr Verzweifelt seid. Eure Expertise hat euch vor einen unwiederrufbaren Schluss gebracht. Eure Heilung ist auf legalem Wege nicht zu erreichen, stimmts? Und lasst mich raten, diese Erkenntnis deckt sich nicht mit dem moralischen Kompass eurer Familie, was sie harodisches Maismehl vor eure Belange stellen lässt. Mein Vorschlag dazu wäre - hört auf sie, aus den richtigen Beweggründen. Sagt eurem Vater, dass ihr die Stelle im Hospital-Capitanat annehmen wollt. Und dann, mein Guter, dann macht ihr aus dem Capitnat eine Stelle, die der ganzen Stadt hilft - einschließlich euch. Seht es doch mal. Ihr müsst kein Geld mehr mit Schattengeschäften verdienen, ihr bekommt das Geld auf einmal von eurer Familie. Und dann stellt ihr euere Lutenentes so ein, dass sie getreue Vasallen von euch sind. Ihr sucht euch einen Experten für die Lutenente für die Seuchenwehr, welcher offiziell zur Abwehr potentieller Seuchen den Auftrag für den Import seltener Kräuter erfüllt. Oder ihren Anbau möglich macht. Euer Lutenente für Aufsicht und Wehr geht gegen Schmuggler von Arzneien vor und konfisziert Waren, die ihr selbst vielleicht gut gebrauchen könntet. Euer Lutenente für Reinigung ist vielleicht talentiert darin, gewisse schief gelaufene Experimente verschwinden zu lassen, ohne dass jemand nachfragt. Ihr selbst habt Zugang zu allen möglichen medizinischen Archiven und könnt ständig Heiler konsultieren, im Interesse der Stadt. Natürlich wäre ein Nebeneffekt, dass die Arbeit in diesem Kapitanat es mit sich bringt, dass ihr euch auch um die Gesundheit anderer kümmern müsstet. Aber wie einfach wäre es, den Bürgern von Efferdas all dies als honore Motivation zu verkaufen. Ihr wärt der Mann, der weiß, wie furchtbar es ist, eine Krankheit zu haben. Und der deswegen dafür sorgen will, dass niemand mehr krank sein muss. Die Leute lägen euch zu Füßen. Und sie würden euch bei eurem Kampf gegen das eigene Leid völlig freiherzig und offenherzig helfen. Von daher, Senhor di Solano, meine Empfehlung an dieser Stelle wäre tatsächlich, auf jeden Fall das Angebot eures Vaters anzunehmen. Denn was ihr braucht, ist nicht etwa Geld. Ihr braucht Einfluss. Und den findet ihr nicht in den Schatten dieser Stadt.”

Khadano war jetzt erstaunt, dem ausmaßen der Intelligenz der Frau erst jetzt wirklich bewusst werdend. „Was ihr sagt, klingt einleuchtend. Es erscheint wie der beste Plan und wenn ich mich um die Gesundheit der Stadt kümmere, dann kann ich vielleicht ein gutes Beispiel sein. Doch will ich fragen, warum? Warum sagt ihr mir dies, was versprecht ihr euch davon? Haltet mich bitte nicht für undankbar, im Gegenteil, ich bin unfassbar dankbar für diesen Rat. Aber bitte sagt mir, was ihr als Gegenleistung erwartet.“

Isaura zog eine Augenbraue nach oben, doch ihr trügerisches lächeln blieb bestehen. “Senhor, nun beleidigt ihr mich. Erst erzählt ihr mir diese Geschichte eines Todkranken Menschens mit einem Traum und nun, da ich mich des Mitleids hingebe, glaubt ihr, dass auch dies ein Preis habe? Wirke ich auf euch wie eine Dame mit so wenig Klasse? Ich würde sagen, ihr haltet fürs Erste eure Dankbarkeit eng am Herzen. Wir sind ja Nachbarn, was die Arbeit in einem Capitanat betreffen würde. Das Hospital-Capitanat und das Matrikel-Kapitanat sind eng miteinander verbunden. Ihr zählt die Kranken und sorgt für sie, ich zähle die Lebenden und die Toten. Ich verwalte Bürgerrechte, ihr sorgt für Grundrechte wie die Gesundheit. Und nur angenommen, ihr hättet dieses Kapitanat nun unter eurer Leitung und würdet es nutzen, um neumodische Medizin an euren Kranken ausprobieren und sie würden dabei sterben, dann würde das bei mir in der Chronik landen. Da wäre es sicher von Vorteil, wenn die Leiterin des Matrikel-Kapitanats euch gut gesinnt ist. Denn macht euch nichts vor, ein Capitanat bringt es mit sich, dass es Neider mit einer starken Meinung gibt. Und das kann skurril werden, es gibt zum Beispiel immer wieder Leute, die behaupten, dass einige der Menschen, die den Rest ihres Lebens in Efferdossa Kerzen ziehen dürfen kurz vor ihrem Tod gar nicht in Efferdossa gewesen wären und vor allem nicht beim Kerzenziehen gestorben wären. Wie gut, dass es die Chronik des Matrikel-Kapitanates mit solchen Gerüchten aufräumt, nicht wahr?”

„Da habt ihr wohl recht. Und verzeiht, ich wollte euch nie beleidigen. Ich wollte mich nur erkundigen, da euer Vorschlag von einer solchen Güte war, dass dies bei anderen weniger großen Persönlichkeiten eine lebenslange Pflicht nach sich gezogen hätte. Bitte entschuldigt, zu aber mal habe ich euch für schlechter gehalten als ihr seid. Torhaftigkeit von meiner Seite, daran besteht kein Zweifel. Da habe ich mich wohl von den Worten der Spelunken zu euch verwirren lassen. Aber ihr habt auch recht.“ Der Magus bewegte seine Hand auf seiner Brust. „Ich werde meine Dankbarkeit, zu euch, eng am Herzen tragen.“

“Ihr werdet hoffentlich daraus lernen, euch kein Urteil über eine Person zu erlauben auf Basis des Gewäsches in den billigen Hafen Spelunken. Seit jeher ein Ort, welcher den Schatten reichen Nährboden gewährt. Und aus dem Schatten kann nichts Strahlendes erwachsen, stimmt es?” lächelte die alte Dame vielsagend. Sie hatte den Eindruck, dass auch Khadano nun verstanden hatte, worauf er sich eingelassen hatte und dass er die Prinzipien von Loyalität verstanden hatte. Er hatte sich in das Netz der Spinne eingelassen und nun vermutlich gelernt, dass er noch einiges lernen musste. “Und ich würde sagen, jetzt ist es Zeit für etwas wohlschmeckende Himbeertorte, findet ihr nicht?” Eine Handbewegung reichte und der Diener kam mit der Kuchenplatte hinein. Sie beachtete ihn kaum. Als der Kuchen kommentarlos auf dem Tisch abgestellt wurde, nahm sie auch gleich ein Messer und teilte den Kuchen in einige Stücke auf, packte einen davon auf einen kleinen Teller und reichte ihn Khadano. “Möge er euch wohlbekommen. Er sollte auch garantiert ohne Kugelfisch sein, vermute ich…”

Diese letzten Wörter hörend, nahm Khadano den Kuchen entgegen. Er würde sich nicht verunsichern lassen, das hatte er gerade gelernt, dieser Frau konnte man Vertrauen, jedenfalls momentan. „Dann hoffe ich, dass eure Nettichkeit nicht vergebens war, sollte ich gleich umkippen.“ Die Worte mit einem Lachen sprechend. Damit nahm er ein Stück seines Stückes und aß es genüsslich. Mit dem Kuchen im Mund wandte er seine Augen wieder auf den Ausblick.