Briefspiel:Unterredung in Sewadâl/Larona ya Scarpone

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Briefspiel in Sewamund
Datiert auf: Anfang Tsa 1046 BF Schauplatz: Sewadâl, Schloss Sewadâl Entstehungszeitraum: ab November 2025
Protagonisten: Dareius Amarinto, Larona ya Scarpone Autoren/Beteiligte: Amarinto, Carenio, Philburri, Tribec
Zyklus: Übersicht · Larona ya Scarpone · Haus Vistelli · Familie della Carenio


Im Schlossgarten

Schloss Sewadâl, in der Baronie Sewamund, Anfang Tsa 1046 BF

Der neue Baron von Sewamund hat weitreichende Pläne
Das Jagdschloss dient dem Baron als vorübergehende Residenz
Die Condottiera wird zu einer Unterredung gerufen

Die Wintersonne hatte zwar den dichten Morgennebel aufgelöst, sie war allerdings zu schwach, um den gefrorenen Boden aufzutauen und der Firunskälte Einhalt zu gebieten. Der heftige Kälteeinbruch hatte für einige frostige Nächte und nur wenig wärmere Tage gesorgt. Auf den Wegen und Feldern waren nur diejenigen anzutreffen, deren Pflichten keinen Aufschub in einer wärmenden Stube duldeten. So wie die drei Reiter, die gegen Mittag auf den Ort Sewadâl zuritten. Sie waren dick angezogen und trotzten den frostigen Temperaturen. Die mitgeführten Banner zeigten den Jagdspieß der Unterfelser Briganten sowie den Stiefel der Condottiera Larona ya Scarpone.

Aufgeregt ritt Larona der Begegnung mit dem vor wenigen Wochen bei der Kaiserjagd ernannten neuen Baron von Sewamund entgegen. Seit dem Götterurteil am Norderkoog Ende Travia hatte sie Dareius nur bei der Siegesfeier in Sewamund gesehen, ein persönliches Treffen hatte es nicht gegeben. Die Unterfelser Briganten wurden bald von Amelthona d'Illumnesto, der neuen Protektorin von Sewakien in den Phecanowald geschickt um Schmuggler zu jagen. Und Dareius hatte sich nach dem Antritt seiner Herrschaft als Baron um viele drängende Fragen zu kümmern. Doch nun hatte er sie endlich auf seine vorübergehende Residenz, das Jagdschloss Sewadâl, eingeladen und Larona freute sich sehr auf das lang ersehnte Wiedersehen.

Aber wie würde Dareius ihr begegnen? Der Standesunterschied war nun noch offensichtlicher. Welches Verhalten war angemessen? Was erwartete der Baron von ihr? Unsicher und mit gemischten Gefühlen ritt Larona die letzte Meile zum Schloss Sewadâl.

Der geheime Schlossgarten von Sewadâl lag still unter der blassen Wintersonne. Der gefrorene Boden knirschte leise unter den Stiefeln und selbst das Wasser des erstaunlichen Brunnens schien langsamer zu plätschern, als wolle es die Kälte nicht weiter reizen. Dünne Eisschlieren hatten sich am Rand des steinernen Beckens gebildet, ohne die feinen Mosaike der Sternbilder zu verdecken, die im fahlen Licht wie eingefrorene Himmelszeichen wirkten.

Dareius wartete dort. Er trug keine Uniform, kein Zeichen des Feldherrn oder Ordensritters, sondern einen schlichten, edlen Mantel aus grauem Fehpelz, dessen warmer Flor sich deutlich vom rauen Winter abhob. Die behandschuhten Hände hatte er locker ineinandergelegt, den Blick auf den Brunnen gerichtet, doch seine Aufmerksamkeit war längst bei dem Weg, der durch den kleinen Garten führte. In der kalten Luft lag etwas Erwartungsvolles, etwas Unausgesprochenes, das ihn zugleich freute und wachsam hielt.

Als die Reiter das Schloss erreichten, wurden sie von einer kleinen Abordnung empfangen. Gjalsker von den Cren-Barrach, unverkennbar an Statur, Körpergröße und Haltung, die pelzbesetzten Mäntel schlicht, die Äxte griffbereit, aber nicht drohend. Eine von ihnen trat vor, hochgewachsen, mit offenem Haar und dem wettergegerbten und tätowierten Gesicht einer Kriegerin.

"Yurga Ogertod", stellte sie sich knapp vor und musterte Larona mit einem prüfenden Blick, der rasch zu nüchterner Achtung wurde. "Der Baron erwartet Euch im kleinen Garten, Signora." Die Kriegerin sprach Horathi ohne Akzent, dagegen mit einem leichten Anflug eines phecadischen Dialekts, offenbar war sie bereits im Horasreich aufgewachsen.

Die zwei Begleiter Laronas wurden mit knappen Gesten in den Küchentrakt des Schlosses geleitet, wo Rauch aus den Kaminen und der Duft warmer Speisen bereits auf sie warteten. Yurga jedoch blieb an Laronas Seite, führte sie schweigend durch einige Säle und Korridore durch eine unscheinbare Seitentür, vorbei an Backstein und weiß gekalkten Ornamenten, bis sich der verborgene Innenhof öffnete. Dort stand die, selbst nach so vielen Begegnungen weiterhin furchteinflößende Gestalt von Arion Amarinto, dem wortkargen Leibwächter Dareius' mit dem kalten Blick eines professionellen Mörders. Er musterte Larona aufmerksam, fixierte das Schwert an ihrer Seite, aber machte keine Anstalten sie aufzuhalten. Im Vorbeigehen glaubte sie ein fast unmerkliches Nicken in ihre Richtung zu sehen. Was bei anderen Menschen respektlos gewirkt hätte, erschien bei diesem Mann fast wie eine hohe Ehre, die er nur Kriegern entgegenbrachte, die er wirklich respektierte.

Dann öffnete sich der kleine Innenhof und dort sah Larona ihn. Dareius wandte sich um, als ihre Schritte näherkamen. Für einen Augenblick sagte keiner von beiden etwas. Der Lärm der vergangenen Monde, das Klirren von Waffen, das Rufen von Boten und das Murmeln der Lagebesprechungen schienen hier keinen Platz zu haben. Nur das leise Plätschern des Brunnens und der kalte Atem des Winters begleiteten diesen Moment.

"Du kannst gehen, Yurga", sagte Dareius ruhig zur Gjalskerin. Die Kriegerin nickte knapp und zog sich zurück, ohne neugierige Blicke zu verschwenden. Nun standen sie einander allein gegenüber, während die Glalskerin den Garten verließ.

Dareius lächelte, ehrlich, aber zurückhaltend, und verneigte sich leicht – nicht als Herr, sondern als Mann, der eine Vertraute begrüßt.

"Signora Larona", sagte er, und in ihrem Namen lag mehr Wärme, als er sich selbst zugestanden hätte. "Ich freue mich, dass Ihr gekommen seid."

Herz und Verstand waren uneins. Die Sehnsucht nach diesem Mann drohte, sie zu überwältigen und Larona musste sich beherrschen, Vorsicht und Anstand nicht zu verlieren. Mit dem Blick zu Boden beugte sie das Knie und sammelte sich. Erst dann sah sie ihm in die Augen und schenkte ihm ein ehrliches, herzliches Lächeln. "Baron Dareius! Ich freue mich sehr, Euch zu sehen und bedanke mich für die Einladung. Ich gratuliere Euch von Herzen zu Eurer Ernennung!" Die Worte hallten in ihrem Ohr nach und klangen formeller, als sie es meinte. Schnell ergänzte sie noch: "Ein schönes Domizil habt Ihr Euch gesucht. Ich hoffe, Ihr konntet Euch trotz der neuen Verantwortung ein wenig von den Strapazen des Krieges erholen."

Nun schloss die Gjalskerin die Türe hinter sich und sie waren alleine.

Dareius blinzelte einen Augenblick – und dann lachte er leise, ehrlich, ein warmes Lachen, das den Frost zwischen ihnen ein wenig brach. Er hob beschwichtigend eine Hand, als wolle er ihren formellen Ton sanft zur Seite schieben. "Ausgesucht", sagte er schmunzelnd, "habe ich mir das alles nicht."

Er trat an den Brunnen und setzte sich ungezwungen auf dessen steinerne Kante. "In Sewamund", fuhr er fort, mit gespieltem Bedauern, "hätte ich mit dem Schloss Corello vermutlich das schönste Schloss ganz Phecadiens beziehen können. Terrassen, Meerblick, endlose Marmorsäulen..." Er hob die Schultern. "Aber der Herzog hatte andere Pläne. Und so sitze ich vorerst nun hier. Ein schönes Schlösschen, ohne Zweifel, aber doch Bescheiden im Vergleich zur Residenz meines Vorgängers."

Sein Lächeln wurde weicher, als er sie wieder ansah. "Doch im Ernst: Danke für deine Glückwünsche. Wahrlich." Er atmete tief durch. "Weder ich noch meine Familie hätten uns diese Ehre jemals erträumt. Baron von Sewamund..." Er schüttelte leicht den Kopf, als müsse er sich selbst davon überzeugen. "Manchmal klingt es mir noch fremd in den Ohren." Sein Blick wurde ernster, ruhiger.

"Gerade deshalb will ich dieser Aufgabe gerecht werden. Der Konflikt hat Narben hinterlassen – in Sewamund, Amarinto und nicht zuletzt in den Herzen der Menschen. Jetzt braucht es Aufbau, Versöhnung, Geduld." Ein kurzer, nachdenklicher Blick auf das Wasser. "Ich schulde Sewakien Ruhe. Und Hoffnung." Dann sah er wieder zu ihr auf, offen, ohne Ausflüchte.

"Und ich will ehrlich mit dir sein, Larona." Ein leiser Atemzug. "Ich habe dich nicht hierher gerufen aus...persönlichen Gründen. Auch wenn ein Teil von mir sich das gewünscht hätte." Ein Schatten von Bedauern huschte über sein Gesicht, verflog aber rasch. "Es ist die Pflicht, die mich dich rufen ließ." Seine Stimme wurde fester, aber nicht kühl. "Ich habe eine Aufgabe für dich. Eine besondere. Eine, die besonderes Vertrauen verlangt – und eine Kriegerin, die mehr ist als eine Condottiera."

Er erhob sich vom Brunnenrand und trat wieder einen Schritt näher an sie heran. "Doch darüber", sagte er ruhig, "möchte ich nicht hier sprechen." Sein Blick hielt den ihren fest. "Lass uns in den Jagdsalon gehen und dann erkläre ich dir, warum ich dich gerufen habe."

Pflicht. Das Wort traf Larona härter als sie erwartet hatte. Sie zwang sich zu einem leichten Lachen, weich, fast verspielt. "Das überrascht mich nicht", sagte sie – und wusste selbst, dass es nur halb wahr war. "Ihr...Du warst nie ein Mann, der Einladungen ohne Grund ausspricht. Und...ich gebe zu, es freut mich, dass Du mich sehen wolltest. Auch wenn es der Pflicht geschuldet ist." Sie schenkte ihm ein offenes und ehrliches Lächeln. "Ich bin gespannt auf diese ehrenvolle Aufgabe, die Du mir zugedacht hast. Ich hoffe, ich werde sie in Deinem Sinn erfüllen, dem Land Hoffnung zu geben." Anerkennung lag in ihrer Stimme. "Deine Worte zeigen mir, dass Du zum Wohle des Landes denkst. Das gefällt mir und wird Großes bewirken!"

"Aber..." Larona dachte an die Worte, die Dareius ihr einst gesagt hatte. Mutig wie eine Löwin. Sie lächelte leicht und kam näher, einen Hauch zu nah. Ihr Mantel streifte seinen Ärmel. "...nun will ich Euch nicht länger frieren lassen, Baron." Ein Hauch von Ironie legte sich in ihre Stimme. "Der Jagdsalon klingt nach einem Ort, an dem man sich gut...unterhalten kann", fügte sie hinzu, mit einem Blick, der mehr versprach, als ihre Worte es taten. "Und wer weiß", sagte sie leise, beinahe vertraulich, "vielleicht bleibt nach der Pflicht ja doch noch etwas Zeit...für anderes."

Im Jagdsalon

Dareius hielt einen Moment inne, als Larona so dicht an ihn herantrat. Nicht aus Verlegenheit, sondern aus ehrlicher Überraschung. Dann legte sich ein feines Lächeln auf seine Züge. "Ich muss gestehen", sagte er leise, "es ist...angenehm, einmal nicht selbst derjenige zu sein, der solche Angebote macht." Sein Blick verweilte einen Augenblick zu lange auf ihr, als es bloßer Anstand erlaubt hätte. Nicht forschend, eher prüfend, als lausche er einer Melodie, die er gut kannte, deren nächste Note aber offen war.

"Der Jagdsalon", fuhr er fort, ruhiger nun, "ist in der Tat ein Ort, an dem sich Gespräche...ungestört vertiefen lassen." Die Betonung lag kaum merklich auf den letzten Worten, als wollte er das von ihr Gesagte formell bestätigen. Für den Bruchteil eines Herzschlags flackerte etwas in ihm auf. Ein leiser Widerhall vergangener Begegnungen, Gesichter und Versprechen, die er gegeben oder sich hatte geben lassen. Erwartungen, die er geweckt hatte wie Kerzen in dunklen Räumen, wohl wissend, dass nicht jede davon dauerhaft Licht spenden konnte. Ein Hauch von Gewissen, kaum mehr als ein Schatten am Rand seines Denkens.

Er schüttelte ihn ab, unauffällig, fast unbewusst. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Erfahrung. Dareius ermahnte sich selbst, dass er nicht allen gerecht werden konnte. Und dass Zögern selten ein guter Ratgeber war. "Komm", sagte er schließlich ruhig und bot ihr den Arm an. "Lass uns die Kälte hinter uns lassen."

Der Weg durch das Schloss führte sie fort von der winterlichen Stille des Gartens hinein in wärmere, gedämpfte Räume. Als sich die Türen des Jagdsalons schlossen, umfing sie das lebendige Knistern des Kaminfeuers. Das Licht der Flammen spiegelte sich in polierten Holzflächen, warf tanzende Schatten über Jagdtrophäen, die mehr von Geschichte als von Prahlerei erzählten. Vor dem Kamin lag das mächtige Fell eines Bären, dunkel und weich, ein stiller Zeuge vergangener Winter. Dareius nahm ihr den Mantel ab, mit einer selbstverständlichen Höflichkeit, die nichts forderte. Ein Diener verschwand lautlos damit. Dann setzten sie sich in zwei schwere, bequeme Sessel nahe am Feuer. Bald darauf reichte man ihnen Becher mit warmem, gewürztem Wein, dessen Duft von Gewürzen die Luft erfüllte. Dann waren sie wieder allein.

Dareius schwieg einen Moment, betrachtete die Flammen, als ordnete er seine Gedanken. "Nun", begann er schließlich, sachlich, aber nicht kühl, "zu dem Grund, weshalb ich dich gebeten habe zu kommen." Er hob den Blick. "Es geht um die Erztransporte aus Trestal nach Grangor. Um Handelswege, die existentiell sind für den Baron von Sewamund – und um jene, die sie im Schatten des Phecanowalds stören."

Er nahm einen Schluck Wein. "Deine Erfolge gegen diese Schmuggler sind mir nicht entgangen. Im Gegenteil, ich bin beeindruckt von dem, was du in so kurzer Zeit erreicht hast." Eine kurze Pause. Dann sprach er weiter, ruhig und klar. "Ich möchte dich in meine Dienste nehmen. Ich beabsichtige, dich zur Kastellanin der Festung Ardenhain an der Bomeder Straße bei Osthzweyg zu ernennen. Dort sollst du eine neue Söldnereinheit aufbauen, sie führen und für Sicherheit sorgen – auf den Straßen wie im Wald und im Gebirge. In meinen Diensten, dessen des Herzogs und der hohen Familien Grangors."

Sein Blick ruhte fest auf ihr. "Zu diesem Zweck will ich dich in den Stand einer Cavalliera erheben und in mein Gefolge aufnehmen." Das Feuer knackte leise. Dareius lehnte sich zurück, offen, ohne Druck. "Es ist ein großes Angebot", sagte er ruhig. "Und ich weiß, dass es vieles verändert." Dann, mit einem kaum merklichen Lächeln: "Aber ich könnte mir kaum jemanden vorstellen, der dieser Aufgabe gerechter würde als du."

Für einen Moment hörte Larona das Prasseln des Feuer nicht mehr. Kastellanin. Noch bevor sie das Gehörte ganz einordnen konnte, breitete sich ein warmes, beinahe ungläubiges Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Sie richtete sich auf. "Du...willst mir eine Festung anvertrauen?" Ein leises Lachen entwich ihr, heller als beabsichtigt.

"Dareius, das ist..." Sie brach ab, schüttelte kurz den Kopf, fand kein Wort, das groß genug gewesen wäre. Schließlich senkte sie den Blick einen Moment, sammelte sich - und sah ihn dann offen an. "Das ist mehr, als ich erwartet habe." Für einen Augenblick vergaß sie jede Vorsicht. In ihrem Blick lag ehrliche Freude — und etwas Weicheres, Persönlicheres. Er hatte an sie gedacht. Nicht an irgendeinen Offizier. Nicht an einen Verwandten. An sie. "Es ist eine große Ehre, Dareius." Dann setzte ihr Verstand wieder ein. Sie nahm den Becher, ohne zu trinken, nur um ihre Hände zu beschäftigen. "In deinem Gefolge...", wiederholte sie leiser und hörte den Worten nach. Ihre Finger schlossen sich fester um die Wärme des Bechers. Das Lächeln blieb, wurde jedoch vorsichtiger.

"Du hast Recht, das verändert vieles." Sie hob den Blick wieder zu ihm, prüfend, aber ohne Härte. "Ich bin dann keine Verbündete mehr." Ein kurzer Atemzug. "Sondern Untergebene." Die Worte waren ruhig gesprochen, beinahe sachlich — doch ihr Blick suchte den seinen, als warte sie auf mehr als nur eine Bestätigung. Dann lächelte sie wieder, ehrlich, beinahe tapfer. "Versteh mich nicht falsch — ich nehme dein großzügiges Angebot mit Freude an." Ein winziger Schatten huschte über ihr Gesicht, verschwand jedoch sofort wieder. Das Feuer knackte leise zwischen ihnen.

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