Archiv:Neues aus dem Lilienrat (BB 42)

Ein Ohr an den Tueren der Macht:
Neues aus dem Lilienrat
von
Atnios Olissat

Nach Wochen der Rat- und Tatenlosigkeit schien es, als könnten die Ratsdebatten im Neuen Jahr wieder hitziger werden. Es soll wohl einige Streitgespräche gegeben haben.

Zunächst gab es heftigen Streit um das vermehrte Zusammenziehen von Söldnertruppen innerhalb der Stadt. Vor allem die Luntfelds wurden von einigen Seiten gerügt. Zwar sei es löblich, im Handel wieder vermehrt auf die Einfuhr von Lebensmitteln zu setzen. Genauso wichtig sei es, diese Handelszüge gut zu sichern. Doch sei es nicht ratsam, zu viele Bewaffnete in die Stadt zu holen. Dies widerspreche auch §33 der Stadtordnung, welcher die Stärke von Haus- und Wachtruppen vorgibt, so die Argumentation, die Voltan Vesselbek vorbrachte. Lania Luntfeld widersprach aufs Heftigste und warf ihrem Ratskollegen Neid über den erfolgreichen Handelszug vor. Doch letztlich musste sie dem Hinweis auf die Stadtordnung beigeben und versprach, dass die Söldner ihres Bruders die Stadt alsbaldigst verlassen würden.

Damit war es dem Vesselbekker gleichwohl nicht genug. Sein Rundumschlag ging weiter zu Alfredo Continio, dem Deichvogt Sewamunds und hiesigen Kontorleiter der Nordmeer-Compagnie. Genau dieses "Doppel-Amt" wurde ihm angekreidet. Beim Ernst der derzeitigen Lage, so Voltan Vesselbek, könne sich eine Person, bei allem Respekt, nicht mehr gleichzeitig um mehrere so wichtige Aufgaben kümmern. Eine davon müsse immer leiden, im schlimmsten Falle wären es sogar alle. Und genau dies solle man ändern. Beim Deichbau habe er als Baumeister stets hervorragend mit Alfredo Continio zusammengearbeitet. Doch wären die Absprachen mit ihm, wegen seiner großen Verpflichtungen, oft zu langwierig. Und auch die Zusammenarbeit mit der NC sei für die Stadt Sewamund nicht mehr so zufriedenstellend, wie sie es eigentlich sein sollte. Es sei daher höchste Zeit, sich für eine dieser beiden verantwortungsvollen Aufgaben zu entscheiden.

Im Laufe der Sitzung wurde Voltan Vesselbek mehrmals gefragt, ob er mit dieser Anfeindung gleichzeitig einen eigenen Anspruch auf das Amt des Sewamunder Deichvogts erhebe. Vor allen die Landvögtin Lania Luntfeld soll versucht haben, die vorangegangene Herabwürdigung der Lebensmittellieferungen wett zu machen, indem sie Voltan Vesselbek nun beschuldigte, nach diesem Amt zu gieren, und dabei ehrbare Patrizier schlecht zu machen. Doch jedes Mal verneinte der Vesselbekker dies. Zwar würde er vom Deichbau wohl mehr als jedes andere Ratsmitglied verstehen, ob er deswegen der tauglichste Ersatz für Alfredo Continio sei, müssten allerdings andere entscheiden. Zumal zunächst erst einmal entschieden werden müsse, ob das Deichvogtamt überhaupt wechsele. Eine Antwort aus dem Haus Continio scheint bislang allerdings noch ausgeblieben zu sein.

Alles in allem wohl viel Gerede und Geschimpfe, aber immer noch nichts wirklich Neues aus dem Rat.

OB