Briefspiel:Zwischenfall beim Delphinocco

Briefspiel in Efferdas
Datiert auf: 15. ING 1046 BF Schauplatz: Efferdas Entstehungszeitraum: 2026
Protagonisten: Nicolo Tolman di Onerdi Autoren/Beteiligte: Erlan


Am 15. Ingerimm des Jahres 1046 BF in Efferdas.

Auftakt der Delphinocco-Saison

Die Sonne stand bereits hoch über den Wellen vor Efferdas. Das Licht brach sich im Wasser in tausenden Splittern. Es war wie gemalt und wie geschaffen für den diesjährigen Auftakt der Delphinocco-Saison. Zahlreiche Schaulustige aus allen Schichten hatten sich am Strand versammelt, um dem Beginn beizuwohnen.

Unter ihnen befanden sich auch Comto Erlan Sirensteen, Baron des Yaquirbruchs, der auf der Durchreise hier Halt gemacht hatte, sowie sein Knappe Nicolo Tolman di Onerdi, der aus dem nahegelegenen Parsek kam.

„Sieh genau hin“, hatte Erlan zuvor ruhig gesagt. „Nicht dem Bal… eh dem Fisch allein gilt die Aufmerksamkeit, sondern dem Spiel.“

Nicolo hatte genickt. Delphinocco war ihm vertraut – und er tat, wie ihm geheißen, als sei es selbstverständlich.

Das Spiel zwischen den Oberfelser Hornissen und der Squadra Cascata Efferdas (SCE) hatte bereits an Schärfe gewonnen. Die Rufe der Zuschauer mischten sich mit dem Platschen der Spieler im Wasser, während die Wühler den hölzernen Fisch geschickt nach vorn trugen.

Dann geschah es: Ein schneller Wechsel, ein sauber gespielter Pass – der Läufer der Hornissen schien mit seinem Gegenspieler zu rangeln, doch dann befreite er sich und ließ diesen weit hinter sich. Nur Augenblicke später stand er frei vor der Renze. Ein Raunen ging durch die Menge, das sich in einem aufbrandenden Jubel entlud, noch ehe der Wurf ganz vollendet war.

 
Auftakt der Delphinocco-Saison in Efferdas

Alle Augen richteten sich auf diesen einen Moment vor der Renze. Alle – bis auf einen.

Es war was geschehen...

Nicolo hatte den Blick nicht auf die Renze gerichtet. Sein Augenmerk lag auf dem Spieler der Squadra Cascata Efferdas.

Etwas stimmte nicht.

Der Mann hatte sich beim Abstoßen ungünstig verlagert – ein schiefer Tritt im Wasser, wie er im Spiel vorkam. Doch dann fand er den Halt nicht wieder.

Sein Oberkörper kam nur halb aus dem Wasser, die Bewegungen waren unkoordiniert, fahrig – und im nächsten Moment verschwand er wieder unter der Oberfläche.

War es nur ein Fehltritt? Würde der Mann gleich wieder auftauchen?

Ein kurzer Herzschlag des Zögerns.

Dann hatte er sich entschieden.

Nicolo wandte sich ab, legte sein Wams ab und trat mit entschlossener Eile ins Wasser.

Als Erlan sich ihm zuwandte, war Nicolo bereits fort. Erst ein Ruf aus der Menge ließ erkennen, wohin er gegangen war.

Rettung

Ohne weiter zu zögern, stieß er sich ab und tauchte hinaus, dorthin, wo er den Spieler zuletzt gesehen hatte.

 
Nicolo Tolman di Onerdi eilt zur Rettung heran

Er erreichte ihn, während er fast wieder drohte unter Wasser zu gehen, griff ihn fest und zog ihn mit Kraft nach oben. Der Mann brach hustend durch die Oberfläche, rang nach Luft, unfähig, sich selbst zu halten.

Erst jetzt wurde es von allen bemerkt. Rufe wurden laut. Der Jubel brach ab, verwandelte sich in Verwirrung, dann in Unruhe. Einige zeigten hinaus aufs Wasser, andere liefen ans Ufer.

Nicolo brachte den Mann zurück in flacheres Wasser, wo andere ihn schließlich übernahmen und ein anwesender Heiler sich seiner annahm.

Für einen Moment lag der Blick vieler auf ihm.

„Er ist nicht mehr richtig aufgekommen“, sagte Nicolo knapp, als man ihn fragte.

Als sich sein Schwertvater ihm näherte, sagte er nur: „Ich denke, ich sollte die Kleidung wechseln. Sie ist nun etwas nass.“

Nicht mehr.

Der Spielmoment wurde neu angesetzt. Der eben noch umjubelte Angriff war verloren, der Ausgang wieder offen. Erlan sagte nichts. Doch sein Blick ruhte einen Moment länger auf Nicolo, als es Worte vermocht hätten.

(beachte auch danach: Ritterschlag beim Schwertfest, 15. Rondra 1047 BF)