Alter Turm

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Der Alte Turm am Nordkai des Handelshafens

Der Alte Turm ist eines der ältesten Bauwerke Sewamunds und erhebt sich am nordwestlichen Ende der Altstadt. Obwohl er nur noch selten genutzt wird, zählt er zu den Wahrzeichen der Stadt und erinnert an die Zeit, als Sewamund noch eine kleine Hafenstadt war. Seinen Namen erhielt der Turm nach dem Bau neuerer Wehranlagen. Für die Sewamunder bleibt er schlicht der Alte Turm.

Der Turm entstand vermutlich bereits zu Bosparans Zeiten. Ursprünglich diente er als Leucht- und Wachturm. Von ihm aus konnten sowohl die Grangorer Bucht als auch die Einfahrt in den Sewakhafen überwacht werden. In unruhigen Zeiten hingen Feuerkörbe an seinen Außenwänden, um nahende Flotten oder Piraten frühzeitig zu melden. Während der Umbauten der Hafenanlagen blieb der Turm stets erhalten. Selbst als neue Leuchttürme, Bastionen und die Hafenfestung entstanden, entschied sich der Lilienrat gegen den Abriss. Zu groß war seine Bedeutung als Wahrzeichen. Nach der Sturmflut des Traviamonds 1046 BF mussten Fundament und Mauerwerk umfangreich instand gesetzt werden. Dabei entdeckte man zugemauerte Kammern unbekannter Herkunft.

Der Alte Turm ist von quadratischem Grundriss und wurde aus behauenen Kalksteinquadern errichtet. Seine Mauern erreichen eine Stärke von über zwei Schritt. Im Erdgeschoss befindet sich ein Raum, der von der Wachstube genutzt wird. Eine enge Wendeltreppe führt über mehrere Zwischengeschosse zur Aussichtsplattform. Die Fensteröffnungen sind schmal gehalten und erinnern an Schießscharten. Bei späteren Umbauten wurden einzelne größere Fenster eingesetzt, eine schmale Brücke führt hinüber zum Hotel Admiral von Tern. Das flache Dach trägt eine achteckige Spitze mit einem Signalmast, an dem bei besonderen Anlässen die Banner Sewamunds, des Herzogtums Grangor oder der Vereinigten Sewaklande gehisst werden.

Heute dient der Alte Turm vor allem repräsentativen und nautischen Zwecken. Von der Plattform beobachten Hafenmeister und Lotsen den Schiffsverkehr im Hafen. Bei Festen werden von hier aus gesungen und musiziert oder Signalflaggen gesetzt. Auch Künstler und Kartographen schätzen den Turm. Von kaum einem anderen Ort lässt sich die Entwicklung Sewamunds besser überblicken: Im Süden die verwinkelte Altstadt bis zum alten Hafen, im Westen der neue Hafen, im das Fremdenquartier und die Neustadt.

In Geschichten heißt es vom Alten Turm, sein Fundament ruhe auf einem bosparanischen Leuchtturm, dessen unterste Geschosse noch immer unter dem Hafen verborgen lägen. Im Mauerwerk sei ein Stein von einem Horaskaiser eigenhändig eingearbeitet worden. Wer ihn bei Sonnenaufgang berühre, finde angeblich stets den richtigen Kurs. Unter Kindern hält sich das Gerücht, im Turm wohne ein uralter Hafengeist, der nur dann erscheine, wenn dichter Nebel vom Meer aufzieht. Unter den Stadtbütteln existiert die Tradition, dass jeder neue Wachhabende in der Wachstube seinen Namen in den Stein ritze. Über die Jahrhunderte sind so hunderte kaum lesbarer Inschriften entstanden.

Volkes Stimme

„Der Alte Turm hat schon mehr Kapitäne kommen und gehen sehen als der Hafen Fässer.“
— alte Lotsin

„Solange der Alte Turm steht, findet auch Sewamund seinen Weg.“
— Sprichwort der Seeleute