Archiv:Neu-Sewamund - Koloniebeschreibung (BB 41)
- Für den eiligen Leser (Stand 1038 BF)
Einwohner: etwa 80 (wächst bis 1040 BF auf etwa 130)
Wappen: das heraldische Wappen des Horasreichs, der goldene, rotbewehrte Adler auf Grün
Herrschaft/Politik: Gouverneur Enrisco Cortesinio für das Sewamunder Uthuria-Konsortium
Garnisonen: 25 Söldner unter Djurjin von Jergan
Tempel: Efferd-Schrein
Wichtige Gasthöfe: Kneipe Sewakstube (Q3/P5)
Besonderheiten: Die Kolonie ist sowohl Handels- als auch Forschungsstützpunkt. Viele Neu-Sewamunder sind Gelehrte oder Geweihte, die sich mit Feuereifer der Erkundung Uthurias widmen. Erste Bekehrungsversuche kamen bei den einheimischen Jucumaqh allerdings nicht gut an, da deren Skepsis gegenüber den Fremden von jenseits des Ozeans hoch ist.
Stimmung in der Kolonie: Überraschend gut, wenn man das ungewohnte Klima bedenkt. Die Möglichkeit eigenes Land zu besitzen spornt die Siedler an. Da wegen der latenten Aggressivität der benachbarten kriegerischen Benboqir-Jucumaqh jeder Handel mit dem eigenen Hinterland ein gewisses Risiko bedeutet, wird seit einiger Zeit versucht über das Meer erste geknüpfte Handelsbeziehungen mit den Wapengo im Gebiet des Sarma-Stroms zu intensivieren.
Was die Neu-Sewamunder über ihre Kolonie denken: „Von Maraskan habe ich Schlimmeres gehört, und lieber hier ein eigener Acker als daheim ein Landstreicher.“
Im 1036ten Jahr nach Bosparans Fall verließ eine vom Sewamunder Patriziat finanzierte Expedition ihre Heimatstadt und brach zu einer Entdeckungsreise zum sagenhaften Kontinent Uthuria auf. Mit dem Segen des Horas erforschten die mutigen Männer und Frauen das Südmeer, fanden Länder, die bisher auf keiner Karte verzeichnet waren, und gründeten eine Kolonie, um den Ruhm des Horasreichs zu vergrößern. Eine kleine Flotte mit Gelehrten, Soldaten und Pionieren an Bord setzte die Segel, um ein neues Leben, einen neuen Anfang, eine neue Welt zu finden. Wer wusste schon, welche Wunder, Gefahren, Reichtümer und Möglichkeiten sie erwarteten?
—aus dem Reisebericht Südwärts!! der Druckerei Stührmann & Mezzani, Grangor, 1038 BF
Nachdem 1035 BF erste Gerüchte um eine erfolgreiche Uthuria-Expedition (siehe Titelseite) die Septimana erreicht hatten, schlossen sich unter der tatkräftigen Führung des Baronets Amaldo di Piastinza Kaufleute und Patrizier aus Sewamund zusammen um die neu entdeckten südlichen Lande mit ihren ungeahnten Schätzen und Möglichkeiten nicht alleine anderen – den Al’Anfanern, aber auch den ihnen bald folgenden Covernern – zu überlassen. Nach einigen Schwierigkeiten, v.a. finanzieller und organisatorischer Natur, lichtete die kleine Sewamunder Flottille – die Schivone St. Stordian unter Kapitän Damion della Turani und die Karavelle St. Brigon unter Kapitänin Travinia Luntfeld, zu denen im Askanischen Meer noch die Schivone Raubvogel des geächteten Lucian di Salsavur stoßen sollte – am 1. Efferd 1036 den Anker.
Rund drei Monate später erreichte die Flottille nach einer abenteuerlichen, von Stürmen, Flauten und anderweitigen Fährnissen geprägten Überfahrt wohlbehalten den Südkontinent. Der letzte Sturm hatte die Expedition dabei nach Westen abgetrieben, weshalb sie das Mündungsgebiet des Sarma-Stroms, in dem die Terdilion-Kolonie Nova Methumisa liegt, verpasste. Nach mehrtätiger Suche entlang einer von grünem Dschungel ‘wie eine Wand’ bestandenen Küste, welche zu Ehren des regierenden Grangorer Herzogs Cusimana getauft wurde, schien die ideale Stelle gefunden: Über der Mündung zweier Bäche thronte ein kleiner Hügel, was sowohl eine gesicherte Wasserversorgung als auch einen gewissen Schutz vor Feinden bedeutete. Schnell waren die ersten Bäume gefällt und die ersten Hütten und Unterstände auf festem Boden errichtet, woraus sich später die Kolonie Neu-Sewamund als palisadenbewehrtes Dorf entwickelte.
Etwa fünf Monate nach der Ankunft, als Anfang Peraine die Regenzeit mit ihren Stürmen vorbei und eine Heimfahrt somit sicherer war, lichteten die St. Brigon und die St. Stordian die Anker zur Rückreise (die Raubvogel hatte sich bereits wenige Tage nach der Ankunft und damit Erfüllung ihres Geleitkontrakts von der Expedition getrennt, um auf eigene Faust Entdeckungs- und Kaperfahrten gegen die Al’Anfaner zu unternehmen). Ihre Frachträume waren bis an den Rand mit uthurischem Kaffee, Erdnüssen, exotischen Hölzern und Tieren gefüllt, vor allem aber mit fantastischen Geschichten.
Zurück in der Kolonie Neu-Sewamund blieben 70 Siedler, darunter viele Gelehrte, und ein Halbbanner Söldner zu ihrem Schutz. Sobald allerdings grundlegende Bedürfnisse wie Behausung und Wasserversorgung gesichert waren, wurde es für die Kolonieoberen schwierig weiterhin eine solidarische Gemeinschaft zu bewahren: Während einige Neu-Sewamunder der Forscherdrang in den Dschungel und zu den Einheimischen trieb, ist es bei anderen die nackte Goldgier: Nicht wenige Siedler kümmern sich seither wenig um den Anbau von Nahrungsmitteln, sondern streifen tage- und wochenlang auf der Suche nach Gold und anderen Reichtümern durch den Dschungel. Erste Zwischenfälle mit den einheimischen Jucumaqh vom Stamm der Benboqir konnten noch relativ friedlich beigelegt werden, doch das gegenseitige Misstrauen gegenüber den Fremden ist auf beiden Seiten hoch, und niemand weiß, wann womöglich die blinde Goldgier eines Siedlers oder übermütige Mutprobe eines jungen Jucumaqh eine größere blutige Auseinandersetzung der Kolonie mit den Einheimischen provoziert …
Rundgang durch die Kolonie
1 Festung
Geschützt durch einen hohen palisadengekrönten Wall nimmt die Festung von Neu-Sewamund den ganzen Hügel am westlichen Ende der Siedlung ein. Durch ein wuchtiges, aus starken Bohlen gebautes Torhaus gelangt man in den Innenhof, wo sich nicht nur das Hauptquartier der Garnison, sondern auch verschiedene Lagerhäuser und Werkstätten befinden. Das markanteste Gebäude ist die wuchtige Bastion, aus deren oberem Stockwerk mehrere Rotzen die Bucht und das Hafengelände beherrschen, während das Erdgeschoss als Kaserne und Unterkunft für die Zivilbevölkerung dient, sollte ein Angriff durch Eingeborene oder Piraten eine Flucht in die Festung nötig machen. Der dreistöckige Turm auf dem höchsten Punkt des Hügels dient gleichermaßen als Ausguck, Signalturm und letzte Zuflucht, sollten Kolonie und Festung von Feinden überrannt werden. Entsprechend ist er stets gut mit Vorräten und Brennmaterial versehen.
2 Kartoffeläcker
Es ist verboten näher als fünfzig Schritt von den Festungswällen entfernt Bäume stehen zu lassen oder Gebäude zu errichten, um Angreifern keinerlei Deckung zu gewähren. Das freie Gelände eignete sich damit vortrefflich für das Anlegen von Gemüsebeeten und Äckern. Gesät wird, was im feuchtwarmen uthurischen Klima wächst: Bohnen, Zwiebeln, Kürbisse und Melonen, vor allem aber Kartoffeln, die geradezu das Überleben der Kolonie sichern können, sollten die Erträge aus Jagd, Fischfang und Tauschhandel nicht ausreichen.
3 Strand (und dereinst Hafen)
Während der Strand von Neu-Sewamund für flachgängige Fischkutter ohne weiteres anzufahren ist, sind Hochseeschiffe gezwungen einige Dutzend Schritt weit draußen zu ankern. Gouverneur Enrisco Cortesinio plant deshalb mittels Aufschüttungen einen Kai, sowie unterhalb der Palisade Lagerhäuser anzulegen. Doch wegen der Unlust der Kolonisten – die nicht bereit sind, dies umsonst zu tun – sind die Bauarbeiten über zwei Reihen eingerammter Pfähle noch nicht hinaus gekommen.
4 Landebrücke
Nachdem die erste Expedition Mensch und Material noch mühselig durch Boote an Land transportieren mussten, wurde als erstes zumindest ein primitiver Landesteg gebaut, der das Be- und Entladen von Schiffen deutlich erleichtert.
5 Marktplatz
Der Marktplatz ist das Zentrum des öffentlichen Lebens in Neu-Sewamund. Hier befindet sich auch die große Zisterne, aus der der Großteil der Kolonisten das Trinkwasser bezieht (ein weiterer Brunnen befindet sich im Hof der Festung und ein dritter kleinerer im Hof der Sewakstube, wo der Wirt das Wasser für sein Bier schöpft).
Jede Ankunft eines Schiffs wird für die Kolonie zum Feier- und Schachertag, Säcke voller Kaffeebohnen und Erdnüsse, Stämme edler Hölzer und Felle exotischer Tiere werden von Kolonisten und von Einheimischen gegen Stoffe, Werkzeuge, Fässer voller Wein und derlei mehr eingetauscht.
6 Residenz des Gouverneurs
Die Gouverneursresidenz – eigentlich wenig mehr als ein solides Bürgerhaus – ist als einziges Gebäude Neu-Sewamunds nicht aus Holz, sondern aus importierten Ziegeln errichtet worden. Hier residiert Gouverneur Enrsico Cortesinio. Mit zehn mal sechs Schritt Fläche nimmt der große Festsaal das gesamte Untergeschoss des Hauptgebäudes ein, während sich im Obergeschoss Wohn- und Arbeitsräume des Gouverneurs befinden. Die Küche und die Wohnräume des Personals befinden sich im separaten Anbau.
7 Efferd-Schrein
Der unmittelbar nach der Siedlungsgründung errichtete Efferd-Schrein Neu-Sewamunds nimmt sich – noch – bescheiden aus, hütet aber bereits viele persönliche Erinnerungsstücke der Teilnehmer der ersten Expedition. Dass der oft launische Gott des Meeres wohlwollend über die erfolgreiche Seereise der Siedler nach Uthuria gewacht hat, gilt als ausgemacht – und hat ihm selbst unter denjenigen Neu-Sewamundern, die ansonsten wenig mit der Seefahrt zu tun haben, viele treue Gläubige gebracht.
8 Viehgehege
Schlechte Erfahrungen mit Raubtieren aus dem Dschungel führten dazu, dass der Viehbestand der Kolonie nachts innerhalb des sicheren Palisadenzauns gehalten wird. Da immer noch große Flächen der Kolonie unbebaut sind, stellt dies kein Problem dar. Mit steigender Anzahl der Kolonisten drohen jedoch zunehmend Konflikte zwischen Viehbesitzern und bauwilligen Neusiedlern.
9 Schmiede
Wegen Feuergefahr wurde die Schmiede einige Schritt abseits anderer Wohnhäuser gebaut, doch angesichts der steigenden Einwohnerzahl dürften auch hier bald Hütten und Katen stehen. Da er Rohmaterialien und Essenkohle teuer importieren muss, steht Meister Ferro Daalst nur einmal wöchentlich an seiner Esse um Werkzeuge und Waffen zu reparieren. Die restliche Zeit ist er zusammen mit einer Handvoll Begleiter im Dschungel auf Goldsuche.
10 Kneipe Sewakstube
Auch im südlichen Uthuria gibt es sowohl für die Fischerin, als auch den Handwerker oder Landarbeiter nach getanem Tagwerk nichts Schöneres als ein kühles Bier oder für vornehmere Geister ein Glas Wein. Wirt Perainian van der Heelst bedient diese Nachfrage nach einem Stück Heimatgefühl gerne, obwohl in seiner Schankstube die Möbel äußerst roh gezimmert sind und die Theke aus wenig mehr denn Brettern auf zwei Fässern besteht. Nachdem er zunächst auf die mitgebrachten Vorräte aus der Heimat angewiesen war, hat er mittlerweile begonnen sein eigenes Bier zu brauen.
11 Obstgarten
Die Meisterin der Ernte Perainina Sewakdorfer ist zwar eine begeisterte Pflanzenkundlerin, aber trotzdem eine Geweihte der Gütigen und Gebenden Göttin. Nach der Entdeckung der ersten essbaren einheimischen Pflanzen sorgte sie dafür, dass innerhalb des Palisadenzauns ein kleiner Baumgarten mit essbaren Früchten entstand. Den Schatten der Bäume nutzen manche Neu-Sewamunder unter der brütenden uthurischen Sonne während der heißesten Tagesstunden als Ort für ein erholsames Nickerchen. Weniger gerne sieht die Geweihte es dagegen, dass die Kolonieoberen ihren Garten als strategische Brennholzreserve für den Belagerungsfall ansehen.
12 Hängebrücke
Die Hängebrücke über den Suderbach ermöglicht einen direkten und bequemen Weg zu den südlichen Feldern der Kolonie sowie der weiter bachaufwärts liegenden Sägemühle. Gesichert wird sie von zwei Wachtürmen mit einem Wehrgang dazwischen, nachdem Neu-Sewamund bereits mehrmals Ziel von "Mutproben" jugendlicher Jucumaqh geworden ist.
13 Contado
Im Umkreis von mehreren hundert Schritt um die Siedlung wurde der Urwald mittels Feuer und Axt gerodet. Tagsüber weidet hier das meiste Vieh auf eingezäunten Wiesen, während zwei Dutzend Schuldknechte Felder mit weiteren Nahrungsmitteln, immer häufiger aber Kaffeesträucher und Erdnussstauden, bewirtschaften, ehe sie nach Abbezahlung ihrer Überfahrtskosten eigenes Land zugesprochen bekommen.
Das Sewamunder Uthuria-Konsortium
Das Sewamunder Uthuria-Konsortium wird von einem Großteil der Sewamunder Signoria unterstützt, ist aber vor allem ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden Familien Luntfeld und di Piastinza, die denn auch zusammen mehr als die Hälfte der Anteile und der Stimmen im Konsortium auf sich vereinen. Die Motive für die Expedition und für die Gründung der Kolonie sind dabei teilweise dieselben, teilweise unterschiedlich: Beide sind sich einig, dass das weite Feld des Südmeerhandels nicht Belhanka (und schon gar nicht Al'Anfa) alleine überlassen werden darf. Während es Lania Luntfeld darüber hinaus aber in erster Linie ums Geschäft mit Edelmetallen (in Uthuria liegt das Gold auf der Straße, wie jedes Kind weiß …) und edlen Hölzern geht, sind die Ambitionen Amaldo di Piastinzas schon eher politischer Natur: die Bekämpfung des alanfanischen Einflusses im Südmeer und in Uthuria. Nicht zuletzt deswegen befeuert er auch regelmäßig im Kronkonvent mit Anträgen und Debatten zur Thalassokratie-Akte sein besonderes Steckenpferd.
Verteilung der 20 Anteile (à 3'000 D!) im Jahr 1036 BF:
di Piastinza (6), Luntfeld (6), Cortesinio (2), Degano (2), van Kacheleen (2), Vesselbek (2).
FZ