Geheimnisse Sewamunds: Unterschied zwischen den Versionen
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Im Tempel in Sewamund besichtigen lässt sich der stordische Weg, kein Rund-, aber ein Durchgang, den jeder Besucher, gerne kommentiert durch einen Geweihten, begehen kann. | Im Tempel in Sewamund besichtigen lässt sich der stordische Weg, kein Rund-, aber ein Durchgang, den jeder Besucher, gerne kommentiert durch einen Geweihten, begehen kann. | ||
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| + | [[Bild:Stordian.jpg|thumb|350px|center|Der Hl. Stordian und seine Töchter Hyläa und Deate]] | ||
Aktuelle Version vom 6. Februar 2026, 01:54 Uhr
| Sewamund | Lilienrat | Geschichte | Umland | Stadtbeschreibung | Familien | Politik | Religion | Unterwelt | Kultur | Wirtschaft | Flotte | Heer | Mysteria et Arcana | Karte | Briefspiel |
Die Theaterritter
Der lokale Adel behauptet, dass viele Türme Phecadiens einstmals den Theaterrittern gehörten. Manche meinen, die letzten Theaterritter Phecadiens hätten ihre Schätze unter Sewamund verborgen, ein Geheimbund in der Neustadt geht sogar so weit zu behaupten, unter Burg Sewakstein läge ein altes Waffenlager der Ritter verborgen, verschlossen durch einen Siebenknoten.
Die Geister von Vanith
Besonders bei Nebel erscheint laut Augenzeugen ein schwarzes Segelschiff ohne Mannschaft in der Grangorer Bucht. Ältere Matrosen schwören, es rufe mit einem dumpfen Horn als ein Vorzeichen für drohende Krankheit oder verlorene Kinder. Andere sagen, es werde geführt von Vaniths verlorenen Kindern. Manch einer glaubt, dass gerade der Grangorellenturm sie anzieht.
Der Sewakknoten
Am Knotenplatz in der Neustadt, der Piazza Nodo, prangt in Pflastersteinform ein stordischer Knoten. Er steht für die mystische Bändigung des Gurondaii, der stellvertretend für die Seeschlangenwesen steht, die in der Frühzeit der ersten Siedler und Seiler die Region terrorisierten. Der Zusammenhang von Knoten und Monsterbann ist eine Legende, die in Sewamund bis heute als Schutzformel weitergegeben wird.
Die Sewakverseuchung
Die düsteren Jahre nach der Attacke Gurondaiis hinterließen Spuren: Fische mit drei Augen, Menschen mit Träumen vom Ertrinken, Fische mit Zungen im Magen oder schwarzen Flossen, Wassergeschwüre. Efferds Geweihte sprechen fachmännisch von einer "tieferen Verunreinigung". Alchimisten wie Orelio Bosvani hingegen verkaufen "Reinigendes Elixier", das jedoch oft mehr Fluch als Segen bringt. Obwohl der Fluss für den schnellen Betrachter wieder klar erscheint, mehren sich in Sewamund zu manchen Zeiten Krankheitsfälle, Fischsterben und Mutationen, werden Kinder mit schuppiger Haut geboren und erkranken Erwachsene an periodischer "Sewakmelancholie", einer Traumsucht, die zu Realitätsflucht und Lethargie führt. So kommt es, dass in Sewamund auf aktive Jahre immer wieder Zeiten der Inaktivität folgen. Auch Tiere zeigen ab und an Verhaltensauffälligkeiten. Die Stadtoberen betonen, dass keine akute Gefahr bestünde, doch die Tempel rufen regelmäßig zu Reinigungsritualen. Einige Häuser, etwa die ter Beer und Trebenfurt, betreiben eigene Wasserfilteranlagen. Die Gerüchte über ein unterirdisches, erwachendes Wesen, einen Wurm in der Tiefe, reißen nicht ab. Sewamund lebt mit dem Fluch. Und für manche lebt es davon.
Der Heilige Stordian, Verknüpfer der Welten
Manche leiten den Namen „Sewak“ von "Sew-ark" ab, was so viel heißen soll wie "vernähte Truhe" oder auch "verknoteter Schatz". Dazu gibt es auf dem stordischen Weg im Ingerimm-Tempel von Sewamund einige Hinweise. Demnach soll Stordian für Admiral Sanin seinerzeit nicht nur die grundlegenden Seil- und Knotentechniken der Takelage des Entdeckers erdacht, sondern mit tüchtigem Beistand mit diesen Techniken im Reich charyptoides Gezücht gebannt und gebunden haben. Dabei setzte er seine ganze Kraft ein, damit sein Werk gelinge. Berichte von dieser Tat stammen von Stordians Töchtern, die allerdings verschiedentlichen Wortlaut besitzen.
Im Tempel in Sewamund besichtigen lässt sich der stordische Weg, kein Rund-, aber ein Durchgang, den jeder Besucher, gerne kommentiert durch einen Geweihten, begehen kann.
| Erzählung von Stordian dem Seiler |
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"Stordian war ein meisterhafter Handwerker. Auf einer antiken Darstellung aus der Spätzeit des Belen-Horas wird er mit einem Adjektiv als jemand beschrieben, der sozusagen erhöht ist. Das kann zweierlei bedeuten. Entweder wird er in seiner Kunstfertigkeit hervorgehoben oder als besonders religiöser und heiliger Mann betont. Auf Befehl seines Herrschers erbaute Stordian seinem Gott einen Tempel. Die Steine für diesen Tempel stammen von einem Ort viele Meilen flussaufwärts und wurden herangeflößt. Entschuldigung, wie bitte? Nein, niemand weiß, wo dies stattfand. Vielleicht hier, vielleicht an einem Ort weit entfernt. Vielleicht kamen die Steine über den Sewak, vielleicht auch nicht. Jedenfalls, Stordian berechnete die Maße für die Steine auf seiner Wachstafel, bestieg die Steine und gab den Steinmetzen seine Anweisungen. Eines Tages stieß er auf ein besonderes Problem der Derometrie bei einem Stein, den es zu bearbeiten galt. Im Schatten eines Baumes, am Saum eines Flusses, setzte er sich hin und begann zu rechnen. Da erhielt er eine Vision. Bestimmt war er eingeschlafen und hat geträumt. So weit ist man sich in der Stordian-Forschung einig, soweit stimmen alle Geweihten dieses Tempels überein. Die Beschreibung der Vision allerdings spaltet die Gemüter. Von der Vision berichten uns Stordians Töchter unterschiedlich. Dort und dort hinten, vor den beiden Türen, seht ihr zwei kleinere Skulpturen, die zusammen mit Stordians Standbild hier logischerweise ein gleichschenkliges Dreieck bilden. Das sind seine Töchter Hyläa und Deate, bei denen man davon ausgeht, dass sie Zwillinge sind. Deate ist die verhüllte Figur, die auf die Knie gesunken ist, zu ihrem Vater Stordian blickt und die Augen vor der Linse dort oben in der Decke des Tempels bedeckt. Hyläa hingegen steht aufrecht und zieht die Kapuze von ihrem Haupt, um besser emporblicken zu können. Sie deutet mit einer Hand auf die Linse, ihre Lippen sind ein wenig offen, als ob sie im nächsten Moment eine Entdeckung beschreiben wollte. Zu diesen Statuen gibt es wiederum eine Geschichte. Sie wurden nämlich nicht zu Lebzeiten Stordians oder seiner Töchter erstellt, sondern ein wenig später. Das genaue Jahr lässt sich leider nicht ermitteln, ebenso weiß man nicht mehr, ob sie vom selben Bildhauer stammen oder von verschiedenen oder Konkurrenten gar. Eine Idee besagt, Asmodena-Horas, die generell als große Kunstliebhaberin gilt, habe einen ihrer besten Bildhauer beauftragt, die Geschichte von Stordian und seinen Töchtern festzuhalten. Dazu stellte sie zwei Steine aus Stordians eigenem Tempel zur Verfügung, die eigens nach Bethana gebracht wurden, weswegen dort übrigens der Tag des Heiligen Stordian an einem anderen Datum gefeiert wird als in Sewamund. Fünf Jahre lang bearbeitete nun dieser Bildhauer die Steine, bis er seine Arbeit für beendet erklärt. Bei der feierlichen Enthüllung der Kunstwerke, so heißt es, sei Kaiserin Asmodena so ergriffen gewesen von Hyläas Gesichtsausdruck, dass sie den Bildhauer zu sich bat und ihn fragte, was Hyläas Worte seien, die ihre Lippen in diesem Moment wohl formten. Der Bildhauer verweigerte der Kaiserin die Antwort. Frau Asmodena-Horas aber bestand darauf. Der Bildhauer beteuerte, die ganze Kunst und seine ganze Tugend liege darin, dass sein Werk eben nicht eindeutig und fest bestimmt sei. Eben dies mache den Wert der Statuen aus. Asmodena-Horas war fasziniert. Sie stellte dem Bildhauer weitere Fragen zu dieser Thematik, zog dann das kaiserliche Schwert und trieb es in sein Herz, damit er nie in der Lage wäre, diese Fragen zu beantworten und somit sein Kunstwerk zu entwerten. Spätere Gelehrte meldeten Zweifel an dieser Geschichte an, im Laufe der Zeit wurde sicherlich einiges verändert, ergänzt und weggelassen, aber wir hier im Tempel haben uns dazu entschieden, sie allen Besuchern gerne vorzutragen. Um auf Hyläa und Deate zurückzukommen, sie suchten seinerzeit ihren Vater und fanden ihn in Gedanken verloren unter dem Baum. Beide sahen sie die Wachstafel mit den Notizen und beide hörten dem zu, was er berichtete. Einige Zeit später geschah es, dass Stordian seinem Herrscher gegenüber etwas äußerte, was diesen wohl sehr erzürnte, weshalb Stordian ins Exil geschickt wurde und bald darauf verstarb. Seine Töchter erzählten den Leute verschiedene Geschichten. Deate sagte, Stordian habe hinauf in den Himmel geblickt und dort hätten sich just in dem Moment die Wolken geteilt, sodass der Blick frei gewesen sei auf eine Pyramide aus Licht, die sonst vor den Augen der Menschen verborgen sei. Er habe eine andere Welt erblickt, ein Königreich im Himmel, in dem alles hell und perfekt sei. Ihr zufolge zog Stordian daraus die Lehre, es sei ein Fehler, materielle Symbole zu verehren wie den Tempel, an dessen Bau er sich begeben, denn diese seien nur krude Nachbildungen dessen, was die Götter in ihrem Reich besäßen und wir sollten unsere Verehrung ganz auf diese Götter richten und nicht auf das, was wir mit unserer Hände Kunst erschaffen. Hyläa hingegen erzählte, Stordian habe eine Erkenntnis hinsichtlich der Derometrie gehabt. Was ihre Schwester Deate fehldeutete als eine himmlische Pyramide, sei in Wirklichkeit ein gleichschenkliges Dreieck gewesen. Keine Zeichnung eines gleichschenkligen Dreiecks, wie es ein Handwerker oder Mathematiker auf einer Wachstafel oder einem Papier mit Lineal und Winkel zeichne, sondern das reine theoretische Dreieck, über das man absolute Gewissheit erlange. Jede derische Zeichnung eines solchen Dreiecks sei lediglich ein Abbild dieses Vorbildes, das in einer höheren Welt existiere. Wir dürften beide nicht miteinander vermischen oder verwechseln und sollten unseren Verstand ganz auf das pure derometrische Objekt richten. Übrigens, Ihr werdet bemerkt haben, dass es in diesem Raum unseren Tempels zwei Ausgänge gibt. Einer zu meiner Linken bei der Statue von Deate, einer zu meiner rechten bei der Statue von Hyläa. Dies zeigt die Spaltung der Geister, die sich aufgrund dieser Sage ereignete. Es steht euch frei, für welche Tür Ihr euch entscheidet. Die Tür bei Deate führt hinaus in den Tempelhof, die Tür bei Hyläa wähle derjenige, der weiter auf dem stordischen Weg gehen möchte, wo noch einige zum restlichen Leben Stordians und späteren Zeiten nach seinem Tod zu erfahren ist.“
„In den fernen Tagen des Alten Reiches, als Stordian in Sewamund den Tempel für den Herrn Ingerimm erbaute, erstreckte sich das Reich des Wissens über alle Grenzen. In der Stadt Firdana, im Yaquirbruch gelegen, lebten die klügsten Astronomen des Landes. Diese Stadt war zu Stordians Zeiten ein leuchtendes Zentrum der Wissenschaft, besonders der Himmelskunde. Die Gelehrten von Firdana richteten ihre Augen nicht nur auf die Sterne, sondern auch auf den Madamal, den Mond, der von Madas Frevel zeugt – jenes Madamal, das den Menschen daran erinnert, dass Magie durch Frevel in die Welt gebracht wurde. Es heißt, die Astronomen von Firdana hätten sich darauf spezialisiert, die Bewegungen des Mondes und seine geheimen Verbindungen zu derischen Geschehnissen zu deuten. Sie sprachen von den Mondknoten, jenen unsichtbaren Punkten, an denen das Madamal die Bahn der Praiosscheibe kreuzt. Sie sahen in diesen Knoten nicht nur himmlische Ereignisse, sondern auch spirituelle Wegkreuzungen, an denen das Schicksal der Menschen, ja sogar das der Götter, entschieden würde. Es wird erzählt, dass Stordian eines Tages, noch bevor er den Tempel in Sewamund erbaute, nach Firdana reiste, um Rat bei den Astronomen zu suchen. Damals plagte ihn eine rätselhafte Vision, die er im Schlaf erblickt hatte: Zwei Pfade, die sich kreuzten wie die Seile eines Knoten, und darüber ein Licht, das heller als jeder Stern strahlte. Dieses Licht schien aus dem Zentrum der gekreuzten Pfade hervorzubrechen und ein Dreieck aus reinem Licht zu bilden, das weder Hand noch Werkzeug formen konnten. Die Astronomen in Firdana hörten von dieser Vision und erkannten sofort die Bedeutung: „Dies sind die Knoten des Madamals“, sagten sie. „Es sind die Orte, an denen sich Himmel und Dere berühren, wo das Schicksal der Welt gewoben wird. Deine Vision zeigt dir das Geheimnis der Knoten, die den Verlauf des Himmels bestimmen, wie deine Seile das Segel des Schiffes führen. Doch Stordian war unruhig. „Wie soll ich dieses Wissen nutzen? Ich bin Handwerker, kein Sternengelehrter. Der Knoten des Madamals, erwiderte der weiseste Astronom von Firdana, ist nicht nur eine himmlische Erscheinung. Er ist ein Band zwischen der Welt der Götter und der Welt der Sterblichen. Du, Stordian, hast die Gabe, diese unsichtbaren Knoten in der materiellen Welt zu weben. Dein Werk, dein Handwerk, bindet das Schicksal der Menschen an das der Götter. Die Seile, die du schlingst, sind nicht nur Werkzeuge des Meeres, sondern Abbilder des Himmels. Dein Weg ist jener des Knotenbinders. Stordian kehrte nach Sewamund zurück, inspiriert und mit neuer Einsicht. Als er den Tempel für Ingerimm erbaute, achtete er auf die Himmelsbewegungen des Madamals und stellte den Bau so auf, dass das Licht des Mondes in bestimmten Nächten durch eine Öffnung auf den Altar fiel. Es war an jenen Nächten, wenn der Madamal die Mondknoten erreichte, dass die stärksten Kräfte des Himmels auf Dere strömten. Doch Stordian sprach nicht offen darüber. Stattdessen weihte er seine Töchter, Hyläa und Deate, in das Geheimnis der Mondknoten ein. Ihr sollt wissen, sagte er ihnen, „dass es in dieser Welt Verbindungen gibt, die das Sichtbare mit dem Unsichtbaren verweben. Was wir hier erschaffen, ist ein Abbild der höheren Welt, und die Mondknoten sind die Fäden, die beide Welten verbinden. Nach Stordians Tod, als die Zeit verging und das Wissen verblasste, erzählten seine Töchter unterschiedliche Versionen seines Vermächtnisses. Deate, die in den stillen Nächten oft das Madamal beobachtete, war überzeugt, dass Stordians Werk eine Warnung vor der Verführung durch die materielle Welt gewesen war. Der Madamal, sagte sie, erinnert uns an den Frevel der Magie. Die Knoten, die Vater schuf, waren dazu da, uns zu zeigen, dass wir das Himmlische verehren müssen und nicht die Werke unserer Hände. Was wir hier errichten, ist nur ein Schatten dessen, was im Himmel ist. Hyläa hingegen hatte die Lehren der Astronomen von Firdana scheinbar besser verstanden. Die Knoten des Madamal, sagte sie, sind der Schlüssel zum Verständnis der Derometrie des Himmels. Vater hat uns nicht vor den derischen Werken gewarnt, sondern uns gezeigt, wie wir durch die Kunst des Handwerks die himmlische Ordnung spiegeln können. Die Derometrie, die er uns gelehrt hat, ist der Weg, das Mysterium des Himmels in unserer Welt zu fassen. In Firdana selbst ging das Wissen um die Mondknoten weiter. Jedes Jahr, wenn das Madamal die Knoten passierte, versammelten sich die Astronomen und vollzogen eine geheimnisvolle Zeremonie, die sie von Stordians Erbe inspiriert hatten. Sie spannen Seile in den Himmel, zwischen Säulen und Türme, und banden Knoten, die den Verlauf des Mondes nachbildeten. So wie Stordian es uns lehrte, flüsterten sie. Denn sie glaubten, dass durch diese Zeremonie das Band zwischen Himmel und Dere erneuert und die Harmonie der Welten aufrechterhalten wurde. Doch mit der Zeit wurde Firdana still, und die Astronomen, die den Madamal studierten, verschwanden. Nur in Sewamund, im Tempel des Ingerimm, blieb das Wissen um die Mondknoten erhalten. Und so erinnert sich heute noch der stordische Weg im Tempel an das alte Bündnis zwischen den Knoten des Himmels und den Knoten, die Stordian mit seinen eigenen Händen band. Am Ende, so heißt es, waren Hyläa und Deate nicht wirklich im Streit, sondern zwei Seiten derselben Weisheit, die Stordian seinen Töchtern hinterlassen hatte: Denn der Knoten, den der Mond bindet, ist zugleich ein Werk des Geistes und der Hand." |
Die Legende der Schwarzen Münze
Unter den vielen Sagen, die in Sewamund erzählt werden, sticht die Geschichte der Schwarzen Münze hervor, ein Relikt, das angeblich das Schicksal der Stadt in den Händen hält. Die Legende besagt, dass diese Münze aus den Tiefen des Sewaks stammt, wo sie einst von einem uralten Wesen bewacht wurde. Der Ursprung der Münze wird unterschiedlich erzählt, doch jede Variante hat eines gemeinsam: Sie soll Macht über Leben und Tod besitzen.
Der Ursprung der Schwarzen Münze
In grauer Vorzeit, lange vor der Ankunft der ersten Siedler, hauste in den Tiefen des Flusses Sewak ein schreckliches Geschöpf, das die Gewässer verseuchte und die Umgebung in Angst und Schrecken versetzte. Die frühen Bewohner Sewamunds, angeführt von einem geheimnisvollen Seher namens Gerrion, schworen, das Wesen zu bändigen. Gerrion, ein Mann von großer Weisheit, behauptete, er könne die Macht des Wesens auf ein einziges Artefakt übertragen und es so an die Erde binden. Mit einem Ritual, das den Segen der Götter und okkultes Wissen vereinte, ließ Gerrion eine Münze aus dem reinsten Gold fertigen. Die Münze wurde im Blut eines geopferten phecadischen Stieres gehärtet und dann in die schwarzen Tiefen des Sewaks hinabgelassen. Es heißt, dass die Münze während des Rituals zu sengen begann, ihre goldene Farbe verlor und schwarz wie die Nacht wurde. Die Kreatur, deren Essenz in die Münze gebannt wurde, verstummte – aber nicht, ohne einen Fluch auszusprechen: "Jeder, der die Münze findet, wird die Kraft erhalten, Leben zu nehmen oder zu schenken, doch sein eigenes Schicksal wird unweigerlich zerrissen."
Die Münze und die Stadt
Die Legende erzählt, dass Gerrion die Münze dort vergraben hat, wo heute der Knotenplatz der Stadt liegt, der Ort, an dem die Gewässer des Sewaks einst am wildesten tobten, bevor sie gebändigt wurden. Dort, wo heute die Sewakbrücke steht, soll die Münze verborgen sein, eingeschlossen in einer steinernen Truhe, die nur ein wahrhaft Gerechter zu öffnen vermag. Im Laufe der Jahrhunderte gab es immer wieder Gerüchte, dass die Schwarze Münze gefunden wurde. Manche behaupten, sie sei verantwortlich für die Blütezeiten Sewamunds, andere machen sie für düstere Kapitel der Stadtgeschichte verantwortlich, wie die Sewakverseuchung oder die dunklen Zeiten der Grolme. Es heißt, dass jene, die die Münze in ihren Händen hielten, entweder unermessliche Macht oder ein jähes und tragisches Ende fanden.
Die Legende von Levara und der Münze
Eine der bekanntesten Geschichten zur Schwarzen Münze dreht sich um Levara, eine Hafenhure, deren Name bis heute in den Tavernen Sewamunds ehrfürchtig geflüstert wird. Levara war bekannt für ihre Schönheit und ihren Scharfsinn, doch auch für ihre geheimnisvolle Vergangenheit, die sie stets im Schatten hielt. Eines Tages, so erzählt man, wurde sie von einem sterbenden Dieb aufgesucht, der ihr die Münze übergab. "Mit dieser Münze", flüsterte der Dieb, "kannst du Leben retten, aber dafür wirst du die Deinen verlieren." Levara soll die Münze benutzt haben, um den einzigen Sohn einer reichen Kaufmannsfamilie vor einer tödlichen Krankheit zu retten. Die Kaufmannsfamilie war Levara daraufhin so dankbar, dass sie ihr ein neues Leben fernab des Hafens bot. Doch die Legende endet tragisch: In der Hochzeitsnacht von Levara und einem wohlhabenden Adligen brach ein Feuer aus, das die gesamte Hochzeitsgesellschaft verschlang. Es heißt, dass Levara die Münze bei sich trug, und sie gemeinsam mit ihr in den Flammen verschwand.
Die Schwarze Münze heute
Viele Sewamunder glauben, dass die Münze noch immer irgendwo in der Stadt verborgen ist – entweder tief unter der Sewakbrücke oder in den Katakomben von Burg Sewakstein. Es gibt sogar einige, die behaupten, die Münze sei nicht nur ein Relikt, sondern ein Schlüssel zu einem größeren Geheimnis, einer verborgenen Schatzkammer, in der weitere mächtige Artefakte aus der Zeit der Theaterritter liegen. Abenteurer, Gelehrte und Diebe haben immer wieder versucht, die Münze zu finden. Doch jede Suche, so heißt es, endet in Wahnsinn, Armut oder Tod. Die Geweihten Sewamunds warnen vor der Münze und ihrem Fluch, doch die Legende lebt weiter, ein Mysterium, das die Stadt und ihre Geschichte wie ein Schatten begleitet.
Gurondaii, die Schlacht vor Sewamund und der Dämonenstieg
Gurondaii, eine dämonische Sphärenrissmanifestation ohne feste Gestalt, bestehend aus einer morphierenden, fünf Schritt großen Masse verrottenden Abfalls und Leichenteilen, der Umgebung Lebenskraft entziehend, war ein Relikt der Magierkriege. Kein Sewamunder konnte es sich erklären, wieso Gurondaii 1019 BF das Sewaktal hinabzog und dabei bleibende Schäden hinterließ.
Begleitet wurde Gurondaii von einem schwankenden Gestank aus Moder, fauligem Blut und totem Wasser, der seine Ankunft stets um eine halbe Stunde ankündigte. Pflanzen welkten binnen Sekunden, kleinere Tiere starben sofort, größere verloren Orientierung oder verfielen in Raserei. Menschen, die sich ihm ungeschützt näherten, wurden entweder von Krankheit, Wahnsinn oder geistiger Auslöschung befallen.
Während am oberen Sewak Veliris mit einem Praios-Ritual gerettet werden konnte, zog das Wesen weiter in Richtung Bethana, wodurch es sich Sewamund näherte. Dort konnte es in der Schlacht vor Sewamund am 16. Rahja aufgehalten werden, wozu allerdings Opfer gebracht werden mussten, darunter der Magier Torvon Gilindor. Einen Teil der Route, die das Wesen nahm, bauten danach die pragmatischen Grangorier zum Dämonenstieg aus, auf dem es bis heute zu transphärischen und anderen Erscheinungen kommt. Die Phecadier halten das Wesen seitdem für gebannt und allenfalls die Anwohner des Sewaks erinnern sich noch bewusst an die Geschichte vom Gurondaii. Experten allerdings können niemandem garantieren, dass sich dieser Vorfall nicht wiederholt.
Die Katakomben von Sewamund und die Flutkanäle
Es gibt Überbleibsel eines Flutschutzsystems aus bosparanischer Zeit, mehr als tausend Götterläufe alt. Den ersten Siedlern in Sewamund war es bald zu bunt, dass der Fluss ab und an über die Ufer trat und die Siedlung mehrfach verwüstete. Bosparanische Baukunst ließ ein ausgedehntes Netz von Abwasser- und Regenauffangsystemen entstehen, ergänzt durch unterirdische Wasserspeicher, Rücklaufbecken und Notabflüsse, die das Wasser unterhalb des Stadtbodens wieder ins Flussbett oder gleich ganz ins Meer leiteten. Nur unter der Sewamunder Altstadt vorhanden, ist das System im Laufe der Jahrtausende größtenteils eingestürzt und unbrauchbar. Insbesondere einige gewölbte Hauptgänge mit Steinverkleidung sind noch erhalten. Andere Abschnitte sind längst eingestürzt oder wurden durch den späteren Bau der oberirdischen Stadt überformt. Nach dem Ende des Bosparanischen Reichs verfiel das Wissen um die genaue Funktion des Systems. Die "Kanäle der Alten" gerieten in Vergessenheit oder wurden als unheilvolle Orte gemieden.
Umwittert von Geheimnissen, kann das System der Gänge nur von Eingeweihten genutzt werden. Es gibt zwar Zugänge von wenigen Kellern aus in die "Katakomben", besonders von sehr alten Bürgerhäusern rund um den inneren Stadtkern aus, meist verborgen hinter Vorratslagern und Hausaltären, aber niemand hat ihre Verbindungen bisher ganz kartiert und erschlossen. Einige der Gänge führen sogar aus der Stadt hinaus. Der Zustand der Gänge ist äußerst instabil. Viele Abschnitte stehen unter Wasser, sind eingestürzt oder mit wurzelartigem Gestein verblockt. Es heißt, dass sich in den tiefsten Teilen der Kanalisation heute Seltsames tummelt, nicht nur Wasserratten und Ungeziefer, sondern auch dämonisch verdorbene Rückstände der Gurondaii-Verseuchung, die über das Wasser in das vergessene System gesickert seien.
Ihre ursprüngliche Funktion, die Regulierung des Sewaks, ist längst überholt, aber Gänge unter der Stadt haben eine neue Rolle bekommen. Für Forscher der Vergangenheit sind sie ein gefundenes Fressen, findet sich in ihnen doch einigermaßen ungestört manches Detail aus der langen Stadtgeschichte. Laternenlampen, Dreizacke usw. wurden bereits gefunden, als der Bankraub dazu führte, dass die Gänge wieder mehr ins Licht der Aufmerksamkeit rückten.
Der Bankraub fand allerdings auch in erster Linie deshalb statt, weil die Gänge für Einbrecher, Schmuggler und politische Gegner als heimlicher Pfad, um unerkannt durch oder aus der Stadt zu gelangen, dienen können. Den Stadtbütteln sind nur geringe Teile der alten Gänge bekannt und sie meidet sie aufgrund ihrer Instabilität. Zu viele gute Büttel seien dort schon verloren gegangen.
Abergläubige sprechen davon, dass versiegelte Schreine alter Gottheiten tief unten verborgen liegen könnten, mit noch immer aktiven Zaubern und Segen. Einige Legenden berichten, dass sich ein besonders tiefer Kanal außerhalb der Stadt mit einem alten bosparanischen Sarkophag verbinden soll, dessen Siegel nie gebrochen werden dürfe, da dort ein Fluch der alten Wasser ruhe. Aber wie gesagt, das ist nur Aberglaube.
Alte Herren unter Stein und Schlamm
Als die Menschen aus dem Güldenland die ersten Pfähle in den Schlick der Sewakmündung rammten, taten sie dies mit einem heute fast vergessenen Verbündeten zusammen: den Grolmen, ein unterirdisches Volk mit borstigen Brauen, glänzenden Kieselzähnen und einem ausgeprägten Gespür für Erz, Stein und Ordnung. Sie gelten in aventurischen Mythen als entfernte Verwandte der Zwerge, wenngleich ihre Herkunft umstritten ist. Im heutigen Sewamund werden sie vor allem in alten Geschichten der Fischer und Seiler erwähnt, die bei Niedrigwasser angeblich flache Gänge unterhalb der Burgmauern betreten haben wollen. In eingeweihten Kreisen kursieren noch heute andeutungsweise Gerüchte über gewisse "Ansprüche der Grolme", insbesondere im Zusammenhang mit alten Lagerrechten auf dem heutigen Burghügel.
In den tiefen Kellern von Burg Sewakstein, so munkelt man, existiere ein Netzwerk grolmischer Tunnel, Reste uralter Wohnhöhlen, die in der Zeit vor den Dunklen Tagen als Versammlungsorte und Schatzlager dienten. Manche Legenden sprechen von einem „Runenstein des Anspruchs“, in den ein ewiger Pachtvertrag eingemeißelt sein soll, in einer Sprache, die weder menschlich noch zwergisch ist.
Offiziell weist der Lilienrat solche Gerüchte zurück. Inoffiziell jedoch wurde vor wenigen Jahren eine Abordnung zwergischer Experten aus dem Phecanowald eingeladen, um die Standfestigkeit der Burgfundamente zu prüfen und infolge des bemerkenswerten Bankraubes die Höhlungen unter der Altstadt zu untersuchen. Die Ergebnisse blieben vertraulich und lassen sich nicht mehr finden.