Briefspiel:Ein neuer Domicello und ein neuer Esquirio des Yaquirbruchs

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Vorlage:Unterfelsklein Briefspiel in Unterfels Vorlage:Unterfelsklein
Datiert auf: 17. Efferd 1046 BF Schauplatz: Palazzo Arindello Entstehungszeitraum: September 2025
Protagonisten: Erlan Sirensteen, Cerdon aus Veliris, Ludovigo Sirensteen und Amando Sirensteen Autoren/Beteiligte: Haus Sirensteen.png Erlan, Praios.png Cerdon


Die Söhne von Erlan Sirensteen werden feierlich zum Domicello bzw. Esquirio erhoben.


Autor: Erlan, Cerdon

Unterfels, 17. Efferd 1046 BF (Festtag des heiligen Aldigon): Der 17. Efferd ist der Festtag von St., ein Tag des Lichts und der Ordnung. Schon am frühen Morgen kündete das Läuten des Gongs des St.-Aldigon-Tempels auf dem Monte Comitale die Feierlichkeiten an, die ganz Unterfels in festliche Stimmung tauchten. Anstatt nur eine Stunde anzukündigen, wie es sonst üblich war, würde er im feierlichen Rhythmus bis zum heutigen Götterdienst geschlagen werden. Es galt unter Gläubgen als Zeichen des Glaubens und des Wohlwollens des Götterfürsten, wenn man einem solchen Tag vom Tempel auserwählt wurde, für einige Zeit den Gong zu schlagen. Der Himmel war klar, die Luft frisch – als hätte Praios selbst beschlossen, diesen Tag mit seinem Licht zu segnen.

Rückblende zum Morgen 1: Amando

Als Amando Rahjin Sirensteen die Augen öffnete, bemerkte er, wie die Nacht gerade wich. Erste Sonnenstrahlen fielen durchs Fenster und zeichneten helle Linien auf den Boden seines Gemachs. Da begann das Geläut des Tempels – wie jedes Jahr, sobald die Strahlen der Sonne den Dererund erreichten. Er erhob sich, bereitete sich auf den Tag vor und verließ sein Zimmer. Als er später zurückkehrte, fanden sich Bett und Kissen frisch bereitet. Doch dort, auf dem Kissen, lag etwas, das nicht dorthin gehörte.

Ein Stück feinstes Linnenpapier, versehen mit dem Wappen der Baronie Yaquirbruch. In feinster Schrift standen darauf die Worte:

„Großer Saal, 17. Efferd 1046 BF, eine Stunde nach Ende der Praios-Messe zu St. Aldigon.“

Amando stutzte. Niemand hatte ihn auf solches hingewiesen. Noch mehr verwunderte ihn, dass es das Siegel des Yaquirbruchs war – hatte sein Vater doch stets Wert darauf gelegt, die Angelegenheiten der Baronie von jenen Unterfels’ zu trennen.


Rückblende zum Morgen 2: Ludovigo

Es war bereits hell, als Ludovigo Sirensteen schließlich erwachte. Der Wein des vergangenen Abends lastete noch auf ihm, und er murmelte einen Fluch über die Qualität des letzten Bechers. Doch ein hoher Feiertag duldete keine Trägheit. Nachdem er sich erhoben und frisch gemacht hatte, kehrte er in sein Gemach zurück – alles war aufgeräumt, das Bett gemacht.

Erst im zweiten Blick bemerkte er das Linnenpapier auf seinem Kissen. Das Wappen der Baronie Yaquirbruch, darunter die Worte:

„Großer Saal, 17. Efferd 1046 BF, eine Stunde nach Ende der Praios-Messe zu St. Aldigon.“

Ludovigo rieb sich die Augen, runzelte die Stirn. „Was habe ich vergessen?“ dachte er. Ein Zufall konnte es nicht sein. Alles, was das Wappen des Yaquirbruchs trug, war von Bedeutung.


Die Messe zu Ehren des Heiligen Aldigon

Am Nachmittag kehrte Comto Erlan Sirensteen gemeinsam mit Cerdon aus Veliris, Custos Lumini des Unterfelser Praiostempels, nach Unterfels zurück. Als Consiliere der Stadt nahm er seinen Platz in der vordersten Reihe ein, die Augen auf das goldene Licht gerichtet, das durch die hohen Fenster fiel.

Die Messe wurde feierlich begangen. Adlige, Patrizier und Bürger der Stadt hatten sich versammelt, die Reihen dicht gefüllt, Gebete hallten durch das Schiff des Tempels. Der kleine Chor des Tempels sang feierliche Choräle, die nur an solch besonderen Tagen zu Ehren der Herrn Praios erklangen.

In der zweiten Reihe stand die Familie: Amando und Ludovigo neben ihrer Mutter Shahane und Schwester Yaquiria. Die beiden tuschelten ob der unerwarteten Einladung, doch auch ein fragender Blick zur Mutter brachte keine Antwort. Ein leises Murmeln ging durch die Reihen, bis Cerdon mit gestrengem, aber mildem Blick die Gemeinde zur Ordnung rief. Schweigend setzten sich die Anwesenden, und der Geweihte begann mit seiner Predigt. Sie kündete natürlich von Gehorsam und Standhaftigkeit wider Lastern aller Art, denn an diesem Tag wurde des Heiligen Aldigon gedacht. Zuvor war aus dem Buch der Heiligen vorgetragen worden, welche Taten er im Namen des Praios vollbracht hatte. Doch die Predigt sollte an diesem Tag besonders auf den Gehorsam und die Treue von Lehnsfrauen und Lehnsherren eingehen. Ein Band, oft gewachsen und gestählt über Generationen und Jahrhunderte, welches durch den heiligen Lehnseid geschlossen wird. Gepriesen ein Reich und die Menschen darin, die unter diesen starken Banden wachsen und gedeihen.

 Die Stunde danach

Nach der Messe begab sich die Familie Sirensteen in den großen Saal des Palazzo Arindello. Dort waren zunächst nur Shahane, die Kinder und ein Teil der Dienerschaft versammelt.

Dann öffnete sich eine Seitentür, und ein Herold rief nach einem Fanfarenstoß:

„Es treten ein: Erlan Sirensteen von Irendor, Comto zu Bomed, Baron des Yaquirbruchs, Consiliere von Unterfels, Herr von Irendor, Oberhaupt des Hauses Sirensteen, und seine Hochwürden Cerdon aus Veliris, Custos Lumini zu Unterfels.“

Erlan musste ein wenig schmunzeln, denn jeder im Saal wusste genau, wer er war. Doch das Protokoll verlangte es so. Gemeinsam mit dem Praiosgeweihten schritt er zum Thron und blieb dort stehen. Er trug sein volles Ornat - unter anderem die goldene Lilienkette, den silbernen Kronreif mit dem blauen Edelstein, der aus sich heraus leuchtete und die Farben der Baronie Yaquirbruch. Auch der Prätor trug den vollen Ornat, wie er außerhalb des Tempels nur zu besonderen Anlässen getragen wurde.

Mit fester Stimme sprach der Comto:

„Heute ist ein feierlicher Tag. Für Euch, Ludovigo und Amando, aber auch für uns alle. Nach den alten Gesetzen und Traditionen der wiedererstandenen Baronie Yaquirbruch und des Hauses Sirensteen, unter dem huldvollen Segen der Zwölfe in Alveran, findet nun eure elevatio nobilitatis statt.“

Amando und Ludovigo blickten sprachlos auf ihren Vater – mit vielem hatten sie gerechnet, doch nicht damit. Ihr Vater ließ die Worte wirken und nutzte die Gelegenheit, um den Kronreif der Sirensteen abzulegen und einem Diener zu geben, der ihm die üblicherweise kaum genutzte Baronskrone des Yaquirbruchs reichte. Der Diener legte den Kronreif auf einem Beistelltisch ab. Da wirkte dann sofort der Edelstein fast profan und unscheinbar gegenüber dem im Lichte glänzenden Silber des Kronreifes.

„Vor den Augen des Lichts und unter dem Segen des heiligen Aldigon erhebe ich, Erlan Sirensteen von Irendor, Comto zu Bomed, in meiner Eigenschaft als Baron des Yaquirbruchs, heute zwei Söhne meines Hauses in den Stand, der ihnen gebührt. Amando Rahjin Sirensteen, mein erstgeborener Sohn, und Ludovigo Sirensteen, den ich als meinen eigenen angenommen habe. Mögen sie in der Baronie Yaquirbruch, der Grafschaft Bomed und dem Horasreich mit der zwölfgöttlichen Unterstützung weise handeln und in Treue zur Krone stehen.“

Cerdon trat hervor, legte die Hände auf ihre Schultern und sprach:

„Im Namen des Götterfürsten Praios, Lux Dei, Veritas Praiosi, segne ich euch und bete, dass ihr immerdar dem Reich und seiner Ordnung und Alveran dient. Euer Name sei hell wie das Licht, euer Weg gerade wie die Strahlen der Sonne.“

„Ludovigo, tritt hervor.“

Der Sohn kniete nieder. Erlan berührte seine Schulter mit einer langen Feder, einer der Insignien der Baronie.

„Hiermit ernenne ich dich, Ludovigo Sirensteen, zum Domicello des Yaquirbruchs.“

Der Praiosgeweihte zeichnete das Sonnenmal in die Luft, golden glänzend im Kerzenschein.

„Amando, tritt hervor.“

Auch er kniete nieder. Erlan legte die Feder an seine Schulter.

„Hiermit ernenne ich dich, Amando Rahjin Sirensteen, zum Esquirio des Yaquirbruchs.“

Wiederum vollzog Cerdon das Praiosmal, würdevoll und segnend.

Erlan Sirensteen, Ludovigo Sirensteen und Amando Sirensteen

Er ließ sich eine güldene Schale reichen und ein schlichtes Messer, um von den beiden Jünglingen etwas Blut in der Schale zu sammeln. Als dies getan war, sprach er weiter die seit langem überlieferten Worte des Eidsegens.

“Heiliger Herr Praios, blicke hernieder und segne diesen Schwur. Seine Worte, ihr Sinn und ihre Bedeutung sollen heilig sein. Er wird aus freien Stücken geschworen, ohne Dunkelsinn oder Tücke im Geist, und dir als Hüter anempfohlen. Wer jedoch diesen Schwur tut, um seine Bedeutung zu verzerren, wer den anderen gegen seinen Willen zwingt oder wer den heiligen Eid schließlich bricht, den möge deine göttliche Strafe ereilen!” So hebt Eure Schwurhand, wie wir es seit den Tagen tun, als der Horas selbst auf dem Greifen zu uns Menschen kam, und sprecht reinen Herzens.”

Dann sprachen beide Brüder, ihre Stimmen fest:

„Bei den Zwölfen, Praios voran, schwören wir, unserem Baron, unserem Grafen und dem Horas die Treue – heute und für alle Zeit.“

Epilog

Erlan trat zu seinen Söhnen, bedeutete ihnen aufzustehen, und sprach mit ernsthafter, aber warmer Stimme:

„Ich hätte eine andere Art dieser Feierlichkeit vorgezogen. Doch da ein Großer der Stadt verstorben ist und Unterfels trauert, erschien es mir nicht angemessen. Aber lasst euch sagen: Das wird nachgeholt, Dom Ludovigo – eh Domicello Ludovigo – und Esquirio Amando. Aber nun muss noch der formelle Akt erledigt werden. Gut, dass wir diese Feder hier haben.“

Er ging zu dem Tisch am Rande des Saales und setzte sich hin. Erlan nahm die Feder, tauchte sie in Tinte und setzte seinen Namen unter die beiden Urkunden, die dort bereitlagen:

„Damit wäre auch das Formale erledigt.“

Erlan nahm dabei dann die eher unförmige Krone der Baronie ab, legte sie ab und setzte wieder den Kronreif der Sirensteens auf, dessen hell leuchtender Saphir den Reif dominierte. Ein Diener und ein Liliengardist nahmen die Insignien und Dokumente an sich. Dann wandte sich Erlan an alle:

„Auch wenn es heute kein rauschendes Fest geben wird – das sind wir unserem verstorbenen Freund Bassiano Bolburri schuldig –, so gibt es doch ein gutes Mahl. Auch am Tag von Sanct Aldigon weiß ich, was traviagefällige Gastfreundschaft bedeutet. In einer Stunde wird im Arangerie-Saal aufgetragen.“

Er sah zu Cerdon:

„Ich habe mir erlaubt, auch Eure Gemahlin, sowie Silem und Ancalita einzuladen – und alle anderen Mitglieder des Hauses Sirensteen, die in der Nähe sind.“ Dieser nickte nur zustimmend.

Da trat Amando hervor, erstaunt:

„Das habt ihr alles im Geheimen vorbereitet?“

Erlan lächelte knapp.

„Im Namen des Fuchses? Nein, nein, so würde ich das nicht nennen. Ich glaube, Cerdon aus Veliris würde das auch bestreiten. Aber nur, weil du und Ludovigo nichts wusstet, heißt es ja nicht, dass es geheim war…“

In dem Moment schauten die beiden zu Shahane, die gerade mit Ludovigo sich unterhielt und die Familie lächelte sich gegenseitig an.

Erlan ging mit Amando zu den beiden und richtete dann das Wort an seine Söhne:

„Und nachher beim Mahl werdet ihr auch Eure Reife zeigen können - und das meine ich doppeldeutig. Denn es ist nicht einfach mit so einem Kronreif auf dem Kopf zu speisen, ohne dass da was runterfällt. Das zeigt dann Eure wahre Reife…“ - und dabei schmunzelte der Comto zusammen mit seiner Gemahlin, während sich seine Söhne erstaunt anschauten… und wohl immer noch nicht genau wussten, was da heute überraschend passiert ist.