Sewamunder Unterwelt
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Die Sewamunder Unterwelt
Im Schatten des glanzvollen Seehandels blüht in Sewamund eine vielgestaltige Unterwelt, wie sie nur ein Schnittpunkt von Fluss, Meer, Glaube und Gier hervorbringen kann. Besonders in den verwinkelten Gassen der Altstadt, im Hafenviertel und der Vorstadt Trafiume sind Schmuggler, Diebe, aber auch Verschwörer anzutreffen. Hier hört man Verschwörungstheorien über die baldige Rückkehr von Baron Irion (zuweilen gar Baron Selchions), verschwiegene Kanäle zu den Resten der Dämonenbrut, oder über das angebliche Überleben eines der Theaterritter, der unter der Burg Sewakstein über die Stadt wacht. Der Phex-Tempel ist für viele aus der Unterwelt nicht nur ein Ort der Verehrung, sondern auch ein Schutzraum.
Die Irioniten, eine Schattenzelle aus ehemaligen Stadtwachen, radikalisierten Predigern und Gescheiterten, verehren den besiegten Baron Irion als Rächer und künftigen Erlöser. In dunklen Kellern planen sie die Umkehr der städtischen Ordnung. Ihr Zeichen ist ein auf dem Kopf stehender Sewakknoten.
Die Laternenbande ist eine alteingesessene Diebes- und Erpresserbande, die ihren Ursprung im düsteren Wäscherviertel hat. Die Mitglieder tragen bei der Arbeit Laternen mit farbigem Glas, die je nach Farbe über Absichten informieren: grün für "verhandlungsbereit", rot für "zahl deine Schulden", blau für "wir beobachten dich". Die Bande beherrscht Schutzgelderpressung in Teilen des Hafenviertels und ist bekannt für raffinierte Einschüchterungsmethoden. Ihr Emblem ist eine stilisierte Laterne mit durchstoßenem Glas.
Die Seilschaft rekrutiert sich vor allem aus Arbeitern der Seilerei und Jüngern des Ingerimm-Tempels St. Stordian. Offiziell eine Hilfsgilde für Seefahrer und Werftarbeiter, verbergen sich dahinter Schwarzarbeiter, Saboteure und Transporteure von Schmuggelware. Ihre Mitglieder schwören einen Eid auf das "unsichtbare Band", das sie verbindet. Mit speziell geknoteten Seilen übermitteln sie Botschaften über Dächer und Masten hinweg, ein Netz, das ganz Sewamund durchzieht.
Die Freisegler sind eine lockere Bruderschaft von unabhängigen Kapitänen, deren Loyalität weder dem Hafenamt noch den Kompanien gilt. Sie fahren unter wechselnden Flaggen, meiden offizielle Handelsrouten und haben eigene geheime Anleger im Freihafen. Ihre Anführerin, eine ehemalige Offizierin der Horasflotte namens Marescha „Flaute“ Ventico, gilt als verwegene, aber faire Händlerin, solange man sich an ihren Ehrenkodex hält.
Die Schleusenschieber kontrollieren die Schleusen- und Kanalsysteme rund um Sewamund – oder glauben es zumindest. In Wahrheit besteht ihr Einfluss aus gezielter Korruption von Schleusenwärtern, Sabotage an konkurrierenden Kanälen und dem Verschwindenlassen von Lastkähnen, die nicht bezahlen. Ihre Struktur ist zellenartig, organisiert über ein System von Spitznamen ("Zahnrad", "Rutsche", "Stau"). Die Schleusenschieber gelten als gefährlich unauffällig, niemand kennt ihr wahres Oberhaupt.
Die mittlerweile verbotene Bruderschaft vom Geselligen Leben, bei der Efferdan Fresa regelmäßig obskure Vorträge von sich gibt, ist die hiesige Freidenkerloge, die unter dem Deckmantel gemeinsamer Kochveranstaltungen konspirative Literatur zirkulieren lässt, fragwürdige Experimente mit Genussmitteln durchführt und gezielt junge Künstler und Denker in ihr Netzwerk einbindet, um so Einfluss auf die geistige Elite Sewamunds zu gewinnen. Die Treffen finden mittlerweile in der Gerberei Trosseni statt.
Der alte Orden vom Kleeblatt tritt in Sewamund selten in Erscheinung. Seine Ursprünge reichen bis zum Vinsalter Krieg zurück. Ursprünglich ein Ritterbund, öffnete sich der Orden rasch zahlungskräftigen Kreisen wie Condottieri, entehrten Offizieren und skrupellosen Spielern. Der elitäre Kampfbund wandelte sich zu einem Netzwerk von Verschworenen, die unter dem Deckmantel von Tradition und Ehre Geschäfte betreiben, als Spione, Duellanten und Beschützer fragwürdiger Unternehmungen. Die Zelle in Sewamund agiert verborgen, ihr Treffpunkt liegt irgendwo zwischen dem Rauchsalon Meridiana und der alten Admiralität, wo Gold rollt und Gerüchte wie Karten ausgespielt werden. Mitglieder erkennt man an kleinen, subtilen Zeichen, einem Kleeblatt als Brosche, eine Spielkarte in der Brusttasche, einer bestimmten Wendung beim Trinkspruch. Dass manche Patrizier ein Kleeblatt im Wappen führen, halten viele für Zufall. Aber jene, die wissen, was es bedeutet, sprechen lieber nicht darüber.
Das Vanithkontor tritt nicht namentlich auf. Seine Mitglieder geben sich als respektable Händler für Südmeerperlen, aromatische Harze und seltene Schuppenware aus. In Wahrheit ist es ein Umschlagplatz für verbotene Artefakte, okkulte Texte und Waren aus Kulturen, die längst untergegangen sind, nicht zuletzt aus dem mythischen Vanith. Die Mitglieder des Kontors sind polyglotte, oft tätowierte Persönlichkeiten mit einem Hang zu Duftölen, seltsamen Papieren und versiegelten Amphoren. Das Kontor liegt in einer geheimen Kammer in der Bastion St. Stordian am Rande des Handelshafens, dessen Fundament aus schwarzem Stein angeblich direkt auf alten Tempelresten ruht. Hier zirkulieren verbotene Bücher mit Namen wie "Charypthonomikon" oder "Stille der Tiefe" und die Angestellten verwenden eine Duftsprache: ein Hauch Lavendel bedeutet Einladung, bittere Mandeln Gefahr, und Weihrauch steht für Versammlung.
Tief in den feuchten Gewölben unter Sewamund, in verlassenen Bassins, alten Badehäusern und verfallenen Wasserheiligtümern, wirkt der obskure Kult des erleuchteten H'Dusak. Was zunächst wie eine absurde Parodie klingt, offenbart bei genauerem Hinsehen erschreckend durchdachte Lehren. H'Dusak, so sagen sie, sei ein "heiliger Klangträger", ein spirituelles Echo eines uralten echsischen Kultes, das einst den Großen Strom des Südens beschwor. "H" ist die heilige Vorsilbe des Echsischen, "Dusak" ein vergessenes Wort für Instrument, Atem oder auch: Stimme der Tiefe. Der Kult verbindet Musik, Trance und verborgene Strömungslehren mit einem fast grotesken Mystizismus. Zentrale Rituale beinhalten das Erzeugen von Unterwassertönen durch seltsam modifizierte Blasinstrumente sowie das Einatmen spezieller Kräuterdämpfe, die angeblich den Geist in alte Zeiten zurückführen. Die "Klarhörigen", wie sich Eingeweihte nennen, behaupten, durch die Klänge des H'Dusak mit den Ahnen der Echsen und vergessenen Wesen unter dem Sewak zu kommunizieren. Die Sewamunder, denen der Kult überhaupt zu Ohren gekommen ist, belächeln ihn. Doch seitdem einige Ratsprotokolle seltsame Begriffe aus der Liturgie des H'Dusak enthalten und mindestens eine minder bedeutende Patrizierin mit glasigem Blick beim Summen eines "heiligen Tons" ertappt wurde, mehren sich die Stimmen, die vor tieferem Einfluss warnen.