Närrisches Treiben im Sangreal: Unterschied zwischen den Versionen
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− | Der Novadi beendete leise und bedächtig seinen Satz und sah sich dann nach der Magistra um. Der Horas und die Umstehenden taten es ihm gleich. “Erhebt Euch, Magistra. Wir disputierten gerade dazu, wie die Lanze des Rastullah einzuordnen ist und was dies für das 12 Götter Pantheon bedeutet. Seine Gnaden der Mawdli hat Uns die Lanze und ihre Wirkkraft beschrieben. Und Euer werter Collegae Adeptus [[Flaviora| | + | Der Novadi beendete leise und bedächtig seinen Satz und sah sich dann nach der Magistra um. Der Horas und die Umstehenden taten es ihm gleich. “Erhebt Euch, Magistra. Wir disputierten gerade dazu, wie die Lanze des Rastullah einzuordnen ist und was dies für das 12 Götter Pantheon bedeutet. Seine Gnaden der Mawdli hat Uns die Lanze und ihre Wirkkraft beschrieben. Und Euer werter Collegae Adeptus [[Flaviora|Concitatus Flaviora]] berichtete Uns in seiner Korrespondenz, wie die Kreaturen in der Wüste derzeit bekämpft werden. Vielleicht könnt Ihr hier mit Eurer Expertise beitragen. Schließlich habt Ihr in den Schwarzen Landen und auf der Seeadler von Beilunk eine erkleckliche Zahl unterschiedlichster Kreaturen bekämpft.” Der Horas nahm ein Stück Rosinenrollkuchen vom dargebotenen Tellerchen und richtete den durchdringenden Blick auf die Magistra. |
“Gebieter, wenn ich den Berichten richtig entnehme, dann gibt es in jeder Kreaturenschar einige sehr große Exemplare, die anscheinend über genügend Intelligenz verfügen, um diese Schar zu führen. Hier könnte der von mir entwickelte Fulmifaxius Einsatz finden.” | “Gebieter, wenn ich den Berichten richtig entnehme, dann gibt es in jeder Kreaturenschar einige sehr große Exemplare, die anscheinend über genügend Intelligenz verfügen, um diese Schar zu führen. Hier könnte der von mir entwickelte Fulmifaxius Einsatz finden.” | ||
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“Grandessa, ich gebe mich geschlagen. Ich bin durchschaut. | “Grandessa, ich gebe mich geschlagen. Ich bin durchschaut. | ||
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Bin hier, nachdem ich lang verschollen | Bin hier, nachdem ich lang verschollen | ||
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Da traf ich das Schicksal nach mir rufend. | Da traf ich das Schicksal nach mir rufend. | ||
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Lindern der Sorgen Gewicht! | Lindern der Sorgen Gewicht! | ||
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Und kein Mensch auf Dere hat dergleichen Fülle, | Und kein Mensch auf Dere hat dergleichen Fülle, | ||
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als mein Gebieter, Ucuris Funken in menschlicher Hülle. | als mein Gebieter, Ucuris Funken in menschlicher Hülle. | ||
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Nicht weniger als der Menschheit Wohl im Herzen | Nicht weniger als der Menschheit Wohl im Herzen | ||
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müssen die größten aller Sorgen ihn schmerzen. | müssen die größten aller Sorgen ihn schmerzen. | ||
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Ganz unschelmisch, knie ich demütig nieder, | Ganz unschelmisch, knie ich demütig nieder, | ||
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Und biete was eine Schelmin bieten kann | Und biete was eine Schelmin bieten kann | ||
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Verse, Spott und heitere Lieder | Verse, Spott und heitere Lieder | ||
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aufzuheitern hinter dem Kaiser den Mann.” | aufzuheitern hinter dem Kaiser den Mann.” | ||
So endete die Schelmin ganz unschelmisch ernsthaft ihre Proklamation, und kniete vor dem Horas, der nachdenklich auf sie hinab sah. | So endete die Schelmin ganz unschelmisch ernsthaft ihre Proklamation, und kniete vor dem Horas, der nachdenklich auf sie hinab sah. | ||
− | Jasmin, einen Kloß im Hals, sah zum Kaiser. Nie sprach jemand in dieser Art vom Horas, als wäre er einfach nur ein Mann wie jeder andere. Noch konnte sie sich vorstellen, dass jemals jemand so zu ihm sprach. Und doch, Jasmin dachte das erste Mal daran, dass es wohl sehr | + | Jasmin, einen Kloß im Hals, sah zum Kaiser. Nie sprach jemand in dieser Art vom Horas, als wäre er einfach nur ein Mann wie jeder andere. Noch konnte sie sich vorstellen, dass jemals jemand so zu ihm sprach. Und doch, Jasmin dachte das erste Mal daran, dass es wohl sehr schwer war, für alle Menschen im Horasreich verantwortlich zu sein. Vielleicht braucht man dann wirklich jemanden, der einem das Herz ab und an etwas leichter macht. |
Version vom 12. Januar 2025, 18:24 Uhr
Närrisches Treiben im Sangreal - 1. Akt
‘Ui. Das ist aber eine hohe Decke.’ staunte Jasmin Flaviora still beim Betreten der Halle der Höchsten Harmonie. Sie war nur ein paar Sekunden stehen geblieben, um die halbfertigen Deckengemälde zu bewundern, und hatte doch schon den Anschluss verloren. Ihre Lehrmeisterin Magistra Allegria Hesinda zu Donnerhall, eine sehr große Frau, schritt mit weiten Schritten in die Halle und Jasmin musste sich beeilen, ihr zu folgen.
In der Mitte der Halle stand ein verwaister langer Tisch mit einem dampfenden Samowar, Porzellangeschirr und Etageren mit Gebäck und Früchten, von denen ein Diener in Livree ein paar auf einem Tellerchen drapierte. Mehrere der hohen Lehnstühle waren in einer lockeren Gruppe ein paar Meter weiter aufgestellt. Dort saßen und standen Herren und Damen ganz unterschiedlicher Herkunft und Aussehens, welche nur die Eigenschaft teilten, dass sie ungemein gelehrt aussahen. Ein spitzer Hut und Secundo verriet einen Magier, der es mit dem Codex sehr genau nahm. Ein Mann aus der Wüste stand dort mit weißen Gewändern und einem schmucklosen Turban angetan. Und, oh wie aufregend, der junge Horas selbst. Jasmin fand ihn allerdings gar nicht so jung. War er nicht schon 24 Jahre alt? Also mehr als doppelt so alt wie Jasmin. Sein Konterfei kannte sie natürlich. Welche Horasierin tut dies nicht? Aber irgendwie sah er trotzdem anders aus. Er stand hinter einem der Stühle, stützte sich mit den Unterarmen auf die Lehne und lauschte konzentriert den Ausführungen des Novadis. Die weiteren Personen schienen keine Magier, sondern Gelehrte anderer Disziplinen zu sein.
“Warte hier, Jasmin", orderte die Magistra und eilte weiter in den Raum. Jasmin setzte sich in die ihr bedeutete Sitzecke weit weg vom eigentlichen Geschehen. ‘Menno. Immer wenn es interessant wird, muss ich irgendwo warten und darf nicht mit.’ dachte sie noch, da hallte ein Knall durch das Gewölbe, als der Heroldstab aufschlug: “Die gelehrte Dame, Magistra Allegria Hesinda zu Donnerhall aus dem Hause Romeroza”. Die so Angekündigte sank auf ein Knie.
Der Novadi beendete leise und bedächtig seinen Satz und sah sich dann nach der Magistra um. Der Horas und die Umstehenden taten es ihm gleich. “Erhebt Euch, Magistra. Wir disputierten gerade dazu, wie die Lanze des Rastullah einzuordnen ist und was dies für das 12 Götter Pantheon bedeutet. Seine Gnaden der Mawdli hat Uns die Lanze und ihre Wirkkraft beschrieben. Und Euer werter Collegae Adeptus Concitatus Flaviora berichtete Uns in seiner Korrespondenz, wie die Kreaturen in der Wüste derzeit bekämpft werden. Vielleicht könnt Ihr hier mit Eurer Expertise beitragen. Schließlich habt Ihr in den Schwarzen Landen und auf der Seeadler von Beilunk eine erkleckliche Zahl unterschiedlichster Kreaturen bekämpft.” Der Horas nahm ein Stück Rosinenrollkuchen vom dargebotenen Tellerchen und richtete den durchdringenden Blick auf die Magistra.
“Gebieter, wenn ich den Berichten richtig entnehme, dann gibt es in jeder Kreaturenschar einige sehr große Exemplare, die anscheinend über genügend Intelligenz verfügen, um diese Schar zu führen. Hier könnte der von mir entwickelte Fulmifaxius Einsatz finden.” Der in seinen Becher Tee versunkene, Codex treue Magier blickte ruckartig auf: “Äh wie?” “Interessant, …” murmelte der Horas den Rollkuchen vergessend, “...ja bitte, weiter.”
“Zwei Jahre forschte ich an der Synthese des Fulminictus, der, wie ihr wisst, dem Opfer von außen nicht sichtbaren Schaden zufügen kann, welcher üblicherweise im Körper gestreut wird in Form von Kleinstverletzungen, mit der Thesis des Ignifaxius, welcher, auch dies ist bekannt, eine Flammenlanze hervorruft, welche elementaren Schaden verursacht und durchaus signifikante Wunden schlagen kann. Einfach ausgedrückt gelang es mir, den Fulminictus mit Eigenschaften des Ignifaxius zu erweitern. Der resultierende Fulmifaxius kann zielgerichtet eingesetzt werden, um die Kleinstverletzungen nicht über den Körper zu streuen, sondern in einer Körperregion zu konzentrieren, beispielsweise dem Herz oder Gehirn. Da der Fulminictus nicht wie der Ignifaxuis gegen den Panzer der Kreaturen ankommen muss, wäre es damit eventuell möglich, die großen Exemplare mit einem zielgerichteten potenten Fulmifaxius auszuschalten. Dafür müsste man natürlich anatomische Studien vornehmen, um besonders wichtige Körperregionen zu identifizieren, die dem Herz oder Gehirn des Menschen entsprechen, um die volle Wirkung zu entfalten.”
“Ein Zauber für Meuchler und Attentäter - nichts anderes ist das. Wie konntet Ihr das nur tun?” echauffierte sich der Magister.
“Ihr habt Recht, Collega. Es war mir effektive Waffe gegen Daimonoide und Paktierer, stellte sich bei letzteren heraus, dass sie den Pakt nicht brechen wollen und mir nach dem Leben trachten. Vielleicht beruhigt es Euch, dass dieses Wissen vermutlich mit mir stirbt. Es gibt keine Niederschrift der Thesis. Aus eben jenem Grunde, dass der Cantus zu leicht missbraucht werden könnte, sollte er in unlauterer Hand landen." endete die Magistra und strich demonstrativ über ihre blütenweiße Robe.
Die sich anschließende längliche Diskussion, welche Mittel zu welchem Zweck gebraucht werden dürften und vor allem von wem gegen welche Entität, wurde langweiliger und langweiliger. ‘Am Ende darf ich ja eh nicht entscheiden, was ich lernen darf. Das tun immer andere für mich.’ war Jasmins letzter wacher Gedanke, bevor ihr Kinn auf die Brust fiel.
Romms.
Vom Aufprall des Heroldstabs auf dem Marmorboden jäh geweckt, riss Jasmin den Kopf hoch und rieb sich kurz die Augen. ‘Oh, das gibt bestimmt Schelte, dass ich nicht beherrscht genug war und eingeschlafen bin’. Komischerweise folgte dem Knall keine Ankündigung. Jasmin sowie die Diskutanten wandten sich zum Herold um, der heftig gestikulierend mit einer sehr seltsam gekleideten Person…, hm, streiten kann man es nicht nennen. Der Herold kicherte ausgelassen und stieß dann rotgesichtig prustend einen Satz hervor. Die Dame ihm gegenüber runzelte theatralisch die Stirn und legte den Finger ans Kinn, als würde sie intensiv abwägen, grinste dann breit über das ganze Gesicht und nickte.
Ihr Wams war aus Stücken Samt und Seide in unterschiedlichen Grün- und Blautönen gefertigt und mit mindestens zehn verschiedenen Borten und Bändern besetzt. Darunter steckten die Beine in einer dunkelgrünen samtenen Pluderhose und die Füße in unpraktisch aussehenden, übergroßen Schnabelschuhen. Auf dem Kopf trug die Frau eine Krone aus ebenfalls dunkelgrünem Samt mit Spitze und Perlen besetzt. Die Haare standen darüber wild zu Berge. Die aberdutzenden aufgenähten Schellen auf Wams, Hose und Krone klingelten bei jeder Bewegung. Als Herold und Eindringling wild nickend und grinsend zu einer Einigung gekommen schienen, drehte sich die Frau zu den Anwesenden um und warf sich in Pose. Eine Hand in die Hüfte gestemmt, die andere wie zum Gruß erhoben mit einem Holzstab in der Hand, auf dem ein kleiner, aus Filz gefertigter Adler saß.
“Oh imperialster und majestätischster Horas, unser aller Gebieter…” setzte der Herold an und gluckste. Jasmin staunte mit offenem Mund, ob der fehlenden Etikette. 'Was war denn nun los?’ sie sah zur Magistra hinüber, die mit hochgezogenen Augenbrauen staunend das Geschehen beobachtete. “....öhm.” setzte der herold an, “Ich präsentiere Euch Ihre Frohgeboren Horasiella von Erlaucht zu Durchlaucht”. Die Dame strahlte über das ganze Gesicht. Setzte an in den Saal zu treten, besann sich aber anders und drückte dem Herold noch schnell einen Kuss auf die Wange, bevor sie mehr hüpfend als würdig schreitend sich dem Horas näherte. Jasmin sah, wie das Gesicht der Magistra jeden Ausdruck verlor, als sie sich vor den Horas schob, den Magierstab fest in beiden Händen: “Wer seid Ihr? Bleibt sofort stehen!”.
Das Grinsen der Dame erlosch, als sie sich zum Herold umdrehte: “Nee, das hat nicht geklappt. Nochmal von vorne.” sagte sie, während sie zurück hüpfte und sich erneut in Pose warf. Aufmunternd nickte sie dem Herold zu.
Dieser nahm Haltung an, ja er schlug sogar die Hacken zusammen, und schmetterte doppelt so laut wie zuvor: “Oh gebieterischster, groooooooßartigster und über die Maßen eeeeeehrfurchtgebietendster aller Herrscher, ich präsentiere Euch Ihre Frohgeboren Hoooorasiella von Eeeerlaucht zu Duuuurchlaucht!” Beide zufrieden mit der erneuten Vorstellung nickten sich zu und die Dame schritt erneut auf die Gruppe der Gelehrten zu.
“Das ist doch…” setzte die Magistra an, “Erklärt Euch!”
“Aber werte Dame, ich bin doch kein kompliziertes Konstrukt, das man erklären muss. Ich bin Horasiella. Da müsst Ihr schon spezifizieren, welchen Aspekt meiner Existenz weiterer Erläuterung bedarf.”
“Wie kommt Ihr hier hinein?”
“Achso, ich soll erklären, wie man eine Tür benutzt. Sehr gerne, also üblicherweise schreitet man auf die Tür zu, ergreift die meist metallene Klinke, drückt sie runter, zieht einmal herzhaft und dann geht man durch das Loch, das sich in der Wand aufgetan hat. Es ist ganz einfach, wenn man das Prinzip erstmal verstanden hat.” lächelte die Dame liebenswürdig.
“Nein, also wirklich,… ähm, was wollt ihr hier?” setzte die erboste Magistra neu an.
“Wie vermutlich jeder hier meinem Gebieter dienen.” sagte die Dame freimütig.
“Das ist doch eine Farce! Wachen…, entfernt diese Person aus der Halle. Und Ihr hört auf zu kichern und reißt Euch zusammen!” wetterte die Magistra in Richtung leutseligem Herold.
“Bräääääähhh… jetzt plustert Euch doch nicht so auf, nur weil der arme Mann so frohen Gemüts ist.” die Dame verzog das Gesicht und rollte mit den Augen.
“Wie bitte? Es reicht. Ihr könnt froh sein, dass Ihr nicht satisfaktionsfähig seid.” entgegnete die wütende Magistra.
“Oh Moment, das kenn ich. Doch doch, lasst uns das machen. Wenn ihr mich fordert, dann darf ich doch die Waffe wählen, oder? Gut. Gut. Ich wähle das gesprochene Wort in Reimen. Auf die Plätze, fertig, los.” triumphierend reckte Horasiella den Adlerstab in die Höhe.
“Das kann doch alles nicht wahr sein….gggrrpf….” mitten in ihrem wütenden Ausbruch schien sich die Magistra zu verschlucken. Während sie um Worte rang, lief ihr Gesicht rot an. Jasmin wurde ganz Angst und Bange um ihre Herrin. Was war nur los?
“In Reimen, meine Liebe, sprecht aus, was Euch bedrückt. Denn Reime sind’s was unsere Sprache schmückt.”
“Wie kannst Du es wagen, mich zu verzaubern. ähm. …. äh … grpf … Das, sag ich dir, wirst du bedauern.”
“Oh wunderbar, nun habt ihr den Dreh raus.
Doch war der erste Reim kein Ohrenschmaus.
Eine gelehrte Dame wie Ihr hat sicherlich höhere Kunst zu offerieren.
Es steht Euch frei, unterschiedliche Versmaße zu kombinieren.
Lasst Eurer Kreativität freien Lauf.”
Die Magistra richtete sich auf, atmete sehr langsam und tief ein und wieder aus. Mit funkelnden Augen fixierte sie ihre Gegnerin und sprach:
“Ein Schelm der böses dabei denkt, dass wahr ist was gesprochen wurde,
wenn Zauber Dir die Zunge lenkt und Dich zwingt das absurde
holprig Versmaß zu verfolgen.
So schmälert sich das Argument in Klarheit vom golden
Standard in die kupfern Einfachheit.”
“Bravo, bravo, bravissimo” rief die Dame begeisternd klatschend aus. “Grandessa, ich gebe mich geschlagen. Ich bin durchschaut. Ihr durchblicktet mein Wesen so deklamiere ich laut:
Bin des Horas Hofschelm, sollte er mich wollen.
Bin hier, nachdem ich lang verschollen
umherirrte, mein Schicksal meinen Platz auf Dere suchend.
Da traf ich das Schicksal nach mir rufend.
Was ist der Schelmin erste Pflicht?
Lindern der Sorgen Gewicht!
Und kein Mensch auf Dere hat dergleichen Fülle,
als mein Gebieter, Ucuris Funken in menschlicher Hülle.
Nicht weniger als der Menschheit Wohl im Herzen
müssen die größten aller Sorgen ihn schmerzen.
Ganz unschelmisch, knie ich demütig nieder,
Und biete was eine Schelmin bieten kann
Verse, Spott und heitere Lieder
aufzuheitern hinter dem Kaiser den Mann.”
So endete die Schelmin ganz unschelmisch ernsthaft ihre Proklamation, und kniete vor dem Horas, der nachdenklich auf sie hinab sah.
Jasmin, einen Kloß im Hals, sah zum Kaiser. Nie sprach jemand in dieser Art vom Horas, als wäre er einfach nur ein Mann wie jeder andere. Noch konnte sie sich vorstellen, dass jemals jemand so zu ihm sprach. Und doch, Jasmin dachte das erste Mal daran, dass es wohl sehr schwer war, für alle Menschen im Horasreich verantwortlich zu sein. Vielleicht braucht man dann wirklich jemanden, der einem das Herz ab und an etwas leichter macht.