Briefspiel:Regentage: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Der Ritt durch Satara'''
'''Der Ritt durch Satara'''
Der Regen kam ohne jede Vorwarnung. Noch eine halbe Stunde zuvor hatte die Straße durch den Arinkelwald unter einem bleichen Himmel gelegen. Zwischen den Bäumen hatte sich feuchtes Grün an feuchtes Grün gereiht, und nur gelegentlich hatte ein Sonnenstrahl den Weg erreicht. Timor d'Antara hatte bereits damit gerechnet, dass sie vor Einbruch der Dunkelheit die letzten Ausläufer des Waldes hinter sich lassen und die Straße nach Efferdas erreichen würden. Dann hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet. „Bei allen Zwölfen“, murmelte Timor, als ein weiterer Schwall Wasser über seinen Hut lief. Neben ihm saß Gardelan de Vere erstaunlich gelassen im Sattel. Der ältere Mann zog lediglich seinen Mantel enger um die Schultern und betrachtete die Straße, die sich vor ihnen innerhalb weniger Augenblicke in einen braunen, schlammigen Streifen verwandelt hatte. „Wir reiten weiter“, sagte Timor. Gardelan hob eine Augenbraue. „Das war eher eine ausgesprochen schlechte Feststellung als eine Anweisung.“ Timor blickte zu ihm hinüber. Wasser rann ihm inzwischen vom Haar über die Schläfen. Gardelan lächelte dünn. „Du bist Schiffbauer, mein Junge. Du solltest wissen, dass man gegen einen Sturm nicht diskutiert.“
Der Regen kam ohne jede Vorwarnung. Noch eine halbe Stunde zuvor hatte die Straße durch den Arinkelwald unter einem bleichen Himmel gelegen. Zwischen den Bäumen hatte sich feuchtes Grün an feuchtes Grün gereiht, und nur gelegentlich hatte ein Sonnenstrahl den Weg erreicht. Timor d'Antara hatte bereits damit gerechnet, dass sie vor Einbruch der Dunkelheit die letzten Ausläufer des Waldes hinter sich lassen und die Straße nach Efferdas erreichen würden. Dann hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet. „Bei allen Zwölfen“, murmelte Timor, als ein weiterer Schwall Wasser über seinen Hut lief. Neben ihm saß Gardelan de Vere erstaunlich gelassen im Sattel. Der ältere Mann zog lediglich seinen Mantel enger um die Schultern und betrachtete die Straße, die sich vor ihnen innerhalb weniger Augenblicke in einen braunen, schlammigen Streifen verwandelt hatte. „Wir reiten weiter“, sagte Timor. Gardelan hob eine Augenbraue. „Das war eher eine ausgesprochen schlechte Feststellung als eine Anweisung.“ Timor blickte zu ihm hinüber. Wasser rann ihm inzwischen vom Haar über die Schläfen. Gardelan lächelte dünn. „Du bist Schiffbauer, mein Junge. Du solltest wissen, dass man gegen einen Sturm nicht diskutiert.“
Timor lächelte ebenfalls schwach, er gab sich geschlagen.  „Nun gut, weißt du was über diese Gegend?“ Der Urbasier blickte sich um und anscheinend hinderten die Regenmassen ihn nicht in seiner Orientierung.  „Wir sind in Satara. Dem Lehen der gleichnamigen Familie. Das Haus ya Satara ist ein gutes Beispiel dafür, dass man im Lieblichen Feld niemals danach urteilen sollte, wo ein Geschlecht angefangen hat.“ Timor hob interessiert die Augenbrauen, das gleiche traf ja auch auf seine Familie zu. „Seit beinahe zweihundert Götterläufen trägt das Haus den erblichen Titel eines Esquirio. Und den haben sie sich nicht einfach gekauft.“ Ein Unterschied zu den d'Antaras, Timors Vater Phelizzio, hatte vor dem Zuzug nach Efferdas den nicht erblichen Esquirio Titel erworben, ein Widerspruch für den sonst überzeugten Republikaner. Gardelan fuhr fort: „Einst rettete ein Angehöriger des Hauses dem Herrn von Elmantessa das Leben. Was genau damals geschah, darüber erzählen die Leute inzwischen drei verschiedene Geschichten. Aber das Ergebnis ist unbestritten: Zum Dank wurde dem Haus der Titel verliehen – und er blieb erblich.“ Gardelan deutete mit einer knappen Bewegung in Richtung der Landschaft.
Timor lächelte ebenfalls schwach, er gab sich geschlagen.  „Nun gut, weißt du was über diese Gegend?“ Der Urbasier blickte sich um und anscheinend hinderten die Regenmassen ihn nicht in seiner Orientierung.  „Wir sind in Satara. Dem Lehen der gleichnamigen Familie. Das Haus ya Satara ist ein gutes Beispiel dafür, dass man im Lieblichen Feld niemals danach urteilen sollte, wo ein Geschlecht angefangen hat.“ Timor hob interessiert die Augenbrauen, das gleiche traf ja auch auf seine Familie zu. „Seit beinahe zweihundert Götterläufen trägt das Haus den erblichen Titel eines Esquirio. Und den haben sie sich nicht einfach gekauft.“ Ein Unterschied zu den d'Antaras, Timors Vater Phelizzio, hatte vor dem Zuzug nach Efferdas den nicht erblichen Esquirio Titel erworben, ein Widerspruch für den sonst überzeugten Republikaner. Gardelan fuhr fort: „Einst rettete ein Angehöriger des Hauses dem Herrn von Elmantessa das Leben. Was genau damals geschah, darüber erzählen die Leute inzwischen drei verschiedene Geschichten. Aber das Ergebnis ist unbestritten: Zum Dank wurde dem Haus der Titel verliehen – und er blieb erblich.“ Gardelan deutete mit einer knappen Bewegung in Richtung der Landschaft.
„Ihre eigentliche Bedeutung liegt aber weniger in ihrem Titel als in dem Land, über das sie wachen. Die ya Satara sind dafür verantwortlich, dass Reisende die Sheniloer Straße ungehindert durch den Arinkelwald nehmen können.“ „Also eine Art Straßenwache?“, fragte Timor. Gardelan verzog den Mund. „Wenn du es so ausdrücken möchtest. Nur dass eine gewöhnliche Straßenwache vermutlich beleidigt wäre, wenn man sie mit den ya Satara vergleicht.“ Er beugte sich etwas vor. „Sie kennen jeden Pfad, jede Lichtung und jeden brauchbaren Übergang durch diesen Wald. Sie sorgen dafür, dass die Straße offen bleibt und Reisende sicher hindurchkommen. Und das ist hier keine kleine Aufgabe. Wer den Arinkelwald unterschätzt, tut es nur einmal.“ Timor nickte langsam. „Und sie veranstalten die Jagden?“ „Nicht nur veranstalten. Sie sind dafür zuständig.“ Gardelan lächelte. „Jede ordentliche Jagd im Gebiet – insbesondere wenn sich hoher Besuch ankündigt – fällt in ihren Aufgabenbereich. Wer eine Jagdgesellschaft ausrichten will, kommt an den ya Satara kaum vorbei. Sie kennen das Wild, das Gelände und die Regeln des Waldes. Ein sehr nützlicher Dienst, wenn man bedenkt, wie gern der Adel seine Vormittage damit verbringt, Tiere zu verfolgen.“ Timor grinste.
„Ihre eigentliche Bedeutung liegt aber weniger in ihrem Titel als in dem Land, über das sie wachen. Die ya Satara sind dafür verantwortlich, dass Reisende die Sheniloer Straße ungehindert durch den Arinkelwald nehmen können.“ „Also eine Art Straßenwache?“, fragte Timor. Gardelan verzog den Mund. „Wenn du es so ausdrücken möchtest. Nur dass eine gewöhnliche Straßenwache vermutlich beleidigt wäre, wenn man sie mit den ya Satara vergleicht.“ Er beugte sich etwas vor. „Sie kennen jeden Pfad, jede Lichtung und jeden brauchbaren Übergang durch diesen Wald. Sie sorgen dafür, dass die Straße offen bleibt und Reisende sicher hindurchkommen. Und das ist hier keine kleine Aufgabe. Wer den Arinkelwald unterschätzt, tut es nur einmal.“ Timor nickte langsam. „Und sie veranstalten die Jagden?“ „Nicht nur veranstalten. Sie sind dafür zuständig.“ Gardelan lächelte. „Jede ordentliche Jagd im Gebiet – insbesondere wenn sich hoher Besuch ankündigt – fällt in ihren Aufgabenbereich. Wer eine Jagdgesellschaft ausrichten will, kommt an den ya Satara kaum vorbei. Sie kennen das Wild, das Gelände und die Regeln des Waldes. Ein sehr nützlicher Dienst, wenn man bedenkt, wie gern der Adel seine Vormittage damit verbringt, Tiere zu verfolgen.“ Timor grinste.
„Und all das stammt von einfachen Waldbauern?“ „Ursprünglich.“ Gardelans Ton wurde nun etwas ernster. „Vergiss das nicht. Der Aufstieg der ya Satara war steil. Von einfachen Waldbauern zu einem anerkannten Adelsgeschlecht – das geschieht nicht alle Tage.“ Er machte eine kurze Pause. „Und dass sie diesen Weg überhaupt gehen konnten, verdanken sie dem Haus Aurandis.“ Timor sah ihn fragend an. „Das wird bei den ya Satara nicht vergessen“, fuhr Gardelan fort. „Ganz gleich, wie viele Generationen inzwischen vergangen sind. Das Haus Aurandis hat ihnen damals die Hand gereicht, als sie noch weit davon entfernt waren, mit den großen Familien des Landes auf Augenhöhe zu verkehren.“ Gardelan hob typisch, wenn er Timor eine Lebenslektion erteilen möchte, zusätzlich den Zeigefinger. „Deshalb solltest du dir merken: Wenn du hier durch Satara reitest, reitest du nicht einfach durch irgendein Waldlehen. Du befindest dich auf dem Land eines Hauses, das seinen Rang durch einen geretteten Herrn, seinen Wohlstand durch harte Arbeit und seinen Aufstieg durch die Unterstützung des Hauses Aurandis begründet hat. Und wenn du eines Tages ebenfalls etwas Gutes erreicht hast, Timor, dann solltest du dir genau solche Geschichten als Grundlage genommen haben.“
„Und all das stammt von einfachen Waldbauern?“ „Ursprünglich.“ Gardelans Ton wurde nun etwas ernster. „Vergiss das nicht. Der Aufstieg der ya Satara war steil. Von einfachen Waldbauern zu einem anerkannten Adelsgeschlecht – das geschieht nicht alle Tage.“ Er machte eine kurze Pause. „Und dass sie diesen Weg überhaupt gehen konnten, verdanken sie dem Haus Aurandis.“ Timor sah ihn fragend an. „Das wird bei den ya Satara nicht vergessen“, fuhr Gardelan fort. „Ganz gleich, wie viele Generationen inzwischen vergangen sind. Das Haus Aurandis hat ihnen damals die Hand gereicht, als sie noch weit davon entfernt waren, mit den großen Familien des Landes auf Augenhöhe zu verkehren.“ Gardelan hob typisch, wenn er Timor eine Lebenslektion erteilen möchte, zusätzlich den Zeigefinger. „Deshalb solltest du dir merken: Wenn du hier durch Satara reitest, reitest du nicht einfach durch irgendein Waldlehen. Du befindest dich auf dem Land eines Hauses, das seinen Rang durch einen geretteten Herrn, seinen Wohlstand durch harte Arbeit und seinen Aufstieg durch die Unterstützung des Hauses Aurandis begründet hat. Und wenn du eines Tages ebenfalls etwas Gutes erreicht hast, Timor, dann solltest du dir genau solche Geschichten als Grundlage genommen haben.“

Version vom 26. September 2026, 21:53 Uhr

Briefspiel in Shenilo
Datiert auf: Efferd 1046 BF Schauplatz: Satara Entstehungszeitraum: September 2026
Protagonisten: Timor d'Antara, Gardelan de Vere und Familie ya Satara Autoren/Beteiligte: k.A. & Satara


Während eines schweren Gewitters stranden Timor d’Antara und sein Lehrmeister Gardelan de Vere in Satara und lernen dort die Familie ya Satara kennen. Als zwei Kinder der Familie im Arinkelwald vermisst werden, führt die gemeinsame Suche zu einer Gruppe Wilderer – und legt zugleich den Grundstein für neue Verbindungen zwischen den beiden Hä9]usern.

Satara, an einem verregneten Tag im Efferd 1046 BF

Der Ritt durch Satara Der Regen kam ohne jede Vorwarnung. Noch eine halbe Stunde zuvor hatte die Straße durch den Arinkelwald unter einem bleichen Himmel gelegen. Zwischen den Bäumen hatte sich feuchtes Grün an feuchtes Grün gereiht, und nur gelegentlich hatte ein Sonnenstrahl den Weg erreicht. Timor d'Antara hatte bereits damit gerechnet, dass sie vor Einbruch der Dunkelheit die letzten Ausläufer des Waldes hinter sich lassen und die Straße nach Efferdas erreichen würden. Dann hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet. „Bei allen Zwölfen“, murmelte Timor, als ein weiterer Schwall Wasser über seinen Hut lief. Neben ihm saß Gardelan de Vere erstaunlich gelassen im Sattel. Der ältere Mann zog lediglich seinen Mantel enger um die Schultern und betrachtete die Straße, die sich vor ihnen innerhalb weniger Augenblicke in einen braunen, schlammigen Streifen verwandelt hatte. „Wir reiten weiter“, sagte Timor. Gardelan hob eine Augenbraue. „Das war eher eine ausgesprochen schlechte Feststellung als eine Anweisung.“ Timor blickte zu ihm hinüber. Wasser rann ihm inzwischen vom Haar über die Schläfen. Gardelan lächelte dünn. „Du bist Schiffbauer, mein Junge. Du solltest wissen, dass man gegen einen Sturm nicht diskutiert.“

Timor lächelte ebenfalls schwach, er gab sich geschlagen. „Nun gut, weißt du was über diese Gegend?“ Der Urbasier blickte sich um und anscheinend hinderten die Regenmassen ihn nicht in seiner Orientierung. „Wir sind in Satara. Dem Lehen der gleichnamigen Familie. Das Haus ya Satara ist ein gutes Beispiel dafür, dass man im Lieblichen Feld niemals danach urteilen sollte, wo ein Geschlecht angefangen hat.“ Timor hob interessiert die Augenbrauen, das gleiche traf ja auch auf seine Familie zu. „Seit beinahe zweihundert Götterläufen trägt das Haus den erblichen Titel eines Esquirio. Und den haben sie sich nicht einfach gekauft.“ Ein Unterschied zu den d'Antaras, Timors Vater Phelizzio, hatte vor dem Zuzug nach Efferdas den nicht erblichen Esquirio Titel erworben, ein Widerspruch für den sonst überzeugten Republikaner. Gardelan fuhr fort: „Einst rettete ein Angehöriger des Hauses dem Herrn von Elmantessa das Leben. Was genau damals geschah, darüber erzählen die Leute inzwischen drei verschiedene Geschichten. Aber das Ergebnis ist unbestritten: Zum Dank wurde dem Haus der Titel verliehen – und er blieb erblich.“ Gardelan deutete mit einer knappen Bewegung in Richtung der Landschaft.

„Ihre eigentliche Bedeutung liegt aber weniger in ihrem Titel als in dem Land, über das sie wachen. Die ya Satara sind dafür verantwortlich, dass Reisende die Sheniloer Straße ungehindert durch den Arinkelwald nehmen können.“ „Also eine Art Straßenwache?“, fragte Timor. Gardelan verzog den Mund. „Wenn du es so ausdrücken möchtest. Nur dass eine gewöhnliche Straßenwache vermutlich beleidigt wäre, wenn man sie mit den ya Satara vergleicht.“ Er beugte sich etwas vor. „Sie kennen jeden Pfad, jede Lichtung und jeden brauchbaren Übergang durch diesen Wald. Sie sorgen dafür, dass die Straße offen bleibt und Reisende sicher hindurchkommen. Und das ist hier keine kleine Aufgabe. Wer den Arinkelwald unterschätzt, tut es nur einmal.“ Timor nickte langsam. „Und sie veranstalten die Jagden?“ „Nicht nur veranstalten. Sie sind dafür zuständig.“ Gardelan lächelte. „Jede ordentliche Jagd im Gebiet – insbesondere wenn sich hoher Besuch ankündigt – fällt in ihren Aufgabenbereich. Wer eine Jagdgesellschaft ausrichten will, kommt an den ya Satara kaum vorbei. Sie kennen das Wild, das Gelände und die Regeln des Waldes. Ein sehr nützlicher Dienst, wenn man bedenkt, wie gern der Adel seine Vormittage damit verbringt, Tiere zu verfolgen.“ Timor grinste.

„Und all das stammt von einfachen Waldbauern?“ „Ursprünglich.“ Gardelans Ton wurde nun etwas ernster. „Vergiss das nicht. Der Aufstieg der ya Satara war steil. Von einfachen Waldbauern zu einem anerkannten Adelsgeschlecht – das geschieht nicht alle Tage.“ Er machte eine kurze Pause. „Und dass sie diesen Weg überhaupt gehen konnten, verdanken sie dem Haus Aurandis.“ Timor sah ihn fragend an. „Das wird bei den ya Satara nicht vergessen“, fuhr Gardelan fort. „Ganz gleich, wie viele Generationen inzwischen vergangen sind. Das Haus Aurandis hat ihnen damals die Hand gereicht, als sie noch weit davon entfernt waren, mit den großen Familien des Landes auf Augenhöhe zu verkehren.“ Gardelan hob typisch, wenn er Timor eine Lebenslektion erteilen möchte, zusätzlich den Zeigefinger. „Deshalb solltest du dir merken: Wenn du hier durch Satara reitest, reitest du nicht einfach durch irgendein Waldlehen. Du befindest dich auf dem Land eines Hauses, das seinen Rang durch einen geretteten Herrn, seinen Wohlstand durch harte Arbeit und seinen Aufstieg durch die Unterstützung des Hauses Aurandis begründet hat. Und wenn du eines Tages ebenfalls etwas Gutes erreicht hast, Timor, dann solltest du dir genau solche Geschichten als Grundlage genommen haben.“