Briefspiel:Vespa crabro/Unerwartete Hilfe

Version vom 9. April 2026, 09:49 Uhr von Rondrastein (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Firun 1046 BF Schauplatz: Burg Wulfenblut, Umland Entstehungszeitraum: Juli 2025 bis 2. Quartal 2026 (geplant)
Protagonisten: siehe Beteiligte Autoren/Beteiligte: Bella, Cassian, Gonfaloniere, León de Vivar, Nebelzweig, Rondrastein
Zyklus: Übersicht

– Außerhalb der Burg: Ein morgendlicher Ausritt · Dunkle Gestalten · Eine unerwartete Beobachterin
– Im Haus des Gesindes: Der Mut einer Magd · Unruhiger Morgen · Blutiger Morgen
– Im Palas: Und so starb... · Der Knappe und der Condottiere · Tote Wölfe · Über den Zusammenhalt eines Wolfsrudels · Unerwartete Hilfe · Der Morgen eines Pagen
– Im Bergfried: Der Weg nach unten · Die Höhle · ...


Unerwartete Hilfe

Im Burghof und dem Erdgeschoss des Palas, am frühen Morgen des 11. Firun 1046 BF

Autoren: Cassian, Golfanoniere und Rondrastein

 
Erreicht zusammen mit einem unerwarteten Gast die Burg.

Timor erreichte das Tor der Burg, dem Klang der Hufe, die ihm folgten, war Yandriga direkt hinter ihm. Gerade als sie das halb geöffnete Tor durchquerten, strömten Bewaffnete aus dem Gesindegebäude, in dem auch ein Großteil der Garde untergebracht war. Timor atmete erleichtert auf, als er Danilo, Julfo und Lorian an der Spitze der Gruppe sah. Die Gruppe teilte sich, Ascanio schwärmte mit seiner in der Burg aus und Lorian schritt mit der deutlich kleineren Gruppe in Richtung des Palas.
„Wartet, Lorian”, rief Timor über den Hof und ritt zu ihm. Der Angesprochene stoppte, sodass ihn sein Vetter aufschließen konnte. Timor ließ sich neben dem Baron aus dem Sattel gleiten. Lorians Blick streifte ihn kurz und wanderte dann zu der Reiterin, die ihm folgte.
„Ich bin so wenig erfreut wie Ihr, Euch unter diesen Umständen zu sehen”, nahm Yandriga die erwartete Frage Lorians vorweg. „Uns wurde gestern ein Hengst gestohlen, von denselben Leuten, die hier Blut vergießen, nehme ich an.”
Allein die Spuren auf dem Burghof sprachen Bände, dachte die Cavalliera. Sie konnte sich gar nicht ausmalen, was für schreckliche Bilder in den Gebäuden noch lauern mochten.
„Nun bin ich aber hier, und wenn Ihr mein Schwert gebrauchen könnt, dann zählt auf mich!”
‘Eine Urbet… wunderbar’, schoss es Lorian durch den Kopf, ‘aber besser ein Schwert mehr, als eins zu wenig.’ Immerhin war es die Urbet, von der er noch deutlich mehr hielt, anders als beispielsweise ihr Bruder. „Ein weiteres Schwert kann nicht schaden”, sagte Lorian laut und nickte ihr zu. Mit diesen Worten betrat er den Palas. Timor warf noch mal einen Blick zu Yandriga und folgte seinem Vetter dann umgehend.

 
... wenig erfreut ob der Umstände.

Lorian hatte die Tür hinter sich gelassen und war kurz stehen geblieben, um kurz zu lauschen, da er meinte, Stimmen vernommen zu haben. „Dann los, weiter. Er hatte sich nicht getäuscht, die Stimme war klar zu hören und zu wem sie gehörte, wusste er auch sofort. Sein Bruder war also noch am Leben. Die Gefühle von Erleichterung und zugleich Sorge kamen im Baron auf, wie ging es seinen Kindern und seiner Frau… Der Herr von Montarena trat um die Ecke in Richtung des Treppenhauses und ließ dabei seine Waffe sinken. An seiner Seite folgte der Vogt von Garlák.
Sofort richteten sich alle Blicke auf die Neuankömmlinge, die zurück schauten. Der Anblick, der sich ihnen bot, war erschreckend…
Der Condottiere wirkte bleich, was erstaunlich war, da er schon einiges gesehen hatte. Die gestandene Schwertschwester des urbasischen Rondratempels trug Gewandung, die mehr rot als weiß war und auch schon bessere Tage gesehen hatte. Auch sie wirkte bleicher und vor allem niedergeschlagener als sonst. Was Lorian noch auffiel, war, dass sie ihre Waffe in der Linken hielt und nicht wie üblich mit der Rechten führte. Ein Schauer lief dem Baron über den Rücken, es musste Schlimmes passiert sein, wenn zwei gestandene Recken ein solches Bild abgaben.
„Wie schlimm ist es?” fragte er mit leicht unsicherer Stimme und betete innerlich, dass seinen Kindern und seiner Frau nichts passiert war.

Dartan schaute seinen Bruder mit kalten Augen an. „Schlimm..”, war die tonlose Antwort des Söldnerführers. Er zählte die getöteten und verletzten Salsavûr auf, ebenso wie es vorher mit Amene abgelaufen war. „… und Romualdo liegt dort.” Er deutete auf die Treppe hinter sich ohne sich noch einmal umzudrehen.

 
Berichtet den Neuankömmlingen von den bisherigen Entdeckungen.

Lorian war innerlich erleichtert, dass es seinen Kindern bis auf einen Schreck gut ging und seine Frau nicht schwer verletzt zu sein schien. Im nächsten Moment war ihm dieser Gedanke peinlich, da es auch andere Verwandte getroffen hatte und das deutlich schwerer. „Mein Beileid, Amene”, sagte der Baron kurz angebunden. Die Geweihte quittierte es mit einem Nicken. „Wir müssen weiter” sagte sie mit einer Stimme, die einem einen Schauer über den Rücken trieb.


Auf der gegenüberliegenden Seite waren schlurfende Schritte die Treppe herunter zu hören und kurz darauf erschien eine weitere Salsavûr im Gang.
Sanya wirkte, als habe sie Dämonen gegenübergestanden und den Namenlosen persönlich gesehen, als sie im Gang auftauchte. Sie schwankte, als sie auf die Gruppe zuging und schien kurz davor zu stürzen. Calvert hielt sich schräg hinter ihr. Der Knappe behielt die Geweihte wachsam im Blick und sah so aus, als würde er im Falle eines Falles eingreifen. Auf der Treppe hatte er das auch schon zweimal getan und Sanya am Arm gepackt, damit sie nicht stürzte.

Yandriga, die sich ob der Geräusche zunächst abwehrbereit umgedreht hatte, brauchte ein, zwei Augenblicke, um zu verstehen, wer ihr da entgegenkam. Es war einige Götterläufe her, dass sie Sanya zuletzt häufiger, aber stets auch nur flüchtig gesehen hatte - als sie noch Geweihte im Grabtempel der Tafelbergfestung war. Sie ging der Schwankenden dann zwei schnelle Schritte entgegen, ließ ihre eigene Waffe sinken und stützte sie schließlich mit der eigenen Schulter ab.
„Geht es dir gut?”, fragte sie die bald zehn Jahre Jüngere unwillkürlich informell, als sie in die geweiteten Augen der Geweihten sah. Sie musste Schlimmes gesehen haben, befand sie … fragte sich aber, ob es Schlimmeres war als das, was sie selbst an diesem frühen Morgen schon hatte ansehen müssen.
Timor tat es Yandriga gleich und stützte die Geweihte an der anderen Seite. Hinter ihnen trat Calvert einen Schritt zurück, um Platz zu machen und atmete erleichtert auf, er hatte erstmal nicht mehr die Verantwortung.
„Sie kannte ihn…”, war es leise von Sanya für die drei um sie herum zu vernehmen, „sie kennt die Angreifer..” Mit diesen Worten sackte Sanya ohnmächtig zusammen. Schnell packten Yandriga und Timor sie an ihren Armen, um einen Sturz zu verhindern und ließen sie auf die Erde sinken. Der Salsavûr schaute sich die Wunden seiner Verwandten an und befand den provisorischen Verband, der sich bereits rot verfärbte, erst einmal für ausreichend. Mit einem knappen Nicken bekundete er dem Knappen seine Zustimmung. Dann fragte er Calvert: „Wen meint sie?”
Lorian gab den folgenden Gardisten derweil Befehle, den Palas zu sichern, die übrigen Verletzten zu suchen und zu versorgen. Die Soldaten eilten von dannen, um die Befehle auszuführen, so dass nur Calvert, Yandriga, Philo und die Salsavûr zurückblieben.

 
... verlassen ihre Kräfte.

„Einen Mann, ungefähr so groß und alt wie Lorian, aber mit grünen Augen und blonden Haaren. Ich glaube nicht, dass ich ihn schon mal gesehen habe. Er hat aber sehr gut gekämpft. Ihro Ehrwürden und Morena hatten Schwierigkeiten. Morena ist tot.” Calvert zögerte kurz, es wäre eigentlich Sanyas Privileg mehr zu sagen, aber die Geweihte sah nicht so aus, als würde sie demnächst aufwachen.
Sein Schwertvater sah ihn scharf an. „Da ist doch noch mehr, Calvert, berichte alles!” Solcherart aufgefordert fuhr der junge Mann fort: „Morena hat mit ihrem letzten Atemzug um Vergebung gebeten und sie hat Abschiedsbriefe vorbereitet. Sanya trägt sie bei sich.”

Yandriga verfolgte den Bericht Calverts angespannt - zum Einen, weil bislang überhaupt nicht klar war, ob nicht noch weitere Angreifer in der Burg waren, zum Anderen aber auch des Inhalts wegen. Morena, die Castellanin im Vinsalter Umland war, wenn sie sich nicht täuschte, schien irgendwie verstrickt zu sein in das, was hier passiert war. Sie musste wenigstens einen der Angreifer gekannt und etwas getan haben, wofür sie sich Vergebung erhoffte …posthume Vergebung anscheinend. War sie Opfer einer Intrige geworden oder steckte da noch was anderes hinter? An sich waren das Fragen für später, und möglicherweise nicht einmal welche, bei deren Aufklärung sie wirklich gefragt war.
Sie räusperte sich einmal laut, sah dann Timor und Lorian an: „Ohne meine Anwesenheit hier ausreizen zu wollen, aber wisst ihr, ob es jetzt noch Angreifer in der Burg gibt? Und wo sie sind, wenn es noch welche gibt?”
Schweigend lauschte Lorian dem Bericht seines Knappen. Als die Urbet ihre Stimme erhob, betrachtete er sie kurz, bevor er sprach. „Ein Teil von ihnen wird im Bergfried sein, die Tür steht offen.” Während er antwortete, schaute er in die Runde der Anwesenden.

Außer Yandriga war keiner der Anwesenden gerüstet, aber die Zeit, dies zu ändern, hatten sie nicht. Dies würde den Vorsprung der Angreifer nur noch vergrößern. Lorian musterte jeden Anwesenden kurz. Die meisten waren schlachterprobt und kampferfahren genug auch ohne Rüstung in der Lage gerüstete Gegnern gewachsen zu sein. Philo dürfte zurechtkommen, sowohl aufgrund seiner Kindheit, als auch in Anbetracht seiner Ausbildung als Schwertgesellen. Sein Knappe – er betrachtete ihn einen Augenblick länger als die anderen – standen die Erfahrungen des Morgens ins Gesicht geschrieben. Weit aufgerissene Augen, leichtes Zittern, es war offensichtlich, dass er zum ersten Mal einen Menschen getötet hat.

Die Eisenwölfe, die er zum Eingang des Bergfried geschickt hatte, würden noch dazu kommen. Das müsste an Kampfkraft reichen, alleine schon, da die Gänge unter der Burg nicht so breit waren.
Er klopfte seinem Knappen, der mittlerweile neben ihm stand, aufmunternd auf die Schulter und schenkte ihm ein Lächeln. Danach warf er einen erneuten Blick in die Runde. „Auf zum Bergfried! Lasst uns keine Zeit verlieren.” Mit diesen Worten setzte er sich in Richtung Tür in Bewegung.
Yandriga nickte nach den Worten Lorians bestätigend - und unbewusst. Die Reste der Angreifer aufzustöbern und letztlich auszuräuchern war für sie in dieser Situation der einzig sinnvolle nächste Schritt.