Efferd-Tempel St. Dozman
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Der Efferd-Tempel St. Dozman, auch Tempel des Kaisers auf dem silbernen Schiff genannt, ist der Efferd-Tempel der Stadt Sewamund. Das im Handelshafen gelegene Heiligtum gehört zu den ältesten Sakralbauten der Stadt. Seine Grundmauern reichen bis in altbosparanische Zeit zurück, während sein heutiges Erscheinungsbild das Ergebnis unzähliger Umbauten und Erweiterungen ist. Zuletzt musste das Gebäude nach der verheerenden Sturmflut 1046 BF umfangreich instand gesetzt werden.
Der Tempel ist gleichermaßen Gotteshaus, Zufluchtsort für Seeleute und Fischer, Bewahrer alter Überlieferungen und eine einflussreiche Institution des städtischen Lebens. Seine Vorsteherin ist Sturmfriede ter Beer, die den Rang einer Bewahrerin von Wind und Wogen bekleidet.
Der Efferd-Tempel erhebt sich unmittelbar am Handelshafen, zwischen dem alten Kontor der Nordmeer-Compagnie, dem heutigen Haus der Zünfte, und dem Kontor der Reederei Cortesinio. An seiner Südwestseite schließt sich die Hafenkommandantur an, von deren großzügigem Balkon der Hafenmeister einen weiten Blick über die Hafenanlagen besitzt. Seine ungewöhnliche Gestalt erinnert an ein großes, steinernes Schiff. Der lang gestreckte Baukörper läuft an seinem dem Markt zugewandten Ende bugartig zusammen. Ein schlanker, mastähnlicher Turm überragt das Dach. Von ihm ziehen sich schwere Taue zu den Dachkanten, an denen lange blaue Stoffbahnen befestigt sind. Im Wind flattern sie wie Segel, sodass der Tempel bei kräftiger Brise den Eindruck eines Schiffes erweckt, das jeden Augenblick aus seinem steinernen Liegeplatz auslaufen könnte.
Die Mauern bestehen aus hellem, vom salzigen Wind angegriffenem Stein. An vielen Stellen sind ältere Mauerpartien, zugemauerte Bögen und Spolien aus früherer Zeit zu erkennen. Wasserspeier in Gestalt von Delphinen, Fischen und phantastischen Meerwesen leiten das Regenwasser von den Dächern ab.
Über dem Hauptportal befindet sich ein steinernes Relief des Heiligen Dozman-Horas, der mit erhobenem Dreizack auf dem Bug seines silbernen Schiffes steht. Unterhalb des Reliefs ist eine alte Inschrift angebracht:
- Was die See gibt, nimm mit Dank. Was sie fordert, gib mit Demut.
Das Innere des Tempels wird von einer hohen, gewölbten Halle beherrscht, deren Dachgebälk an den umgekehrten Rumpf eines Schiffes erinnert. Zwei Reihen mächtiger Säulen tragen das Gewölbe. Ihre Kapitelle zeigen Wellen, Muscheln, Seevögel und verschlungene Meerestiere. Der Fußboden besteht aus grauen und grünlichen Steinplatten, die stellenweise wie vom Meerwasser glatt geschliffen erscheinen. Durch schmale Rinnen fließt Wasser aus einem großen Becken im hinteren Teil der Halle. Das beständige Plätschern vermischt sich mit dem Rauschen des Hafens, das durch geöffnete Fenster dringt. Auf feste Sitzreihen wurde weitgehend verzichtet. Die Gläubigen versammeln sich stehend oder kniend um das zentrale Wasserbecken. An den Wänden hängen Schiffsmodelle, geschnitzte Delphine, Muschelarbeiten und andere Weihegaben, die Seeleute nach glücklich überstandenen Fahrten gestiftet haben.
Der Tempel wird vornehmlich durch Tageslicht und einige wenige Gwen-Petryl-Steine erhellt. Offenes Feuer ist innerhalb des geweihten Bereichs nicht gestattet. Die bedeutendste neuere Ausschmückung des Tempels ist ein monumentales Glasfenster, das von der Familie Pfauenstein gestiftet wurde. Es zeigt den Heiligen Dozman-Horas, den Kaiser auf dem silbernen Schiff, im Kampf gegen einen gewaltigen Meeresdämonen. Während sich unter dem Schiff dunkle, schlangenartige Leiber winden, durchbricht ein silberner Lichtstrahl die Sturmwolken und fällt auf den Kaiser. Das Fenster ist aus zahllosen blauen, grünen und silbrig schimmernden Glasscheiben zusammengesetzt. Besonders bei tief stehender Nachmittagssonne taucht es die Tempelhalle in ein bewegtes Farbenspiel, das an Lichtreflexe auf dem Meeresgrund erinnert.

Dem Namenspatron des Tempels ist außerdem ein eigener Schrein gewidmet. Er befindet sich in einer seitlichen Kapelle und zeigt Dozman-Horas als Bezwinger der Meeresgewalten. Vor dem Schrein legen Seeleute vor gefährlichen Reisen kleine Opfergaben nieder. Besonders verbreitet sind silberne Münzen, geschnitzte Schiffchen und Muscheln, in die der Name eines Schiffes eingeritzt wurde. Der Heilige gilt in Sewamund als besonderer Fürsprecher jener, die sich auf unbekannte Gewässer hinauswagen. Am Schrein steht:
- Zur See fahren ist notwendig, leben ist nicht notwendig.
Zu den kostbarsten Reliquien des Tempels zählt das Ruder des silbernen Schiffs. Der Überlieferung zufolge soll es einst zu jenem Schiff gehört haben, auf dem Dozman-Horas die Meeresdämonen bezwang. Das dunkle, vom Alter gezeichnete Holz wird in einem eigens angefertigten Schrein verwahrt. Über seine tatsächliche Herkunft gibt es unterschiedliche Auffassungen. Während die Priesterschaft an seiner Heiligkeit keinen Zweifel lässt, halten manche Gelehrte es für ein wesentlich jüngeres Zeugnis früher liebfeldischer Seefahrt. Zu besonderen Anlässen wird die Reliquie öffentlich gezeigt. Besonders gläubige Sewamunder Kapitäne berühren vor einer großen Fahrt mit der rechten Hand den Schrein und bitten um sichere Heimkehr.
Die Klageglocke von Vanith gehört zu den eigentümlichsten Schätzen des Tempels. Sie wird nicht zur Verkündung der Tagesstunden geläutet. Ihr tiefer, klagender Klang ertönt ausschließlich zum Gedenken an jene, die das Meer nicht zurückgegeben hat. Besonders am Ende des Efferdmondes, wenn der Toten der vergangenen zwölf Monde gedacht wird, erklingt die Glocke über dem Hafen. Die Namen der Verstorbenen und Vermissten werden dabei von der Priesterschaft verlesen. Eine örtliche Überlieferung besagt, die Glocke habe bisweilen von selbst angeschlagen, wenn ein Schiff in der Ferne unterging. Ob es sich dabei um ein göttliches Zeichen oder lediglich um eine jener Geschichten handelt, die in jeder Hafenschenke erzählt werden, ist umstritten.
Besondere Berühmtheit genießt der Tempel durch sein Tintenfischorakel, das von Seeleuten, Kaufleuten und gelegentlich sogar von Mitgliedern des Lilienrates aufgesucht wird. In einem abgeschiedenen, nur schwach beleuchteten Raum befindet sich ein steinernes Wasserbecken, das durch ein ausgeklügeltes System von Leitungen mit frischem Meerwasser versorgt wird. Darin lebt ein Tintenfisch, dessen Verhalten von der Priesterschaft als Ausdruck des göttlichen Willens gedeutet wird. Bei einer Orakelbefragung werden mehrere Gegenstände in das Becken gegeben, die für unterschiedliche Möglichkeiten stehen können. Welchen Gegenstand das Tier zuerst berührt, ergreift oder beiseiteschiebt, gilt als bedeutsam. Allerdings ist die Deutung keineswegs eindeutig. Der Tintenfisch hat bereits wiederholt sämtliche angebotenen Gegenstände ignoriert oder sich mit ihnen auf eine Weise beschäftigt, die selbst erfahrene Geweihte vor erhebliche Schwierigkeiten stellte. Unter den Sewamunder Seeleuten genießt das Orakel aber großes Ansehen. Nicht wenige Kapitäne lassen vor einer gefährlichen Fahrt eine Befragung vornehmen. Kaufleute, die auf diese Weise den Ausgang ihrer Geschäfte erfahren möchten, werden von der Priesterschaft hingegen nicht immer mit derselben Geduld empfangen.

Persönlichkeiten
- Sturmfriede ter Beer, Bewahrerin von Wind und Wogen und Tempelvorsteherin
- Thuna Acosto, Gefährte von Wind und Wogen und Delegierter des Tempels im Haus der Edlen
- Marbio Rudor Raloff d. J., Gefährte von Wind und Wogen und Scriptor
- Eine alte Novizin, deren Namen nur wenige kennen