Briefspiel:Im Auge des Chaos/Kein Feuer der Leidenschaft
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Seid gegrüßt, Señhor Pecuna
Niccolo ya Pirras und Isida Legari schlichen sich derweil durch die engen Gassen Richtung Sanct Parvenus. Immer wieder kam ihn ein Stoßtrupp der Rondrikan-Löwen entgegen. Doch ihr Gang schien recht zielstrebig, als hätten sie einen direkten Auftrag und wären nicht nur mobilisiert worden, um umherwandernde Passanten zu schikanieren. So war das Vordringen bis zu einem der Barrikaden deutlich einfacher als sie es befürchtet hatten. Kaum am Rande der engen Gassen angekommen, warfen ihnen die „Revolutionäre“ allerdings einige Steine entgegen.
„Verpisst ööch, Örö-Pagg!“ erklang ein Dialekt, der offensichtlich nicht aus Efferdas kam hinter dem Holzwall heraus.
Etwas genervt räusperte sich der Künstler. „Hier ist Niccolo ya Pirras. Ich bin auf eurer Seite! Lasst uns bitte ein, bevor der nächste Trupp an Soldaten kommt.“
Ein kurzes Murmeln war zu vernehmen, dann sprach wieder die Stimme hinter der Barrikade. „Könnd ihr dad böwääisn, Nüggollo joa Birrass?“
Kurz grübelte er, dann entschloss er sich zu einem „Nein, aber ich kann sagen, dass die Parvenusknappen eine deutlich bessere Truppe sind als die Neoleion Ekloge. Nichts geht über einen Wurf von Groben Glimmerdieck auf Terren Hammerwerker.“
Wieder kurzes Murmeln, dann ein „Wie fööl Läüd sejt ar?“
„Nur zwei. Bitte, wir haben es eilig.“ rief Isida ungeduldig dazwischen.
Eine kurze Pause, dann folgte ein „Künnd gömmö“
Schnell liefen sie auf die Barrikade zu und wurden auch durchgelassen. Sie blickten auf eine Rotte von übermüdeten und geschundenen Stadtbewohnern, bewaffnet mit Delphinoccoschlägern und Knüppeln, vor ihnen alles, was als Wurfgeschoss irgendwie taugte. Ihre übermüdeten Blicke waren, als hätten sie einmal bis in die Ewigkeit und zurückgeblickt. Schnell kam von der anderen Seite ein kräftiger Mann auf sie zu, der zumindest aussah, als hätte er ein wenig Schlaf und auch etwas militärische Ausbildung gehabt. Schnell nickte er dem Adeligen und auch der offensichtlichen Knappin zu. „Euer Wohlgeboren. Ich bin Gianluca Masrate von der Seelöwengarde. Seien sie gegrüßt auf der guten Seite der Stadt.“
„Die Hausgarde der Malavista ist hier?“ wunderte sich Isida.
„Über die freien Stadtteile verteilt, ja. Ein paar Überläufer der Republikanergarde sind auch anzutreffen. Aber alles ist sehr unübersichtlich.“
„Wie ist denn die Lage aktuell?“ erkundigte sich Niccolo umgehend.
„Die letzten ein zwei Stunden erstaunlich still. Als würden sich die Rondrikanlöwen gerade neu positionieren. Vorher gab es überall Scharmützel, aber jetzt... das gibt uns allen auf jeden Fall die Gelegenheit, ein wenig zu verschnaufen. Manche von uns hier haben seit der Prügelei auf den Senatsvorhof keine Minute geschlafen.“
„Sind die Malavista hier auch anwesend?“ erkundigte sich Niccolo sogleich nach Gleichgesinnten.
„Ja, es konnten sich einige der Adelsleute hier hin durchschlagen. Vinarii, Trenti, Gerber, di Camaro…. Sie alle geben Widerstand.“ gab Gianluca stolz von sich.
„Wie sieht es aus mit Avincenzo Pecuna? Ist er hier anzutreffen? Wir brauchen einige seiner Stadtpläne.“ blieb Niccolo energisch.
Gianluca nickte. „Ja, der ist im südlichen Bereich, zusammen mit Cassius Trenti.“
Verwunderung war in den Blicken der beiden Neuen im Stadtteil zu sehen. „Cassius Trenti und Avincenzo Pecuna reden wieder miteinander?“ wunderte sich Isida.
„Da sieht man mal, wie außergewöhnlich diese Situation ist…“ wunderte sich auch Niccolo und machte sich dann weiter auf zum Bauherren.
“Ich danke Euch Signor Pecuna, dass Ihr Euch trotz der momentanen Lage die Zeit dafür nehmt, um uns zu helfen.”
Niccolo ya Pirras rollte eine weitere Karte auf, um sie zu studieren.
Sie hatten den Baumeister in einer kleinen Gruppe von Widerständlern gefunden und ihm kurz und knapp über ihre Suche nach den Plänen der Kanalisation und wofür sie sie verwenden wollten, aufgeklärt. Gemeinsam war die Gruppe dann zur Werkstatt der Pecunas aufgebrochen. Während Isida Legari und die Gefährten des Baumeisters draußen die Umgebung des Hauses im Auge behielten, legte Avincenzo Pecuna dem jungen ya Pirras Karte für Karte vor. “Es gibt keine perfekte Karte über die Gänge und Höhlen unterhalb der Stadt… “, sprach der Baumeister “... aber sehr, hier ist der Palazzo Thirindar und dort seht ihr zumindest grob, wohin es weiter geht.”
Niccolo grummelte. “Das Problem besteht an den Höhlen hier und dort. Von dort aus kann man fast jede Richtung unterhalb der Stadt einschlagen.” Niccolo rollte die Karte wieder zusammen. *Darf ich mir diese ausleihen? Ihr habt mein Wort darauf, sie nach diesem ganzen Chaos wieder zurück zu bekommen.” Avincenzo nickte. “Und dankt Euch für die Warnung, Euer Wohlgeboren. Sollten wirklich irgendwelche Gestalten auf dem Weg zu mir sein, sollte ich einige Pläne wohl besser in Sicherheit bringen.”
Niccolo trat aus dem Haus und suchte Isida. Sie winkte ihm von einer Hausecke her zu sich. Isida deutete auf die Karte und Niccolo nickte. “Zurück zum Palazzo, Isida. Mein Vater sollte diese Karte schnellstmöglich sehen.” Vorsichtig bewegten sich beide durch die Gassen auf genau dem gleichen Weg zurück, den sie gekommen waren.