Briefspiel:Alte Werft, neuer Glanz/Begrüßungsrede und Gespräche: Unterschied zwischen den Versionen

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== Begrüßungsrede und Gespräche ==
== Begrüßungsrede und Gespräche ==


(Hier dann der Inhalt, bitte!)
Nachdem nun der letzte, der eintreffenden Gäste, persönlich von Phelizzio und Sybilla d’Antara begrüßt worden war, schlug der Schiffsbauer das in Leder gebundene Buch am Stehpult zu, lächelte seiner Frau zu und reichte ihr seinen Arm. Die Aranierin nahm diesen an und nickte dem am Tor stehenden und aufmerksam alle Gäste im Blick haltenden Orelian d’Antara zu. Dieser soll nun die Beiden ankündigen.


[[Kategorie:Alte Werft neuer Glanz|Begrüßungsrede und Gespräche]]
In der Zeit in der die Hausherren allen Gäste ihre Aufwartung machten, haben sich bereits einige Gäste miteinander zum Gespräch gefunden, nahmen die Begrüßungsgetränke von Dienern entgegen oder begutachteten die ausgestellten Schiffsmodelle.
 
Der Hauptmann der [[Palmyramische Wache]], Orelian ging begleitet von zwei weiteren Gardisten in die Mitte des Werftgeländes und schlug ankündigend mit einem schweren Taktstock dreimal auf die Oberfläche des gepflasterten Bodens.
 
,,„Geschätzte Gäste, Freunde des Hauses und ehrbare Handwerker. Die Familie d’Antara bittet um eure Aufmerksamkeit. Es spricht nun das Oberhaupt des Hauses zur Eröffnung der Werft, Esquirio Phelizzio d’Antara“. Orelian nahm Haltung an und machte den Weg frei für seinen Bruder und seine Gemahlin.
 
Die angekündigten Herrschaften des Hauses d’Antara gingen lächelnd Arm in Arm auf einen mittig gelegenen Stehtisch hinzu und nickte im Vorbeigehen ihren Gästen einzeln nochmals zu. Der Tisch an dem Phelizzio und Sybilla stehen blieben, war mit dem dunkelgrünen Fasanenwappen als herunterhängenden Banner gedeckt, anders als wie die weiteren Stehtische, die mit gelben Tischdecken gedeckt sind.
 
Der Schiffsbauer nickte noch einmal allen Anwesenden zu ehe er seine '''<u>Eröffnungsrede</u>''' begann:
 
 
'',,Geschätzte Gäste von Nah und Fern, Freunde des Hauses und der Familie, ehrbare Meister, Gesellen und Weggefährten,''
 
''ich danke euch allen von Herzen, dass ihr heute den Weg hierher gefunden habt – aus der Nachbarschaft ebenso wie von fern her. Eure Anwesenheit ehrt nicht nur diese Familie, sondern auch diesen Ort, an dem fortan gearbeitet, gebaut und Verantwortung getragen werden soll.''
 
''Diese Werft ist kein prunkvolles Versprechen, sondern ein festes Fundament.''
 
''Sie steht für ehrliches Handwerk, für Verlässlichkeit und für die Überzeugung, dass gute Arbeit Bestand hat – auf dem Wasser wie an Land. Wir übernehmen sie mit Respekt von der Familie Slin, die hier bereits gearbeitet haben, und mit dem festen Willen, ihre Erfahrung zu bewahren, die unsere einzubringen und die Handwerkstraditionen zu ehren.''
 
''In diesen Hallen und auf diesen Planken sollen Schiffe entstehen, die ihren Zweck kennen und erfüllen. (Phelizzio deutete auf die ausgestellten Schiffsmodelle)''
 
''Wir bauen Karavellen, in verschiedenen Ausführungen, angepasst an Handel, Reise und Küste.''
 
''Wir fertigen Kusliker Galeeren, auch in der Form der Galeasse, für jene, die Kraft und Ausdauer verlangen.''
 
''Kutter und Bojer für Patrouille, Transport und tägliche Arbeit gehören ebenso zu unserem Handwerk wie Zier- und Kleinstboote, geschaffen für Teiche, Gärten und Anlagen – auf Wunsch auch in größeren Ausführungen und Variationen.''
 
''Darüber hinaus blicken wir nach vorn:''
 
''Eine Hochsee-Karavelle befindet sich derzeit in unserer Konstruktion. Sie ist als langfristiges Projekt gedacht – für weite Fahrten, große Lasten und neue Routen.''
 
''Doch Schiffe entstehen nicht allein aus Holz, Nägeln und Plänen.''
 
''Sie entstehen aus Vertrauen – zwischen Auftraggebern, Werft und jenen, die mit ihrer Hände Arbeit jedes Schiff erst möglich machen. Dieses Vertrauen wollen wir uns verdienen: durch ehrliche Arbeit, klare Absprachen und das Wort, das gilt.''
 
''Wir hoffen, dass von dieser Werft nicht nur Boote und Schiffe ausgehen, sondern auch Verbindungen: zwischen Häfen, Familien, Städten und Märkten. Wenn man eines Tages sagt, „Das ist ein Schiff aus der Covernischen Schiffswerft d'Antara – es wird seinen Dienst tun“, dann haben wir unser Ziel erreicht. Möge indes allzeit die gütige Göttin Travia ein jenes gebaute Schiff sicher in seinen Hafen geleiten und alle Seeleute zu ihren Familien und dem heimeligen Herdfeuer bringen.''
 
''Ich danke euch für euer Kommen, für euer Interesse und für das Vertrauen, das ihr uns heute entgegenbringt. Wenn Fragen an mich sind, stehe ich gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.''
 
''Möge diese Werft wachsen – maßvoll, beständig und mit Blick auf eine erfolgreiche Zukunft. Erheben wir dazu unsere Gläser!''
 
''Ich heiße euch nochmals willkommen, vielen Dank!”''
 
 
Als Phelizzio d'Antara seine Rede beendete und die Gäste ihre Gläser erhoben, applaudierte Lucian höflich mit den anderen. Die Aufzählung der Schiffstypen hatte ihn weniger interessiert als der beiläufige Hinweis auf neue Routen und Verbindungen zwischen Häfen. Schiffe bauen konnten andere – aber wer sie wohin segelte und welche Ladung dabei Platz fand, das war für die Exclusiven Transportationen von Belang.
 
Sherieth nippte an ihrem Glas und ließ den Blick über die ausgestellten Modelle wandern, ohne sich ihnen zu nähern. Ihr Interesse galt weniger dem Holz und den Segeln als den Gesichtern der Anwesenden: Wer hier verkehrte, wer mit wem sprach, wer die d'Antaras als Geschäftspartner betrachtete. Informationen, die sich später als nützlich erweisen mochten.
 
Lamea stand etwas abseits ihrer Eltern und tat, was Onkel Niando und Großvater Lovis ihr bereits viele Male eingeschärft hatten: beobachten, zuhören, schweigen. Die Gerbers an Schiffsmodellen interessierten Gerbers, die ya Pirras abseits und mit kaum verhohlener Herablassung. Die beiden Herren aus dem Aurelat. Und die alte Dame im orangefarbenen Habit, die ihren jungen Begleiter fest im Griff hatte.
 
Ein Diener bot ihr ein Glas an, das sie mit einem knappen Nicken entgegennahm. Was sie von alledem hielt, behielt sie für sich. Ein Gezetti vergisst nichts, pflegte ihr Großvater zu sagen. Und behält alles für sich, ergänzte Onkel Niando stets mit einem Zwinkern.
 
Fast unauffällig gesellte sich ein gleichaltriger Junge mit einem orangenen Schal mit gestickten Gänsen zu der jungen Gezetti. ,,Ihr beobachtet auch, Signorina? Darf ich Euren Blick kurz auf mein Glas richten und mit Euch anstoßen? Gestattet Ihr? Yuliano d'Antara “(der junge Mann verbeugte sich höflich und gemeinsam beobachteten sie die Gäste und unterhielten sich).
 
Quenia warf Gwyn einen vielsagenden Blick zu. Amalia blickte ihren Vater fragend an. Der neigte sich etwas dichter zu der Mechanika und Erfinderin.
 
“Nun mein Schatz, es ist schon ein bisschen ungewöhnlich, dass ein Schiffsbauer die Gütige Mutter anruft und nicht den Unberechenbaren, zumal wenn er sich in Efferdas niedergelassen hat. Aber, nun ja, Glaube ist eine sehr persönliche Sache. Muss jeder für sich wissen wem er folgt.”
 
Amalia zuckte mit den Schultern:
 
“Solange er nicht gerade Hranngar anruft, damit würde er sich ganz sicher Fjorgyn gegen sich aufbringen.”
 
Gwyn gab seiner Tochter einen Klaps auf den Hinterkopf: “Du verbringst zu viel Zeit mit meiner Navigatorin!”
 
Amalia grinste breit: “Das sagt Mutter doch sonst immer zu dir!”
 
Der harbener Kapitän packte lachend seine Tochter mit beiden Händen bei der Taille und stemmte sie in die Höhe: “Fräulein, wenn du so groß bist, dann darfst du frech gegenüber deinem Vater werden.”
 
Er setzte sie wieder sanft ab und einen ernsten Blick auf. “Ich werde mir das ernsthaft überlegen müssen ob du dein Geschütz auf der <nowiki>[[Tanzende Laille|Laille]]</nowiki> ausprobieren darfst. Man sollte Kinder die respektlos gegenüber ihren Eltern sind nicht auch noch belohnen.”
 
Quenia trat hinzu: “Kann ich euch zwei Kindsköpfe denn nie ohne Aufsicht lassen?”
 
Gwyn blickte entrüstet drein und deutete auf seine Tochter: “Sie hat angefangen!”
 
Quenia schüttelte den Kopf: “Wer hat dich nur zum Diplomaten der Familie gemacht?”
 
Wie auf Kommando zeigten Amalia und Gwyn gleichzeitig auf Quenia.
 
“So, jetzt ist aber genug mit Unfug.”
 
Sie zwinkerte den beiden zu und ging zu Linara und Clarizia zurück.
 
Gerade wollte der Harbener noch etwas sagen, als er ein bekanntes Gesicht entdeckte. Auch der Andere erkannte nun den Hünen und kam in Begleitung einer Dame herüber.
 
“Signora Amalia, schön und stolz wie eine Rose!” Er verneigte sich und deutete einen Handkuss an. Auch die Signora grüßte die junge Mechanika und es war ihr anzumerken, dass ihr die Art wie ihr Gemahl die junge und durchaus attraktive Frau begrüßt hatte nicht besonders gefiel. Inzwischen hatte sich ihr Mann dem Hünen zugewandt: “Signor Gwyn, Efferd mit euch! Welch Freude euch wieder einmal zu treffen. Das letzte Mal war vor sicher acht Götternamen in Havena, wenn ich nicht irre!”
 
Gwyn nickte dem Mann kurz zu, begrüßte dann aber zuerst die Frau: “Signora Mara, mögen euch die Zwölfe weiterhin mit so viel Schönheit segnen. Ihr solltet diesen betagten und nun ja, doch eher hässlichen Schürzenjäger endlich durch einen jüngeren und gutaussehenden Galan ersetzen, der besser zu euch passt!”
 
Er zwinkerte Mara zu und in der Tat sah man <nowiki>[[Mara Banderetti]]</nowiki> weder an, dass sie bereits mehr als fünfzig Götterläufe hinter sich hatte, noch dass aus ihrem Schoß sechs Kinder das Licht der Praiosscheibe erblickt hatten. Man könnte nun unterstellen, dass Mara die Sache mit der Treue wohl nicht besonders genau nahm, war ihr Gemahl ja mehr auf seinem Schiff als in ihrem Bett, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass alle sechs Kinder ihrem Vater sehr ähnlich sahen. Ob das ein Segen für die Kinder war, stand auf einem anderen Blatt, aber dass Hesindian der Vater war, stand außer Frage.
 
Mit breitem Grinsen wandte sich der Hüne nun dem Gatten Maras zu, streckte ihm die Hand entgegen, die dieser sofort ergriff und klopfte Hesindian auf die Schulter.
 
“Mein werter Signor <nowiki>[[Hesindian Banderetti|Hesindian]]</nowiki>, Efferd allzeit mit euch! Ja, acht Götternamen dürften wohl hinkommen. Wollt ihr die <nowiki>[[Covernica]]</nowiki> aufs Trockendock setzen lassen oder liebäugelt ihr gar mit einem neuen Schiff?” neugierig musterte Gwyn sein Gegenüber.
 
Dieser winkte allerdings nur lachend ab. “So viel bezahlt die <nowiki>[[Efferdische Handelscompagnie]]</nowiki> nun auch wieder nicht! Nein, nein, ein neues Schiff, wo denkt ihr hin, Signor Gwyn. Aber in der Tat, wieder hier in der Heimatstadt die Covernica zur Reparatur in die Werft geben zu können, wäre schon eine Erleichterung. Zuhause statt in der Kneipe warten, spart Geld und man ist bei der Familie.”
 
Gwyn nickte lachend: “Arme Signora Mara, dann bekommen eure Enkel womöglich noch gleichaltrige Onkel und Tanten. Aber Spaß beiseite, ja, da ist was dran. Ich bin ja mit dem alten <nowiki>[[Vitello Taladûr Slin|Slin]]</nowiki> nie warm geworden, ums mal freundlich zu formulieren. War deswegen immer in Harben zur Werft. Die Laille wurde da ja auch gebaut. Aber seit meine Eltern nicht mehr leben … Ja, mal sehen, was von diesem Signor Phelizzio d’Antara zu halten ist.”
 
Der umtriebige Kapitän neigte den Kopf hin und her: “Insgesamt hat mir seine Ansprache gefallen nur die Sache mit den Verbindungen zwischen Häfen, Familien, Städten und Märkten die von der Werft ausgehen, versteh ich noch nicht so ganz und sollte ich doch irgendwann ein Schiff bauen lassen, dann bekommt es bei Kiellegung und Stapellauf den Segen von seiner Exzellenz <nowiki>[[Efferdobal di Camaro|Efferdobal]]</nowiki>, was hat ein Schiff mit Travia zu schaffen? Es ist im Reich des Unberechenbaren unterwegs und seiner launenhaften Natur ausgesetzt!”
 
Gwyn lächelte: “Mir hat die Rede auch so weit gefallen. Ich denke, dass das mit den Verbindungen und der Werft  als eine Metapher zu verstehen ist, aber was den Segen angeht, bin ganz bei euch, Efferd ist der Gott der Seefahrer, seinem Wohlwollen und seinem Zorn sind wir jeden Tag ausgesetzt. Die Erträge unserer Fischer hängen vom Unbändigen ab. Travia und die Seefahrt passen meines Erachtens nicht zusammen. Aber was den Glauben angeht, soll jeder der Gottheit folgen, die er für richtig erachtet, solange sie dem zwölfgöttlichen Pantheon angehören, will ich da nichts gegen sagen.”
 
Hesindian Banderetti brummte zustimmend etwas, dann ergriff er den Arm seiner Gattin die sich unterdessen mit Amalia unterhalten hatte: “Signor Gwyn, Signora Amalia, es war uns, wie immer eine Freude, aber nun wollen wir eure Zeit nicht weiter beanspruchen und ich möchte mir noch die übrigen Schiffsmodelle ansehen!”
 
Der Kapitän und seine Gemahlin verneigten sich, die beiden Gerber verabschiedeten sich ebenfalls und gesellten sich zu Quenia und ihren Cousinen.
 
Amalia sah ihren Vater fragend an: “Ich habe immer gedacht, Signor Hesindian und du wären Konkurrenten, sah jetzt gar nicht danach aus.”
 
Gwyn lächelte und reichte seiner Tochter den Arm, die sich sogleich unterhakte. “Weißt Du mein Kind, Kapitän Banderetti ist ein gerissener, ja manchmal sehr verschlagener Geschäftsmann und hat mir schon manche Fracht, die ich bereits sicher wähnte im letzten Augenblick doch noch weggeschnappt und wir schenken uns nichts bei Verhandlungen, aber deswegen respektiere ich ihn dennoch als Mensch und vor allem als Seemann. Sollte ich jemals auf See in Schwierigkeiten geraten, bete ich zu Efferd, dass die Covernica unter dem Kommando von Kapitän Banderetti in der Nähe ist. Hesindian ist ein harter, bisweilen rücksichtsloser Geschäftsmann, aber er hat Mut und ist ein Mann von Ehre, auf den man sich vor allem in Zeiten der Not bedingungslos verlassen kann.”
 
 
'''<u>Gespräche mit den Gastgebern</u>'''
 
Nachdem Phelizzio d'Antara sich für den Applaus bedankte, küsste er seine Frau lächelnd auf die Wange und strahlte förmlich vor Freude ehe die Beidenen sich unter die Gäste begab und als erstes die Glückwünsche der Familie di Asuriol entgegen nahmen.
 
 
'''Gespräch mit Familie di Asuriol'''
 
Der jüngere di Asuriol, der gerade einen Schluck Wein genommen hatte, verschluckte sich,  als seine Großtante ihm einen Ellenbogen in die Seite stieß. Der entschuldigende Gesichtsausdruck des jungen Mannes, der mit dessen Husten einherging, wurde nur mit eindringlichen Blicken und einem Neigen des Kopfes in Richtung der sich nähernden Gastgeber quittiert. Als er sich gefangen hatte, trat Athaon an die Seite seiner älteren, der Travia geweihten Verwandten.
 
“Unseren Glückwunsch zur Eröffnung dieser, das heißt Eurer, Werft. Die Göttin blickt sicherlich voller Wohlgefallen auf Eure Unternehmung,” sprach Tilliane di Asuriol, während ihr Großneffe es nicht für nötig zu halten schien, sich zu äußern. “Solche Schiffe, die Wind und Wogen zu trotzen vermögen und ihre Besatzung nicht nur an ihr Ziel bringen, sondern den müden Reisenden auch die sichere Heimkehr ermöglichen, gereichen der Gütigen zum Ruhm.”
 
Nach einem Moment der Stille bemerkte Athaon, dass seine Großtante und auch das Gastgeberpaar ihn anblickten. Noch während Tilliane gesprochen hatte, waren seine Blicke und Gedanken an den Rüstungen und Waffen der Palmyramischen Wache hängen geblieben. Tillianes Grußworte waren verhallt, ohne dass er diese wahrgenommen hatte. “Ganz im Sinne der Göttin,” war alles, was er zunächst herausbrachte. “Die Schiffe, welche Eure Werft hervorbringen wird, werden zweifelsohne den Seehandel bereichern.”
 
Phelizzio hatte die Blickrichtung von Athaon di Asuriol flüchtig bemerkt und winkte seinen Bruder Orelian heran.
 
,,Werter Signore Athaon, mein Bruder Orelian wäre gerne bereit Euch unsere Hausgarde näher zu zeigen, wenn Ihr gestattet, Euer Ehrwürden?” (Er schaute freundlich Tiliane di Asuriol an, ehe sie die Frage nickend beantwortet)
 
Orelian d’Antara und Athaon di Asuriol verbeugten und wandten sich von den Beiden Gesprächspartner ab und gingen in Richtung der Wache, wo der Hauptmann ihm anfallende Fragen beantwortete und auch einem der Krummsäbel zeigte mit denen die Gardisten der Familie d’Antara zu kämpfen pflegen.
 
Phelizzio bot mit einem freundlichen Lächeln der Hohen Schwester der Travia-Kirche seinen Arm an und gemeinsam gingen sie zu den ausgestellten Schiffsmodellen.
 
,,Verzeiht mir, Euer Ehrwürden, für dieses gewagte Manöver, doch ich wollte Euch alleine sprechen. Bei unserer Begrüßung zeigte sich die Offenheit Eurer Familie zum Thema Handel und Warentransport, da würde ich natürlich gerne meine Hilfe anbieten, was würdet Ihr davon halten?” Er blieb vor dem Modell einer Handelskaravelle stehen.
 
Tilliane betrachtete für einen Augenblick die Miniatur des Schiffes, in dessen Bauch viele Zentner verschiedenster Waren Platz finden würden. “Es gibt nichts zu verzeihen”, Tilliane winkte ab. “Meiner Familie ist es in erster Linie ein Anliegen, das Netz unserer Verkaufswege auszuweiten. In diesem Unterfangen möchten wir mehr auf den Seeweg setzen. Ich befürchte allerdings, dass der Bau eines prachtvollen Schiffs wie diesem hier”, Tilliane deutete auf das Modell.  “... außerhalb des Rahmens liegt, der uns an Mitteln zur Verfügung steht. Könnt ihr eine etwas bescheidenere Option anbieten, die unseren Bedürfnissen dennoch entspricht?”
 
Der Schiffsbauer überlegte einen Augenblick, ehe er antwortete. ,,Euer Ehrwürden. Was würdet Ihr von Anteilen an einer von mir gebauten Handelskaravelle halten? Sofern ich Euch auch direkt Zahlen anbieten darf, was würdet Ihr im ersten Jahr von 60:40 zu meinen Gunsten aufgrund der Kostentragung des Schiffsbaues und ab dem 2. Handelsjahr das Verhältnis 15:85 zu Euren Gunsten bis zur vollständigen Finanzierung inklusive eines Aufschlages halten? Noch dazu ist mein Verwandter Rahjamir ein vollkommen verlässlicher Kapitän, wenn ich Euch dies ebenfalls anbieten darf?”
 
Nachdem Phelizzio endete, sah er wie die gesagten Worte Tiliane erstmal zum Nachdenken anregten. Er hoffte Ihre Zustimmung zu erhalten, bei diesem direkten und klaren Angebot.
 
Tilliane schwieg für einen Moment. “Auf dieses Angebot könnte ich eingehen. Der Vorschlag, die Baukosten über den Gewinn, welcher in den Folgejahren mit dem Verkauf der Fracht erzielt wird, ist überaus zuvorkommend und ein Aufschlag auf den üblichen Preis erscheint mir angesichts Eurer Kompromissbereitschaft mehr als angemessen. Darüber hinaus soll es Euch vergolten werden, dass Ihr uns die Suche nach einem fähigen und zuverlässigen Kapitän erspart.” Die Geweihte hielt einen Moment inne, bevor sie schließlich die offene Hand ausstreckte. “Im Namen der Familie di Asuriol möchte ich Euch für dieses Geschäft danken.”
 
Phelizzio d’Antara nahm die ausgestreckte Hand entgegen und somit war das Geschäft besiegelt. ,,Möge die ‘Seegans’, wie ich das Schiff nennen möchte, durch Euch von Travia gesegnet werden! Doch Euer Ehrwürden. (er räusperte sich leicht und kramte unscheinbar und von den Anwesenden nicht bemerkt, zwei versiegelte Briefumschläge aus seiner Jackentasche heraus). Ich bitte Euch den Inhalt beider Briefe wohlwollend und vertrauensvoll zu behandeln”, er verneigte sich spürbar bittend und entschuldigte sich, als er gerufen wurde.
 
Die ältere Travia-Geweihte verweilte noch etwas alleine vor den kleinen Schiffskonstruktionen und las beide Briefe, die der Schiffsbauer vertrauensvoll an sie gegeben hatte.
 
 
'''Gespräch mit der Familie Rizzi'''
 
Es war Travileas Rizzi, der Phelizzio zu sich gerufen hatte. Mit einem herzlichen Gesichtsausdruck begab er sich zum Freund seiner Familie sowie zu Signora Traviana Rizzi und nahm auch von diesen dankend ihre Gratulationswünsche entgegen. Bemerkenswerterweise fand er bei den Rizzis eine sofortige Verbundenheit seit dem Tag der ersten Begegnung bei einer kleinen Abendfeier vor kurzer Zeit.
 
,,Euer Ehrwürden, werte Signora, ich hoffe sehr, dass Euch die Feier gefällt?”, begann er freundlich und sogleich waren die beiden Männer in ein herzliches Gespräch vertieft.
 
 
'''Orelian und Athaon'''
 
Athaon, der die Fechtkunst in Methumis erlernt hatte, benötigte einen Augenblick, um die ungewohnten Proportionen der Waffe, die ihm präsentiert wurde, einzuordnen. Die Kampfweise mit Säbel und Schild war ihm wenig vertraut.
 
“Hauptmann, gestattet ihr mir eine Frage nach den Aufgaben Eurer Einheit?”, Athaon wies auf die Bewaffneten, die auf dem Gelände postiert waren.
 
,,Gewiss doch, Signor Athaon. Die Aufgaben der Palmyramischen Wache sind der Schutz des Eigentums meiner Familie sowie der persönliche Schutz einzelner Familienmitglieder. So wie ich die einzelnen Gesichter bei der Rede meines Bruder interpretiert habe und in baldiger Erwartung, dass einige Familienangehörige, einschließlich meiner Person, öffentliche Ämter bekleiden könnten, wird der Personenschutz wichtiger werden”.
 
Orelian d'Antara klopfte väterlich Athaon auf die Schulter.
 
,,Ihr macht mir einen guten Eindruck. Wenn Ihr Interesse habt, Euch der Hausgarde anzuschließen und fest an die Lehren der Gütigen Göttin glaubt, seid Ihr uns jederzeit stets willkommen!”
 
“Ich danke Euch für Eure herzlichen Worte. Zur Zeit bin ich allerdings den Unternehmungen meiner eigenen Familie verpflichtet. Auch wenn mich Euer Angebot durchaus reizt, muss ich leider ablehnen. Eure Truppe macht einen fähigen Eindruck und ich kann nicht leugnen, dass ihr in mir die Hoffnung geweckt habt, in der Zukunft mit Palmyramischen Wache Seit an Seit zu stehen. Falls sich unsere Wege also erneut kreuzen sollten, wäre ich darüber sehr erfreut.”
 
Orelian nickte verstehend. ,,Habt Dank für Eure Ehrlichkeit, Signor. Die Pflicht gegenüber unseren Familien hat stets immer Vorrang, doch wenn die Pflichten einmal erfüllt sind, wäre es der Palmyramischen Wache eine Ehre Euch an unserer Seite zu wissen! Kommt lasst uns auf den Weg zu Eurer Begleitung und meinem Bruder noch einige Worte wechseln”. Außenstehende konnten im Vorbeigehen lediglich die Worte ,,Travia” und ,,Ritter” vernehmen.
 
 
Mit einem amüsierten Lächeln schlenderte Mireia ya Papilio durch die Reihen der Gäste und schnappte hier und dort ein Wort, einen Satz oder ein kurzes Gespräch auf, während ihr Mann gelangweilt auf einer der Sitzgelegenheiten seinen Platz gefunden hatte. Mt Interesse hatte sie gerade dem Gespräch der älteren Traviageweihten und dem Gastgeber gelauscht. Alles hat sie nicht verstanden, nur verwunderte es sie sehr, dass eine Geweihte der Travia solcherlei Geschäfte im Namen ihrer Familie einfach so abschließen konnte. Seit wann trug der Fuchs denn orange, dachte sie spöttisch. Aber so eine Ferrara musste ja auch finanziert werden. Hatte sie da richtig gehört?`Di Asuriol? Den Namen hatte sie doch schon einmal vernommen. Als ihre Schwägerin Feodora das letzte Mal in Efferdas weilte. Was würde sie wohl dafür geben zu wissen, dass die di Asuriol hier in Efferdas wilderten. Dann muss sie wohl in naher Zukunft ein Schreiben nach Shenilo aufsetzen. Sie nahm einen weiteren Schluck Wein und er schmeckte wunderbar lieblich.
 
Mit einem Lächeln folgte Sybilla in einer knappen Gesprächspause den Blicken der ya Pirras. ,,Phelizzio hat alles Recht der Welt dieser Sippe zu misstrauen”, dachte sie sich und nahm das Gespräch mit der efferdischen Familie Villestano wieder auf, die durch die kürzliche Hochzeit zwischen Sandro d’Antara und Aniella Villestano nun auch familiär miteinander verbunden waren.
 
Doch die ya Pirras würde sie diesen Abend noch weiter im Auge behalten, zu offensichtlich sind ihre Meinungen zu einigen Anwesenden. Ob sie diese ungeschickte Art der fehlenden Selbstdisziplin auch hatten, bevor sie aus Belhanka ,,gehen” mussten? Sybilla entschuldigte sich höflich und lud sie zu einer baldigen Abendgesellschaft zwischen beiden Familien ein. Die Einladung wurde überaus freundlich angenommen und man zeigte Verständnis für die Gastgeberin, den anderen Gästen ebenfalls ihre Aufmerksamkeit zollen zu wollen.
 
 
'''Gespräch mit Familie Gerber'''
 
Sybilla wandte sich der Familie Gerber zu, die sich in ihrer Nähe aufhielt.
 
,,Familie Gerber! Ich möchte Euch im Namen meines Mannes und meiner Familie nochmal unseren Dank aussprechen, dass Ihr gekommen seid! Bitte lasst mich bescheiden nachfragen, ob Euch die Feier bisher gefällt?”
 
Die vier Signoras und der Signor waren in eine muntere Unterhaltung vertieft als sie die Gastgeberin ansprach. Quenia blickte sich um und lächelte freundlich. “Signora d’Antara, bislang gibt es keinen Grund zur Beanstandung. Es herrscht eine gute Atmosphäre, es sind nette Leute anwesend und euer Personal ist wirklich sehr aufmerksam ohne dabei aufdringlich zu sein. Danke der Nachfrage.” Die Begeisterung schien Sybilla aufrichtig zu sein.
 
Die Tochter des Familienoberhauptes, Amalia ergriff das Wort: “Nur für den Fall, dass ich euren Gemahl nicht mehr zu Gesicht bekomme, die Idee mit den Schaukästen und den Schiffsmodellen darin ist wirklich ausgezeichnet. Man kann sich förmlich auf dem Deck stehen oder die Takelage empor entern sehen. Ganz ausgezeichnet. Ist sicher viel Arbeit und verlangt großes Geschick eine solch detaillierte Replik anzufertigen.” Gwyn, der Vater der Mechanica, nickte beipflichtend.
 
Clarizia wandte sich nun ebenfalls an die Gastgeberin: “Verzeiht die Frage Signora d’Antara, aber wird es heute Abend auch noch Musik und Tanz geben?”
 
Gespannt warteten auch Linara und Amalia auf die Antwort der Mittvierzigerin mit dem schwarzen, gelockten Haar, welches ihr auf die Schultern reichte.
 
Die Aranierin zeigte sich sehr erfreut, dass der ebenfalls bodenständigen Familie Gerber die Feier bisher aufrichtig gefiel, dann wandte sie sich zu Signora Amalia und dankte ihr für das Kompliment hinsichtlich der detailgetreuen Schiffsmodelle.
 
,,Diese Modelle ermöglichen jedem einen genauen Blick auf unsere Schiffskunst. Die Werkzeuge, die diese geschaffen haben, werden mit fleißiger Hand und hohem Talent auch größere Schiffe bauen!”, erklärte sie feierlich und der Klang eines festen Versprechens lag darin.
 
Nun huschte ein Schmunzeln über das Gesicht von Sybilla d'Antara. ,,Ich fürchte, man würde es uns nicht verzeihen, wenn an diesem Abend Musik und Tanz fehlen würden. Beides ist vorbereitet und beginnt in Kürze. Eine Feier wie diese wäre ohne beides gewiss unvollständig”. Sie schaute in die Richtung ihres Mannes, der noch im Gespräch mit Familie Rizzi vertieft war.
 
Den drei jüngeren Damen war die Freude über die Aussicht auf Musik und Tanz anzumerken. “In der Tat, in Efferdas ein Fest zu feiern ohne Musik und Tanz gilt als Sünde.” Erklärte Linara. “Schön dass es in Belhanka offenbar ebenso gehalten wird!”
 
Kurz wirkte sie etwas verlegen, fasste sich dann aber doch ein Herz: “Verzeiht, dass ich so direkt frage, ihr seid keine Liebfelderin, darf ich fragen, woher ihr ursprünglich stammt?” Sybilla konnte merken, dass die Frage ehrlichem Interesse entsprang und keineswegs provokant gemeint war.
 
Gwyn und seine Tochter hatten sich bereits wieder einem der Schiffsmodelle zugewandt. Quenia und Clarizia folgten interessiert dem Gespräch der Schiffsbauergemahlin und der Medica.
 
,,Aber gewiss, dürft Ihr fragen, werte Signora. Ich komme aus der edlen wie schönen Stadt Zorgan aus dem Mharanyat Aranien im fernen Osten. Dort bin ich in der Karanwanserei meiner Eltern aufgewachsen. Doch es zog mich später zum Mada Baseri, über den ich dann nach Belhanka ins Liebliche Feld kam”, sie lächelte glücklich und blickte in Richtung ihres Mannes. ,,Und in Belhanka erlag ich dann schließlich dem Werben meines Mannes”, nun strahlte sie. Ihr war erst jetzt aufgefallen, dass sie den tulamidischen Zungenschlag bei ihrer Erzählung verwendet hatte, doch sie akzeptierte das, da sie grade aus dem Herzen gesprochen hatte.
 
,,Wenn es den Signoras gefällt, würde ich sehr gerne einen Morgenempfang geben zu der Ihr höchst willkommen währt. Natürlich ein echter aranischer Morgenempfang”, lud sie charmant die jungen Damen ein.
 
In der Zwischenzeit kündigte Orelian d'Antara wie aufs Stichwort mit dem schweren Taktstock musikalische Unterhaltung an und eine horasisch-tulamidische Musikergruppe begann mit Streich- wie Holzblasinstrumenten den Abend mit angenehmen Klängen zu füllen.
 
Die drei Frauen hatten gespannt zugehört und blickten sich nun überrascht an.
 
‘Morgenempfang!’
 
Clarizia räusperte sich: “Morgenempfang?” Artikulierte sie die Frage, die allen drei Frauen ins Gesicht geschrieben stand. “In Zorgan scheint man nicht viel Schlaf zu benötigen!”
 
Sie lächelte etwas ratlos. “Wir hier in Efferdas pflegen bis tief in die Nacht zu Feiern, dementsprechend schlafen wir dann gerne etwas länger.”
 
Quenia grinste spöttisch:
 
“Na, zumindest die unter uns, die keine Künstler sind.”
 
Die schlanke, zierliche Frau ignorierte ihre Cousine und fragte stattdessen die Gastgeberin: “Nun ich weiß nicht, wann wäre das denn?”
 
Quenia hob abwehrend die Hände: “Signora Sybilla verzeiht, aber ich für meinen Teil muss mich leider entschuldigen, ich bin anderweitig gebunden.”
 
Die Zwillingsschwestern warteten gespannt auf die Antwort.
 
Die Medica überlegte einen Moment: ‘Naramis und Yindica wollten morgens immer etwas Zeit mit ihrer Mutter verbringen, hatte sie irgendwelche Termine?’
 
Die Aranierin zeigte einen verständnisvollen Gesichtsausdruck, offenbar war diese Tradition im Westen Aventuriens nicht stark vertreten.
 
,,Aber nicht doch, Signoras. ,,Morgenempfang “ heißt es lediglich. Man würde sich zum späten Vormittag zusammenfinden, eine leichte Mahlzeit einnehmen und sich im Plausch vertiefen. Meine Einladung besteht auf herzlichste weiter”, sie lächelte warmherzig.
 
Linara, die einen aufrichtig bedauernden Eindruck machte sagte nun ebenfalls ab.
 
Clarizia überlegte einen Augenblick: “Ich nehme eure Einladung sehr gerne an, Signora Sybilla. Wenn es euch genehm ist, bringe ich statt meiner Schwester und meiner Cousine zwei andere Begleiterinnen mit. Ich habe da auch schon jemanden im Sinne, die ganz sicher gerne mit einer Signora plaudert, welche aus Zorgan stammt.”
 
Die blasse Schönheit mit den tiefgrünen Augen lächelte fröhlich, ob ihres Einfalls.
 
Sybilla zeigte sich erfreut auf Clarizias Zusage. Einen angenehmen Austausch zwischen Kunstinteressierten ist der Aranier immer willkommen und über weitere Gesellschaft freut sie sich ebenfalls.
 
,,Es ist mir dann eine große Freude Euch mit Euren Begleiterinnen willkommen zu heißen! Ein Brief mit weiteren Einzelheiten werde ich Euch alsbald zukommen lassen, werte Signora. Doch Ihr müsst mich nun entschuldigen, unsere anderen Gäste erwarten meine Aufwartung. Es war mir eine Freude”, sie verbeugte sich und schenkte jedem der Gerber ein warmes Lächeln.
 
Clarizia neigte ebenfalls ihr Haupt etwas: “Die Freude ist ganz auf meiner Seite.”
 
Sie lächelte verständnisvoll: “Selbstverständlich, ihr als Gastgeberin habt natürlich eure  Verpflichtungen.”
 
Auch die anderen Frauen lächelten der Aranierin zu.
 
 
Rondriacus stand mit einem Glas Rotwein an der Balustrade und blickte über das Hafenbecken. Im warmen Abendlicht lagen die neuen Rümpfe der Schiffe der d’Antara-Werft still im Wasser. Hin und wieder grüßte er einen vorbeikommenden Händler oder Offizier mit einem knappen Nicken, doch kehrte sein Blick stets zu den Schiffen zurück – als lausche er bereits den fernen Fahrten, die sie eines Tages tragen würden.
 
Unweit davon sprach Horasianne mit einigen angesehenen Bürgern Efferdas’. Aufrecht und würdevoll erklärte sie mit ruhiger Stimme die Bedeutung der neuen Werft für die Stadt. Ab und zu glitt ihr Blick über den Hof, wachsam und bedacht, als trüge sie die Ordnung des Abends ebenso selbstverständlich wie ihr Amt.
 
Silem hatte sich zu den Anlegestellen begeben. Mit verschränkten Armen betrachtete er einen halbfertigen Rumpf und strich prüfend über das Holz, als würde er dessen Geschichten lesen. Ein paar Worte wechselte er mit einem Zimmermann, doch sein Blick lag weit draußen – dort, wo Meer und Erinnerung einander berühren.
 
Phedro hingegen stand mitten im Kreis der jüngeren Gäste. Mit einem Kelch in der Hand erzählte er gestenreich von einem wilden Spiel Delphinocco, und bald trug heiteres Gelächter seine Worte durch den Hof.
 
Mythraela schließlich bewegte sich ruhig zwischen den Gästen. Mal sprach sie mit einer Kaufmannsfrau über ferne Gewürze, mal mit einem Offizier über die Launen der See.
 
Während die Eröffnung voranschritt und sich der Gastgeber unter die Masse begab, traten die beiden Cerranos an die Vertreter der Familie ya Pirras heran. Zwar haben die Cerranos gewisse Vorurteile gegen die Exilanten aus Belhanka, da diese aus einer Republik vertrieben wurden, um sich in einer anderen niederzulassen. Wahre Adlige hätten gekämpft, statt sich von den Pöbels Gnaden eine neue Heimat zuweisen zu lassen. Zum anderen erhielten die ya Pirras von Königin Aldare ihre heutigen Pfründe. Als Teil der ehemaligen Timor-Getreuen ist dies nur ein weiterer Punkt, um die Nase zu rümpfen.
 
All dem gegenüber stehen die Tatsachen, dass die ya Pirras einen bedeutsamen Namen haben und man ihnen ihr ungebrochenes Bekenntnis zur Alten Herrschaft weiterhin hoch anrechnet. Ferrante schritt voran und begrüßte mit einer eleganten Verbeugung und Folnor mit einem Hackenschlag seiner Stiefel samt Kopfnicken die Adligen: “Signora, Signori, verzeiht, dass wir Euch stören doch wollten wir es uns nicht nehmen lassen Euch unsere Aufwartung zu machen. Folnor und Ferrante di Cerrano aus dem wunderschönen Ucurino, zu Euren Diensten.”, sprach Ferrante.
 
Icaro hatte beide schon auf sich zukommen sehen und deutete dies seiner Frau mit einem kurzen Augenaufschlag an. Als sich beide Männer vorgestellt hatten, standen die ya Pirras auf, ihre Weinpokale noch in der Hand,  und Icaro richtete das Wort an sie. “Signor Folnor, Signor Ferrante,  es ist mir ein Vergnügen. Icaro ya Pirras Lutenente im Justicial-Kapitanat des efferdischen Magistrats.” Er wandte sich zur Seite. “Meine Frau Mireia, geborene ya Papilio.” Mireia hielt Ferrante ihren Handrücken hin. “Ebenfalls Lutenente, aber im Fiskal-Kapitanat.”, sprach sie. Icaro deutete auf die Sitzecke. “Nehmt doch Platz und sorgt für etwas Kurzweil. Ihr stammt noch einmal woher?” “Aus Ucurino, Liebster. Das liegt nördlich von Vinsalt. Korrigiert mich Signores, wenn ich falsch liege.” Mireia lächelte und Icaro nickte bevor er fortfuhr. “Nun, was führt solch edle Herren aus dem Umkreis der Hauptstadt in unsere beschauliche Hafenstadt.”
 
Ferrante deutete einen Handkuss bei Signora Mireia an. Mit einem Lächeln und Verbeugung nahmen die beiden Herren das Angebot dankend an und nahmen neben den Herrschaften Platz. “Ihr liegt vollkommen richtig, Signora. Es freut uns, dass Ihr mit Ucurino vertraut seid und auch die kleineren Städte vor der Hauptstadt in Eurem Interesse liegen. Das zeigt Ihre Weltkundigkeit für die Ihr so bekannt seid.”, sprach Ferrante. “Nun, das Gleiche wie Ihr nehme ich an, werte Signora. Wir hatten von den ehrgeizigen Plänen und der Begeisterung von Maestro Phelizzio d'Antara für den Schiffsbau gehört und mussten uns regelrecht unter diese erlauchte und vornehme Versammlung der efferdischen Herrschaft begeben, um keinen Moment dieses freudigen Ereignisses zu versäumen.”, fuhr er fort, “Gerade die Anwesenheit von Eurer Familie als Vertreter des Adels freut uns umso mehr und ehrt uns natürlich auch.”
 
Folnor bejahte die Aussage von Ferrante mit einem freundlichen Lächeln und überließ seinem Cousin das Reden. Er durchstreifte in Gedanken lieber die weiten Felder seiner Heimat oder die Ordnung eines Armeelagers.
 
Kurz winkte Mireia einem Bediensteten und deutete ihm an Wein und zwei weitere Pokale zu bringen.
 
“Es ist ein Zeichen des Anstands, dass auch unser Haus bei der Eröffnung einer Werft in einer efferdgefäligen Stadt zugegen ist.”, sprach Icaro. “Und man sollte sich ein Bild von demjenigen machen, der anstrebt die neuen Schiffe der efferdischen Flotte zu bauen.” Vorsichtig ließ Mireia den Wein in ihrem Pokal kreisen. “Aber sagt, Signor Ferrante, wie steht ihr zur Familie d'Antara? Denn diese scheint wohl der einzige Grund Eurer Anwesenheit hier zu sein. Weder habe ich je etwas von einem Besuch eines Mitgliedes Eures Hauses seit der Ausrufung der Republik hier in Efferdas gehört, noch scheint es traviagefällige Verbindungen zu geben. Verzeiht meine Neugier.” Sie schaute Ferrante an und nippte an ihrem Pokal. “Oder hat Eure Anwesenheit noch andere Gründe?”
 
“Es gibt nichts zu verzeihen, Signora. Eure Frage ist berechtigt und gerne beantworte ich Euch diese.”, sprach Ferrante als er einem der Bediensteten einen Weinpokal abnahm. Folnor lehnte dankend ab und widmete sich wieder den Gesprächspartnern. Ferrante ließ ebenfalls den Wein in seinem Pokal kreisen. “Die Bande unserer Familie wurden leider erst während des vergangenen Krieges geknüpft, als wir beide gemeinsam dem Horas dienten. Daraus ergaben sich viele Momente, in denen man zusammen etliche Hindernisse und ausweglose Lagen überwinden konnte. Näher ausführen möchte ich dies nicht, da es doch dann ein unpassendes Thema für diesen Abend ist. Mit Verlaub würde ich Euch ebenfalls eine Frage stellen, wenn Ihr erlaubt.”
 
Als der Horas erwähnt wurde, horchte Icaro kurz auf überließ das Gespräch aber weiterhin seiner Frau. Sein Mißtrauen war geweckt und er lauschte jetzt jedem gesprochenen Wort umso deutlicher. Seine Frau lächelte ihren Gegenüber an. “Ihr weicht mir mit einer Frage aus, Signor Ferrante.” Spielerisch tadelnd schüttelte sie den Kopf. “Aber gut, stellt mir eure Frage und lasst uns sehen, ob es mir genehm ist, Rede und Antwort zu stehen.”
 
“Vielen Dank, Signora. Anscheinend habe ich nun Eure Aufmerksamkeit gewonnen, Signor Icaro.”, bemerkte leicht amüsiert Ferrante, der das Spiel der Familien aus Vinsalt nur allzu gut kannte, “Aufmerksamkeit wie Misstrauen wie mir scheint. Verzeiht, wenn ich Euch einen Anlass gegeben haben.”
 
Ferrante ließ wieder den Wein in seinem Pokal kreisen: “Mit Verlaub halte ich meine Frage doch lieber zurück. Ich werde diese ohnehin von anderer Stelle beantwortet bekommen und möchte Euch nicht mit einem schwerfälligen Gespräch zur Last fallen, Signora.”
 
Selbst Folnor, der in den hiesigen Spielen der Adligen nie sonderlich Interesse hatte oder Talent dazu vorwies, spürte eine gewisse Gefahr, die von den beiden Gesprächspartnern ausging. “Adlige durch und durch. Würde ich dieses Kokettieren nicht allgemein verachten, würde ich die ya Pirras bewundern. Immerhin bringen diese etwas Klasse in die recht bescheidene Gesellschaft.”, dachte sich der Soldat.
 
“Wenn ihr die Frage nicht stellt, kann man auch nicht wissen, in welche Richtung sich dieses Gespräch begeben wird.” Mireia nahm einen Schluck Wein, bevor sie weiter sprach. “Aber nun gut, wenn ihr nicht mit der Sprache rausrücken wollt, kann ich Euch auch nicht dazu zwingen.” Wieder winkte sie einen anderen Bediensteten mit einem Tablett Canapés zu sich.
 
“Nicht mit der Sprache rausrücken wollt… Wie galant formuliert, Signora.”, lachte Ferrante herzhaft auf, “Welch Erfrischung.”
 
Zu den ya Pirras und den di Cerranos gesellte sich ein junger Mann, der an seiner dunkelgrünen Weste eine Fasanenspange befestigt hatte. Es war Timor d'Antara, der Sohn der Gastgeber und anders als sein Vater, teilt er die Adelsfreundlichkeit seines Onkels Orelian. Er verbeugte sich höflich und grinste freundlich.
 
,,Werte Signora, werte Signori (er blickte jedem kurz in die Augen). Ich hoffe sehr, dass das Fest Euren Erwartungen entspricht?” Er zauberte ein entwaffnendes Lächeln in sein Gesicht, sodass auch der immer vorhandene Gram der ya Pirras kurzzeitig aus dem Gesicht wich.
 
Aber nur sehr kurz und Icaro setzte wieder seine stoische Miene auf, als er dem jungen d'Antara antwortete. “Ah, Signor Timor, oder wollt ihr eher Secretario genannt werden? Das Fest ist, wie soll ich sagen, ja…..recht zufriedenstellend. Die Canapés sind etwas gewöhnungsbedürftig,  was aber wohl an dem aranischen Einflüssen Eurer Küche liegen wird, sind unsere Gaumen doch eher maritime Freuden gewöhnt. Aber sagt, können wir Euch in irgendeiner Form weiterhelfen? Meine Frau war gerade damit beschäftigt, dem  werten Signor Ferrante tiefgründige Geheimnisse zu entlocken.”
 
Diese hatte sich in der Zwischenzeit für ein Canapé entschieden und biss genussvoll hinein,  ihren Mann dabei nicht aus den Augen lassend.
 
Ferrante und Folnor mussten schmunzeln.
 
Signor Timor neigte leicht den Kopf, wobei die Fasanenspange an seiner dunkelgrünen Weste im warmen Licht der Festsäle aufschimmerte. Sein Lächeln blieb offen und gewinnend, frei von jeder Spur gekränkter Eitelkeit über die kleine Stichelei.
 
„Ah, ich danke Euch, Signor ya Pirras — und ''Signor Timor'' genügt mir vollkommen.“Er hob beschwichtigend die Hand, als wolle er jede Förmlichkeit sanft beiseiteschieben.„Ein Secretario bin ich heute ganz gewiss nicht. Lediglich der Sohn des Hauses… und als solcher liegt mir daran, dass es unseren erlauchten Gästen an nichts mangelt.“Sein Blick glitt mit höflicher Aufmerksamkeit zwischen den Anwesenden umher, blieb einen Herzschlag länger bei der Signora, die gerade das Canapé kostete. „Was die Küche betrifft, so hoffe ich, dass Ihr uns die kleinen aranischen… Experimente nachseht. Mein Vater ist der Überzeugung, dass neue Gewürze den Geist ebenso öffnen wie neue Gedanken.“Ein kaum merkliches, charmantes Schmunzeln huschte über sein Gesicht. „Doch sorgt Euch nicht — für maritime Freuden ist ebenfalls gesorgt. Ich werde persönlich veranlassen, dass Euch noch einige vertrautere Köstlichkeiten gereicht werden.“Er trat einen halben Schritt näher, die Stimme nun etwas wärmer, beinahe vertraulich:„In Wahrheit wollte ich mich nur erkundigen, ob das Fest Euren Erwartungen entspricht… und ob Ihr Euch in unserem Hause wohlfühlt. Eure Zufriedenheit ehrt uns mehr als jedes Lob für Dekor oder Musik.“
 
Dann verbeugte er sich erneut — nicht tief, sondern genau so weit, dass Respekt und jugendlicher Charme sich die Waage hielten — und schenkte der Gesellschaft abermals jenes entwaffnende Lächeln, das selbst verhärtete Mienen für einen Moment zu lösen vermochte und verschwand wieder.
 
“Auch sehr erfrischend, dieser Timor d’Antara.”, lachte Ferrante auf und gestattete sich einen Schluck aus seinem Pokal, “Ach wie ich den Zeiten nachtrauere als man an Adlige nicht so einfach herantreten durfte.”
 
“Ich denke, mit unserem Erscheinen hier, haben wir uns den Gepflogenheiten der Gastgeber wohl genug angepasst.” Icaro räusperte sich kurz. “Aber genug der Spielchen, Signor Ferrante. Es wird einen Grund haben, weswegen ihr Euch zu uns gesellt habt um den Stand außen vor zu lassen. Stellt schon Eure Frage und hört auf, wie eine Welle am Strand zu brechen.”
 
Ferrantes Miene wurde ernst. Seinen halbvollen Pokal stellte er auf das Tablett eines der Diener. “Wohl wahr, Signor Icaro. Wenn Ihr mich schon so direkt fragt…”, sprach Ferrante und wurde von Folnor unterbrochen. “Werter Vetter, ich muss Euch kurz unterbrechen ''- Ferrante schaute überrascht aber stimmte nickend zu -'' . Nun zu Euch, Signor Icaro. Ja, bei Gesprächen mit meinem Vetter Ferrante braucht man Geduld und starke Nerven, jedoch ist er ein Mann, der jederzeit beim Wort zu nehmen ist und notfalls für seine Kameraden durch das ganze Reich reitet. Wir haben das Gespräch mit Euch gesucht, weil wir Eure Familie aus der Ferne zu schätzen gelernt haben und Vertreter einer praiosgefälligen Ordnung gerne auch beistehen. Darum wollten wir Euch unseren Respekt erweisen.”
 
Icaro ließ Folnors Worte wirken. “Nun, dies sind ungewohnte Worte für jemanden von außerhalb und müssen wir beide auch zugestehen, dass die Familie di Cerrano noch nicht in unser Blickfeld gerückt ist, was wohl auch an mangelnden Kontakten in Vinsalt um Umgebung liegen mag. Da auch Euch anscheinend an einer praiosgefälligen Ordnung liegt, sagt in welchen Professionen dient Eure Familie dem König der Götter? In der Justicia, in einem Orden oder gar der Kirche selbst?”
 
“Unsere Familie ist seit langem im Heilig-Blut-Orden vertreten und nutzt jede Gelegenheit, um Gemeinden oder Wehranlagen die Einrichtung eines Horasschreins zu ermöglichen. Denn der Horas selbst führte uns in eine praiosgefällige Ordnung und darum sollte man ihn besonders würdigen. Durch unser Erbe aus bosparanischen Zeiten bringt unsere Familie zudem auch Rechtsgelehrte hervor. Ein paar von ihnen dienen dem Reich bereits im Justizwesen. Uns verwundert es überhaupt nicht, dass Eure Familie die unsere noch nicht kennt. Eure Geschäfte in dieser Stadt sowie in der Coverna selbst nehmen viel Zeit in Anspruch.”, lächelte Ferrante seinem Gegenüber und Folnor nahm den seltenen Moment wahr, in dem sein Vetter mit Autorität gepaart mit Charme auftrat.
 
Wieder machte Icaro eine kleine Pause, bevor er antwortete. “Nun, das Feld der Justicia ist auch meine Profession. Vielleicht ergibt sich ja eines Tages die Möglichkeit, einem Mitglied Eurer werten Familie vor Gericht gegenüberzustehen. Ich muß zugeben, diese Vorstellung würde mich sehr reizen.”
 
“Dies wäre auf jeden Fall interessant! Jedoch bevor wir im Gerichtssaal die Klingen kreuzen, würde sich unsere Familie sehr freuen, Eure in Valbeno zu exquisiten Wein empfangen zu dürfen. Seid versichert, dass dieser all die … bescheidenen Getränke von Haus d'Antara in den Schatten stellt. Ein, zwei Erstausgaben aus dem Bereich Recht würde auch auf Euch warten, sofern Ihr interessiert seid.”, entgegnete Ferrante in seiner üblichen Seelenruhe.
 
“Wir werden Eure Einladung an meinen Herrn Vater weiterleiten und Euch eine Antwort zukommen lassen. Wie lange seid ihr noch in Efferdas und wo seid ihr abgestiegen?”
 
 
Nachdem die Gastgeber ihre Gespräche mit den Rizzi und Gerber beendet hatten, begab sich Sybilla zu ihrem Mann und sah ihm überdeutlich seine frohe Stimmung an.
 
,,Du wirkst überglücklich, mein Lieber.”
 
,,Aber ja, endlich können wir anfangen. Mir kribbelt es bereits in den Fingerspitzen. Nach dem heutigen Abend werden wir ein gut gefülltes Auftragsbuch haben “, erklärte er erfreut und mit großem Optimismus in der Stimme.
 
 
'''Gespräch mit Familie Gezetti'''
 
Beide sahen, dass Lucian und Lamea Gezetti sowie Sherieth sunya Fatimeh auf sie zu steuerten.
 
Die Frauen begrüßten sich erneut mit einer leichten Umarmung und begannen ihren Plausch vom Eingangsbereich fortzusetzen.
 
Phelizzio nahm währenddessen Lucians Gratulationswünsche entgegen und sie stießen mit ihren Gläsern an.
 
,,Nachdem unsere Frauen uns wieder verstoßen haben, haben wir vielleicht die Möglichkeit über Geschäftliches zu sprechen. Ihr habt  in Eurem Brief angedeutet, dass Euer Seidenhandel möglicherweise einen Seeweg aufbauen möchte”.
 
Phelizzio bemerkte plötzlich, dass das Gespräch der Frauen elegant ausklang und sie sich nun interessiert dem Gespräch zwischen ihm und Lucian zu wandten. Mit einer einladenden Geste und einem freundlichen Lächeln begrüßte er die weiteren Gesprächsteilnehmer, ehe er ernst wurde. ,, Wie kann ich Euch behilflich sein, meine Freunde?”, die Frage war sowohl nochmal an Lucian und Sherieth gestellt.
 
 
Amalia, Clarizia und Linara blickten etwas missmutig in Richtung der Tanzfläche, zwar spielte die Gruppe Musiker schon eine Weile, aber bislang hatte sich noch niemand auf die Tanzfläche verirrt. Amalia blickte ihren Vater auffordernd an: “Oh nein, mein liebes Töchterchen, für derlei Albernheiten bin ich noch lange nicht betrunken genug.”
 
Quenia lachte ihren Gemahl an: “Früher hast du gerne und gut getanzt!”
 
Energisch schüttelte der Kapitän das Haupt. “Da musst du mich mit jemandem verwechseln.”
 
Nicandra stand abseits der anderen, während sich Vullo unter die Leute gemischt hatte und gerade versuchte einer Gruppe Frauen den Unterschied zwischen einer Nessel- und einer Palmviper zu erklären und Praiem der gerade von Laure davon abgehalten wurde, sich lautstark über die Zustände im Miseria aufzuregen, sah sie sich um und genoss unter den anwesenden Herrschaften zu sein.
 
 
'''Gespräch mit Familie di Solano'''
 
Während Nicandra noch in Gedanken verweilte ,trat der Gastgeber lächelnd an sie heran und bot ihr ein Glas Wein an. ,,Oh, verzeiht, dass ich Euch aus Euren Gedanken reiße, Signora, doch darf ich Euch auf ein Glas Wein einladen? Senator Silem scheint im Umfang seiner Verantwortungsvollen Aufgaben heute Abend verhindert zu sein. Bitte richtet ihm unsere Grüße aus und die Einladung eines gemeinsamen Familienessen". Seine charismatische Ausstrahlung duldete keine Absage und damit erhob er das Glas zum Prost.
 
„Verzeiht, die anderen di Solanos, wären auch gerne erschienen, jedoch sind sie verhindert. Besonders meine Tochter hatte sich gefreut, aber sie sucht nach einer Sekundärausbildung. Alleine Staats- und Fechtkunst, macht noch keine Frau von Welt, sagt sie immer. Sie will auch den Handel meistern. So ist die Jugend nunmal.“ schloss sie mit einem Seufzen ab.
 
,,Ah, wenn Eure Tochter die Kunst des Handels und Kontoristik erlernen möchte, Signora. Dann würden wir ihr mit Freude eine Lehre dazu anbieten. "
 
„Ich danke für das Angebot, ich bin mir sicher, dass sie hocherfreut sein wird, von einer Familie mit Verbindungen zum Mondkontor zu lernen. Ich denke, ich kann für sie sprechen, in der Annahme der Lehre. Jedoch, würde ich wohl wissen wollen, was die genaue Gegenleistung für ein so schönes Angebot ist.“
 
Phelizzio nahm eine ernste Miene an, ehe er antwortete.
 
,,Aufrichtigkeit. Zuverlässigkeit. Fleiß. In der Lehre. Doch das allein werdet Ihr als Antwort bestimmt nicht durchgehen lassen, Signora. Meine Schwester Viana, Geweihte der gütigen Göttin, hilft im Stadtteil Miseria, wo sie nur kann. Dazu würde sie Euch und dem Signor Senator gerne Ihre Aufwartung machen. Ich hoffe, Ihr seid damit einverstanden, Euch mit Viana zu treffen?”, der Schiffsbauer verneigte sich höflich.
[[Kategorie:Briefspiel in Efferdas|Alte Werft, neuer Glanz]]

Aktuelle Version vom 12. April 2026, 08:36 Uhr

Briefspiel in Efferdas
Datiert auf: Ende 1045 BF Schauplatz: Efferdas, Werftgelände der Covernischen Schiffswerft d’Antara Entstehungszeitraum: Ende 2025 bis Frühjahr 2026
Protagonisten: Mitglieder Familie d'Antara, di Cerrano, Quenia, Amalia, Clarizia, Linara Gerber und Gwyn Cynwal, Athaon und Tilliane di Asuriol, Icaro ya Pirras und Mireia ya Papilio, Travileas und Traviana Rizzi, Lucian Gezetti und Sherieth sunya Fatimeh mit Lamea Gezetti, Nicandra, Praiem, Laure und Vullo di Solano, Varducchio Autoren/Beteiligte: Fürst Federkiel, VivionaYaPirras, Gerberstädter, Ernie, Rizzinger, Princeps, Vritra, Timm
Zyklus: Übersicht · Das Eintreffen der Gäste · Begrüßungsrede und Gespräche · Die Ankündigung und das Stadtgeschenk · Der Ausklang und das Zeichen


Begrüßungsrede und Gespräche

Nachdem nun der letzte, der eintreffenden Gäste, persönlich von Phelizzio und Sybilla d’Antara begrüßt worden war, schlug der Schiffsbauer das in Leder gebundene Buch am Stehpult zu, lächelte seiner Frau zu und reichte ihr seinen Arm. Die Aranierin nahm diesen an und nickte dem am Tor stehenden und aufmerksam alle Gäste im Blick haltenden Orelian d’Antara zu. Dieser soll nun die Beiden ankündigen.

In der Zeit in der die Hausherren allen Gäste ihre Aufwartung machten, haben sich bereits einige Gäste miteinander zum Gespräch gefunden, nahmen die Begrüßungsgetränke von Dienern entgegen oder begutachteten die ausgestellten Schiffsmodelle.

Der Hauptmann der Palmyramische Wache, Orelian ging begleitet von zwei weiteren Gardisten in die Mitte des Werftgeländes und schlug ankündigend mit einem schweren Taktstock dreimal auf die Oberfläche des gepflasterten Bodens.

,,„Geschätzte Gäste, Freunde des Hauses und ehrbare Handwerker. Die Familie d’Antara bittet um eure Aufmerksamkeit. Es spricht nun das Oberhaupt des Hauses zur Eröffnung der Werft, Esquirio Phelizzio d’Antara“. Orelian nahm Haltung an und machte den Weg frei für seinen Bruder und seine Gemahlin.

Die angekündigten Herrschaften des Hauses d’Antara gingen lächelnd Arm in Arm auf einen mittig gelegenen Stehtisch hinzu und nickte im Vorbeigehen ihren Gästen einzeln nochmals zu. Der Tisch an dem Phelizzio und Sybilla stehen blieben, war mit dem dunkelgrünen Fasanenwappen als herunterhängenden Banner gedeckt, anders als wie die weiteren Stehtische, die mit gelben Tischdecken gedeckt sind.

Der Schiffsbauer nickte noch einmal allen Anwesenden zu ehe er seine Eröffnungsrede begann:


,,Geschätzte Gäste von Nah und Fern, Freunde des Hauses und der Familie, ehrbare Meister, Gesellen und Weggefährten,

ich danke euch allen von Herzen, dass ihr heute den Weg hierher gefunden habt – aus der Nachbarschaft ebenso wie von fern her. Eure Anwesenheit ehrt nicht nur diese Familie, sondern auch diesen Ort, an dem fortan gearbeitet, gebaut und Verantwortung getragen werden soll.

Diese Werft ist kein prunkvolles Versprechen, sondern ein festes Fundament.

Sie steht für ehrliches Handwerk, für Verlässlichkeit und für die Überzeugung, dass gute Arbeit Bestand hat – auf dem Wasser wie an Land. Wir übernehmen sie mit Respekt von der Familie Slin, die hier bereits gearbeitet haben, und mit dem festen Willen, ihre Erfahrung zu bewahren, die unsere einzubringen und die Handwerkstraditionen zu ehren.

In diesen Hallen und auf diesen Planken sollen Schiffe entstehen, die ihren Zweck kennen und erfüllen. (Phelizzio deutete auf die ausgestellten Schiffsmodelle)

Wir bauen Karavellen, in verschiedenen Ausführungen, angepasst an Handel, Reise und Küste.

Wir fertigen Kusliker Galeeren, auch in der Form der Galeasse, für jene, die Kraft und Ausdauer verlangen.

Kutter und Bojer für Patrouille, Transport und tägliche Arbeit gehören ebenso zu unserem Handwerk wie Zier- und Kleinstboote, geschaffen für Teiche, Gärten und Anlagen – auf Wunsch auch in größeren Ausführungen und Variationen.

Darüber hinaus blicken wir nach vorn:

Eine Hochsee-Karavelle befindet sich derzeit in unserer Konstruktion. Sie ist als langfristiges Projekt gedacht – für weite Fahrten, große Lasten und neue Routen.

Doch Schiffe entstehen nicht allein aus Holz, Nägeln und Plänen.

Sie entstehen aus Vertrauen – zwischen Auftraggebern, Werft und jenen, die mit ihrer Hände Arbeit jedes Schiff erst möglich machen. Dieses Vertrauen wollen wir uns verdienen: durch ehrliche Arbeit, klare Absprachen und das Wort, das gilt.

Wir hoffen, dass von dieser Werft nicht nur Boote und Schiffe ausgehen, sondern auch Verbindungen: zwischen Häfen, Familien, Städten und Märkten. Wenn man eines Tages sagt, „Das ist ein Schiff aus der Covernischen Schiffswerft d'Antara – es wird seinen Dienst tun“, dann haben wir unser Ziel erreicht. Möge indes allzeit die gütige Göttin Travia ein jenes gebaute Schiff sicher in seinen Hafen geleiten und alle Seeleute zu ihren Familien und dem heimeligen Herdfeuer bringen.

Ich danke euch für euer Kommen, für euer Interesse und für das Vertrauen, das ihr uns heute entgegenbringt. Wenn Fragen an mich sind, stehe ich gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.

Möge diese Werft wachsen – maßvoll, beständig und mit Blick auf eine erfolgreiche Zukunft. Erheben wir dazu unsere Gläser!

Ich heiße euch nochmals willkommen, vielen Dank!”


Als Phelizzio d'Antara seine Rede beendete und die Gäste ihre Gläser erhoben, applaudierte Lucian höflich mit den anderen. Die Aufzählung der Schiffstypen hatte ihn weniger interessiert als der beiläufige Hinweis auf neue Routen und Verbindungen zwischen Häfen. Schiffe bauen konnten andere – aber wer sie wohin segelte und welche Ladung dabei Platz fand, das war für die Exclusiven Transportationen von Belang.

Sherieth nippte an ihrem Glas und ließ den Blick über die ausgestellten Modelle wandern, ohne sich ihnen zu nähern. Ihr Interesse galt weniger dem Holz und den Segeln als den Gesichtern der Anwesenden: Wer hier verkehrte, wer mit wem sprach, wer die d'Antaras als Geschäftspartner betrachtete. Informationen, die sich später als nützlich erweisen mochten.

Lamea stand etwas abseits ihrer Eltern und tat, was Onkel Niando und Großvater Lovis ihr bereits viele Male eingeschärft hatten: beobachten, zuhören, schweigen. Die Gerbers an Schiffsmodellen interessierten Gerbers, die ya Pirras abseits und mit kaum verhohlener Herablassung. Die beiden Herren aus dem Aurelat. Und die alte Dame im orangefarbenen Habit, die ihren jungen Begleiter fest im Griff hatte.

Ein Diener bot ihr ein Glas an, das sie mit einem knappen Nicken entgegennahm. Was sie von alledem hielt, behielt sie für sich. Ein Gezetti vergisst nichts, pflegte ihr Großvater zu sagen. Und behält alles für sich, ergänzte Onkel Niando stets mit einem Zwinkern.

Fast unauffällig gesellte sich ein gleichaltriger Junge mit einem orangenen Schal mit gestickten Gänsen zu der jungen Gezetti. ,,Ihr beobachtet auch, Signorina? Darf ich Euren Blick kurz auf mein Glas richten und mit Euch anstoßen? Gestattet Ihr? Yuliano d'Antara “(der junge Mann verbeugte sich höflich und gemeinsam beobachteten sie die Gäste und unterhielten sich).

Quenia warf Gwyn einen vielsagenden Blick zu. Amalia blickte ihren Vater fragend an. Der neigte sich etwas dichter zu der Mechanika und Erfinderin.

“Nun mein Schatz, es ist schon ein bisschen ungewöhnlich, dass ein Schiffsbauer die Gütige Mutter anruft und nicht den Unberechenbaren, zumal wenn er sich in Efferdas niedergelassen hat. Aber, nun ja, Glaube ist eine sehr persönliche Sache. Muss jeder für sich wissen wem er folgt.”

Amalia zuckte mit den Schultern:

“Solange er nicht gerade Hranngar anruft, damit würde er sich ganz sicher Fjorgyn gegen sich aufbringen.”

Gwyn gab seiner Tochter einen Klaps auf den Hinterkopf: “Du verbringst zu viel Zeit mit meiner Navigatorin!”

Amalia grinste breit: “Das sagt Mutter doch sonst immer zu dir!”

Der harbener Kapitän packte lachend seine Tochter mit beiden Händen bei der Taille und stemmte sie in die Höhe: “Fräulein, wenn du so groß bist, dann darfst du frech gegenüber deinem Vater werden.”

Er setzte sie wieder sanft ab und einen ernsten Blick auf. “Ich werde mir das ernsthaft überlegen müssen ob du dein Geschütz auf der [[Tanzende Laille|Laille]] ausprobieren darfst. Man sollte Kinder die respektlos gegenüber ihren Eltern sind nicht auch noch belohnen.”

Quenia trat hinzu: “Kann ich euch zwei Kindsköpfe denn nie ohne Aufsicht lassen?”

Gwyn blickte entrüstet drein und deutete auf seine Tochter: “Sie hat angefangen!”

Quenia schüttelte den Kopf: “Wer hat dich nur zum Diplomaten der Familie gemacht?”

Wie auf Kommando zeigten Amalia und Gwyn gleichzeitig auf Quenia.

“So, jetzt ist aber genug mit Unfug.”

Sie zwinkerte den beiden zu und ging zu Linara und Clarizia zurück.

Gerade wollte der Harbener noch etwas sagen, als er ein bekanntes Gesicht entdeckte. Auch der Andere erkannte nun den Hünen und kam in Begleitung einer Dame herüber.

“Signora Amalia, schön und stolz wie eine Rose!” Er verneigte sich und deutete einen Handkuss an. Auch die Signora grüßte die junge Mechanika und es war ihr anzumerken, dass ihr die Art wie ihr Gemahl die junge und durchaus attraktive Frau begrüßt hatte nicht besonders gefiel. Inzwischen hatte sich ihr Mann dem Hünen zugewandt: “Signor Gwyn, Efferd mit euch! Welch Freude euch wieder einmal zu treffen. Das letzte Mal war vor sicher acht Götternamen in Havena, wenn ich nicht irre!”

Gwyn nickte dem Mann kurz zu, begrüßte dann aber zuerst die Frau: “Signora Mara, mögen euch die Zwölfe weiterhin mit so viel Schönheit segnen. Ihr solltet diesen betagten und nun ja, doch eher hässlichen Schürzenjäger endlich durch einen jüngeren und gutaussehenden Galan ersetzen, der besser zu euch passt!”

Er zwinkerte Mara zu und in der Tat sah man [[Mara Banderetti]] weder an, dass sie bereits mehr als fünfzig Götterläufe hinter sich hatte, noch dass aus ihrem Schoß sechs Kinder das Licht der Praiosscheibe erblickt hatten. Man könnte nun unterstellen, dass Mara die Sache mit der Treue wohl nicht besonders genau nahm, war ihr Gemahl ja mehr auf seinem Schiff als in ihrem Bett, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass alle sechs Kinder ihrem Vater sehr ähnlich sahen. Ob das ein Segen für die Kinder war, stand auf einem anderen Blatt, aber dass Hesindian der Vater war, stand außer Frage.

Mit breitem Grinsen wandte sich der Hüne nun dem Gatten Maras zu, streckte ihm die Hand entgegen, die dieser sofort ergriff und klopfte Hesindian auf die Schulter.

“Mein werter Signor [[Hesindian Banderetti|Hesindian]], Efferd allzeit mit euch! Ja, acht Götternamen dürften wohl hinkommen. Wollt ihr die [[Covernica]] aufs Trockendock setzen lassen oder liebäugelt ihr gar mit einem neuen Schiff?” neugierig musterte Gwyn sein Gegenüber.

Dieser winkte allerdings nur lachend ab. “So viel bezahlt die [[Efferdische Handelscompagnie]] nun auch wieder nicht! Nein, nein, ein neues Schiff, wo denkt ihr hin, Signor Gwyn. Aber in der Tat, wieder hier in der Heimatstadt die Covernica zur Reparatur in die Werft geben zu können, wäre schon eine Erleichterung. Zuhause statt in der Kneipe warten, spart Geld und man ist bei der Familie.”

Gwyn nickte lachend: “Arme Signora Mara, dann bekommen eure Enkel womöglich noch gleichaltrige Onkel und Tanten. Aber Spaß beiseite, ja, da ist was dran. Ich bin ja mit dem alten [[Vitello Taladûr Slin|Slin]] nie warm geworden, ums mal freundlich zu formulieren. War deswegen immer in Harben zur Werft. Die Laille wurde da ja auch gebaut. Aber seit meine Eltern nicht mehr leben … Ja, mal sehen, was von diesem Signor Phelizzio d’Antara zu halten ist.”

Der umtriebige Kapitän neigte den Kopf hin und her: “Insgesamt hat mir seine Ansprache gefallen nur die Sache mit den Verbindungen zwischen Häfen, Familien, Städten und Märkten die von der Werft ausgehen, versteh ich noch nicht so ganz und sollte ich doch irgendwann ein Schiff bauen lassen, dann bekommt es bei Kiellegung und Stapellauf den Segen von seiner Exzellenz [[Efferdobal di Camaro|Efferdobal]], was hat ein Schiff mit Travia zu schaffen? Es ist im Reich des Unberechenbaren unterwegs und seiner launenhaften Natur ausgesetzt!”

Gwyn lächelte: “Mir hat die Rede auch so weit gefallen. Ich denke, dass das mit den Verbindungen und der Werft  als eine Metapher zu verstehen ist, aber was den Segen angeht, bin ganz bei euch, Efferd ist der Gott der Seefahrer, seinem Wohlwollen und seinem Zorn sind wir jeden Tag ausgesetzt. Die Erträge unserer Fischer hängen vom Unbändigen ab. Travia und die Seefahrt passen meines Erachtens nicht zusammen. Aber was den Glauben angeht, soll jeder der Gottheit folgen, die er für richtig erachtet, solange sie dem zwölfgöttlichen Pantheon angehören, will ich da nichts gegen sagen.”

Hesindian Banderetti brummte zustimmend etwas, dann ergriff er den Arm seiner Gattin die sich unterdessen mit Amalia unterhalten hatte: “Signor Gwyn, Signora Amalia, es war uns, wie immer eine Freude, aber nun wollen wir eure Zeit nicht weiter beanspruchen und ich möchte mir noch die übrigen Schiffsmodelle ansehen!”

Der Kapitän und seine Gemahlin verneigten sich, die beiden Gerber verabschiedeten sich ebenfalls und gesellten sich zu Quenia und ihren Cousinen.

Amalia sah ihren Vater fragend an: “Ich habe immer gedacht, Signor Hesindian und du wären Konkurrenten, sah jetzt gar nicht danach aus.”

Gwyn lächelte und reichte seiner Tochter den Arm, die sich sogleich unterhakte. “Weißt Du mein Kind, Kapitän Banderetti ist ein gerissener, ja manchmal sehr verschlagener Geschäftsmann und hat mir schon manche Fracht, die ich bereits sicher wähnte im letzten Augenblick doch noch weggeschnappt und wir schenken uns nichts bei Verhandlungen, aber deswegen respektiere ich ihn dennoch als Mensch und vor allem als Seemann. Sollte ich jemals auf See in Schwierigkeiten geraten, bete ich zu Efferd, dass die Covernica unter dem Kommando von Kapitän Banderetti in der Nähe ist. Hesindian ist ein harter, bisweilen rücksichtsloser Geschäftsmann, aber er hat Mut und ist ein Mann von Ehre, auf den man sich vor allem in Zeiten der Not bedingungslos verlassen kann.”


Gespräche mit den Gastgebern

Nachdem Phelizzio d'Antara sich für den Applaus bedankte, küsste er seine Frau lächelnd auf die Wange und strahlte förmlich vor Freude ehe die Beidenen sich unter die Gäste begab und als erstes die Glückwünsche der Familie di Asuriol entgegen nahmen.


Gespräch mit Familie di Asuriol

Der jüngere di Asuriol, der gerade einen Schluck Wein genommen hatte, verschluckte sich,  als seine Großtante ihm einen Ellenbogen in die Seite stieß. Der entschuldigende Gesichtsausdruck des jungen Mannes, der mit dessen Husten einherging, wurde nur mit eindringlichen Blicken und einem Neigen des Kopfes in Richtung der sich nähernden Gastgeber quittiert. Als er sich gefangen hatte, trat Athaon an die Seite seiner älteren, der Travia geweihten Verwandten.

“Unseren Glückwunsch zur Eröffnung dieser, das heißt Eurer, Werft. Die Göttin blickt sicherlich voller Wohlgefallen auf Eure Unternehmung,” sprach Tilliane di Asuriol, während ihr Großneffe es nicht für nötig zu halten schien, sich zu äußern. “Solche Schiffe, die Wind und Wogen zu trotzen vermögen und ihre Besatzung nicht nur an ihr Ziel bringen, sondern den müden Reisenden auch die sichere Heimkehr ermöglichen, gereichen der Gütigen zum Ruhm.”

Nach einem Moment der Stille bemerkte Athaon, dass seine Großtante und auch das Gastgeberpaar ihn anblickten. Noch während Tilliane gesprochen hatte, waren seine Blicke und Gedanken an den Rüstungen und Waffen der Palmyramischen Wache hängen geblieben. Tillianes Grußworte waren verhallt, ohne dass er diese wahrgenommen hatte. “Ganz im Sinne der Göttin,” war alles, was er zunächst herausbrachte. “Die Schiffe, welche Eure Werft hervorbringen wird, werden zweifelsohne den Seehandel bereichern.”

Phelizzio hatte die Blickrichtung von Athaon di Asuriol flüchtig bemerkt und winkte seinen Bruder Orelian heran.

,,Werter Signore Athaon, mein Bruder Orelian wäre gerne bereit Euch unsere Hausgarde näher zu zeigen, wenn Ihr gestattet, Euer Ehrwürden?” (Er schaute freundlich Tiliane di Asuriol an, ehe sie die Frage nickend beantwortet)

Orelian d’Antara und Athaon di Asuriol verbeugten und wandten sich von den Beiden Gesprächspartner ab und gingen in Richtung der Wache, wo der Hauptmann ihm anfallende Fragen beantwortete und auch einem der Krummsäbel zeigte mit denen die Gardisten der Familie d’Antara zu kämpfen pflegen.

Phelizzio bot mit einem freundlichen Lächeln der Hohen Schwester der Travia-Kirche seinen Arm an und gemeinsam gingen sie zu den ausgestellten Schiffsmodellen.

,,Verzeiht mir, Euer Ehrwürden, für dieses gewagte Manöver, doch ich wollte Euch alleine sprechen. Bei unserer Begrüßung zeigte sich die Offenheit Eurer Familie zum Thema Handel und Warentransport, da würde ich natürlich gerne meine Hilfe anbieten, was würdet Ihr davon halten?” Er blieb vor dem Modell einer Handelskaravelle stehen.

Tilliane betrachtete für einen Augenblick die Miniatur des Schiffes, in dessen Bauch viele Zentner verschiedenster Waren Platz finden würden. “Es gibt nichts zu verzeihen”, Tilliane winkte ab. “Meiner Familie ist es in erster Linie ein Anliegen, das Netz unserer Verkaufswege auszuweiten. In diesem Unterfangen möchten wir mehr auf den Seeweg setzen. Ich befürchte allerdings, dass der Bau eines prachtvollen Schiffs wie diesem hier”, Tilliane deutete auf das Modell.  “... außerhalb des Rahmens liegt, der uns an Mitteln zur Verfügung steht. Könnt ihr eine etwas bescheidenere Option anbieten, die unseren Bedürfnissen dennoch entspricht?”

Der Schiffsbauer überlegte einen Augenblick, ehe er antwortete. ,,Euer Ehrwürden. Was würdet Ihr von Anteilen an einer von mir gebauten Handelskaravelle halten? Sofern ich Euch auch direkt Zahlen anbieten darf, was würdet Ihr im ersten Jahr von 60:40 zu meinen Gunsten aufgrund der Kostentragung des Schiffsbaues und ab dem 2. Handelsjahr das Verhältnis 15:85 zu Euren Gunsten bis zur vollständigen Finanzierung inklusive eines Aufschlages halten? Noch dazu ist mein Verwandter Rahjamir ein vollkommen verlässlicher Kapitän, wenn ich Euch dies ebenfalls anbieten darf?”

Nachdem Phelizzio endete, sah er wie die gesagten Worte Tiliane erstmal zum Nachdenken anregten. Er hoffte Ihre Zustimmung zu erhalten, bei diesem direkten und klaren Angebot.

Tilliane schwieg für einen Moment. “Auf dieses Angebot könnte ich eingehen. Der Vorschlag, die Baukosten über den Gewinn, welcher in den Folgejahren mit dem Verkauf der Fracht erzielt wird, ist überaus zuvorkommend und ein Aufschlag auf den üblichen Preis erscheint mir angesichts Eurer Kompromissbereitschaft mehr als angemessen. Darüber hinaus soll es Euch vergolten werden, dass Ihr uns die Suche nach einem fähigen und zuverlässigen Kapitän erspart.” Die Geweihte hielt einen Moment inne, bevor sie schließlich die offene Hand ausstreckte. “Im Namen der Familie di Asuriol möchte ich Euch für dieses Geschäft danken.”

Phelizzio d’Antara nahm die ausgestreckte Hand entgegen und somit war das Geschäft besiegelt. ,,Möge die ‘Seegans’, wie ich das Schiff nennen möchte, durch Euch von Travia gesegnet werden! Doch Euer Ehrwürden. (er räusperte sich leicht und kramte unscheinbar und von den Anwesenden nicht bemerkt, zwei versiegelte Briefumschläge aus seiner Jackentasche heraus). Ich bitte Euch den Inhalt beider Briefe wohlwollend und vertrauensvoll zu behandeln”, er verneigte sich spürbar bittend und entschuldigte sich, als er gerufen wurde.

Die ältere Travia-Geweihte verweilte noch etwas alleine vor den kleinen Schiffskonstruktionen und las beide Briefe, die der Schiffsbauer vertrauensvoll an sie gegeben hatte.


Gespräch mit der Familie Rizzi

Es war Travileas Rizzi, der Phelizzio zu sich gerufen hatte. Mit einem herzlichen Gesichtsausdruck begab er sich zum Freund seiner Familie sowie zu Signora Traviana Rizzi und nahm auch von diesen dankend ihre Gratulationswünsche entgegen. Bemerkenswerterweise fand er bei den Rizzis eine sofortige Verbundenheit seit dem Tag der ersten Begegnung bei einer kleinen Abendfeier vor kurzer Zeit.

,,Euer Ehrwürden, werte Signora, ich hoffe sehr, dass Euch die Feier gefällt?”, begann er freundlich und sogleich waren die beiden Männer in ein herzliches Gespräch vertieft.


Orelian und Athaon

Athaon, der die Fechtkunst in Methumis erlernt hatte, benötigte einen Augenblick, um die ungewohnten Proportionen der Waffe, die ihm präsentiert wurde, einzuordnen. Die Kampfweise mit Säbel und Schild war ihm wenig vertraut.

“Hauptmann, gestattet ihr mir eine Frage nach den Aufgaben Eurer Einheit?”, Athaon wies auf die Bewaffneten, die auf dem Gelände postiert waren.

,,Gewiss doch, Signor Athaon. Die Aufgaben der Palmyramischen Wache sind der Schutz des Eigentums meiner Familie sowie der persönliche Schutz einzelner Familienmitglieder. So wie ich die einzelnen Gesichter bei der Rede meines Bruder interpretiert habe und in baldiger Erwartung, dass einige Familienangehörige, einschließlich meiner Person, öffentliche Ämter bekleiden könnten, wird der Personenschutz wichtiger werden”.

Orelian d'Antara klopfte väterlich Athaon auf die Schulter.

,,Ihr macht mir einen guten Eindruck. Wenn Ihr Interesse habt, Euch der Hausgarde anzuschließen und fest an die Lehren der Gütigen Göttin glaubt, seid Ihr uns jederzeit stets willkommen!”

“Ich danke Euch für Eure herzlichen Worte. Zur Zeit bin ich allerdings den Unternehmungen meiner eigenen Familie verpflichtet. Auch wenn mich Euer Angebot durchaus reizt, muss ich leider ablehnen. Eure Truppe macht einen fähigen Eindruck und ich kann nicht leugnen, dass ihr in mir die Hoffnung geweckt habt, in der Zukunft mit Palmyramischen Wache Seit an Seit zu stehen. Falls sich unsere Wege also erneut kreuzen sollten, wäre ich darüber sehr erfreut.”

Orelian nickte verstehend. ,,Habt Dank für Eure Ehrlichkeit, Signor. Die Pflicht gegenüber unseren Familien hat stets immer Vorrang, doch wenn die Pflichten einmal erfüllt sind, wäre es der Palmyramischen Wache eine Ehre Euch an unserer Seite zu wissen! Kommt lasst uns auf den Weg zu Eurer Begleitung und meinem Bruder noch einige Worte wechseln”. Außenstehende konnten im Vorbeigehen lediglich die Worte ,,Travia” und ,,Ritter” vernehmen.


Mit einem amüsierten Lächeln schlenderte Mireia ya Papilio durch die Reihen der Gäste und schnappte hier und dort ein Wort, einen Satz oder ein kurzes Gespräch auf, während ihr Mann gelangweilt auf einer der Sitzgelegenheiten seinen Platz gefunden hatte. Mt Interesse hatte sie gerade dem Gespräch der älteren Traviageweihten und dem Gastgeber gelauscht. Alles hat sie nicht verstanden, nur verwunderte es sie sehr, dass eine Geweihte der Travia solcherlei Geschäfte im Namen ihrer Familie einfach so abschließen konnte. Seit wann trug der Fuchs denn orange, dachte sie spöttisch. Aber so eine Ferrara musste ja auch finanziert werden. Hatte sie da richtig gehört?`Di Asuriol? Den Namen hatte sie doch schon einmal vernommen. Als ihre Schwägerin Feodora das letzte Mal in Efferdas weilte. Was würde sie wohl dafür geben zu wissen, dass die di Asuriol hier in Efferdas wilderten. Dann muss sie wohl in naher Zukunft ein Schreiben nach Shenilo aufsetzen. Sie nahm einen weiteren Schluck Wein und er schmeckte wunderbar lieblich.

Mit einem Lächeln folgte Sybilla in einer knappen Gesprächspause den Blicken der ya Pirras. ,,Phelizzio hat alles Recht der Welt dieser Sippe zu misstrauen”, dachte sie sich und nahm das Gespräch mit der efferdischen Familie Villestano wieder auf, die durch die kürzliche Hochzeit zwischen Sandro d’Antara und Aniella Villestano nun auch familiär miteinander verbunden waren.

Doch die ya Pirras würde sie diesen Abend noch weiter im Auge behalten, zu offensichtlich sind ihre Meinungen zu einigen Anwesenden. Ob sie diese ungeschickte Art der fehlenden Selbstdisziplin auch hatten, bevor sie aus Belhanka ,,gehen” mussten? Sybilla entschuldigte sich höflich und lud sie zu einer baldigen Abendgesellschaft zwischen beiden Familien ein. Die Einladung wurde überaus freundlich angenommen und man zeigte Verständnis für die Gastgeberin, den anderen Gästen ebenfalls ihre Aufmerksamkeit zollen zu wollen.


Gespräch mit Familie Gerber

Sybilla wandte sich der Familie Gerber zu, die sich in ihrer Nähe aufhielt.

,,Familie Gerber! Ich möchte Euch im Namen meines Mannes und meiner Familie nochmal unseren Dank aussprechen, dass Ihr gekommen seid! Bitte lasst mich bescheiden nachfragen, ob Euch die Feier bisher gefällt?”

Die vier Signoras und der Signor waren in eine muntere Unterhaltung vertieft als sie die Gastgeberin ansprach. Quenia blickte sich um und lächelte freundlich. “Signora d’Antara, bislang gibt es keinen Grund zur Beanstandung. Es herrscht eine gute Atmosphäre, es sind nette Leute anwesend und euer Personal ist wirklich sehr aufmerksam ohne dabei aufdringlich zu sein. Danke der Nachfrage.” Die Begeisterung schien Sybilla aufrichtig zu sein.

Die Tochter des Familienoberhauptes, Amalia ergriff das Wort: “Nur für den Fall, dass ich euren Gemahl nicht mehr zu Gesicht bekomme, die Idee mit den Schaukästen und den Schiffsmodellen darin ist wirklich ausgezeichnet. Man kann sich förmlich auf dem Deck stehen oder die Takelage empor entern sehen. Ganz ausgezeichnet. Ist sicher viel Arbeit und verlangt großes Geschick eine solch detaillierte Replik anzufertigen.” Gwyn, der Vater der Mechanica, nickte beipflichtend.

Clarizia wandte sich nun ebenfalls an die Gastgeberin: “Verzeiht die Frage Signora d’Antara, aber wird es heute Abend auch noch Musik und Tanz geben?”

Gespannt warteten auch Linara und Amalia auf die Antwort der Mittvierzigerin mit dem schwarzen, gelockten Haar, welches ihr auf die Schultern reichte.

Die Aranierin zeigte sich sehr erfreut, dass der ebenfalls bodenständigen Familie Gerber die Feier bisher aufrichtig gefiel, dann wandte sie sich zu Signora Amalia und dankte ihr für das Kompliment hinsichtlich der detailgetreuen Schiffsmodelle.

,,Diese Modelle ermöglichen jedem einen genauen Blick auf unsere Schiffskunst. Die Werkzeuge, die diese geschaffen haben, werden mit fleißiger Hand und hohem Talent auch größere Schiffe bauen!”, erklärte sie feierlich und der Klang eines festen Versprechens lag darin.

Nun huschte ein Schmunzeln über das Gesicht von Sybilla d'Antara. ,,Ich fürchte, man würde es uns nicht verzeihen, wenn an diesem Abend Musik und Tanz fehlen würden. Beides ist vorbereitet und beginnt in Kürze. Eine Feier wie diese wäre ohne beides gewiss unvollständig”. Sie schaute in die Richtung ihres Mannes, der noch im Gespräch mit Familie Rizzi vertieft war.

Den drei jüngeren Damen war die Freude über die Aussicht auf Musik und Tanz anzumerken. “In der Tat, in Efferdas ein Fest zu feiern ohne Musik und Tanz gilt als Sünde.” Erklärte Linara. “Schön dass es in Belhanka offenbar ebenso gehalten wird!”

Kurz wirkte sie etwas verlegen, fasste sich dann aber doch ein Herz: “Verzeiht, dass ich so direkt frage, ihr seid keine Liebfelderin, darf ich fragen, woher ihr ursprünglich stammt?” Sybilla konnte merken, dass die Frage ehrlichem Interesse entsprang und keineswegs provokant gemeint war.

Gwyn und seine Tochter hatten sich bereits wieder einem der Schiffsmodelle zugewandt. Quenia und Clarizia folgten interessiert dem Gespräch der Schiffsbauergemahlin und der Medica.

,,Aber gewiss, dürft Ihr fragen, werte Signora. Ich komme aus der edlen wie schönen Stadt Zorgan aus dem Mharanyat Aranien im fernen Osten. Dort bin ich in der Karanwanserei meiner Eltern aufgewachsen. Doch es zog mich später zum Mada Baseri, über den ich dann nach Belhanka ins Liebliche Feld kam”, sie lächelte glücklich und blickte in Richtung ihres Mannes. ,,Und in Belhanka erlag ich dann schließlich dem Werben meines Mannes”, nun strahlte sie. Ihr war erst jetzt aufgefallen, dass sie den tulamidischen Zungenschlag bei ihrer Erzählung verwendet hatte, doch sie akzeptierte das, da sie grade aus dem Herzen gesprochen hatte.

,,Wenn es den Signoras gefällt, würde ich sehr gerne einen Morgenempfang geben zu der Ihr höchst willkommen währt. Natürlich ein echter aranischer Morgenempfang”, lud sie charmant die jungen Damen ein.

In der Zwischenzeit kündigte Orelian d'Antara wie aufs Stichwort mit dem schweren Taktstock musikalische Unterhaltung an und eine horasisch-tulamidische Musikergruppe begann mit Streich- wie Holzblasinstrumenten den Abend mit angenehmen Klängen zu füllen.

Die drei Frauen hatten gespannt zugehört und blickten sich nun überrascht an.

‘Morgenempfang!’

Clarizia räusperte sich: “Morgenempfang?” Artikulierte sie die Frage, die allen drei Frauen ins Gesicht geschrieben stand. “In Zorgan scheint man nicht viel Schlaf zu benötigen!”

Sie lächelte etwas ratlos. “Wir hier in Efferdas pflegen bis tief in die Nacht zu Feiern, dementsprechend schlafen wir dann gerne etwas länger.”

Quenia grinste spöttisch:

“Na, zumindest die unter uns, die keine Künstler sind.”

Die schlanke, zierliche Frau ignorierte ihre Cousine und fragte stattdessen die Gastgeberin: “Nun ich weiß nicht, wann wäre das denn?”

Quenia hob abwehrend die Hände: “Signora Sybilla verzeiht, aber ich für meinen Teil muss mich leider entschuldigen, ich bin anderweitig gebunden.”

Die Zwillingsschwestern warteten gespannt auf die Antwort.

Die Medica überlegte einen Moment: ‘Naramis und Yindica wollten morgens immer etwas Zeit mit ihrer Mutter verbringen, hatte sie irgendwelche Termine?’

Die Aranierin zeigte einen verständnisvollen Gesichtsausdruck, offenbar war diese Tradition im Westen Aventuriens nicht stark vertreten.

,,Aber nicht doch, Signoras. ,,Morgenempfang “ heißt es lediglich. Man würde sich zum späten Vormittag zusammenfinden, eine leichte Mahlzeit einnehmen und sich im Plausch vertiefen. Meine Einladung besteht auf herzlichste weiter”, sie lächelte warmherzig.

Linara, die einen aufrichtig bedauernden Eindruck machte sagte nun ebenfalls ab.

Clarizia überlegte einen Augenblick: “Ich nehme eure Einladung sehr gerne an, Signora Sybilla. Wenn es euch genehm ist, bringe ich statt meiner Schwester und meiner Cousine zwei andere Begleiterinnen mit. Ich habe da auch schon jemanden im Sinne, die ganz sicher gerne mit einer Signora plaudert, welche aus Zorgan stammt.”

Die blasse Schönheit mit den tiefgrünen Augen lächelte fröhlich, ob ihres Einfalls.

Sybilla zeigte sich erfreut auf Clarizias Zusage. Einen angenehmen Austausch zwischen Kunstinteressierten ist der Aranier immer willkommen und über weitere Gesellschaft freut sie sich ebenfalls.

,,Es ist mir dann eine große Freude Euch mit Euren Begleiterinnen willkommen zu heißen! Ein Brief mit weiteren Einzelheiten werde ich Euch alsbald zukommen lassen, werte Signora. Doch Ihr müsst mich nun entschuldigen, unsere anderen Gäste erwarten meine Aufwartung. Es war mir eine Freude”, sie verbeugte sich und schenkte jedem der Gerber ein warmes Lächeln.

Clarizia neigte ebenfalls ihr Haupt etwas: “Die Freude ist ganz auf meiner Seite.”

Sie lächelte verständnisvoll: “Selbstverständlich, ihr als Gastgeberin habt natürlich eure  Verpflichtungen.”

Auch die anderen Frauen lächelten der Aranierin zu.


Rondriacus stand mit einem Glas Rotwein an der Balustrade und blickte über das Hafenbecken. Im warmen Abendlicht lagen die neuen Rümpfe der Schiffe der d’Antara-Werft still im Wasser. Hin und wieder grüßte er einen vorbeikommenden Händler oder Offizier mit einem knappen Nicken, doch kehrte sein Blick stets zu den Schiffen zurück – als lausche er bereits den fernen Fahrten, die sie eines Tages tragen würden.

Unweit davon sprach Horasianne mit einigen angesehenen Bürgern Efferdas’. Aufrecht und würdevoll erklärte sie mit ruhiger Stimme die Bedeutung der neuen Werft für die Stadt. Ab und zu glitt ihr Blick über den Hof, wachsam und bedacht, als trüge sie die Ordnung des Abends ebenso selbstverständlich wie ihr Amt.

Silem hatte sich zu den Anlegestellen begeben. Mit verschränkten Armen betrachtete er einen halbfertigen Rumpf und strich prüfend über das Holz, als würde er dessen Geschichten lesen. Ein paar Worte wechselte er mit einem Zimmermann, doch sein Blick lag weit draußen – dort, wo Meer und Erinnerung einander berühren.

Phedro hingegen stand mitten im Kreis der jüngeren Gäste. Mit einem Kelch in der Hand erzählte er gestenreich von einem wilden Spiel Delphinocco, und bald trug heiteres Gelächter seine Worte durch den Hof.

Mythraela schließlich bewegte sich ruhig zwischen den Gästen. Mal sprach sie mit einer Kaufmannsfrau über ferne Gewürze, mal mit einem Offizier über die Launen der See.

Während die Eröffnung voranschritt und sich der Gastgeber unter die Masse begab, traten die beiden Cerranos an die Vertreter der Familie ya Pirras heran. Zwar haben die Cerranos gewisse Vorurteile gegen die Exilanten aus Belhanka, da diese aus einer Republik vertrieben wurden, um sich in einer anderen niederzulassen. Wahre Adlige hätten gekämpft, statt sich von den Pöbels Gnaden eine neue Heimat zuweisen zu lassen. Zum anderen erhielten die ya Pirras von Königin Aldare ihre heutigen Pfründe. Als Teil der ehemaligen Timor-Getreuen ist dies nur ein weiterer Punkt, um die Nase zu rümpfen.

All dem gegenüber stehen die Tatsachen, dass die ya Pirras einen bedeutsamen Namen haben und man ihnen ihr ungebrochenes Bekenntnis zur Alten Herrschaft weiterhin hoch anrechnet. Ferrante schritt voran und begrüßte mit einer eleganten Verbeugung und Folnor mit einem Hackenschlag seiner Stiefel samt Kopfnicken die Adligen: “Signora, Signori, verzeiht, dass wir Euch stören doch wollten wir es uns nicht nehmen lassen Euch unsere Aufwartung zu machen. Folnor und Ferrante di Cerrano aus dem wunderschönen Ucurino, zu Euren Diensten.”, sprach Ferrante.

Icaro hatte beide schon auf sich zukommen sehen und deutete dies seiner Frau mit einem kurzen Augenaufschlag an. Als sich beide Männer vorgestellt hatten, standen die ya Pirras auf, ihre Weinpokale noch in der Hand,  und Icaro richtete das Wort an sie. “Signor Folnor, Signor Ferrante,  es ist mir ein Vergnügen. Icaro ya Pirras Lutenente im Justicial-Kapitanat des efferdischen Magistrats.” Er wandte sich zur Seite. “Meine Frau Mireia, geborene ya Papilio.” Mireia hielt Ferrante ihren Handrücken hin. “Ebenfalls Lutenente, aber im Fiskal-Kapitanat.”, sprach sie. Icaro deutete auf die Sitzecke. “Nehmt doch Platz und sorgt für etwas Kurzweil. Ihr stammt noch einmal woher?” “Aus Ucurino, Liebster. Das liegt nördlich von Vinsalt. Korrigiert mich Signores, wenn ich falsch liege.” Mireia lächelte und Icaro nickte bevor er fortfuhr. “Nun, was führt solch edle Herren aus dem Umkreis der Hauptstadt in unsere beschauliche Hafenstadt.”

Ferrante deutete einen Handkuss bei Signora Mireia an. Mit einem Lächeln und Verbeugung nahmen die beiden Herren das Angebot dankend an und nahmen neben den Herrschaften Platz. “Ihr liegt vollkommen richtig, Signora. Es freut uns, dass Ihr mit Ucurino vertraut seid und auch die kleineren Städte vor der Hauptstadt in Eurem Interesse liegen. Das zeigt Ihre Weltkundigkeit für die Ihr so bekannt seid.”, sprach Ferrante. “Nun, das Gleiche wie Ihr nehme ich an, werte Signora. Wir hatten von den ehrgeizigen Plänen und der Begeisterung von Maestro Phelizzio d'Antara für den Schiffsbau gehört und mussten uns regelrecht unter diese erlauchte und vornehme Versammlung der efferdischen Herrschaft begeben, um keinen Moment dieses freudigen Ereignisses zu versäumen.”, fuhr er fort, “Gerade die Anwesenheit von Eurer Familie als Vertreter des Adels freut uns umso mehr und ehrt uns natürlich auch.”

Folnor bejahte die Aussage von Ferrante mit einem freundlichen Lächeln und überließ seinem Cousin das Reden. Er durchstreifte in Gedanken lieber die weiten Felder seiner Heimat oder die Ordnung eines Armeelagers.

Kurz winkte Mireia einem Bediensteten und deutete ihm an Wein und zwei weitere Pokale zu bringen.

“Es ist ein Zeichen des Anstands, dass auch unser Haus bei der Eröffnung einer Werft in einer efferdgefäligen Stadt zugegen ist.”, sprach Icaro. “Und man sollte sich ein Bild von demjenigen machen, der anstrebt die neuen Schiffe der efferdischen Flotte zu bauen.” Vorsichtig ließ Mireia den Wein in ihrem Pokal kreisen. “Aber sagt, Signor Ferrante, wie steht ihr zur Familie d'Antara? Denn diese scheint wohl der einzige Grund Eurer Anwesenheit hier zu sein. Weder habe ich je etwas von einem Besuch eines Mitgliedes Eures Hauses seit der Ausrufung der Republik hier in Efferdas gehört, noch scheint es traviagefällige Verbindungen zu geben. Verzeiht meine Neugier.” Sie schaute Ferrante an und nippte an ihrem Pokal. “Oder hat Eure Anwesenheit noch andere Gründe?”

“Es gibt nichts zu verzeihen, Signora. Eure Frage ist berechtigt und gerne beantworte ich Euch diese.”, sprach Ferrante als er einem der Bediensteten einen Weinpokal abnahm. Folnor lehnte dankend ab und widmete sich wieder den Gesprächspartnern. Ferrante ließ ebenfalls den Wein in seinem Pokal kreisen. “Die Bande unserer Familie wurden leider erst während des vergangenen Krieges geknüpft, als wir beide gemeinsam dem Horas dienten. Daraus ergaben sich viele Momente, in denen man zusammen etliche Hindernisse und ausweglose Lagen überwinden konnte. Näher ausführen möchte ich dies nicht, da es doch dann ein unpassendes Thema für diesen Abend ist. Mit Verlaub würde ich Euch ebenfalls eine Frage stellen, wenn Ihr erlaubt.”

Als der Horas erwähnt wurde, horchte Icaro kurz auf überließ das Gespräch aber weiterhin seiner Frau. Sein Mißtrauen war geweckt und er lauschte jetzt jedem gesprochenen Wort umso deutlicher. Seine Frau lächelte ihren Gegenüber an. “Ihr weicht mir mit einer Frage aus, Signor Ferrante.” Spielerisch tadelnd schüttelte sie den Kopf. “Aber gut, stellt mir eure Frage und lasst uns sehen, ob es mir genehm ist, Rede und Antwort zu stehen.”

“Vielen Dank, Signora. Anscheinend habe ich nun Eure Aufmerksamkeit gewonnen, Signor Icaro.”, bemerkte leicht amüsiert Ferrante, der das Spiel der Familien aus Vinsalt nur allzu gut kannte, “Aufmerksamkeit wie Misstrauen wie mir scheint. Verzeiht, wenn ich Euch einen Anlass gegeben haben.”

Ferrante ließ wieder den Wein in seinem Pokal kreisen: “Mit Verlaub halte ich meine Frage doch lieber zurück. Ich werde diese ohnehin von anderer Stelle beantwortet bekommen und möchte Euch nicht mit einem schwerfälligen Gespräch zur Last fallen, Signora.”

Selbst Folnor, der in den hiesigen Spielen der Adligen nie sonderlich Interesse hatte oder Talent dazu vorwies, spürte eine gewisse Gefahr, die von den beiden Gesprächspartnern ausging. “Adlige durch und durch. Würde ich dieses Kokettieren nicht allgemein verachten, würde ich die ya Pirras bewundern. Immerhin bringen diese etwas Klasse in die recht bescheidene Gesellschaft.”, dachte sich der Soldat.

“Wenn ihr die Frage nicht stellt, kann man auch nicht wissen, in welche Richtung sich dieses Gespräch begeben wird.” Mireia nahm einen Schluck Wein, bevor sie weiter sprach. “Aber nun gut, wenn ihr nicht mit der Sprache rausrücken wollt, kann ich Euch auch nicht dazu zwingen.” Wieder winkte sie einen anderen Bediensteten mit einem Tablett Canapés zu sich.

“Nicht mit der Sprache rausrücken wollt… Wie galant formuliert, Signora.”, lachte Ferrante herzhaft auf, “Welch Erfrischung.”

Zu den ya Pirras und den di Cerranos gesellte sich ein junger Mann, der an seiner dunkelgrünen Weste eine Fasanenspange befestigt hatte. Es war Timor d'Antara, der Sohn der Gastgeber und anders als sein Vater, teilt er die Adelsfreundlichkeit seines Onkels Orelian. Er verbeugte sich höflich und grinste freundlich.

,,Werte Signora, werte Signori (er blickte jedem kurz in die Augen). Ich hoffe sehr, dass das Fest Euren Erwartungen entspricht?” Er zauberte ein entwaffnendes Lächeln in sein Gesicht, sodass auch der immer vorhandene Gram der ya Pirras kurzzeitig aus dem Gesicht wich.

Aber nur sehr kurz und Icaro setzte wieder seine stoische Miene auf, als er dem jungen d'Antara antwortete. “Ah, Signor Timor, oder wollt ihr eher Secretario genannt werden? Das Fest ist, wie soll ich sagen, ja…..recht zufriedenstellend. Die Canapés sind etwas gewöhnungsbedürftig,  was aber wohl an dem aranischen Einflüssen Eurer Küche liegen wird, sind unsere Gaumen doch eher maritime Freuden gewöhnt. Aber sagt, können wir Euch in irgendeiner Form weiterhelfen? Meine Frau war gerade damit beschäftigt, dem  werten Signor Ferrante tiefgründige Geheimnisse zu entlocken.”

Diese hatte sich in der Zwischenzeit für ein Canapé entschieden und biss genussvoll hinein,  ihren Mann dabei nicht aus den Augen lassend.

Ferrante und Folnor mussten schmunzeln.

Signor Timor neigte leicht den Kopf, wobei die Fasanenspange an seiner dunkelgrünen Weste im warmen Licht der Festsäle aufschimmerte. Sein Lächeln blieb offen und gewinnend, frei von jeder Spur gekränkter Eitelkeit über die kleine Stichelei.

„Ah, ich danke Euch, Signor ya Pirras — und Signor Timor genügt mir vollkommen.“Er hob beschwichtigend die Hand, als wolle er jede Förmlichkeit sanft beiseiteschieben.„Ein Secretario bin ich heute ganz gewiss nicht. Lediglich der Sohn des Hauses… und als solcher liegt mir daran, dass es unseren erlauchten Gästen an nichts mangelt.“Sein Blick glitt mit höflicher Aufmerksamkeit zwischen den Anwesenden umher, blieb einen Herzschlag länger bei der Signora, die gerade das Canapé kostete. „Was die Küche betrifft, so hoffe ich, dass Ihr uns die kleinen aranischen… Experimente nachseht. Mein Vater ist der Überzeugung, dass neue Gewürze den Geist ebenso öffnen wie neue Gedanken.“Ein kaum merkliches, charmantes Schmunzeln huschte über sein Gesicht. „Doch sorgt Euch nicht — für maritime Freuden ist ebenfalls gesorgt. Ich werde persönlich veranlassen, dass Euch noch einige vertrautere Köstlichkeiten gereicht werden.“Er trat einen halben Schritt näher, die Stimme nun etwas wärmer, beinahe vertraulich:„In Wahrheit wollte ich mich nur erkundigen, ob das Fest Euren Erwartungen entspricht… und ob Ihr Euch in unserem Hause wohlfühlt. Eure Zufriedenheit ehrt uns mehr als jedes Lob für Dekor oder Musik.“

Dann verbeugte er sich erneut — nicht tief, sondern genau so weit, dass Respekt und jugendlicher Charme sich die Waage hielten — und schenkte der Gesellschaft abermals jenes entwaffnende Lächeln, das selbst verhärtete Mienen für einen Moment zu lösen vermochte und verschwand wieder.

“Auch sehr erfrischend, dieser Timor d’Antara.”, lachte Ferrante auf und gestattete sich einen Schluck aus seinem Pokal, “Ach wie ich den Zeiten nachtrauere als man an Adlige nicht so einfach herantreten durfte.”

“Ich denke, mit unserem Erscheinen hier, haben wir uns den Gepflogenheiten der Gastgeber wohl genug angepasst.” Icaro räusperte sich kurz. “Aber genug der Spielchen, Signor Ferrante. Es wird einen Grund haben, weswegen ihr Euch zu uns gesellt habt um den Stand außen vor zu lassen. Stellt schon Eure Frage und hört auf, wie eine Welle am Strand zu brechen.”

Ferrantes Miene wurde ernst. Seinen halbvollen Pokal stellte er auf das Tablett eines der Diener. “Wohl wahr, Signor Icaro. Wenn Ihr mich schon so direkt fragt…”, sprach Ferrante und wurde von Folnor unterbrochen. “Werter Vetter, ich muss Euch kurz unterbrechen - Ferrante schaute überrascht aber stimmte nickend zu - . Nun zu Euch, Signor Icaro. Ja, bei Gesprächen mit meinem Vetter Ferrante braucht man Geduld und starke Nerven, jedoch ist er ein Mann, der jederzeit beim Wort zu nehmen ist und notfalls für seine Kameraden durch das ganze Reich reitet. Wir haben das Gespräch mit Euch gesucht, weil wir Eure Familie aus der Ferne zu schätzen gelernt haben und Vertreter einer praiosgefälligen Ordnung gerne auch beistehen. Darum wollten wir Euch unseren Respekt erweisen.”

Icaro ließ Folnors Worte wirken. “Nun, dies sind ungewohnte Worte für jemanden von außerhalb und müssen wir beide auch zugestehen, dass die Familie di Cerrano noch nicht in unser Blickfeld gerückt ist, was wohl auch an mangelnden Kontakten in Vinsalt um Umgebung liegen mag. Da auch Euch anscheinend an einer praiosgefälligen Ordnung liegt, sagt in welchen Professionen dient Eure Familie dem König der Götter? In der Justicia, in einem Orden oder gar der Kirche selbst?”

“Unsere Familie ist seit langem im Heilig-Blut-Orden vertreten und nutzt jede Gelegenheit, um Gemeinden oder Wehranlagen die Einrichtung eines Horasschreins zu ermöglichen. Denn der Horas selbst führte uns in eine praiosgefällige Ordnung und darum sollte man ihn besonders würdigen. Durch unser Erbe aus bosparanischen Zeiten bringt unsere Familie zudem auch Rechtsgelehrte hervor. Ein paar von ihnen dienen dem Reich bereits im Justizwesen. Uns verwundert es überhaupt nicht, dass Eure Familie die unsere noch nicht kennt. Eure Geschäfte in dieser Stadt sowie in der Coverna selbst nehmen viel Zeit in Anspruch.”, lächelte Ferrante seinem Gegenüber und Folnor nahm den seltenen Moment wahr, in dem sein Vetter mit Autorität gepaart mit Charme auftrat.

Wieder machte Icaro eine kleine Pause, bevor er antwortete. “Nun, das Feld der Justicia ist auch meine Profession. Vielleicht ergibt sich ja eines Tages die Möglichkeit, einem Mitglied Eurer werten Familie vor Gericht gegenüberzustehen. Ich muß zugeben, diese Vorstellung würde mich sehr reizen.”

“Dies wäre auf jeden Fall interessant! Jedoch bevor wir im Gerichtssaal die Klingen kreuzen, würde sich unsere Familie sehr freuen, Eure in Valbeno zu exquisiten Wein empfangen zu dürfen. Seid versichert, dass dieser all die … bescheidenen Getränke von Haus d'Antara in den Schatten stellt. Ein, zwei Erstausgaben aus dem Bereich Recht würde auch auf Euch warten, sofern Ihr interessiert seid.”, entgegnete Ferrante in seiner üblichen Seelenruhe.

“Wir werden Eure Einladung an meinen Herrn Vater weiterleiten und Euch eine Antwort zukommen lassen. Wie lange seid ihr noch in Efferdas und wo seid ihr abgestiegen?”


Nachdem die Gastgeber ihre Gespräche mit den Rizzi und Gerber beendet hatten, begab sich Sybilla zu ihrem Mann und sah ihm überdeutlich seine frohe Stimmung an.

,,Du wirkst überglücklich, mein Lieber.”

,,Aber ja, endlich können wir anfangen. Mir kribbelt es bereits in den Fingerspitzen. Nach dem heutigen Abend werden wir ein gut gefülltes Auftragsbuch haben “, erklärte er erfreut und mit großem Optimismus in der Stimme.


Gespräch mit Familie Gezetti

Beide sahen, dass Lucian und Lamea Gezetti sowie Sherieth sunya Fatimeh auf sie zu steuerten.

Die Frauen begrüßten sich erneut mit einer leichten Umarmung und begannen ihren Plausch vom Eingangsbereich fortzusetzen.

Phelizzio nahm währenddessen Lucians Gratulationswünsche entgegen und sie stießen mit ihren Gläsern an.

,,Nachdem unsere Frauen uns wieder verstoßen haben, haben wir vielleicht die Möglichkeit über Geschäftliches zu sprechen. Ihr habt  in Eurem Brief angedeutet, dass Euer Seidenhandel möglicherweise einen Seeweg aufbauen möchte”.

Phelizzio bemerkte plötzlich, dass das Gespräch der Frauen elegant ausklang und sie sich nun interessiert dem Gespräch zwischen ihm und Lucian zu wandten. Mit einer einladenden Geste und einem freundlichen Lächeln begrüßte er die weiteren Gesprächsteilnehmer, ehe er ernst wurde. ,, Wie kann ich Euch behilflich sein, meine Freunde?”, die Frage war sowohl nochmal an Lucian und Sherieth gestellt.


Amalia, Clarizia und Linara blickten etwas missmutig in Richtung der Tanzfläche, zwar spielte die Gruppe Musiker schon eine Weile, aber bislang hatte sich noch niemand auf die Tanzfläche verirrt. Amalia blickte ihren Vater auffordernd an: “Oh nein, mein liebes Töchterchen, für derlei Albernheiten bin ich noch lange nicht betrunken genug.”

Quenia lachte ihren Gemahl an: “Früher hast du gerne und gut getanzt!”

Energisch schüttelte der Kapitän das Haupt. “Da musst du mich mit jemandem verwechseln.”

Nicandra stand abseits der anderen, während sich Vullo unter die Leute gemischt hatte und gerade versuchte einer Gruppe Frauen den Unterschied zwischen einer Nessel- und einer Palmviper zu erklären und Praiem der gerade von Laure davon abgehalten wurde, sich lautstark über die Zustände im Miseria aufzuregen, sah sie sich um und genoss unter den anwesenden Herrschaften zu sein.


Gespräch mit Familie di Solano

Während Nicandra noch in Gedanken verweilte ,trat der Gastgeber lächelnd an sie heran und bot ihr ein Glas Wein an. ,,Oh, verzeiht, dass ich Euch aus Euren Gedanken reiße, Signora, doch darf ich Euch auf ein Glas Wein einladen? Senator Silem scheint im Umfang seiner Verantwortungsvollen Aufgaben heute Abend verhindert zu sein. Bitte richtet ihm unsere Grüße aus und die Einladung eines gemeinsamen Familienessen". Seine charismatische Ausstrahlung duldete keine Absage und damit erhob er das Glas zum Prost.

„Verzeiht, die anderen di Solanos, wären auch gerne erschienen, jedoch sind sie verhindert. Besonders meine Tochter hatte sich gefreut, aber sie sucht nach einer Sekundärausbildung. Alleine Staats- und Fechtkunst, macht noch keine Frau von Welt, sagt sie immer. Sie will auch den Handel meistern. So ist die Jugend nunmal.“ schloss sie mit einem Seufzen ab.

,,Ah, wenn Eure Tochter die Kunst des Handels und Kontoristik erlernen möchte, Signora. Dann würden wir ihr mit Freude eine Lehre dazu anbieten. "

„Ich danke für das Angebot, ich bin mir sicher, dass sie hocherfreut sein wird, von einer Familie mit Verbindungen zum Mondkontor zu lernen. Ich denke, ich kann für sie sprechen, in der Annahme der Lehre. Jedoch, würde ich wohl wissen wollen, was die genaue Gegenleistung für ein so schönes Angebot ist.“

Phelizzio nahm eine ernste Miene an, ehe er antwortete.

,,Aufrichtigkeit. Zuverlässigkeit. Fleiß. In der Lehre. Doch das allein werdet Ihr als Antwort bestimmt nicht durchgehen lassen, Signora. Meine Schwester Viana, Geweihte der gütigen Göttin, hilft im Stadtteil Miseria, wo sie nur kann. Dazu würde sie Euch und dem Signor Senator gerne Ihre Aufwartung machen. Ich hoffe, Ihr seid damit einverstanden, Euch mit Viana zu treffen?”, der Schiffsbauer verneigte sich höflich.